Der dritte Johannesbrief

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 25.09.2021

Einleitung

Dieser dritte Brief ergänzt in vielerlei Hinsicht den zweiten. Im zweiten Brief wird uns gesagt, wen wir nicht aufnehmen und mit wem wir keine Gemeinschaft haben sollen, und im dritten Brief wird uns gesagt, wen wir aufnehmen und mit wem wir Gemeinschaft haben sollen. Eine verschlossene Tür kennzeichnet also den zweiten Brief, weil es darum geht, wie wir mit bösen Lehrern umgehen sollen. Dagegen kennzeichnet eine offene Tür diesen dritten Brief, weil es darum geht, wie wir mit wahren Dienern des Herrn umgehen sollen, die die Wahrheit bringen. Einfach ausgedrückt: Alle, die Irrtümer über die Person Christi festhalten, sind abzulehnen, und alle, die die Wahrheit über seine Person und sein Werk lehren, sind aufzunehmen und auf jede erdenkliche Weise zu unterstützen. Folglich sagt W. Kelly:

Daher heißt das Schlüsselwort im dritten Brief „Nimm auf!“, während das des zweiten Briefes „Nimm nicht auf!“ lautet.[1]

Die beiden Briefe bilden also ein Gegengewicht.

Dieser Brief ist der einzige „dritte“ Brief in der Bibel. Wenn die „zweiten“ Briefe vom Zusammenbruch und Verfall des christlichen Zeugnisses ausgehen, dann deutet das Vorhandensein eines dritten Briefes darauf hin, dass die in den zweiten Briefen beschriebenen verderbten Zustände noch weiter fortgeschritten sind. In diesem dritten Brief haben wir eine Situation in einer Versammlung, in der die Versammlung ihre Kraft, mit dem Bösen in ihrer Mitte zu handeln, verloren hat. Ein Mann hatte sich erhoben und die Kontrolle über die Versammlung an sich gerissen, und er benutzte sie, um seine eigenen selbstsüchtigen Interessen zu fördern. Die Versammlung hatte jedoch keine (verwaltungsmäßige) Kraft, mit ihm zu handeln. Wenn solch ein Mann sich auf diese Weise erheben würde, würde die Versammlung ihm unter normalen Umständen Einhalt gebieten und ihn danach unter Kontrolle halten. Aber in diesem Fall waren die Dinge in einem so schwachen Zustand, dass es keine moralische oder geistliche Autorität in der Versammlung gab, um den Mann zu zügeln. Der Apostel Johannes schreibt an Gajus, um ihn in dieser schwierigen Situation zu beraten.

Drei Männer werden in dem Brief erwähnt: Gajus, Diotrephes und Demetrius. Jeder von ihnen dient dazu, uns eine Lektion darüber zu erteilen, wie wir in unseren örtlichen Versammlungen in den letzten Tagen des christlichen Zeugnisses vorangehen sollen.

Gajus

Vers 1

3Joh 1: Der Älteste dem geliebten Gajus, den ich liebe in der Wahrheit.

Wie im zweiten Brief gibt sich Johannes nicht selbst zu erkennen, aber es ist unverkennbar sein Schreibstil. Anders als im zweiten Brief wird der Adressat namentlich genannt; der Brief ist an den „geliebten Gajus“ gerichtet. Sein Name erscheint in der Schrift fünfmal (Apg 19,29; 20,4; Röm 16,23; 1Kor 1,14; 3Joh 1), aber es ist nicht sicher, ob sich alle Hinweise, die seinen Namen tragen, auf dieselbe Person beziehen.

Wir sehen in Gajus einen geistlich gesinnten Heiligen, dessen Interessen sich auf den Herrn und sein Volk konzentrierten. Wie lobenswert! Kein Wunder, dass Johannes sagt, er liebe ihn „in der Wahrheit“. Die Wahrheit ist ein hervorstechendes Merkmal des Briefes. Wir finden:

  • die Liebe in der Wahrheit (3Joh 1)
  • das Festhalten an der Wahrheit (3Joh 3a)
  • das Wandeln in der Wahrheit (3Joh 3b.4)
  • die Mitarbeiter der Wahrheit (3Joh 8)
  • ein gutes Zeugnis von der Wahrheit (3Joh 12)

Vers 2

Bevor Johannes Gajus für seine Bemühungen lobt, die Diener des Herrn zu unterstützen, erwähnt er seine Sorge um die Gesundheit von Gajus. Er sagt:

3Joh 2: Geliebter, ich wünsche, dass es dir in allem wohl geht und du gesund bist, wie es deiner Seele wohl geht.

Wir sehen hier das liebevolle Interesse des Apostels am persönlichen Wohlergehen des Gajus. Das lehrt uns: Wir sollten uns aufrichtig umeinander kümmern, sowohl auf der natürlichen als auch auf der geistlichen Ebene. Während Gajus’ körperliche Gesundheit schwächer wurde, war seine geistliche Gesundheit gut. In diesen letzten Tagen ist es oft genau andersherum! Johannes wünschte sich, dass Gajus körperlich ebenso gesund war, wie er geistlich gesund war, denn er brauchte eine gute Gesundheit, um seinen Dienst, den Dienern des Herrn zu helfen, fortsetzen zu können.

Verse 3.4

Dann lobt Johannes Gajus dafür, dass er in der Wahrheit wandelt:

3Joh 3.4: 3 Denn ich habe mich sehr gefreut, als Brüder kamen und Zeugnis ablegten von deinem Festhalten an der Wahrheit, wie du in der Wahrheit wandelst. 4 Ich habe keine größere Freude als dies, dass ich höre, dass meine Kinder in der Wahrheit wandeln.

Die Diener des Herrn, die unter den Gläubigen umherreisten, berichteten Johannes von der Wohltätigkeit des Gajus, und Johannes erwähnt dies als einen lebendigen Beweis dafür, dass die Wahrheit „in“ Gajus war. Gajus hatte die Wahrheit nicht nur gelernt, sondern sie war ein fester Bestandteil von ihm geworden, und so bestimmte sie sein Leben. Daher spricht Johannes von seinem „Festhalten an der Wahrheit“ und dass er „in der Wahrheit wandelt“.

Gajus gehörte zu denen, die Johannes als „meine Kinder“ bezeichnet. Das deutet darauf hin, dass er durch Johannes zum Glauben gekommen sein könnte. Paulus spricht von Timotheus, Titus und Onesimus in ähnlicher Weise (1Tim 1,2; 2Tim 1,2; Tit 1,4; Phlm 10); Petrus von Johannes Markus ebenfalls so (1Pet 5,13).

Verse 5-8

Gajus liebte nicht nur die Wahrheit, sondern er liebte auch die Geschwister. Das kam in seiner Gastfreundschaft zum Ausdruck. Johannes lobt ihn für seine guten Taten:

3Joh 5-8: 5 Geliebter, treu tust du, was irgend du an den Brüdern, und zwar an fremden, tust 6 (die von deiner Liebe Zeugnis abgelegt haben vor der Versammlung), und du wirst gut darantun, wenn du sie auf eine Gottes würdige Weise geleitest. 7 Denn für den Namen sind sie ausgegangen und nehmen nichts von denen aus den Nationen. 8 Wir nun sind schuldig, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden.

Gajus liebte die Gläubigen und wollte sie in der Wahrheit erbaut sehen, und so setzte er seine materiellen Mittel ein, um denen zu helfen, die umherzogen, um die Wahrheit zu lehren. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er selbst eine Gabe für den öffentlichen Dienst des Wortes hatte, aber er versuchte, denen zu helfen, die sie hatten. Das ist lobenswert.

Gajus diente „Brüdern, und zwar fremden“. Es waren Brüder, die in dieser Gegend fremd waren. Diese Fremden waren Diener des Herrn, die weit umher gingen, um das Evangelium zu predigen und die Wahrheit zu lehren, und Gajus übte ihnen gegenüber Gastfreundschaft. Er befolgte die Ermahnung aus Hebräer 13,2: „Die Gastfreundschaft vergesst nicht.“ Diese unermüdlichen Diener des Wortes gaben Zeugnis von der Liebe des Gajus „vor der Versammlung“, und Johannes ermutigte ihn, in diesem guten Werk fortzufahren und für ihre zeitlichen Bedürfnisse „auf eine Gottes würdige Weise“ zu sorgen.

Diese Brüder zogen im Glauben aus und vertrauten darauf, dass der Herr sie versorgen würde. Sie verstanden, dass sie „nichts“ von den ungläubigen Heiden, unter denen sie predigten, annehmen sollten, um in den Augen der Welt die Gnade Gottes nicht zu verfälschen. Eine solche Praxis hätte den Verlorenen einen falschen Grund geben können, auf dem sie sich hätten ausruhen können: Sie hätten dann nämlich denken können, dass sie sich die Errettung und die Gunst Gottes durch gute Werke verdienen könnten (Röm 4,4.5; Eph 2,8.9; Tit 3,5). Die Praxis dieser Diener, „nichts von den Nationen zu nehmen“, wird beispielhaft in Elisas Ablehnung der Gaben Naamans dargestellt (2Kön 5,5.15.16). Die Schrift weist darauf hin, dass die Diener des Herrn von den Gläubigen unterstützt werden sollten (1Kor 9,1-18; Gal 6,6; Phil 4,11.12; Heb 13,16). Das ist es, was Gajus tat. Die heutigen Geldbeschaffungskampagnen in der evangelikalen Christenheit missachten dieses Prinzip; viele betteln regelmäßig um finanzielle Unterstützung von einem gemischten Publikum aus geretteten und verlorenen Menschen. Solch ein Tun tadelte der HERR bei Gehasi, als dieser Naaman nachlief und ein Geschenk von ihm annahm; dadurch wurde er aussätzig (2Kön 5,20-27).

Johannes fügt hinzu: „Wir nun sind schuldig, solche aufzunehmen, damit wir Mitarbeiter der Wahrheit werden.“ Mit dem „wir“ deutet Johannes an, dass alle Gläubigen nach ihren Möglichkeiten an diesem Dienst teilnehmen und ihn nicht einigen wenigen überlassen sollten, wie es oft der Fall ist. Wir sehen daraus, dass Wahrheit und Liebe das Leben des Gajus prägten und die Gläubigen überall davon profitierten.

Diotrephes

Verse 9.10

In scharfem Kontrast zum Verhalten des Gajus erwähnt Johannes Diotrephes. Er sagt:

3Joh 9.10: 9 Ich schrieb etwas an die Versammlung, aber Diotrephes, der gern unter ihnen der Erste sein will, nimmt uns nicht an. 10 Deshalb, wenn ich komme, will ich an seine Werke erinnern, die er tut, indem er mit bösen Worten gegen uns schwatzt; und sich hiermit nicht begnügend, nimmt er die Brüder nicht an und wehrt auch denen, die es wollen, und stößt sie aus der Versammlung.

Hamilton Smith sagt:

Wenn wir in Gajus ein schönes Beispiel eines Heiligen sehen, der sich durch die Wahrheit leiten lässt, dann haben wir auf der anderen Seite in Diotrephes eine ernste Warnung, wie das ganze christliche Leben durch ungerichteten Hochmut des Fleisches verdorben werden kann.[2]

Diotrephes wollte den Apostel Johannes nicht anerkennen, und statt die treuen Diener des Herrn aufzunehmen, lehnte er sie ab und verbot es denen, die es wie Gajus taten – bis dahin, dass er sie aus der Versammlung ausschloss! Es ist klar, dass Diotrephes ein eifersüchtiger Mann war. Er betrachtete Johannes und die Brüder, die umherzogen, um das Wort zu verkündigen, als Konkurrenten, die ausgeschaltet werden mussten. Er ärgerte sich über jeden auswärtigen Dienst der durchreisenden Brüder, da er dies als Einmischung betrachtete. F.B. Hole vermutet, dass er sie womöglich deshalb ablehnte, weil „diese reisenden Brüder keinerlei Vollmacht hätten und dass er für das stehen würde, was zur Ordnung gehörte und was ,offiziell‘ war“[3] – aber es war wohl eher ein Fall von Eifersucht.

Diotrephes war ein Ältester, der außer Kontrolle geraten war. Der Mann war „ein kleiner Papst“, der versuchte, alles und jeden in der Versammlung zu kontrollieren. Er tat das, wovor der Apostel Petrus die Ältesten gewarnt hatte – er herrschte über die Herde (1Pet 5,3). Aufgeblasen vor Stolz und Selbstgefälligkeit meinte er, die Herde Gottes sei seine eigene Herde! Gajus zeichnete sich durch Liebe aus, aber dieser Mann war von einer ganz anderen Art von Liebe gekennzeichnet: von Liebe zu sich selbst. Johannes sagt über ihn, dass er „gern unter ihnen der Erste sein will“. Im Laufe der Jahre sind leider viele dem Beispiel von Diotrephes’ Selbstsucht gefolgt, und Versammlungen sind infolgedessen auseinandergerissen worden. Lasst uns gewarnt sein.

Das Böse, das Diotrephes kennzeichnete, war:

  • Selbstherrlichkeit; er liebte es, den ersten Platz einzunehmen.
  • Er missachtete die apostolische Autorität, indem er einen Brief des Apostels Johannes an die Geschwister zurückhielt.
  • Er beschuldigte Johannes und die, die mit ihm zusammenarbeiteten, zu Unrecht mit bösen Worten.
  • Er widersetzte sich dem aktiven Zeugnis für das Evangelium, indem er sich weigerte, denen zu helfen, die hinausgegangen waren, um in Wort und Lehre zu arbeiten.
  • Er behinderte diejenigen, die versuchten, die reisenden Arbeiter zu empfangen.
  • Er schloss im Alleingang Brüder aus, die sich ihm in den Weg stellten.

Wir könnten uns fragen, warum Johannes dem Gajus nicht sagte, er solle die Brüder zusammenrufen, dem Mann entgegentreten und ihn unter Zucht stellen. In früheren Tagen, als die Dinge im Haus Gottes geordneter waren, hätte man so gehandelt, aber die Bedingungen in dieser Versammlung waren so, dass es keine moralische Kraft gab, das zu tun. Alle, die Diotrephes die Stirn boten, wurden aus der Versammlung ausgeschlossen – und da sie außerhalb der Versammlung waren, konnten sie der Versammlung nicht mehr helfen. Ein Kräftemessen ist also nicht die Lösung; solche Konfrontationen führen nur zu mehr Opfern. Deshalb sagt Johannes dem Gajus nicht, dass er gegen Diotrephes kämpfen soll. Einen fleischlichen Menschen zu bekämpfen, kann dazu führen, dass sich das Fleisch in uns erhebt, und wir können nicht durch das Fleisch mit dem Fleisch handeln. Das wäre so, als würde man versuchen, ein Feuer mit einem Eimer Benzin zu löschen! Johannes empfahl dem Gajus auch nicht, wegzugehen und eine andere Versammlung an einem anderen Ort aufzusuchen. Eine solche Handlung zeugt nicht von echter Liebe und Fürsorge für die Herde. Der Herr sagte, dass ein „Mietling“ die Herde verlassen würde, wenn die Zeiten hart werden, weil er sich „nicht um die Schafe kümmert“ (Sach 11,17; Joh 10,12.13). Weggehen war nicht die Antwort.

Johannes versprach, „bald“ (3Joh 14) zu kommen, um über Diotrephes ein apostolisches Urteil zu fällen, denn er hatte wie Paulus (1Kor 4,21; 2Kor 1,23) apostolische Autorität vom Herrn und konnte in einer Versammlung ein Urteil fällen – wenn es nötig war. Ob Johannes tatsächlich dort ankam oder nicht, wissen wir nicht; er war zu der Zeit ein sehr alter Mann, aber mit diesem Versprechen im Hinterkopf sollten Gajus und die Brüder auf die Ankunft von Johannes warten. Was wir daraus lernen sollen, ist: Wenn es in der Gemeinde keine moralische Kraft mehr gibt, um mit Personen wie Diotrephes zu handeln, müssen wir uns auf den Herrn stützen und darauf warten, dass Er eingreift. Wir können natürlich nicht erwarten, dass ein Apostel kommt und die Dinge für uns in Ordnung bringt, denn es gibt heute keine Apostel mehr auf der Erde. Aber glücklicherweise kann der Herr eingreifen und die Situation regeln (1Kor 11,30; 2Tim 4,14; 1Joh 5,16) – wenn wir uns über unseren niedrigen Zustand gedemütigt haben, der so eine Situation überhaupt erst möglich gemacht hat. Wir sehen das in den Ansprachen des Herrn an die sieben Gemeinden. Als der Engel der Gemeinde (die verantwortlichen Vorsteher) in Thyatira nicht mit Isebel handeln wollte oder konnte, versprach der Herr (als Sohn über sein Haus, Heb 3,6), einzugreifen und sie und ihre Kinder zu richten (Off 2,22.23).

Vers 11

Gajus und die Brüder sollten unter den bösen Taten von Diotrephes also nicht entmutigt zusammenbrechen, sondern darauf warten, dass der Herr eingreift: entweder indem Johannes käme oder indem der Herr direkt mit Diotrephes handelte. In der Zwischenzeit sollten sie „das Böse mit Gutem überwinden“ (Röm 12,21):

3Joh 11: Geliebter, ahme nicht das Böse nach, sondern das Gute. Wer Gutes tut, ist aus Gott; wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen.

Wenn Gajus und die Brüder in der Situation, in der sie sich befanden, Diotrephes nach denselben Prinzipien begegneten, nach denen er selbst handelte würde das bedeuten, dem Bösen zu folgen. Ein solches Handeln hätte nicht den Segen des Herrn. Johannes wünschte, dass die Heiligen dort mit ihren guten Werken weitermachten, auch wenn dies sehr zum Leidwesen von Diotrephes wäre.

In dem für Johannes typisch abstrakten Stil fasst er die Dinge in absoluten Aussagen zusammen – d.h. in Aussagen darüber, was die wahren und die falschen Gläubigen auszeichnet. Er sagt: „Wer Gutes tut, ist aus Gott; wer Böses tut, hat Gott nicht gesehen.“

Demetrius

Vers 12

Johannes weist dann auf Demetrius als das Beispiel, dem wir folgen sollen. Er sagt:

3Joh 12: Dem Demetrius ist Zeugnis gegeben worden von allen und von der Wahrheit selbst; aber auch wir geben Zeugnis, und du weißt, dass unser Zeugnis wahr ist.

Ein gutes Zeugnis von „allen“ zu haben, ist ziemlich unvorstellbar. Das würde notwendigerweise Diotrephes einschließen, nicht wahr? Es ist nicht so, dass Diotrephes Demetrius gutgeheißen hätte – die einzige Person, die er guthieß, war er selbst! Es ging darum, dass Demetrius sich so verhielt, dass Diotrephes nichts gegen ihn vorbringen konnte. Die Tatsache, dass Demetrius nicht nur bei allen Menschen ein gutes Zeugnis hatte, sondern auch „von der Wahrheit selbst“, bedeutet, dass er in seinem Leben vor dem Tyrannen keinen einzigen Teil der Wahrheit preisgab. Er ließ sich nicht überreden oder einschüchtern, das zu tun, von dem er glaubte, dass der Herr es von ihm wollte. Weder wollte er weggehen noch kämpfen. Er ging ruhig mit dem Herrn weiter, und das fand die Zustimmung des Apostels. Er ist unser Vorbild in solchen Situationen. Die Lektion hier ist: Einem Diotrephes-Typ sollen wir mit dem Geist des Demetrius begegnen, während wir darauf warten, dass der Herr eingreift.

Abschließende Grüße

Verse 13-15

3Joh 13-15: 13 Ich hätte dir vieles zu schreiben, aber ich will dir nicht mit Tinte und Feder schreiben, 14 sondern ich hoffe, dich bald zu sehen, und wir wollen mündlich miteinander reden. 15 Friede sei dir! Es grüßen dich die Freunde. Grüße die Freunde mit Namen.

Johannes hatte noch mehr zu sagen, aber er hielt es für besser, dies bei einem persönlichen Besuch zu tun, den er „bald“ plante. Seine abschließenden Grußworte zeigen, dass er sich nach christlicher Gemeinschaft sehnte – nicht nur mit Gajus, sondern mit all „den Freunden“, die dort waren. Er schließt mit den Worten: „Grüßt die Freunde mit Namen.“ Das schloss Diotrephes nicht ein; er war zwar ein Gläubiger, doch weder ein Freund des Johannes noch der Wahrheit. Der Herr hat definiert, was ein wahrer Freund ist: einer, der alles tut, was Er gebietet (Joh 15,14).


Übersetzt aus The Third Epistle of John. The Reception of True Servants of God,
E-Book Version 1.2, 2019

Übersetzung: Stephan Isenberg

 

Anmerkungen

[1] W. Kelly, Was von Anfang an war. Eine Auslegung der Johannesbriefe, Schwelm (Heijkoop) 1982, S. 447.

[2] H. Smith, Betrachtungen über die Briefe des Johannes, Neustadt/Weinstr. (EPV), S. 73.

[3] F.B. Hole, Grundzüge des Neuen Testaments, Bd. 6, Hückeswagen (CSV) 1991, S. 86.


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