Eine kritische Untersuchung der Hillsong Church (4)
Fazit

Stephan Isenberg

© SoundWords, online seit: 23.02.2020

Christlicher Lebensstil?

Es gibt einige Fakten über die Hillsong Church, die zur richtigen Einordnung eine Hilfe sein können. Während sich die Hillsong Church weniger um lehrmäßige Aspekte in der Bibel kümmert, zumindest was die Außendarstellung betrifft, gibt es durchaus hilfreiche Aspekte in den Predigten, die für ein Leben als Christ (und sogar als Nichtchrist) hilfreich sein können. Dem geübten Bibelleser wird jedoch die ein oder andere Ungereimtheit sofort auffallen; andere könnten durch die Übernahme ungesunden Gedankenguts verführt werden.

Dem Nichtchristen wird ein christlicher Lebensstil zwar als erstrebenswert vorgestellt, aber nicht der Weg, auf dem er auch die Kraft findet, so einen Lebensstil zu führen, nämlich allein durch eine gründliche Bekehrung, wobei man mit sich selbst und allem eigenen Ringen zu Ende gekommen ist und erkannt hat, dass aus dem natürlichen Menschen nichts kommt, was Gott in irgendeiner Weise verherrlicht. Man ist eben kein Christ, wenn man einen christlichen Lebensstil pflegt, sondern dann, wenn man sich durch Buße, Glaube und Bekehrung zu Christus gewandt hat. Es ist eine große Gefahr, dem Nichtchristen einen Lebensstil vorzustellen, den er dann imitieren kann, ohne wahres, neues Leben zu haben. Ich glaube, es war Wilhelm Busch, der einmal sinngemäß folgendes gesagt hat: Was nicht schwarz ist, ist schwärzlich, und was nicht weiß ist, ist weißlich, und was nicht Christ ist, ist christlich. – Wir machen uns schuldig, wenn wir Menschen dazu verleiten, dass sie sich für wiedergeborene Christen halten, es aber doch nicht sind. 

Der Apostel Paulus schrieb an sein geistliches Kind Timotheus:

  • 2Tim 4,3-5: Es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen werden, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, indem es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren, sich aber zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem, leide Trübsal, tu das Werk eines Evangelisten, vollführe deinen Dienst.

In 2. Timotheus 3,1 spricht der Apostel von den „letzten Tagen“. Wann immer diese letzten Tage sein werden, wir leben bereits fast 2000 Jahre nach dieser Botschaft, und da haben wir sicherlich das Recht, diese Verse auch auf unsere Zeit anzuwenden. Ich möchte diese Verse nicht überstrapazieren, aber mir scheinen doch einige Elemente sehr deutlich anwendbar. Und ich frage mich auch wirklich, auf was man diese Verse eigentlich überhaupt anwenden sollte, wenn nicht auf Bewegungen dieser Art.

Die gesunde Lehre nicht ertragen

Wir lesen hier von der gesunden Lehre, die man nicht mehr ertragen kann. Die Einseitigkeit der Darstellung christlicher Inhalte haben wir oben gesehen – man hat den Eindruck, dass gewisse Aspekte biblischer Belehrung einfach nicht ertragen werden können; entweder schweigt man darüber oder man handelt bewusst gegen die Belehrung des Neuen Testamentes (siehe die Handlungsweise in Bezug auf Mann und Frau in der Gemeinde oder das Nicht-beim-Namen-Nennen von Buße, Bekehrung, Sünde, Gehorsam, Hölle).

Nach ihren eigenen Begierden

Dann heißt es: „nach ihren eigenen Begierden“. Dabei wird das Wort für Begierden an anderer Stelle auch mit „Verlangen, Lust, Sehnsucht“ übersetzt, wobei es eben nicht nur um moralisch verwerfliche Begierden geht (vgl. 1Thes 2,17; Phil 1,23; Lk 22,15). Es geht also um Lehren, die den Menschen in seinem tiefsten Inneren befriedigen, es geht um die Befriedigung seiner eigenen Wünsche und diese stehen nicht selten bei den Predigten oder auch der Darbietung der Worship-Musik der Hillsong Church im Vordergrund. Es geht eben nicht nur um böse Begierden, sondern auch um das natürliche Verlangen eines Menschen, das jedoch im Kontrast zum neuen Menschen in Christus steht. Dieser neue Mensch hat ganz andere Wünsche, Ziele und Bedürfnisse. Der neue Mensch ist, wie wir oben bereits gesehen haben, ein himmlischer, geistiger oder geistlicher Mensch. Er ist „aus dem Geist geboren“, ist mit allen wiedergeborenen Christen zusammen „eine Behausung Gottes im Geist“, ist geistlicherweise ein Priester und betet deshalb „in Geist und Wahrheit“ an und bringt dabei „geistliche Schlachtopfer“. All das wird durch 1. Korinther 15,46-48 bestätigt:

  • 1Kor 15,46-48: Aber das Geistige war nicht zuerst, sondern das Natürliche, danach das Geistige. Der erste Mensch ist von der Erde, von Staub; der zweite Mensch vom Himmel. Wie der von Staub ist, so sind auch die, die von Staub sind; und wie der Himmlische, so sind auch die Himmlischen.

Das Kitzeln in den Ohren

Es geht in den Predigten oft um ein gutes Leben jetzt; es geht darum, das Leben zu genießen, hier Spaß zu haben; es geht um das eigene Verlangen, um die eigene Sehnsucht, um das, wozu ich Lust habe. Und wenn ich schon einen Gottesdienst besuche, dann muss mir die Darreichung der Predigt und der Musik auch gefallen, es muss schon in den Ohren kitzeln, es muss sich gut anhören und mir guttun und mich bitte nicht überfordern. Die Worship-Zeit kann gerne länger dauern, aber die Predigt sollte nicht länger als 25 bis 35 Minuten sein – wenn diese Dinge eingehalten werden, laufen die Leute in Scharen zu diesen Veranstaltungen. Timotheus wird aufgefordert, Trübsal zu leiden. Paulus bereitet ihn darauf vor, dass Christsein auch mal heißen kann, ganz alleine dazustehen, wie Timotheus das am Beispiel von Paulus erleben konnte (vgl. 2Tim 1,15). Das wird man wohl in einer Hillsong Church nur selten hören.

Jesus als Herrn bekennen

Eines muss man der Hillsong Church jedoch lassen: Sie hat ein großes Interesse daran, Jesus in dieser Welt bekanntzumachen und das Werk eines Evangelisten zu tun. Von dieser Hingabe sollten wir uns alle herausfordern lassen. Allerdings wollen wir uns befleißigen, das Evangelium in seiner ganzen Fülle, Kraft, Ernst und Schönheit weiterzugeben. Wir wollen uns nicht schämen, den Herrn Jesus auch als Herrn vor Nichtchristen zu bekennen. Das fehlt leider auf der ganzen Linie in sämtlichen Hillsong-Gottesdiensten. Der Herr wird lediglich mit seinem menschlichen Namen „Jesus“ genannt, so gut wie nie wird Er als „Herr“ bekannt. Die Frage muss erlaubt sein, ob es dann überhaupt der biblische Jesus bzw. das biblische Evangelium ist, das hier verkündigt wird. Denn die Heilige Schrift ist hier sehr klar: Alle Apostel sprachen überwiegend von dem Herrn Jesus Christus. Die Evangelien zeigen uns den erniedrigten Sohn Gottes, weshalb Er hier meist „Jesus“ genannt wird. Die Briefe sprechen hingegen von dem verherrlichten „Jesus“, weshalb Er nach dem Kreuz, der Auferstehung und seiner Verherrlichung zur Rechten Gottes in der Regel „Herr“ genannt wird. Lediglich in Bibelstellen, wo seine Menschheit betont wird, steht „Jesus“ ohne den Zusatz Christus oder Herr (vgl. Apg 1,11; 7,55; Heb 2,9 u.v.a.m.). Römer 10,8.9 sagt, was wir zu predigen haben: „Das ist das Wort des Glaubens, das wir predigen, dass, wenn du mit deinem Mund Jesus als Herrn bekennst und in deinem Herzen glaubst, dass Gott ihn aus den Toten auferweckt hat, du errettet werden wirst.“ Auch Apostelgeschichte 16,31 ist hier ganz klar: „Sie aber sprachen: Glaube an den Herrn Jesus, und du wirst errettet werden, du und dein Haus.“ Wenn Christus jedoch gar nicht als Herr gepredigt wird, wie können wir dann davon ausgehen, dass die Bekehrungen echt sind?

Schlussgedanke

Wir wollen uns freuen, dass der Name Jesus gepredigt wird, und mit Paulus wollen auch wir sagen: „Was denn? Wird doch auf alle Weise, sei es aus Vorwand oder in Wahrheit, Christus verkündigt, und darüber freue ich mich, ja, ich werde mich auch freuen“ (Phil 1,18). Dennoch bleibt ein fahler Beigeschmack und die große Sorge, dass durch diese Bewegung viele Menschen in eine falsche Sicherheit gewiegt werden. Die schriftgemäße Lehre über die Absonderung vom Bösen, wobei man sich von moralisch Bösem (1Kor 5,13) und lehrhaft Bösem distanziert (2Joh 11; 2Tim 2,19.21), ist hier Fehlanzeige. Dadurch hat man Gemeinschaft mit Bösem und „nimmt teil an bösen Werken“ (2Joh 11), obwohl man sie selbst nicht ausübt. Man mag zwar christliche Werte predigen, aber ansonsten kann jeder leben, wie er möchte und muss mit keinerlei erzieherischen Maßnahmen der Gemeindeleitung rechnen.

Die Heilige Schrift weist uns aber sehr deutlich darauf hin, dass wir „von der Ungerechtigkeit abstehen“ und uns von den „Gefäßen zur Unehre wegreinigen“ sollen (vgl. 2Tim 2,19.21) und dass aus der Gemeinde Böse hinausgetan werden müssen (1Kor 5,13). Es gibt in der Bibel unzählige Stellen, die uns deutlich machen, dass es nicht egal ist, mit wem wir Gemeinschaft haben (vgl. Röm 16,17; 1Kor 10,14-22; 1Kor 15,33; 2Kor 6,14-18; 1Thes 5,22; 1Tim 5,22; 2Tim 2,19.21; 3,5; 2Joh 10.11; Off 18,4). All das spielt in der Hillsong Church keine Rolle.

Der Einsatz und die Begeisterung in der Hillsong Church sind in vielen Bereichen vorbildlich und manche christlichen Kreise können hier einiges lernen und haben es nötig, wieder neu für die Sache des Herrn zu brennen. Immer wieder hört man, dass Menschen durch diese „Gottesdienste“ überhaupt auf den christlichen Glauben aufmerksam wurden, und darüber freuen wir uns sehr. Das rechtfertigt aber in keiner Weise diese „Gottesdienste“, und die Entwicklung hin zu einem erwachsenen Christen ist in dieser „Church“ leider nicht möglich.

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