Wie denkt man über dich?
Matthäus 11,11; 14,1-12; Markus 1,7; Johannes 3,23-30

Philip Nunn

© SoundWords, online seit: 08.11.2008, aktualisiert: 13.12.2017

Leitverse: Matthäus 11,11; 14,1-12; Markus 1,7; Johannes 3,23-30

Wir würden gerne von uns denken, dass wir Männer und Frauen von Charakter sind, nicht beeinflusst von Meinungen, Trends und Mode. Wir würden uns gerne als Menschen mit Grundsätzen bezeichnen, egal was andere von uns denken. Warum schneiden und frisieren wir dann unser Haar nach einer bestimmten Mode? Warum haben wir große Spiegel? Wir wollen natürlich, dass unsere Nachbarn uns für eine normale Familie halten. Wir wollen natürlich, dass die Arbeitskollegen von uns sagen, dass wir einen „guten Geschmack“ in Sachen Kleidung haben. Sicher sind wir besorgt, was andere Christen über uns denken, besonders jene, mit welchen wir oft in Gemeinschaft sind! Wir würden im Geheimen gerne Ausdrücke wie „Er ist ein geistlicher Bruder, … eine gottesfürchtige Schwester, … ein warmherziger Gläubiger, … eine Säule in der Versammlung, … ein Beispiel für ein diszipliniertes Leben“, „Was für eine moralische Ehefrau!“ über uns hören – aber was denkt der Herr selbst von uns? Was wir in Gottes Augen sind, das sind wir. Nichts weiter.

Bis dahin der großartigste Mann

Was macht einen Mann oder eine Frau groß in Gottes Büchern? Sind wir sicher, dass wir den richtigen Kampf kämpfen? Schauen wir auf das Leben mit „Gottes Augen“? Früher oder später müssen wir Gott Rechenschaft ablegen, worin wir unser Leben investiert haben. Was machen wir bis dahin? Vor einigen Jahren beeindruckte mich, wie der Herr Jesus das Leben von Johannes dem Täufer einschätzte: „Wahrlich ich sage euch: Unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer aufgestanden als Johannes der Täufer“ (Mt 11,11). Warum so eine hohe Meinung von Johannes dem Täufer? War er größer als Abraham? Größer als Mose? Größer als König David und als Salomo? Größer als der Prophet Jesaja, der auch die Ankunft des Herrn voraussagte? Was sah Christus in diesem Johannes, um ihm ein so leuchtendes Zeugnis auszustellen? Johannes’ Leben ist es sicher wert, erforscht zu werden.

Ein kurzes, ungewöhnliches Leben

Was wissen wir über Johannes den Täufer?

Er war ein Verwandter des Herrn und sechs Monate älter (Lk 1,36). Er war der einzige Sohn eines bejahrten Ehepaars, Elisabeth und Zacharias, dem Priester, beide Nachkommen Aarons und beschrieben als „gerecht vor Gott“ (Lk 1,5-7). Seine Geburt war von einigen Wundern umgeben, er selbst jedoch tat nie ein übernatürliches Zeichen (Joh 10,41). Er wurde in seinen frühen Dreißigern im Gefängnis geköpft (Mt 14,10). Was machte sein kurzes Leben so besonders?

Du kannst nicht jedem gefallen!

Die Schrift versucht nicht zu verheimlichen, dass Johannes der Täufer ein etwas seltsamer Charakter war. Im Gegensatz zum priesterlichen „sozialen Status“ des Vaters zeigte Johannes einen exzentrisch dürftigen und harten Lebensstil (Mt 3,4). Wie sahen seine Eltern (als sie noch am Leben waren) und Nachbarn diesen entgegen alle Werte lebenden jungen Mann? Wegen der wohlbekannten Wunder, die seine Geburt umgaben, fragten viele Ortsansässige: „Was wird wohl aus diesem Kind werden?“ (Lk 1,66). Seine Art war nicht sehr orthodox. Seine Botschaft war nicht beliebt in der religiösen Gesellschaft. Tatsächlich zog er die Leute weg vom Tempel und von den für Gott bestimmten Opfern. Wie auch immer, die Leute hielten Johannes für einen Propheten (Mt 14,5). Genau wie den örtlichen Regierungsautoritäten war er für König Herodes ein Rätsel. Auf der einen Seite versuchte er Johannes zu schützen, denn er war ein „gerechter und heiliger Mann“ (Mk 6,20). Aber politisch war es nicht genehm, dass Johannes seine Gedanken in der Öffentlichkeit aussprach. Herodias sah in Johannes eine Bedrohung für ihr gieriges „freies“ Leben. Sie hasste ihn. Sie ließ ihn enthaupten (Mt 14,1-12). Offensichtlich passte Johannes in keine Form von organisierter Religion. Heute stehen immer noch Christi Worte: „Unter den von Frauen Geborenen ist kein größerer aufgestanden als Johannes der Täufer.“

Das Suchen nach Ansehen vor dem Herrn kann manchmal im Konflikt zum sozialen Ansehen stehen. Das Suchen nach einem „Gut gemacht“ von Mitchristen kann uns für die notwendigen Bedingungen für ein „Gut gemacht“ vom Herrn selbst blind machen.

Lasst uns eines klarstellen: Ein gottesfürchtiges Leben wird nicht jedem gefallen. Das tat es noch nie. Wenn wir aufrichtig nach Anerkennung beim Herrn suchen, müssen wir uns darauf vorbereiten, Kritik einzustecken. Wir dürfen dies nicht als Entschuldigung für unsoziales Verhalten oder für unnötige Konfrontationen gebrauchen. Der Apostel Paulus lehrte: „Wenn möglich, soviel an euch ist, lebt mit allen Menschen in Frieden“ (Röm 12,18). Was sah dann also der Herr in Johannes? Mindestens vier Charakterzüge sind klar erkennbar:

1. Johannes war treu in seiner himmlischen Mission

Anders als die Berufung Moses hätte Johannes’ Berufung ihn niemals zu einer prominenten Position geführt. Seine göttliche Mission war es, den Weg für einen anderen vorzubereiten, der nach ihm kommen würde.

Johannes war glücklich mit dieser zweitrangigen Rolle und gestaltete sein Leben so, dass er diese Mission erfüllen konnte. Jeder von uns ist zu einem Zweck geschaffen. Du und ich, wir haben auch eine göttliche Mission. Wir glänzen am besten, wenn wir das tun, wozu wir berufen sind. Aber Johannes’ Gehorsam war nicht einfach. Es ist schmerzlich, wenn wir nicht die Erwartungen derer erfüllen, die wir lieben. Anders als Moses vollbrachte Johannes keine übernatürlichen Taten, um seine Zuschauerraten zu erhöhen oder seinen Dienst glaubhaft zu machen. Christus schätzt das enthusiastische und treue Weiterkämpfen, bis unsere Aufgabe erfüllt ist. Jim Elliot schrieb einmal: „Ein Mensch ist unsterblich, bis Gott mit ihm fertig ist.“ Wenn du sicher bist, dass deine Mission von Gott ist, dann halte daran fest. Bringe sie zu Ende. Gib nicht auf!

2. Johannes wollte, dass Christus erhöht wird

„Nach mir“, predigte Johannes, „kommt einer, der stärker ist als ich, dem den Riemen seiner Sandalen gebückt zu lösen ich nicht wert bin“ (Mk 1,7). Der Tag kam, an dem diese demütigen Worte geprüft wurden. Einige von Johannes’ treuen Jüngern verließen ihn, um Christus nachzufolgen (Joh 1,35.36). Einige von Johannes’ Jüngern fühlten sich unwohl und unsicher, als diese Entwicklung eintrat. Sie versuchten Johannes’ Dienst zu schützen (Joh 3,23-28). Aber Johannes selbst war glücklich. Er wollte keine religiöse Institution gründen. Sein Ziel war es nicht, das versagende jüdische Priestertum zu ersetzen. Seine Zufriedenheit kam nicht von Zahlen oder Berühmtheit. Er verglich seine Glücksgefühle mit denen eines jungen Mannes, dessen bester Freund heiratet. „Diese meine Freude nun ist erfüllt. Er muss wachsen, ich aber abnehmen“ (Joh 3,29.30). Wird Christus zentraler in unserem Leben? Ist die Anwesenheit Christi erkennbarer in unserem Dienst und unserer Arbeit? Sind wir glücklich, wenn Freunde uns verlassen, um dem Herrn mehr und näher zu folgen? Früher oder später wird der Tag kommen, an dem wir „loslassen“, „abgeben“ oder „von der Bühne abtreten“ sollten. Das nicht zu tun, würde die Arbeit Christi aufhalten. Lasst uns dies also freudig tun!

3. Johannes verwarf tatkräftig die Sünde

Wenn Missionare von Freunden aus der Heimat besucht werden, reagieren diese meistens stark auf den Dreck, den Lärm und die Armut rings umher. Aber nach einigen Wochen oder Monaten ist es für sie normal. Der Dreck, der Lärm und die Armut sind immer noch da, doch wir haben uns angepasst. In einer ähnlichen Weise können wir uns an die Sünde gewöhnen. Nach dem ersten Mal fühlten wir uns schuldig. Aber jetzt denken wir nicht noch ein zweites Mal darüber nach. Als wir beim ersten Mal etwas moralisch Merkwürdiges oder eine unbiblische Praxis in der Versammlung bemerkten, konnten wir nicht schlafen. Aber wir haben uns daran gewöhnt. Tatsächlich arbeiten wir inzwischen sogar damit zusammen. Johannes der Täufer war da anders. Er selbst war bekannt als „ein heiliger und gerechter Mann“ (Mk 6,20). Er hasste das, was falsch, ungerecht oder entartet war. Er war kein Mann für die „Deckung“. Er lebte mit der Überzeugung, dass Sünde Sünde war, ungeachtet dessen, ob es eine übliche Praxis war oder wer es getan hatte. Er widmete sich der Verkündigung von Buße, wahrer Buße, welche sich in einem veränderten Verhalten ausdrückt. Gerade weil er einflussreichen Leuten ihre böse Praxis aufzeigte, kostete ihn das sein Leben. Wenn wir danach streben, von weltlichen oder religiösen Führern anerkannt zu werden, neigen wir dazu, blind für ihre Sünden zu sein. Bleiben wir passiv, wenn es um Sünde geht? Reagieren wir, wenn uns Sünden in unserem eigenen Leben, in unserer Familie oder in unserer Versammlung bewusst werden? Christus schätzte Johannes’ extreme Ablehnung von moralischen Sünden. Er schätzt es immer noch.

4. Johannes brannte vor Leidenschaft für Christus

Ein Gespräch kann ruhig und unemotional sein, bis man ein Thema von gemeinsamem Interesse findet. Hast du bemerkt, dass etwas erwacht beim Thema Fußball oder Kricket, Bildung oder Menschenrechte, Pflanzen oder Kochrezepte, Computer oder der neueste elektronische Apparat? Ich finde es überraschend und traurig, dass sogar unter gefestigten Christen die Person Christi wenig Leidenschaft erweckt. Wir scheinen uns oft ziemlich anstrengen zu müssen, um zu wissen, was wir sagen, wenn wir zusammenkommen, um Ihn anzubeten. Nicht so, wenn es um unsere Lieblingslehren oder unsere religiösen Unterschiede geht. Über diese können wir stundenlang diskutieren. Wir können sogar emotional werden! Der Apostel Paulus konnte sagen: „Das Leben ist für mich Christus“ (Phil 1,21). Genauso war Christus eine Leidenschaft im Leben des Johannes. „Johannes war die brennende und scheinende Lampe“, erklärte Jesus einigen Juden, „ihr aber wolltet für eine Zeit in seinem Licht fröhlich sein“ (Joh 5,35). Stelle dir eine dieser brennenden römischen Lampen vor. Johannes’ Leidenschaft für Christus verbrauchte ihn, und in diesem Prozess strahlte er Licht und Wärme aus. Ein leidenschaftliches, mit Heiligem Geist gefülltes Christenleben ist sehr anziehend. Es ist ansteckend. Würden die, die dich kennen, das Wort „leidenschaftlich“ benutzen, um dein Leben als Christ zu beschreiben? „Zündet“ unsere Art zu reden und zu leben andere an? Diese privilegierten Männer, die mit Jesus nach Emmaus gingen, riefen: „Brannte nicht unser Herz in uns, als er auf dem Weg zu uns redete und als er uns die Schriften öffnete?“ (Lk 24,32). Es ist nur der Umgang mit Christus selbst, der unsere Herzen entflammen lässt. Möge Christus selbst die brennende Leidenschaft in unserem Leben sein.

Denkt man gut über dich?

Wer denkt gut über dich? Wir Sterbliche neigen dazu, das Zeitliche zu sehr zu schätzen.

Wir schätzen den Beifall und die guten Wünsche sterblicher Menschen. Die Zustimmung der Menschen kann nicht würdiger sein als die Menschen selbst. Und was sind wir wert? Von unserem Leben heißt es: „Ein Dampf ist es ja, der für eine kurze Zeit sichtbar ist und dann verschwindet“ (Jak 4,14). „Denn der HERR sieht nicht auf das, worauf der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das Äußere, aber der HERR sieht auf das Herz“ (1Sam 16,7b). Die, mit denen wir arbeiten, werden uns vielleicht für beispielhafte Arbeiter halten. Unsere Nachbarn werden uns vielleicht als verantwortungsvolle Bürger einstufen. Diejenigen, mit denen wir anbeten, werden uns vielleicht als „lehrmäßig gesund und sehr geistlich“ beschreiben. Aber wie sieht Christus uns? Was wir in Gottes Augen sind, das ist es, was wir sind. Nichts weiter.


Originaltitel: „Are You Well Thought Of?“
Quelle: www.philippnunn.com

Übersetzung: Ruben Isenberg


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...