In welche Gemeinde soll ich gehen? (3)
Wie finde ich denn nun eine passende Gemeinde?

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Es ist elementar wichtig, dass du dir klarmachst, dass nicht du die Gemeinde wählen kannst. Gott hat den geistlichen Ort erwählt. Und diesen Ort findest du nicht, indem du von einer Gemeinde zur nächsten gehst, sondern indem du zuerst einmal die richtige Gemeinde in der Heiligen Schrift suchst. Erst danach kann sich das andere Suchen anschließen.

Es ist weiter wichtig, dass du dir klarmachst, dass es zwar in unserer Zeit so scheint, als gäbe es an einem Ort mehrere Gemeinden, aber in Gottes Wort finden wir das nicht. In der Bibel findest du immer nur den Gedanken, dass es an einem Ort auch nur eine Gemeinde gab. Vielleicht kam man in Jerusalem in verschiedenen Häusern zusammen, aber es gab doch nur eine Gemeinde in Jerusalem. Diese Gemeinde bestand dann aus allen wiedergeborenen und mit dem Heiligen Geist versiegelten Christen an diesem Ort.

Natürlich ist es wichtig, dass eine Gemeinde gute und gesunde Grundsätze hat, aber der allererste Punkt ist, dass wir verstehen: In den Augen des Herrn gibt es nur eine Gemeinde, und nur dort können wir mit seiner Gegenwart rechnen, wo man diese Einheit auch praktisch verwirklicht, das heißt, wo man also alle wahren Kinder Gottes herzlich aufnimmt und keine sektiererischen Schranken aufbaut nach dem Motto: „Du kannst bei uns nur Mitglied werden, wenn …“ Zur Aufnahme in die Gemeinschaft der Kinder Gottes zählt allein die Gliedschaft am Leib Christi und Reinheit in Wandel, Lehre und Verbindungen. Wenn du diesen Gedanken tief ins Herz gefasst hast, kannst du dich auf die Suche nach diesem Zusammenkommen machen.

Dabei wollen wir uns immer daran erinnern, dass dem Streben nach einem gemeinsamen Weg mit anderen vorausgeht, dass wir uns nicht nur persönlich von aller Ungerechtigkeit absondern, sondern auch von solchen, die Gottes Wort „Gefäße zur Unehre“ nennt. Bevor es heißt: „Strebe … mit denen“, kommt zuerst: „Wenn nun jemand sich von diesen [Gefäßen zur Unehre] reinigt …“ (vgl. 2Tim 2,21.22).

Die Minimalvoraussetzungen, ein Zusammenkommen von Gläubigen überhaupt in die Auswahl zu nehmen, sind also, dass dort niemand geduldet wird,

  • der nicht wahrhaft von neuem geboren ist,
  • der im moralisch Bösem lebt,
  • der an einer fundamentalen Irrlehre festhält (z.B. Leugnung der Gottheit des Herrn, Leugnung der Jungfrauengeburt, Verneinung der Inspiration usw.),
  • der in Verbindung mit solchen steht, die fundamentale Irrlehre bringen oder moralisch Böses dulden.

Das bedeutet natürlich nicht, dass nicht auch Ungläubige herzlich zu den Predigtstunden oder den wöchentlichen Wortbetrachtungen eingeladen wären. Aber es muss sichergestellt werden, das am Abendmahl nur Kinder Gottes teilnehmen, die sich nicht selbst durch einen moralisch bösen Lebenswandel, eine fundamentale Irrlehre oder einer Gleichgültigkeit diesen Dingen gegenüber selbst davon ausschließen bzw. bereits von einer anderen örtlichen Gemeinde ausgeschlossen wurden.

Darüber hinaus gibt es einen weiteren wichtigen Punkt: Ist eine Gemeinde bereit, sich der Ordnung für die Gemeinde, wie sie uns vor allen Dingen in den Briefen des Neuen Testamentes beschrieben werden, zu unterwerfen (siehe Teil 2: „Streifzug durch das Neue Testament“)?

In vielen Bereichen gibt es sicherlich verschiedene Erkenntnisunterschiede. Vielleicht hat eine Gemeinde ein anderes Schriftverständnis in bestimmten Bereichen der Ordnung im Haus Gottes. Hierbei stellt sich dann die Frage, inwieweit es sich hier um ein fehlendes oder falsch geprägtes Schriftverständnis handelt oder ob bewusster und von Pragmatismus geprägter Ungehorsam gegenüber Gottes Wort vorliegt, mit dem wir auch keine Gemeinschaft haben können, da es sich um moralisch Böses handelt.

Vielleicht sagst du nach unserem Streifzug durch das Neue Testament und all den vielen Punkten, die sich dort finden: Wo finde ich denn so eine Gemeinde? Beschreibt ihr nicht ein Ideal? – Zunächst muss man sagen, dass wir hier tatsächlich einen Idealzustand beschrieben haben. Wir dürfen auch mit nichts Geringerem zufrieden sein, auch wenn wir diesem Maßstab möglicherweise nie ganz entsprechen werden. Wir sollten ernstlich dafür beten, aufrichtig nach diesem hohen Maßstab zu trachten.

Dennoch wird wohl kaum ein Zusammenkommen in unserer Zeit diesem hohen Ideal in allem entsprechen. Der Herr Jesus wollte seine Gemeinde bauen, und das ist ein Prozess. Wir sind noch auf dem Weg, und immer noch müssen manche Dinge korrigiert werden, sowohl im persönlichen Leben als auch im Gemeindeleben. Wir müssen damit rechnen, dass es in der Versammlung Gottes auch viel Schwachheit und Versagen geben wird. Die Gemeinde in Korinth war durch viel Schwachheit und Versagen gekennzeichnet. Es gibt im ersten Brief kaum ein Kapitel, wo dieses Versagen der Korinther nicht zum Ausdruck kommt, und trotzdem bezeichnete der Apostel Paulus die Gemeinde in Korinth als „Versammlung Gottes“ (1Kor 1,2). Diese Gemeinde war in keinem guten Zustand und trotzdem nennt der Apostel sie eine Versammlung Gottes. Obwohl die Epheser ihre erste Liebe verlassen hatten, gab der Herr ihnen Raum zur Buße und nahm den Leuchter nicht sofort weg.

Eine örtliche Gemeinde sollte sich ihrer Schwachheit vor dem Herrn bewusst sein und um einen Weg nach der Heiligen Schrift ringen. Wenn man in eine Gemeinde geht und beobachtet, wie man mit verschiedenen Problemen umgeht, bekommt man schnell einen Eindruck davon, ob man den Problemen gleichgültig gegenübersteht oder ob um einen guten Weg gerungen wird. Ist man wirklich bereit, zu lernen und das Gelernte in die Tat umzusetzen? Die oben genannten Minimalanforderungen dürfen natürlich auf gar keinen Fall heruntergeschraubt werden.

Möglicherweise denkst du auch, dass wir ruhig einige christliche Gruppierungen nennen könnten, in die man unbedenklich gehen kann. Nun, schon die Tatsache an sich, dass es „einige“, also verschiedene Gruppierungen sein sollen, widerspricht dem Gedanken der Heiligen Schrift, dass die Gemeinde eins ist und offen ist für alle Christen, die nicht aufgrund der oben genannten Minimalvoraussetzung abgewiesen werden müssen. Es ist ein großes Dilemma unserer Tage, dass wir so sehr mit dem Gedanken vertraut sind, es gebe an einem Ort viele Gemeinden, so dass wir gar nicht mehr durchdringen zu der Wahrheit, wie sie uns im Neuen Testament beschrieben wird.

Es ist für das eigene Verständnis viel wichtiger, zu erkennen, wie weit wir uns als Christen von der Heiligen Schrift wegbewegt haben, und diesen Niedergang auch tief im Herzen fühlen. Der Herr Jesus ist gestorben, um die zerstreuten Gottes Kinder in eins zu versammeln (vgl. Joh 11,52), und nahezu zweitausend Jahre später ist die Gemeinde völlig zerstreut und getrennt, so dass von diesem seinem Plan – zumindest rein praktisch gesehen – nichts mehr zu sehen ist.

Wenn wir das jedoch einmal verstanden haben, dann fällt es uns auch nicht mehr schwer, von dem Verfall der Kirche zu sprechen, denn es ist unmöglich, diesen Niedergang in unserer Zeit zu korrigieren, auch nicht durch eine Allianzbewegung oder Ökumene.[1] Über diesen Verfall sollten wir persönlich wie gemeinschaftlich immer wieder Buße tun, auch wenn du vielleicht noch jung bist und diesen Verfall nicht in erster Linie zu verantworten hast. Daniel beugte in seiner Zeit die Knie und bekannte die Sünden des Volkes und der Väter, obwohl er selbst wahrscheinlich am wenigsten zu der Misere beigetragen hatte (lies Daniel 9). Wenn wir uns mit diesem Verfall und Niedergang dann einsgemacht haben, können wir überlegen, wie die Grundsätze der Anfangszeit auch heute noch umsetzbar sind.

Als der Herr Jesus das Passah bereiten ließ, sagte Er den Jüngern nicht, dass sie in die Brüdergasse 85 oder zur Petrusstraße 9 gehen müssten, sondern dass sie auf dem Weg einem Mann begegnen würden, der einen Krug Wasser auf dem Kopf hat; in dem Haus, in das er hineingehe, dort sollten sie das Passah bereiten. Eines ist jedenfalls deutlich: Der Herr Jesus machte es seinen Jüngern auch nicht so einfach. Nach Epheser 5,26 ist Wasser ein Bild vom Wort Gottes. Dann muss – wenn wir die Worte des Herrn einmal auf uns anwenden dürfen – der Mann mit dem Krug Wasser in letzter Instanz ein Bild vom Heiligen Geist sein. Natürlich kann der Heilige Geist uns auch durch einen Bruder oder eine Schwester nach seinem Wort die Dinge klarmachen. Wir müssen persönlich das Wort Gottes lesen und die Leitung seines Geistes zu dem richtigen Ort erwarten.

Es gibt natürlich viele Fragen in diesem Zusammenhang, die sehr individuell sind. Die Zerrissenheit des Volkes Gottes, besonders auch unter denen, die wirklichen einen bibeltreuen Weg gehen möchten, bringen so manche Nöte und Übungen mit sich. Es ist zwar leicht, eine Gemeinde im Adressenregister einer Stadt zu finden, aber es ist nicht leicht, eine Gemeinde zu finden, die versucht, wenigstens die obigen Minimalvoraussetzungen in die Praxis umzusetzen.

Wir leben in der Endzeit und müssen neu darüber nachdenken, dass der Herr Jesus gesagt hat: „Da, wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind …“ Hast du noch andere Geschwister gefunden, die dasselbe Problem haben? „Zwei oder drei“ ist hier die Botschaft. Ob der Herr diese geringste Zahl einer Gruppe auch für Zeiten wie die unsrige aufschreiben ließ? Er erwartet nicht, wie wir leider manchmal, die zwanzig oder dreißig Personen. Manchmal kann es sein, dass der Herr einfach möchte, dass wir mit zwei oder drei beginnen, uns ganz schlicht zu seinem Namen hin zu versammeln, und dabei immer die ganze Gemeinde Gottes auf der Erde im Blick haben. Das kommt natürlich nur dann in Frage, wenn es keine Gruppe sonst gibt, die sich wirklich nach neutestamentlichen Grundsätzen am gleichen Ort versammelt.[2] Vielleicht ist es dafür erst einmal angebracht, einen Hauskreis anzubieten, in dem man sich über Fragen des Versammelns unterhält, oder es kann sogar nötig sein, dass zuerst das Evangelium an diesen Ort gebracht wird. Solche Aktionen hängen sicherlich auch von den Gaben ab, die jemand bekommen hat. Das wird keine Lösung für jeden sein.

Manchmal kann es der richtige Weg sein, an einen anderen Ort zu ziehen, wo man diese Gemeindeprobleme nicht hat.

Wir müssen uns leider mehr und mehr damit abfinden, dass wir in der Endzeit leben, wo die Folgen des Niedergangs der Gemeinde immer mehr spürbar sind und wir in eine Situation kommen, dass wir uns trotz aller Bemühungen nicht mehr versammeln können. Dann können wir nur noch wie die Söhne Korahs in Psalm 42 mit Wehmut an eine Zeit zurückdenken, als es einmal anders war: „Daran will ich mich erinnern und in mir ausschütten meine Seele, wie ich einherzog in der Schar, mit ihnen schritt zum Haus Gottes, mit der Stimme des Jubels und des Lobes – eine feiernde Menge“ (Ps 42,5). Dennoch brauchen wir auch dann nicht zu verzweifeln, wie schmerzhaft das auch ist; die persönliche Gemeinschaft mit unserem Herrn kann uns kein noch so großer Verfall rauben: „Was beugst du dich nieder, meine Seele, und bist unruhig in mir? Harre auf Gott, denn ich werde ihn noch preisen für die Rettung seines Angesichts …; darum denke ich an dich … Am Tag wird der HERR seine Güte entbieten, und bei Nacht wird sein Lied bei mir sein, ein Gebet zu dem Gott meines Lebens“ (Ps 42,6-9).

Es ist auch interessant, dass den Gläubigen in Laodizea, die das Klopfen des Herrn hören und beantworten, kein anderer gemeinschaftlicher Weg verheißen wird, sondern „nur“ – das ist jetzt nicht abwertend gemeint (weil die Verheißung an sich wunderbar ist), sondern nur einschränkend – die persönliche Gemeinschaft des Herrn allein. Dort in seiner Gemeinschaft spüren sie sein Interesse an ihren Angelegenheiten, indem sich sein Herz mit ihnen beschäftigt – Er isst nicht nur das Abendbrot mit ihnen, sondern sie auch mit Ihm.

Sicherlich kann man es sich auch einfacher machen, und viele, die sich mit den Aussagen der Heiligen Schrift über die Grundsätze der christlichen Gemeinde noch nicht so beschäftigt haben, scheinen hier sehr arglos zu sein. Sie gehen einfach hierhin und dorthin, frei nach dem Motto: Hauptsache, ich bekomme irgendwo einen Input für mein Leben. Es gibt schließlich viele „Gemeinden“, wo immer noch ein gutes Wort gepredigt wird. – Das streiten wir auch nicht ab. Dennoch sollte durch diesen Artikel klargeworden sein, dass dies nicht das einzige Kriterium sein kann, wenn wir die Heilige Schrift aufmerksam lesen.

Es sollte uns aber zum Trost sein, dass die Heilige Schrift für jede Situation eine Ermutigung bereithält, wenn wir sie nur sehen. Auch der Apostel Paulus ließ sich seine Freude im Herrn nicht dadurch rauben, dass er im Gefängnis war (und damit natürlich auch keine Gemeindestunde besuchen konnte) und sogar klagen musste: „Alle, die in Asien sind, haben sich von mir abgewandt“ (2Tim 1,15).

Wir wünschen dem Leser von ganzem Herzen einen Weg, den der Herr vorgezeichnet hat – einen Weg, auf dem man gemeinsam mit anderen nach Gerechtigkeit, Glauben, Liebe und Frieden streben kann, „mit denen, die den Herrn anrufen aus reinem Herzen“ (2Tim 2,22).

In einem letzten Teil möchten wir noch einige Spezialfragen beantworten, die vielleicht nicht für alle von Belang sein dürften.

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Anmerkungen

[1] Diese Bewegungen dokumentieren lediglich den Verfall, aber sie beseitigen ihn nicht.

[2] In diesem Fall kann man zwar trotzdem ein Zusammenkommen zum Namen des Herrn beginnen – vor allen Dingen dann, wenn die bestehende Gemeinde bereits sehr groß ist –, aber man wird dies in Einheit und Gemeinschaft miteinander tun.

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