Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf (16)
5. Jesus Christus

Botschafter

© SoundWords, online seit: 01.11.2006, aktualisiert: 12.01.2018

Der auf Erden verworfene Jesus hat sich im gegenwärtigen Zeitlauf in den Himmel zurückgezogen, wo Er, sitzend auf dem Throne seines Vaters, das erwartet, was noch zu erfüllen ist, nämlich, dass „seine Feinde zum Schemel seiner Füße gelegt“ und alle Dinge Ihm unterworfen werden. „Wohl sehen wir jetzt den, der ein wenig unter die Engel erniedrigt war, Jesum, mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt; aber wir sehen ihm noch nicht alles unterworfen.“ Letzteres ist das Ergebnis dessen, was uns der Apostel in Hebräer 2,5-9 lehrt.

Der zukünftige Erdkreis, welchen der 8. Psalm beschreibt, muss unter die Füße des Sohnes des Menschen gelegt werden; und dies ist noch nicht geschehen. Im Gegenteil ist die Schöpfung der Eitelkeit unterworfen, unter welcher sie harrt und seufzt. So ist also Jesus noch nicht als Sohn des Menschen oder als zweiter Adam verherrlicht; und Er ist es auch nicht als der Same Abrahams, in welchem alle Völker sollen gesegnet werden und welchem die Gesamtheit der Völker gehören. Wenn auch schon große Völker und mächtige Nationen sich heute nach seinem Namen nennen, so geschieht dies mehr im Geist des Aberglaubens oder der menschlichen Weisheit als im Geiste des Evangeliums.

Die Kinder Israels ihrerseits, ferne davon, Ihn als ihren König und Gott anzuerkennen, lästern noch seinen Namen in ihren Synagogen; und indem sie sich Glück wünschen, ihren Bruder verkauft zu haben, sagen sie immer noch: „Wir wollen sehen, was aus diesen Träumen wird“ (s. 1Mo 37). Wer endlich erkennt Ihn als das Haupt des Leibes, der Versammlung, als den himmlischen Bräutigam der Braut, welche seine Herrlichkeit teilen soll?

Im zukünftigen Zeitlauf wird es anders sein. Wenn Er in seinen Heiligen verherrlicht sein wird und bewundert in allen Glaubenden, dann wird die Welt erkennen, aber zu spät, dass dieser Jesus, welchen sie verworfen hat, eins mit dem Vater, und dass seine Versammlung eins mit Ihm ist – seine Braut, sein Leib. Alsdann wird „er offenbart werden mit den Engeln seiner Macht, in einer Feuerflamme, um denen Vergeltung zu geben, die Gott nicht kennen, und denen, die nicht dem Evangelium unseres Herrn Jesu Christi gehorchen.“ Alle seine Feinde werden vor Ihm umgebracht. Die Übrigen Israels, welche im Schoß dieser Herrlichkeit den Bruder erkennen, welchen sie den Fremden verkauft haben, werden Ihn aufnehmen mit Tränen der Reue und der Freude, unter dem Zuruf: „Hosianna! Gelobet sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ „Der Herr Gott wird ihm den Thron seines Vaters Davids geben; und er wird über das Haus Jakobs in die Zeitalter herrschen, und seines Reiches wird kein Ende sein“ (Lk 1,32.33). „Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, dass ich dem David einen gerechten Spross erwecken will; und soll ein König regieren, der es weislich ausführen wird und Recht und Gerechtigkeit anrichten auf Erden. Zu derselbigen Zeit soll Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. Und dies ist sein Name, dabei man ihn nennen wird: Herr, der unsere Gerechtigkeit ist!“ (Jer 23,5.6).

Als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab und über sie weinte, da entstand ein großes Aufsehen im Hause des Pharao; was aber wird es erst in der Welt sein, wenn der himmlische Joseph sich den Kindern Israels zu erkennen gibt und diese Den anschauen, in welchen sie gestochen haben, und über Ihn Leid tragen, wie man über einen einzigen Sohn Leid trägt. Dann „werden gedenken und sich zum Herrn bekehren aller Welt Enden, und vor dir anbeten alle Geschlechter der Völker“ (Ps 22,27-30). Während Jesus im gegenwärtigen Zeitlauf sagt: „Nun aber ist mein Reich nicht von hier“ (Joh 18,36), so werden dagegen dann die großen Stimmen vom Himmel sich erfüllen, welche sagen: „Das Reich der Welt ist unseres Herrn und seines Christus geworden, und er wird in die Zeitalter der Zeitalter herrschen“ (Off 11,15). Dann wird Ihm die Schöpfung selbst unterworfen sein: „Schafe und Ochsen allzumal, dazu auch die wilden Tiere; die Vögel des Himmels und die Fische des Meeres und was in den Straßen der Meere geht.“ Dann wird man diesem verherrlichten Menschensohn sagen: „Herr, unser Herrscher, wie herrlich ist dein Name in allen Landen“ (Ps 8). Dies ist die Verwaltung der Fülle der Zeiten, in welchen Gott „alle Dinge, die in den Himmeln und die auf der Erde, unter ein Haupt in dem Christus zusammenbringt“ (Eph 1,10). Es wird dann unser Heiland, der in seiner Niedrigkeit für uns mit Dornen gekrönt wurde, alle Kronen tragen, welche Ihm als König Israels und der Nationen und der Welt gehören. Dann wird Er, nachdem Er mit seinem eisernen Zepter seine Feinde zerschmettert hat, anstatt des Rohrs, des Symbols der Schwachheit, welches Er für uns annahm, sein goldenes Zepter, das Pfand der Gnade und der Segnung, über die ganze Schöpfung ausstrecken. Dann wird Er nicht mehr mit spöttischer Verehrung umgeben sein, wie Er es im Hofe des Pilatus war, und wie Er es jetzt noch so oft in der Christenheit ist, welche sich nach seinem Namen nennt; sondern weil Er gehorsam war bis zum Tod am Kreuz, wird Er einen Namen über alle Namen haben, damit vor seinem Namen sich jedes Knie der Himmlischen und Irdischen und Unterirdischen beuge (Phil 2,5-10). Und wir, elende Sünder von Natur, die wir durch seine Gnade zu Königen und Priestern gemacht sind, werden unsere Kronen zu seinen Füßen niederlegen und werden Ihn ewig loben, dass Er uns durch sein Blut Gott erkauft hat aus allen Nationen, Stämmen, Völkern und Sprachen.

Man könnte sagen: Wenn Jesus zu jener Zeit mit seiner Versammlung im Himmel ist, wie kann Er dann zu Jerusalem auf dem Throne Davids regieren? Wenn aber irdische Herrscher mehrere Residenzen in den verschiedenen Provinzen ihres Reiches gehabt haben, warum sollte dies nicht auch im Reiche des großen Königs der Fall sein können (Ps 95,3)? Da es in diesem Reiche einen Bräutigam gibt, der König ist, eine himmlische und eine irdische Braut, Freunde des Bräutigams, Diener und Untertanen; so gibt es auch himmlische und irdische Wohnplätze. Und wenn der auferstandene Jesus, obgleich Er noch auf Erden war, bei verschlossenen Türen plötzlich in die Mitte seiner Jünger treten konnte, was wird es erst sein, wenn die Zeit seines Reiches gekommen ist und Er in Herrlichkeit offenbart sein wird? Lasst uns auch daran denken, dass die Himmel dann geöffnet sein werden und zwischen Himmel und Erde eine glückliche Verbindung hergestellt sein wird. Dies stellt uns auch schon die Himmelsleiter vor, deren Fuß die Erde und deren Spitze den Himmel berührte und auf deren Sprossen Jakob die Engel Gottes auf- und niedersteigen sah (1Mo 28). „Von nun an“, sagte Jesus den wahren Israeliten, welche gleich dem Nathanael Ihn als Sohn Gottes, den König Israels, erkennen werden, „von nun an werdet ihr den Himmel geöffnet sehen und die Engel Gottes auf den Sohn des Menschen auf- und niederfahren“ (Joh 1,52). Die Himmel werden also über der Erde geöffnet sein, und wer kann alle die herrlichen Geheimnisse dieses Ausspruches und alle die verschiedenen Herrlichkeiten nennen, welche auf diesen verschiedenen Stufen Platz finden werden, von der sich dann im Himmel befindlichen Versammlung an bis zu dem irdischen Israel, welches die Plätze seiner irdischen Stadt einnehmen wird? Und wer ist, der den Herrn Jesus und seine Herrlichkeit liebt, die Leiden dieser Schöpfung mitfühlt und sich nicht freut beim Gedanken an diese herrlichen und gesegneten Zeiten der Zukunft?

Es ist wahr, dass sogar der zukünftige Zeitlauf durch eine Empörung des Menschen und mit einem Gericht Gottes auf der Erde endigt; und in dieser Beziehung gleicht er dem gegenwärtigen Zeitlauf, anstatt einen Gegensatz zu demselben zu bilden. Seit der Erschaffung dieser Welt hat die Sünde des Menschen immer das Werk Gottes verdorben und hat Ihn genötigt, auf anderen Grundlagen immer wieder neue Schätze der Weisheit und Liebe zu offenbaren. So geschah es in Eden und in der alten Welt; ebenso in Israel, welches durch seine Verstockung die Absichten Gottes in Betreff seiner, wenigstens für einige Zeit, zunichtegemacht hat; sogar die Versammlung verherrlicht den Herrn nicht ihrer Berufung gemäß; und so wird es auch am Ende des künftigen Zeitlaufes sein, wenn der Mensch, nachdem er ein Zeuge der Herrlichkeit des Herrn war, nochmals durch die Loslassung Satans auf die Probe gestellt wird. Die Nationen, welche an den vier Ecken der Erde sind, der Gog und Magog, ohne Zweifel eifersüchtig auf die Herrlichkeit Israels, werden heraufkommen und das Heerlager der Heiligen und die werte Stadt umgeben; aber Gott wird Feuer vom Himmel fallen lassen, welches sie verzehrt (Off 20,7-9); vielleicht dasselbe Feuer, welches auch Himmel und Erde verzehren wird. Der Teufel wird dann nicht nur gebunden werden, sondern in den See des Feuers und des Schwefels geworfen, wo das Tier und der falsche Prophet sind. Ein großer weißer Thron wird aufgerichtet, und es setzt sich jemand darauf, vor dessen Angesicht Erde und Himmel entflieht. Dann erscheinen die Toten, Geringe und Große, vor Gott, um nach ihren Werken gerichtet zu werden. „Und wenn jemand nicht im Buche des Lebens geschrieben gefunden ward, so ward er in den See des Feuers geworfen“, wohin auch der Tod und der Hades geworfen werden (Off 20,11-15). Dies ist das Ende des zukünftigen Zeitlaufes; und zu gleicher Zeit das Ende der Welt, das heißt der gegenwärtigen Wohnung des Menschen. Es ist der Augenblick, wo der Herr Jesus, nachdem Er sein Werk als Vermittler vollendet hat, das Reich Gott, seinem Vater, überliefern und Gott in den neuen Himmeln und auf einer neuen Erde, wo die Gerechtigkeit wohnt, alles in allem sein wird (1Kor 15,28; 2Pet 3). Der Apostel spricht in diesen Stellen vom „Tag Gottes“ oder vom „Tag des Herrn“ als von dem Augenblick, wo Himmel und Erde vergehen; weil dieser Tag nichts anderes ist, als der zukünftige Zeitlauf selbst, wie es auch diese Worte andeuten: „Ein Tag ist vor dem Herrn wie tausend Jahre, und tausend Jahre wie ein Tag.“

Der zukünftige Zeitlauf ist in der Tat der Tag Gottes, an welchem die Erde von der Erkenntnis seiner Herrlichkeit erfüllt sein wird, im Gegensatz zu dem jetzigen Zeitlauf, wo die Völker für das Feuer arbeiten und müde werden für nichts, und wo die ganze Schöpfung in Wehe seufzt (Hab 2,13.14; Röm 8,19-22). Es ist der Tag des Gerichts und der Zerstörung der gottlosen Menschen; denn der Herr ist an demselbigen geoffenbart als Derjenige, welcher recht richtet und streitet (Jes 11,1-5; Off 19,11; Jud 15).

Zur Zeit der Dämmerung dieses Tages wird die dann auferstandene und verwandelte Versammlung entrückt, wie auch ihr Haupt früh am Morgen, als es noch finster war, auferstand (Mk 16,2; Joh 20,1).

Am Morgen kommt der Herr wieder mit seinen Heiligen. Er ist die Sonne der Gerechtigkeit, welche die Gottlosen verzehrt und den Elenden Heilung bringt (Mal 4,2; Sach 14,6 usw.). Am Ende des Tages vergehen Himmel und Erde. – Wenn man fragen würde: Warum sich so viel mit dem zukünftigen Zeitlauf beschäftigen, der zuletzt doch nur der Vorhof der Ewigkeit ist?, so würden wir antworten: Weil sich das Wort Gottes so viel damit beschäftigt. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass auf dreißig Seiten, welche uns vom zukünftigen Zeitlauf sprechen, das Wort kaum eine Seite über die eigentliche Ewigkeit enthält. Es wird uns oft, aber ohne Einzelheiten, vom ewigen Leben, vom unverwelklichen Erbe, das nicht befleckbar ist und das uns im Himmel aufbewahrt wird, gesprochen. Es ist uns gesagt, dass „wenn alle Dinge dem Sohne unterworfen sein werden, dann auch der Sohn selbst dem unterworfen sein wird, der ihm alle Dinge unterworfen hat, damit Gott alles in allem sei“ (1Kor 15,28). Es wird uns von neuen Himmeln und einer neuen Erde, in welchen die Gerechtigkeit wohnt, gesprochen, wo Gott seine Wohnung bei den Menschen aufrichten und alle Tränen von ihren Augen abwischen wird, wo der Tod nicht mehr sein wird, wo es kein Leid, kein Geschrei, keine Mühe mehr geben wird, weil die ersten Dinge vergangen sind und alles neu geworden ist (2Pet 3; Off 21,1-8). Wenn der übrige Teil des Kapitels und die ersten Verse des folgenden sich nicht auf den zukünftigen Zeitlauf beziehen, sondern auf die darauf folgende Ewigkeit, so sind dies gerade die ausführlichsten Belehrungen, welche das Wort über diesen Gegenstand enthält; aber was ist dies im Vergleich mit den zahlreichen Gemälden, welche es uns vom zukünftigen Zeitlauf darstellt? Was können wir aber Besseres tun, als uns vom Worte leiten lassen, indem wir jeder Sache den Platz einräumen, welchen dasselbe ihr anweist? Wenn man von dem sprechen will, wovon das Wort nicht spricht, so übergibt man sich müßigen und eitlen Spekulationen; denn jede Forschung, welche nicht das Wort zur Grundlage hat, besonders noch, wenn es sich um die Zukunft handelt, verdient nur diesen Namen; aber „die Offenbarungen Gottes sind unser und unserer Kinder ewiglich“ (5Mo 29,29).

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Originaltitel: „Der gegenwärtige und der zukünftige Zeitlauf“
aus Botschafter des Heils in Christo, 1857, S. 181–186
aus dem Französischen übersetzt
von der Redaktion sprachlich leicht angepasst


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