In welche Gemeinde soll ich gehen? (4)
Beantwortung von Spezialfragen

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Alle verwandt und nur ganz wenige Geschwister

Da sagt einer: Ja, die einzige Gemeinde, die ich dazu gefunden habe, das sind so wenige, und die sind auch noch alle miteinander verwandt. Es fällt mir echt schwer, dort hinzugehen.

Vielleicht ist diese Situation darauf zurückzuführen, dass man seit Jahrzehnten Evangelisation völlig vernachlässigt hat und mit sich selbst ganz zufrieden ist. Dann ist dort sicher ein Aufwachen nötig. Aber wir kennen auch selbst Fälle, wo sich die Situation trotz fleißiger evangelistischer Anstrengungen nicht geändert hat.

Versetze dich einmal ein paar Tausend Jahre zurück. Noah geht mit seinen Verwandten in die Arche. Es sind nur acht Leute. Wärst du auch draußen geblieben? In der Arche waren ebenfalls alle miteinander verwandt! Wenn wir daran denken, dass es die Versammlung des Herrn ist und nicht unsere, dann wird es uns nicht mehr stören, dass es nur wenige sind, und wir werden uns im Gegenteil freuen zu sehen, dass es der Wunsch des Herrn ist, ganze Hausgemeinschaften und nicht nur Einzelpersonen auf seiner Seite zu haben.

Natürlich ist es insbesondere für junge Leute nicht einfach, in eine solch kleine Gemeinde zu gehen, da sie engere Kontakte zu Glaubensgeschwistern in vielen Fällen nur über die Gemeinde finden können. Wenn man dann in eine Gemeinde kommt, wo man hinsichtlich sozialer Kontakte keine guten Chancen hat (weil die anderen durch ihre Verwandtschaftsbeziehung stark auf sich selbst fixiert sind) oder aber in der gleichen Altersgruppe gar keine Geschwister da sind, wird es oft eine große Prüfung, sich mit solchen Geschwistern zu versammeln, insbesondere wenn man auch noch zusätzlich auf der Suche nach einem Ehepartner ist. So haben wir schon etliche angetroffen, die sich eine Zeitlang mit bestimmten Geschwistern versammelt haben; als jedoch dann klar war, dass dort kein Ehepartner zu bekommen war, sind sie weitergezogen. So verständlich das einerseits ist, so falsch ist es, aus derart irdischen Gründen den Weg nach der Schrift aufzugeben.

Schlechter Gesang

Andere haben ein besonderes musikalisches Empfinden. Doch in der Gemeinde singen alle sehr schlecht, und dann auch noch uralte Lieder. Das kann sicher eine beständige Störung für dein Ohr bedeuten. Aber wenn wir wieder daran denken, dass es seine Gemeinde ist, dann können wir uns doch mitfreuen, dass der Herr sich auch bei schlechten Stimmen über das freut, was aus dem Herzen zu Ihm aufsteigt. Und bei den Liedern fragen wir nicht zunächst nach dem Alter noch nach der Ausdrucksweise, sondern nach dem Inhalt.

Andererseits kann man sich auch hier fragen, warum der Gesang so schlecht ist. Sind wirklich die Stimmen so schlecht oder hat man eigentlich gar nicht viel für die Lieder übrig, die man singt, und ist deshalb der Gesang kraftlos? Und wenn keine neuen Lieder gesungen werden, stellt sich genauso die Frage: Werden neue Lieder wirklich mit biblischen Argumenten abgelehnt, oder ist es nur zu anstrengend, mal ein neues Lied einzuüben?[1]

Falsche Gemeindegrundsätze

Es könnte gesagt werden: Die Geschwistergruppe, die ich jetzt gefunden habe, erfüllt zwar die von euch genannten Minimalvoraussetzungen, aber ihre Gemeindegrundsätze entsprechen nicht den von euch oben in den Briefen gefundenen Kriterien. Wie soll ich mich da verhalten?

Ja, es gibt sicher Gemeinden, die sich wohl vom fundamental Bösem fernhalten, aber dennoch Ungerechtigkeit (Dinge, die der offenbarten Wahrheit widersprechen) in ihrer Gemeindepraxis dulden, indem sie zum Beispiel einen angestellten Pastor haben, sich ihre eigenen Ältesten per Stimmzettel wählen oder den Dienst von Frauen in den Gemeindezusammenkünften dulden. Man muss hier sicherlich zunächst abwarten, ob sich solch ein Verhalten auf mangelndes Bewusstsein bzw. mangelndes Verständnis des Wortes Gottes zurückführen lässt, dem man mit liebevoller Belehrung begegnen kann, oder ob es sich um einen bewussten Pragmatismus handelt, der mit Gleichgültigkeit gegenüber den biblischen Texten in Verbindung steht. Im ersteren Fall kann man solch ein Verhalten sicher eine Zeit tragen. Im letzteren Fall würde man an der Gleichgültigkeit teilhaben, wenn man mit solchen Geschwistern einen gemeinsamen gemeindlichen Weg geht.

Sektiererisches Verhalten

Vielleicht sagt jetzt jemand: Das ist alles ganz gut und schön, ich bin auch bisher in eine solche Gemeinde gegangen, wo man sich bemühte, den vorgestellten Kriterien zu entsprechen. Doch jetzt bin ich umgezogen und finde keine Gemeinde, wo man dieselben Überzeugungen hat. Zwar habe ich endlich eine solche Gemeinde gefunden, wo es keine Verbindung mit Bösem gibt, ich kann auch keine groben falschen Praktiken entdecken, aber man hat mir gesagt, dass über die Gemeinde, in die ich an meinem früheren Wohnort gegangen bin, ein Brief vorliegt, der besage, dass man keine Gemeinschaft am Brotbrechen pflegen könne. Als ich fragte, welches Böse denn dort vorhanden wäre, konnte man mir nur sagen, dass es andere Briefe über andere Gemeinden gäbe, die man dort nicht anerkennen würde. Ich müsse also erst mit dieser Gemeinde brechen, bevor ich mit ihnen am Abendmahl teilnehmen könne. Jetzt weiß ich nicht, was ich machen soll. Soll ich meiner alten Gemeinde gegen mein Gewissen„abschwören“, oder soll ich zu der neuen Gemeinde hingehen, ohne das Mahl des Herrn dort zu feiern? Oder soll ich etwas anderes suchen? Oder muss ich, wenn ich nichts anderes finde, dann auf eine Gemeinde verzichten?

Das ist eine schwierige Frage. Wir haben selbst solche Fälle mitverfolgt, und leider kommt es nicht selten vor, dass man solche Gemeinden findet, die nicht nur die oben genannten vier Kriterien haben. Sie haben noch ein nicht so offen genanntes fünftes Kriterium: nämlich, dass man auch einen Stapel Briefe anerkennen muss, den sie in einem Ordner haben. Solche Gemeinden wollen oft gerade in Bezug auf Gemeinschaft mit Bösem besonders vorsichtig sein. Das ist zwar eine anerkennenswerte Gesinnung, und doch fördern sie damit gerade das, was sie vermeiden wollen. Sie lehnen die Gemeinschaft mit Geschwistern ab, die genauso wie sie die Verbindung mit Bösem ablehnen. Die Folge davon ist oft, dass sie diese Geschwister auf der Suche nach einer anderen geistlichen Heimat gerade in die Arme von solchen treiben, die es damit nicht so genau nehmen. Die Frage, was hier zu tun ist, ist sicher nicht leicht zu beantworten. Und wir möchten uns auch enthalten, hier Vorschriften zu machen. Hier ist das persönliche Gewissen gefragt, wie stark man das sektiererische Verhalten bewertet und wie es mit dem Gewissen aussieht. Da gilt es dann auch noch, das Schriftwort „Alles, was nicht aus Glauben geschieht, ist Sünde“ zu beachten. Nur eins sollte jedenfalls ausgeschlossen sein: dass man in eine Gemeinde geht, wo die oben genannten Minimalanforderungen nicht beachtet werden, obwohl es auch hier Situationen geben kann, wo große Unwissenheit vorherrschend ist und man durch geduldige Gespräche ein Umdenken anstoßen kann.

Schlusswort

Wenn Paulus von den letzten Tagen der Christenheit redet, dann sagt er, dass es „schwere Zeiten“ sein werden (vgl. 2Tim 3,1). Obwohl wir heute nicht durch Zeiten schwerer Verfolgung gehen, haben die Zeilen dieses Artikels gezeigt, dass auch unsere Zeiten wirklich schwer sind. Doppelt schwer wird es vor allem für junge Geschwister, weil diese Fragen oft in eine Zeit fallen, wo sie noch mit schweren Fragen von Berufswahl, Arbeitsplatzsuche, Partnerwahl und Wohnungssuche zu kämpfen haben. Doch bevor Paulus von den „schweren Zeiten“ spricht, ermutigt er seinen jungen Mitarbeiter, und mit diesen Worten möchten wir jetzt enden: „Du nun, mein Kind, sei stark in der Gnade, die in Christus Jesus ist“ (2Tim 2,1).

Vorheriger Teil

 

Anmerkungen

[1] Man kann schnell feststellen, ob es lediglich Schwachheit oder aber Gleichgültigkeit und Kraftlosigkeit ist, wenn man die Reaktion auf den Vorschlag beobachtet, regelmäßig zehn Minuten nach den Stunden zurückzubleiben, um einige Lieder unter Anleitung einzuüben. Erntet man auf diesen Vorschlag hin nur stöhnende Kommentare, scheint es sich um eine eher eingeschlafene Gemeinde zu handeln. Eine erweckte Gemeinde würde sich freuen, den Lobgesang für Gott auf ein normales Level anzuheben.

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Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...