Sohnschaft

Stanley Bruce Anstey

© SoundWords, online seit: 04.11.2018, aktualisiert: 04.11.2018

Der Begriff Sohnschaft wird in der Schrift in Verbindung mit Israel (Röm 9,4) und mit der Gemeinde (Röm 8,14.15.23; Gal 4,5-7; Eph 1,5) verwendet, jedoch auf ganz unterschiedliche Weise. Im Zusammenhang mit Israel bezieht sich Adoption[1]  darauf, dass Israel unter den Völkern der Erde an einen bevorzugten Ort in Bezug auf Gott gebracht wird (2Mo 4,22). Aber im christlichen Sinn hat Adoption damit zu tun, dass ein Kind Gottes in der Familie Gottes an den bevorzugten Platz des Sohnes selbst gesetzt wird, dadurch dass es den innewohnenden Heiligen Geist besitzt. Sohnschaft geht noch über Annahme hinaus, indem der Gläubige nämlich an den Vorrechten und an der Freiheit teilhat, die in der Gegenwart Gottes nur ein Sohn haben kann.

Das Wort Sohnschaft im Griechischen bedeutet wörtlich „Sohn-Platz“. Sohnschaft ist ein ausgesprochen christlicher Segen. Das heißt, Sohnschaft ist ein besonderer Segen, den Gott nur den Christen vorbehalten hat. Andere in der Familie Gottes – Gläubige des Alten Testaments, der kommende jüdische Überrest, erlöste Israeliten der zehn Stämme, bekehrte Heiden im Tausendjährigen Reich usw. – sind nicht an diesem bevorzugten Platz vor Gott. Sie alle sind Kinder in der Familie Gottes, aber in der Haushaltung der Gnade haben nur Christen den Platz der Söhne.

Sohnschaft ist die höchste Stellung des Segens, die ein Geschöpf in Bezug auf Gott den Vater haben kann. Engel wurden im Alten Testament „Söhne Gottes“ genannt (1Mo 6,2; Hiob 1,6), aber so werden sie nicht mehr genannt, seit Christus von den Toten auferstanden und in die Höhe gestiegen ist und Menschheit an den Ort gebracht hat, an dem Er selbst vor Gott steht. Söhne Gottes (Röm 8,14) ist heute ein Begriff, der ausschließlich Christen vorbehalten ist, denn sie haben einen höheren Platz des Segens und des Vorrechts vor Gott als alle anderen gesegneten Geschöpfe. Gott hätte uns an den Platz der auserwählten Engel setzen oder uns sogar in die erhabene Stellung eines Erzengels erheben können – und wir wären dankbar dafür gewesen. Aber Er hat etwas viel Größeres und Gesegneteres getan: Er hat uns an den Platz seines eigenen Sohnes gesetzt mit all der Gunst und den Vorrechten, die damit verbunden sind, diesen Platz zu haben!

Das Erstaunliche daran ist, dass Gott diesen großen Segen für die Christen „vor Grundlegung der Welt“ geplant hat, und es ist „nach dem Wohlgefallen seines Willens“, das zu bewirken (Eph 1,3-6). Es bringt tatsächlich Freude und Befriedigung in sein Herz, eine Gesellschaft von Söhnen vor sich zu haben, die in genau derselben Stellung stehen wie sein eigener Sohn! Als „Söhne Gottes“ teilen wir:

  • den Platz des Sohnes – Annahme (Eph 1,6)
  • das Leben des Sohnes – ewiges Leben (Joh 17,2)
  • die Freiheit des Sohnes vor dem Vater (Röm 8,14-16)
  • das Erbe des Sohnes (Röm 8,17)
  • die Herrlichkeit des Sohnes (Röm 8,18; Joh 17,22)

Im Allgemeinen denkt man: Wenn Gott uns zu Söhnen macht, dann ist dies eine Handlung, die einen Menschen in seine Familie hineinbringt. – Das ist jedoch nicht das, was die Schrift lehrt. Es gibt nur einen Weg in die Familie Gottes; er führt über die Neugeburt (Wiedergeburt). Die Verleihung der Sohnschaft hat damit zu tun, dass jemand, der von neuem geboren ist (und damit ein Kind Gottes in der Familie Gottes ist), zu einem besonderen Platz des Vorrechts und der Auszeichnung innerhalb der Familie erhoben oder aufgewertet wird. Wie bereits erwähnt, geht es darum, dass er in genau die Stellung gebracht wird, die der Sohn Gottes selbst vor Gott hat! Dies geschieht dann, wenn ein Mensch an das Evangelium seiner Rettung glaubt und mit dem Heiligen Geist versiegelt wird (Eph 1,13). Folglich wird ein Mensch ein Kind Gottes in der Familie Gottes, wenn er wiedergeboren wird; aber wenn er den Geist empfängt, indem er an das Evangelium glaubt, wird er als Sohn (die Annahme der Sohnschaft) in die Familie eingeführt.

Menschen mit jüdischem Hintergrund verstehen die Art und Weise, wie Adoption in der Schrift verwendet wird, wahrscheinlich leichter als solche, die aus einem heidnischen Hintergrund stammen. Wenn in einer jüdischen Familie ein Junge dreizehn Jahre alt wird, bereiten seine Eltern ihm eine „Bar-Mizwa“: Zu diesem Zeitpunkt wird er offiziell von einem Kind in der Familie zu einem Sohn befördert. Danach genießt er größere Freiheiten und Vorrechte in der Hausgemeinschaft. Die Bar-Mizwa bringt den Jungen nicht in die Familie, sondern befördert ihn an einen bevorzugten Platz in ihr.

Ebenso ist es, wenn der Geist ihn zu einem Sohn in der Familie Gottes erhebt [in dem Augenblick, wo Er in dem Gläubigen Wohnung nimmt]. Der Apostel Paulus lehrt dies in Galater 4,1-7. Er unterscheidet zwischen „Kindern“ und „Söhnen“ in der Familie Gottes und veranschaulicht dies anhand eines jüdischen Haushalts. Kinder – in dem Sinn, wie Paulus den Begriff in diesem Abschnitt verwendet – werden so betrachtet, als hätten sie einen untergeordneten Platz in der Familie. Paulus setzt das in Beziehung zu dem Platz, den die Gläubigen in alttestamentlicher Zeit hatten. Aber mit dem Kommen Christi, um die Erlösung zu vollbringen, und mit der Sendung des Heiligen Geistes wurden die Gläubigen der alten Haushaltung, die Christus als Retter aufnahmen, als Söhne aufgenommen und wurden so in die christliche Stellung der „Sohnschaft“ erhoben oder aufgewertet. Sie verließen die Stellung eines Minderjährigen und kamen an den bevorzugten Platz der „Söhne“ in der Familie Gottes. (Der Apostel Johannes verwendet das Wort „Kinder“ nicht im gleichen Sinn der Unterordnung wie Paulus im Galaterbrief. In den Schriften des Johannes werden Kinder so betrachtet, dass sie den Heiligen Geist und damit die volle christliche Stellung haben; siehe 1. Johannes 2,20; 3,24; 4,13. Selbst die, die Johannes als „kleine Kinder“ bezeichnet, die also Neubekehrte sind, werden an diesem Platz gesehen; siehe 1. Johannes 2,18. Johannes nennt sie Kinder, weil der Schwerpunkt in seinen Briefen auf dem ewigen Leben und der Beziehung liegt, die wir mit dem Vater in Zuneigung haben, was „Kinder“ verkörpern. So werden Christen in der Schrift sowohl als Kinder als auch als Söhne betrachtet.[2])

Während Gott alle segnet, die in seiner Familie sind, ist Er souverän und kann einigen in seiner Familie besondere Gunst vor anderen gewähren, wenn Er will. Das hat Er getan, indem Er aus dieser gegenwärtigen Haushaltung Gläubige für die Sohnschaft ausgewählt hat (Christen). Es gibt vier Hauptstellen in der Schrift, an denen die Sohnschaft erwähnt wird; jede Verweisstelle konzentriert sich auf einen anderen Aspekt dieses großen christlichen Segens:

  • Galater 4,1-7 betont die bevorzugte Stellung, die wir haben und die über den anderen gesegneten Personen in der Familie Gottes liegt.
  • Römer 8,14.15 betont die besondere Freiheit, die wir vor Gott haben, indem wir jederzeit Zugang zu seiner Gegenwart haben und Ihn als unseren Vater ansprechen können mit einer Vertrautheit, die kein anderes gesegnetes Geschöpf je gekannt hat – indem wir rufen dürfen: „Abba, Vater“.
  • Epheser 1,3-10 betont die höheren Segnungen und die Erkenntnis, die wir nach dem Vorsatz Gottes haben, der bis dahin in „dem Geheimnis“ geheim gehalten worden war.
  • Hebräer 2,10-13 betont die Würde, die wir haben, dadurch dass wir mit Christus als seine „Brüder“ in der neuen Schöpfungsrasse identifiziert werden. Christus ist als „Erstgeborener“ das Haupt dieser Rasse (Off 3,14; Röm 8,29; Kol 1,18).

 

Anmerkungen

[1] Anm. d. Red.: Adoption (hyiothesia) bedeutet „Annahme zum Sohn“ und wird gewöhnlich mit „Sohnschaft“ übersetzt.

[2] Gelegentlich übersetzt die King-James-Übersetzung in den Schriften des Johannes fälschlicherweise „Kinder“ als „Söhne“, und das kann verwirrend sein, zum Beispiel in Johannes 1,12; 1. Johannes 3,1.


Aus Doctrinal Definitions, Christian Truth Publishing, Surrey, BC, Kanada, 12016, S. 16–19


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