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Leitvers: Römer 11,29
Röm 11,29: Denn die Gnadengaben und die Berufung
Gottes sind unbereubar.
Inhalt
Einleitung Israel und die Zukunft dieses Volkes Rückblick Jüngere Geschichte Vorausschau Wie sehen wir die Rückkehr in das Land denn nun? Verfolgung Israels — Wie müssen wir diese sehen? Die Zeit der großen Drangsal Wichtige Aussagen Nicht für immer abrechnen Wiederherstellung nach Bekehrung Das Los wenden Heil für Zion
In dieser Rubrik wollen wir uns mit der Zukunft von drei „Gruppierungen“
innerhalb der Menschheit beschäftigen.
Gott hat den Menschen aus einer Person geschaffen. Wir lesen das in 1. Mose 1
und 2. Anfänglich nennt die Bibel den ersten Menschen einfach nur „der Mensch“.
Später bekam er den Namen Adam. Aus der Rippe Adams formte Gott eine Frau für
Adam, die den Namen Eva bekam. Diesem Ehepaar gab Gott den Auftrag, sich zu
mehren und die Erde zu füllen.
Aus diesem Ehepaar ist die Menschheit entstanden. Die Menschen bildeten
zunächst eine Einheit. Leider kehrten sie sich von Gott ab und weigerten sich,
die Erde zu füllen. Sie bauten einen hohen Turm, um sich einen Namen zu machen
und beieinander zu bleiben. Das geschah in der Ebene von Sinear, dem heutigen
Irak. Gott griff daraufhin ein. Er verwirrte ihre Sprache und zerstreute sie
über die ganze Erde. Ab diesem Moment wurde die Einheit der Menschheit
zerbrochen, und es entstanden Völker mit ihren eigenen Sprachen (1Mo 11,1-9).
Diese Völker verfielen in allerlei Götzendienst. Da berief Gott einen Mann
aus Ur in Chaldäer. Er hieß Abram und später Abraham. Aus diesem Mann und seinen
Nachkommen entstand das Volk Israel, das das Land Kanaan als Wohnort erhielt.
Heute sprechen wir über das jüdische Volk.
Leider wurde das Volk Israel untreu und verwarf den Sohn Gottes, Jesus
Christus, der gekommen war, um ihr König zu sein und sie von ihren Sünden zu
erlösen. Daher machte Gott aus den Menschen, die doch an Jesus Christus
glaubten, ein neues „Volk“, jedoch nicht ein gewöhnliches Volk, eine Nation,
sondern ein geistliches Volk, das durch die Taufe mit dem Heiligen Geist zu
einer Einheit gemacht wurde. In Titus 2,14 lesen wir Folgendes von diesem Volk: „Jesus Christus, der sich selbst für uns
gegeben hat, damit er uns von aller Gesetzlosigkeit loskaufte und sich selbst
ein Eigentumsvolk reinigte, eifrig in guten Werken“ (Tit 2,14).
So entstanden also drei Gruppierungen unter den Menschen. An die Gläubigen in
Korinth schreibt Paulus: „Seid ohne Anstoß, sowohl Juden als
Griechen [damit sind die Völker gemeint] als auch der Versammlung
Gottes“ (1Kor 10,32).
Hier werden also alle drei Gruppierungen unter den Menschen angedeutet. Gemäß
den Aussagen der Bibel gehen diese drei Gruppen jeweils ihrer eigenen Zukunft
entgegen. Wir werden diese in den folgenden Artikeln weiter ausarbeiten und
beginnen mit der Zukunft des Volkes Israel.
Von alters her gibt es verschiedene Auffassungen über die Zukunft des Volkes
Israel:
- Das Volk Israel hat als Volk zwar noch eine staatliche, jedoch keine
gottesdienstliche Zukunft mehr.
- In der Endzeit werden sich viele Juden bekehren und nach Kanaan
zurückkehren. Sie bilden dort kein geistliches Volk mit Tempel und jüdischem
Gottesdienst. Ihre Zukunft wird im Rahmen der Kirche realisiert (so u.a. Wilh.
à Brakel geb. 1635).
- Israel hat eine Zukunft außerhalb des kirchlichen Rahmens. Nach der
Aufnahme der Gemeinde nimmt Gott den Faden mit Israel wieder auf, und die
unerfüllten Prophetien des Alten Testaments werden dann buchstäblich in
Erfüllung gehen. Diese Ansicht stammt von ca. 1830 aus Irland und England, wo durch Christen aus allerlei Kirchenverbänden auf Schloss
Powerscourt
Konferenzen zu dem Thema durchgeführt wurden, welche Prophezeiungen des Alten
Testaments noch nicht erfüllt worden sind.
Seinerzeit habe ich eine Broschüre mit dem Titel Das Israelproblem
überschrieben und fünf Gründe genannt, die meines Erachtens angeben, dass Israel
mehr zu erwarten hat als nur eine staatliche Zukunft. Ich nannte dafür:
- die bedingungslosen Verheißungen Gottes, die den Vätern gegeben sind;
- die Unverbrüchlichkeit des Bundes Gottes mit dem Volk Israel;
- die Wiederherstellungsprophezeiungen aus der Zeit vor der Verbannung, deren
Erfüllung unmöglich in der Rückkehr aus Babel unter Josua und Serubbabel
gesehen werden kann;
- die Prophezeiungenien aus der Zeit nach der Verbannung, deren Erfüllung also
nicht die Rückkehr unter Josua und Serubbabel sein kann;
- die Aussagen des Neuen Testaments.
Dieser Artikel, der sich vornehmlich mit der Zukunft Israels beschäftigt,
lässt es nicht zu, dies näher zu erläutern. Vielleicht komme ich in einem
separaten Artikel auf diese Punkte noch zurück. Aber vielleicht ist diese
Broschüre auch noch aus zweiter Hand erhältlich. Wir fahren jetzt zunächst mit
unserem Thema fort, und zwar mit einem Rückblick auf das, was in der hinter uns
liegenden Zeit stattgefunden hat.
1870-1871 fand der Deutsch-Französiche Krieg statt. Nach diesem Krieg
wurde der jüdische Kapitän Dreyfus (1859-1935) des Verrats beschuldigt.
Schließlich wurde er zwar freigesprochen, doch durch alle Aufregung kam bei den
Juden die Idee einer jüdischen Nation auf. Das Streben, einen jüdischen Staat zu
errichten, wurde Zionismus genannt. Vor dem Französisch-Deutschen Krieg gab es
schon ein zionistisches Streben. 1862 war schon ein Buch eines gewissen Moses
Hesz mit dem Titel Rom und Jerusalem erschienen. Der Zionismus wurde
allerdings stark vorangetrieben durch Herzl, der bei der Behandlung der
Dreyfus-Sache gegenwärtig war. Er schrieb unter anderem ein Buch mit dem Titel Der
jüdische Staat (1896). Herzl dachte dabei nicht unbedingt an einen Staat
im Land Kanaan.
1914-1918 gab es den Ersten Weltkrieg. Eine wichtige Folge dieses
Krieges war, dass das Land Palästina oder Kanaan im Prinzip freikam für Israel,
denn die türkische Herrschaft über dieses Land war nach dem Krieg vorbei.
Palästina fiel in den Zuständigkeitsbereich von England. Das bedeutete noch
nicht die Aufrichtung eines jüdischen Staates, denn dazu gab es noch allerlei
Hindernisse. Darüber hinaus waren die Juden selbst allgemein gesprochen dazu
noch nicht bereit.
1940-1945 fand der Zweite Weltkrieg statt. Die Folgen des Holocaust in
Deutschland und der Antisemitismus in diversen Ländern machte — wie jemand es
mal ausdrückte — das Volk frei für das Land. Kurz darauf wurde der Staat Israel errichtet, nämlich
im Jahr 1948. Danach fanden alle möglichen Entwicklungen statt, z.B. der Krieg mit den Arabern, der
Sechs-Tage-Krieg, der Jom-Kippur-Krieg. Trotz Krieg und Kriegsgefahr nahm die
Bevölkerung in dem Land stark zu.
Wir leben nun ein halbes Jahrhundert später, und in all der Zeit fungiert der
Nahe Osten als ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Wir haben den Auftritt Saddam Husseins im Irak miterlebt, der sich als eine Art „Nebukadnezar der
Zweite“ betrachtete. So wie es nun scheint, ist seine Rolle so gut wie beendet,
jedoch ist die Gegnerschaft der Araber gegen Israel nicht verschwunden, im
Gegenteil. Das Problem mit den Palästinensern ist riesengroß. Wenn wir uns
allerdings die Frage stellen, wie es mit Israel weitergeht, wagen wir uns nicht
an eine politische Prognose. Das ist überhaupt nicht der Ansatz dieses Artikels.
Die große Frage ist nämlich: Was sagt die Schrift über die Zukunft des Volkes
Israel? Wir wollen durch die Brille der Schrift vorausschauen. Es ist dann
allerdings zu beachten, nicht eine durch uns gefärbte Brille daraus zu machen,
und das ist gar nicht so einfach.
Ist die Rückkehr ins Land eine Erfüllung der Heilsprophezeiungen des Alten
Testaments? Bevor wir uns mit der Zukunft Israels beschäftigen, müssen wir zunächst ein
anderes Problem besprechen, und zwar, ob die Rückkehr der Juden ins Land und die
Aufrichtung des Staates Israel Erfüllungen der Heilsprophezeiungen des Alten
Testaments sind.
Für einen immer kleiner werdenden Teil orthodoxer Christen hat, was wir
miterlebt haben, nichts mit diesen Prophetien zu tun (s.o. Auffassung a.). Gemäß
diverser — vor allen Dingen evangelischer — Christen haben die Geschehnisse des
letzten halben Jahrhunderts alle damit zu tun. Sie sehen in den Ereignissen
absolut die Erfüllung der alttestamentlichen Heilsprophezeiungen über die Rückkehr
des Volkes in das Land der Väter.
Es mag diesen letzten Mitgläubigen komisch in den Ohren klingen, aber wir
sind davon nicht überzeugt. Beachte, wir sagen nicht, dass die Rückkehr nach
Palästina nichts mit den Prophezeiungen zu tun hat, aber sie ist nicht die Erfüllung
der Heilsprophezeiung bezüglich des Volkes Israel. Wir haben hierfür die folgenden
vier Argumente:
- Die Rückkehr, über die die Bibel spricht, wird als eine Rückkehr nach der
Bekehrung des Volkes angegeben. Dazu kann auf folgende Schriftstellen
verwiesen werden: 3. Mose 26,33-46; 4. Mose 4,27-31; 30,6; Jeremia 29,11-14; Hosea
3,3-5.
- Diese Rückkehr betrifft nicht nur die zwei Stämme, sondern auch die zehn
Stämme, die dabei wieder ein Ganzes bilden werden. Siehe: Jesaja 11,12; Jeremia 3,18;
30,3; 37,22.
- Bei dieser Rückkehr werden die Völker Israel in das Land zurückbringen und
Israel zu Diensten sein. Siehe: Jesaja 14,1.2; 49,22.23; 60,9.10; 61,5.6.
- Diese Rückkehr wird mit dem Auszug aus Ägypten verglichen. Die mächtige
Hand Gottes wird dann von den Völkern gesehen werden, und sein Gericht wird
innerhalb des Volkes selbst spürbar sein, denn genau wie in der Wüste damals
werden die Gottlosen und Widerspenstigen unter Israel ausgerottet werden (s.
Hes 20,35-44).
Das Obenstehende lässt natürlich die Frage offen, wie wir denn nun die
Rückkehr des Volkes und die Aufrichtung des Staates Israels besehen. Es gibt
zwei Aspekte, die wir dabei berücksichtigen müssen.
Der erste Aspekt ist, ob möglicherweise eine Wiederherstellung der Juden im
Unglauben in der Schrift angezeigt wird, die noch nicht die Erfüllung der
Heilsprophezeiungen beinhaltet.
Der zweite Aspekt ist, ob die Rückkehr der Juden in der vergangenen Zeit nicht
eine vorausgehende Notwendigkeit ist, um die Prophezeiungen Sacharjas und die des
Neuen Testaments in Erfüllung gehen zu lassen.
Was den ersten Aspekt betrifft, verweist man auf Jeremia 16,16. Vers 14 und 15
zeigen eine Rückkehr auf, aber Vers 16 spricht dann über Fischer und Jäger, die
der Herr entbietet, um das Volk ins Land zu jagen, und dann geht es nicht um
eine heilsreiche Rückkehr, sondern um eine Rückkehr mit dem Zutun der Völker.
Andere vertreten die Auffassung, dass Vers 16 den Versen 14 und 15 vorausgeht, und
sehen in diesem Vers die Zerstreuung des Volkes, die der Rückkehr vorausgeht.
Besser ist, dann auch auf Hesekiel 37,1-14 zu verweisen. Es geht dort um die
Sammlung der verdorrten Gebeine, die das Volk Israel darstellen. Das In-Bewegung-Kommen und
Wieder-Zusammenfügen ist die eine Sache (V. 8), das Hineinkommen des
Odems [oder Geistes] ist eine zweite. Ersteres könnte dann auf die „politische“
Wiederherstellung hindeuten, das Zweite auf die „geistliche“ Wiederherstellung.
Der zweite Aspekt ist klarer anzugeben. Die Prophezeiung Sacharjas spricht über
den Zustand des Volkes im Land. Dieser Zustand war und ist jedoch weit vom Ideal
entfernt. Es ist die Rede davon, dass Jerusalem ein Laststein sein wird, den
alle Nationen tragen müssen, und von der Belagerung der Stadt, jedoch auch von
einer göttlichen Befreiung, wobei die Einwohner den sehen werden, den sie
durchstochen haben, nachdem der Geist der Gnade und des Flehens über sie
ausgegossen wurde (s. Kap. 12). Wenn die Not am größten ist und die Feinde die
Stadt einnehmen wollen, wird der Herr zu ihrer Rettung,ausziehen, und seine Füße
werden auf dem Ölberg stehen (s. Kap. 14). Danach wird eine herrliche Zeit für
das Volk anbrechen, wobei man von Jahr zu Jahr nach Jerusalem hinaufziehen wird,
um sich vor dem König niederzubeugen, dem Herrn der Heerscharen, und um das
Laubhüttenfest, das von der Ruhe im Land , das Gott ihnen gegeben hat, spricht,
auf eine neue Weise zu feiern.
Eigentlich ist damit der zweite Aspekt hinreichend beleuchtet, wir können
jedoch auch noch auf Prophezeiungen des Neuen Testaments verweisen, die angeben,
dass ein Volk im Land sein muss, wenn sie in Erfüllung gehen sollen. Denk u.a.
an Offenbarung 11, wo von zwei Zeugen geredet wird, die in Jerusalem auftreten,
während die Stadt noch durch die Völker zertreten wird.
Wir können nun zu einer Skizzierung über das kommen, was mit dem Volk
geschehen wird, bevor die Heilsprophezeiungen tatsächlich in Erfüllung gehen. Diese
Skizzierung beginnt mit der traurigen Tatsache, dass für das Volk Israel noch
eine Zeit großer Drangsal anbrechen wird. Darüber sollten wir nur mit Tränen in
den Augen sprechen und schreiben. Hat das jüdische Volk denn noch nicht genug
durchgemacht? Die äußerst prekäre Frage dabei ist, warum Gott dies zugelassen
hat und zulassen wird.
- Auf diese Frage sind einige undurchdachte Antworten gegeben worden, die ich
hier nicht alle besprechen möchte. Ich möchte nur darauf hinweisen, dass alles, was Israel überkommen ist,
auch die Zucht seitens Gottes, beweist, dass Israel Gottes Volk ist!! Es steht
ein sehr wichtiger Text in Jeremia 46,28, der lautet: „Denn ich werde allen
Nationen, wohin ich dich vertrieben habe, den Garaus machen; aber dir werde
ich nicht den Garaus machen, sondern dich nach Gebühr züchtigen und dich
keineswegs ungestraft lassen.“ Lies auch Jeremia 30,11. Eine gleichartige
Aussprache finden wir in Amos 3,2: „Nur euch habe ich von allen Geschlechtern
der Erde erkannt; darum werde ich alle eure Ungerechtigkeiten an euch
heimsuchen.“
Eine Illustration kann hier nützlich sein. Einige Jungen drangsalieren eine
Familie. Nachbarn schalten sich ein, aber es hilft nichts. Dann radelt ein
Mann vorbei, der einen der Jungen herauspickt, ihm eine Ohrfeige gibt und ihn
nach Hause schickt. Zuschauer fragen: „Warum fasst du nicht die ganze Bande so
an?“ Darauf antwortet der Mann: „Dieser Junge ist mein Sohn, über den ich
etwas zu sagen habe. Die anderen sind nicht meine Kinder.“ Nun, Israel ist
Gottes Volk, sein Sohn (s. 2Mo 4,22). Aus diesem Bild darf man nicht
schlussfolgern, dass die anderen Völker frei ausgehen werden. Jeremia 46,28
deutet das auch schon an, aber es geht ja jetzt um die Zukunft Israels.
- Zusätzlich muss gesagt werden, dass Israel sich in dem Zustand befindet,
den Hosea beschreibt, wenn er die Worte Gottes zitiert, nämlich dass die
Kinder Israel „Lo-Ammi“ sind, das heißt „nicht mein Sohn“. Das bedeutet
nicht, dass Gott mit Israel abgeschlossen hat, sondern dass Er sie nicht
öffentlich als „seinen Sohn“ anerkennen und öffentlich für sie in die Bresche
springen kann. Wir müssen nämlich einen Unterschied zwischen der öffentlichen
und verborgenen Regierung Gottes machen. Dann regiert Gott nämlich doch und
ist mit seinem Volk beschäftigt, Er wirkt jedoch hinter den Kulissen. Das Buch
Esther illustriert dies. So müssen wir die Rückkehr der Juden und die
Aufrichtung des Staates Israel sehen. Gott ist am Werk, wählt aber nicht
öffentlich die Seite seines Volkes. Das geschieht erst, wenn die Israeliten
sich zu Gott bekehren, was in der Zukunft geschehen wird.
- Ein anderer Punkt zum Nachdenken ist die Aktivität Satans. Dieser große
Gegner Gottes will sein Werk vernichten und hat dazu zwei Pfeile in seinem
Köcher. Der eine Pfeil richtet sich gegen den „Samen der Frau“ (1Mo 3,15), was
schlussendlich auf den Herrn Jesus abzielt, auf den Messias Israels. Satan
wollte Ihn vernichten. Wir sehen das sehr stark in dem Kindermord in
Bethlehem. Herodes war das Instrument, dessen Satan sich bediente. Seine
Absicht misslang jedoch. Also richtete sich der Teufel gegen Jesus von
Nazareth, und er bekam die Führer der Juden und Pilatus, den Führer aus den
Nationen, so weit, dass Jesus Christus gekreuzigt wurde. Was nach
Satans Sieg aussah, wurde allerdings gerade seine Niederlage (s. Heb 2,14). Christus
stand aus den Toten auf und setzte sich zur Rechten Gottes, und Er wird einmal
wiederkommen, um seine königliche Herrschaft auf der Erde zu befestigen.
Der erste Pfeil richtete sich gegen den Messias des Volkes, sein zweiter Pfeil
richtete sich gegen das Volk des Messias. Satan versucht, das Volk zu
vernichten. Ein lebendiges Beispiel davon ist das Auftreten Hamans, so wie das
im Buch Esther beschrieben wird. Der Anschlag misslang.
Ein scheußliches Beispiel für den Versuch Satans, das jüdische Volk
auszurotten, ist das Auftreten der Nazis während des Zweiten Weltkriegs, dem
schrecklichen Holocaust, bei dem 6 Millionen Juden ermordet wurden. Das
Auftreten von Hitler und seinen Trabanten war darauf ausgerichtet, das jüdische Volk auszurotten, und er war zweifellos ein Instrument in der Hand
Satans.
- Diverse Christen haben in der Vergangenheit und heute das schreckliche
Leiden Israels mit der Verwerfung von Christus begründet und zitierten dabei
die Worte: „Sein Blut komme über uns und über unsere Kinder.“ Die Verwerfung
von Christus ist eine schreckliche Tatsache, und die Worte der Führer des
Volkes waren sehr ernst. Der Zorn Gottes ist deswegen seinerzeit über die
widerspenstigen Juden gekommen, wie Paulus es ausgedrückt hat: „Aber der Zorn
ist völlig über sie gekommen“ (s. 1Thes 2,16b und lies dann ab Vers 14).
Paulus spricht über das, was geschehen ist und was sein Ende fand in der
Verwüstung Jerusalems im Jahr 70 n.Ch. Aber man darf das nicht durch
die Jahrhunderte weiterführen, wie Chrysostomos und Luther das in der
Vergangenheit getan haben und manche das noch tun. Wir müssen bedenken, dass Gott die Sünde eines Vaters nicht ohne Weiteres auf
die Kinder umlenkt. Lies dazu Hesekiel 18 in Gänze! Des Weiteren müssen wir
bedenken, dass 2. Mose 20,5, wo steht, dass „Gott die Ungerechtigkeit der
Väter heimsucht an den Kindern“, nur für die Kinder gilt, die in den Spuren
der Väter leben und auf dieselbe Weise sündigen wie sie. Schlage dann Matthäus
23,35-36 auf, wo wir sehen, wie dieser Grundsatz in geistlicher Hinsicht
funktioniert, denn die jüdischen Führer werden als mitverantwortlich für das
Blut Abels gesehen, denn in geistlicher Hinsicht sind sie Söhne Kains und
handeln genau so, wie er es tat, indem er seinen Bruder ermordete. Lies dazu
Apostelgeschichte 7,52-53.
- Dennoch gibt es eine Sache, die wir berücksichtigen müssen, und das ist die
Frage nach dem Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat, woran zwei Dinge
verknüpft sind. Einerseits gab es die Verheißung von Segen, wenn Israel in den
Wegen des Herrn wandeln würde (s. 3Mo 26,1-13), andrerseits gab es den Fluch,
der kommen würde, wenn das Volk dies nicht tat (s. 3Mo 26,14-46). Nun, die
Dinge, die in den letztgenannten Versen aufgezählt sind, sind über das Volk
gekommen, und der Fluch wird aufgehoben werden, wenn sich das Volk zu Gott
bekehrt (V. 40-42!!). Lies auch Vers 44 und 45, wo steht, dass Gott seinen
Bund mit dem Volk nie definitiv brechen wird, sondern dass Er ihrer zum Guten
gedenken wird.
Hiermit ist nicht alles gesagt. Es bleiben noch genügend Fragen
übrig, jedoch können wir mit den oben genannten Punkten im Hinterkopf vor
undurchdachten Aussagen bewahrt bleiben. Wir können also jetzt dazu übergehen, zu untersuchen, was die Schrift über
die zukünftige Zeit der großen Drangsal sagt.
Über diese Zeit, die manchmal auch mit anderen Ausdrücken benannt wird, ist
in den nachfolgenden Schriftstellen die Rede:
- Jesaja 10,22; 28,22: In diesen Schriftstellen ist die Rede von einer
Vertilgung im Land, die fest beschlossen ist. Diese Vertilgung wird nicht für
ganz Israel gelten, es wird einen Überrest geben (V. 20). Das ist ein
tröstliches Wort, aber auch ein ernstes Wort: Es wird nur ein Rest übrig
bleiben (V. 22a). Diese Vertilgung wird in der Zeit stattfinden, in der
sich der Rest Israels bekehrt, was auf die Endzeit hindeutet. Lies Jesaja
28,14, um hierzu eine Erklärung zu haben.
- Jeremia 30,1-11: Die Worte, die hier stehen, sprechen von einer Wende
hinsichtlich des Schicksals des Volkes und von Rettung von Seiten Gottes, was
allerdings an einem Tag geschieht, an dem Schreckliches geschehen wird: „Wehe,
denn groß ist jener Tag, ohnegleichen, und es ist eine Zeit der Drangsal für
Jakob!“ Die Verse 8-11 zeigen, dass dies unmittelbar vor der glorreichen
Wiederherstellung Israels stattfinden wird.
- Daniel 9,27: Dieser Abschnitt handelt von der letzten der 70 Wochen, die
über das Volk und die Stadt bestimmt sind. In der 70. Jahrwoche wird der Bund
für viele schwer [fest beschlossen] werden. In der Mitte dieser „Woche“ werden
in dem wiederhergestellten Tempel Schlachtopfer und Speisopfer aufhören, und
auf Gräuel-Flügeln wird ein Verwüster kommen. Diese Verwüstung ist
festbeschlossen. In gewissem Sinn hat diese Prophezeiung in Antiochus Epiphanes
von Syrien eine Vorerfüllung erhalten. Dass dies aber nicht die definitive
Erfüllung ist, ist ersichtlich aus Matthäus 24,15 und Markus 13,14 (vgl. auch Lk
21,20-28), denn der Herr Jesus kündigt diese Geschehnisse als eine zukünftige
Tatsache an. Auch wurden diese Worte nicht definitiv erfüllt, als Titus
Jerusalem einnahm, denn der Text in den genannten Schriftstellen verbindet
diese Ereignisse mit der Endzeit und dem Kommen von Jesus Christus (Mt 24,30-31 und Lk 21,27).
- Daniel 12,1: Dieser Vers enthüllt, dass es eine Zeit der Drangsal geben
wird, wie es sie nicht gegeben hat, seitdem Völker existieren. In dieser Zeit
wird das Volk Daniels entkommen, die, die in dem Buch geschrieben stehen. Lies
das ganze Kapitel, um ein Bild von dieser besonderen Zeit zu erhalten. Diese Zeit wird gekennzeichnet sein von dem Auftreten des falschen Messias
in Israel, der gleichzeitig der Antichrist ist, der durch den Apostel Johannes
angekündigt wird. Kennzeichnend sind die Stellen, die die Zeitspanne dieser
Drangsal angeben. Es sind folgende:
- In Daniel 7,25 wird angegeben, dass das „Horn“, das ist der falsche
König, das Messias-Plagiat, die Heiligen der höchsten Örter vernichten
wird:
eine Zeit und Zeiten und eine halbe Zeit.
- In Daniel 9,27 wird über die Zeitspanne einer halben Woche gesprochen.
Darunter müssen wir eine Woche von 7 Jahren verstehen.
- In Daniel 12,7 wird genau wie in 7,25 über eine Zeit gesprochen, Zeiten
und eine halbe Zeit, dass ein Ende für die vernichtende Macht des heiligen
Volkes kommt.
- In Offenbarung 11,2 wird gesagt, dass die heilige Stadt 42 Monate durch
die Nationen zertreten werden wird. In derselben Zeit treten zwei Zeugen
auf, die 1260 Tage prophezeien werden. Wenn sie getötet werden, liegen ihre
Körper in den Straßen der Stadt, in der auch ihr Herr gekreuzigt wurde (V.
8). Unverwechselbar ein Hinweis auf Jerusalem.
- In Offenbarung 12,6 finden wir denselben Hinweis über 1260 Tage, da
allerdings in Verbindung mit der Ernährung der Frau, die deutlich Israel
darstellt, denn ihr Kind, das entrückt wird, ist der Herr Jesus. Er ist aus
Israel entsprossen.
- In Offenbarung 12,14 treffen wir wieder auf die Zeitangabe aus Daniel
7,25, nämlich dass die Frau in der Wüste ernährt wird, in Sicherheit
gebracht vor der Schlange: Zeit, Zeiten und eine halbe Zeit.
- In Offenbarung 13,5 finden wir wieder die Nachricht von 42 Monaten,
womit die Freimacht des Drachens gegen Gott angegeben wird.
Die Zeit der großen Drangsal ist also 3 ½ Jahre.
- Nebst dem Auftreten des Antichristen gibt es auch umliegende
Völker, die Israel bedrängen werden. Ich beschränke mich mit dem Hinweis auf
Sacharja 12-14 und Hesekiel 20.
In Verbindung mit diesem ernsten Zukunftsaspekt ist es von äußerster
Wichtigkeit, den folgenden Kernaussagen Aufmerksamkeit zu schenken.
Wir begegnen dieser Aussage an diversen Schriftstellen, die über die Tatsache
sprechen, dass Gottes Zorn das Land und das Volk treffen wird. Die Textstellen
unterstreichen, was oben gesagt wurde über die ernste Zucht Gottes über Israel.
Doch dann folgt die tröstende Mitteilung, dass Gott nicht für immer abrechnen
wird mit seinem Volk. Letzteres widerlegt die Behauptung derer, die sagen, dass
Israel keine geistliche Zukunft mehr hat. In dieser Hinsicht siehe:
- Jeremia 4,22-26 und achte dabei auf die Verheißung des Nicht-endgültig-Abrechnens in Vers 28
- Jeremia 5,1-9 mit der Verheißung des Nicht-endgültig-Abrechnens in Vers 10
- Jeremia 5,5-17 und die Verheißung in Vers 18
- Jeremia 30,7 worauf oben schon hingewiesen wurde und beachte die
Verheißung in Vers 11
- Jeremia 46,27, wo die Rede ist von dem Land ihrer Gefangenschaft mit der
Verheißung des Nicht-endgültig-Abrechnens in Vers 28.
Die Schrift spricht durchaus von einer Rückkehr und Wiederherstellung des
Volkes im Land, was aber erst nach der Bekehrung des Volkes stattfindet. Das
richtet sich gegen die, die in der politischen Wiederherstellung des Volkes nach
1948 eine göttliche Wiederherstellung zu sehen meinen, über die die Propheten
geredet haben. Sieh zur Untermauerung dieses Gedankens, dass es erst
Wiederherstellung nach der Bekehrung gibt, die folgenden Schriftstellen: 5. Mose
4,27-31; 30,1-4; Jesaja 1,27; 10,21-22; 59,20; Jeremia 3,14-18.22; 29,14; 31,18; Hosea
3,4-5; 5,15.
Eine sehr wichtige Aussage ist das Versprechen des Herrn, dass Er das Los
seines Volkes wenden wird. Ich verweise auf folgende Texte, in denen wir diesem
Ausdruck begegnen: 5. Mose 30,3.4; Jeremia 29,14; 30,3.18; 31,23; 32,44; 33,7.11.26; Hesekiel
39,25; Hosea 6,11; Joel 3,1; Amos 9,14; Zephanja 2,7; 3,20. Viele dieser Texte haben in der Vergangenheit eine teilweise Erfüllung
erfahren. Wenn wir sie jedoch im Zusammenhang lesen, wird klar, dass sie sich
schlussendlich auf die Wende beziehen, die Gott in der Endzeit seinem Volk
bereiten wird. Das gilt auch für die Texte im nachfolgenden Abschnitt.
Als vierte bemerkenswerte Aussage fällt die regelmäßig wiederkehrende
Verheißung Gottes bezüglich des Heils für Zion, für Jerusalem, für das Volk und
für das Land auf. Dieses Heil wurde weder in der Vergangenheit noch bis heute
realisiert. Man denke an folgende Bibelstellen: Jesaja 2,1-5; 4,3.4; 9,1-6; 11;
14,1-2; 19,18-25;
24,23; 27,6.12-13; 29,22-24; 30,23-26; 32,15-20;
33,17-24; 35; 49,8-12.18-23; 50,11; 54,3.9.10; 60; 66. Das sind alles Abschnitte aus dem Buch Jesaja, das schon mal „das Evangelium
des Alten Testaments“ genannt wird. Dies besonders durch diejenigen, die diese
Heilsprophezeiungen auf die Kirche anwandten. Die Beschreibungen sind jedoch so
israelitisch, dass man so eine Anwendung nicht durchziehen kann.
Nicht nur Jesaja hat über das zukünftige Heil von Israel geredet, auch andere
Propheten haben das getan. Ich verweise auf Jeremia 30 und 33. Beachte dabei,
dass Gott in diesen Kapiteln die Unverbrüchlichkeit seines Bundes mit dem Volk
vergleicht mit der Verordnung von Tag und Nacht und von Sonne und Mond. Sieh
dazu: Jeremia 31,35.36 und 33,19-26. Sieh weiterhin: Hesekiel 36,22-38; 37,15-28; Zephanja
3,9-20 und Sacharja 14.
In Matthäus 24,29 und Markus 13,19 wird über die große Drangsal in Verbindung
mit dem Volk Israel gesprochen, was aber nicht heißt, dass die Gläubigen aus den
Nationen mit dieser Drangsal nichts zu tun haben werden. Offenbarung 7,1-8
schildert uns nämlich einerseits das Versiegeln von 144.000 Personen aus allen
Stämmen Israels, allerdings reden die Verse 9-16 über eine große Schar, die
niemand zählen kann aus den Nationen, die aus der großen Drangsal kommen und
demnach diese Zeit auch miterlebt haben. Wer das sind, erfordert eine
ausführliche Abhandlung und würde meinen Artikel zu lang werden lassen. Ich will
aber darauf hinweisen, dass es in Offenbarung 7 deutlich um zwei verschiedene
Sorten Jünger geht, wie oben beschrieben. Das beweist, dass wir uns dann in der
nachchristlichen Zeit befinden, denn in der heutigen Zeit gibt es keine zwei
Sorten getrennter Gläubige, sondern alle Gläubigen — sei es, dass sie aus dem
Volk Israel zum Glauben gekommen sind oder aus den Völkern — bilden eine
ungeteilte Gemeinde, die der Leib von Jesus Christus ist (siehe u.a. 1Kor
12,13).
Hiermit bin ich ans Ende dieses Artikels gekommen, und ich hoffe und bete,
dass er dazu dient, ein etwas klareres Bild von der Situation des Volkes Israel
jetzt und in der Zukunft zu bekommen, und das zur Ehre des Herrn, dessen Treue
uns gegenüber, aber auch seinem Volk Israel gegenüber, unverbrüchlich ist.
Quelle:
www.jaapfijnvandraat.nl
Übersetzung: Stephan Winterhoff
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