Das Johannesevangelium (3)
Johannes 3

William Kelly

© SoundWords, online seit: 03.05.2001, aktualisiert: 31.01.2018

Leitverse: Johannes 3

Wir haben die Wertlosigkeit des Glaubens an Christus aufgrund von Wundern gesehen. Aber in der Menge solcher Menschen mochte es Seelen geben, bei denen das Gefühl für ihren Mangel erweckt worden war, was sie zu Jesus persönlich führte. Und in Ihm war Leben: Nicht nur wurden durch Ihn alle Dinge ins Dasein gerufen, nicht nur wurden Zeichen getan und Dinge vollbracht von Jesus, die, wenn sie alle nacheinander aufgeschrieben würden, von der Welt nicht erfasst werden könnten – sondern vor allem ist Leben für den Gläubigen in dem Sohn. Und das ist die Tatsache, die hier im Einzelnen berichtet wird.

Verse 1-3

Joh 3,1-3: Es war aber ein Mensch aus den Pharisäern, sein Name Nikodemus, ein Oberster der Juden. Dieser kam zu ihm bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen, denn niemand kann diese Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm. Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand von neuem {o. von oben her} geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus war eine der wichtigsten Leute unter den Orthodoxesten des auserwählten Volkes; es war ihm ernst genug, Jesus um der Wahrheit wegen aufzusuchen, und doch schätzte er die Welt genug, um ihre Verurteilung und ihren Stachel zu fürchten. So kam er bei Nacht zu Jesus; doch stellte er sich auf den Boden der Überzeugung hinsichtlich der Zeichen, die der Herr gewirkt hatte, die auch seine Mitgenossen im Allgemeinen hatten. Er wusste nicht, dass ein tieferes Werk in ihm vorging, das ihn zu Jesus trieb. Er, der Lehrer Israels, erkannte Jesus als Lehrer, von Gott gekommen an, und dass Gott mit Ihm war: für alle anderen menschlich Geborenen eine sichtbare Ehre; für Jesus der Beweis, dass seine wahre Herrlichkeit unbekannt war.

Der Herr unterbricht ihn deshalb sofort mit der Erklärung, dass der Mensch, und zwar jeder Mensch, von neuem geboren werden muss. Nicht die Lehre wird verlangt, sondern eine neue Natur, eine neue Quelle, geistlich zu sein, um das Reich Gottes zu sehen. Keine noch so logische Folgerung ist Glaube. Es ist nicht einmal eine Überzeugung des Gewissens. Es mag ein Schlussstrich sein, der biblisch aus vernünftigen Punkten, aus fühlbaren Tatsachen wichtigster Art vor dem Verstand gezogen wird; aber weder wird Gott erkannt noch wird man selbst gerichtet. Der neue Charakter des Lebens, der für das Reich Gottes passend ist, besteht noch nicht für die Seele. In solch einem Zustand würden Lehren die Gefahr nur vergrößern oder alles neuem Übel aussetzen. Das Wort Gottes war noch nie in das Herz des Nikodemus eingedrungen. Er kannte sich selbst nicht als einen äußerst beschmutzten und geistlich tot in Sünden seienden Menschen. Was er brauchte, war, lebendig gemacht zu werden. Und anstatt auf seine Werte einzugehen, antwortete Jesus mit seiner ganzen Not, um die er sich schon selbst gekümmert hätte, wenn er sie nur gekannt hätte.

Wenn Nikodemus dann voraussetzte, dass er, wie er war, fähig war, aus der Wahrheit Nutzen zu ziehen, Gott zu dienen und sein Reich zu ererben, so versicherte ihm der Herr mit unvergleichlichem Ernst, dass die Wiedergeburt unerlässlich ist, wenn man das Reich sehen will. Denn Gott lehrt oder verbessert nicht die menschliche Natur. Er hatte es schon mit Geduld versucht; und die Probe würde bald absolut vollständig sein.

Es geht um das Reich Gottes und nicht um irgendetwas in dem gefallenen Menschen. Das Reich war noch nicht in Macht auf Erden errichtet oder geoffenbart, wie es bei der Erscheinung Jesu sein wird. Es war noch nicht den Heiden gepredigt worden wie nach dem Kreuz. Aber es war für den Gläubigen in der Person Christi gekommen, dem Pfand dafür, dass es nach und nach in seinem vollen Umfang errichtet werden wird, sowohl in seinen „himmlischen“ Dingen als auch in seinen „irdischen“. Das Reich Gottes war in Christus, der seine Macht offenbarte unter ihnen, und die sichtbaren und unsichtbaren Feinde waren selbst Zeugen davon. Warum sah das denn Nikodemus nicht? Es fehlte nicht an dem Zielpunkt des Glaubens oder an seinem Zeugnis, es fehlte auch der allgemeinen Überzeugung und dem Bekenntnis nach nicht an Zeichen, die die Gegenwart und Macht Gottes bewiesen. Ach! Der Fehler liegt bei dem Menschen, und für den Menschen ist er unheilbar; denn wer kann seine Natur ändern? Und in der Tat, wenn es möglich wäre, so würde es doch nichts nützen. „Es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Gott allein kann eine neue Natur geben, und zwar eine Natur, dir für sein Reich passend ist. Ohne diese kann es niemand sehen.

Vers 4

Joh 3,4: Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er etwa zum zweiten Male in den Leib seiner Mutter eingehen und geboren werden?

Wir lernen daraus, dass nicht von einer Geburt von oben, sondern von einer Neugeburt gesprochen worden war, denn sonst hätte die Schwierigkeit, die in der Antwort zum Ausdruck gehabt, keinen Sinn. Die Wahrheit ist jedoch: selbst wenn die erdachte Umwandlung eines Greisen in einen Jüngling wahr sein könnte, ja sogar wenn der seltsame Fall, den der erstaunte Pharisäer ausspricht, durch ein Wunder eintreten würde (so wie Jona lebendig aus dem großen Fisch kam, der ihn verschlungen hatte), würde das doch trotzdem nicht den Anforderungen des Reiches entsprechen, wie wir ausdrücklich in der weiteren Erklärung unseres Herrn sehen werden. Denn es wäre ja noch die menschliche Natur, wenn sie sich auch zum Jugendalter erneuern würde oder wenn sich sogar ihre Geburt unendlich oft wiederholen würde. Aus einem Unreinen kann nichts Reines kommen; und so ist die Natur des Menschen beschaffen seit dem Sündenfall. Auch ist das nicht Gottes Art der Erneuerung, sondern Er gibt eine ganz aus ihrer Quelle heraus neue Natur; denn der Gläubige ist von Gott geboren, nicht aus vergänglichen, sondern aus unvergänglichem Samen durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.

Verse 5.6

Joh 3,5.6: Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, dass jemand aus Wasser und Geist geboren werde, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist.“

Das sind Worte von unschätzbarem wert für den Menschen, Worte von tiefem Segen, wo die Gnade dem Menschen ein Ohr gibt zum Hören und ein Herz, um es aufzunehmen und zu bewahren. Und doch kenne ich kaum eine Schriftstelle, die mehr als diese zur Taufe hin verdreht worden ist oder wo die Tradition gefährlicher falsch ist, obwohl „weil immer, weil überall, weil von allen“ hiervon genauso gilt wie von irgendeiner Deutung einer Schriftstelle, die man nennen könnte. Ein doppeltes Ergebnis würde daraus zu folgern sein:

  1. dass keine Seele in das Reich Gottes eingehen könnte, die nicht getauft ist, und 
  2. dass, da der Zusammenhang beweisen würde, dass die neue Natur mit dem ewigen Leben identifiziert wird und dass demnach keiner der Getauften verlorengehen könnte, das Letztere angenommen würde, was eine Behauptung ist, von der alle außer den Allerunwissendsten oder am meisten mit Vorurteilen Behafteten zugeben müssen, dass das ganz im Widerspruch zu anderen klaren Schriftstellen und zu der allbekannten Tatsache steht.

Die christliche Taufe (und das ist es, als was es traditionsgemäß aufgefasst wird, nicht als die Taufe des Johannes oder die der Jünger) wurde nicht eingesetzt, bevor der Herr starb und auferstand, und vorher gab es nicht die Tatsachen, die sie symbolisiert. Wie konnte denn Nikodemus diese Dinge voraussehen oder verstehen, was der Herr zur Aufklärung seiner Schwierigkeit hinsichtlich der Wiedergeburt anführt? Doch tadelt der Herr ihn als den „Lehrer Israels“, der so langsam begreift. Das heißt: Er hätte (selbst als Lehrer Israels) diese Dinge wissen sollen, die er möglicherweise nicht wissen konnte, wenn der Herr auf eine christliche Einrichtung angespielt hätte, die noch gar nicht geoffenbart war.

Die Lehre von Hooker[1] (Werke 2, 262 usw. Kebles Ausg. 5) und andere vor und nach ihm geht am Entscheidenden vorbei und beweist nur die Unachtsamkeit gegenüber der Schrift und eine oberflächliche Kenntnis von der Wahrheit. Es ist nicht wahr, dass „aus Wasser und Geist geboren“ buchstäblich zusammengesetzt die Taufe bedeutet. Niemals wird dieser Ritus dargestellt als etwas, was Leben symbolisiert, sondern den Tod, wie in Römer 6, Kolosser 2 und 1. Petrus 3 deutlich wird. „Wisset ihr nicht, dass wir, so viele auf Christus Jesus getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind?“ Die Taufe ist nie das Zeichen des Lebendigwerdens, sondern eher ein Zeichen dafür, dass die, die erweckt wurden, mit dem Tode Christi gleichgemacht werden; dass sie durch Ihn den Platz von Menschen einnehmen könnten, die den Sünden tot sind, aber Gott leben, und die sich durch die Gnade – denn wir stehen unter der Gnade – für nicht unter dem Gesetz stehend rechnen. Das ist die Lehre der Apostel. Die Worte unseres Herrn lehren nichts anderes und können es auch nicht, wie sie es müssten, wenn Johannes 3,5 sich auf die Taufe beziehen würde. Man nehme Wasser hier als ein Bild für das Wort, das der Geist gebraucht, um zu erwecken, und dann ist alles klar, ohne Widerspruch und wahr. 

Wenn es in der Schrift hieße, dass wir aus dem Geist mit Hilfe von Wasser geboren würden, hätten wir schon etwas berechtigten Anlass, das anzunehmen, was die Väter daraus entnahmen und was notwendigerweise den Bau tragen muss, der in der anglikanischen Kirche und in anderen Kirchen, die dies auf die Taufe beziehen, „zügellos“, „täuschend“, und „gefährlich“ zu sein und strittig in Bezug auf das, was unser Herr sogar in Vers 5 sagt – noch mehr aber in Vers 6, wo sogar „Wasser“ weggelassen ist –, am allermeisten strittig aber, wenn möglich, in Bezug auf den Stand der Taufe, wie er sonst in der Schrift dargestellt wird. Die Taufe mag der formelle Ausdruck vom Abwaschen der Sünden sein, aber niemals ein Ausdruck für Leben, was unwiderruflich eine falsche Lehre ist.

So ist es in Johannes 8 und 15 – nicht zu sprechen von Johannes 4 und 7. Vergleiche für das Bild Epheser 5,26; für die Wahrheit, die sich darunter verbirgt, 1. Korinther 4,15; Jakobus 1,18 und 1. Petrus 1,23. Es ist nicht ein Ritus, der einem offiziellen Stand Ehre macht, sondern das Wort Gottes, das durch seinen Geist angewandt wird und das Tod über die Natur hereinbrechen lässt, damit wir in Christus Gott leben könnten. Denn Christus kam durch Wasser und Blut; Er reinigt und versöhnt (1Joh 5). Er ist die Wahrheit, die das Wort Gottes in der Kraft des Geistes anwendet, der die alte Natur richtet und die neue Natur einführt. „Nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir“ (Gal 2,20). Man ist dieselbe Person, aber man hat ein Leben empfangen, das man vorher nicht hatte, das nicht von Adam her ist, sondern von Christus, dem zweiten Menschen. Er ist von Gott geboren, er hat teil an der göttlichen Natur aufgrund der größten und kostbarsten Verheißungen, und Er ist dem Verderben entgangen, das durch die Verlockungen in der Welt ist. So sieht es aus, von Wasser und Geist geboren zu sein: etwas unvergleichlich Tieferes als irgendeine Form der Wahrheit, wie gepriesen sie auch an ihrer Stelle sein mag, und der Zweck, den der Herr, der sie gab, im Auge hatte, sie auch sei. 

Die Taufe war die formelle Zulassung; es war das Bekenntnis Christi auf der Grundlage seines Todes und seiner Auferstehung und nicht das Bekenntnis des Lebendigwerdens, das bei allen Heiligen vor Christus wahr war, als es noch keine christliche Taufe gab. Wenn die Taufe wirklich das Zeichen und Mittel des Lebendigwerdens wäre, dann würde die Folgerichtigkeit den alttestamentlichen Heiligen das Leben aussprechen müssen oder sie hätten so getauft sein müssen, was aber nicht der Fall war. Aber das ist eindeutig ein falsche Boden. Es liegt kein Grund vor, zu folgern, dass die Zwölf mit der christlichen Taufe getauft wurden: Sie tauften andere, aber waren – so könnte es scheinen – nicht selbst getauft; waren sie dann nicht wiedergeboren? Auch bedeutet die Beschneidung nicht Leben; und so wissen wir, dass Seelen sogar schon wiedergeboren wurden, bevor Abraham, der schon durch Glauben gerechtfertigt wart, die Beschneidung auferlegt wurde. Deshalb ist es auch wichtig, zu beachten, dass der, der so wiedergeboren ist, von dem Geist geboren sein soll, wobei – in Vers 6 – das Wasser fortgelassen wird. „Was aus dem Fleische geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geiste geboren ist, ist Geist.“

Das Wort (oder symbolisch: das Wasser) kann nichts zum Lebendigwerden tun ohne den Geist, der die wirkende Kraft in der Weitergabe des Lebens Christi ist. Wasser reinigt, aber von sich selbst her ist es nicht fähig, lebendig zu machen; es ist der Tod für das Fleisch. Es hatte vorher nur Fleisch gegeben; jetzt ist der Mensch, der an Christus glaubt, von Gott geboren (1Joh 5); und jede Natur bewahrt ihr eigenes Gepräge. Wie Fleisch niemals Geist wird, so degeneriert Geist niemals zu Fleisch. Die Naturen bleiben getrennt; und die praktische Aufgabe des Gläubigen ist es, sich für die eine Natur für tot zu halten, damit er in der anderen Natur durch Glauben des Sohnes Gottes, der ihn geliebt hat und sich selbst für ihn dahingegeben hat, leben kann.

Verse 7.8

Joh 3,7.8: Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsset von neuem {o. von oben her} geboren werden. Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt, und wohin er geht; also ist jeder, der aus dem Geiste geboren ist.

Auch sollte sich Nikodemus nicht wundern, dass er und andere Juden (nicht bloß Heiden – darin hätten sie sofort zugestimmt) es nötig hatten, wiedergeboren zu werden. „Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsset von neuem geboren werden“ (Joh 3,7). Aber wenn die souveräne Gnade dieser Not begegnete, konnte und würde sie damit aufhören? Gewiss nicht. Sie würde den Segen so weit ausstrahlen entsprechend der Wahl Gottes, wie die Sünde wütet. So lässt das „jeder“ in Vers 8 Raum für jeden gefallenen Menschen – Heiden genauso wie Juden. Wie auch immer sie nach dem Fleische unterschiedlich sein mochten, der Geist, der so frei strömt, kann die segnen, die am weitesten entfernt sind, während der Nächste ohne Ihn nichts ist.

Verse 9.10

Joh 3,9.10: Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie kann dies geschehen? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist der Lehrer Israels und weißt dieses nicht?

Es ist ja schon angeführt worden, dass in all diesem kein besonderes Vorrecht lag, dass es ein einsichtiger Jude nicht hätte begreifen können. Deshalb sagte Jesus, als „Nikodemus antwortete und zu ihm sprach: „Wie kann dies geschehen?“, zu ihm: „Du bist der Lehrer Israels und weiß dieses nicht?“ (Joh 3,9.10). Hatte er niemals bei einem Propheten die Verheißung an Israel gelesen? „Ich werde Wasser gießen auf das Durstige und Bäche auf das Trockene; ich werde meinen Geist ausgießen auf deinen Samen, und meinen Segen auf deine Sprösslinge.“ Hatte er die Worte der Propheten Jesaja und Hesekiel vergessen? Vgl. Jesaja 44 und Hesekiel 36.

Es ist nicht falsch, dass Israel nach der Wiedergeburt verlangen wird, um sogar die irdischen Segnungen des Reiches Gottes später richtig zu empfangen und sich ihrer zu erfreuen, und dass Gott in seiner Gnade sie die Wiedergeburt zu diesem Zweck erleben lässt. Nikodemus brauchte also über die allumfassende Notwendigkeit für die Wiedergeburt nicht überrascht zu sein – selbst nicht als Jude –, wie der Herr verkündigt. Aber da der Segen nicht vom Fleisch, sondern vom Geist her ist, wird die Gnade ihn nicht von irgendeinem auf Grundlagen, die dem Menschen Gewicht verleihen, zurückhalten. Der Heide wird von solcher reichen Gnade, die für das Reich Gottes ist, das ein Werk der Gnade, nicht des Gesetzes oder des Fleisches, wie der Jude leicht annahm, unerlässlich ist, nicht ausgestoßen. „He! Ihr Durstigen alle, kommet zu den Wassern: und die ihr kein Geld habt, kommet, kaufet ein und esset! Ja, kommet, kaufet ohne Geld und ohne Kaufpreis Wein und Milch.“ Ist das nicht Gnade und das nicht auch so ausgedrückt, dass jedem aus den Nationen die Tür geöffnet wird, dass die Not spürbar wird, die Not ohne Hilfsquelle, überall? Aber wer außer dem Einen, der das sprach, holte dieses aus dem Propheten heraus und konnte es herausholen und dem Grundsatz seine absolute Gestalt geben wie hier bei Nikodemus? Andere, vom Geist inspiriert, sollten bald folgen; und von allen ist keiner deutlicher als der Apostel Paulus.

So weit hätte Nikodemus als Jude und als Lehrer Israels die Natur und die Notwendigkeit der Wiedergeburt kennen sollen. Die alten Propheten hätten hinsichtlich ihrer Anwendung auf Israel nicht geschwiegen – selbst für die Zeit, wo der Segen von Gott sich reichlich über sie ausgießen wird nach seiner Verheißung. Nicht nur die Heiden, sondern auch sein Volk (wie groß auch ihre gegenwärtige Selbstgefälligkeit und ihr Stolz sein mochte, der sich sogar bis zur Unwissenheit steigert) werden als unrein beschrieben, bis Er Wasser über sie sprengt und seinen Geist auf sie legt. Ohne Zweifel stellt der Herr, wie es seiner persönlichen Herrlichkeit entsprach, die Wahrheit mit unvergleichlich größerer Klarheit und Tiefe dar und auch mit einer allumfassenden Reichhaltigkeit; aber was dargebracht wurde, sollte Nikodemus auf seiner eigenen Grundlage nicht seltsam erschienen sein. Das Neue folgt bei dem Kreuz, ob in der Behauptung oder in der Tatsache, wie wir es in Kapitel 4 in so erquickender weise sehen.

Aber sogar hier teilt der Herr mit, dass eine Erkenntnis verbreitet werden soll, wie sie in der Tat zuerst bei Ihm selbst in der Person war, dann durch den Heiligen Geist durch auserwählte Zeugen weiterging, ein Zeugnis, das das der Propheten übersteigt und dem Charakter, nicht dem Ausmaß allein, nach ganz anders ist.

Vers 11

Joh 3,11: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmet ihr nicht an.

Es ist keine Sicht der Dinge aus der gewöhnlichen Sicht eines Menschen heraus, der inspiriert war, ein Prophet zu sein, auch ist es keine Botschaft, die sich auf die Autorität dessen gründet, der seinen Knecht mit dem „So spricht der HERR“ sandte. Jesus allein – wahrer Mensch unter Menschen – konnte nichtsdestoweniger, weil Er kein Geringerer als Gott war, dagegen sagen: „Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben.“ Er wusste, was im Menschen war und brauchte kein Zeugnis über den Menschen (Joh 2); Er wusste, was in Gott war, und als Einziger von den Menschen konnte Er von Ihm zeugen ohne ein Zeugnis über Ihn (Kap. 3). „Ich habe dich erkannt“, sagt Er zu seinem Vater etwas weiter in diesem Evangelium (Joh 17,25). Aber – gelobt sei sein Name! – wenn niemand den Vater kannte außer dem Sohn, so fehlte es nicht an denjenigen, denen der Sohn Ihn offenbarte; und so offenbart der Heilige Geist, der alles erforscht, auch die Tiefen Gottes, was vormals sogar den Propheten verborgen war, und Er gibt den Christen den Sinn oder die Erkenntnis Christi.

Denn eine göttliche Person kennt alles in sich selbst; nicht wie die Propheten von einem außerhalb und droben abhängig waren, der ihnen für einen Auftrag die Vision und die Botschaft gibt. Diese konnten bei dem Erforschen lernen, dass sie nicht sich selbst, sondern uns dienten in den Dingen, die jetzt von denen berichtet werden, die das Evangelium durch den Heiligen Geist gepredigt haben, der vom Himmel herabgesandt wurde. Aber Jesus redete, was Er wusste. Er kam von Gott und war selbst Gott, und deshalb kannte Er die göttliche Natur vollkommen und war hier als ein Mensch, um sie den Menschen zu offenbaren. Wenn keiner Gott zu irgendeiner Zeit gesehen hatte, so hat der Eingeborene Sohn, als Einziger der von einer Jungfrau Geborene, dieses Recht, als Sohn und als Bildnis des unsichtbaren Gottes, in einem nicht nur hervorragenden, sondern ausschließlichen Sinn, wie die Briefe an die Kolosser und an die Hebräer äußerlich lehren. Und dies redete Er in unaussprechlicher Gnade, was die Gnade und Wahrheit dessen zum Ausdruck brachte, der Gott und Vater ist, und zwar wurde es durch eines Menschen Herz zu den Herzen der Menschen gebracht. Er gab auch Zeugnis von der Herrlichkeit, die Ihm so vertraut war von dem Vater her, ehe die Welt war. Denn was hielt die göttliche Liebe von denen, die um Ihn waren, zurück, dass sie nicht teilhaben sollten mit Ihm an der Herrlichkeit, in der beide der Welt offenbar werden, und dass sie nicht seine Herrlichkeit schauen sollten, wie kein anderer sie schauen wird? Im Himmel, ja in der strahlenden Herrlichkeit, war Er zu Hause; und so wie Er dabei war, in dem Hause des Vaters einen Platz für die Seinen zu bereiten, so legt Er vor denen, die die souveräne Gnade rufen und würdig machen würde, mit Ihm dort zu sein, Zeugnis ab von dem, was Er allein gesehen hatte.

Und was für ein Zeugnis ist dieses zweifache Wissen für die Person Jesu, und doch absolut in der Beziehung! Er ist wirklich der wahre Gott, aber zugleich das ewige Leben. Es war nicht erfahrungsmäßig, sondern echt von Innen heraus. Wie eine göttliche Person es allein konnte, kannte Er sowohl den Menschen als auch Gott; und nachdem Er die unerlässliche Notwendigkeit der Wiedergeburt deutlich gemacht hat, spricht Er von Gott als droben in Natur und Herrlichkeit erkannt, so wie Er vorher von dem gewusst hatte, was im Menschen war. Wie segensvoll ist es, dass was solche Erkenntnis wie jetzt in Christus und dem Christentum überbracht ist! Wollte nicht der Mensch, bedürftig, unwissend und blind, wie er ist, solchen Segen willkommen heißen? Ach! Nein: nicht einmal, wenn die Gnade ihn darreicht und alles in den Bereichen menschlicher Sprache zum Ausdruck bringt. „Und unser Zeugnis nehmet ihr nicht an.“ Er macht Gott kund und offenbart den Vater. Es lässt keinen Raum dafür, selbst untereinander Herrlichkeit zu empfangen. Es verdammt den Menschen, so wie er ist, eigenwillig und stolz, der nicht nur kein Herz für Gott hat, sondern auch nicht glauben will, was in seinem Herzen für den Menschen ist, wie es in jedem Wort und Handeln Jesus zum Ausdruck kommt. So sagt uns der Apostel, dass keiner außer dem Geist Gottes die göttlichen Dinge kennt. Der natürliche Mensch ist weit davon entfernt, sie zu erfassen, denn sie sind ihm eine Torheit; auch kann er sie nicht erfassen, weil sie geistlich bestimmt sind.

Der Mensch trägt im Herzen einen natürlichen Widerwillen gegen das göttliche Zeugnis. Das Urteil hängt von den Empfindungen ab, und die Empfindungen des Menschen sind von Gott entfremdet. Vorrechte ändern nichts daran, auch nicht die Verantwortlichkeit, die sich aus der Beziehung, in der einer zu Gott entfremdet. Vorrechte ändern nichts daran, auch nicht die Verantwortlichkeit, die sich aus der Beziehung, in der einer zu Gott stehen mag, ergibt. Er muss wiedergeboren werden. Eine göttliche Natur klammert sich an Gott; das Leben, das Ihn als Quelle hat und von Ihm herkommt, erhebt sich zu Ihm in Verlangen, wenn nicht sogar immer (bis sie Erlösung bekannt ist) im Vertrauen des Herzens.

Doch war der Herr Jesus in dieser ernsten Erklärung nicht über die umfassende Notwendigkeit des Menschen in Bezug auf das Reich Gottes hinausgegangen; und deshalb war es bei dem jüdischen Lehrer unverzeihlich, dass er so die Wahrheit davon übersehen hatte, so dass er bei der Erörterung des Herrn über diese Dinge sein Erstaunen nicht unterdrücken konnte. Er hätte aus den alten Schriften, von den Psalmen und Propheten insbesondere her wissen sollen, dass Israel erneuert werden muss, um ihr verheißenes Erbe auf Erden anzutreten und es zu genießen. „Gott ist in Israel gut“, wie das Reich des Moses beweisen wird; aber die Versicherung wird eingeschränkt: „denen, die reinen Herzens sind“ (Ps 71). So weit wird die Masse der Juden davon entfernt sein, für das Reich würdig zu sein, dass der Geist Christi bei dem frommen Überrest nicht zögert, Gottes Gericht und seine Ausübung des Rechts gegen eine gottlose und unbarmherzige Nation zu fordern (Ps 43). Sie waren nicht besser, sondern schuldiger als die Heiden. Es gab Feinde innen und außen (vgl. Ps 45,6-14). So ist dem Denken des Heiligen nach die Stadt (dem Namen nach die Heilige Stadt, aber in Wirklichkeit sehr unheilig) schlimmer als die Wüste, so öde sie auch sei. Nicht nur Heiden, sondern auch Juden müssen wiedergeboren werden, sonst wird der Name Gottes unter den Nationen gelästert durch sie, wie es geschrieben steht (Röm 2,24).

Aber es ist festzustellen, dass das Kapitel von Hesekiel (Hes 36), das wir schon teilweise zitiert haben und das natürlicherweise angeführt wird, um diese Worte des Apostels zu unterstreichen, in klarster und kompromissloser Weise erklärt, dass Gott seinen großen Namen heiligen wird, der so unter den Heiden gelästert worden ist (s. Hes 36,23-36).

Weiter illustrieren diese Worte des Propheten „das Irdische“ im dem Gespräch unseres Herrn mit Nikodemus.

Vers 12

Joh 3,12: Wenn ich euch das Irdische gesagt habe, und ihr glaubet nicht, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch das Himmlische sage?

In seinem Reden über die Notwendigkeit, wiedergeboren zu werden – von Wasser und Geist geboren –, war der Herr nicht über das „Irdische“ hinausgegangen. Man konnte das Reich Gottes nicht ohne jene Wiedergeburt sehen oder in das Reich hineinkommen. Natürlich ist sie auch unerlässlich für den Himmel; aber der Herr geht weiter und besteht auf der Wiedergeburt als wesentlich sogar für den unteren Bereich des Reiches Gottes. Sogar der Jude muss wiedergeboren werden für die Segnungen des Tausendjährigen Reiches und für die Ewigkeit. So wahr ist es, dass eben nicht alle Israel sind, die von Israel sind, genauso wie sie nicht alle Kinder sind, weil sie der Same Abrahams sind.

Wir werden auch sehen, wenn unser Herr in seiner Rede fortfährt und von seinem Kreuz und der Liebe Gottes, die den Sohn gibt, spricht, dass Wiedergeborensein nicht angemessen das beschreibt, was dem Gläubigen gegeben ist, sondern das ewige Leben. Dem Wesen nach ist es ohne Zweifel dieselbe neue Natur, die jeder Heilige hat und haben muss; aber jetzt erstrahlt der volle Charakter davon. Es gibt noch mehr, wie wir wissen und wie uns das nächste Kapitel zeigt: der Geist, der gegeben ist, und die Gemeinschaft der Kinder Gottes, die Ihn genießt, und die Ergebnisse des Todes und der Auferstehung und Himmelfahrt Christi, die unser Teil schon jetzt sind. Aber ich will dies jetzt nicht weiter ausführen. Nur wird uns gelehrt, dass das Reich Gottes sein „Himmlisches“ hat, nicht weniger als „das Irdische“, von dem die Propheten gesprochen haben. Jesus, der Sohn, hätte das Himmlische offenbaren können, aber die Verfassung, in der Nikodemus sich befand, ließ das im Augenblick nicht zu. Der Geist offenbarte all dies und andere Tiefen Gottes in reichlicher Weise, nachdem das vergossene Blut Gott versöhnt und ihr Gewissen gereinigt hatte. Dann waren die Jünger frei, alles in der Kraft der Auferstehung Christi und im Licht des Himmels zu lernen. Das ist die christliche Erkenntnis.

Aber sogar während Christus hier war, sprach Er deutlich vom Reich des Vaters als der himmlischen Sphäre, wo die auferstandenen Heiligen wie die Sonne leuchten sollen, im Gegensatz zu dem Reich des Menschensohnes, das eindeutig die Welt ist, von wo bei seiner Ankunft die Engel ausgesandt werden, um alle Ärgernisse zusammenzulesen und die das Gesetzlose tun (Mt 13,41-43). Ja, in dem Gebet, das Er seinen Jüngern gibt, können wir eine ähnliche Unterscheidung erkennen, wenn auch nicht so scharf abgegrenzt, denn Er trug ihnen auf, zu beten, dass das Reich ihres Vaters kommen möge, wo sie und alle auferstandenen Heiligen verherrlicht werden würden, und dann, dass sein Wille geschehen solle wie im Himmel, also auch auf der Erde, was nur der Fall ist bei der Vollendung des Zeitalters, wenn der Sohn des Menschen in seinem Reich erscheint (Mt 6,10). Dies zusammen setzt das Reich Gottes zusammen, das deshalb, wie der Herr hier darstellt „das Himmlische und Irdische“ zusammenfasst. Der Leser wird das in Epheser 1,10; Kolosser 1,20 und Hebräer 12,22-24 reichlich bestätigt finden.

Wir lernen als Nächstes, wer es ist, der von himmlischen Dingen mit kompetenter Erkenntnis und Autorität reden konnte. Es ist der Sohn des Menschen, ohne Zweifel dieselbe Person. Sie geruhte, von der Jungfrau geboren zu werden, der Sohn Davids, der Messias. Aber als Messias soll er Jehovas Volk in Gerechtigkeit richten und mit einer Macht herrschen, die man nicht antasten kann, außer zum Untergang jedes Rebellen. Denn der Geist Jehovas wird auf Ihm ruhen, der Geist der Weisheit und des Verstandes, der Geist des Rates und der Kraft, der Geist der Erkenntnis und Furcht Jehovas, und sein Wohlgefallen wird nicht richten nach dem Sehen seiner Augen und nicht Recht sprechen nach dem Hören seiner Ohren. Aber Er wird die Geringen richten in Gerechtigkeit und den Demütigen des Landes Recht sprechen lassen in Gerechtigkeit. Und so stellte Er sich selbst Israel dar, aber Er wurde verworfen; und, wie wir wissen, sie verwerfen Ihn immer noch bis zum heutigen Tag. Denn der Mensch, der verloren ist, zeigt, dass er vollkommen blind ist gegenüber seinen wahrsten Herrlichkeiten und seinem besten Schatz, Christus, den Herrn. Und so haben wir es von Anfang in diesem Evangelium von Johannes gesehen, dem es gegeben war, die Dinge so zu bringen, wie sie sind und wie sind und wie sie in der Gegenwart der Gnade und Wahrheit in seiner Person, die den Vater offenbaren, sind.

Hier offenbart dementsprechend nicht ein Prophet die Zukunft des Reiches Jehovas auf Erden oder der Gerichte, die es einleiten werden, oder des Bösen, das gerichtet werden muss, bevor der Segen an jenem Tag beginnt. Es ist mehr als ein Prophet, der das weitergibt mit Verantwortung, was er empfängt, um die Botschaft von Gott zu den Menschen zu leiten. Jesus weiß nicht nur, wie kein anderer jemals, was im Menschen auf Erden ist, weil es so nur das fleischgewordene Wort wissen konnte, sondern Er weiß auch, was droben in Gott ist, wie es nur eine göttliche Person wissen konnte, die jetzt gleichzeitig Mensch ist. Kein Prophet redete jemals so wie Er oder konnte so reden wie Er; keiner wie Er hatte solche Kenntnis und gab solches Zeugnis. Er konnte deshalb von den himmlischen wie auch irdischen Dingen wie Einer reden, der inspiriert ist zu sagen, was Er wusste und sah in der Gemeinschaft der Gottheit – und nicht wie einer, der inspiriert war, zu sagen, was vorher unbekannt war. Seine Menschwerdung minderte in keiner Weise seine göttliche Fähigkeit oder seine göttlichen Rechte herab; es war unaussprechliche Gnade denen gegenüber, zu deren Wohl Er von Gott gekommen war und zu Gott ging, nicht nur die Wahrheit und das Zeugnis davon, wie Er allein es sein konnte, sondern als der, der im Begriff stand, den Sühnetod zu sterben, wie wir kurz in diesem Zusammenhang sehen, auf dass der Gläubige ewig und gerechterweise leben könnte.

Was konnte der Mensch, ein Engel oder irgendein anderes Geschöpf nützen? Es war seine Herrlichkeit, sein Werk. Den Menschen Adam, den Jehova-Elohim erschuf, setzte Er in den Garten Eden, als Haupt aller Geschöpfe ringsherum, was Gott für sehr gut befunden hatte. Aber der Himmel ist Jehovas Thron, obwohl weder er noch aller Himmel Himmel Ihn fassen können. „Niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.“ Menschen sind zum Himmel emporgehoben worden und werden emporgehoben werden; Engel sind vom Himmel herabgesandt worden. Jesus allein kam hinaufzusteigen, so wie Er herabgekommen war. Denn Er war eine göttliche Person, und Er kam in Liebe; und die Liebe ist frei und heilig zugleich. „Siehe! Ich komme, um Deinen Willen, o Gott, zu tun.“ In der Rolle des Buches steht von Ihm allein geschrieben. Und Er, dem es so gefiel, in Gestalt wie ein Mensch erfunden zu werden, der den Leib annahm, den Gott Ihm bereitete, hatte immer Freude daran, von sich als von dem Gesandten zu sprechen, dem Menschen Christus Jesus, der vom Himmel herabkam, nicht um seinen eigenen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der Ihn gesandt hatte. Er wurde Diener, aber hörte nicht auf und konnte nicht aufhören, Gott zu sein. Aber Er ist dabei Mensch, genauso wirklicher Mensch, wie Adam es war; ja, Er ist, was Adam nicht war – Sohn des Menschen, von einer Frau geboren.

Vers 13

Joh 3,13: Und niemand ist hinaufgestiegen in den Himmel, als nur der aus dem Himmel herabgestiegen ist, der Sohn des Menschen, der im Himmel ist.

Und so ist es, dass Er nach der Art des Ausdruckes, der hier geraucht ist, als der bezeichnet wird, der zum Himmel herabgestiegen ist: ajnabevbhken  oJ ejk tou' oujranou' katabav". Denn, wie der Apostel fragt, dass Er hinaufgestiegen ist, was ist es anders, als dass Er auch hinabgestiegen ist in die unteren Teile der Erde? Der hinabgestiegen ist, ist derselbe, der auch hinaufgestiegen ist über alle Himmel, auf dass Er alles erfüllte. Nur – so wie der Apostel Paulus uns dies in Verbindung mit seinem Werk und den Ratschlüssen Gottes sagt, so stellt Johannes in den Worten unseres Herrn es als Mut der Wahrheit seiner Person – der Sohn des Menschen, der im Himmel ist – verbunden dar. Und es ist eine Wahrheit, die in Erstaunen versetzt. Wenn gesagt worden wäre: ‚Der Sohn Gottes, der im Himmel war‘, so wäre das wahr gewesen; aber was für eine unendliche Wahrheit ist das, was gesagt worden ist: „der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“! Es wäre unmöglich gewesen, das zu sagen, wenn Er nicht Gott gewesen wäre, der Sohn des Vaters; doch, was von der tiefsten Bedeutung ist, es wurde gesagt von Ihm als Menschen, als dem verworfenen Messias, „dem Sohn des Menschen, der im Himmel ist“. 

Die Inkarnation war nicht eine bloße Ausströmung der Göttlichkeit; auch war es nicht eine Person, die einmal göttlich war und durch die Menschwerdung (in sich selbst eine unmögliche Absurdität) aufhörte, göttlich zu sein, sondern einer, der, um den Vater zu verherrlichen und in Erfüllung der Absichten der Gnade zur Verherrlichung Gottes, die menschliche Natur in Einheit mit der göttlichen Natur in seiner Person annahm. Deshalb konnte Er sagen – und von Ihm allein konnte es gesagt werden: „der Sohn des Menschen, der im Himmel ist“, denn Er ist der eingeborene Sohn, der (nicht bloß: im Schoß des Vaters war, sondern) im Schoß des Vaters ist. Er ist es, der den Worten Agurs (Spr 30) entspricht, der prophetisch zu Ithiel und Ubal spricht: „Wer ist hinaufgestiegen zum Himmel und herabgekommen?“ (Spr 30,4). Es ist Gott, nicht ein Mensch, der diesem entsprechen kann; aber Gott, der Mensch wurde, ja der Sohn des Menschen. Wie würdig und kompetent ist Er doch, alle Dinge, die himmlischen, die irdischen, die menschlichen und die göttlichen, zu offenbaren! Er ist wirklich die Wahrheit!

Wir sahen, dass das Hinaufsteigen des Herrn sich auf sein Herabkommen vom Himmel gründet und dass beides sich ergibt aus und gehört zu seiner Person als der Sohn des Menschen, der im Himmel ist. Aber der Herr verfolgt dies, indem Er das mächtige Werk darstellt, das zu vollbringen zum Wohle von Sündern, Er gekommen war, auf dass sie ewiges Leben hätten – wirklich aus Gnade, aber auf der Grundlage göttlicher Gerechtigkeit.

Verse 14-16

Joh 3,14-16: Und gleichwie Moses in der Wüste die Schlange erhöhte, also muss der Sohn des Menschen erhöht werden, auf dass jeder, der an ihn glaubt, [nicht verlorengehe, sondern] ewiges Leben habe. Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe.

Es war schon eindringlich gesagt worden, dass die Wiedergeburt notwendig ist für den Menschen, um das Reich Gottes zu sehen. Aber so ist das Kreuz auch eine Notwendigkeit, wenn der schuldige Mensch von Gott Vergebung empfangen soll, wenn er für Ihn lebt. Sie sind gleichermaßen unerlässlich (vgl. 1Joh 4,9). Und Christus war zur Versöhnung für unsere Sünden gesandt, wie Er allein gesandt werden konnte. Der Herr erklärt diese letztere Wahrheit durch die wohlbekannte Szene in der Wüste, wo Gott Mose in seiner Sorge um die schuldigen Israeliten, die von den feurigen Schlangen gebissen wurden und überall starben, anwies, eine eherne Schlage an einen Stab zu befestigen, damit alle, die sie anschauten, leben sollten. Er war das Bild von Ihn selbst, der keine Sünde kannte und doch für uns zur Sünde gemacht wurde und der im göttlichen Handeln mit den Folgen unserer Schuld unter dem Gericht am Kreuz einsgemacht wurde. Unmöglich konnte die Sünde anders in angemessener Weise versöhnt werden. Es musste so sein, dass Gott sie in einem richtete, der fähig war, mit seinen Händen das zu tragen, was sie verdiente; und sie musste im Menschen gerichtet werden, in dem Sohn des Menschen, damit sie für den Menschen von Nutzen sein konnte. Doch wenn es irgendein anderer als Jesus gewesen wäre, wäre es eine Beleidigung für Gott gewesen und wäre für den Menschen nicht wirksam gewesen; denn Er allein war der Heilige; und bei keinem anderen Opfer wurde peinlicher darauf geachtet, dass es ohne Fehl war. „Es muss heilig sein“, sagte das Gesetz des Sündopfers. Adam fiel, und alle anderen Menschen wurden in Ungerechtigkeit geboren und in Sünde empfangen.

In Ihm allein von allen von Frauen Geborenen war keine Sünde; nicht nur hatte Er keine Sünden begangen, sondern es war keine Sünde in Ihm. Deshalb wurde für Ihn ein Leib bereitet, wie für niemand sonst, da der Heilige Geist über die Jungfrau Maria kam und die Kraft des Höchsten sie überschattete. Deshalb wurde auch das Heilige, das geboren wurde, Gottes Sohn genannt; nicht nur der Sohn Gottes, bevor Er vom Vater gesandt wurde, sondern als in Gnade das Wort Fleisch ward in dieser Weise, war Er vollkommener Mensch, aber nicht minder wahrer Gott. Denn es gab keinen anderen Weg, wenn der hoffnungslose Fall des Menschen vor Gott gerettet werden sollte. Das konnte nur gerecht durch Versöhnung geschehen; und der Sohn des Menschen war das einzige würdige Opfertier. Denn das Blut von Stieren und Böcken kann unmöglich Sünden hinwegnehmen, wie lehrreich auch diese Opfer vorher sein mochten für die Bedürftigkeit des Menschen und die Art und Weise Gottes (vgl. Heb 10,7). So nahm es der Mensch Christus Jesus, der obendrein Gott war, ja Gott über alles und gelobt in Ewigkeit, in Demut auf sich, einmal für die Sünden zu leiden, der Gerechte für die Ungerechten, um uns zu Gott zu bringen. Nur so konnte es geschehen, denn Gott konnte nicht aus Sünde Licht machen, wenn Er auch sie Sündern verzeihen kann und es tut; aber sogar Er konnte nur durch das Blut am Kreuz im Einklang mit sich oder seinem Wort oder dem wirklichen Segen der Kreatur verzeihen. 

Und deshalb sagte der Herr hier zu Nikodemus, der das Gesetz kannte, wenn er auch vielleicht wenig von den Propheten kannte: „Gleichwie Mose in der Wüste die Schlange erhöhte, also muss der Sohn des Menschen erhöht werden.“ So erlöste Er von dem Fluch des Gesetzes, indem Er selbst ein Fluch wurde für uns. Es ist nicht ein lebender Messias, der über sein Volk auf Erden herrscht, sondern Er ist es als der von ihnen, den Sündern und Verlorenen, als die Er sie jetzt entlarvt hatte, Verworfene; es ist Jesus Christus, als der Gekreuzigte, in dem Sinn oder Zusammenhang, der Ihn mit dem einen Ziel für einen sündigen Menschen verbindet: oder, wie Er selbst hier sagt: „auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe“. Durch Ihn allein, der so dargestellt wird, kommt man zu Gott; alle unsere Sünden sind an seinem Kreuz gerichtet und getragen. Deshalb hat man durch den Glauben an Ihn ewiges Leben. Der Glaubende schaut von sich selbst auf (Christus) den Herrn.

Aber dies allein könnte die Seele, wenn sie auch im Glauben auf Christus schaut, ohne Freiheit oder Frieden lassen, wie wahrhaft segensvoll das alles auch wahrhaft ist. Deshalb offenbart der Herr eine weitere Wahrheit. „Also hat Gott die Welt geliebt, dass Er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe.“ Hier geht es nicht mehr um die Verworfenheit und unendliche Not des schuldigen Menschen, sei er Jude oder nicht, hier wird jetzt die souveräne Liebe Gottes geoffenbart, die sich nicht auf irgendwelche Grenzen beschränkt, wie das Gesetz oder der Mensch unter dem Gesetz sie gesehen hatte, sondern die frei und in vollem Maß sich an die ganze Welt wendet, wo Er unbekannt und gehasst war; und dies nicht in der Schöpfung oder als vorhersehende Gnadenbezeugungen, sondern so, dass sein Sohn, sein Eingeborener, gegeben wurde, „auf dass jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe“. Es ist Gnade im allerhöchsten Maß. Es geht hier nicht um eine Notwendigkeit. Es gab keine moralische Notwendigkeit, dass Gott seinen Sohn geben musste; es war seine Liebe und nicht eine Verpflichtung seinerseits oder ein Anspruch des Menschen. Was alles an Not in dem Zustand des Menschen verborgen war, wurde reichlich am Kreuz des Sohnes des Menschen berücksichtigt, und darin wurde die Sühne oder Versöhnung für die Sünden derer, die glauben, vollbracht. Aber es liegt noch unvergleichlich viel mehr in der Tatsache, dass der eingeborene Sohn von dem Gott der Liebe an die Welt – und nicht an das auserwählte Volk – gegeben wurde. So offenbart sich die göttliche Liebe so vollkommen, wie sich seine gerechte und heilige Forderung bei dem Gericht über die Sünde zeigt; und dies in Christus, dem eingeborenen Sohn Gottes, dem leidenden, aber jetzt verherrlichten Sohn des Menschen; und in Ihm zeigt sich das ewige Leben, und in Ihm wird es empfangen mit Freuden, das der Glaube in Ihm hat.

Die große Wahrheit ist klargestellt worden: nicht nur dass der Mensch, der sündige Mensch, eine angemessene Versöhnung und eine Wiedergeburt braucht, sondern dass Gott die Welt geliebt hat, die schuldige, verlorene Welt von Heiden und Juden, und dass Er sie so geliebt hat, dass Er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass jeder, der an Ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe. In dem Sohn Gottes treffen beide Linien der Wahrheit zusammen; denn Er ist Fleisch geworden und ist gekreuzigt. Dementsprechend leuchtet das wahre Licht, das ewige Leben ist da, Gottes Liebe ist bekannt, die Erlösung ist vollbracht, das Heil ist gekommen. Es tat viel mehr in und durch Ihn da, als wenn das Reich in Macht errichtet wäre, auf das diejenigen warteten, deren Erwartungen durch das Alte Testament gebildet und gelenkt waren. Gnade und Wahrheit sind zusammengetroffen; Gerechtigkeit und Friede haben sich geküsst; und wenn man auch vielleicht bis zu jenem Tag nicht sagen konnte, dass die Wahrheit aus der Erde hervorkommen wird und die Gerechtigkeit aus dem Himmel herniederschauen wird, so weiß man doch sicher, dass die Gnade und Wahrheit durch Jesus Christus gekommen sind und dass die Gerechtigkeit in Ihm errichtet und offenbart ist, der auf dem Thron erhöht ist und in Gott selbst droben verherrlicht ist. An den strahlenden Tagen des Himmels auf Erden soll Er sein Volk und die Welt in gerechter Weise richten, und Er wird schnell die Bösen ausschalten; denn die Lebenden werden von Ihm bei seinem Kommen gerichtet werden, genauso wie die Toten am Ende, bevor Er das Reich Gott übergibt.

Vers 17

Joh 3,17: Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt richte, sondern auf dass die Welt durch ihn errettet werde.

Aber es waren Jetzt noch tiefere Absichten im Gange, wo der Messias als von den Juden verworfen betrachtet wird: ewiges Leben in dem Sohn Gottes – und Heil durch Ihn, der den Sühnetod am Kreuz stirbt. „Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, auf dass er die Welt richte, sondern auf dass die Welt durch ihn errettet werde.“ Und da ein Werk, das unvergleichlich tiefer und von ewigen Folgen ist, vor Gott war, bewegen sich die Zielpunkte seiner Gnade nicht mehr in den umschriebenen Grenzen des Landes von Israel. Wenn Er sich jetzt als ein Rettergott in seinem Sohn offenbaren soll, ist es seiner Liebe würdig, die gute Botschaft an die Welt als Ganzes zu senden. Gott war in Christus, die Welt mit sich selbst versöhnend, ihnen ihre Übertretungen nicht zurechnend. Zugegeben, dass der so gegebene Christus verworfen wurde: Aber der Auftrag der Liebe wurde keineswegs aufgegeben; vielmehr bewegt Er sich auf einen neuen Boden, von wo er in der Kraft des Geistes weiter ausgehen konnte. Denn Gott hat den, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht (d.h. am Kreuz), damit wir Gottes Gerechtigkeit in Ihm werden könnten.

Vers 18

Joh 3,18: Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

So drückt Christus als Heiland, nicht als Richter, das charakteristische Zeugnis Gottes aus, das jetzt dem Menschen bekannt gemacht wird und hier von unserem Herrn ausgesprochen wird, im Gegensatz zu seiner geweissagten Herrlichkeit als Messias und Sohn des Menschen, der herrscht, wie Er es später in dem zukünftigen Zeitalter über die Erde tun wird. Darauf folgt das Ergebnis, das sich für den, der Christus jetzt annimmt, bietet. „Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet, wer aber nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.“ Nicht nur wird der Gläubige nicht verdammt, sondern er wird auch nicht unter das Gericht gestellt. Er wird Rechenschaft ablegen, aber er wird niemals ins Gericht geführt. Dies wird deutlich in Johannes 5 gelehrt, wo der zweifache Ausgang mit dem Geheimnis der Person Christi verbunden ist. Da Er der Sohn Gottes und der Sohn des Menschen ist, gibt Er auch Leben und wird Gericht ausüben – das eine zum Segen der Gläubigen, die seine Herrlichkeit anerkennen, und das andere zu seiner Rache an solchen, die Ihn verunehrt haben.

Darum, wie sein Herabneigen, um Mensch zu werden, Ihn dem Unglauben aussetzte, ist es als Sohn des Menschen, wie Er seine Verächter richten wird, was sich ganz und klar nicht auf den Gläubigen bezieht, dessen Freude jetzt und immerdar ist, Ihn wie den Vater zu ehren. Und so wie in diesem späteren Kapitel des Johannesevangeliums von dem Gläubigen gesagt wird, dass er das ewige Leben hat und nicht ins Gericht kommt, sondern aus dem Tod ins Leben übergegangen ist, weil er nicht geglaubt hat an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes. Denn Johannes stellt den Herrn dar, wie Er erklärt, dass alles sich an dem Prüfstein seiner eigenen Person entscheidet, die im Glauben angenommen oder im Unglauben verworfen wird. Daraus ergibt sich Gutes oder Böses in allen anderen Richtungen, wie Er bald danach zeigt. Es gibt keinen anderen solchen Prüfstein, nicht einmal das Gesetz Gottes, so gewichtig und einschneidend es auch ist. Deshalb erkennen wir den Irrtum der älteren Lehrer, die hier und anderswo das Gesetz hineinziehen und es so nur zu einer Frage moralischer Verdammung machen; dagegen ist es der wirkliche Zielpunkt der Belehrung, dass es um Christus selbst geht, an den entweder geglaubt wird oder nicht, wenn auch ohne Zweifel der Wandel dementsprechend folgt.

Aber hier geht es nicht um den Tod dafür, dass man die Gebote nicht tut, sondern der Gläubige ist schon von Ihm gerichtet, der von Anfang an den Ausgang sieht und der alle Personen und Dinge so verkündigt, wie sie vor Gott sind. Nur einer kann dem, der tot in Sünden und Vergehungen ist, helfen: nicht im Geringsten das Gesetz, das den nur verdammen kann, dessen Wandel ihm entgegen ist, sondern der Sohn, der das Leben ist und der dem Gläubigen das Leben gibt. Aber der Ungläubige lehnt den Sohn Gottes ab: nachlässig oder bewusst, in hochmütigem Stolz oder in feigem Hängen an anderen Dingen, Vergnügungen oder Interessen – das ist nur ein Unterschied der Art oder des Ausmaßes. Denn er hat nicht an den Namen des eingeborenen Sohn Gottes geglaubt, dessen Name nicht verborgen ist, sondern der gepredigt wird. Es wird in vollstem Maße bekannt gemacht, was Er ist und wie Er zu Sündern ist, so dass jede Entschuldigung vergeblich ist und die Sünde nur noch vergrößern kann. 

Sein Name selbst schließt in sich, ja besagt, dass Er der Heiland ist, ein göttlicher Heiland und doch ein Mensch und deshalb für die Menschen da. Auch kann nicht glaubhaft geltend gemacht werden, dass da irgendein Zweifel hinsichtlich des Fehlens und Denkens Gottes besteht; denn es war gerade gesagt worden, dass Gott Ihn in diese Welt gesandt hatte zu diesem Zweck, was auch immer das Wesen seines bald stattfindenden Kommens sein mag, wenn Er mit denen abrechnen wird, die Ihm nicht gehören wollten. Aber was bedeutet es für Gott, dass böse, schuldige und ruinierte Sünder Ihn verachten und verwerfen, der zugleich der einzige Retter für den Menschen ist und der Eingeborene Sohn Gottes! Wenn die, die am meisten der Gnade bedürfen, das am wenigsten merken, wenn sie in äußerster Herabsetzung den Höchsten ablehnen, der in vollster Liebe zu ihnen herabkommt, um sie zu segnen – was bleibt für solche anderes übrig als das Gericht, die so Gottes Gnade für sich ignorieren und für nichts achten, die doch so durch die Herrlichkeit dessen, der ihretwegen in Liebe herabkam, erhöht ist und durch die Erniedrigung, in der Er zu kommen geruhte, sich herabgeneigt hat?

Ich weiß, dass die puritanischen Geistlichen sogar hier das Gesetz mit hereinziehen und es so verstanden haben möchten, dass Christus bei der Erläuterung der Heilsgewissheit für diejenigen, die an Ihn glauben, als Gegensatz dazu die Verdammung von Ungläubigen zeigt als etwas Zweifaches: einmal durch das Gesetz und zum anderen durch das Evangelium. Ihr Gedanke ist, dass von den Ungläubigen hier gesagt werde, dass sie schon durch das Urteil des Gesetzes gerichtet seien, dem sie noch unterstellt sind, und dass ihnen dies durch das Evangelium bestätigt wird, da sie nicht im Glauben sich an das angebotene und einzige Heilmittel in Christus wenden. Aber es gibt weder hier noch irgendwo anders in der Schrift irgendeine Spur von solch einem Schema, denn die Schrift lehrt ausdrücklich: „Denn so viele ohne Gesetz gesündigt haben, werden auch ohne Gesetz verlorengehen; und so viele unter Gesetz gesündigt haben, werden durch Gesetz gerichtet werden (denn nicht die Hörer des Gesetzes sind gerecht vor Gott, sondern die Täter des Gesetzes werden gerechtfertigt werden. Denn wenn Nationen, die kein Gesetz haben, von Natur die Dinge des Gesetzes ausüben, so sind diese, die kein Gesetz haben, sich selbst ein Gesetz, solche, die das Werk des Gesetzes geschrieben zeigen in ihren Herzen, wobei ihr Gewissen mitzeugt und ihre Gedanken sich untereinander anklagen oder auch entschuldigen) an dem Tag, da Gott das Verborgene der Menschen richten wird nach meinem Evangelium durch Jesus Christus“ (Röm 2,12-16). Die Lehre des Paulus schließt deshalb die Auffassung aus, dass jeder Ungläubige schon unter dem Gesetz ist, was natürlich in sich schließen würde, dass er davon verurteilt ist. Das Gebot betrifft nur die, die unter dem Gesetz stehen, während diejenigen, die es nicht haben, auf ihrer eigenen Grundlage gerichtet werden. Damit stimmt die Sprache unseres Evangeliums vollkommen überein, das kein einziges Wort über das Gesetz sagt, selbst wo doch ein Lehrer des Gesetzes hier vor dem Herrn steht, der nach ewigem Leben und Heil verlangte. Es geht nur um Christus.

Verse 19-21

Joh 3,19-21: Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Lichte, auf dass seine Werke nicht bloßgestellt {o. gestraft} werden; wer aber die Wahrheit tut, kommt zu dem Lichte, auf dass seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.

Da das wahre Licht jetzt scheint – nicht mehr das Gesetz in Israel, sondern das Licht, das in die Welt gekommen ist –, ist ein Merkmal in Kraft, das für jeden Menschen entscheidend ist. Da ist eine viel tiefer gehende Frage als der eigene Zustand oder Wandel eines Menschen. In der Tat ist dies auch schon entschieden: Der Mensch steht nicht mehr unter Bewährung, wie der Jude unter dem Gesetz stand. Er ist verloren, sei er Jude oder Heide. Er ist in jedem Fall verloren. Es geht deshalb um das Glauben an Jesus, den Sohn Gottes und den Sohn des Menschen, der (wie wir vorhin gesehen haben) von Gott gesandt worden ist, nicht, wie Er es bald tun wird, um die Lebendigen und die Toten zu richten, sondern damit die Welt (nicht das auserwählte Volk jetzt, sondern die Welt, trotz ihres Verderbens, aufgrund seiner Gnade) durch Ihn errettet werden soll. Das trifft den Kern. Alles hängt also davon ab, dass man an Ihn glaubt. Wenn man nicht glaubt, ist man schon gerichtet. Es bedeutet nicht bloß, in der Pflicht zu versagen, sondern gegen die Gnade und Wahrheit zu kämpfen, die durch Jesus Christus geworden ist. Es bedeutet, das ewige Leben zu verwerfen und ebenso die vollkommene Liebe Gottes in dem Eingeborenen Sohn Gottes, dessen Namen man leichtnimmt oder an den man nicht glaubt.

Es ist ganz umsonst, über einen Mangel an Licht zu klagen, genau das Umgekehrte ist wahr. „Dies ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse.“ Eine schreckliche Offenbarung ihres Zustandes! Ach! Es war unser Zustand, unsere Empfindungen waren so gänzlich verdorben, dass wir die Finsternis dem Licht vorzogen, und dies aus schuldigstem Motiv heraus und aus einem schlechten Gewissen. Denn unsere Werke waren böse. Sicher gibt die Trompete keinen klaren Ton ab. Haben wir ihre klare Warnung über und unter dem Getöse der Welt vernommen? Haben wir uns dem Urteil dessen unterworfen, der weiß, was um Menschen ist, ebenso wie Er weiß, was in Gott ist? Oder sind wir noch in Selbstgerechtigkeit und Selbstzufriedenheit ungebrochen? Wagen wir es, an den Worten des Herrn, die ernst und deutlich – zu deutlich, um missverstanden zu werden – sind, herumzukritisieren? Möchten wir die Entscheidung bis zum großen weißen Thron aufschieben? Und wie wird Er dann den Unglauben richten, der Ihn so im Grunde genommen Lügen unterschiebt? Denn keiner, der diesen seinen Worten jetzt glaubt, möchte es bis dahin aufschieben, sondern sicher und gewiss seine Seele Ihm anvertrauen, der jetzt der Heiland ist, wenn Er dann der Richter ist; jetzt ist Er nichts als der Heiland für den Verlorenen, der jetzt an seinen Namen glaubt.

Aber wenn das ewige Gericht kommt, ist es nicht wahr, dass es dann einfach um den Unglauben des Menschen geht. Von dem göttlichen Bericht, der uns gegeben ist, erfahren wir, dass die Toten nach ihren Werken gerichtet werden. Es gibt zu keiner Zeit so etwas wie eine Rettung entsprechend unseren Werken; für alle, die Christus verwerfen, wird es ein Gericht entsprechend ihren Werken geben. Sie hatten den Heiland abgelehnt, sie hatten die Gnade Gottes durch Religiosität oder Gottlosigkeit, durch Opposition oder Gleichgültigkeit verachtet. Sie werden nicht in dem Buch des Lebens geschrieben gefunden, sie werden gerichtet aufgrund der Dinge, die in dem Buch entsprechend ihren Werken geschrieben sind. Sie werden in den Feuersee geworfen. Das ist der zweite Tod, der Feuersee, das Ende aller, die die Finsternis mehr liebten als das Licht. Denn ihre Werke waren böse: Ist ihr Gericht nicht gerecht? Was ist die moralische Analyse des Herrn? „Denn jeder, der Arges tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Lichte, auf dass seine Werke nicht bloßgestellt werden.“ Wie könnte so einer würdig sein für den Anteil der Heiligen in dem Lichte? Er hasst das Licht, das nach hier gekommen ist: Würde er es mehr lieben oder besser dazu passen in der Höhe? Er ist innerlich falsch und unehrenhaft. Er zieht es überlegt und entschlossen vor, in seinen Sünden weiterzuleben, anstatt sich ihrer vollkommenen Entdeckung durch das Licht zu unterziehen, damit sie ausgewischt und begraben werden könnten durch den Glauben an das Blut Christi. Ist diese Wahrheit in dem inneren Menschen? Beweist es nicht vielmehr, dass diejenigen, die Christus ablehnen, von dem Teufel sind, der ihr Vater ist, und dass sie begehren, ihren Gelüsten zu leben, anstatt auf das Wort Gottes zu hören und seinem Sohn untertan zu sein?

Auf der anderen Seite: „Wer die Wahrheit tut, kommt zu dem Lichte, auf dass seine Werke offenbar werden, dass sie in Gott gewirkt sind.“ Denn der Glaube von Gottes Auserwählten ist niemals kraftlos, sondern lebendig. Er bringt nicht nur Ergebnisse hervor, die für die Menschen sichtbar sind, sondern auch solche, die ihren göttlichen Ursprung und ihre göttliche Art deutlich machen. Niemand besteht mehr auf der Wahrheit oder dem Kennen Gottes als Johannes; keiner hat eine größere Abscheu vor dem Gnostizismus. Es ist Leben, ewiges Leben, dass man den Vater, den einzig wahren Gott und Jesus Christus, den Er gesandt hat, erkennt; aber sein Auftrag ist ewiges Leben, wie unser Herr von Ihm sagen konnte, der Ihm gab, was Er sagen sollte und was Er reden sollte.

Wenn wir dieses wissen, selig sind wir, wenn wir es tun. Verflucht ist der vergessliche Hörer, der die Wahrheit nicht tut und nicht in das Licht tritt, sondern der vielmehr weggegangen ist, nachdem er mit sich selbst zu Rate gegangen ist, und der sofort alle Erinnerung an das verliert, was er darstellte. Ist es nicht allzu klar, dass seine Werke im besten Fall impulsiv und natürlich sind? Aber der, der die Wahrheit tut, kommt in das Licht; indem er in der Wahrheit wandelt, sucht er, dem Licht zu wandeln und darin seine inneren Gedanken und Gefühle, Motive und Ziele, Worte und Wege zu prüfen. Die verwirklichte Gegenwart Gottes gibt seinen Werken ihren Einfluss. Sie wurden offensichtlich in Gott gewirkt. Sie trafen sein Bild und seine Unterschrift. Deshalb, wenn alle, die in den Gräbern sind, des Herrn Stimme hören und herauskommen, gilt das denen, die Gutes gewirkt haben, zur Auferstehung des Lebens – für die aber, die Böses getan haben, ist es zur Auferstehung des Gerichtes. Es war in dem einen Fall Leben, in dem anderen nicht. Derjenige, der auf das Wort des Heilands gehört hat und an Gott geglaubt hat, der Ihn gesandt hat, hat ewiges Leben und wirkt deshalb Gutes. Derjenige, der den Sohn Gottes verwirft, hat keine Grundlage außer dem Menschen und kann keine Kraft außer der des Satans haben; er hat Ihn abgelehnt, der Gottes Weisheit und Gottes Kraft ist. Er mag vielleicht nicht verlorengehen und gerichtet werden wollen; aber er verschmäht den einzigen Weg zum Heil, der offensteht für jeden, zu dem gekreuzigten Sohn des Menschen, dem lebenspendenden Sohn Gottes. Er wird nicht in der Lage sein, sein Gericht später abzulehnen oder zu verschmähen.

Der nächste Abschnitt hat die Huldigung, die Johannes der Täufer dem Herrn darbringt, zum Gegenstand. Dies leitet der Geist Gottes dahin, dass uns die entsprechende Gelegenheit dazu berichtet wird. Das Gespräch mit Nikodemus fand in Jerusalem statt; und darin wurde die absolute Notwendigkeit der Wiedergeburt und des Kreuzes offenbart. Nur dass der Herr, wenn Er von diesen Dingen spricht, nichts anderes tun kann, als uns wissen zu lassen, dass der Gläubige das ewige Leben empfängt und dass Er selbst genauso sicher der Sohn des Menschen war, der um der verzweifelten Lage des Menschen willen am Kreuz erhöht werden musste, wie Er der eingeborene Sohn Gottes ist, der der Welt in göttlicher Liebe gegeben ist. Seine Absicht war die Rettung, nicht das Gericht, obwohl der an Ihn nicht glaubende Mensch gerichtet werden muss, ja schon gerichtet ist; und dies aus dem tiefsten aller Motive heraus, aus der Bevorzugung der Finsternis heraus, damit die ihre bösen Werke ungehindert tun könnten, anstatt das Licht vorzuziehen, das in Christus in die Welt gekommen ist. Der Fall eines jeden Menschen, der Ihn verwirft, ist so ernst bestimmt.

Es ist offensichtlich, dass die Person Christi der Schlüssel zu allem ist, und Er leuchtet mehr und mehr in der verborgenen Begegnung mit Nikodemus hervor. Doch erschien es dem Heiligen Geist, der in einem kritischen Augenblick ein noch volleres Zeugnis für uns mit den Umständen, die dazu führten, zu wiederholen. Es könnte jemand der Gedanke kommen, dass der Herr seinen Vorgänger nur gebrauchte, um das Werk fortzusetzen und es zu übertreffen. Es war deshalb angebracht, dass Johannes der Täufer ein abschließendes Zeugnis von Ihm gab, und zwar in einem Punkt, wo die menschliche Natur am meisten dazu neigt, eifersüchtig zu sein.

Verse 22-24

Joh 3,22-24: Nach diesem kam Jesus und seine Jünger in das Land Judäa, und daselbst verweilte er mit ihnen und taufte. Aber auch Johannes taufte zu Aenon, nahe bei Salim, weil viel Wasser daselbst war; und sie kamen hin und wurden getauft. Denn Johannes war noch nicht ins Gefängnis geworfen.

Wir tun hier einen Blick in das, was sich vor dem eigentlichen Dienst unseres Herrn in Galiläa, wie die drei Synoptiker ihn schildern, ereignete. Die Synoptiker erwähnen kein einziges Werk von Ihm vor der Gefangennahme von Johannes; dagegen sind die ersten Kapitel des vierten Evangeliums diesem gewidmet, nachdem am Anfang seine Person und seine Herrlichkeit geoffenbart ist.

Verse 25.26

Joh 3,25.26: Es entstand nun eine Streitfrage unter den Jüngern Johannes‘ mit einem Juden über die Reinigung. Und sie kamen zu Johannes und sprachen zu ihm: Rabbi, der jenseit des Jordan bei dir war, dem du Zeugnis gegeben hast, siehe, der tauft, und alle kommen zu ihm.

Die Erörterung eines Juden regte sie nicht auf; denn ihre Seelen konnten nicht anders als die moralische Überlegenheit des Rufes von Johannes und seiner Taufe gegenüber der Buße in dem Glauben an den kommenden Messias; aber die Nähe Jesu und die Tatsache seiner Anziehungskraft, wenn sie auch bis dahin verschleiert sein mochte, war ein Faktor, der sie beunruhigte, obwohl ihre Worte an ihren Meister von Eifer für einen sprachen, der bereit gewesen war, die Würde Jesu anzuerkennen, als Er zur Taufe zu Johannes kam. Aber jetzt taufte Er, und alle scharten sich um Ihn: So beklagten sich die Jünger von Johannes.

Verse 27.28

Joh 3,27.28: Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen {o. nehmen}, es sei ihm denn aus dem Himmel gegeben. Ihr selbst gebet mir Zeugnis, dass ich sagte: Ich bin nicht der Christus, sondern dass ich vor ihm hergesandt bin.

Lasst uns nun seine Antwort gut durchdenken. Es war von ihm bescheiden ausgedrückt und doch obendrein sehr weise. Es setzte, wie die Wahrheit es immer tut, Gott und uns an die richtige Stelle, wodurch eine gleiche Anerkennung von seiner souveränen Verfügung über alles und die Zufriedenheit des Einzelnen mit seinem eigenen Los gesichert wird und ebenso – könnte man hinzufügen – ein ruhiger, fester Stand in der Erfüllung der Pflicht, die sich daraus ergibt. Denn es gibt keinen größeren Irrtum als den Gedanken, dass unser eigener Wille wirklich stark ist. Und sei es auch so, so ist doch der Gehorsam noch stärker. „Wer meinen Willen tut, bleibt in Ewigkeit.“ Aus diesem Geist der Abhängigkeit und der seligen Unterwerfung gegenüber Gott antwortete Johannes seinen Jüngern. Wenn er wie der Morgenstern bei Anbruch des Tages erblasste, so geschah das, um seinen Auftrag zu erfüllen und nicht um darin zu versagen. Er, der Knecht und Vorläufer, hatte niemals behauptet, der Meister zu sein, wie sie alle bezeugen konnten. Dann wendet Johannes auf sich ein Bild an, das von den Verhältnissen eines Hochzeitsfestes her genommen ist, um sein Verhältnis zu dem Herrn zu erläutern, was in wunderbarer Harmonie zu dem steht, wie der Herr dies anderswo erfährt. Hier ist natürlich alles im Zusammenhang mit Israel, wenn auch der Heilige Geist, als die Versammlung den Platz des auserwählten Volkes einnahm, das Bild frei auf die neue Verbindung überträgt, was in den Briefen und in der Offenbarung überall der Fall ist.

Verse 29.30

Joh 3,29.30: Der die Braut hat, ist der Bräutigam; der Freund des Bräutigams aber, der dasteht und ihn hört, ist hoch erfreut über die Stimme des Bräutigams; diese meine Freude nun ist erfüllt. Er muss wachsen, ich aber abnehmen.

Johannes war wirklich der am meisten begnadete Diener, ja „der Freund des Bräutigams“. Es war deshalb seine Freude, dass die Braut Christus gehören sollte und nicht ihm, dessen höchste Auszeichnung es war, sein unmittelbarer Herold zu sein, der die Tage sah, die Könige und Propheten zu sehen ersehnt hatten. Es war seine größte Freude, seine Stimme der Liebe und des Wohlgefallens an denen zu hören, die wie seine Braut zu lieben er sich herabneigte. Sein eigener Auftrag war abgeschlossen. Wenn Simeon in Frieden sterben konnte, konnte Johannes sagen, dass seine Freude erfüllt war. Es war richtig, es war notwendig, dass Er wuchs und er selbst abnehmen musste, wenn auch kein größerer jemals von einer Frau geboren wurde. Anstatt ein Weh zu empfinden, beugte sich sein Herz und freute sich daran. Später, wenn Christus in Kraft und Herrlichkeit kommt und auf dem Thron Davids und auf dem noch größeren Herrschaftsthron als Sohn des Menschen sitzen wird, wird das Wachsen seiner Herrschaft, wie der Prophet sagt, kein Ende haben. Aber Johannes konnte das jetzt in den Tagen seiner Erniedrigung sagen, da seine Seele auf der Herrlichkeit seiner Person ruht und der Geist ihn führt in der Richtung dessen, was ihm zustand.

Die Herrlichkeit der Person Christi leuchtet hier mit reichem Glanz hervor. Es ist nicht bloß seine Nähe der Beziehung zu seinem Volk, wie Johannes abseitsgestellt wird, noch sein Wachsen, während der Größte des von Frauen Geborenen abnimmt. ER ist über allen Vergleich erhaben: „Der von oben her kommt, ist über allen.“

Vers 31

Joh 3,31: Der von oben kommt, ist über allen {o. über allem}; der von der {w. aus der, d.h. der daselbst seinen Ursprung hat} Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde {d.h. wie einer, der von der Erde ist; od.: von der Erde aus}. Der vom {w. aus dem} Himmel kommt, ist über allen {o. über allem}.

Weder Adam noch Abraham, Henoch oder Elia konnten sich auf solch einen Boden stellen. Sie kamen, genau wie Johannes, nicht von oben, auch konnte von keinem von ihnen gesagt werden, dass er über allen war. Auch konnte unser hochgelobter Herr selbst nicht als von Maria Geborener und als Erbe Davids so beschrieben werden, wenn nicht Er selbst Gott gewesen wäre – das große Thema unseres Evangeliums. Aber es war das große Ziel, zu zeigen, dass Er dies war: eine Wahrheit von tiefster Bedeutung – wir können kühn sagen – nicht nur für uns als Kinder, sondern auch für Gott, den Vater. Denn so und jetzt sollen all die Fragen gelöst werden, die sich jemals zwischen Gott und dem Menschen erhoben haben. Sie waren unlösbar, bis Er kam und als wahrer Mensch erschien, der auch nicht weniger wahr Gott war und der so „von oben“ und „über allen“ ist.

Und es war passend, dass die Lippen von Johannes dem Täufer in Gegenwart seiner eigenen Jünger, die eifersüchtig waren im Gedanken an die Ehre ihres Meisters, von der unbestreitbaren Erhabenheit des Herrn Jesus Zeugnis ablegen sollten. Deshalb folgt die Erklärung: „Der von oben kommt, ist über allen; der von der Erde ist, ist von der Erde und redet von der Erde. Der vom Himmel kommt, ist über allen“ (Joh 3,31). Der Herr mag Johannes rechtfertigen; aber Johannes betont die Herrlichkeit Jesu, der nichts von seiner wahren und erhabenen Würde dadurch verloren hat, dass Er sich in göttlicher Liebe herabgeneigt hat, um Mensch zu werden. Wie alle anderen Menschen konnte Johannes nicht für sich in Anspruch nehmen, irgendeinen anderen natürlichen Ursprung zu haben als die Erde. Jesus allein ist vom Himmel; denn das ist die Kraft seiner Person, dass Er die Menschenart mit seiner göttlichen Natur vereint, anstatt durch die menschliche Natur in ihre Herabsetzung durch die Sünde hineingezogen zu werden, wie einige vergeblich und aus bösem Herzen geträumt haben.

Vers 32

Joh 3,32: [Und] was er gesehen und gehört hat, dieses bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an.

Auch wird hier nicht nur von seiner Person gesprochen. Sein Zeugnis wird mit dem gleichen Wert belegt. „Was er gesehen und gehört hat, dieses bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an.“ Es gibt ein vollkommenes Zeugnis. Denn was gab es bei Gott, bei dem Vater, im Himmel, was der Sohn nicht gesehen und gehört hatte? Es war kein Fehler und Mangel denkbar in der Herrlichkeit, aus der Er kam, und in der Gnade, mit der Er alles den Menschen kundtat. Wie vernichtend ist deshalb das traurige Ergebnis! Denn sicher muss es im Voraus allgemein erwartet worden sein, dass alle außer den Allerschlechtesten solch ein Zeugnis über die göttlichen, himmlischen und ewigen Dinge eifrig aufnehmen würden. Aber das ist der Zustand des Menschen durch die Sünde – nicht nur der wilde und brutale Mensch, nicht nur der Gotteslästerer oder der Skeptiker, sondern diejenigen, die sich ihrer Frömmigkeit brüsten, sei sie in Theorie oder Praxis, in Verordnungen oder Tradition, Anstrengungen, Ekstase oder Erfahrung gegründet – „sein Zeugnis nimmt niemand an“. Wie ernst ist das Urteil! Und zwar umso mehr, als es die nüchterne Aussage der Heiligkeit ist. Ohne Zweifel wussten sie nicht, was sie taten in ihrer Abneigung oder Gleichgültigkeit gegenüber seinem Zeugnis; aber in welch einem Zustand muss der Mensch sich befinden, um den himmlischen und göttlichen Heiland so von Dingen Zeugnis ablegen zu lassen, die von tiefster Dringlichkeit für ihn selbst und sein Verhältnis zu Gott im Zusammenhang mit dem Himmel und der Ewigkeit sind, ohne jemals den Wert des Bezeugenden oder des Zeugnisses zu erkennen! Nicht dass die Gnade nicht hier und da, ab und zu, einige Herzen öffnet; aber der Punkt, der hier im Blickfeld steht, ist die Verwerfung seines Zeugnisses durch den Menschen und nicht die Rücklage souveräner Gnade, wo alles in Sünde und Verderben verloren war.

Der Glaube ist keineswegs ein für das Herz des sündigen Menschen natürliches Erzeugnis. Es ist unmöglich, Gott ohne Glauben zu gefallen, und ohne seine Gnade ist der Glaube unmöglich, zumindest der Glaube, der Ihm gefällt. Denn die im Fleisch sind, können Gott nicht gefallen; aber wer ist nicht im Fleisch, bis er zu Gott gebracht ist? Der Mensch, der sich seiner Sünde bewusst ist und vor dem göttlichen Gericht zurückschreckt, mag den Gott nicht leiden, dessen Bestrafung er fürchtet. Er sieht keinen Grund, an seine Gnade zu glauben, soweit es ihn betrifft; und es ist kein Wunder, dass er das nicht sieht, denn es wäre nicht Gottes Gnade, wenn es einen Grund für sie in sich selbst gäbe. Die Gnade schließt den Untergang für den aus, dem sie gezeigt wird; und diese steht ebenso viel seiner eigenen Selbstzufriedenheit entgegen, wie es Liebe an den voraussetzt, dessen Missfallen er verdient, wie er genau weiß. Deshalb ist kein Raum in seinem Herzen, um an Gottes Gnade zu glauben, die so groß ist, um in ihm Zweifel zu wecken; und das umso mehr, wenn er darüber nachdenkt, was Gott sein muss und was er selbst im Verhältnis zu Gott gewesen ist. Christus wird nicht als der gesehen, der alles ändert, als die Offenbarung der Liebe; und sein Tod wird nicht gesehen als die Grundlage der Gerechtigkeit Gottes, die den Gläubigen trotz begangener Sünden und Gottlosigkeit rechtfertigt.

Sein Zeugnis stellt deshalb das Herz ganz auf die Probe; denn es sagt ebenso deutlich die Wahrheit über den Sünder, wie es auch die Gnade Gottes ankündigt; und das Herz leistet dem einen Widerstand und misstraut dem anderen. Das Letzte, was aus dem Zeugnis folgt, ist, dass man schlecht von sich selbst und gut von Gott denkt. Aber das ist gerade die Wirkung, die dem Annehmen des Zeugnisses Christi entspricht. Wir fangen dann an, uns gegen uns selbst auf die Seite Gottes zu stellen; denn wenn es echten Glauben gibt, gibt es auch echte Buße, ohne die der Glaube wirklich menschlich und wertlos ist, wie in Johannes 2, wo die Menschen angesichts der gewirkten Zeichen glaubten und wo Jesus sich ihnen nicht anvertraute. Solch ein Glaube ist nicht vom Geist Gottes, sondern bloß vom Verstand, der aus den Wahrscheinlichkeiten des Fallen einen Schlussstrich zieht. Dabei urteilt der Mensch; er nimmt, was ihm gefällt, anstatt dass er moralisch gerichtet wird, was demütigend und schmerzlich ist. Er sieht keinen ausreichenden Grund, um den Beweis abzulehnen; und da sein Wille damit gekoppelt ist, glaubt er dementsprechend. So wie das bei vielen in Jerusalem an dem Passahfest der Fall war, so ist es auch heute und zu allen Zeiten mit Scharen von Menschen in der Christenheit. Der vage Glaube, der allgemein herrscht, erweckt weder genug Interesse noch genug Opposition, um den Menschen auf die Probe zu stellen. Aber wenn irgendeine große Wahrheit, sogar aus jenem Bekenntnis, sich in das Bewusstsein eindrängt oder deutlich vor das Herz tritt, wird es sich zeigen, wie wenig die Menschen das glauben, was sie in Worten anerkennen, bloß weil sie niemals ernsthaft in ihrer Seele sich diese Dinge vor Gott vergegenwärtigen.

Wir wollen als Beispiel die einfache Wahrheit unseres Evangeliums nehmen, dass das Wort, das Gott war, Fleisch wurde und unter uns wohnte, oder wiederum die Vergebung der Sünden in seinem Namen, die Botschaft an jede Seele, das Besitztum jedes Gläubigen: Wer zweifelt daran, solange diese Dinge abstrakt von der Kanzel aus gepredigt werden? Aber in dem Augenblick, wo ein Mensch sie für seine eigene Seele annimmt, und dadurch dass er seine Sünden mehr als je empfindet und anerkennt, Gott für die Vergebung preist und sich an Christus erfreut, während er Gott und das Lamm anbetet, schrecken andere zurück und reden von Anmaßung. Als ob solche Wahrheiten nie für das Herz und Leben und die Lippen des Alltags gedacht wären, sondern nur als religiöse Zeremonie oder eine Form für den Sonntag der Allgemeinheit.

Vers 33

Joh 3,33: Wer sein Zeugnis angenommen hat {o. annimmt}, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist.

Die Tatsache, dass die Gnade und Wahrheit, die durch Jesus Christus geworden sind (sie sind vollkommen in sich selbst und in Ihm, dessen Herrlichkeit angemessen ist, um sie zu offenbaren und zu erfüllen, aber auch angemessen für den sündigen und verlorenen Menschen), stellt ihn auf die Probe: „Und sein Zeugnis nimmt niemand an.“ Wo die lebendig machende Kraft des Geistes wirkt, ist es ganz anders. So geeignet ist sie, das Herz zu gewinnen, dass der, der nicht gewonnen wird, zeigt, dass sein Wille gegen Gott und gegen seine Gnade und Wahrheit in Christus ist, und natürlicherweise folgt bald der Hass. Wer sich beugt und durch das Wort der Wahrheit wiedergeboren wird, richtet sich selbst. Er hat nicht das Wort eines Menschen angenommen, sondern, wie es wirklich ist, Gottes Wort, das kraftvoll an dem Gläubigen wirkt; oder, wie es hier heißt, „wer sein Zeugnis angenommen hat, hat besiegelt, dass Gott wahrhaftig ist“ (Joh 3,33).

Das ist der wesentliche Charakter von wirklichem lebendigen Glauben. Sein Zeugnis wird angenommen, weil Er es gibt: Nichts ist einfacher, aber wir sind nicht einfach; nichts ist richtiger und Ihm angemessener, aber wir haben alle Unrecht getan, und am meisten Ihm gegenüber. Es wird angenommen, weil Er es gibt, nicht weil es vernünftig oder weise oder gut scheint oder weil es irgendeinen Beweis gibt; obwohl man nicht zu sagen braucht, dass es eine Fülle von Beweisen gibt; und das Zeugnis ist das, was allein für Gott oder den Menschen passend sein konnte, wenn der eine ein Sünder und der andere ein Heiland ist, wo sein Zeugnis angenommen wird. Ein göttlicher Glaube entspricht einem göttlichen Zeugnis; aber der Glaube, der auf menschlichen Grundlagen beruht, ist nicht göttlich: nur das, was sich wirklich auf Gottes Wort gründet, wendet sich an Herz und Gewissen. Wenn ein Mensch zusammenbricht und seinen eigenen sündigen Zustand sieht und das sieht, was er gegen solch einen Gott getan hat, dann begehrt sein Herz, dass die gute Botschaft des Evangeliums die Wahrheit sein möge, anstatt dass er sich der Gleichgültigkeit oder aktiven Ablehnung, wie sie natürlich ist, zuwendet; und das bedeutet, mit dem Herzen zu glauben (Röm 10,9.10).

Vers 34

Joh 3,34: Denn der, welchen Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß.

Weiterhin wird die Grundlage des Vertrauens klargelegt und voll zum Ausdruck gebracht. Wir werden nicht unseren eigenen Folgerungen überlassen. „Denn der, welchen Gott gesandt hat, redet die Worte Gottes; denn Gott gibt den Geist nicht nach Maß.“ Die Worte Jesu anzunehmen, bedeutet also, die Worte Gottes anzunehmen. Gibt es irgendeinen möglichen Grund zum Zweifeln? Dem Glauben allein gehört absolute Gewissheit. Und die Kraft dieser Gewissheit ist der Geist, wie es sich in Ihm vollkommen und in und durch uns, soweit das Fleisch gerichtet ist, zeigt. Er war das heilige Gefäß des Geistes, so dass das Zeugnis so rein ausgegossen wurde, wie es hineingetan worden war, oder vielmehr, wie es in Ihm ist, der selbst die Wahrheit ist. Was das angeht, was inspirierte Männer geschrieben haben, so ist das genau das Gleiche. „Wenn jemand sich dünkt, ein Prophet zu sein oder geistlich, so erkenne er, was ich euch schreibe, dass es ein Gebot des Herrn ist“ (1Kor 14,37). Wie groß die Kraft auch sei, es gibt bei allen anderen nicht solch eine Garantie gegen Schwachheit oder Fehler, wenn man auch vollkommen bewahrt und geleitet werden mag, nur in einfacher und einfältiger Abhängigkeit: So wirklich ist die Verbindung zwischen der Wahrheit und dem Geist.

Vers 35

Joh 3,35: Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben.

Wir haben die Erhabenheit Jesu und sein Zeugnis gehabt, was Ihn so gänzlich von allen anderen absondert. Aber da ist noch mehr. Er ist „der Sohn“ und das besondere Ziel göttlicher Liebe und Ehre, das folgt; und hier erheben wir uns folglich weit über seine Stellung als Messias oder Bräutigam auf der einen Seite oder als der himmlische Prophet auf der anderen Seite, dessen Zeugnis jedes Kind Adams absolut offen deckte, während es den, der es annahm, zu der Erkenntnis Gottes und seines Vorsatzes mit göttlicher Gewissheit brachte. Deshalb hören wir jetzt von dem Vater und dem Sohne. „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben“ (Joh 3,35). Jesus ist der Erbe über alles wie der Sohn des Vaters in einem Ihm eigenen Sinn, der wahre Isaak, der immer bleibt, der geliebte Sohn, der alles hat, was Er selbst hat, und dem alles von Ihm in die Hand gegeben ist.

Vers 36

Joh 3,36: Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben; wer aber dem Sohne nicht glaubt {o. sich nicht unterwirft, nicht gehorcht}, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.

Demzufolge geht es hier nicht um einen Segen für eine begrenzte Zeit oder für die Herrlichkeit auf Erden unter seiner Herrschaft als König. Alle Dinge laufen sofort und für ewig bei Ihm zusammen, der das Ziel des Zeugnisses ist und nicht bloß derjenige, der es gibt. „Wer an den Sohn glaubt, hat ewiges Leben.“ Man braucht deshalb nicht auf den Segen in den Tagen des Reiches warten. Dann wird Jehova ohne Zweifel Segen ausschütten und Leben für immerdar. Aber wer an den Sohn glaubt, hat jetzt ewiges Leben. Aus demselben Grund ist es von allem das Fatalste, die Unterwerfung unter seine Person jetzt abzulehnen. Deshalb wird hinzugefügt: „Wer aber dem Sohn nicht glaubt, wird das Leben nicht sehen, sondern der Zorn Gottes bleibt auf ihm.“ Wenn jemand ungehorsam ist, so richtet sich der Ungehorsam gegen Ihn selbst und gegen seine Worte, wie in der Tat der Apostel Paulus unter Glaubensgehorsam nicht praktischen Gehorsam verstand, so wichtig dieser auch ist an seinem Platz und zu seiner Zeit, sondern Unterwerfung Ihm gegenüber: der Wahrheit gegenüber, die sich in Ihm offenbart. Wer Ihn im Unglauben ablehnt, bleibt im nicht weggeschafften Tod und bleibt unter dem Zorn Gottes, der solche Beleidigung des Herzens für seinen Sohn nur unbedingt missbilligen kann.

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Anmerkungen

[1] Cartwright hatte gesagt, dass die unrichtige Taufe aus einer falschen Deutung von Johannes 3,5 entstanden sei, „wo gewisse Leute das Wort Wasser als Stoff und wirkliches Wasser, als Element deuten, während unser Heiland Christus das Wasser hier als einen herangezogenen Ausdruck für den Geist gebraucht“. Der Leser wird sehen, dass auch nicht ganz richtig ist: Denn das Wasser ist hier ein Bild für das Wort, das das Todesurteil über das Fleisch spricht; und so wird der sündige Mensch vom Ihm gereinigt, aus dessen Seite Wasser und Blut floss, wie Johannes bezeugt. Allgemein sagt Hooker:

Ich halte es für die untrüglichste Wahrheit in der Darstellung der Heiligen Schrift, dass, wo ein genauer Bau stehen soll, das, was am weitesten vom Buchstaben entfernt ist, auch gemeinhin das schlechteste ist. Es gibt nichts „Gefährlicheres als die zügellose und täuschende Methode, die die Bedeutung von Worten ändert, wie die Alchimie es tut oder wie es mit der Substanz von Metallen sein würde, indem alles Mögliche daraus gemacht wird, und am Ende wird die ganze Wahrheit ad absurdum geführt.“ … Um den allgemeinen Verlauf im Altertum zu verbergen, der einer buchstäblichen Interpretation zustimmte, behaupten sie geschickt, dass „gewisse Leute“ diese Worte so aufgefasst hätten, als wenn sie Wasser als Stoff deuteten, während sie wissen, dass von allen alten Vätern kein Einziger genannt werden kann, der jemals anders dachte und diesem Wort einen anderen Platz zuwies als diesen: nämlich dem Wasser die äußere Taufe zudeuteten (E.P., V.lix. 2,3). Das Altertum war vielleicht genauso einmütig, Johannes 6 auf das Mahl des Herrn zu beziehen – und zwar mit ebenso wenig Grund. In keinem dieser Fälle ist es ein exakter buchstäblicher Bau, sondern eine bloße Anlehnung an oberflächliche Ähnlichkeit; und in beiden Fällen ist die Folge ein für die Seelen höchst gefährlicher Irrglaube, der sehr viel zum Verderben der Christenheit und getäuschter Einzelner beigetragen hat. Es ist unmöglich zu leugnen, dass der Herr oft das Wasser anderswo bildlich gebrauchte; zu behaupten, dass Er es hier buchstäblich meinte, bedeutete, den Sinn ungemein herabzusetzen und die schlimmsten Folgen einzuhandeln. Ich möchte hinzufügen, dass es bemerkenswert ist, dass das Evangelium des Johannes die Einsetzung der Taufe und des Abendmahles auslässt und dafür mehr als die anderen bei dem Leben und dem Geist verweilt.


Hinweis der Redaktion:

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