Nehemia – ein treuer Dienstknecht Gottes (8)
Nehemia 8

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 28.06.2017

Das Buch des Gesetzes

Neh 8,1-3: Und als der siebte Monat herankam und die Kinder Israel in ihren Städten waren, da versammelte sich das ganze Volk wie ein Mann auf dem Platz, der vor dem Wassertor liegt. Und sie sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, dass er das Buch des Gesetzes Moses bringen sollte, das der HERR Israel geboten hatte. Und am ersten Tag des siebten Monats brachte Esra, der Priester, das Gesetz vor die Versammlung, sowohl vor Männer als Frauen und vor alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören. Und er las darin vor dem Platz, der vor dem Wassertor liegt, vom lichten Morgen bis zum Mittag, in Gegenwart der Männer und der Frauen und derer, die Verständnis hatten; und die Ohren des ganzen Volkes waren auf das Buch des Gesetzes gerichtet.

In Kapitel 6 lesen wir, dass die Mauer in der Rekordzeit von nur 52 Tagen vollendet und der Feind vorerst abgeschüttelt wurde. Das Geschlechtsregister wurde gefunden und viele wohnten in ihren Städten. Nun werden wir sehen, wie das Wort Gottes seinen rechtmäßigen Platz erhält. Hierzu versammelte sich die ganze Gemeinde wie ein Mann auf dem Platz, der vor dem Wassertor war, und sie sprachen zu Esra, dem Schriftgelehrten, das Buch des Gesetzes zu bringen. Das war ein schönes Zeugnis der Einheit. So war es schon bei der Einweihung des Altars gewesen:

  • „Und als der siebte Monat herankam und die Kinder Israel in den Städten waren, da versammelte sich das Volk wie ein Mann nach Jerusalem“ (Esra 3,1.9).

Auch wir bringen an dem Altar Gottes – dem Tisch des Herrn – unsere „Opfer des Lobes“, und wir sollten dabei nicht aus dem Auge verlieren, dass wir dadurch ebenso zum Ausdruck bringen, dass wir ein Leib sind („Denn ein Brot, ein Leib sind wir, die Vielen, denn wir alle nehmen teil an dem einen Brot“ (1Kor 10,17). Wir stehen vor dem Herrn „wie ein Mann“.

Im Christentum gibt es nicht bloß Einzel-, sondern auch gemeinsame Vorrechte und Verantwortlichkeiten. Christus starb, „damit er … die zerstreuten Kinder Gottes in eins versammelte“ (Joh 11,52). Christus selbst ist der Mittelpunkt unseres Zusammenkommens: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Der Kreis, dessen Mittelpunkt Er ist, umfasst die ganze Kirche Gottes; und wenn wir nicht die ganze Kirche Gottes im Auge behalten, sind wir sektiererisch. Christus ist das Haupt des Leibes der Versammlung; da ist ein Leib und ein Geist (Eph 1,22; 4,4), und die Christen werden ermahnt, die Einheit des Geistes im Band des Friedens zu bewahren (Eph 4,1-3).

Die Israeliten versammelten sich „wie ein Mann“. Natürlich waren sie nur eine kleine elende Gesellschaft, die aus der babylonischen Gefangenschaft zurückgekehrt war, und dennoch standen sie auf der Grundlage des ganzen Volkes Gottes. Wir mögen in unserer Zeit auch nicht alle Christen zusammenbringen, denn viele ziehen es vor, in ihren christlichen Kirchen und Systemen (in Babylon oder irgendwo dazwischen) zu bleiben. Aber Gott sah in dem kleinen Häuflein in Jerusalem Israel als einen Mann, und wenn wir auf der Grundlage des einen Leibes zusammenkommen, wo wirklich jedes wahre Kind Gottes herzlich willkommen ist und sich nicht selbst durch einen unreinen Wandel oder böse Lehre ausschließt, dann verspricht der Herr, in unserer Mitte zu sein.

Wenn wir uns versammeln, um das Wort Gottes zu hören, dann sollten wir alle daran teilhaben lassen,

Neh 8,2: sowohl Männer als Frauen und alle, die Verständnis hatten, um zuzuhören.

Es ist vielleicht manchmal nicht anders möglich, aber doch ist es schade, wenn man parallel zur Wortverkündigung und Predigt die Kinderstunde abhält. Wir sollten unsere Kinder früh daran gewöhnen, dabei zu sein, wenn der Herr Jesus in der Mitte ist und durch sein Wort zu uns reden möchte. Brüder, die sich am „Dienst des Wortes“ beteiligen, müssen ein Auge auch für die Kinder haben, so dass auch sie das Gefühl haben, dazuzugehören.

Jede Erweckung im Volk Gottes ist mit einem Hunger nach Gottes Wort verbunden.

Neh 8,3: Und er las darin vor dem Platz, der vor dem Wassertor liegt, vom lichten Morgen bis zum Mittag.

Viele wackeln schon ungeduldig auf ihren Stühlen herum, wenn die Stunde mal fünf Minuten länger dauert als normal. Das Volk Gottes hatte in der Gefangenschaft das Wort Gottes nicht gelesen, nicht weil man es nicht wollte, sondern weil man keine Bibel zur Hand hatte. Eine ganze Generation wuchs heran, ohne die Schriften des Alten Testamentes zu lesen. Eine ganze Generation wird nicht mal die Lieder Zions gekannt haben (vgl. Ps 137,1-3).

Wir können den Hunger nach Gottes Wort sehr gut verstehen. Leider sind wir derart daran gewöhnt, eine Bibel stets zur Hand zu haben und sie sogar in der Hosentasche zu tragen, dass wir dieses Vorrecht gar nicht mehr richtig schätzen. Wir sollten umso mehr in jeder freien Minute zum Wort Gottes greifen und den Willen Gottes erforschen und darüber „nachsinnen Tag und Nacht“ (vgl. Ps 1,2).

Esra „stand auf einem Gerüst aus Holz“ (Esra 8,4), um von allen gesehen und verstanden zu werden: Es gibt jedoch noch einen anderen Grund, warum er sich erhöht stellte:

Neh 8,5: Und Esra öffnete das Buch vor den Augen des ganzen Volkes, denn er stand höher als das ganze Volk; und als er es öffnete, stand das ganze Volk auf.

Das Volk sollte das Buch des Gesetzes auch sehen. Das legt den Nachdruck auf die Bedeutung des Wortes Gottes, und das Volk reagierte prompt, indem es sich geschlossen erhob. Müssen wir uns nicht immer wieder fragen: Welche Bedeutung messen wir dem heiligen Wort Gottes zu? Freuen wir uns noch, wenn wir die Bibel jeden Morgen zur Hand nehmen? Hören wir mit aller Ehrfurcht zu, wenn Gott durch sein Wort zu uns reden möchte?

Der Schriftgelehrte Esra, aber auch die Leviten belehrten das Volk und zwar in dieser Reihenfolge: vorlesen und dann auslegen.

Neh 8,8: Und sie lasen in dem Buch, in dem Gesetz Gottes, deutlich und gaben den Sinn an, so dass man das Gelesene verstand.

Diener des Wortes müssen den Bibeltext gut kennen und deutlich vorlesen. Manche rasen derart schnell durch den Text, als würden sie es nicht erwarten können, endlich selbst etwas zum Text sagen zu können. Vor jeder Predigt sollte zuerst das Wort gelesen werden, und dann sollte es verständlich ausgelegt werden. Zuerst würde dies bedeuten, dass jeder das Gelesene in seiner Sprache verstand. Es gab nach der babylonischen Gefangenschaft viele, die es nicht mehr gewohnt waren, den hebräischen Text zu verstehen. Der Sinn des Textes musste also in erster Linie übersetzt werden. Dennoch können auch heute Diener des Wortes daraus lernen, den Bibeltext so zu studieren, dass die Zuhörer nach einer Predigt nach Hause gehen und nicht sagen: „Ja, und?“, sondern: „Ach so!“

Es ist interessant, dass die letzte Erweckung im Alten Testament in Verbindung steht mit der Aufrichtung der (1) Tore und Mauer und mit der (2) Wiedereinsetzung der Autorität des Wortes Gottes. In der Folge werden wir noch weitere Kennzeichen einer gottgewirkten Erweckung sehen: (3) Buße und Absonderung vom Bösen. Außerdem lesen wir in Kapitel 10 noch die Charaktereigenschaften der (4) Hingabe und Weihung und in Kapitel 12 der (5) Dankbarkeit.

Wie Nehemia leben auch wir in letzten Tagen, so dass wir auf diese Elemente nicht verzichten können, wenn wir die Zustimmung Gottes bekommen wollen.

Freude im Herrn

Neh 8,9-12: Und Nehemia, das ist der Tirsatha, und Esra, der Priester, der Schriftgelehrte, und die Leviten, die das Volk belehrten, sprachen zum ganzen Volk: Dieser Tag ist dem HERRN, eurem Gott, heilig; seid nicht traurig und weint nicht! (Denn das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte.) Und er sprach zu ihnen: Geht hin, esst Fettes und trinkt Süßes und sendet Teile denen, für die nichts zubereitet ist; denn der Tag ist unserem Herrn heilig; und betrübt euch nicht, denn die Freude an dem HERRN ist eure Stärke. Und die Leviten beschwichtigten das ganze Volk, indem sie sprachen: Seid still, denn der Tag ist heilig; und betrübt euch nicht! Und das ganze Volk ging hin, um zu essen und zu trinken und Teile zu senden und ein großes Freudenfest zu begehen. Denn sie hatten die Worte verstanden, die man ihnen kundgetan hatte.

Vielleicht ist manches um uns herum niederschmetternd, und wir empfinden, dass vieles um uns herum in Schutt und Asche liegt. Gibt es dann für uns keine Freude mehr? Der Apostel Paulus schreibt unter schwierigsten Umständen an die Philipper: „Freut euch in dem Herrn allezeit“ (Phil 4,4). Wir können uns zwar nicht immer über unsere Umstände freuen, aber immer im Herrn. Die Umstände des Lebens sind heute so und morgen so, aber der Herr ist „derselbe, gestern, heute und in Ewigkeit“. Der Glaube bringt stets den Herrn zwischen sich und die Umständen; der Unglaube sieht nichts als widrige Umstände, so dass diese zwischen ihm und dem Herrn stehen. Es sind nie die Umstände, die uns glücklich oder unglücklich machen, sondern immer unsere innere Einstellung.

Das Volk las das Wort Gottes; daraufhin waren sie derart erschrocken, dass sie nur weinen konnten, denn sie empfanden tief, wie weit sie sich von diesem Wort entfernt hatten:

Neh 8,9b: Denn das ganze Volk weinte, als es die Worte des Gesetzes hörte.

Wenn sie aber den Herrn zu ihrer Zuflucht machen würden, dann sollte die Freude am Herrn ihre Stärke sein.

Die Zurückgekehrten sollten sich von dem Verfall und Niedergang nicht entmutigen lassen. Unter dem Eindruck von Gottes Wort sollten sie sich freuen und sogar noch an die denken, die noch weniger hatten als sie (Neh 8, 9-12).

Auch Diener brauchen Belehrung

Für den treuen Dienstknecht Gottes ist es nicht nur wichtig, das Wort Gottes deutlich zu lesen und den Sinn anzugeben, sondern es ist auch nötig, dass der Diener selbst einen Ort kennt, an dem er belehrt wird. So finden wir es bei den Leviten in Vers 13:

Neh 8,13: Und am zweiten Tag versammelten sich die Häupter der Väter des ganzen Volkes, die Priester und die Leviten, zu Esra, dem Schriftgelehrten, und zwar um aufmerksam auf die Worte des Gesetzes zu hören.

Gerade noch waren sie es selbst, die das Wort anderen austeilten; hier lesen wir, dass sie selbst auch Empfänger des Wortes sein mussten. Jeder Dienstknecht Gottes braucht die Belehrung von anderen Dienstknechten. Die Gaben wurden „zur Vollendung der Heiligen“ (Eph 4,12) gegeben, und es ist ein großer Verlust, wenn ein Mitarbeiter Gottes davon keinen Gebrauch macht. Selbst vom Herrn Jesus heißt es in Jesaja 51 prophetisch:

  • „Er weckt jeden Morgen, er weckt mir das Ohr, damit ich höre wie solche, die belehrt werden“ (Jes 50,4).

Das Laubhüttenfest

Neh 8,14-18: Und sie fanden im Gesetz geschrieben, dass der HERR durch Mose geboten hatte, dass die Kinder Israel am Fest im siebten Monat in Laubhütten wohnen sollten und dass sie verkündigen und einen Ruf ergehen lassen sollten durch alle ihre Städte und durch Jerusalem und sagen sollten: Geht hinaus auf das Gebirge und holt Zweige vom Olivenbaum und Zweige vom wilden Ölbaum und Myrtenzweige und Palmzweige und Zweige von dicht belaubten Bäumen, um Hütten zu machen, wie geschrieben steht! Und das Volk ging hinaus und holte Zweige herbei; und sie machten sich Hütten, jeder auf seinem Dach und in ihren Höfen und in den Höfen des Hauses Gottes und auf dem Platz am Wassertor und auf dem Platz am Tor Ephraim. Und die ganze Versammlung, die aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, machte Hütten und wohnte in den Hütten. Denn die Kinder Israel hatten nicht so getan seit den Tagen Josuas, des Sohnes Nuns, bis auf jenen Tag. Und es war eine sehr große Freude. Und man las im Buch des Gesetzes Gottes Tag für Tag, vom ersten Tag bis zum letzten Tag. Und sie feierten das Fest sieben Tage lang; und am achten Tag war eine Festversammlung nach der Vorschrift.

Außerdem sollten sie das Laubhüttenfest feiern und zwar „nach der Vorschrift“. Sie sollten zum Gedächtnis an die Wüstenreise in Laubhütten wohnen. Es sollte eine Erinnerung an die große Gnade und Fürsorge Gottes sein, die Gott dem Volk auf ihrer vierzigjährigen Wüstenreise stets erwiesen hatte, aber es sollte auch ein Ausblick sein auf eine zukünftige Zeit, wenn das Volk in Frieden und Harmonie im Land wohnen würden. Das wird erst im 1000-jährigen Reich in Erfüllung gehen. So blickt das Laubhüttenfest zurück, aber es blickt auch nach vorne. Ebenso ist es bei uns mit dem Abendmahl. Wir erinnern uns an das vollbrachte Werk des Herrn Jesus am Kreuz von Golgatha und tun es gleichzeitig, „bis er kommt“ (1Kor 11,26). Der Kelch spricht von dem Blut des neuen Bundes. Dieser neue Bund tritt in Kraft, wenn der Herr Jesus zur Aufrichtung des Reiches wiederkommt. Jedes Mal, wenn wir das Brot und den Kelch umherreichen, dürfen wir daran denken, dass der Herr Jesus auf der Erde zu seinem Recht kommt, das man Ihm bei seinem ersten Kommen verwehrte.

Die Laubhütten sollen daran erinnern, dass wir hier keine bleibende Stätte haben, wir sind letztlich doch nur Fremde auf der Erde. Wenn es schon für die AT-Gläubigen wahr gewesen ist, wie viel mehr für uns, die wir sogar eine himmlische Berufung haben. Unser Bürgertum ist in den Himmeln (Phil 3), und unsere ewige Bestimmung ist im Vaterhaus (Joh 14). Unser Aufenthalt auf der Erde ist so wie in Laubhütten – es gibt hier nichts Beständiges, und wir suchen unser Glück auch nicht in der Welt, sondern sind damit zufrieden, hier lediglich Fremdlinge zu sein.

Manche werden vor der schlichten Art eines solchen Lebens zurückschrecken. Die Welt stellt andere Ansprüche an unser Leben, und wir sind mehr oder weniger dadurch beeinflusst. Leider können auch wir mit der himmlischen Berufung oft nicht mehr viel anfangen. Wir mögen diese Wahrheit zwar in Gedanken festhalten, aber sie hat kaum noch Auswirkungen auf unser Leben. Kennen wir noch etwas von der Freude, die himmlischen Segnungen in Besitz zu nehmen? Können wir wenigstens einige himmlische Segnungen aufzählen?

Für die Juden in Nehemias Tagen, die das Laubhüttenfest wieder neu feierten, war das „eine sehr große Freude“ (Neh 8,17). Und wir können überzeugt sein, dass auch uns eine tiefe Freude überkommt, wenn wir unserer Berufung würdig wandeln.

Wir lesen

Neh 8,18: Und man las im Buch des Gesetzes Gottes Tag für Tag, vom ersten Tag bis zum letzten Tag.

Erforschen wir noch täglich das Wort Gottes? Wie viele vernachlässigen es oder tun es nur als eine bloße Form! Wir fürchten, viele sammeln wenig oder nichts für sich selbst; alles, was sie bekommen, empfangen sie durch andere in den Versammlungen, und das ist ein unersetzlicher Verlust für sie. Natürlich besteht ein großer Segen darin, wenn wir das Wort Gottes in Form einer Predigt oder dergleichen aufnehmen. Aber niemand wird ohne Übung und das persönliche Lesen und Studieren von Gottes Wort in einem wahrhaft gesunden Herzenszustand sein. Wie Israel das Manna Tag für Tag in der Wüste sammeln musste, so auch wir. Es ist etwas Armseliges, nur ein gelegentliches Fest zu feiern: Israel feierte das Fest sieben Tage, und Esra las ihnen jeden Tag vor; und so sollten auch wir jede Woche Tag für Tag „Festfeier halten“ (vgl. 1Kor 5,8).

Letzte Aktualisierung: 03.06.2017

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