Die Pharisäer-Falle (3)
Matthäus 23,15 – Weheruf Nr. 2

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 09.09.2003, aktualisiert: 18.08.2016

Leitvers: Matthäus 23,15

Mt 23,15: Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer, Heuchler! denn ihr durchziehet das Meer und das Trockene, um einen Proselyten zu machen; und wenn er es geworden ist, so machet ihr ihn zu einem Sohne der Hölle, zwiefältig mehr als ihr.

Es ist schon interessant, wie der Herr Jesus die Pharisäer durchschaute und sie einschätzte. Wir sind doch eher alle „Evangelisten“, die sich oftmals nicht einmal trauen, über die Straße zu gehen, um mit unseren Nachbarn über das Evangelium zu reden. Und so meinen wir, dass jene, die sogar bereit sind, in fremde Länder zu ziehen, um das Evangelium zu verkünden, doch automatisch gut sein müssten und von den rechten Motivationen geleitet wären. Das, was für uns oftmals sehr gesund und geistlich aussieht, nennt der Herr hier Krankheit. Was war der Fehler an dieser Stelle? War es nicht vorbildlich, solche Strapazen auf sich zu nehmen, um einen Heiden zum Judentum zu bekehren? Hätte der Herr das nicht besser loben sollen? Nein! Wenn auch der Eifer sicher vom Herrn geschätzt wurde und Er uns ja selbst auch den Auftrag gab: „Gehet hin“, und auch Israel bereits schon ein Licht für die Nationen sein sollte, so musste der Herr aber die Motivation, aus der die Pharisäer einen Proselyten machten, verurteilen. Den Pharisäern ging es in erster Linie um Bekehrungen zu ihrem Verständnis und ihrem Lehrsystem und ihren Vorstellungen, wie ein heiliges Leben auszusehen hat. Sie waren damit beschäftigt, Menschen für ihre Religion und ihre Glaubenskultur zu überzeugen, anstatt sich mit wahrer Mission zu beschäftigen, die darin besteht, Menschen mit dem lebendigen Gott in Verbindung zu bringen. Auch wir neigen dazu, Menschen zu unserer Gruppe zu bekehren, als sie einzig und allein in eine Verbindung mit Christus einzuführen. Das können wir dann daran merken, dass man etwas von oben herab von jenen spricht, die nicht „den gleichen Weg“ gehen. Man meint dann schnell sagen oder zumindest denken zu müssen, dass jene „nicht so viel Licht“ empfangen haben wie man selbst. Und innerlich geben wir auch erst dann Ruhe, wenn sich jemand zu unseren Vorstellungen vom Christsein bekehrt hat. Auch hier merken wir sicher alle, dass uns diese Dinge nicht ganz unbekannt sind.

Es geht hier natürlich nicht darum, solche, die sich bekehrt haben, weiterzuführen im Glauben. Dazu gehört sicher auch der Weg der Gemeinschaft mit anderen Christen. Und es ist auch ganz klar, dass ein entschiedener Christ davon überzeugt ist, dass der Weg, den er selbst geht, der richtige ist, sonst sollte er ihn besser verlassen. Das Problem ist vielmehr eine Evangelisation aus falscher Motivation heraus. Dann geht es darum, dass man Menschen zu einem System führt anstatt zu Christus. Und hat man solche Menschen erstmal für ein System gewonnen, so werden solche oft radikaler und fanatischer als jene, durch die sie zu diesem System gebracht worden sind. Das meint der Herr, wenn Er sagt: „Und wenn er es geworden ist, so macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, zwiefältig mehr als ihr.“ Der zweite Weheruf will uns also deutlich die Motivation zeigen, in der wir evangelisieren oder anderen den christlichen Weg erklären.

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