Gottes Souveränität bei der Erlösung des Menschen (3)
Gottes Souveränität im Johannesevangelium

Roy A. Huebner

© SoundWords, online seit: 24.04.2011, aktualisiert: 09.09.2018

Zwei Themen, die das Evangelium des Johannes unter anderem behandelt: (1) Einerseits ist der moralische Zustand des Menschen Gott gegenüber Finsternis; (2) andererseits ist der Mensch auf das souveräne Handeln Gottes angewiesen, damit ihm eine neue Natur eingepflanzt wird. Der Vater und der Sohn ziehen, geben, machen lebendig, geben ewiges Leben und halten den Gläubigen sicher fest. Diese Dinge ziehen sich in dieser Reihenfolge durch das Johannesevangelium:

  1. Der Zustand des Menschen ist moralische Finsternis (Joh 1,4-10).
  2. Christus wird verworfen (Joh 1,10.11).
  3. Der Geist Gottes muss souverän die neue Geburt herbeiführen (Joh 1,11-13; 3).
  4. Der Vater und der Sohn machen die geistlich Toten lebendig (Joh 5,24).
  5. Der Vater zieht die Sünder, spricht zu ihnen und gibt sie dem Sohn; der Sohn gibt ihnen ewiges Leben (Joh 6,39.44.45.65).
  6. Der Sohn erwählt souverän (Joh 6,70).
  7. Der Gläubige sieht den Sohn und hört seine Stimme (Joh 9,39-41).
  8. Der Gläubige ist sicher in der Hand des Vaters und des Sohnes (Joh 10,28-30).

Es überrascht nicht, dass diese Wahrheiten alle ineinandergreifen.

1. Der Zustand des Menschen ist moralische Finsternis

Joh 1,4-10: 4 In ihm war Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. 5 Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst. 6 Da war ein Mensch, von Gott gesandt, sein Name Johannes. 7 Dieser kam zum Zeugnis, damit er von dem Licht zeugte, damit alle durch ihn glaubten. 8 Er war nicht das Licht, sondern damit er von dem Licht zeugte. 9 Das war das wahrhaftige Licht, das, in die Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.[1] 10 Er war in der Welt, und die Welt wurde durch ihn, und die Welt kannte ihn nicht.

Leben und Licht

Leben und Licht: Das ist das Wort in Bezug auf Gott. Es steht in einem immensen Gegensatz zum Menschen. Gott ist das Licht; der Mensch ist die Finsternis. Gott ist das Leben; der Mensch ist Finsternis. Der Mensch hat weder Licht noch Leben. Hier liegt der Schlüssel zu den Versen Johannes 1,4-13. Wir werden die neue Geburt betrachten. Die nicht aus Gott geboren sind, haben weder Licht noch Leben; sie haben nur Finsternis. Wenn jemand aus Gott geboren (von neuem geboren) wird, pflanzt Gott neues Leben in seine Seele ein und mit diesem Leben auch Licht und Glauben. Der Wiedergeborene hat, was die Finsternis nicht hat. Auch erfasst die Finsternis das Licht nicht.

Die Finsternis kann das Licht nicht ergreifen

Joh 1,5: Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht erfasst.

Die Menschen lieben die Finsternis (Joh 3,19), wandeln in der Finsternis (Joh 8,12) und werden endgültig von der Finsternis ereilt und von ihr ergriffen – auf ewig (Joh 12,35); in der Zwischenzeit bleiben sie in der Finsternis (Joh 12,46). Schließlich werden sie in die äußerste Finsternis hinausgeworfen werden, außerhalb des neuen Himmels und der neuen Erde (Mt 25,30), und werden dort auf ewig im Dunkel der Finsternis gefangen sein (Jud 13). Die Finsternis ist nicht passiv, wie wir aus Johannes 3,19 wissen. Die Menschen lieben die Finsternis, weil ihre Taten böse sind; die Finsternis erzeugt wirklich Böses. Wenn wir an Dunkelheit im Gegensatz zum physischen Licht denken, verstehen wir, dass Dunkelheit die Abwesenheit von Licht ist. So ist die geistliche Dunkelheit bzw. Finsternis, die wir betrachten, zwar die Abwesenheit von geistlichem Licht, sie zeichnet sich aber zusätzlich durch Feindschaft und Opposition gegen das Licht aus:

  • Joh 3,19.20: Dies aber ist das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen haben die Finsternis mehr geliebt als das Licht, denn ihre Werke waren böse. Denn jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht bloßgestellt werden.

Die Menschen lieben die Finsternis und hassen das Licht; der Mensch möchte der alten Natur nachgeben, die er im Sündenfall erworben hat. Sein Wille folgt den drei Beweggründen der alten Natur (siehe 1Joh 2,16), durch die er gelenkt wird. Er folgt freiwillig seiner alten Natur. Welche Werke bringt er hervor?

  • Eph 5,11-13: … unfruchtbare Werke der Finsternis …; denn das, was heimlich von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur zu sagen. Alles aber, was bloßgestellt wird, wird durch das Licht offenbar gemacht.

So wie Licht und Leben die Person des Sohnes kennzeichnen (Joh 1,4), so kennzeichnet Finsternis den Zustand der menschlichen Seele. Finsternis ist kein Umwelteinfluss. Johannes 1,5 stellt fest, dass die Finsternis unfähig ist, das Licht zu ergreifen; diese Aussage bereitet uns auf die Aussagen in den Versen Johannes 1,10.11 vor: „Die Welt kannte ihn nicht, … und die Seinen nahmen ihn nicht an.“ Das bedeutet zum einen das absolute Versagen, Ihn zu erkennen, und zum anderen ist damit die völlige Verwerfung seiner Person gemeint. Dies trifft auf alle Menschen zu; geistliche Finsternis ist der geistliche Zustand aller Menschen. Im Johannesevangelium sehen wir, dass der Mensch blind, taub und tot ist. (Der tote Lazarus war all dies gleichzeitig. Seine Auferstehung veranschaulicht die Macht des Sohnes, der die Auferstehung und das Leben ist.)

Von uns Christen heißt es, dass wir einst Finsternis waren:

  • Eph 5,8: Einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts.

In 2. Korinther 4 lesen wir:

  • 2Kor 4,3.4: Wenn aber auch unser Evangelium verdeckt ist, so ist es in denen verdeckt, die verlorengehen, in denen der Gott dieser Welt den Sinn der Ungläubigen verblendet hat, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, der das Bild Gottes ist.

Diejenigen, die Finsternis sind, sehen wir hier als verblendet in ihren Gedanken, damit das Licht nicht in sie eindringen kann.

Wir sollten die Aussagekraft des Wortes „ergreifen“ bzw. „erfassen“ erkennen (Joh 1,55).[2] Als Folge des Sündenfalls befindet der Mensch sich im moralischen Zustand der Finsternis. Das wahre Licht, das in die Welt kam, ist unendlich (infinite). Der Mensch kann das Unendliche nicht erfassen, er kann Gott nicht verstehen; mit anderen Worten: Der Mensch kann Gott nicht aufnehmen, weil Gott unendlich (infinite) ist, der Mensch aber begrenzt, endlich (finite). Dem Menschen fehlt diese Fähigkeit. Vielleicht meinen wir, der Mensch könne etwas über Gott verstehen oder erfassen, das heißt, er sei in der Lage, in moralischer Hinsicht etwas über Gott in seine Seele aufzunehmen.[3] Aber das ist nicht der Fall, denn der hier beschriebene Zustand des Menschen ist Finsternis. Dieser Zustand herrscht im gesamten Menschengeschlecht. Die Finsternis kann das Licht einfach nicht ergreifen. Dieser Zustand ist dem der Natur Gottes völlig entgegengesetzt, denn in Gott gibt es überhaupt keine Finsternis (1Joh 1,5).

Die moralische Finsternis des Menschen Gott gegenüber, die uns hier vor Augen geführt wird, passt zu der Aussage in Lukas 14:

  • Lk 14,18: Sie fingen alle ohne Ausnahme an, sich zu entschuldigen.

Ein bestimmtes Denksystem [der Arminianismus; Anm. d. Red.] meint, der Glaube, von dem in Epheser 2,8 die Rede ist, sei menschlicher Glaube, der durch menschlichen Willen ausgeübt werde; demnach könne der Wille des Menschen nicht in solch moralischer Finsternis gefangen sein, dass er das Licht nicht erfassen könne. Dieses System setzt voraus, dass der moralisch freie Wille Gott gegenüber in jedem Menschen vorhanden sei. Daraus folgert man: Der Wille keines Menschen sei in solch moralischer Finsternis, dass der Mensch das Licht nicht ergreifen könne. Die Auffassung vom moralisch freien Willen Gott gegenüber bedeutet also, dass jeder menschliche Wille dazu fähig sei, das Licht zu ergreifen. Damit widerspricht dieses Denksystem aber unserer Bibelstelle.

Das wahre Licht kam in die Welt

Joh 1,9: Das war das wahrhaftige Licht[4], das, in diese Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.

Zuallererst sollten wir beachten, dass der Sohn vorgestellt wird als das wahre Licht im Zusammenhang mit seiner persönlichen Herrlichkeit.

Dieser Vers spricht nicht von den Menschen, die in die Welt kommen[5] [Luther übersetzt: „Das war das wahre Licht, das alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen“; Anm. d. Übers.], sondern vielmehr vom Wort, das als Licht in die Welt gekommen ist:

  • Joh 3,19: Dies ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist.
  • Joh 12,46: Ich bin als Licht in die Welt gekommen.

Das Kommen des wahren Lichtes – das ist der Sohn in seiner heiligen Menschlichkeit – steht im Zusammenhang mit der Prüfung des ersten Menschen. Der Sohn selbst ist die letzte Prüfung. Diese Prüfung umfasst die Offenbarung des Vaters in dem Sohn. Die Verwerfung des Sohnes bedeutete auch die Verwerfung des Vaters, der sich in dem Sohn vollkommen gezeigt hat. Die den Sohn sahen, sahen den Vater (Joh 14,9). Die den Sohn verwarfen, verwarfen den Vater:

  • Joh 15,23.24: Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater. Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie sie gesehen und doch gehasst sowohl mich als auch meinen Vater.

Das Johannesevangelium beginnt mit der Verwerfung des Wortes, das den Vater offenbarte (Joh 1,10.11). Das Wesen des Evangeliums stimmt mit dieser wichtigen Tatsache überein, so dass in diesem Zusammenhang von der ganzen Welt die Rede ist, nicht nur von den Juden im Besonderen.

Das Kreuz war ein großer Wendepunkt. Deshalb heißt es nach der Kreuzigung Christi, dass die ganze Welt in dem Bösen liegt (1Joh 5,19). Epheser 6,12 spricht von den „Weltbeherrschern dieser Finsternis“. Und deshalb heißt es von den Gläubigen, dass sie „aus der Gewalt der Finsternis“ errettet sind (Kol 1,13), so dass sie „nicht von der Nacht“ (1Thes 5,4) und „nicht von der Finsternis“ (1Thes 5,5) sind. Wir sind „berufen … aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1Pet 2,9). Wir wandeln im Licht, wo Gott selbst ist, in dem keine Finsternis ist (1Joh 1,5-7).

Wie sieht das in der Praxis aus? Welche Gemeinschaft hat Licht mit Finsternis (2Kor 6,14)? Der Geist sagt: „Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts“ (Eph 5,8). Daher sollten wir „die Werke der Finsternis ablegen, die Waffen des Lichts aber anziehen“ (Röm 13,12). Gott wird „auch das Verborgene der Finsternis ans Licht bringen“ (1Kor 4,5).

  • Eph 5,7-14: Seid nun nicht ihre Mitgenossen. Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht in dem Herrn; wandelt als Kinder des Lichts (denn die Frucht des Lichts besteht in lauter Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit), indem ihr prüft, was dem Herrn wohlgefällig ist. Und habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, vielmehr aber straft sie auch; denn das, was heimlich von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur zu sagen. Alles aber, was bloßgestellt wird, wird durch das Licht offenbar gemacht; denn das Licht ist es, das alles offenbar macht.

Nachdem mit der Kreuzigung Christi die Prüfung des ersten Menschen abgeschlossen war, hat Gott den völlig verlorenen Zustand des Menschen aufgedeckt. Vor der Kreuzigung wurde Satan weder als „Gott dieser Welt“ bezeichnet, so wie heute (2Kor 4,4), noch als der „Fürst der Gewalt der Luft“ (Eph 2,2).

Was bedeutet der Ausdruck „jeden Menschen erleuchtet“?

Joh 1,9: Das war das wahrhaftige Licht, das, in diese Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet.

Der Sohn ist das wahrhaftige Licht, „das, in diese Welt kommend, jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9). Damit ist gemeint: Das wahre Licht hat auf den Menschen geleuchtet und den moralischen Zustand des Menschen gegenüber Gott aufgedeckt. Das Licht hat auf den Menschen in seinem verlorenen Zustand geleuchtet. Dadurch wurde der individuelle moralische Zustand jedes einzelnen Menschen vor Gott aufgedeckt: Dieser Zustand ist geistliche Finsternis und diese geistliche Finsternis erfasst das Licht nicht – ohne Ausnahme.

Jemand, der an den moralisch freien Willen Gott gegenüber glaubt, muss einen Weg finden, damit er um das herumkommen kann, was in dieser Bibelstelle gelehrt wird. So steht die Aussage des Mennoniten und Arminianers D.D. Whedon über Johannes 1,9 völlig im Gegensatz zu dem, was geistliche Finsternis wirklich bedeutet:

Die besten Ausleger geben diesen Vers wie folgt wieder: Das war das wahre Licht, das, in diese Welt kommend, alle Menschen erleuchtet … Jedem Menschen wird durch das Logos ein vorbereitendes Licht geschenkt, so dass er nicht in jener Finsternis sein muss, die das Licht nicht erfasst.[6]

Es ist eine anmaßende Behauptung, der erste Mensch sei nicht völlig verloren. Es ist ein Irrtum, jeder Mensch seit Adam habe „vorbereitendes Licht“; das muss auch auf solche zutreffen, die „nicht in jener Finsternis sein müssen, die das Licht nicht erfasst“. Gibt es denn eine andere geistliche Finsternis, die nicht „jene Finsternis“ ist? Tatsache ist, dass es nur eine geistliche Finsternis gibt, und die ist ohne „vorbereitendes Licht“, das angeblich vom Logos geschenkt wird. Der Herr hat nie von einem „vorbereitenden Licht“ gesprochen und auch nie um so etwas gebeten. Es ist ein Mythos der Lehre vom freien Willen des Menschen. Der Leser wird anhand von 1. Johannes 1,5.6 erkennen, dass man entweder im Licht oder in der Finsternis wandelt. Der Ungläubige bleibt in der Finsternis und wandelt blind darin:

  • Joh 12,46: Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, wer an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.
  • Joh 12,35: Noch eine kleine Weile ist das Licht unter euch. Wandelt, während ihr das Licht habt, damit nicht Finsternis euch ergreife[7]. Und wer in der Finsternis wandelt, weiß nicht, wohin er geht.

Zu Johannes 1,5 schreibt Dr. Whedon :

Und das Licht scheint in der Finsternis – Das Logos schuf in der ursprünglicher Natur des Menschen ein moralisches Bewusstsein. Als trotzdem dieses moralische und geistliche Bewusstsein durch die Sünde finster und leblos wurde, strahlte das Logos, Christus, Wahrheit und Liebe hinein. Sein Werk wurde jedoch weder anerkannt noch angenommen. Dieses Hineinleuchten und das Ablehnen fand in allen Zeitaltern statt, aber ganz besonders während der Fleischwerdung Jesu, von der Johannes in den folgenden Versen schreibt.[8]

Auf diese Weise wird die Schrift durch die Lehre vom freien Willen dreist ihrer wahren Bedeutung beraubt. „Die besten Ausleger“ müssen wohl diejenigen sein, die sich darin vereinen, die biblische Lehre über den wahren geistlichen Zustand des Menschen zu untergraben – einen Zustand der Finsternis, die das Licht nicht ergreift. Sie aber sagen: Der Mensch ergreift das vorbereitende Licht und die Strahlen der Wahrheit und der Liebe in seinem Herzen! Es ist gut, wenn wir vor Augen haben, dass diese Lehre in ihrem tatsächlichen Wesen in völligem Gegensatz zum Wort Gottes steht.[9]

Die Formulierung „jeden Menschen erleuchtet“ bedeutet also nicht, dass jeder ein wenig „vorbereitendes Licht“ hat, sondern vielmehr, dass das Licht den Zustand des Menschen beleuchtet, um ihn aufzudecken:

  • Eph 5,13: Alles aber, was bloßgestellt wird, wird durch das Licht offenbar gemacht; denn das Licht ist es, das alles offenbar macht.

Was ist die Lösung für das Problem dieser Finsternis?

2Kor 4,6: Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis leuchte Licht, ist es, der in unsere Herzen geleuchtet …

Jeder Heilige war „einst … Finsternis, jetzt aber … Licht in dem Herrn“ (Eph 5,8). Wie ist das geschehen? Sie glauben an den moralisch freien Willen Gott gegenüber; Sie meinen also, dass Sie durch Ihren freien Willen (Ihre Anmaßung, nicht völlig verloren zu sein) das Licht ergriffen hätten (im Widerspruch zu Johannes 1,5), und Sie glauben nicht, dass Gott es souverän in Sie eingepflanzt hat. Tatsache ist aber, dass dies von Gott gewirkt wurde, von dem Gott, der in 1. Mose 1 sprach: „Es werde Licht! Und es wurde Licht.“ Genauso sprach Er Licht in unsere Seelen durch seinen eigenen souveränen Willen. Ja, Er hat „euch berufen … aus der Finsternis zu seinem wunderbaren Licht“ (1Pet 2,9). Der Mensch ist dem Licht gegenüber blind und seine Augen müssen aufgetan werden (Apg 26,18). Der Heiland tut es durch sein Wort, so wie Er die Augen der physisch Blinden öffnete, als Er hier auf der Erde war (wie zum Beispiel in Johannes 9).

Licht, das Finsternis ist

Mt 6,22.23: Die Lampe des Leibes ist das Auge; wenn nun dein Auge einfältig ist, so wird dein ganzer Leib licht sein; wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Finsternis ist, wie groß ist die Finsternis!

Lk 11,34-36: Die Lampe des Leibes ist dein Auge; wenn dein Auge einfältig ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. Gib nun acht, dass das Licht, das in dir ist, nicht Finsternis ist. Wenn nun dein ganzer Leib licht ist und keinen finsteren Teil hat, so wird er ganz licht sein, wie wenn die Lampe mit ihrem Strahl dich erleuchtete.

Im Johannesevangelium wird der Sohn dargestellt als das Licht in Verbindung mit einer persönlichen Herrlichkeit. Das Licht spricht von der Vollkommenheit seiner Person: „Gott ist Licht“ (1Joh 1,5). Wir sind „Teilhaber der göttlichen Natur“ (2Pet 1,4), das heißt an Gottes moralischen Eigenschaften. Wenn wir aus Gott geboren sind, haben wir die Fähigkeit, das „wahre Licht“ zu ergreifen. Im Matthäus- und im Lukasevangelium wird uns das Sehvermögen besonders deutlich vor Augen geführt. Beachten wir, dass es nicht heißt, dass der Leib voll Licht sein wird, sondern dass der Leib leuchten wird. „So wird dein ganzer Leib licht sein“, wenn das Auge einfältig [klar, lauter] ist. Andererseits: Wenn das Auge böse ist, „so wird dein ganzer Leib finster sein“. Er wird keinen Lichtschein geben. Die Frage ist: Leuchtet jemand oder ist er finster?

Kommen wir nun zu einer anderen Frage. Das Licht, das Finsternis ist, ist nicht das Licht von Gott. Es könnte das „Licht“ der Religion, das „Licht“ der Vernunft oder die „Erleuchtung“ des New Age sein. Solche Dinge im Menschen sind Finsternis und wie groß ist solche Finsternis! Unser Auge wird einfältig, wenn Gott unsere Augen öffnet, um Christus zu sehen, das „wahre Licht“, und wenn unser Augenmerk sich einzig, einfach, ungeteilt auf Ihn richtet. Es ist ein Test für uns, wie sehr wir leuchten. Ist irgendein Teil finster? Ist das Auge einfältig? Ist das Auge einfach? Es gibt kein „wahres Licht“ außer dem Einen, der den Vater offenbart.

In Matthäus 5,13.14 sagt der Herr zu seinen Jüngern, dass sie das Salz der Erde und das Licht der Welt sind. Sie sind das Konservierungsmittel, weil sie sich vom Bösen abgesondert haben zu Ihm hin, und sie sind Licht. Trennen wir das Salz und das Licht nicht; beide drücken aus, was Er ist.

2. Christus wird verworfen

Während die ersten drei Evangelien der Verwerfung des Herrn Jesus schrittweise verfolgen, setzt das Johannesevangelium diese Verwerfung schon ganz am Anfang voraus. Daher lesen wir:

Joh 1,10.11: Die Welt kannte ihn nicht. Er kam in das Seine, und die Seinen nahmen ihn nicht an.

Er kam als Licht in die Welt und als das wahre Licht legte Er den Zustand jedes Menschen bloß. Er ist die letzte Erprobung für den ersten Menschen. Der erste Mensch befindet sich in einem Zustand geistlicher Finsternis und ergreift das Licht nicht: „Die Welt kannte ihn nicht.“ Doch nicht nur die Welt nahm Ihn nicht an, sondern allgemein der erste Mensch, der in der Prüfung vertreten wurde in den Personen des besonders bevorzugten Volkes. Durch die Ablehnung Christi wurde der Wille des Menschen bloßgelegt: sein unerbitterlicher Hass gegen Gott.

Damit ein Mensch Christus aufnehmen kann, muss Gott ihm souverän die neue Geburt schenken, so dass er eine neue Natur hat, die Christus aufnehmen kann. J.N. Darby schreibt:

Aber es gibt da einen fundamentalen Irrtum in Ihrem Gedankengang: als ob der Glaube an ein menschliches Zeugnis hinsichtlich zeitlicher Dinge dasselbe wäre wie der Glaube, der das Wort Gottes ins Herz aufnimmt. Es gibt keine Feindschaft im Herzen gegen zeitliche Dinge, aber „die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott“ (Röm 8,7). Sie sagen, dass der Mensch glauben könnte, wenn er wollte; aber er will einfach nicht, denn der Gegenstand des Glaubens ist ihm verhasst. Des Weiteren wäre es wertlos, wenn er nur mit seinem natürlichen Glauben glauben würde. Viele glaubten an Jesus (Joh 2,23.24), aber Jesus hielt nichts von diesem Glauben.[10] Sie vergessen, dass jeder, der mit wahrem Glauben glaubt, ewiges Leben hat (Joh 3,36; siehe auch 1Joh 5,15).

Ebenso sind diese nicht aus dem Willen des Fleisches oder aus dem Willen eines Menschen geboren, sondern aus Gott. Und deshalb heißt es: „Denn ihr alle seid Söhne Gottes durch den Glauben an Christus Jesus“ (Gal 3,26). Dieser wahre Glaube ist die Frucht des Wirkens des Heiligen Geistes und ist in keinem Menschen gefunden worden: „Warum bin ich gekommen, und kein Mensch war da?“ (Jes 50,2). Johannes der Täufer sagt: „Was er gesehen und gehört hat; dieses bezeugt er; und sein Zeugnis nimmt niemand an“ (Joh 3,32); ebenso sagt der Herr selbst: „Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und unser Zeugnis nehmt ihr nicht an“ (Joh 3,11). Dass es das Werk Gottes ist, geht aus dem Wort klar hervor: „Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt“ (Jak 1,18). Im Galaterbrief lesen wir: „Als es aber Gott, … wohlgefiel, seinen Sohn in mir zu offenbaren …“ (Gal 1,15.16). Gott gibt uns ewiges Leben: „Wer den Sohn hat, hat das Leben“, sagt der Apostel Johannes (1Joh 5,12). „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh 3,6) – etwas völlig Neues im Menschen. Christus selbst ist unser Leben, und wir haben dieses Leben erst, wenn wir Christus aufgenommen haben. Das Zeugnis ist also klar und zuverlässig: Wir sind durch den Glauben Kinder Gottes und sind nicht aus dem Willen des Menschen geboren, sondern aus Gott.

Sie sagen, dass er Glauben hat: „Kann es nicht sein, dass er seine Hand öffnet, um zu empfangen?“ Aber Herzen haben nicht diese Neigung; sie wollen die Hand nicht öffnen. Soweit es das Herz betrifft, ist alles bereits getan, sobald es geneigt ist, Christus zu empfangen. Christus beklagt sich, dass niemand da war, als Er kam. Sie anerkennen, dass der Mensch erlöst ist; aber wenn jemand geneigt ist, seine Hand zu öffnen, dann kommt die Bekehrung aus dem Willen des Menschen. Sie sagen, dass Gott des Menschen Geist erneuert, sobald er glaubt. Aber wenn er glaubt, ist er bereits erneuert, da Christus ihm kostbar ist, während er vorher nichts Begehrenswertes in Ihm sah. Er weiß dann schon, dass er ein Sünder ist und einen Heiland braucht; er hat Ihn gefunden, sobald er glaubt. Beachten wir, dass Jesus sagt: „Ihr wollt nicht zu mir kommen“ (Joh 5,40). Ich glaube voll und ganz, dass die Menschen dafür verantwortlich sind; aber wo finden wir ein „Ihr wollt“? Gottes Wort sagt ausdrücklich: „Da ist keiner, der Gott sucht“ (Röm 3,11). Christus kam, um die Menschen zu suchen, Gott sei Dank; aber als Er kam, wurde Er verworfen; Er wurde von den Menschen nicht aufgenommen, außer von denen, die aus Gott geboren sind. Dies sagt der Geist durch Jesaja (Jes 1), Johannes den Täufer, den Herr selbst und den Apostel Johannes. Gott hindert sicherlich niemand daran, zu kommen, aber das Herz neigt dazu, nicht kommen zu wollen. Deshalb ist das Werk Gottes notwendig und deshalb heißt es: „Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht“ (Joh 6,44). Vielleicht werden Sie sagen, dass jeder gezogen werde. Nein, denn derjenige, der gezogen wird, wird auch kommen, und Jesus wird ihn am letzten Tag auferwecken; er ist gerettet (siehe Joh 6,39). Deshalb heißt es: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen; und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh 6,37). Dann sagt der Herr ausdrücklich das, wovon Sie behaupten, dass Er es nicht sagt: „Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht“ (Joh 6,44), und wiederholt es in Vers 65: „Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, wenn es ihm nicht von dem Vater gegeben ist.“ Ebenso steht geschrieben: „Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen … Meine Schafe hören meine Stimme, … und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit“ (Joh 10,26-28).[11]

3. Gott muss souverän die neue Geburt herbeiführen

Aus Gott geboren zu werden, ist eine souveräne Handlung, die nicht vom Menschen abhängt

Joh 1,12.13: So viele ihn aber aufnahmen, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden, denen, die an seinen Namen glauben, die nicht aus Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

Dass das wahre Licht in die Welt kam, ist eine Offenbarung des Lichts. Doch aufgrund des Zustandes des Menschen – blind, taub und geistlich tot Gott gegenüber – war mehr nötig als das. „Blind“, „taub“ und „tot“ beschreiben im Johannesevangelium den geistlichen Zustand des Menschen. Deswegen finden wir in diesem Evangelium die lebendig machende Kraft Gottes. Durch diese Kraft kann der Verlorene, lebendig Gemachte (und also aus Gott Geborene) sehen, hören und in einem geistlich lebendigen Zustand Gott gegenüber sein. „Lebendig machen“ bildet mit „Tod“ zusammen ein Begriffspaar, ob es sich nun auf den Körper oder auf die Seele bezieht (Joh 5). Dies wird ausführlicher unter Punkt 4 des Kapitels behandelt.

Hier legen wir den Schwerpunkt auf die Verbindung zwischen Lebendigmachen und neuer Geburt. Zwischen diesen beiden Begriffen besteht eine offenkundige Parallele, da die neue Geburt bedeutet, dass dem Sünder neues Leben verliehen wird.

Beim Gleichnis vom großen Gastmahl (Lk 14,16-24) haben wir festgestellt, dass die Einladung zuerst an „die Seinen“ ausging. Wir haben auch gesehen, dass alle ohne Ausnahme sich entschuldigten und nicht kamen. Dann sahen wir, dass ein Diener Personen aus den Juden und aus den Heiden hereinbrachte und sie nötigte, hereinzukommen. In Johannes 1,13 sehen wir, dass diejenigen, die „aus Gott geboren sind“ (dies bezieht sich auf die neue Geburt), nicht aus Gott geboren sind durch irgendetwas von menschlicher Herkunft. Drei Dinge (die alles abdecken) werden als Quelle im Menschen für das Von-Gott-geboren-Werden in Johannes 1,12.13 verneint:

  1. Nicht aus Geblüt: Dies bezieht sich darauf, dass die Neugeburt nicht von den Eltern oder aus irgendeiner Blutlinie empfangen werden kann, zum Beispiel durch Abstammung von den Juden.
  2. Noch aus dem Willen des Fleisches: „Fleisch“ bezieht sich hier auf den gefallenen Menschen. Der Wille ist unter der Knechtschaft des Fleisches („Sünde im Fleisch“) – durch die drei großen Beweggründe, die wir im Gleichnis vom großen Gastmahl besprochen haben (s. auch 1Joh 2,16). Der Wille des Fleisches bezieht sich auf den Willen im Menschen und nicht auf das, was außerhalb von ihm ist.
  3. Noch aus dem Willen eines Mannes: Dies bezieht sich auf den Willen des Menschen außerhalb von ihm.

Sondern aus Gott“: Gott kann souverän handeln und die Neugeburt herbeiführen. Davon ist hier die Rede. Und deswegen heißt es in Jakobus:

  • Jak 1,18: Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt.

Der natürliche Wille des Menschen trägt außer Widerstand gegen Gottes gnädige Einladung nichts dazu bei – ohne Ausnahme. Es ist der göttliche Wille, der die Neugeburt schafft: Sie ist die Einpflanzung eines neuen Lebens in den Menschen durch das Handeln Gottes. Die Mittel, die Gott dazu verwendet, werden in Johannes 3,5-8 genannt; auch Jakobus 1,18 zeigt, dass Gott dafür sein Wort gebraucht.

Wir haben in den Versen 10 und 11 gesehen, dass die Welt Ihn nicht kannte und dass die Seinen Ihn nicht aufnahmen (Joh 1,10.11). Dann heißt es in Vers 12: „So viele ihn aber aufnahmen …“ (Joh 1,12). Die Frage ist: Warum nahm Ihn überhaupt jemand auf? Die Arminianer antworten: weil sie ihren moralisch freien Willen Gott gegenüber ausübten, um zu glauben. – Die Wahrheit ist, dass Vers 13 die Antwort auf die Frage gibt, warum irgendjemand glaubte, warum irgendjemand Ihn aufnahm. An seinen Namen zu glauben, bedeutet, aus Gott geboren zu sein. Ihn aufzunehmen, bedeutet, aus Gott geboren zu sein (Joh 1,13). Der Glaube geht der neuen Geburt nicht voraus [wie die Arminianer glauben; Anm. d. Red.], vielmehr werden der Glaube und das Leben gleichzeitig von Gott in die Seele eingepflanzt. Die Reihenfolge der Verse 12 und 13 bedeutet nicht, dass die neue Geburt stattfindet, nachdem der Mensch Christus aufgenommen hat. Vers 13 erklärt, warum irgendjemand Ihn aufnahm. Jegliche menschliche Beteiligung ist ausgeschlossen, aber einige nahmen Ihn auf[12], weil sie aus Gott geboren waren.

Jakobus 1,18 zeigt, dass Gott sein Wort als Mittel benutzt, um die neue Geburt herbeizuführen. Dieses Wort wird nicht durch menschlichen Glauben aufgenommen, der aus einem moralisch freien Willen Gott gegenüber käme:

  • Joh 3,27: Ein Mensch kann gar nichts empfangen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist“.

Es wird der Seele gegeben, sein Wort aufzunehmen und Christus zu empfangen. Dies schenkt Gott in der neuen Geburt.

  • Röm 9,16: Also liegt es nun nicht an dem Wollenden noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott.

Die neue Geburt

Joh 3,5-10: 5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, so kann er nicht in das Reich Gottes eingehen. 6 Was aus dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was aus dem Geist geboren ist, ist Geist. 7 Verwundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. 8 Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist.

Nikodemus wusste nicht, dass ein neues Herz nötig war. Hesekiel 36,25-27 zeigt uns, dass Israel ein Herz aus Stein hat. Der Herr konnte also von einem Lehrer in Israel zu Recht erwarten, dass dieser um folgende Tatsache wusste: Eine bedeutende Umwandlung – sowohl moralisch als auch geistlich – war nötig, damit Israel unter dem neuen Bund sein kann, wenn der Messias im Tausendjährigen Reich vor seinen Ältesten in Herrlichkeit herrschen wird (Jes 24,23). Die Juden brauchten ein neues Herz, sie brauchten die Neugeburt.

Eine neue Natur in der Seele. Wasser ist ein Bild für das Wort Gottes. Die Wahrheit ist das Mittel, durch das wir aus Gott geboren werden (s. Jak 1,18).[13] Der Geist ist der Geist Gottes. Der Geist nimmt das Wort und bringt es durch das Gewissen in die Seele. Die Seele ist der Wohnort der Wahrheit, wie J.G. Bellet dargelegt hat; Ohr und Verstand sind nur die Eintrittspforten. Die Wahrheit dringt in die Seele durch das Gewissen ein und nicht durch den Willen des Menschen. Das sehen wir deutlich in Johannes 4, wo der Herr sich an das Gewissen der Frau wendet. Es muss nämlich in die Seele, wo der Wille ist, eine neue Natur eingepflanzt werden. J.N. Darby schrieb eine Fußnote zu dem Ausdruck „von neuem geboren“:

Nicht nur „wieder“, sondern „gänzlich von neuem“, also von einer neuen Quelle des Lebens und von einem neuen Ausgangspunkt aus. In Lukas 1,3 wird derselbe Ausdruck [im Griech. anōthen; Anm. d. Red.] mit „von Anfang an“ übersetzt. Es ist ein neuer Ursprung, ein neuer Beginn des Lebens.

Gott ist natürlich dieser Ursprung. Gott wirkt in uns sowohl das Wollen als auch das Vollbringen, zu seinem Wohlgefallen. Denn Er hat eine neue Natur in die Seele gepflanzt und versiegelt uns auch mit dem Heiligen Geist als mit einer Kraft, so dass die Person dann in Übereinstimmung mit der neuen Natur, die aus Gott kommt, ihren Willen ausübt und handelt. Diese Natur möchte nur noch Gottes heiligen Willen tun. Lesen wir Philipper 2,12.13:

  • Phil 2,12.13: Daher, meine Geliebten, wie ihr allezeit gehorsam gewesen seid, nicht allein als in meiner Anwesenheit, sondern jetzt viel mehr in meiner Abwesenheit, bewirkt[14] euer eigenes Heil mit Furcht und Zittern; denn Gott ist es, der in euch wirkt[15] sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen.

Was immer wir zu seinem Wohlgefallen tun, kommt zustande durch das, was Er durch innere Macht in uns gewirkt hat. Die alte Natur bleibt unverbesserlich, sie bleibt in ihrem unveränderlichen moralischen Charakter der Feindschaft gegen Gott (vgl. Röm 7,25). Und auch nach seiner Neugeburt behält der Christ sie auf der Erde.[16] (1. Johannes 1,8 bezieht sich auf die Sünde als die Wurzel in uns.) Die Vorstellung, die sündige Natur würde irgendwie verändert, setzt sich über eine solche Schriftstelle hinweg, wie auch über Römer 7,23; 8,7. Das Fleisch wird erst fort sein, wenn wir aus dieser Welt scheiden oder verwandelt werden (Phil 3,21). Aber es gibt jetzt neue Beweggründe in der Seele (s. 1Kor 2,11.16), nicht länger nur die drei großen Beweggründe des natürlichen Menschen (siehe 1Joh 2,16).

Die neue Geburt ist also eine zweite Geburt und sie ist von geistlicher Natur: „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“ (Joh 3,6). Die neue Natur „hat Teil an der Natur dessen, aus dem sie geboren ist“[17] und wird deswegen hier Geist genannt.

Das andere Element der neuen Geburt und die Macht, durch die sie gewirkt wird, ist nach der Schrift der Heilige Geist. „Was aus dem Geist geboren ist, ist Geist“, so wie das, was aus dem Fleisch geboren ist, Fleisch ist. Und „so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist“ [Joh 3,8]. Diese neue Natur oder das neue Leben, das uns gegeben ist, steht im Gegensatz zum Fleisch; sie ist auf den Geist zurückzuführen und dem Wesen nach göttlich. Jedes Leben hat sein Wesen von dem, der es geboren hat. Was vom Fleisch geboren ist, ist Fleisch, und was vom Geist geboren ist, ist Geist. Vom Wasser kann man nicht so sprechen: Das Wasser vermittelt keine Natur, sondern hat reinigende Kraft. Wenn es etwas symbolisiert, dann eindeutig den Tod und nicht das Leben, denn wir sind in Christi Tod hineingetauft. Es wäre Unsinn, zu sagen: „Das, was vom Wasser geboren ist, ist Wasser.“ Wasser wird uns nicht als Übermittler einer Natur vorgestellt, aber der Geist durchaus. Er ist ein göttlicher, Leben spendender Geist. So auch Christus. Er sowie auch der Vater wirken mit. Er ist ein lebendig machender Geist.[18]

Ein Christ hat also diese zwei Naturen. Natürlich glauben viele das nicht. Hier ist eine interessante Analogie:

  • Hat ein Christ ein neues Herz?
    Ja. Aber das entsteht nicht dadurch, dass das alte Herz gereinigt würde, so als wäre zum Beispiel dieser Tisch sehr schmutzig, und dann würde das Mahagoni sehr gut gereinigt. Das ist die wesleyanische oder arminianische Vorstellung eines neuen Herzens.
  • Hätten wir dann statt Mahagoni Rosenholz?
    {Ja}, nur dass das Mahagoni immer noch da ist.[19]

Was bringen sie [die Arminianer] dagegen vor, dass Gott dies außerhalb des menschlichen Willens beginnt? Johannes 3,16. Das ewige Leben ist für jeden, der glaubt; und dieser Akt des Glaubens werde angeblich durch den menschlichen Willen hervorgebracht. So argumentieren die Anhänger der Lehre vom freien Willen, nämlich dass der Glaube ipso facto ein Akt des moralisch freien Willens Gott gegenüber ist. – Die Wahrheit allerdings ist, dass Gott den Glauben gibt: „Ein Mensch kann gar nichts empfangen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist“ (Joh 3,27).[20]

Teilhaber der göttlichen Natur

2Pet 1,3.4: 3 Da seine göttliche Kraft uns alles zum Leben und zur Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch Herrlichkeit und Tugend, 4 durch die er uns die kostbaren und größten Verheißungen geschenkt hat, damit ihr durch diese Teilhaber der göttlichen Natur werdet, die ihr dem Verderben entflohen seid, das in der Welt ist durch die Begierde.

Eines der Dinge, die „seine göttliche Kraft“ uns gegeben hat und die mit dem Leben und der Frömmigkeit zu tun hat, ist eine neue Natur. Die neue Natur gibt einem Menschen die Fähigkeit, Gott zu lieben und sich Seiner zu erfreuen. Sie gibt ein neues Verlangen: Gott zu gefallen. Sünde kann niemals aus dieser Natur kommen, sondern nur das, was Gott gefällt.

Die neue Geburt verleiht niemand Gottheit, auch vermittelt sie der Seele nicht Göttlichkeit. Das ist unmöglich; Göttlichkeit kann nicht vermittelt werden. 2. Petrus 1,3.4 zeigt das, woran wir durch „seine göttliche Kraft“ Anteil bekommen, als eine moralische Wesensart. Der bestimmte Artikel steht eigentlich nicht vor dem Ausdruck „göttliche Natur“. Dies deutet daraufhin, dass Petrus eine moralische Wesensart bzw. moralische Eigenschaften im Blick hat. Wir sind Teilhaber der göttlichen Natur.[21]

Es ist wichtig, zu verstehen, dass die Neugeburt ganz und gar ein souveräne Akt des Willens Gottes ist; sie ist die Einpflanzung einer neuen Natur in die Seele. Sie ist Gottes Handeln. Gott pflanzt ein neues Leben und Glauben ein.

Denn so hat Gott die Welt geliebt

Joh 3,16: Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben habe.

Als wir das wahre Licht in Johannes 1 betrachtet haben, sahen wir anhand von Vers 10, dass „die Welt ihn nicht erkannte“. Das bedeutet nicht „die Welt der Auserwählten“. Weder Johannes 3,16 noch der folgende Vers bezieht sich auf die Welt der Auserwählten. Johannes 1,29 spricht nicht von Sünden (Verhalten und Frucht), sondern von Sünde (als der Wurzel). Das Lamm Gottes legte die Grundlage für die Beseitigung der Sünde, aber die Sünde wird endgültig erst beim Kommen des neuen Himmels und der neuen Erde beseitigt werden.

In Johannes 4,42 wird uns Christus als Heiland der Welt vorgestellt (vgl. Joh 12,47). Es gibt keinen anderen. Die dann tatsächlich gerettet werden, sind natürlich die Auserwählten. Obwohl Er sein Leben für die Welt gibt (Joh 6,51), eignet sich die Welt sein Werk nicht an. In Johannes 8,23 sehen wir, dass diejenigen, die Christus ablehnen, von der Welt sind. Diese Welt hat einen Herrscher, und zwar Satan (Joh 14,30). In Johannes 16,8 lesen wir, wie der Heilige Geist mit der Welt handelt als Folge dessen, dass sie Christus verworfen hatte. Die Welt freut sich, dass Christus nicht in ihr ist (Joh 16,20); dagegen hat der Gläubige in der Welt Bedrängnis (Joh 16,33). Es gibt Menschen aus der Welt, die dem Sohn vom Vater gegeben werden. In Johannes 17,21.23 sind genau diese Menschen aus der Welt gemeint. Das Wort „Welt“ wird im Johannesevangelium auf eben diese Weise gebraucht, außer wenn etwas Physisches (vgl. Joh 17,11.13) oder das Weltsystem (möglicherweise Joh 17,14.16) gemeint ist. Das Johannesevangelium hat die Welt (der Menschen) im Blick, wenn es betont, dass niemand zu Christus kommen kann, wenn er nicht vom Vater gezogen und durch Ihn dem Sohn gegeben wird. Es gibt zwar Calvinisten, die Johannes 3,16 so verstehen, als wäre damit „die Welt der Auserwählten“ gemeint, doch Johannes Calvin selbst hat diesen Vers nicht so verstanden, wie sein Kommentar zum Johannesevangelium zeigt.

Der Ausdruck „die Welt“ bedeutet niemals die „Auserwählten“

Die erhöhte Schlange in Johannes 3,14 ist ein Bild für Christus, der, obgleich von Natur aus sündlos, zur Sünde gemacht wurde. So wie jeder, der auf die erhöhte Schlange schaute, vom Tod errettet wurde, so wird jeder, der an den eingeborenen Sohn glaubt, nicht verlorengehen. Als der Erhöhte ist Er der, der die ganze Welt zieht. (Siehe die Erklärungen zu Johannes 12,32.)

4. Der Vater und der Sohn (und der Geist) machen lebendig

Der Ausdruck lebendig machen (quicken) bedeutet vom Tod zum Leben bringen

Lebendigmachen wird in Johannes 5,21, Römer 4,17 und 8,11 auf den Körper angewendet. An anderen Stellen im Neuen Testament bezieht sich Lebendigmachen auf die Neugeburt: lebendig gemacht zu werden (made alive) aus einem Zustand des geistlichen Todes heraus.[22] Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist machen lebendig (Joh 5,21; 6,63). Alle lebendig gemachten Seelen sind Kinder Gottes, und das gilt für alle Zeitalter, denn lebendig gemachte Seelen sind Kinder Gottes (Joh 11,52; Röm 9,7).[23] Weil die alttestamentlichen Heiligen lebendig gemachte Seelen sind, sind auch sie Kinder Gottes, obwohl sie diese Wahrheit nicht kannten, da diese noch keine offenbarte Beziehungsgrundlage war. (Schlagen Sie das Wort „lebendig machen“ [quicken] in einem biblischen Begriffswörterbuch nach (z.B. Morrish’s Bible Dictionary), um mehr über die Verwendung des Begriffs „lebendig machen“ im Alten Testament herauszufinden.)

Tot und lebendig machen sind Begriffe, die zusammengehören und sich gegenseitig bedingen

Wenn wir zu Epheser 2,1-5 kommen, werden wir noch einmal auf den Punkt zurückkommen, dass der Mensch Gott gegenüber tot ist und es nötig hat, lebendig gemacht zu werden. Ein Halbtoter, ein Bewusstloser oder ein Ertrinkender braucht nicht lebendig gemacht zu werden – weil er nicht tot ist. Die Ausdruckskraft der Wörter „tot“ und „Tod“ darf nicht so abgeschwächt werden, dass man ihnen die Bedeutung beimisst, der Mensch sei Gott gegenüber nicht wirklich geistlich tot.

Joh 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.

1Joh 3,14: Wir wissen, dass wir aus dem Tod in das Leben hinübergegangen sind, weil wir die Brüder lieben; wer den Bruder nicht liebt, bleibt in dem Tod.

2 Kor 5,14: Denn die Liebe des Christus drängt uns, indem wir so geurteilt haben, dass einer für alle gestorben ist und somit alle gestorben sind.

Eph 2,1.5: Auch euch, die ihr tot wart in euren Vergehungen und Sünden, … hat auch uns, als wir in Vergehungen tot waren, mit dem Christus lebendig gemacht.

Bevor ein Mensch das göttliche Leben hat, bevor er lebendig gemacht wird, bevor er von neuem geboren wird, befindet er sich in einem Zustand des Todes; er ist natürlich geistlich tot, nicht physisch tot. Dieser geistliche Tod entspricht der Finsternis in Johannes 1,5. Wie geht nun dieser Übergang vom Tod zum Leben vor sich? Nun, der Vers, der unmittelbar auf den oben angeführten Vers in Johannes 5,24 folgt, erklärt, wie dies geschieht:

  • Joh 5,25: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.

Wie hören die geistlich Toten? Ist das ein gültiger Einwand? Wie hörte der tote Lazarus, als der Sohn rief: „Lazarus, komm heraus“? Das Hören wurde eingepflanzt.[24] Hören, Glauben und Leben (die neue Geburt) werden gleichzeitig von Gott eingepflanzt.

Physisches Lebendigmachen veranschaulicht geistliches Lebendigmachen

Joh 5,21: Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

In Johannes 6,63 und 2. Korinther 3,6 sehen wir, dass der Geist lebendig macht. In 1. Korinther 15,45 wird Christus, als der letzte Adam, „ein lebendig machender Geist“ genannt. Es sind göttliche Personen, die die geistlich Toten lebendig machen. Die geistlich Toten selbst tragen zu ihrer eigenen Erweckung zum Leben nichts bei und helfen auch nicht dabei. Sie werden „vom Tod zum Leben“ gebracht.

Die Erweckung aus dem körperlichen Tod (Joh 5,21) dient als Vorbild für die geistliche Erweckung, für das geistliche Lebendigmachen. Derjenige, der „mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat“ (Joh 5,24), tut das, weil die „Stimme des Sohnes Gottes“ ihn zum Hören und zum Glauben bringt. Die geistlich Toten haben weder die Fähigkeit, geistlich zu hören, noch die Fähigkeit, geistlich zu sehen. Also ist lebendig machende Kraft notwendig, damit sie hören und sehen können.

Nachdem wir nun festgestellt haben, dass das Lebendigmachen sowohl auf den körperlichen als auch auf den geistlichen Tod angewendet wird, wollen wir nun den Fall des toten Lazarus betrachten. In Johannes 11,25 bezeichnete der Herr Jesus sich selbst als die Auferstehung und das Leben. Dies hat sowohl die körperlich Toten (die Auferstehung) als auch die geistlich Toten (das Leben) im Blick. Die Wiederherstellung des natürlichen Lebens des Lazarus veranschaulicht die Macht des Herrn als die Auferstehung und das Leben. Selbstverständlich brachte nicht das laute Rufen des Herrn den Lazarus dazu, zu hören – ein törichter Gedanke. Er rief laut um der Menschenmenge willen. Die Stimme voller Kraft und Befehlsgewalt rief Hörfähigkeit, Sehfähigkeit und Leben in Lazarus hinein – ja, sie beförderte Lazarus unmittelbar in die Gegenwart des Herrn, dorthin, wo Er stand (vgl. Joh 11,43.44). Und wenn der Herr einen Sünder aus seinem Zustand des geistlichen Todes herausruft, gibt Er ihm das Hören, das Sehen und das Leben. Der Sünder wird durch die Macht des Sohnes lebendig gemacht. Der lebendig Gemachte hat so eine neue Natur und Glauben. Alles hat göttlichen Ursprung und entspricht dem Wort „nötigen“ in dem Gleichnis vom großen Gastmahl.[25]

Der Wille des Menschen ist ausgeschlossen

Es gibt Schriftstellen, die ausdrücklich den Willen des Menschen ausschließen und bestätigen, dass es Gottes Wille ist, der das Lebendigmachen und die Neugeburt bewirkt:

  • Joh 3,27: Ein Mensch kann gar nichts empfangen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist.

  • Joh 6,65: Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht“ (Joh 6,44).

  • „Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, wenn es ihm nicht von dem Vater gegeben ist. (Siehe Joh 17,2.)

  • Joh 8,43: Warum versteht ihr denn meine Sprache nicht? Weil ihr mein Wort nicht hören könnt!

  • Joh 14,17: „Den Geist der Wahrheit kann die Welt nicht empfangen.

  • Röm 8,7: Die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan; denn sie vermag es auch nicht.

  • Röm 8,8: Die aber, die im Fleisch sind, vermögen Gott nicht zu gefallen.

  • 1Mo 6,5: Und der HERR sah, dass die Bosheit des Menschen groß war auf der Erde, und alles Gebilde der Gedanken seines Herzens nur böse den ganzen Tag. (Siehe 1Mo 8,21; Pred 9,3.)

  • Jer 17,9: Arglistig ist das Herz, mehr als alles, und verdorben ist es; wer mag es kennen?

  • Röm 5,6: Denn Christus ist, da wir noch kraftlos waren, zur bestimmten Zeit für Gottlose gestorben.

  • Eph 2,1: Auch euch, die ihr wart tot ward in euren Vergehungen und Sünden.

  • Lesen Sie auch Römer 3,10-20 und Psalm 14,2.3.

  • Lk 14,18-23: „Und sie fingen alle ohne Ausnahme an, sich zu entschuldigen … Geh hinaus auf die Wege und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, damit mein Haus voll werde.

  • Röm 9,16: Also liegt es nun nicht an dem Wollen noch an dem Laufenden, sondern an dem begnadigenden Gott.

  • Joh 1,13: „… die nicht aus Geblüt noch aus dem Willen des Fleisches noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.

  • Jak 1,18: Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt.

  • Eph 2,8-10: Denn durch die Gnade seid ihr errettet mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es; nicht aus Werken, damit niemand sich rühme. Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, damit wir in ihnen wandeln sollen.

Wenn jemand es unbedingt anders verstehen will, wird er Wege finden, seine Ausführungen zu rechtfertigen. Er besteht darauf, dass der Mensch einen moralisch freien Willen Gott gegenüber hat, der menschlichen Glauben ausübt. Mehr noch, er wird sich beschweren, dass niemand Schriftstellen vorgebracht hat, die die Unfähigkeit des Menschen ausdrücken.

Die Schrift verneint, dass der Mensch einen moralisch freien Willen Gott gegenüber hat. Sie zeigt, dass der Mensch durch einen souveränen Akt des Willens Gottes von neuem geboren wird. Gott pflanzt eine neue Natur und Glauben in ihn ein und gibt Leben, wo vorher Tod war. Jemand schrieb:

Sie mögen sagen: Aber ist es nicht auch wahr, dass ein Sünder, wenn er sich zu Gott bekehrt, es dann auch will? Ja, er will und er möchte dann gerettet werden und Gott dienen. Wenn es nicht seine eigene freie Wahl als verlorener Sünder ist, was ist es dann? Dies ist die Antwort der Schrift: „Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen als auch das Wirken, zu seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13). Sie werden bemerken, dass dies genau die Erklärung dafür ist, wie diejenigen, die in Christus gerettet und geheiligt sind, ihr eigenes Heil bewirken sollen [Phil 2,12]. Es ist Gott, der in ihnen das Wollen wirkt. Er gibt ihnen einen neuen Willen und wirkt in ihnen durch das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesus (vgl. Röm 8,2). …

Man mag fragen: Wie wird denn dieser neue Wille, diese neue Natur verliehen? Durch das direkte Wirken des Geistes Gottes. Wie? „Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er geht; so ist jeder, der aus dem Geist geboren ist“ (Joh 3,8) …

Wäre es nun nicht absurd, zu sagen, dass die neue Natur durch den freien Willen unserer alten verdorbenen Natur gezeugt wird? Was sagt die Schrift? „Nach seinem eigenen Willen hat er uns durch das Wort der Wahrheit gezeugt, damit wir eine gewisse Erstlingsfrucht seiner Geschöpfe seien“ (Jak 1,18). Sehen Sie den Unterschied? Dann wiederum: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der nach seiner großen Barmherzigkeit uns wiedergezeugt hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi aus den Toten“ (1Pet 1,3). „Ihr seid nicht wiedergeboren aus verweslichem Samen, sondern aus unverweslichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes“ (1Pet 1,23).[26]

Ein anderer hat es so zusammengefasst:

Will noch jemand Einwände erheben und sagen, dass diese beiden Dinge – die Machtlosigkeit des Menschen und die Verantwortlichkeit des Menschen – unvereinbar sind? Dann möge er nicht vergessen, dass es nicht unsere Sache ist, sie in Einklang zu bringen. Gott hat das für uns getan, indem Er sie in seinem ewigen Wort nebeneinandergestellt hat. Wir haben uns zu beugen und zu glauben, nicht zu argumentieren. Wenn wir den Schlussfolgerungen unseres eigenen Verstandes oder den Dogmen der sich widersprechenden theologischen Schulen Gehör schenken, werden wir ständig durcheinander und verwirrt sein. Aber wenn wir uns einfach der Schrift beugen, werden wir die Wahrheit wissen. Menschen mögen argumentieren und aufbegehren, aber die Frage ist doch, ob der Mensch Gott richten soll oder Gott den Menschen. Ist Gott nun souverän oder ist Er es nicht? Wenn der Mensch über Gott zu Gericht sitzen soll, dann ist Gott nicht länger Gott. „Wer bist du denn, o Mensch, der du das Wort nimmst gegen Gott?“ (Röm 9,20). Das ist die große Frage! Können wir sie beantworten? Es ist schlicht und einfach so, dass diese Frage nach Fähigkeit und Verantwortlichkeit ein einziger großer Fehler ist. Sie entsteht aus unserer Unwissenheit über unseren wahren Zustand und unserem Mangel an völliger Unterwerfung unter Gott. Jede Seele in einem rechten moralischen Zustand wird freimütig ihre Verantwortung eingestehen, ihre Schuld, ihre völlige Machtlosigkeit, ihr Ausgeliefertsein dem gerechten Gericht Gottes gegenüber und dass sie unweigerlich verdammt wäre ohne die souveräne Gnade Gottes in Christus. Jeder, der dies nicht aus tiefster Seele eingesteht, kennt sich selbst nicht und sitzt sozusagen über Gott zu Gericht.[27]

A.H. Rule schrieb:

Das Leben wird uns durch das Wort und durch den Geist mitgeteilt. Der Geist ist der göttliche Vermittler, durch den das Wort in der Seele wirksam gemacht wird (Joh 3,5; Jak 1,18; 1Pet 1,23; Joh 5,24.25). Der Mensch befindet sich in einem Zustand des Todes, und wenn er Leben haben soll, muss Gott souverän handeln. Gott beginnt. Der Mensch selbst ist so ohnmächtig und machtlos, wie der tote Lazarus es war, bis das lebenspendende Wort gesprochen wird. Die Macht Gottes handelt an der toten Seele durch das Wort, und Gott gibt den Glauben, der das Wort aufnimmt. Das alles übersteigt vollkommen den menschlichen Verstand; niemand kann es verstehen oder erklären. Menschlich gesprochen kann ein Toter nicht hören oder glauben; auch könnte kein Mensch oder Engel ihn zum Hören oder zum Glauben bewegen. Aber Gott ist tätig am Schauplatz des Todes und alles wird verändert. Er, der schuf, als nur Er selbst existierte, und auf dessen Wort hin Welten ins Dasein kamen, kann seinem Wort in der Seele eines toten Sünders Gehör verschaffen. Der tote Lazarus hörte die Stimme des Sohnes Gottes und stand von den Toten auf; und auch jetzt hören tote Seelen seine Stimme und leben. Das Wort, begleitet von der Macht Gottes, ruft seine ganz eigene Wirkung in der Seele hervor; und das geht so bis zum Ende weiter. Gott handelt in uns durch sein Wort, ob wir als tote Sünder Leben brauchen oder ob wir als Heilige Unterweisung und Mahnung brauchen. Wir sind Gefäße der Gnade. Aber wenn Er durch sein Wort in uns gewirkt hat, ist dieses Wort bereits in die Seele aufgenommen worden. Dem Wort ist geglaubt worden. Wenn Gott gibt, empfangen und glauben wir, auch wenn selbst der Glaube durch seine Gnade kommt: „Denn durch die Gnade seid ihr errettet, mittels des Glaubens; und das nicht aus euch, Gottes Gabe ist es“ (Eph 2,8). Aber der Mensch kann das Wie dieser Dinge nicht erklären, genauso wenig wie er das Mysterium des natürlichen Lebens erklären kann (Joh 3,18; Pred 11,5).

Beachten wir auch: Wenn der Herr von Leben spricht, sagt Er: „Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben“ (Joh 6,63).[28]

Während das Lebendigmachen Leben bedeutet, spricht die neue Geburt davon, dass eine neue Natur übermittelt wird.

Bekehrung

Bekehrung bedeutet, dass man zu Gott herumgedreht wird. Alle Menschen, die von neuem geboren werden, werden sowohl lebendig gemacht als auch bekehrt. Alle lebendig gemachten Seelen sind sowohl von neuem geboren als auch bekehrt. Wer ein Kind Gottes ist so wie Petrus und versagt hat so wie er, wird, nachdem er diese Sünde bereut hat, kein zweites oder drittes Mal von neuem geboren, sondern er kehrt um (Lk 22,32). In solch einem Fall bedeutet das, neu zu Gott zurückzukehren, sich von der Sünde abzuwenden; aber so etwas wie eine nochmalige neue Geburt gibt es nicht. Petrus blieb den ganzen Prüfungsprozess hindurch ein Kind Gottes.

Der Vater, der Sohn und der Geist machen lebendig

In Johannes 5 sehen wir diese wunderbare Einheit im Handeln beim Vater und beim Sohn:

  • Joh 5,17.21: Jesus aber antwortete ihnen: Mein Vater wirkt bis jetzt, und ich wirke … Denn wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, welche er will.

Die Werke des Sohnes waren die Werke des Vaters (Joh 5,20; 10,25.37; 14,10). Weil sie sich als Personen voneinander unterscheiden, handeln sie gemäß den Eigenschaften ihrer Person; sie sind aber eins in Wille und Absicht. Der Sohn kann nichts aus sich selbst heraus tun, sondern Er tut das, was Er den Vater tun sieht. Außerdem zeigt der Vater dem Sohn alles, was Er selbst tut, und was immer der Sohn den Vater tun sieht, das tut auch Er. Das ist unendliche [infinite] Einheit von Handeln und der Macht. Der Sohn und der Vater sind gleichermaßen Gott. Und so wie der Vater die Toten auferweckt und lebendig macht, so macht auch der Sohn lebendig, wen Er will. Alles wird in Einigkeit bzw. Einheit getan. Das Auferwecken der Toten und das Lebendigmachen bezieht sich hier auf die physisch Toten, wie wir oben festgestellt haben.

Jede einzelne Handlung des Sohnes zeigt, was Er den Vater tun sieht. Der Vater wird im Sohn vollkommen offenbart:

  • Joh 14,10: Der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke.

  • Joh 14,9: Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.

Und wenn der Sohn lebendig macht, tut der Vater in Ihm das Werk. Und was ist mit dem Geist Gottes?

  • Joh 6,63: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, die ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben.
  • 2Kor 3,6: Denn der Buchstabe {d.h. das Gesetz} tötet, der Geist aber macht lebendig.

Der Sohn sprach die Worte des Vaters. Die Wahrheit ist, dass die drei Personen in allen Dingen in Einigkeit bzw. Einheit handeln. Das Werkzeug des Lebendigmachens ist das Wort Gottes. Das Fleisch nützt nichts. Es ist vergebens, so zu tun, als ob der Wille nicht vom Fleisch kontrolliert würde und als ob der Wille frei aus sich selbst heraus Gott gegenüber handeln würde, um zu glauben.

Der Herr sprach von einer kommenden Stunde. Das ist die Gegenwart. Als Er von den Toten auferstand, nahm Er die Stellung des letzten Adam ein (der letzte Adam – es wird kein anderes solches Haupt nach Ihm geben) und als solcher heißt Er „der letzte Adam, ein lebendig machender Geist“ (1Kor 15,45). Der Sohn macht lebendig, der Vater macht lebendig und der Geist macht lebendig. Das Wort ist das dabei benutzte Werkzeug.

Das Werk Gottes tun

Diejenigen, die an den moralisch freien Willen Gott gegenüber glauben, sagen, der Glaube in Epheser 2,8 sei menschlicher Glaube, das heißt, er sei nicht die Gabe Gottes. (Wir werden das ausführlicher in einem anderen Kapitel betrachten.) Doch wenn das der Fall wäre, dann wäre der Glaube ein Werk, und die Schrift sagt: „nicht aus Werken“ (Eph 2,9). Deshalb wird natürlich versucht, zu erklären, inwiefern die Ausübung menschlichen Glaubens im Gehorsam Gott gegenüber kein Werk ist. Nun, Glaube bedeutet, an Christus zu glauben. Wir lesen in Johannes 6:

  • Joh 6,29: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat.

Also ist der Glaube an Christus tatsächlich ein Werk: das Werk Gottes. Zu behaupten, der Glaube entspränge dem menschlichen Willen, würde aus dem Glauben ein Werk des Fleisches machen.

Der Sohn macht uns frei

Die Menschen sind an die Sünde versklavt, das heißt, sie sind Sklaven der Sünde und sind nicht frei. Wenn die Menschen einen moralisch freien Willen Gott gegenüber hätten, wären sie nicht wirklich Sklaven, wie die Schrift es aber lehrt. Darüber hinaus gibt es einen Glauben an Christus, der nicht wirklich das Werk Gottes ist. Es ist ein Glaube, der lediglich eine verstandesmäßige Zustimmung ist. Der Glaube wird geprüft, ebenso die verstandesmäßige Zustimmung. Wir lesen in Johannes 2 von Menschen, deren Glaube nur verstandesmäßige Zustimmung war, die also nur mit dem Verstand an Ihn glaubten; der Herr vertraute sich ihnen jedoch nicht an:

  • Joh 2,23-25: Als er aber in Jerusalem war, am Passah, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht nötig hatte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.

Dies ist ein Beweis seiner Allwissenheit. Ihr Glaube war auf Falsches gegründet. In Johannes 8 sehen wir dies wieder. Hier wird es klar, dass sie nicht zugaben, dass sie Sklaven der Sünde waren:

  • Joh 8,30-36: Als er das sagte, glaubten viele an ihn. Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meinem Wort, so seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen. Da antworteten sie ihm: Wir sind Abrahams Kinder und sind niemals jemandes Knecht gewesen. Wie sprichst du dann: Ihr sollt frei werden? Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht. Der Knecht bleibt nicht ewig im Haus; der Sohn bleibt ewig. Wenn euch nun der Sohn frei macht, so seid ihr wirklich frei.

Der Wille des Menschen ist gefangen in der „Sünde im Fleisch“. Christus befreit uns von der Versklavung unseres Willens unter die böse Natur, die wir haben. Er denkt nicht: Eines Tages wird dieser Sünder dort, der einen moralisch freien Willen Gott gegenüber hat, menschlichen Glauben ausüben, um zu glauben; also will ich ihn befreien. – Nein, wenn er einen moralisch freien Willen Gott gegenüber hätte, dann wäre er bereits frei und hätte es nicht nötig, von dem Sohn aus der Sklaverei unter die „Sünde im Fleisch“ befreit zu werden.

5. Der Vater zieht Sünder und spricht zu ihnen, Er gibt sie dem Sohn, und der Sohn gibt ihnen ewiges Leben

Ihr wollt nicht zu mir kommen

Joh 5,40: Und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt.

So ist der Zustand des menschlichen Willens. Er ist nicht moralisch frei Gott gegenüber, vielmehr ist der menschliche Wille durch seine gefallene Natur gebunden. Der Wille kann nur frei handeln innerhalb der Grenzen der gefallenen Natur, die den Willen beherrscht. Diese Natur hat der Mensch erworben, als er in Sünde gefallen ist. Die gefallene Natur, die den Willen beherrscht, will den Sohn nicht haben. Wenn „Leben haben“ bedeutet, zum Sohn zu kommen, dann lehnt der Mensch es ab. So mächtig ist die Herrschaft der alten Natur über den Willen, dass der Mensch den Sohn verwirft; er kann nicht zu Christus kommen, und deshalb ist es notwendig, dass der Vater ihn zieht, damit ein Mensch zum Sohn kommen kann. Gott muss ihm eine neue Natur einpflanzen, die auf den Willen einwirkt.

Wir haben diesen Eigenwillen im Gleichnis vom großen Gastmahl gesehen, wo alle Eingeladenen sich ausnahmslos weigerten zu kommen. Diesen Widerwillen zu kommen zeigte der Herr in Johannes 5, bevor Er sagte, dass niemand kommen kann, wenn der Vater ihn nicht zieht (Joh 6). Das ist der furchtbare Zustand des menschlichen Willens. Und dieser Wille wagt zu sagen, er wäre frei und könne Christus durch einen Akt des menschlichen Willens[29] erwählen und Gott könne diese Freiheit nicht verletzen! Sehen Sie, das macht einen abhängigen Gott! Wie sagte JND so treffend auf ironische Weise:

Gott … kann aufgrund meiner Freiheit nicht frei handeln! Ich bin frei und Er ist es nicht. Dann bin ich sicherlich Gott und nicht Er.[30]

An anderer Stelle schrieb er:

Am Anfang des Johannesevangeliums wird Er {Christus} als Gott selbst vorgestellt {Joh 1,1} und in der Folge als bereits verworfen, wie Er in Johannes 1,10.11 zu sehen ist. Die Juden werden von Beginn an und das ganze Evangelium hindurch als Verworfene betrachtet. Dieses Evangelium betont die Notwendigkeit des göttlichen Werkes, das aus zwei Teilen besteht: aus der neuen Geburt und aus dem Kreuz. Überall stellt es die Erwählung und das souveräne Handeln der Gnade und dessen absolute Notwendigkeit für die Erlösung heraus. Niemand kann zu Jesus kommen, es sei denn, der Vater, der Ihn gesandt hat, ziehe ihn. Seine Schafe empfangen ewiges Leben und werden niemals verlorengehen.[31]

Ein weiterer Sachverhalt sollte hier beachtet werden. Das Johannesevangelium führt uns so oft und deutlich das göttliche, souveräne Handeln Gottes zur Erlösung des Sünders vor Augen. Ebenfalls stellt es den Zustand des menschlichen Willens und die Verantwortung des Menschen, zu glauben, heraus, zum Beispiel in Johannes 5,40. Dass souveränes Handeln Gottes für die Erlösung des Menschen notwendig ist, enthebt den Menschen jedoch nicht seiner Verantwortung.

Niemand kann zum Sohn kommen, wenn der Vater ihn nicht zieht

Joh 6,44: Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

„Niemand kann“ bedeutet Unfähigkeit, etwas zu tun.[32] Niemand kann durch seinen angeblich moralisch freien Willen Gott gegenüber zu Christus kommen. Der Vater muss ihn ziehen. Die Verfechter des freien Willens reagieren mit der Behauptung, der Vater ziehe jeden oder Christus ziehe jeden. Außerdem werde „ziehen“ im Sinne von „überreden“ gebraucht. Das ist jedoch eindeutig nicht der Fall. In Bezug auf die, die der Vater zieht, sagt Christus:

  • Joh 6,44: Ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Einzig und allein die, die gezogen wurden, werden auferweckt. Diejenigen, die am letzten Tag auferweckt werden, sind die, die gezogen wurden. Aber nicht alle Menschen werden am letzten Tag für die Glückseligkeit auferweckt werden. Denn da alle, die vom Vater gezogen werden, am letzten Tag auferweckt werden, ist es klar, dass nicht alle vom Vater gezogen werden.

Vom Vater gezogen zu werden, bedeutet: Denjenigen, die gezogen werden, wird es gegeben, zu Christus zu kommen:

  • Joh 6,65: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, wenn es ihm nicht von dem Vater gegeben ist.

Außerdem ist darin eingeschlossen, dass diejenigen, die gezogen werden, vom Vater hören und lernen:

  • Joh 6,45: Wer vom Vater hört und lernt, der kommt zu mir.

Die Reihenfolge ist klar. Der Sünder kommt nicht zuerst zu Christus und hört und lernt erst dann dann vom Vater. Vom Vater zu hören und zu lernen und zu Christus zu kommen, das ist miteinander verbunden; tatsächlich findet es gleichzeitig statt. Zuerst gibt der Vater dem Sohn den Sünder, dann gibt der Vater dem Sünder den Glauben, damit dieser glauben kann; diejenigen, die in dieser Weise dem Sohn gegeben werden, hören und lernen vom Vater und kommen so zu Christus. Die Schrift lehrt, dass jeder, der dem Sohn vom Vater gegeben wird, zu Christus kommt:

  • Joh 6,37: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen.

Das Ergebnis dieser Gabe des Vaters an den Sohn ist, dass der Sohn allen, die Ihm gegeben sind, ewiges Leben gibt:

  • Joh 17,2: Du hat ihm [dem Sohn] Gewalt gegeben über alles Fleisch, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe.

Wie gut ist es und wie sehr ehrt es Gott, wenn man Folgendes anerkennt:

  • Joh 3,27: Ein Mensch kann gar nichts empfangen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist.

Wie traurig, wenn man Christen sieht, die hartnäckig gegen diese wundervollen Wahrheiten kämpfen.[33] Damit erhebt sich der menschliche Wille (der durch die „Sünde im Fleisch“ gebunden ist) über die Souveränität und Ehre Gottes bei der Erlösung des verlorenen Menschen.

Das Ziehen des Vaters ist kein Bitten, kein Beeinflussen, kein Überreden. Es ist eine wirksame Handlung so wie die Handlung, von der wir im Gleichnis vom großen Gastmahl lesen. Dort werden Sünder hereingeführt und genötigt hereinzukommen. Wir sehen, dass das Ziehen dahin führt, dass derjenige, der gezogen wird, am letzten Tag auferweckt wird. Dies zeigt, dass das Ziehen selektiv und nicht universal ist. Es gibt keine „kollektive Auserwählung“, sondern nur auserwählte Einzelpersonen, die vom Vater gezogen und dem Sohn gegeben werden. Dies entspricht dem „Nötige sie“ aus dem Gleichnis vom großen Gastmahl. Gott pflanzt eine neue Natur ein, die seine moralischen Eigenschaften hat, und diese Natur kann auf den Willen einwirken, um Ihm zu gefallen.

Auch aus einer anderen Bibelstelle erfahren wir, dass der Mensch unfähig ist (im Zusammenhang mit dem Geist Gottes):

  • Joh 14,17: Den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht.

Johannes sieht den Sünder als blind (Joh 3,3.36; 9,39; 12,40; vgl. Joh 9,25), taub (Joh 5,25.37; vgl. Joh 6,45.60; 8,43.47; 18,37) und tot (Joh 5,25). Die Jünger waren fähig, den Sohn und den Vater (geistlich) zu sehen (Joh 14,7.9). In Johannes 15,24 finden wir, wie das böse Auge des gefallenen Menschen sieht. Dieses Sehen ist ein verantwortliches Sehen, nicht das wahre Sehen aus Johannes 9, als der Sohn Gottes dem blindgeborenen Mann die Augen öffnet. Es ist schrecklich, sich vorzustellen, dass diejenigen, die in geistlicher Dunkelheit lebten, Dinge sahen bei ihrem Vater, während der Sohn Dinge sah bei seinem Vater (Joh 8,38).

Wir haben oben etliche Bibelstellen betrachtet, um ihre Verbindung untereinander zu sehen. Als Nächstes werden wir einige von ihnen noch einmal unter verschiedenen Überschriften betrachten.

Hören und lernen vom Vater

Joh 6,45: Es steht in den Propheten geschrieben: „Und sie werden alle von Gott gelehrt sein.“ Jeder, der vom Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir.

Es überrascht nicht, dass man den Verweis des Herrn auf Jesaja 54,13 dafür einspannt, um zu behaupten, das Ziehen des Vaters bedeute, dass der Vater alle zieht – weil der Prophet sagt, dass alle von Gott gelehrt sein würden. Zwar mag es nicht überraschen, dass man diesen Vers so gebraucht, gleichwohl offenbart sich darin ziemliche Unwissenheit. Denn Jesaja 54,13 bezieht sich eindeutig auf das Israel des kommenden Tages, wenn ganz Israel errettet (Röm 11,26) und das Volk aus lauter Gerechten bestehen wird (Jes 60,21). Der Grund dafür ist, dass sie alle von Gott gelehrt sein werden. So wird jeder, der in Israel von Gott gelehrt wird, gerettet werden – und nur solche. Falls der Vater nun alle zieht und offensichtlich nicht jeder gerettet wird, dann wird Jesaja 54,13 missbraucht: Es wird im Grunde genommen dem Ziehen des Vaters gleichgemacht, das heißt, als bedeute es das Gleiche wie das Ziehen des Vaters. Das ist einfach nur ein gefährlicher Missbrauch von Jesaja 54,13. Der Herr zitierte diesen Vers wegen des Prinzips, das wir darin finden: dass nämlich diejenigen, die gerettet werden, von Gott gelehrt werden, und dass diejenigen, die von Gott gelehrt werden, gerettet werden. Also hat der Christ vom Vater gehört und von Ihm gelernt und ist deshalb zu Christus gekommen. Tatsache ist: Die vom Vater gezogen werden, sind von Gott gelehrt worden. Sie haben vom Vater gehört und haben von Ihm gelernt. Solche Dinge zu wissen, ist unseren Seelen so kostbar und erfüllt uns mit Freude! Bevor wir uns dem nächsten Punkt zuwenden, sei noch eine Fußnote zu J.N. Darbys Übersetzung von Johannes 6,45 bezüglich des Wortes „vom“ erwähnt:

Para mit einem Genitiv (wie „von“ Gott; Joh 6,46) weist auf das hin, was direkt vom Vater empfangen wird. Ich füge hinzu „vom Vater selbst“, damit man die Unmittelbarkeit nachempfinden kann, um die es in diesem Satz geht.

Alle, die der Vater Christus gibt, werden am letzten Tag auferweckt werden

Joh 6,37.39: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen … Das ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag.

Bitte beachten Sie, dass dies verzahnt ist mit dem, was wir gerade gesehen haben. Die vom Vater gezogen werden, werden von Christus am letzten Tag auferweckt werden zur Glückseligkeit. Nicht alle Menschen werden auf diese Weise auferweckt werden; folglich werden nicht alle vom Vater gezogen. Das Ziehen des Vaters und das Geben des Vaters an den Sohn greifen ineinander, sind miteinander verzahnt. Diejenigen, die vom Vater gezogen werden, werden dem Sohn vom Vater gegeben, und all diese wird wird der Sohn am letzten Tag auferwecken und sie haben ewiges Leben. Weder zieht der Vater jeden noch gibt Er jeden dem Sohn.

Niemand kann zu Christus kommen, wenn es ihm nicht gegeben wird, zu kommen

Joh 6,65: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, wenn es ihm nicht von dem Vater gegeben ist.

Vielleicht bemerken wir, dass in Johannes 6,44.65 das Wort „kann“ verwendet wird: „Niemand kann.“ Dieses Wort drückt Unfähigkeit aus. Der Wille des Menschen ist durch die Sünde im Fleisch Gott gegenüber moralisch gebunden; der Mensch ist völlig verloren, Gott gegenüber moralisch völlig verdorben. Wenn der Vater ihn nicht zieht und ihn nicht Christus gibt, dann bleibt der Mensch in diesem schrecklichen Zustand. Diejenigen, die Christus gegeben werden, kommen zu Ihm. Die nicht kommen, hat der Vater dem Sohn offensichtlich nicht gegeben. Es ist deutlich, dass der Vater Ihm nicht alle gibt. Und selbst das Kommen zu Christus ist ein Geschenk, das der Vater dem gibt, der zum Sohn kommt.

Alle, die der Vater Christus gibt, kommen auch zu Christus

Joh 6,37.39: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen … Dies ist aber der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tag.

Joh 10,29: Mein Vater, der sie mir gegeben hat, …

Joh 17,2: … damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe.

Joh 17,6: Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hat. Dein waren sie, und mir hast du sie gegeben, und sie haben dein Wort gehalten.

Joh 17,9.10: Ich bitte für sie; nicht für die Welt bitte ich, sondern für die, die du mir gegeben hast, denn sie sind dein (und alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, mein), und ich bin ihn ihnen verherrlicht.

Joh 17,24: Vater, ich will, dass du die, die du mir gegeben hast, …

Joh 18,9: Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.

Wir sollten sehen, dass der Vater Christus nicht alle Menschen gibt, denn wenn Er das täte, dann würden alle zu Christus kommen. Dasselbe gilt für das Ziehen des Vaters. Es ist sicher, dass der Vater den Gläubigen dem Sohn gegeben hat und dass Er Ihm nicht alle gegeben hat; daher haben nicht alle das ewige Leben.

Es greifen mehrere Handlungen ineinander: Sie werden vom Vater gezogen; der Vater gibt sie dem Sohn; und der Sohn gibt denen, die der Vater Ihm gibt, ewiges Leben. Darüber hinaus ist es der Wille des Vaters, dass keiner von denen, die Er dem Sohn gegeben hat, verlorengehen soll. Das ist es, was wir unter „ewiger Sicherheit“ verstehen. Wir stellen fest, dass dies mit der Tatsache verbunden ist, dass es der Vater ist, der sie dem Sohn gibt. Beachten wir besonders, dass „ewige Sicherheit“, das Ziehen des Vaters und die Tatsache, dass Er die Gläubigen dem Sohn gibt, miteinander verknüpft sind. Gleichzeitig an „ewige Sicherheit“ als auch an den moralisch freien Willen Gott gegenüber zu glauben, steht im Widerspruch zur Schrift. Beachten Sie den Zusammenhang mit Johannes 10:

  • Joh 10,27b-30: Und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der mir sie gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand meines Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins.

Ja, „ewige Sicherheit“ schließt den angeblich moralisch freien Willen des Menschen Gott gegenüber aus, wenn es darum geht, sich die Erlösung anzueignen.

Empfangen und geben

Joh 3,27: Johannes antwortete und sprach: Ein Mensch kann nichts empfangen, wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist.

Man erlangt das ewige Leben nicht, indem man es durch einen Akt des eigenen Willens empfängt. Das Empfangen wird einem aus dem Himmel gegeben. Alles ist von Gott. Die fleischlich gesinnten Korinther mussten an diese große Tatsache erinnert werden:

  • 1Kor 4,7: Was aber hast du, das du nicht empfangen hast?

„Oh“, sagt jemand, „ich habe den Glauben nicht von Gott empfangen. Der kam aus meinem eigenen Willen!“

  • 1Kor 2,14: Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit, und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.[34]

Diese Aussage betrifft den Zustand des verlorenen Menschen. Haben Sie vor dem Vater bekannt, dass Sie von Natur aus ein verlorener Mensch sind? Erlösung ist eine der Handlungen des Geistes Gottes. Gott sei Dank führt Er Sünder herbei und nötigt sie, zum großen Gastmahl zu kommen.

Ohne Frage werden alle, die vom Vater gezogen werden, dem Sohn gegeben, und der Sohn gibt ihnen ewiges Leben. Jeder, der glaubt, hat dieses Leben. Ein Mensch glaubt, weil er vom Vater gezogen und dem Sohn gegeben worden ist. Das ist keine menschliche Wahl oder Entscheidung, die durch einen moralisch freien Willen Gott gegenüber zustande käme. So etwas gibt es nicht.

Johannes 12,32 kann dem, was wir gerade gesehen haben, nicht widersprechen

Joh 12,32: Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.

Die Befürworter des moralisch freien Willens Gott gegenüber behaupten, der Vater ziehe jeden, und um dies zu zeigen, führen sie Johannes 12,32 an. Aber wie wir gerade gesehen haben, zieht der Vater weder alle Menschen noch gibt Er alle Menschen dem Sohn. Wenn man also Johannes 12,32 in Zusammenhang bringt mit dem Ziehen des Vaters, erzeugt man einen Widerspruch in der Schrift. In Johannes 12,32 sagte der Herr Jesus, dass Er selbst (nicht der Vater) alle Menschen zu sich ziehen würde, wenn Er erhöht ist. Dies ist nicht dasselbe wie das Ziehen des Vaters. Hier geht es darum, dass der am Kreuz erhöhte Christus (Joh 12,33) alle Menschen zieht. Die Juden erwarteten nicht, dass ihr Messias gekreuzigt würde. Seine Zuhörer erhoben Einwände und sagten, sie hätten aus dem Gesetz gehört, dass der Christus in Ewigkeit bleibe (Joh 12,34).[35] Was sollte es also bedeuten, dass der Sohn des Menschen erhöht würde? Das passte nicht in ihre Vorstellung, wie sich die Dinge abspielen würden. Zu Christi Lebzeiten auf der Erde blieb die Zwischenwand zwischen Juden und Heiden (Eph 2,14) bestehen. Um alle Menschen, Juden und Heiden, zu sich ziehen zu können, musste Er erhöht werden. Das Kreuz beendete die Tatsache, dass Er nur für die Juden der Christus [Messias] war. J.N. Darby bemerkte:

Er wird in Johannes 3 (im Zusammenhang mit sterbenden Menschen) „erhöht“ wie die eherne Schlange und führt „himmlische Dinge“ ein; Er wird in Johannes 8 „erhöht“ (im Zusammenhang mit der völligen Verwerfung der Juden); und Er wird in Johannes 12 „erhöht“, wobei Er alle Menschen zu sich zieht: all das durch seinen Tod. Dieses sind die einzigen Fälle, in denen dieses Wort im Zusammenhang mit Christus verwendet wird.[36]

Nachdem die Juden Ihn verworfen hatten, indem sie sein Wort ablehnten, sagte der Herr, dass sie erkennen würden, wer Er sei, wenn Er erhöht würde. Wenn es zu spät wäre, würden sie wissen, wen sie verworfen hatten. So war es mit dem Altar: Er stand nicht im Lager, sondern in dem Vorhof der Stiftshütte, am Eingang zum Zelt der Zusammenkunft. Nur in Kapitel 8 ist Er das Wort ist, der „Ich Bin“, den sie verworfen haben. Jemand, der vom Lager zur Stiftshütte (Himmel) ging, fand als Erstes auf dem Weg zum Himmel den Altar. So ist auch Christus am Kreuz, erhöht, sterbend, der Zeuge, dass wir in Sünde tot waren, aber Gnade finden durch sein Opfer für die Sünde. Wir gehen weiter – wir treten durch den zerrissenen Vorhang in das Allerheiligste ein. Hier war der Ort der Begegnung. Aber wir erleben das als solche, die mit der Welt (dem ersten Adam) abgeschlossen haben, so wie auch Christus am Kreuz damit abgeschlossen hatte. Er wurde von der Erde erhöht und der Himmels steht jetzt offen; es gibt kein Gericht mehr für uns.[37]

Dass wir das Wort „ziehen“ in beiden Texten finden, bedeutet nicht, dass es sich beide Male auf denselben Vorgang bezieht. (Ebenso wenig sind Noahs Arche [engl. ark] und die Bundeslade [engl. ark] dasselbe.) Man muss mit Vorsicht an den Text herangehen, damit man ihm keine falsche Vorstellung aufpfropft, nur um die Ansicht vom moralisch freien Willen Gott gegenüber zu untermauern. Auf diese Weise kommt es nämlich nicht nur zu Widersprüchlichkeiten zwischen verschiedenen Schriftstellen, sondern auch zu Absurditäten.

Weil der Vater uns gezogen und dem Sohn gegeben hat, sind wir in den Genuss der Erlösung gekommen und sind mit Gott versöhnt. Er hat in uns geistliches Hören gewirkt, und Er hat gleichzeitig zusammen mit dem Glauben eine neue Natur in uns eingepflanzt, was hinführt zur Buße etc.[38] Unsere Herzen erheben sich in Anbetung zum Vater, der uns als Liebesgabe seinen geliebten Sohn gegeben hat.

6. Der Sohn erwählt souverän

Judas wird zum Dienst erwählt, nicht zur Erlösung

Im Johannesevangelium wird mehrmals auf das Erwählen Bezug genommen. Beim ersten Mal ist Judas mit eingeschlossen:

Joh 6,70: Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel.

Dies war keine Erwählung zur Erlösung, sondern zum Dienst. Der Herr Jesus wusste von Anfang an, wer Ihn verraten würde (Joh 6,64), erwählte Judas aber trotzdem. Judas sollte, so wie er nun einmal war, in Gottes Wegen Verwendung finden, um das Kreuz herbeizuführen. Alle zwölf Jünger waren „von Anfang an bei mir“ (Joh 15,27). Deshalb ist klar, dass der Herr Judas’ Fall kannte, als Er ihn erwählte. Ja, natürlich! Eines der Dinge, die das Johannesevangelium zeigt, ist die Allwissenheit des Herrn.

Im Hinblick darauf, dass Er sich selbst am Kreuz geben würde, sprach der Herr vorausschauend zum Vater:

  • Joh 17,12: Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mit gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verlorengegangen – als nur der Sohn des Verderbens[39], damit die Schrift erfüllt würde.

Judas war verloren. Es ist eindeutig, dass er keiner von denen war, die der Vater dem Sohn gegeben hatte:

  • Joh 18,9: Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.

In Johannes 13 erfahren wir, dass die Elf „rein“ waren, Judas aber nicht rein war:

  • Joh 13,10: Und ihr seid rein, aber nicht alle.

Auch Apostelgeschichte 1,17 betrifft den Punkt, dass Judas zum Dienst (nicht zur Erlösung) erwählt wurde:

  • Apg 1,17: Er war zu uns gezählt und hatte das Los dieses Dienstes empfangen.

Der Herr Jesus hatte gesagt, dass seine Schafe seine Stimme hören und dass Er sie kennt (Joh 10,27). Aber Judas war nur ein Bekenner, ohne das Heil wirklich zu besitzen. Er gehörte zu der Kategorie Menschen, von denen der Herr Jesus in Matthäus 7,21-23 sagt: „Ich habe euch niemals gekannt.“ Er könnte das nicht zu Judas sagen, wenn Judas eines seiner Schafe wäre. Er müsste zu Judas sagen: „Ich kannte dich einst, doch jetzt kenne ich dich nicht mehr.“ Eine solche Rede würde zur Vorstellung der Arminianer von der bedingten Sicherheit passen. Christus kennt jedoch die, die Er auserwählt hat. Es kann nicht sein, dass Er später zu ihnen sagen muss: „Ich habe euch niemals gekannt.“ Der Herr warnte davor, dass viele in diese Kategorie der bloßen Bekenner gehören, ohne wirklich echte Gläubige zu sein. Sie waren niemals die Seinen, obwohl sie das vorgaben – und trotz ihrer Behauptung, sogar Wunder gewirkt zu haben!

Ich weiß, welche ich auserwählt habe

Joh 13,18: Ich rede nicht von euch allen, ich weiß, welche ich auserwählt habe.

Joh 15,15.16: Euch aber habe ich Freunde genannt; weil ich alles, was ich von meinem Vater gehört habe, euch kundgetan habe. Ihr habt nicht mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt und euch dazu bestimmt, dass ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibe.

Judas war nicht unter den Auserwählten – nein, er war nie unter den Auserwählten, wurde nie erwählt in dem Sinn, wie diese Schriftstellen davon sprechen. „Ich rede nicht von euch allen“ (Joh 13,18), sagte der Herr, als Judas anwesend war. Nachdem Judas den Bissen genommen hatte, ging er hinaus (Joh 13,30). Als der Herr die Worte in Johannes 15,15.16 sprach, war Judas nicht dabei: „Ich habe … euch dazu bestimmt, dass ihr … Frucht bringt.“ Fruchtbringen ist sein göttliches Handeln, so wie auch die Erwählung sein Handeln ist. Er versichert ihnen, dass nicht sie Ihn erwählt hatten. Ihr Wille war also bei der Auserwählung ausgeschlossen.[40]

Darüber hinaus sagte der Herr von diesen Auserwählten:

  • Joh 15,18.19: Wenn die Welt euch hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat. Wenn ihr von der Welt wäret, würde die Welt das Ihre lieb haben; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich euch aus der Welt auserwählt habe, darum hasst euch die Welt.

Weil das Licht (d.h. Christus) gekommen ist „und die Menschen die Finsternis mehr geliebt [haben] als das Licht“ (Joh 3,19; siehe 12,31), wird das Urteil über die Welt gesprochen. Dieses Kommen war ein Teil der Prüfung des ersten Menschen, um festzustellen, ob er wiederherstellbar wäre. Und so sind die, die von Christus auserwählt werden, dieselben, die der Vater ihm aus der Welt gegeben hat (Joh 17,6). Sie sind nicht von der Welt, wie Er nicht von der Welt ist (Joh 17,14).

Was ist mit allen übrigen Menschen? Gibt es eine parallele Erwählung oder Auswahl, die sie daran hindert, zum Licht zu kommen? Wo im Johannesevangelium wird ein solcher Gedanke auch nur angedeutet? Die übrigen Menschen werden da gelassen, wo sie waren: in ihrem Eigenwillen, der das Licht ablehnt. Sie werden in ihrer Verantwortlichkeit belassen – einer Verantwortlichkeit, der sie nie gerecht werden.

7. Der Gläubige sieht den Sohn und hört seine Stimme

Wir sehen den Sohn, weil Er die geistliche (Ein-)Sicht öffnet

Die Gegner des Herrn sagten: „Was tust du nun für ein Zeichen, damit wir sehen und dir glauben?“ (Joh 6,30). In dieser Frage geht es zweifellos um das Sehen mit den physischen Augen. Im Zusammenhang mit der Heilung des blindgeborenen Mannes (Joh 9; ein körperliches Geschehen, das eine geistliche Lektion beinhaltet) sagte der Herr Folgendes:

Joh 9,39-41: 39 Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Nichtsehenden blind werden. 40 Einige von den Pharisäers, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind? 41 Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber, da ihr sagt: Wir sehen, bleibt eure Sünde.

Hier kommen wir nun zum Gegenstand des geistlichen Sehens. Wie wir bei der Betrachtung von Johannes 1 sahen, ist der Ungläubige blind:

  • 2Kor 4,4: „Der Gott dieser Welt hat den Sinn der Ungläubigen verblendet, damit ihnen nicht ausstrahle der Lichtglanz des Evangeliums der Herrlichkeit des Christus, der das Bild Gottes ist.

Sicherlich enthält Johannes 9 die Lektion, dass der Sohn Gottes der Eine ist, der die Augen der Blinden öffnet – und diese Lektion wird in den Versen Johannes 9,39.40 angewandt. Sogar in Johannes 9,5 zeigte Er, dass Er das Licht der Welt ist. Er öffnet die Augen, damit sie das Licht sehen. Es ist sein Handeln. Der gefallene Mensch hat nicht die Fähigkeit, zu „sehen“. Diese Fähigkeit wird durch den Sohn Gottes verliehen. Der Wille des Vaters in Bezug auf das Sehen:

  • Joh 6,40: Dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

  • Joh 12,45: Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat.

Auch das ist kein rein physisches Sehen des Herrn Jesus. Wiederum ist dieses Sehen verbunden mit dem Herrn als Licht, wie die folgenden Verse zeigen:

  • Joh 12,45.46: Wer mich sieht, sieht den, der mich gesandt hat. Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibe.

Er teilt das geistliche Licht mit und wir sehen sowohl Ihn als auch den Vater.

Wir hören den Sohn, weil Er das geistliche Gehör öffnet

Röm 10,17: Also ist der Glaube aus der Verkündigung, die Verkündigung aber durch Gottes Wort.

Der Sohn benutzt das Wort Gottes als Werkzeug, mit dem Er die geistlich Toten dazu bringt, seine Stimme zu hören. Und mit diesem Hören geht der Glaube einher. In Johannes 5 heißt es:

  • Joh 5,24: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen.

Der Mensch wird hier in einem Zustand des geistlichen Todes gesehen. Die Toten können nicht hören. Die geistlich Toten werden vom Sohn Gottes dazu gebracht, zu hören. Sein Wort zu hören bedeutet, das Wort Gottes zu hören. Es ist die Folge dessen, dass seine Macht ausgeht, um die geistlich Toten lebendig zu machen, so wie Er den toten Lazarus durch das Wort seiner Macht lebendig machte. Lazarus hatte nicht die Fähigkeit, zu hören, auch reagierte er auf die Stimme des Sohnes Gottes nicht durch einen Akt seines eigenen „moralisch freien Willens“ Gott gegenüber. Er hörte, weil der Sohn Leben in ihn hineinsprach. So ist es auch, wenn Gott eine neue Natur in die Seele des Sünders hineinpflanzt. Dann hat der Mensch Leben, er sieht und hört und hat Glauben.

Gott versah den toten Lazarus nicht mit zuvorkommender Gnade, so dass er aus „freiem Willen“ heraus fähig gewesen wäre, auf Christi Angebot des Lebens zu antworten. Natürlich gab es vonseiten Christi auch kein „Angebot des Lebens“ an Lazarus. Vielmehr war es ein Befehl der machtvollen Stimme des Sohnes.

So wie der Herr die Fähigkeit des geistlichen Sehens und des geistlichen Hörens einpflanzt, so öffnet Er auch das Herz (Apg 16,14).

8. Der Gläubige ist sicher in der Hand des Vaters und des Sohnes

Joh 10,28-30: 28 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. 29 Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters rauben. 30 Ich und der Vater sind eins.

„Bedingte Sicherheit“ widerspricht den Worten des Sohnes

Es stimmt nicht, dass im Wort Gottes sowohl der moralisch freie Wille Gott gegenüber als auch die ewige Sicherheit des Gläubigen gelehrt werden. Ja, ewige Sicherheit wird gelehrt, der freie Wille jedoch nicht. Beides zu vertreten, wäre so, als behaupte man, dass man die Erlösung durch die Ausübung seines moralisch freien Willens Gott gegenüber erlange, dass man aber nicht fähig sei, seinen moralisch freien Willen auszuüben, um seine Meinung zu ändern und sich zu entscheiden, nicht erlöst zu werden. Einmal erlöst, könnte so jemand seinen angeblich moralisch freien Willen nicht mehr dazu benutzen, seine Erlösung wieder aufzuheben. Ist es, weil er seinen moralisch freien Willen verliert? Genau das bedeutet es, an beiden Lehren festzuhalten. Der Arminianer ist logisch in seinem Irrtum, wenn er sagt, dass ein Gläubiger ein Ungläubiger werden könne.

Ewige Sicherheit ist fest damit verbunden, dass jemand, wie wir gesehen haben, durch einen Akt des Willens Gottes wiedergeboren wird (Joh 1,13; Jak 1,18). Gott beginnt und Gott erhält:

  • Phil 1,6: Der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, wird es vollenden bis auf den Tag Jesu Christi.

Im Johannesevangelium sehen wir die Hände des Herrn Jesus im Einklang mit dem Vater arbeiten, gleich, ob sich der Text nun auf seine körperlichen Hände oder im übertragenen Sinn auf sein Wirken bezieht. Johannes 8,6-8 zum Beispiel zeigt Ihn, wie Er mit seinem Finger auf die Erde schreibt. Er, der uns bei Johannes als der große „Ich Bin“ vorgestellt wird, ist Jahwe, der mit „Gottes Finger“ die Gesetzestafeln schrieb. In Johannes 8 erhält Er das Gesetz aufrecht gegen die, die Ihn mit dem Gesetz Mose in Konflikt bringen wollten, um einen Grund zur Klage zu haben. Jesus jedoch handelt der Frau gegenüber in Gnade und vereitelt so ihren bösen Plan. Den Seinen zeigte Er seine Hände und seine Seite (Joh 20,20-27). Der Vater hat alles in die Hand des Sohnes gegeben:

  • Joh 3,35: Vater liebt den Sohn und hat alles in seine Hand gegeben. (Siehe Joh 13,3.)

Und genau dort ist auch der Gläubige:

  • Joh 10,27-30: Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben, und sie gehen nicht verloren in Ewigkeit, und niemand wird sie aus meiner Hand rauben. Mein Vater, der sie mir gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann sie aus der Hand des Vaters rauben. Ich und der Vater sind eins.

Betrachten wir ein Schaubild, das den Unterschied in diesen Versen veranschaulicht zwischen der ewigen Sicherheit und der „bedingten Sicherheit“. Hier ist ein Auszug aus einem Brief von A. Roach, vom 13. Juli 1979:

Ich stelle hier die Aussagen der Schrift und die Behauptungen des Arminianismus gegenüber:

Johannes 10 sagt: Der Arminianismus sagt (faktisch):
Ich gebe ewiges Leben Christus irrt: Man kann es verlieren, es ist nicht ewig
Nimmermehr umkommen Christus irrt: Man kann umkommen
Niemand wird sie aus meiner Hand rauben Christus irrt: Du bist stärker als Er und kannst dich aus der stärksten Hand im Universum herauswinden
Niemand kann sie aus der Hand des Vaters rauben Christus irrt wieder: Du bist zwar schwach, aber dennoch stärker als die Hand des Vaters und kannst dich aus ihr herausreißen


Es mutet seltsam an: Der Arminianismus räumt ein, dass der Teufel einen nicht aus Christi Hand reißen kann; dennoch geht er davon aus, dass du, der du beträchtlich schwächer bist als der Teufel, dich selbst herausreißen kannst. Das ist noch nicht einmal rational. Es ist einfach absurd.

Der Wolf kann uns nicht aus der Hand des Vaters und des Sohnes reißen, auch kann es kein anderer

Doch welche Schriftstelle kann man anführen, um zu behaupten, der Teufel könne die Schafe aus den Händen des Vaters und des Sohnes nicht rauben oder nehmen? Vielleicht Johannes 10,28.29? Das Wort „rauben“ ist dasselbe wie in Johannes 10,12:

  • Joh 10,12: Der Mietling aber und der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht; und der Wolf raubt sie und zerstreut die Schafe.

Der Wolf kann die Schafe rauben und zerstreuen, aber er kann sie nicht aus den Händen des Vaters und des Sohnes rauben. Niemand kann das, nicht einmal man selbst, denn man selbst ist einer von denen, die das Wort „niemand“ in diesen Versen bezeichnet: „Niemand wird sie aus meiner Hand rauben.“

Der Sohn kennt die Schafe, wie er den Vater kennt

Joh 10,14.15: Ich bin der gute Hirte; und ich kenne die Meinen und bin gekannt von den Meinen, wie der Vater mich kennt und ich den Vater kenne; und ich lasse mein Leben für die Schafe.

Diejenigen, von denen in Matthäus 7,21-23 die Rede ist, kannte Christus nie, und deshalb können damit nicht Menschen gemeint sein, die einmal erlöst waren und dann wieder verlorengingen. Solche gibt es nicht. Hier lesen wir, dass Er die Seinen kennt. Dies bedeutet viel mehr, als dass Er zufällig weiß, welche Menschen aus der Weltbevölkerung zu den Seinen gehören. Dies ist ein den folgenden Worten entsprechendes Kennen: „wie mich mein Vater kennt, und ich kenne den Vater“. Hier geht es nicht um Bekanntschaft. Es geht um das göttliche gegenseitige Erkennen, um Vertrautheit. Der gute Hirte hat göttliche Erkenntnis der Seinen und sie erkennen Ihn auf göttliche Weise. Diese Kenntnis wurde von Ihm selbst in sie hineingepflanzt, und sie wird auf ewig Bestand haben, genauso wie das bei dem gegenseitigen Kennen des Vaters und des Sohnes der Fall ist.

Es gibt ein Kennen zwischen dem Hirten und dem Schaf, wie es eines zwischen dem Vater und dem Sohn gibt. Dies bezieht sich nicht auf den Grad des Kennens, sondern auf das Wesen des Kennens. Darüber hinaus ist dieses Kennen das Kennen der Person und nicht das Wissen über die Person. Paulus sagte dazu: „Ich weiß, wem ich geglaubt habe“ (2Tim 1,12). Er kannte die Person. Dies ist überaus kostbar für unsere Seelen. Die Welt kennt Ihn nicht (Joh 1,10; 17,25; 1Joh 3,1); doch wir haben eine göttliche Erkenntnis (siehe Joh 6,69; 1Joh 2,13.14; 5,20).

Es gab Ungläubige, die Er ansprach (Joh 10,26). Warum glaubten diese nicht?

  • Joh 10,26: Aber ihr glaubt nicht, denn ihr seid nicht von meinen Schafen, wie ich euch gesagt habe. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie.

Sie glaubten nicht, weil sie nicht zu seinen Schafen gehörten. Wenn sie von seinen Schafen wären, hätten sie seine Stimme gehört. Sie waren geistlich tot. So wie der tote Lazarus hörten sie nicht. Wie konnte der tote Lazarus hören? Er hörte die Stimme dessen, der die Auferstehung und das Leben ist, weil Er Lazarus das Hören gab. Das war eine göttliche Tat:

  • Joh 5,24.25: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, hat ewiges Leben und kommt nicht ins Gericht, sondern ist aus dem Tod in das Leben übergegangen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es kommt die Stunde und ist jetzt, da die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und die sie gehört haben, werden leben.

Und das ist es, was das neue Leben in der Seele hervorbringt. Es war nicht das Ergebnis eines angeblich menschlichen Willensaktes. Die Menschen waren tot und hatten es nötig, lebendig gemacht zu werden (vgl. Eph 2,1-5, wo die beiden einander entsprechenden Begriffe verwendet werden: tot und lebendig machen). Das Lebendigmachen ist eine göttliche, souveräne Tat des Sohnes, so wie beim toten Lazarus. Dieser Fall veranschaulicht so wunderbar die göttliche Kraft des Sohnes als die Auferstehung und das Leben (Joh 11,25). Aus diesem Grund haben die Schafe ewiges Leben; deshalb kennen sie Ihn; darum hören sie seine Stimme. Er hat all dies souverän herbeigeführt, jenseits menschlicher Fähigkeit oder menschlichen Tuns.

Kein Wunder, dass wir in Johannes 10,28-30 solche Worte lesen, die die Sicherheit der Schafe betonen. Niemand, kein dämonisches Wesen, auch sonst niemand, einschließlich natürlich man selbst, kann den Gläubigen aus den Händen des Vaters und des Sohnes rauben. Mit dieser Bestätigung der göttlichen Bewahrung des Gläubigen verbunden ist die Aussage des Herrn:

  • Joh 10,30: Ich und der Vater sind eins.

Diese Worte zeigen uns die heilige, segensreiche und unendliche Einheit des Vaters und des Sohnes in dem, was ihre Absicht ist: den Gläubigen göttlich zu bewahren. Diese Einheit in ihren Absicht finden wir zum Beispiel in Johannes 5:

  • Joh 5,19.20: Der Sohn kann nichts von sich selbst aus tun, außer was er den Vater tun sieht; denn was irgend er tut, das tut auch in gleicher Weise der Sohn. Denn der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er selbst tut.

Siehe auch Johannes 17,10. Der Sohn handelt nicht unabhängig, sondern tut nur, was Er den Vater tun sieht; und der Vater zeigt dem Sohn alles, was Er selbst tut. Hier sehen wir, dass die göttlichen Personen in unendlicher Einheit handeln. Diese Einheit, dieses Einssein umfasst Allmacht und Allwissenheit, und sie stützt die Bewahrung der Heiligen. Auch wenn das vielleicht nicht so beabsichtigt war, so verunglimpft die Vorstellungen von der „bedingten Sicherheit“ doch die Allmacht des Vaters und des Sohnes und deren Einssein in ihrer Absicht. Die einzige Bedingung für die Sicherheit der Gläubigen ist die Fähigkeit des Vaters und des Sohnes, die Heiligen zu bewahren, und diese Fähigkeit steht außer Frage. Dass irgendein bekennender Christ meint, er habe die innewohnende Fähigkeit, sich selbst als erlöst zu bewahren, ist absurd; aber genau das halten die Verfechter der „bedingten Sicherheit“ für möglich.

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Anmerkungen

[1] Vergleiche Johannes 3,19; 12,46; 1. Johannes 2,8. Die Übersetzung dieses Verses betrachtet W. Kelly in The Bible Treasury, 13:318–319, detailliert.

[2] F.F. Bruce schreibt:

Die genaue Aussagekraft des Aorist katelaben muss aus dem Zusammenhang erschlossen werden; dieser liegt nahe, dass die Übersetzung „überwältigen“ [overcome; Revised Standard Version] oder „beherrschen“ [master; New English Bible] vorzuziehen ist gegenüber „umfassen“ [comprehend; Authorized Version (King James)] oder „ergreifen/erfassen“ [apprehend; Revised Version] (The Gospel of John, Grand Rapids, Eerdmans, S. 34, 1983).

Ich glaube, das Verständnis des Zusammenhangs legt nahe, dass das griechische Wort „ergreifen/erfassen“ [apprehend] bedeutet, im Gegensatz zu der Ansicht einiger Bibelausleger. Im Besondern ist hier nicht gemeint, dass es der Macht der Finsternis nicht gelingt, das Licht zu überwältigen – wenngleich diese Aussage in sich wahr ist; aber um diese Lehre geht es hier nicht. Hier haben wir so etwas wie 1. Korinther 2,14, wo wir erfahren, dass der natürliche Mensch „nichts vom Geist Gottes vernimmt“ und „es nicht erkennen kann“. „Nicht kann“ bedeutet Unfähigkeit. Die Finsternis kann das Licht nicht ergreifen/erfassen.

[3] Das ist mit „seine ewige Kraft und Gottheit“ in Römer 1,20 nicht gemeint. Diese Dinge machen die Lage des Menschen nur schlimmer.

[4] Die Finsternis gibt vor, Licht zu haben – aus der Vernunft des Menschen oder aus der Religion. Freimaurer sprechen zum Beispiel davon, illuminiert, also erleuchtet, zu sein. New-Age-Anhänger suchen das innere Licht. Das Licht der Gnostiker und ihrer modernen Gesinnungsgenossen ist Finsternis. All dies ist falsches Licht, das nicht wirklich Licht ist, sondern Teil der Finsternis und dem wahren Licht entgegensteht.

[5] Siehe The Bible Treasury, New Series, 7:3, 4; Collected Writings of J.N. Darby, 3:58.

[6] Whedon’s Commentary Revised, The Gospels Luke—John, Harrisonburg, Christian Light Publications, S. 231, 1981 [1860, 1888].

[7] Die Bedeutung ist „einholen, ereilen, um zu ergreife“, wie auch in Markus 9,18 oder 1. Thessalonicher 5,4 {JND Fußnote}.

[8] Op. cit., S. 231 bzw. 230.

[9] Der Ausdruck „vorauseilende Gnade“ bedeutet bei den Arminianern: Gott hat allen Menschen eine Gnade zur Verfügung gestellt, die ausreicht, damit ein Mensch seinen moralisch freien Willen Gott gegenüber ausüben und Gottes Erlösung annehmen kann. In A Contemporary Wesleyan Theology (Grand Rapids, Francis Asbury Press, 1983) erfahren wir, dass vorauseilende Gnade Teil derselben Gnade ist, die Gott immer erweist (1:485). Vorauseilende Gnade ist

ein allgemeingültiger Segen, die die Rassenschuld in Verbindung mit Adams Sünde wegnimmt, die alle Menschen errettbar macht …, die ein ausreichendes Maß an moralischer Fähigkeit wiederherstellt, um moralisches Handeln in wahrer Freiheit zu erlauben: entweder auf die Überführung von Sünde durch den Heiligen Geist zu antworten oder sie zurückzuweisen. Die Gnade ist unverzichtbar, aber nicht unwiderstehlich. Gottes Wille ist es, dass alle Menschen positiv darauf reagieren, aber sein Wille hat gewählt, es den Menschen zu gestatten, nicht darauf zu antworten. Es ist Ihm lieber, dass einige Ihn aus freien Stücken wählen und Ihm dienen, weil sie Ihn lieben, als dass die Erwählten Ihm auf der Basis der Vorherbestimmung so wie Marionetten dienen oder dass alle in Scharen zu Ihm kommen, weil es keine moralischen Bedingen gibt (2:64,65).

Folgerichtig wird der Mensch als weitgehend verdorben, aber nicht als „rettungslos verdorben“ (2:268) angesehen. Das heißt, der Mensch ist nicht völlig verloren – was implizit in der Vorstellung vom moralisch freien Willen Gott gegenüber enthalten ist. „Vorbereitendes Licht“ und „vorauseilende Gnade“ sind Erfindungen des Fleisches, um zu leugnen, dass der Mensch völlig verloren ist. Im Endeffekt heißt das: Das Licht wirkt innerhalb der geistlichen Finsternis. Wir sollten uns auch Folgendes klarmachen: Wenn man den wahren Zustand des Menschen nicht anerkennt, ist die Lehre vom Sühnopfer Christi zwangsläufig ebenfalls betroffen.

Die Vertreter der Lehre vom moralisch freien Willen Gott gegenüber argumentieren manchmal folgendermaßen: Die Tatsache, dass Gott Befehle gibt, zeige, dass der Mensch die Fähigkeit habe, ihnen zu folgen. – Ich hätte erwartet, dass die Unfähigkeit des Menschen, das Gesetz zu befolgen, die Leute von einer solchen Behauptung abhalten würde. Der Mensch hat kein „vorbereitendes Licht“ von „vorauseilender Gnade“, das ihn dazu befähigt, das Gesetz zu halten. Auch Johannes 12,32, worauf wir später noch zu sprechen kommen werden, stützt diese Vorstellung nicht. Dasselbe gilt für Titus 2,11, wo es heißt: „Denn die Gnade Gottes ist erschienen, Heil bringend allen Menschen.“ Hier steht nicht, dass allen Menschen eine Gnade verliehen würde, die sie befähigen würde zu glauben. Das Sühnopfer hat keinen Einfluss auf die verlorenen Menschen, deren moralischer Zustand Finsternis ist. Es stellt auch nicht „ein ausreichendes Maß an moralischer Fähigkeit wieder her, um moralisches Handeln in wahrer Freiheit zu erlauben“. Dies ist eine Erfindung, um die Vorstellung vom moralisch freien Willen zu stützen; und dieser freie Wille wird dann gebraucht, um das vermeintliche Problem zu lösen, wie Gott die Menschen verantwortlich machen könnte, wenn sie nicht gehorchen können. Das würde nämlich bedeuten, dass Gott unmoralisch ist; also muss der freie Wille wahr sein. Die Wahrheit ist: Der Mensch im Garten Eden war frei, er fiel und erwarb die sündige Natur. Der Mensch folgt der alten Natur und will nicht zu Christus kommen, ist aber dennoch dafür verantwortlich, es zu tun. Die Geschichte der Prüfung des ersten Menschen zeigt, dass er nicht wiederherstellbar ist.

[10] Es war ein rein menschlicher Glaube, der auf den Zeichen basierte und nicht auf der Annahme des Wortes.

  • Joh 2,24.25: Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an weil er alle kannte und nicht nötig hatte, das jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.

Und was war da im Menschen, von dem Er wusste, dass es da war? „Vorbereitendes Licht“? „Vorauseilende Gnade“? Oder war es geistliche Finsternis ohne jegliches Licht?

[11] Letters, 2:478,479.

[12] Der Leser sollte die Bemerkungen über 2. Petrus 1,1 zu Rate ziehen, die später in diesem Buch gemacht werden, und andere Passagen, die das Wort „aufnehmen“ verwenden, sowie auch die nächste Fußnote.

[13] N. Geisler weidet Jakobus 1,18 aus, wie er das mit allen solchen Texten tut, indem er immer wieder denselben Refrain wiederholt, nämlich dass Gott nicht rettet ohne Glauben (Eph 2,8). Nach seiner Sicht ist dieser Glaube die freie Wahl des Sünders und nicht der von Gott in die Seele eingepflanzte Glaube. So schreibt er zum Beispiel:

Unsere Errettung geschieht „durch das Wort“ (Röm 10,17; Jak 1,18) – aber die Bibel erklärt, dass das Wort im Glauben aufgenommen werden muss (Apg 2,41; Heb 4,1.2), um wirksam zu sein (op. cit., S. 94 [S. 96]).

Das Wort sagt also, dass wir durch den Willen Gottes geboren werden. Von den Anhängern der Lehre des freien Willens, die das Wort ausweiden, können wir als Erwiderung erwarten: Ja, aber es ist Gottes Wille, dass dies durch die Ausübung des menschlichen moralisch freien Willens Ihm gegenüber geschieht. – Es gibt keine Schriftstelle, die durch einen solchen Denkprozess nicht unterminiert werden könnte. So ist es auch in Johannes 1,12.13, wo zuerst die drei menschlichen Einflüsse ausgeschlossen werden und wir dann erfahren, dass die neue Geburt „aus Gott“ erfolgt. Geisler nimmt diese Ausweidung aufgrund von zwei Überlegungen vor:

Erstens macht Vers 12 [Joh 1,12] klar, dass das Mittel, durch das diese neue Geburt erlangt wird, das Aufnehmen ist („Wie viele ihn [Christus] aber aufnahmen …“). Dies ist ein Akt des freien Willens (S. 58 [S. 59]).

Nein, es erfordert einen unabhängigen, souveränen Akt von Gottes Willen, damit der Sünder Christus aufnehmen kann – wie der nächste Vers (Joh 1,13) zeigt. Der Mensch nimmt Christus auf (Joh 1,12), weil Gott die neue Geburt herbeigeführt hat (Joh 1,13). Natürlich, wir glauben und nehmen auf. Aber warum?

  • Phil 1,6: Denn Gott ist es, der in euch wirkt sowohl das Wollen und das Wirken, zu seinem Wohlgefallen“ (Phil 2,13). „Der, der ein gutes Werk in euch angefangen hat, wird es vollenden bis an den Tag Jesu Christi.

N. Geislers anderes Argument lautet:

Zweitens verneint diese Stelle ganz einfach, dass es irgendeine andere Quelle für die neue Geburt gibt außer Gott selbst. Sie geschieht nicht „aus“ (griechisch: ek = „aus … heraus“) menschlichen Quellen, ob Eltern, dem Ehemann oder uns selbst. Niemand kann uns retten außer Gott. Gott ist die Quelle, aus der die neue Geburt kommt (Joh 1,13), aber der freie Wille ist das Mittel, durch das sie empfangen bzw. „aufgenommen“ (Joh 1,12) wird. Unsere Errettung geschieht „aus“ Gnade, aber „durch“ (griechisch: dia) den Glauben (Eph 2,8) (S. 58f.).

Johannes 1,13 verwendet ek dreimal: „noch ek dem Willen des Fleisches, noch ek dem Willen des Mannes, sondern ek Gott geboren sind“. Also geschieht die neue Geburt nicht aus dem Willen des Fleisches heraus, nicht aus dem Willen eines Mannes heraus, sondern aus Gottes Willen heraus. Dr. Geisler reduziert dies zu der Bedeutung, dass Gott die Quelle und der moralisch freie Wille das Mittel sei. In Wirklichkeit geschieht die neue Geburt determinativ aus Gottes Willen heraus. Sein Wille ist sowohl die Quelle als auch das Mittel. In Johannes 3,5 haben wir „geboren ek Geist“. Und was ek dem Fleisch geboren ist, ist Fleisch. Es gibt ebenfalls: „geboren ek Wasser“. Wasser bezieht sich im übertragenen Sinn auf das Wort Gottes, welches das Mittel ist, das Gott verwendet. So ist nicht der menschliche Wille das Werkzeug, sondern Gottes Wille führt die neue Geburt durch das Wort herbei. Dies wird auch in Jakobus 1,18 gelehrt.

Dazu schreibt JND die folgende Fußnote: „Weil Er es so ,beabsichtigte‘ oder ,wollte‘. Die neue Geburt war einzig und allein die Frucht des Willens Gottes und ist folglich ein Geschenk.“

W. Kelly übersetzt: „Nachdem Er es beabsichtigt hatte, zeugte Er uns durch das Wort der Wahrheit …“

Marshall übersetzt in seiner Interlinearübersetzung: „Nachdem Er es beabsichtigt hatte, brachte Er uns durch ein Wort der Wahrheit hervor …“

Nur durch den souveränen, determinativen Willen Gottes wird man aus Gott geboren – unabhängig vom Willen des Fleisches oder vom Willen des Mannes oder vom Blut. Aber für die Anhänger des freien Willens liegen Gehorsam Gott gegenüber und rettender Glaube im Willen des Menschen – und so ist die neue Geburt nicht notwendig, damit der Mensch gehorchen und rettenden Glauben haben kann. Wofür ist dann die neue Geburt notwendig?

In dem Kapitel über den Epheserbrief werden wir auch Epheser 2,8 untersuchen. Dort geht es darum, dass der Glaube nicht aus uns selbst kommt. Hier wollen wir bemerken, warum Epheser 2,8 für diejenigen, die an den moralisch freien Willen Gott gegenüber glauben, nicht bedeuten darf, dass der Glaube ein Geschenk Gottes ist. Es liegt im Wesen des Arminianismus und des Semi-Arminianismus, zu leugnen, dass der Glaube von Gott in die Seele eingepflanzt wird, denn das würde bedeuten, dass die neue Geburt ein bedingungsloser, souveräner Akt Gottes ist. Apostelgeschichte 13,48 sagt: „Es glaubten, so viele zum ewigen Leben bestimmt waren.“ Beachten Sie bitte die Anmerkungen zu diesem Text. Es ist geistlich schmerzhaft, zu sehen, auf welche Weise diese Textstelle ausgeweidet wird, um sie in Übereinstimmung mit der Vorstellung vom moralisch freien Willen Gott gegenüber zu bringen.

[14] Schaffen = „zu einem Ergebnis bringen“ ist dasselbe Verb, das auch in Römer 7,8.13.15 verwendet wird, wie eine Fußnote von JND besagt.

[15] Wirken = „interne Operation der Macht, verstanden als Ergebnis“ [internal operation of power, though seen in results], wie in Matthäus 14,2 [„wirken solche Kräfte“]; Kolosser 1,29 [„wirken“]. Es ist nicht dasselbe Verb wie „schaffen“ in Vers 12, wie eine Fußnote von JND besagt.

[16] Die Doktrin der Wesleyaner zum Perfektionismus wird in Collected Writings of J.N. Darby, 3:164-205, hervorragend abgehandelt.

[17] Collected Writings of J.N. Darby, 20:205.

[18] Collected Writings of J.N. Darby, 15:324.

[19] Notes and Jottings of J.N. Darby, S. 44.

[20] N. Geisler macht den folgenden Einwand:

Es heißt tatsächlich, dass wir es „empfangen“ sollen. Dies bedeutet einen freien Akt des Willens, der Gottes Angebot entweder annehmen oder ablehnen kann“ (op. cit., S. 94 [S. 96]).

Dies widerspricht ganz klar der Bedingung „wenn es ihm nicht aus dem Himmel gegeben ist“. Auf keiner anderen Grundlage wird es empfangen. Wenn man an Johannes 3,27 die Worte „und wenn er nicht einen freien Willen hat“ anhängt, dann fügt man zu Gottes Wort etwas hinzu, was da nicht steht.

[21] In From New Birth to New Creation lässt sich mehr zu diesem Thema finden, ebenso zu folgenden Themen: wie sich Erneuerung von der neuen Geburt unterscheidet; was es bedeutet, dass Gottes Same in uns nicht sündigen kann; was es bedeutet, am ganzen Körper gewaschen zu werden (Joh 13,7-11); und dass die neue Geburt nicht gleich Taufe ist oder durch die Taufe geschieht.

[22] „Mit Christus lebendig gemacht zu werden“ (Eph 2) bedeutet noch mehr als das reine Lebendigmachen, aber eine Erörterung heben wir uns für später auf. Offensichtlich gibt es da einen Unterschied. Alttestamentliche Heilige wurden lebendig gemacht, aber sie konnten nicht zusammen mit Christus lebendig gemacht worden sein, da Er noch nicht gekommen, gestorben und von den Toten auferstanden war.

[23] Siehe Notes and Jottings, S. 41.

[24] Es überrascht nicht, dass es Einwände dagegen gibt, eine Parallele zwischen einem körperlich und einem geistlich toten Menschen zu ziehen. Es überrascht aus dem Grunde nicht, weil die Anhänger der Lehre des freien Willens die Wahrheit vom geistlich toten Zustand des Menschen Gott gegenüber nicht wirklich glauben. Dies werden wir bei der Betrachtung von Epheser 2,1-5 entdecken; dann werden wir auch sehen, wie sie versuchen, solche Schriftstellen zu umgehen. Folgendes Argument ist nicht stichhaltig: Wenn ein toter Mensch Christus nicht annehmen kann, so kann er Ihn dann auch nicht verwerfen. Die Antwort ist, wie wir schon früher aufgezeigt haben, dass der Mensch im Römerbrief als im Fleisch lebend dargestellt wird (Röm 8,7.8) und unter der Macht der „Sünde im Fleisch“ (Röm 8,3; 6). Ein Mensch in diesem Zustand verwirft Christus. Dies setzt nicht andere Schriftstellen außer Kraft, die den Menschen als geistlich tot Gott gegenüber darstellen und als unfähig, Christus anzunehmen. Tatsächlich illustrieren diese zwei Darstellungen derselben Person die Bibelstellen Johannes 5,40 bzw. Johannes 6,44.

[25] N. Geisler schreibt:

Das Ausdehnen des koerzitiven, zwingenden [coercive] Handelns Gottes {er sollte das Schriftwort nötigen [compel] benutzen, also nötigenden} bis hin zur Erneuerung {lebendig machen heißt es} macht es nicht weniger gewaltsam, denn der völlig tote Mensch, der erneuert {lebendig gemacht heißt es} wird, ist sich des Handelns Gottes an ihm nicht bewusst und will es auch nicht; es geschieht absolut gegen seinen Willen und seine Wünsche (op. cit., S. 261, 2. Aufl., 2001).

Setzen wir hier den beispielhaften Fall des Lazarus ein. War die Erweckung des Lazarus von den Toten eine „zwingende“ Tat der Macht des Sohnes, als Er Lazarus lebendig machte? Eine Einladung an Lazarus, zu leben, wäre auf taube Ohren gestoßen (Joh 8,43; 5,24.25; vgl. 6,45), genau wie das moralisch der Fall war bei denen, die zum großen Gastmahl eingeladen wurden; nicht einer kam. Die genötigt wurden, kamen. Es bedarf der lebendig machenden Kraft der Stimme des Sohnes Gottes, um entweder den Sünder, der geistlich tot ist, lebendig zu machen oder aber einen Toten. Diese beiden Fälle (d.h. der körperliche und der geistliche Fall) werden in Johannes 5,21-29 verbunden.

Tatsache ist, dass die Anhänger der Lehre des freien Willens nicht wirklich glauben, dass Menschen geistlich tot sind. Sie können das nicht glauben, ohne ihre Ansicht vom moralisch freien Willen Gott gegenüber aufzugeben. Dies ist auch der Fall bei Dave Hunt (What Love Is This?, S. 363). Er zitiert Johannes 5,24 und findet eine Erklärung dafür – wie so viele Texte ihrer wahren Bedeutung beraubt werden –, indem er sagt: „Wieder gehen Hören und Glauben dem Empfangen des ewigen Lebens voraus, das durch die neue Geburt kommt.“

Also glaubt der geistlich tote Mensch, der Mensch ohne Leben oder Bewegungen zu Gott hin, während er sich noch im geistlich toten Zustand befindet. Daran sehen wir, dass Hunt nicht glaubt, dass der Mensch Gott gegenüber wirklich tot ist. Geistlicher Tod bedeutet für diese Leute etwas anderes – sicherlich nicht Unfähigkeit. Und Anhänger solch einer Anschauung wollen wirklich nicht, dass Lazarus’ Fall hier eingebracht wird, weil ihre Vorstellungen in Lazarus’ Fall nicht funktionieren. Aber der Herr bringt die Fälle sowohl der geistlich Toten als auch der körperlich Toten in derselben Textpassage zusammen (Joh 5,21-29), in Verbindung mit seiner lebendig machenden Kraft. Die Fälle sind in Wirklichkeit analog, aber das passt nicht zu der Ansicht vom moralisch freien Willen. Hören und Leben werden den geistlich Toten von Gott gleichzeitig eingepflanzt, zusammen mit dem Glauben, im selben Augenblick. Alles ist das Werk Gottes.

[26] „Freewill“, Things New and Old, 33:26,29.

[27] „Responsibility and Power“, Things New and Old, 17:61,62.

[28] Selected Ministry of A.H. Rule, Bd. 2, S. 210–211.

[29] Selbst Johannes 5,40 ist schon zur Untermauerung des freien Willens herangezwungen worden. Ein Beispiel (Uplook, Okt. 2001) sagt auf Seite 27:

Die Schrift betont, dass Gott dem Menschen souverän die Fähigkeit gewährt hat, freie Entscheidungen zu treffen … Dieses Prinzip stellt unser Herr selbst in seinem Verhör Pilatus gegenüber fest … (Joh 19,10.11) … (Spr 1,29.30) … (Joh 5,40) … (Mt 23,37).

Da die Schrift die freie Wahl betont, muss das das Sahnehäubchen auf den Beweisen sein. Was hier aber vorgelegt wurde, ist in Wirklichkeit ein Beispiel für die Ablehnung Christi und das Handeln eines gottlosen Statthalters. Gott erlaubt dem Menschen in der Tat, im Bösen zu wandeln und Christus abzulehnen. Wie aber diese Schriftstellen demonstrieren sollen, dass der Mensch durch seinen angeblich moralisch freien Willen Gott gegenüber tatsächlich Christus durch die Ausübung menschlichen Glaubens erwählt, das bleibt natürlich vielen von uns verborgen.

[30] Collected Writings, 9:163.

[31] Collected Writings, 30:272.

[32] J.N. Darby hat einen exzellenten Überblick über dieses Thema gegeben und die Aussagekraft des Wortes „kann“ kommentiert:

Üblicherweise werden, wenn wir von „frei“ und „kann“ sprechen … die Abwesenheit von Zwang und die Anwesenheit von Macht/Fähigkeit durcheinandergebracht. Ich sage zum Beispiel: „Jeder kann zu dem Treffen kommen“, und meine damit, dass es jedem offensteht. Dann sagt man mir, das sei nicht wahr, denn Soundso habe sein Bein gebrochen und könne nicht kommen. Ich benutze dieses einfache Beispiel, um zu zeigen, was ich meine. Wenn also der Herr sagt: „Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht“ {Joh 6,44}, dann ist es nicht so, dass Gott verbietet oder hindert, sondern dass der Mensch so bösen Willens und so verdorben ist, dass er nicht kommen kann, wenn nicht eine Macht außerhalb seiner Person an ihm handelt – er ist niemals moralisch dazu geneigt, zu kommen. Soweit es Gott betrifft, ist der Mensch vollkommen frei, jetzt zu kommen, er ist eingeladen, ja, er wird angefleht zu kommen. Das kostbare Blut Christi ist auf dem Gnadenthron. Dadurch ist für den Heiligen durch Gottes Gnade die moralische Schwierigkeit, einen Sünder zu empfangen, hinweggetan. In diesem Sinn ist der Mensch vollkommen frei zu kommen. Aber dann ist da die andere Seite: der Eigenwille des Menschen und sein Zustand. Der Wille, zu kommen, ist nicht da, sondern das Gegenteil. Das Leben war da in Christus. „Und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt“ [Joh 5,40] … Es ist einfach Unsinn, hinsichtlich des wahren Zustandes des Menschen von Freiheit zu sprechen, wenn er bereits dem Bösen zugeneigt ist. Er ist mehr als frei zu kommen, er ist nämlich eingeladen und wird auf alle mögliche Art und Weise angefleht; alles ist schon vorbereitet – was aber beweist, dass er es nicht will und dass ihn nichts dazu bewegen kann. Ich habe nur einen Sohn, sagt Gott, aber das ist jetzt vorbei. Zu sagen, der Mensch sei nicht dem Bösen zugeneigt, bedeutet, die ganze Schrift und alle Tatsachen zu leugnen. Um ihn freizumachen, damit er wählen kann, müsste er gleichgültig sein gegenüber Gut und Böse, das heißt, er dürfte keine Vorliebe für das eine oder andere haben. Aber das trifft nicht zu, denn da sind böse Begierden und Eigenwille, die beiden großen Elemente der Sünde; und wenn es wahr wäre, wäre das absolut furchtbar … Freiheit ist die Frucht der Erlösung durch Christus. Zuerst ist in seinem Tod der alte Mensch, das heißt die Sünde im Fleisch, für den Glauben tot; wir sind mit Ihm gekreuzigt und ich habe das Leben in Christus in der Macht des Geistes, und dann bin ich frei {Letters, 2:164, 165}.

Wie treffend sind diese Bemerkungen! Im Gegensatz dazu gebraucht Dave Hunt Johannes 5,40 („Und ihr wollt nicht zu mir kommen, damit ihr Leben habt“) gegen diese Aussagen:

Die Menschen scheitern darin, zu Christus zu kommen, nicht weil sie es nicht können, sondern weil sie es nicht wollenJohannes 5,40 (What Love is This?, S. 98).

Wenn solche Leute dann mit den „Kann-nicht“-Schriftstellen konfrontiert werden, sagen sie, dass alle Menschen gezogen werden. Die Wahrheit ist, dass der Mensch weder kommen will noch kann.

[33] So schreibt Dave Hunt zum Beispiel, dass nach den Worten des Herrn diejenigen, die tatsächlich kommen, am letzten Tag auferweckt werden {What Love Is This?, S. 234}. Aber das geht an der eigentlichen Fragestellung vorbei. Die Fragestellung lautet nämlich: Warum kommen sie? Die Antwort lautet:

  • Joh 6,44: Niemand kann zu mir kommen, wenn der Vater, der mich gesandt hat, ihn nicht zieht; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag.

Dave Hunt beraubt Johannes 6,65 („Niemand kann zu mir kommen, wenn es ihm nicht von dem Vater gegeben ist“) seiner Aussagekraft und bietet stattdessen Folgendes an:

Es ist sicherlich gerechtfertigt, die Worte des Herrn in Vers 65 zumindest als einen möglichen Hinweis darauf zu nehmen, was Christus unter dem Ziehen des Vaters verstand: dass der Vater die Gelegenheit gibt, zu kommen … (ibid. S. 344).

Danach versucht er, diese „Möglichkeit“ in eine Tatsache umzuwandeln: Jemand, der das Evangelium hört, werde nicht von Gott daran gehindert, Ihm zu folgen. Aber darum geht es in Johannes 6 nicht. Die Vorstellung vom moralisch freien Willen Gott gegenüber erfordert eine Erklärung der Aussagen dieses Kapitels. Sie müssen mit einer Gelegenheit-zu-glauben-Ansicht im Einklang stehen, die aber bewusst das souveräne Handeln des Vaters und des Sohnes bei der göttlichen Einpflanzung von Glauben und Leben streicht. Außerdem wiederholt er die folgende absurde Ansicht:

Man kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, was man nicht tun kann … (ibid. S. 345).

Niemand konnte das Gesetz halten, aber das hinderte Gott nicht daran, es zu erlassen und Gehorsam zu verlangen. Aber die oben zitierte Ansicht ist in der Vorstellung vom moralisch freien Willen implizit enthalten und sie steht im Gegensatz zu der Schrift. Ich wüsste nicht, dass der oben genannte Autor in seinem Buch Römer 8,7 behandelt hätte. Diese Schriftstelle belegt nämlich ausdrücklich die Unfähigkeit des fleischlichen Geistes, dem Gesetz Gottes untertan zu sein. Dort steht die direkte Aussage der Schrift, dass der Sünder dem Gesetz nicht gehorchen kann – und doch gab Gott das Gesetz. Warum?

  • Röm 3,19.20: Wir wissen aber, dass alles, was das Gesetz sagt, es zu denen redet, die unter dem Gesetz sind, damit jeder Mund verstopft werde und die ganze Welt dem Gericht Gottes verfallen sei. Darum, aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden; denn durch Gesetz kommt Erkenntnis der Sünde.

„Dem Gericht Gottes verfallen sein“ bedeutet, dass die Welt sich vor Gott in diesem Zustand befindet. Das ist die Lektion der Prüfung des ersten Menschen, repräsentiert durch die Juden unter dem Gesetz. Sie repräsentieren den ersten Menschen und die Folge dieser Prüfung brachte die ganze Welt unter das Gericht Gottes. Wie kann dann jemand, der sich Christ nennt, es wagen, zu sagen: „Man kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, was man nicht tun kann“? Wo sagt die Schrift so etwas? Diese Auffassung setzt sich jedes Mal über die Schrift hinweg, wenn sie von Arminianern geäußert wird, seien es 5-Punkte-, 4-Punkte- oder 3-Punkte-Arminianer. Außerdem zweifle ich daran, dass sie zu jemand, der ihnen viel Geld schuldet, aber bankrott ist und nicht zahlen kann, sagen würden: „Man kann nicht für etwas verantwortlich gemacht werden, was man nicht tun kann.“

[34] In dem Bemühen, die Aussagekraft der Schriftstellen, die den Menschen als geistlich tot beschreiben, zu überwinden, schreibt Dave Hunt:

Wo macht die Bibel die Unterscheidung, dass die geistlich Toten „allerlei Dinge glauben“ können, nicht aber „die Dinge, die Gott wohlgefallen“? (What Love Is This?, S. 317).

Dies ist keine ernst gemeinte Frage. Es ist eine rhetorische Frage, die besagt, dass es keine solche Unterscheidung gibt. Wenn also ein Text angeführt wird, der diese Frage beantwortet, dann belegen ihn die Anhänger der Lehre des freien Willens einfach mit einer Einschränkung. In diesem Fall sagt Dave Hunt in Bezug auf 1. Korinther 2,14 („Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist“): „Ja, … doch kann dies nicht vom Evangelium sprechen.“ – „Ja“, der natürliche Mensch kann die Dinge, von denen Paulus spricht, nicht empfangen, aber der natürliche Mensch kann das Evangelium empfangen, sagt Hunt. (Wir müssen also annehmen, dass das Evangelium nicht etwas vom Geist Gottes ist!) Und was für ein Beweis wird uns dafür angeboten, dass der natürliche Mensch die Fähigkeit hat, das Evangelium zu empfangen? Wird uns eine ausdrückliche Aussage der Schrift angeboten, dass Menschen dazu fähig sind? – Nein; stattdessen sagt Hunt uns, der Beweis sei, dass „das Evangelium eindeutig der ganzen Welt angeboten wird“ (What Love Is This?, S. 97). Dies ist ein typisches Beispiel dafür, wie die Aussagen der Schrift umgangen werden. Man kann jedoch solches Umgehen der Schrift nicht verhindern, auch wenn man noch so viele Beweise aus der Schrift anführen würde. Die Wahrheit ist, dass das Evangelium frei ausgeht und die Auserwählten es durch die souveräne Einpflanzung von Glauben und Leben annehmen.

[35] Vielleicht beriefen sie sich auf solche Schriftstellen wie 1. Chronik 17,12; Psalm 89,25.30; 110,4; Jesaja 9,6; 53,8 [sic]; Hesekiel 37,25; Daniel 7,14, während sie die Vorhersagen über seinen Tod und seine Auferstehung ignorierten.

[36] Notes and Comments, 2:299; siehe auch Collected Writings, 26:356.

[37] Notes and Comments, 2:288.

[38] Siehe From New Birth to New Creation.

[39] JND hat eine Fußnote zu dem Wort „Verderben“: „Das Verb ,verderben/verlorengehen‘ und das Nomen ,Verderben‘ stammen von derselben griechischen Wurzel; sie zeigen, wozu Judas gehörte.

[40] N. Geisler hat einen bemerkenswerten Versuch gemacht, die wahre Aussagekraft dieser Schriftstelle zu umgehen. Er schreibt:

Der Zusammenhang hier bevorzugt die Lesart, dass hier auf Jesu Wahl der Zwölf zu seinen Jüngern Bezug genommen wird und nicht auf Gottes Bestimmung der Auserwählten zum ewigen Heil. Schließlich spricht Jesus zu den elf Aposteln (Joh 15,8; 16,7). Außerdem wird der Begriff von Gott erwählt“ für Personen verwendet, die nicht die Auserwählten sind. Judas zum Beispiel wurde von Christus „erwählt“, aber er war keiner der Auserwählten: „Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, erwählt? Und von euch ist einer ein Teufel“ (Joh 6,70) (op. cit., S. 72 [S. 73, 74]).

Im Kontext dieser Schriftstelle ist Judas abwesend. Darüber hinaus hatte Jesus bereits in Johannes 6 von der Wahl der Zwölf zu seinen Jüngern gesprochen, mit der deutlichen Anmerkung, dass es sich hierbei nicht um die souveräne Erwählung zum Leben oder zum Fruchtbringen handelte, da Judas’ wahrer Zustand Stellung vermerkt wurde. Der Zusammenhang hier ist das Fruchtbringen und dass Er bestimmt hatte, dass sie hingehen und Frucht bringen sollten [Joh 15,15.16]. Es war eine Bestimmung, von der Judas notwendigerweise ausgeschlossen war. Der Zusammenhang behandelt souveräne Erwählung und souveräne Bestimmung zum Fruchtbringen und umschließt auch die Verse 18 und 19. Von Judas konnte nicht gesagt werden, dass er „nicht von der Welt“ (Joh 15,19) war. Es sind die Elf, von denen es heißt: „aus der Welt erwählt“ (Joh 15,19). Dass das Wort „erwählen“ in mehr als einem Zusammenhang Verwendung findet, negiert all dies in keiner Weise.


„Chapter 3: God’s Sovereignty in John’s Gospel
aus God’s Sovereignty and Glory in the Election and Salvation of Lost Men
Present Truth Publishers, Jackson, 2003

Übersetzung: S. Bauer


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