Sind die Gläubigen erlöste Sünder?

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 16.03.2019, aktualisiert: 01.08.2019

These: Solche, die an den Herrn Jesus Christus glauben, sind Sünder, die aus Gnade gerettet wurden. 

Klischee: „Wir sind nur arme, schuldige Sünder, die aus Gnade gerettet worden sind.“

Die Rechtfertigung bedeutet, dass der Gläubige von jeder Last der Sünde befreit wird, indem er in eine neue Position vor Gott gebracht wird, wo Gott ihn nicht länger als Sünder sieht.  So wird die Rechtsstellung der betreffenden Person vor Gott für immer verändert.  Er steht nicht mehr in der Position eines Sünders vor Gott, sondern er ist jetzt ein Heiliger und ein Sohn. Deshalb ist es unter der Würde unserer Sohnschaft, wenn wir uns selbst als arme Sünder bezeichnen. Es leugnet praktisch die Wahrheit dessen, was wir sind, und erniedrigt in gewisser Weise das Werk Christi, das uns gerettet und an jenen neuen Platz der Gnade vor Gott als Heilige in Christus Jesus gebracht hat (1Kor 1,2). Wir wollen damit in gewisser Weise Demut ausdrücken, aber „armer Sünder“ ist kein zutreffender Begriff für das, was die Gnade in Christus aus uns gemacht hat. Wir sagen nicht, dass Christen den Begriff „Sünder“ niemals in Verbindung mit sich selbst verwenden sollten, sondern dass sie sagen sollten, dass sie Sünder waren.

W. Kelly sagte:

Einige Leute sprechen von „einem gläubigen Sünder“ oder von der Anbetung, die Gott von „armen Sündern“ angeboten wird. Viele Lieder bringen die Seele in der Tat nie über diesen Zustand hinaus. Aber der Begriff „Sünder“ im Wort Gottes bedeutet eine Seele, die ganz ohne Frieden ist; eine Seele, die vielleicht ihren Wunsch nach Christus verspürt, durch den Geist lebendig gemacht ist, aber ohne die Erkenntnis der Erlösung ist.  Es ist nicht die Wahrhaftigkeit, zu leugnen, was Heilige vor Gott sind. (Lectures on the Epistle to the Galatians, S. 47)

Er hat auch gesagt:

Es herrscht unter zu vielen evangelischen Christen eine unglückliche Gewohnheit, von „erlösten Sündern“ zu sprechen. Meiner Meinung nach ist diese Bezeichnung nicht nur ungenau, sondern auch fehlleitend und gefährlich. Die Schrift kennt kein Geschöpf wie einen „erlösten Sünder“. Wir dürfen uns über die Erlösung eines Sünders freuen, wenn wir die Barmherzigkeit davon in unserer eigenen Seele kennen. Falls wir jedoch dem Ausdruck „erlöster Sünder“ eine Berechtigung geben, ist die sittliche Folge davon, dass er, auch wenn und obwohl er errettet ist, weiter sündigen darf. … Es stimmt natürlich uneingeschränkt, dass Gott mit einem Menschen als einem Sünder beginnt, wenn Er sich mit ihm beschäftigt. Doch dort endet Er niemals. Ich bin mir nicht bewusst, dass in irgendeinem Teil des Wortes Gottes ein Gläubiger als Sünder gesehen wird, abgesehen vielleicht in einer Art Übergangszustand. … Es ist offensichtlich ein eindeutiger Widerspruch, wenn wir von uns gleichzeitig als von Erlösten und als von Sündern reden. Kurz gesagt: Die Heilige Schrift billigt eine solche Verknüpfung nicht; und je eher wir uns von solchen Phrasen befreien, die keine bessere Bezeichnung als „fromme Redensarten“ verdienen – umso besser für alle! (Lectures Introductory to the New Testament, S. 213–214)

In Jakobus 5,19.20 gibt es eine Ausnahme davon. Jakobus nennt einen Gläubigen, der von der Wahrheit abgeirrt ist, einen „Sünder“, aber nicht im Sinne einer Stellung, wie Paulus und Petrus den Begriff verwenden. Er spricht eher von dem, was einen Gläubigen auszeichnet, der darauf besteht, diesem Weg der Sünde in seinem Leben zu folgen. 


Übersetzt aus Unsound Doctrinal Statements and Clichés  (Commonly Accepted as Truth)
Surrey, Kanada (Christian Truth Publishing) 2. Auflage 2015, S. 67


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