Die Pharisäer-Falle (7)
Matthäus 23,27.28 – Weheruf Nr. 6

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 17.09.2003, aktualisiert: 15.11.2019

Leitverse: Matthäus 23,27.28

Mt 23,27.28: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, ihr Heuchler! Denn ihr gleicht übertünchten Gräbern, die von außen zwar schön scheinen, innen aber voll von Totengebeinen und aller Unreinigkeit sind. So erscheint auch ihr zwar von außen den Menschen gerecht, innen aber seid ihr voll Heuchelei und Gesetzlosigkeit.

Der sechste Weheruf geht in eine ähnliche Richtung wie der fünfte Weheruf. Das, was außen draufsteht, ist in vielen Fällen nicht wirklich drin. Außen hui, innen pfui, so sagt man im Volksmund. Und auch hier tut es weh, wenn wir uns selbst diesen Weheruf als Spiegel vorhalten. Aber lassen wir dies über uns ergehen; es kann nur dazu führen, dass wir uns selbst immer weniger vertrauen und uns einfach nur noch auf die Gnade und Barmherzigkeit des Herrn stützen. Wenn wir nichts von uns halten und alles vom Herrn, dann sind wir auf dem richtigen Weg. Aber auch das hört sich wieder sehr fromm und schon fast pharisäisch an, ich weiß. Wir halten nämlich in der Regel noch viel zu viel von uns selbst.

Übertünchte Gräber sind Gräber, die besonders gekennzeichnet oder neu bestrichen wurden, damit jeder erkennt, dass es sich hier um ein Grab handelt, und keiner sich an einem Grab verunreinigte. Wir sehen bisweilen auch nach außen sehr schön aus und können auch fromme Worte zu den verschiedensten Gelegenheiten von uns geben. Und die beste Möglichkeit, unser wahres Ich vor anderen zu verbergen, besteht darin, dass wir vor anderen versuchen, fromm zu erscheinen. Wir sind die Ersten, die sich bei Gemeindeaktivitäten beteiligen, die jeden Dienst, und sei er noch so klein, annehmen. (Nebenbei ist dies kein Aufruf, nun lieber untätig zu bleiben!) Leider kann es auch in unserem Leben immer wieder passieren, dass wir nicht aus der Begeisterung für den Herrn heraus dienen, sondern aus der Fülle an Leere, die in uns ist. Und um diese innere Leere zu füllen, geben wir uns dem christlichen Dienst hin. Dienst, dem das geistliche Leben fehlt, ist Heuchelei. Solche Heuchelei täuscht uns. Sie gibt uns das Gefühl, „richtig“ zu sein, ohne auch dabei vor Gott „richtig“ zu stehen. Sie betäubt den Schmerz der Leere, so dass wir uns diesem Schmerz nicht zu stellen brauchen. Und irgendwann wird es dann normal für uns, ein bestimmtes Verhalten an den Tag zu legen, während es in unserem Inneren ganz anders aussieht.

Merken wir, wie schnell wir uns den Pharisäern nähern und dass der Herr uns hier einen Spiegel vorhalten möchte? Ein Spiegel ist dazu da, dass man sich selbst besser kennenlernt bzw. sich sehen kann. Wenn man aber lange Zeit einen Spiegel nicht benutzt, so machen wir uns unser eigenes Bild von uns selbst, und das kann dann schnell völlig daneben sein. Habe den Mut, die Pharisäer nicht als deine Feinde zu betrachten, sondern als solche, die der Herr dir als Spiegel vorhält, damit du geistlich wachsen kannst und dich selbst im Licht Gottes siehst.

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