Satan – Glanzstern (Luzifer), Sohn der Morgenröte (4)
Jesaja 13,21.22; 14,12

Frederick Charles Jennings

© EPV, online seit: 04.02.2005, aktualisiert: 19.01.2018

Leitverse: Jesaja 13,21.22; 14,12

Jes 14,12: Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte!

Jes 13,21.22:
Aber Wüstentiere werden dort lagern, und ihre Häuser mit Uhus angefüllt sein; und Strauße werden dort wohnen und Böcke {d.h. wahrsch. bockgestaltige Dämonen; vergl. Jes 34,14; 3Mo 17,7} dort hüpfen; und wilde Hunde werden heulen in seinen Palästen und Schakale in den Lustschlössern. Und seine Zeit steht nahe bevor, und seine Tage werden nicht verlängert werden.

Bei der ersten Erwähnung Satans auf den Blättern der Heiligen Schrift wird er uns als ein Wesen dargestellt, das den Menschen durch seine List in Sünde und Tod führt. Wir könnten, wenn wir nicht weiter nachdenken, daraus folgern, dass dies bereits seit seiner Erschaffung sein eigentliches Wesen war. Bei einiger Überlegung müssen wir diese Annahme jedoch als irrig und nicht schriftgemäß erkennen. Gott verkörpert in sich das absolut Gute; aus einer solchen Quelle kann nichts als Gutes hervorkommen. Gott hat ebenso wenig den Teufel in seinem jetzigen Charakter als „Lügner“ und „Mörder“ erschaffen, wie Er den Menschen in einem gefallenen, sündigen Zustand erschaffen hat (s. Pred 7,29; Joh 8,44). Daraus müssen wir folgern, dass ihm die Namen „Satan“ und „Teufel“ auch nicht ursprünglich zugelegt waren. Sein Name musste ursprünglich etwas von seiner Vollkommenheit als Geschöpf ausdrücken, das aber dann in Sünde fiel. Dies wird auf bemerkenswerte Weise in Jesaja 14,12 durch die Worte ausgedrückt: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte!“ Der Prophet redet hier zwar den König von Babel an. Wie bei der Anrede des Königs von Tyrus in Hesekiel 28 sehen wir jedoch auch hier an den benutzten Ausdrücken, dass der Gegenstand kein in Sünde gefallener Mensch, sondern ein weit höheres Wesen sein muss. „Du sprachst in deinem Herzen: Zum Himmel will ich hinaufsteigen, hoch über die Sterne Gottes meinen Thron erheben, und mich niedersetzen auf den Versammlungsberg im äußersten Norden. Ich will hinauffahren auf Wolkenhöhen, mich gleichmachen dem Höchsten“ (Jes 14,13.14). Eine solche Sprache wäre absurd und lächerlich im Munde eines menschlichen Königs von Babel. Sie ist aber zutreffend und bedeutsam, wenn der Engelfürst im Blickfeld steht, der jenen König gelenkt und inspiriert hat.

Sehen wir uns den Zusammenhang der angeführten Schriftstelle etwas näher an. Es handelt sich um den „Ausspruch über Babel“ (Jes 13,1) oder um Gottes Gerichtsurteil über dasselbe. Babel sollte vollkommen verwüstet werden. Dabei werden geheimnisvolle Bezeichnungen sowohl für ihren Zustand als auch für die Wesen gebraucht, die sich in ihr aufhalten würden. Sie liefern uns Hinweise auf den Zustand und die Bewohner des geistlichen Babylon in dem neutestamentlichen Buch der Offenbarung. Es ist dieses Babylon, das ein „Gewahrsam jedes unreinen Geistes“ sein wird (Off 18,2). Um anzudeuten, dass es sich bei seinen Bewohnern um keine in der Natur vorkommenden Tiere handelt, benutzt der inspirierte Schreiber eigenartige, geheimnisvolle Namen:

  • „Wüstentiere werden dort lagern“ (Jes 13,21; eigentlich: „Wüstenbewohner, hebr. Tziim).
  • „Und ihre Häuser mit Uhus angefüllt sein“ (wörtlich: „Heulende“, hebr.: Ochim).
  • „Und Strauße dort wohnen“ (hebr.: Benoth Jaana = „Töchter des Geheuls“).
  • „Und Böcke dort hüpfen“ (eig. „Haarige“, hebr.: Searim; Dämonen).
  • „Und wilde Hunde werden heulen in seinen Palästen“ (Jes 13,22; hebr.: Jim, eig. „Schreiende“).
  • „Und Schakale in den Lustschlössern“ (hebr. Tannim, eig. „Ungeheuer“).

Der Ausdruck „Haarige“ wurde bereits früher von uns erwähnt. Er wird in 3. Mose 4 als Bezeichnung für Ziegenböcke verwendet (hebr. Searim), kann aber diese Bedeutung in 3. Mose 17,7 nicht haben und wird daher an dieser Stelle mit „Dämonen“ übersetzt (vgl. 2Chr 11,15). Diese doppelte Bedeutung des Ausdrucks ist wohl beabsichtigt; sie deutet an, dass es sich bei all diesen geheimnisvollen Wesen um böse Geister handelt, von denen Babylon am Ende bewohnt werden wird.

Die in der Elberfelder Übersetzung gebrauchte Bezeichnung Satans „Glanzstern“ kommt vom lateinischen Luzifer = „Lichtträger“. Im Hebräischen wird das Wort Hillel benutzt, was so viel wie „Glänzender, Leuchtender“ bedeutet. Das ist aber genau die Bedeutung des Wortes Nahasch, mit welchem die Schlange im ursprünglichen Zustand nach ihrer Erschaffung belegt wurde (1Mo 3,1). In Jesaja 14,12 wird diesem Namen noch die Bezeichnung „Sohn der Morgenröte“ beigefügt. Dies ist lediglich eine hebräische poetische Umschreibung für „Morgenstern“. Fügen wir beide Bezeichnungen zusammen, so finden wir zu unserer Verwunderung „Glänzender Morgenstern“ als ursprünglichen Namen unseres Widersachers. Im Herzen eines Christen ruft diese Feststellung sicherlich zunächst Widerwillen und Ablehnung hervor, benutzt der Herr Jesus doch zweimal im Buch der Offenbarung diesen Titel für Sich Selbst. Gerade Seine Darstellung als „glänzender Morgenstern“ ruft im Herzen der Braut, unterstützt durch den Heiligen Geist, den sehnlichen Ruf nach Seinem Kommen wach (Off 22,16.17). Kann dieser Titel je einem anderen verliehen worden sein?

Denken wir jedoch an Adam, den Urvater des menschlichen Geschlechts. Nachdem durch seinen Sündenfall der Tod zu allen seinen Nachkommen hindurchgedrungen war, kam Einer, um all den Seinen ewiges Leben zu bringen. Und wie wird Er in Gottes Wort bezeichnet (1Kor 15,45)? Als „der letzte Adam“! Der Herr bezeichnet Sich auch als den wahren „Weinstock“ (Joh 15). Auch diese Bezeichnung war vorher bereits auf das Volk Israel angewendet worden (Ps 80,8 u.a.). Ähnlich verhält es sich, wenn unser Herr Sich als den „Zeugen“ bezeichnet. Wo die Seinen (Jes 43,12) als Zeugen versagt hatten, da erschien Er als der „wahrhaftige Zeuge“ (Off 3,14). Er, der Sohn Gottes, erhebt manchen Titel, der durch menschliche Untreue erniedrigt und befleckt worden war, zu neuer Würde, indem Er Selbst diese Titel annimmt und in Sich zu voller Darstellung und Entfaltung bringt. Als Satan aus der Schöpferhand Gottes hervorging, war er zunächst der „Glanzstern des Morgens“. Er war wohl der Anführer der „Morgensterne“, die „miteinander jubelten“, als „alle Söhne Gottes jauchzten“ bei der Erschaffung der Erde, die ihm als sein Reich unterstellt werden sollte. Der strahlende Morgen wurde aber bald durch Wolken verdüstert – durch den Fall des Engelfürsten. Gott sei Lob und Preis, dass ein Anderer, der wahre „glänzende Morgenstern“, einst den Tag ewiger Ruhe und ewiger Herrlichkeit aufgrund Seines Erlösungswerkes einführen wird! Dann wird Er den Lobgesang inmitten der Seinen anstimmen (Ps 22).

Da aus Gottes Hand nichts Böses hervorgehen kann, fragen wir uns vielleicht, woher das Unrecht kam, das in Satan gefunden wurde. Erinnern wir uns daran, dass die Freiheit der Bewegung, des Willens, der Lebensgestaltung um so größer ist, je höher ein Geschöpf in der göttlichen Schöpfungsordnung steht (z.B. Stein, Pflanze, Tier, Mensch). Das höchste erschaffene Geisteswesen war nicht, wie wir, durch einen erdgebundenen Leib begrenzt und behindert; es konnte seinen Willen in fast jeder Beziehung ungehindert zur Auswirkung bringen. Allerdings war es auch keiner Versuchung von außen, wie ein Adam, ausgesetzt. Es stand im Genuss der höchsten geschöpflichen Vollkommenheit. Würde es diese auch aufrechterhalten? Das Klagelied des Propheten gibt uns darauf die Antwort: „Wie bist du vom Himmel gefallen, du Glanzstern, Sohn der Morgenröte!“ Der „Teufel“ wurde er erst durch sein eigenes Verschulden.

Die Bezeichnungen „Teufel“ (Ankläger, Verleumder, Durcheinanderwerfer) und „Satan“ (Feind, Widersacher), konnten ihm erst zugelegt werden, nachdem der Mensch erschaffen war, den er verklagen und auf listige Weise zu Fall bringen konnte. Es ist ein Beweis der Genauigkeit des göttlich inspirierten Wortes, dass wir diese Namen Satans in den ersten Kapiteln der Bibel nicht finden, wo sich sein Charakter noch nicht in dieser Weise geoffenbart hatte. Als Satan, den Widersacher der Segnung des schuldigen Menschen, finden wir ihn an manchen Stellen des Alten Testamentes (1Chr 21,1; Hiob 1; Sach 3), und seine Anklagen sind dort so berechtigt, dass viele Ausleger betonen, der Satan des Alten Testamentes sei eine Art geistlicher Staatsanwalt, der das Böse verfolge, wo immer es sich finde, und darin sei er ein Diener Gottes, ein Diener strikter Gerechtigkeit. Das ist gewiss nicht von der Hand zu weisen, zumal die Schrift selbst bezeugt, dass „Satan selbst die Gestalt eines Engels des Lichts annimmt“ (2Kor 11,14). Wo er das tut, maßt er sich an, immer noch der „schirmende Cherub“ zu sein. Sein wahrer Charakter und Name wird uns erst geoffenbart, als er sich dem im Fleische gekommenen Sohn Gottes feindlich gegenüberstellt. Erst hier wird er klar als Teufel bezeichnet. Es ging um eine Krisis, einen Wendepunkt der Ewigkeiten. Wäre es ihm gelungen, den „zweiten Adam“ auch nur in einer der drei Versuchungen zum Nachgeben zu bewegen – wie einst den ersten Adam –, so hätte Gott entweder Seinen geliebten Sohn verloren oder Seinen Thron durch Ungerechtigkeit. Preis sei dem Sieger! Keine Anschuldigung kann je gegen Ihn erhoben werden. Und auch die gegen Seine schwachen Jünger erhobenen Anklagen werden einst in vollkommener Gerechtigkeit zum Schweigen gebracht sein.

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Originaltitel: „Glanzstern (Lucifer), Sohn der Morgenröte‘“
aus Hilfe und Nahrung, 1982, Ernst-Paulus-Verlag, S. 51–55

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