In welche Gemeinde soll ich gehen? (2)
Streifzug durch das Neue Testament

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Die Evangelien

Wir begegnen der Gemeinde zum ersten Mal in Kapitel 16 des Matthäusevangeliums: „Auf diesen Felsen werde ich meine Versammlung bauen“ (Mt 16,18), und dort werden uns gleich die vier wichtigsten Elemente der Gemeinde mitgeteilt:

  1. Die Grundlage der Gemeinde ist der Sohn des lebendigen Gottes – kein Petrus, kein Bibellehrer, kein Glaubensbekenntnis („auf diesen Felsen“).
  2. Es gibt nur eine Gemeinde; diese Gemeinde ist also weltweit („Versammlung“ [Einzahl], nicht „Versammlungen“ [Mehrzahl]).
  3. Es ist seine Gemeinde, nicht unsere; deshalb hat Er das Sagen, nicht wir („meine Versammlung“).
  4. Die Gemeinde war damals noch zukünftig, existierte also noch nicht, als der Herr Jesus auf der Erde war, das heißt, sie ist eine ganz neue Sache („werde ich … bauen“).

Zwei Kapitel weiter verspricht der Herr Jesus seinen Jüngern: „Wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich in ihrer Mitte“ (Mt 18,20). Er würde also persönlich gegenwärtig sein („da bin ich“), wenn sich Gläubige in seinem Namen versammeln. Hier finden wir einen ersten Hinweis darauf, was eine Gemeinde kennzeichnen muss: Alles muss in seinem Namen geschehen; mit anderen Worten, Er muss alle Rechte dort haben. Außerdem muss Er das Zentrum und die Mitte des Zusammenkommens sein. Um Ihn muss sich einfach alles drehen. Wir kommen nicht zu der Predigt eines begabten Predigers zusammen. Christus muss der einzige Mittelpunkt, der einzige Anziehungspunkt sein, unabhängig von den Gaben, die der Herr geschenkt hat. Eine Gemeinde sucht man sich, wie gesagt, nicht deshalb aus, weil es dort so viele junge Leute oder viele Familien mit kleinen Kindern gibt oder weil einem dort die Worship-Musik am besten gefällt. Die wichtigste Frage, die man sich stellen muss, ist: Steht dort der Herr Jesus wirklich im Mittelpunkt? Hat Er dort das Sagen oder haben Menschen bereits alles im Vorfeld festgelegt?

Außerdem finden wir in Matthäus 18 eine Antwort auf die Frage, bei wem die letzte Autorität liegt, wenn es um die Behandlung von Bösem geht: Sie liegt bei der Gemeinde, weil der Herr seine Gegenwart mit der Gemeinde verbindet. Die Gemeinde hat Autorität nicht in sich selbst, vielmehr leitet sich ihre Autorität von dem in ihrer Mitte weilenden Herrn ab.

Noch vor der Geburtsstunde der Gemeinde wies der Herr Jesus also auf diese fundamentalen Dinge hin. Dann ging Er den schweren Weg nach Golgatha, wo Er sich für uns kreuzigen ließ. Ja, wir können mit dem Apostel Paulus sagen: „Er hat mich geliebt und sich selbst für mich hingegeben“ (Gal 2,20b). Das ist ganz persönlich! Doch es gibt auch die kollektive Seite: „Der Christus hat die Versammlung geliebt und sich selbst für sie hingegeben“ (Eph 5,25b). Der Herr Jesus ist also nicht nur für den einzelnen Gläubigen gestorben, um ihn zu besitzen, sondern auch für die Gemeinde, um sie für sich zu erwerben.

Der Tod des Herrn Jesus war nötig, damit Er sich die Gemeinde erwerben konnte. Er hat einen sehr hohen Preis dafür bezahlt (vgl. 1Pet 1,18.19). Von diesem Preis ist in zwei Gleichnissen die Rede. Dort bezeichnet Er die Gemeinde als einen Schatz und als eine sehr kostbare Perle (Mt 13,44-46). Der Wert der Gemeinde zeigt dann auch gleichzeitig, was sie Ihm bedeutet und wie wichtig sie Ihm ist. Das, wofür ich bereit bin, am meisten zu zahlen, ist mir offenbar besonders wichtig. So ist es auch bei dem Herrn: Es gibt auf der Erde wohl nichts, was für Ihn wertvoller ist als seine Gemeinde.

Wir wollen diesen Punkt tief in unser Herz fassen; das wird uns davor bewahren, von der Gemeinde gering zu denken und zu meinen, wir kämen gänzlich ohne eine örtliche Gemeinde aus. Im Gegenteil, wir werden uns aufmachen und fragen, was das Wort Gottes über das Thema Gemeinde zu sagen hat. Die Gemeinde ist das Hauptinteresse des Herrn auf der Erde. Wenn Er auf die Erde blickt, was sieht Er dann? Er sieht eine Masse von Menschen, die nicht nach Ihm fragen, die Ihn ablehnen und auch heute noch in die Worte einstimmen würden: „Kreuzige ihn!“ Dann wiederum sieht Er die Masse der Gleichgültigen, die unbeeindruckt sind davon, was vor nahezu zweitausend Jahren am Kreuz von Golgatha geschah. Doch Er sieht auch solche, die Ihn lieben, die nach Ihm fragen, die sich gern an Ihn erinnern und die nur einen Wunsch haben: dass Er in ihre Mitte kommt. Es sind solche, die seine Verwerfung gern mit Ihm teilen möchten. Sie sind wie Abigail, die die Braut des Königs David in einer Zeit wurde, als David als König nicht anerkannt war. Sie sah in dem verworfenen König David den wahren König Israels. Auf diese Gesellschaft, die der Herr „seine Gemeinde“ (Mt 16,18) nennt, ist heute all sein Augenmerk gerichtet. Er ist dort als der Sohn über „sein Haus“ (Heb 3,6), und wer dort zu Ihm kommt, will sich seinen Hausrechten gern unterordnen.

Die Apostelgeschichte

Der Herr Jesus hatte verheißen, dass Er seine Gemeinde bauen würde. Durch seinen Tod hat Er die Grundlage für diesen Bau gelegt. Die Geburtsstunde der Gemeinde war sein Tod am Kreuz jedoch noch nicht. Zuerst musste noch der Heilige Geist auf die Erde kommen und Wohnung in den Gläubigen nehmen (vgl. 1Kor 3,16). Durch diese Taufe mit dem Heiligen Geist wurden Gläubige aus Israel und den Nationen zu einem Leib zusammengefügt. Dies geschah zu Pfingsten, der Geburtsstunde der Gemeinde. Vorher waren sie individuelle Gläubige, aber nun gehörten sie zu einem lebendigen Organismus: zu dem Leib Jesu Christi. Diese Wahrheit teilt uns der erste Korintherbrief mit: „In einem Geist sind wir alle zu einem Leib getauft worden, es seien Juden oder Griechen, es seien Sklaven oder Freie, und sind alle mit einem Geist getränkt worden“ (1Kor 12,13). Dass wir „zu einem Leib getauft worden“ sind, hat nichts mit der Wassertaufe zu tun. So wie die Gläubigen sonst mit Wasser getauft wurde, so wurden sie durch das Herabkommen des Heiligen Geistes zu Pfingsten mit dem Geist getauft. Der Geist kam – so wie das Wasser bei der Taufe – über den Gläubigen, aber der Geist kam auch in ihn hinein – er wurde mit dem Heiligen Geist versiegelt. Deshalb heißt es hier zusätzlich, dass wir „mit einem Geist getränkt worden sind“.

Wir fassen kurz zusammen: Der Herr Jesus sprach davon, dass Er seine Gemeinde bauen würde. Er selbst würde gegenwärtig sein, wenn sie sich zu seinem Namen hin versammeln würden. Dann legte der Herr Jesus auf Golgatha die Grundlage für diesen einzigartigen Gemeindebau, und durch das Herabsenden des Heiligen Geistes zu Pfingsten begann dieser Bau.

Die Gläubigen verstanden sofort, dass sie zusammenkommen sollten, um ihren Glauben miteinander zu teilen. Obwohl sie damals noch nicht wussten, dass die gerade entstandene Gemeinde der Leib Christi war (das wurde erst später durch den Apostel Paulus bekannt), begriffen sie unwillkürlich, dass sie ein lebendiger Organismus waren. Sie empfanden tief, dass sie zusammengehörten und dass sie dies auch zum Ausdruck bringen sollten. Dass sie sich versammelten, war die unmittelbare Folge dieser Empfindungen. Von den ersten Christen, die noch keinen Satz christlicher Lehre vernommen hatten, da die neutestamentlichen Briefe noch nicht geschrieben waren, lesen wir: „Sie verharrten aber in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft, im Brechen des Brotes und in den Gebeten“ (Apg 2,42). Neben den bereits oben genannten Kriterien (Punkte 1–3 unter der Überschrift „Die Evangelien“) ist eine christliche Gemeinde von diesen vier Elementen gekennzeichnet:

  • die biblische Lehre der Apostel, die wir in ihren Briefen finden
  • Gemeinschaft der Gläubigen
  • Brotbrechen
  • gemeinsame Gebetszeiten

Eine Gemeinde braucht also nicht zwingend eine Jungschar, eine Sonntagsschule, einen Männer- oder Frauentreff und ein Seniorenfrühstück. All das ist natürlich nicht verkehrt, aber bei der Auswahl einer Gemeinde dürfen diese Dinge nur eine untergeordnete Rolle spielen. Diese Treffs und Stunden können sich sogar so auswirken, dass die Gemeinde in Grüppchen unterteilt wird und dass dadurch der praktischen Einheit und Einmütigkeit der Geschwister entgegengewirkt wird. Deshalb ist es gut, wenn man in diesen Gruppen immer das Verbindende mit der ganzen Gemeinde sucht. So könnten Kinder in den Kinderstunden beispielsweise etwas einüben, was zur Freude der alten Geschwister ist.

Die frühe Gemeinde kam also regelmäßig zusammen. Dass sie zu einem Leib zusammengetauft worden waren, musste nun auch praktisch zum Ausdruck kommen. Wenn wir die Apostelgeschichte lesen, werden wir feststellen, dass es eines der größten Anliegen des Apostels Paulus war, den Gemeindebau weiterzuführen. Überall in Kleinasien bis hin nach Europa entstanden Gemeinden. An jedem Ort gab es immer nur eine Gemeinde. Immer wenn jemand zum Glauben kam und mit dem Heiligen Geist versiegelt wurde, gehörte er zu der jeweiligen Gemeinde am Ort. Das ist heute nicht anders. Die Frage ist heute jedoch nicht allein, zu welcher Ortsgemeinde jemand gehört, sondern an welchem konkreten Platz die Gläubigen sich versammeln. Dieses Versammeln muss in dem Bewusstsein geschehen, dass es nur diese eine Gemeinde am Ort gibt und dass man sich nach den Anweisungen Gottes versammelt.

Die Briefe

Um diese Anweisungen kennenzulernen, wollen wir unseren Streifzug jetzt mit den Briefen des Neuen Testamentes fortsetzen, um Hinweise aufzulesen, die uns Merkmale einer neutestamentlichen Gemeinde zeigen. Es ist hierbei nicht so wichtig, diese Punkte einfach nur aufzusammeln oder gar eine Liste zum Abhaken daraus zu erstellen, sondern sich diese Punkte vielmehr wirklich zu eigen zu machen. Wir haben bewusst darauf verzichtet, Bibelstellen anzugeben. Du musst diese Punkte unbedingt in deinem Herzen verstehen – am besten so, dass du sie auch anderen erklären könntest. Dazu ist es nötig, die Bibel selbst zu studieren und das Verhalten der Beröer zu zeigen, die „täglich die Schriften untersuchten, ob dies sich so verhielte“ (Apg 17,11).

Wir haben oben etwas davon gesehen, was wir in den Evangelien zum Thema Gemeinde finden und wie der Herr Jesus über die Gemeinde gesprochen hat. Dann haben wir in der Apostelgeschichte kurz die Geburtsstunde der Gemeinde und deren Ausbreitung angeschaut. Nun wollen wir uns der Reihe nach mit den neutestamentlichen Briefen beschäftigen. Viele Briefe wurden an Gemeinden gerichtet. Sie dienten in der Regel dazu, Missstände aufzudecken und mit apostolischer Autorität zu beheben.

Der Römerbrief

Nach der Apostelgeschichte kommen wir nun zum Römerbrief. Die Gemeinde in Rom – und wir mit ihnen – hatte es nötig, in die Tiefen des Evangeliums unterwiesen zu werden. Eine christliche Gemeinde kann nicht leben und sich gesund entwickeln, wenn sie nur eine verschwommene Vorstellung vom Ausmaß des Evangeliums hat. Der Apostel Paulus macht den Römern zuerst klar, wie verdorben und hoffnungslos verloren der Mensch ist. Eine Gemeinde, in der die völlige Verdorbenheit des natürlichen Menschen nicht anerkannt wird, hat nicht einmal die Grundvoraussetzung erfüllt, um sich Gemeinde Gottes in X nennen zu dürfen.

Der natürliche Mensch kann vor einem gerechten Gott nicht bestehen. Der Apostel macht klar, dass die Gerechtigkeit vor Gott niemals aus unseren eigenen Werken kommen kann, sondern dass wir einzig und allein durch Glauben an das vollbrachte Werk des Herrn gerettet werden. Eine Gemeinde, die in diesem Punkt nicht klar steht, ist, wie gesagt, keine Gemeinde im neutestamentlichen Sinn.

Im letzten Kapitel finden wir noch einige sehr wichtige praktische Hinweise für jeden, der eine Gemeinde sucht, zum Beispiel, dass nicht die Gemeinde dem Gläubigen dienen soll, sondern umgekehrt der Gläubige der Gemeinde. Viele Gläubige suchen ja eine Gemeinde, die ihnen und ihren Bedürfnissen dient oder wenigstens denen ihrer Kinder. In diesem Kapitel des Römerbriefes erwähnt Paulus jedoch nur Gläubige, die sich gerade dadurch auszeichneten, dass sie der Gemeinde dienten.

Der erste Korintherbrief

Nach dem Römerbrief finden wir die zwei Korintherbriefe. Sie wurden unmittelbar an die Gemeinde in Korinth adressiert, nicht an eine Einzelperson. Aus diesen Briefen können wir sehr viel für unser Gemeindeleben lernen. In den ersten zwei Versen lesen wir: „Paulus, berufener Apostel Christi Jesu durch Gottes Willen, und Sosthenes, der Bruder, der Versammlung Gottes, die in Korinth ist, den Geheiligten in Christus Jesus, den berufenen Heiligen, samt allen, die an jedem Ort den Namen unseres Herrn Jesus Christus anrufen, ihres und unseres Herrn“ (1Kor 1,1.2). Der Brief ist also nicht nur für die Korinther geschrieben worden, sondern auch für uns! Das ist sehr interessant, denn heute möchte man viele Lehren aus diesem Brief gern als zeitbedingt und damit als überholt abtun.

Korinth war eine Handelsstadt mit einem großen Hafen. In der Stadt lebten Menschen aus vielen Ländern oder waren dort zu Gast. Es gab viel Unmoral, die als völlig normal angesehen wurde. Der Apostel musste sehr viele Dinge in dieser Gemeinde korrigieren. Wenn sie eine lebendige Gemeinde zur Ehre des Herrn bleiben (bzw. wieder werden) wollten, dann mussten bestimmte Dinge in Ordnung gebracht werden. Aus dem ersten Korintherbrief können wir folgende Grundsätze für eine christliche Gemeinde ableiten:

  • Es sollen keine Spaltungen oder Parteiungen geduldet werden, indem ein Bibellehrer über einen anderen gestellt wird.
  • Der Weisheit der Welt sollte kein Raum gegeben werden.
  • Neid und Streit unter Geschwistern offenbart nur deren Fleischlichkeit.
  • Große moralische Verfehlungen müssen mit Gemeindezucht geahndet werden.
  • Rechtsstreit miteinander soll nicht vor weltlichen Gerichten geführt werden.
  • Die Ehe soll in Ehrbarkeit geführt werden, Scheidung von Gläubigen ist nicht erlaubt.
  • Man darf nicht am Tisch des Herrn und am Tisch der Dämonen (am Tisch der Götzen) teilnehmen.
  • Die Teilnahme am Tisch des Herrn drückt Gemeinschaft mit dem Herrn und untereinander aus. Deshalb nimmt man am Abendmahl nicht als Individuum teil, sondern als Teil einer Gemeinschaft.
  • Die Belehrungen über den Tisch des Herrn zeigen die gemeinschaftliche Verantwortung.
  • Beim Abendmahl soll aufeinander gewartet werden, und jeder soll sich vor der Teilnahme selbst prüfen.
  • Die Frauen sollen ihre Haare lang tragen und beim Beten ihr Haupt bedecken.
  • Die Männer sollen keine langen Haare haben und sich beim Beten nicht bedecken.
  • Der Mann soll sich seiner Position als Haupt der Frau bewusst sein und die Frau sich ihrer Position der Unterordnung unter den Mann.
  • Die Gläubigen sollen sich dessen bewusst sein, dass die Gemeinde ein lebendiger Organismus ist und dass die Glieder des Leibes einander bedürfen.
  • Der Heilige Geist möchte in der Gemeinde wirken, wie Er will; Er muss also alle Freiheiten haben, um den zu gebrauchen, den Er selbst gebrauchen will.
  • Die Liebe, ohne die alles in der Gemeinde verloren wäre, soll alle Geschwister antreiben.
  • Im Dienst soll besonders nach der Gabe der Weissagung gestrebt werden.
  • Die Zusammenkünfte sollen nicht durch einen Pastor oder Gemeindeleiter geleitet werden, sondern der Heilige Geist will die Leitung übernehmen.
  • Die Frauen sollen in der Gemeinde schweigen.

Diese Aufzählung zeigt uns viele Prinzipien, die der Herr Jesus von einer gesunden Gemeinde erwartet, und es lohnt sich, über jeden einzelnen Punkt intensiver nachzudenken. Zwar waren die Korinther nicht vollkommen, aber sie waren eine lernwillige Gemeinde. Das werden wir im zweiten Brief sehen.

Der zweite Korintherbrief

Kommen wir nun zum zweiten Korintherbrief. Wir haben im ersten Korintherbrief gesehen, dass eine christliche Gemeinde unter anderem dadurch gekennzeichnet ist, dass sie Gemeindezucht ausübt und, wenn es sein muss, auch jemand aus der Gemeinschaft ausschließt. Im zweiten Korintherbrief lernen wir nun, dass jemand auch wieder aufgenommen werden muss, wenn er seine Sünde bekannt hat. Die Korinther werden aufgefordert, Liebe zu üben. Weiter sollten sie sich ihrer hohen Verantwortung bewusst sein, die damit verbunden ist, dass sie „ein Brief Christi“ sind. In ihnen sollte also gelesen werden wie in einem offenen Buch. Die Menschen lesen in der Regel nicht mehr in der Bibel, aber was können sie in der christlichen Gemeinde lesen? Weiterhin mussten die Korinther lernen, dass alles, was sie hatten, eine Gabe Gottes war und dass sie deshalb die Verantwortung hatten, von dieser Gabe anderen mitzuteilen, um so bedürftige Geschwister zu unterstützen. Dafür ist es unbedingt wichtig, zu erkennen, dass Gott die Gemeinde auf der ganzen Welt als Einheit geschaffen hat.

Der Galaterbrief

Auf den zweiten Korintherbrief folgt dann der Galaterbrief. Manche Gläubige hielten das Evangelium von Jesus Christus für sehr gut, meinten aber, man müsse das Evangelium noch mit Werken des Gesetzes garnieren. Der Apostel Paulus greift hier zu einer sehr starken Ausdrucksweise: Er verflucht diejenigen, die das Evangelium so verdrehen. Vielleicht ist das nicht das Problem vieler Gemeinden heute. Dennoch besteht die Gefahr, dass gewisse Traditionen einen Gesetzescharakter bekommen. Eine Gemeinde mag zwar gewisse (gute) Traditionen haben, doch wenn sie zum Dogma erklärt werden, verliert diese Gemeinde die Kennzeichen einer christlichen Gemeinde.

Der Epheserbrief

Nun folgt der Epheserbrief. Im Epheserbrief offenbart der Apostel Paulus den ganzen Ratschluss Gottes. Eine gesunde Gemeinde muss etwas zu sagen wissen über das Geheimnis, „das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht kundgetan worden ist“ und das erst von Paulus offenbart wurde. Das heißt, erst Paulus machte „das Geheimnis des Christus“ kund, das bis dahin unbekannt war. Im Epheserbrief zeigt er uns, dass wir als Gläubige schon heute unseren Platz in den himmlischen Örtern haben und dass unsere Segnungen nicht mit dieser Erde zu tun haben, sondern allesamt himmlisch sind. Ein unergründlicher Reichtum wird uns gezeigt, in dem wir mit Christus in dem einen Leib verbunden und an den Platz gekommen sind, wo Er selbst ist. Eine Gemeinde, die ihre himmlische Stellung und Berufung nicht kennt, kann kaum als gesund bezeichnet werden. Die Glieder der Gemeinde haben die Pflicht und Verantwortung, diese himmlische Stellung in ihren irdischen Beziehungen von Gemeinde, Familie und Beruf auszuleben. Eine christliche Gemeinde, die sich ihrer hohen und himmlischen Berufung bewusst ist, schwebt nicht zwei Zentimeter über der Erde, sondern bringt das himmlische Licht in ihre täglichen Aufgaben und Umstände. Sie beachtet auch, dass es nur eine Gemeinde, einen Leib Christi gibt, so wie es auch nur einen Geist Gottes gibt. Selbst die größten Unterschiede – so wie sie damals zwischen Juden und Heiden bestanden – spielen in der Gemeinde keine Rolle mehr. Wir sind auf das engste miteinander und mit unserem Haupt im Himmel verbunden wie ein Leib. Wenn allerdings lehrmäßige oder moralische Fundamente umgestoßen werden, müssen natürlich die Belehrungen des ersten Korintherbriefes (bezüglich Gemeindezucht) und auch des Galaterbriefes befolgt werden.

Der Philipperbrief

Der Brief an die Philipper hilft uns zu verstehen, wie Probleme und Streitigkeiten zwischen Gläubigen behoben werden können. Offensichtlich gab es in Philippi Unstimmigkeiten, die der Apostel beseitigen möchte, indem er sie dazu auffordert, dieselbe Gesinnung zu haben wie der Herr Jesus, und indem er ihnen das einzigartige Beispiel der Erniedrigung des Herrn vorstellt. Eine gesunde Gemeinde hat sich auf den Weg gemacht, in der Demut Fortschritte zu machen, sich selbst nicht mehr so wichtig zu nehmen und den anderen höher zu achten als sich selbst. Eine gesunde Gemeinde bringt die Freude am Herrn zum Ausdruck. Sie erlaubt nicht, dass sich die Umstände zwischen sie und den Herrn stellen, sondern sie stellt stets den Herrn zwischen sich und die Umstände. Auf diese Weise kann man sich allezeit im Herrn erfreuen.

Der Kolosserbrief

Auf den Philipperbrief folgt der Kolosserbrief. Die Kolosser neigten dazu, andere Dinge neben Christus zu stellen. Ihnen war Christus nicht genug. Christus war hervorragend, aber nicht genug. Sie meinten, man könne sich von der weltlichen Philosophie das Beste herauspicken. Außerdem solle man den Überlieferungen der Menschen viel mehr Gewicht beimessen. Auch auf Erfahrungen solle man nicht verzichten; so solle man Engelerscheinungen viel wichtiger nehmen. Der Apostel begegnet diesen Problemen auf grandiose Art und Weise: Er malt uns das vielleicht schönste Bild im ganzen Neuen Testament von der Herrlichkeit Christi: Er beschreibt Ihn u.a. als den Schöpfer, als das Haupt der Gemeinde, als den Erlöser, als den, in dem alle Schätze der Weisheit verborgen sind und in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt. Wenn Er das Haupt der Gemeinde ist, dann kommen auch alle Unterweisungen und jegliche Unterstützung von diesem Haupt. Deshalb werden die Kolosser aufgefordert, das Haupt festzuhalten. Eine Gemeinde, die mit Managementtechniken zusammengehalten wird, hat es aufgegeben, das Haupt festzuhalten. Bei jedem Problem in der Gemeinde gehen wir nicht zu unserem Gemeindeleiter oder studieren Gruppendynamik, sondern wir gehen zu dem Haupt der Gemeinde und bitten Ihn um Hilfe. Wenn wirklich die ganze Fülle der Gottheit in Christus wohnt, was suchten die Kolosser dann noch bei der weltlichen Philosophie oder bei den Überlieferungen der Menschen? Die einfache Botschaft für die heutige Gemeinde ist: Christus genügt für alle Fragen.

Der erste Thessalonicherbrief

Weiter geht es mit den beiden Thessalonicherbriefen. Im ersten Thessalonicherbrief schreibt der Apostel Paulus an eine sehr junge Gemeinde. Diese junge Gemeinde war dadurch gekennzeichnet, dass die Gläubigen sich allesamt „von den Götzenbildern zu Gott bekehrt“ hatten und dies durch bereitwilligen Dienst für den Herrn ausdrückten. Die entschiedene Bekehrung wird heute kaum noch gekannt noch gepredigt. Es genügt nicht, wenn jemand sagt, er wolle „mit Jesus gehen“ oder er „spüre Gott immer mehr“. Es muss eine klare Abwendung zum früheren Leben und eine Verurteilung des Bösen da sein und eine deutliche Hinwendung zu den Maßstäben Gottes erkennbar sein.

Nicht nur dienten die Thessalonicher dem Herrn, sie warteten gleichzeitig auf sein Wiederkommen zur Entrückung der Gläubigen. Sie durften wissen, dass vor dem Wiederkommen des Herrn keine besonderen Ereignisse mehr eintreten mussten. Eine gesunde christliche Gemeinde ist sich der Tatsache bewusst, dass der Herr Jesus jederzeit wiederkommen kann. Dieses Wissen ist Motivation für einen bereitwilligen Dienst und heiligen Lebenswandel.

Der zweite Thessalonicherbrief

Im zweiten Thessalonicherbrief muss der Apostel Paulus eine falsche Lehre über die Endzeit widerlegen. Dadurch lernen wir, dass der Herr von einer gesunden Gemeinde durchaus auch ein Verständnis über die letzten Dinge erwartet. Die Beschäftigung mit diesen Dingen ist in vielen Kreisen verpönt und wird vielfach sogar abgelehnt. Auch mit der Prophetie beschäftigt man sich kaum noch. Dabei vergisst man, dass wohl weit mehr als die Hälfte in der Bibel prophetischen Charakter trägt. Wir müssen nicht in allen Endzeitfragen jedes Detail richtig einordnen können, aber wir sollten uns doch um ein gesundes Bild dessen bemühen, was unsere Erwartung und unsere zukünftige Hoffnung ausmacht.

Außerdem gibt der Apostel praktische Hinweise, wie man mit Gläubigen umzugehen hat, die unordentlich wandeln. Eine Gemeinde, die auf die Gemeindeglieder nicht achthat, ist keine Gemeinde nach neutestamentlichem Vorbild. Die Gläubigen sollen ermutigt, ermahnt und zurechtgewiesen werden, und es kann auch durchaus nötig sein, dass ein öffentlicher Tadel oder gar eine Bezeichnung ausgesprochen werden muss.

Der erste Timotheusbrief

Nach den Briefen an ganze Gemeinden folgen nun die Briefe an einzelne Personen. Der erste Brief an Timotheus ist zwar nicht an eine Gemeinde geschrieben, dennoch zeigt er uns sehr deutlich, wie man sich in der Gemeinde verhalten soll, die „das Haus Gottes“ ist.[1] Es gibt viele praktische Hinweise für das christliche Zusammenleben: So haben die Männer die Verantwortung, an jedem Ort die Gläubigen im Gebet anzuführen; die Frauen sollen sich sittsam kleiden und sollen außerdem nicht lehren. Eine Gemeinde, in der Frauen mehr und mehr in den Vordergrund treten, widerspricht den Belehrungen des Neuen Testamentes. Außerdem erklärt der Apostel die Voraussetzungen für den Ältestendienst und warnt vor falschen Lehren unter den Gläubigen bzw. zeigt auf, woran man sie erkennt. Er geht auch ganz praktisch auf die Versorgung von Bedürftigen ein. Eine gesunde christliche Gemeinde muss sich auch dieser Themen annehmen.

Der zweite Timotheusbrief

Im zweiten Timotheusbrief lernen wir etwas über das Thema Absonderung und über unser Verhalten in Zeiten des Niederganges, also zu einer Zeit, wenn die Christenheit sich immer mehr vom wahren biblischen Glauben entfernt. Jeder Gläubige ist verpflichtet, von der Ungerechtigkeit abzustehen. Das kann bei fundamentalen Fragen so weit gehen, dass man sich auch von Personen, die hier „Gefäße zur Unehre“ genannt werden, wegreinigen muss. Eine Gemeinde, in der böse Lehren, also fundamentale Irrlehren geduldet werden, kann nicht als gesund angesehen werden.

Paulus warnt den jungen Timotheus, dass sich die Zeiten zum Ende hin verschlimmern würden. Die gesunde christliche Gemeinde rechnet damit, dass in den letzten Tagen immer mehr Lehrer auftreten werden, die eine Lehre bringen, die in den Ohren kitzelt. Die gesunde Lehre wird man nicht mehr ertragen können. Wenn eine Gemeinde Sünde nicht mehr klar beim Namen nennt, kann man sicher sein, dass sie von dem heiligen Gott nicht als seine Gemeinde anerkannt wird. Scheinbar erfolgreiche Gemeinden engagieren meist Prediger, die witzig reden und die Leute unterhalten können. Das ist kein Kennzeichen für eine gesunde Gemeinde, sondern eher ein Zeichen dafür, dass der Niedergang nicht nur in der allgemeinen Christenheit eingesetzt hat, sondern auch in Gemeinden, die sich als bibeltreu ansehen, und dass wir in den letzten Tagen vor dem Kommen des Herrn leben.

Der Titusbrief

Der Brief an Titus zeigt vor allen Dingen die Voraussetzungen auf, um dem Herrn in verantwortlicher Position in der Gemeinde zu dienen. Wir lernen hier aber auch, dass Älteste nicht durch die Gemeinde gewählt wurden, sondern dass sie von den Aposteln, bzw. deren Abgesandten, bestimmt wurden, die ihre Autorität dafür von Gott erhalten hatten. Der Brief enthält auch eine Ermutigung für Frauen und weist sie an, wo sie ihren Dienst ausüben können. Es ist ein bekanntes Problem in der christlichen Gemeinde, dass Leute falsche Lehren entwickeln oder bestimmte Punkte gegen andere Punkte ausspielen, so dass dadurch Spaltungen und Parteiungen provoziert werden. Solche sektiererischen Personen müssen wir zunächst zurechtweisen und, wenn sie dann nicht hören, auch abweisen.

Der Philemonbrief

Der Brief an Philemon wiederum ist ein sehr praktischer Brief. Hier können wir lernen, dass wir (auch als Gemeinde) nicht berufen sind, die Gesetze dieses Zeitlaufs zu ändern. Der Apostel Paulus schickte den entlaufenen Sklaven zu Philemon zurück. Nicht, dass Paulus Sklavenhaltung billigte, aber er respektierte die damalige kulturelle und politische Situation. Die christliche Gemeinde hat nicht den Auftrag, sich in das politische Geschehen einzumischen.

Der Hebräerbrief

Im Hebräerbrief lernen wir, was es bedeutet, dass Christus heute für uns im Himmel unser Hoherpriester ist. Dabei denken wir nicht nur daran, dass Er uns in unseren Schwachheiten hilft, sondern auch, dass Er uns als eine Schar von Priestersöhnen in das Heiligtum Gottes zu seinem Lob einführen will. Der Hebräerbrief spielt sehr oft auf das Alte Testament an. Eine christliche Gemeinde muss lernen, die Vorbilder des Alten Testamentes richtig anzuwenden. Das Alte Testament ist wie ein Bilderbuch zum Neuen Testament. Die Opfer im Alten Testament werden mit dem Werk des Herrn Jesus auf Golgatha verbunden. In den Opfern des Alten Testamentes finden wir eine Anleitung für die neutestamentliche Anbetung in Geist und Wahrheit. Viele Gemeinden haben in ihren Zusammenkünften zwar eine „Zeit der Anbetung“, in der moderne Praise-&-Worship-Musik gespielt wird, aber in den Liedern geht es nur selten um das Opfer des Herrn Jesus. Eine gesunde christliche Gemeinde wird sich in der Anbetung besonders mit dem Opfertod Jesu beschäftigen.

Der Jakobusbrief

Der Jakobusbrief enthält einige sehr praktische Dinge für unser tägliches Leben als Christen. Er macht aber auch deutlich, dass Sünden im Leben eines Gläubigen Krankheiten nach sich ziehen können. Ist die Krankheit des Gläubigen die Folge seiner Sünden, so soll er sie vor den Verantwortlichen der Gemeinde bekennen, damit er durch deren Fürbitte seine Gesundheit wiedererlangt.

Der erste Petrusbrief

Im ersten Petrusbrief möchten wir vor allen Dingen das herausgreifen, was wir auch schon im Hebräerbrief gesehen haben: Wir werden als eine heilige Priesterschaft bezeichnet, die geistliche Schlachtopfer darbringen soll. Dies bestätigt das bereits Gesagte: Wenn es um die christliche Anbetung geht, dann beziehen sich unsere „geistlichen Schlachtopfer“, die Petrus uns auffordert zu bringen, auf den alttestamentlichen Priester- und Opferdienst. Die Vorbilder des Alten Testaments enthalten viel Anleitung für unsere christliche Anbetung. In der christlichen Gemeinde muss die Anbetung Gottes des Vaters höchste Priorität haben; davon leitet sich alles andere ab. Viele fragen sich, warum das Neue Testament kaum eine Anleitung für christliche Anbetung bereithält. Nun, das Neue Testament verweist auf das Alte Testament und den damit verbundenen Priester- und Opferdienst. Wer das einmal verstanden hat, findet zum Beispiel in den Vorbildern von 3. Mose 1–7 reichlich Anleitung für die christliche Anbetung. Ohne solche Briefe wie den ersten Petrusbrief und den Hebräerbrief könnten wir nicht mit Sicherheit sagen, ob wir die alttestamentlichen Vorbilder auf die christliche Anbetung anwenden dürfen.

Der zweite Petrusbrief

Der zweite Petrusbrief warnt uns, dass der Niedergang der Christenheit sich besonders in den sozialen Beziehungen der Gemeinde zeigt.

Der erste Johannesbrief

Im ersten Johannesbrief geht es um die Frage, woran wir einen wahren, wiedergeborenen Christen erkennen können. Diese Belehrungen sind sehr wichtig für eine gesunde Gemeinde, denn heute nennen sich viele Leute Christen und fordern damit Aufnahme in die Gemeinschaft ein, während sie doch in Wirklichkeit keine wiedergeborenen Christen sind.  

Der zweite Johannesbrief

Der zweite Johannesbrief beschreibt, wie wir mit einem Irrlehrer verfahren sollen. Hier müssen die Gläubigen sehr wachsam und auch sehr konsequent sein. Auch wenn wir einen Irrlehrer nur grüßen, werden wir damit zu Teilhabern von bösen Werken. Wir lernen hier, dass auch Gleichgültigkeit gegenüber dem Bösen eine verderbliche Auswirkung auf unser Leben haben kann, obwohl wir selbst gar nicht an die böse Lehre glauben. Es ist daher erstaunlich, wenn man feststellen muss, dass eine Gemeinde, die sich selbst als bibeltreu bezeichnet, nicht nur kein Problem mit einer Allianz mit der evangelischen Kirche hat, sondern dass sie das sogar noch als besonderes, positives Merkmal herausstellt.

Der dritte Johannesbrief

Der dritte Johannesbrief warnt vor der Gefahr, dass sich in einer Gemeinde jemand als Gemeindeleiter aufspielt, keine Kritik duldet und verhindert, dass Gläubige aufgenommen werden, die ihm nicht passen. Machtmissbrauch in der Gemeinde zerstört auf Dauer das christliche Zusammenleben.

Der Judasbrief

Der kurze Judasbrief spricht noch einmal eine Warnung aus. Er zeigt, dass die endzeitliche Gemeinde sehr wachsam sein sollte. Der Abfall der Christenheit vom Glauben ist eine Gefahr auch für Christen, die sich nach der Bibel richten wollen.

Die Offenbarung

Die Bibel endet mit dem Buch der Offenbarung. Es ist ein weiteres Zeugnis dafür, dass die endzeitlichen Ereignisse einen Platz in der Belehrung der Gemeinde einnehmen sollten. Die Sendschreiben im ersten Teil der Offenbarung enthalten viele Hinweise, von denen Gemeinden auch heute profitieren können. Wie sieht es zum Beispiel mit unserer ersten Liebe aus? Die Epheser hatten diese aufgegeben und standen nun in Gefahr, den Leuchter als Zeugnis für den Herrn zu verlieren. Smyrna gibt ein gutes Beispiel dafür, dass wir Verfolgung nicht als etwas Unnormales ansehen dürfen. In Pergamus hatte man fremde Lehre nicht verurteilt und stand in der Gefahr, das Zeugnis als Gemeinde zu verlieren, indem man Leute in der Gemeinde duldete, die zu Vermischung mit der Welt verführten. In Thyatira hatte man sich dem Götzendienst hingegeben, und die Vermischung mit der Welt wurde sogar gelehrt. Die Gemeinde in Sardes hatte man nur noch den Namen, dass sie lebte, und war doch tot. In Laodizea war man weder kalt noch warm; und weil sie eine so laue Gemeinschaft geworden waren, die gegenüber Christus völlig gleichgültig war, konnte der Herr sie nur noch aus seinem Mund ausspeien. Sie gaben vor, sehr viel zu besitzen, doch wollten sie damit nicht den Herrn ehren, sondern sich selbst brüsten und gut darstellen – kurzum, sie waren stolz auf ihre scheinbar geistlichen Errungenschaften. Christus stand jedoch draußen vor der Tür. Wenn eine Gemeinde von Hochmut und Stolz gekennzeichnet ist, dann ist dies ein Indiz dafür, dass der Herr vor der Tür steht.

Die Gemeinde in Philadelphia dagegen wurde nicht gerügt. Deshalb müssen wir genau lesen, was von ihr gesagt wird, denn das sind Kennzeichen einer Gemeinde, an der sich der Herr Jesus erfreuen kann. Es heißt von Philadelphia, dass sie eine kleine Kraft hatte, den Namen des Herrn nicht verleugnete und sein Wort bewahrte. Eine Gemeinde prahlt also nicht mit ihren Mitgliederzahlen, Veranstaltungen für jede Altersgruppe und alle möglichen Interessen, sondern ist sich ihrer Schwachheit und ihrer Abhängigkeit vom Herrn bewusst. Sie hält den Namen des Herrn über alles hoch und hält an dem untrüglichen und inspirierten Wort Gottes fest. Sind das die Kennzeichen auch deiner Gemeinde? Philadelphia war eine Gemeinde von Gläubigen, die auf ihren Herrn warteten, und sie erhielt die Verheißung des Herrn persönlich: „Ich komme bald.“

Noch ein weiterer Aspekt ist sehr interessant: Der Herr beginnt bei zwei der Gemeinden (Ephesus und Thyatira) damit, eine lange Liste ihrer (positiven) Aktivitäten aufzuzählen („Werke“, „Dienst“, „Ausharren“, „Arbeit“, „Mühe“, „Liebe“ usw.), macht dann allerdings unmittelbar deutlich, dass all das nur sehr beschränkten Wert hat, wenn andere fundamentale Dinge in der Versammlung nicht in Ordnung sind. Das bestätigt nochmals, dass eine Gemeinde, die viele unterschiedliche Angebote für die verschiedensten Interessengruppen macht, für Gott nicht zwangsläufig eine gesunde Gemeinde nach seinen Vorstellungen ist.

Fazit

Wir haben auf unserem Streifzug durch die Bücher des Neuen Testamentes viel über das Wesen einer gesunden Gemeinde gelernt. Anhand dieser Punkte sind wir jetzt viel besser in der Lage, zu beurteilen, welches Zusammenkommen von Gläubigen Gott wohlgefällig ist und somit für uns der Ort sein sollte, an dem wir uns versammeln.

Im nächsten Teil werden wir uns mit der Frage beschäftigen: In welche Zusammenkünfte soll ich denn jetzt konkret gehen?

 

Anmerkungen

[1] Wir wollen an dieser Stelle beachten, dass die Gemeinde bzw. das Haus Gottes mehr ist als die gemeinsamen Stunden am Sonntag. Wir sind auch zu der Zeit Gemeinde, wenn wir uns nicht versammeln.

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