Das Johannesevangelium (14)
Johannes 14

William Kelly

© SoundWords, online seit: 25.09.2002, aktualisiert: 24.05.2019

Leitverse: Johannes 14

Der Weg war jetzt freigemacht, um die christliche Hoffnung herauszustellen. Der Tod in seinem sehr ernsten und sehr gesegneten Aspekt war den Jüngern vor Augen gestellt worden, wie wenig sie auch bis jetzt fähig waren, ihrem Meister in Gedanken zu folgen, und in Wirklichkeit schon einmal erst recht nicht, wie der Herr es den wissen ließ, der am meisten auf sich selbst vertraute, wenn auch Petrus es nicht lernte, bis er seine eigenen außerordentliche Machtlosigkeit durch die niedrigste Verleugnung dessen, den er liebte, bewies. Wie viel haben wir durch höchst schmerzvolle und erniedrigende Erfahrung bei uns zu lernen, weil wir versagen bei erduldeter Unterwerfung und Abhängigkeit gegenüber unserem Herrn! Aber jetzt, nachdem das geklärt ist, wendet sich der Erlöser zu dem, was makellos strahlend ist, weil es da um Ihn geht. Es geht nicht um sein Kommen als Sohn des Menschen, um zu richten, auch nicht um sein Erscheinen in Herrlichkeit, um alles zurechtzubringen, was durcheinander ist, und um alle gerecht zu regieren. Es ist sein eigenes Kommen für seine Geliebten, damit sie bei Ihm sein können, wo Er ist: im Hause des Vaters in der Höhe.

Verse 1-4

Joh 14,1-4: Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubet an Gott, glaubet auch an mich. In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde ich es euch gesagt haben; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten. Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seiet. Und wo ich hingehe, wisset ihr, und den Weg wisset ihr.

Man konnte nicht radikaler mit dem jüdischen Empfinden brechen als mit solch einer Hoffnung. Das war sicherlich ein Schock, und es verwandelte alles vollkommen, was sie erwartet hatten. Aber eine irdische Aussicht, so gesegnet sie auch sein mochte, wurde hierbei nur durch eine himmlische und weitaus gesegnetere ersetzt. Mit seinem Fortgehen durch den Tod, was sie noch nicht verstanden, weder in seiner Tiefe des Leidens noch in seiner Wirksamkeit, sondern nur als ein Weggehen von ihnen auf Erden sahen, konnte natürlich Bestürzung ihre Herzen ergreifen; und Er beginnt, ihnen die allumfassende Bedeutung davon als Bahnbrecher für den Glauben zu erklären. Er sollte nicht mehr entsprechend der prophetischen Mitteilung als der Messias von Israel auf Erden sein, und noch weniger sollte Er sich dort in unbestreitbarer Herrlichkeit und widerstandsloser Macht offenbaren. Er ist im Begriff, als ein Mensch in den Himmel zu gehen und dort ein Gegenstand des Glaubens zu sein, da Er nicht mehr sichtbar ist, ebenso wie Gott. „Ihr glaubet an Gott, glaubet auch an mich.“ Das war ein ganz neuer Gedanke im Hinblick auf den Messias, dass Er hier verworfen, im Himmel verherrlicht und auf Erden geglaubt werden sollte: einfach genug jetzt, aber damals ein ganz fremder Klang und eine ganz neue Ordnung von Verbindungen, die für eine Zeit alles beiseiterückte, was Heilige und Propheten erwartet hatten. Nicht dass diese Dinge mehr als aufgeschoben wurden, sondern dass die Dinge, die ganz und gar unvorhergesehen und unerwartet waren, dadurch kommen sollten, dass der Herr nach der Erlösung in den Himmel ging, wobei aber auch davon genug im Alten Testament (wie z.B. in Psalm 110,1) steht, um den Mund eines Juden zu schließen, der das Gesetz verdrehen möchte, um das Evangelium zu leugnen.

Dies ist dann die zentrale Tatsache für den Christen und für die Versammlung. Christus herrscht nicht über die Erde, sondern ist verherrlicht in der Höhe als Frucht seiner Verwerfung hier unten. Aber es liegt ihnen allen so fern, wenn auch alles sonst nur Folgen in göttlicher Gnade oder Gerechtigkeit sind. Das Nächste, was Er weiterhin offenbart, ist, dass es droben, wo Er ist, Raum gibt für die Heiligen, die ihrem verworfenen Herrn folgen: „In dem Hause meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde ich es euch gesagt haben; denn ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten.“ Er würde nicht eine Hoffnung erweckt haben, die bei den Heiligen nicht verwirklicht werden könnte. Wenn Er sein eigenes strahlendes Heim bei dem Vater offenbart, so ist dort reichlich Platz für sie wie für Ihn; und seine Liebe, die sich selbst für sie dahingab, würde auch nichts sonst zurückhalten. Seine Liebe und die Liebe des Vaters – denn sie waren in der Tat in ihrer Absicht und in ihrer Natur eins – wollten sie nahe bei Ihm dort haben. In dem Haus des Vaters sind viele Wohnungen. Es geht nicht um Kronen oder Städte oder Platz in dem Reich. Es wird Belohnung geben entsprechend dem Wandel, wenn auch die Gnade ihre eigenen souveränen Rechte sichern wird. Aber hier verschwinden Unterschiede vor der unendlichen Liebe, die uns bei sich haben möchte vor dem Vater. Wenn es zu viel wäre oder wenn es nicht so wäre, hätte Er es uns gesagt, weil Er geht, uns eine Stätte zu bereiten. Die Liebe konnte niemals wissentlich ihren Zielpunkt enttäuschen und tut es auch nicht.

Da ist noch etwas anderes von tiefer Bedeutung, was hiermit in Zusammenhang steht, aber was klar offenbart wird, anstatt dass es für uns zur Erläuterung zurückgelassen wird. Er kommt, um die Seinen in den Himmel zu holen. Und dies sollte immer an dem Herzen wirken, wie wir es in der folgenden Lehre von dem Heiligen Geist sehen durch den Rest des Neuen Testamentes hindurch. Unser neuer Platz und unsere Heimat ist, wo Christus ist und wohin Er uns holen wird, wir wissen gar nicht, wie bald. Zeiten, Daten, Zeichen und Umstände werden absichtlich ausgeschlossen. Der Christ versteht sie mit einem gesunden Verständnis für das Wort, das alle Dinge erkennt, aber nichts von ihnen für seine eigene Hoffnung weiß. Er liest sie über den Juden oder den Heiden für die Erde; aber sein sind himmlische Dinge, wo solche Maßstäbe nicht herrschen. Er schaut über Sonne, Mond und Sterne hinweg nach dort, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt, und er weiß, dass Christus wiederkommen wird, ebenso sicher, wie Er fortgegangen ist, und dass Er gegangen ist, um für uns einen Ort zu bereiten. Und beachte, Er sendet nicht Engel, um uns nach oben zu holen. Das wäre etwas Großes, aber wie unermesslich größer ist die Liebe und die Ehre, dass Er, der Sohn Gottes, wiederkommt und uns zu sich holen wird, damit wir auch dort sein mögen, wo Er ist! Er kam für uns, um für unsere Sünden zur Ehre Gottes zu sterben; Er kommt wieder, um uns bei sich zu haben in derselben Heimat göttlicher Liebe und Nähe zu dem Vater, wo Er ist. Er konnte nicht mehr tun, und Er wollte nicht weniger tun. Es gibt keine Liebe, die der unseres Herrn Jesus gleichkommt; auch ist die vorhergesagte Erhöhung für Israel und noch weniger für andere damit zu vergleichen, genauso wenig, wie die Erde mit dem Himmel zu vergleichen ist.

„Wo ich hingehe, wisset ihr, und den Weg wisset ihr.“ Seine eigene Person, der Sohn des Vaters, in Gnade und Wahrheit den Menschen offenbart und den Vater offenbarend, ist der Weg, der nur in den Himmel führen konnte. Er kam von Gott, und Er ging zu Gott. Kein irdischer Segen konnte angemessen seine Herrlichkeit zum Ausdruck bringen. Er könnte und würde diese Herrlichkeit nehmen und Gott in Herrlichkeit wie in Niedrigkeit verherrlichen; aber der Heilige fühlt ständig, dass es mehr und Höheres gibt und geben muss. Der Himmel ist der Bereich dessen, der mit seinem Vater reden konnte und der seinen Kräften gebieten konnte, wenn Er auch, während Er hier war, niemals den Platz des niedrigsten der Menschen und des Knechtes aller Bedürfnisse verließ. Doch da Er Sohn mit Bewusstsein war, so wussten die Heiligen, dass Er zu dem Vater gehen musste, da Er der Weg dorthin war und ist. Der Herr hatte die innere bewusste Erkenntnis der Jünger von Gott niedergelegt und die Herrlichkeit seiner eigenen Person, die sie bekannten und die bald durch die Erlösung und die Gabe des Geistes in vollem Verständnis erblühen würde. Aber sie waren bis jetzt noch sehr schwerfällig, die Bedeutung davon zu verstehen; der, der unter ihnen bekannt war für seine düsteren Gedanken, drückt seine Schwierigkeit hiermit im Namen aller anderen aus.

Verse 5-7

Joh 14,5-7: Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst, und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich. Wenn ihr mich erkannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennet ihr ihn und habt ihn gesehen.

Die Gedanken des Thomas begrenzten den Herrn auf jenen irdischen Horizont, der die Grundlage seiner eigenen Hoffnungen, dass Israel sich um seinen Messias scharen würde, bildete. Er konnte nicht – ebenso wenig wie die anderen – begreifen, wohin sich der Herr zurückzog, jetzt, wo Er zu dem Volk und dem Land gekommen war, das, wie Er wusste, das Pfand dafür hatte, reich und ewig gesegnet zu werden. Wie sollte man da den Weg wissen? Sein Denken war noch irdisch. So wie er keinen Gedanken an den Himmel hatte für den Herrn Jesus, so übersah er auch den Weg. Aber das gab dem Herrn die Gelegenheit, in Worten, die so einfach und gleichzeitig so tief waren, zu verkünden: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Vieles, was in ihnen Gestalt annahm, konnte von Zeugnissen für Ihn herstammen, besonders von seinen eigenen vorherigen Reden, wie sie uns in diesem Evangelium angegeben werden. Aber so viel wie hier wird nirgendwo in einem so kurzen Ausdruck vereint. Das war seiner würdig, und besonders in jenem Augenblick.

Ein Weg ist eine große Wohltat, besonders durch eine Wüste, die ihrem Charakter nach keinen Weg hat. Auch hatte der Garten Eden oder die nicht gefallene Schöpfung keinen Weg; aber dann brauchte man auch keinen. Denn alle Dinge überall waren gut, und solange der Mensch nicht von der verbotenen Frucht aß, gab es kein Umherirren. Alles andere war dafür da, ihn zu erfreuen und Gott zu danken. Aber die Sünde drang ein und der Tod, der Vorbote des Gerichtes; und alles verwandelte sich in eine Wüste, und die Menschen wanderten in alle Richtungen, alle von ihnen weg von Gott und unwiederbringlich in die Irre: wahrlich eine Wüstenwelt, eine öde Welt, wo es keinen Weg gibt. Nicht dass die Verheißung nicht mehr oder weniger die Hoffnung auf Besseres hochhielt; nicht dass nicht das Gesetz zur rechten Zeit Donner und Blitz hervorbrachte; aber Gottes Weg war nicht bekannt, so wie seine Gnade allein diesen Weg zeigen konnte. Jetzt ist er es; denn Christus ist der Weg, der einzig sichere Weg auch für den am meisten in der Irre gehenden Sünder, eingestandenermaßen für die Verlorenen, die zu suchen und selig zu machen Er gekommen ist; und Er ist der Weg zu dem Vater, nicht zu Gott als in Macht und Herrlichkeit auf Erden offenbart, wie die Juden es für den Tag, der kommen soll, erwarteten, wenn der verworfene Messias als der glorreiche Sohn des Menschen zurückkehrt. Aber Er ist viel mehr, und Er steht über jeder Zeit oder jedem Wechsel. Die tiefste Verwerfung drängt nur das hervor, was immer da war, seine eigene persönliche Herrlichkeit als Sohn des Menschen, die jede Zeit überragt. Und im vollen Bewusstsein dessen sagt Er zu dem düster blickenden Thomas: „Ich bin der Weg.“

Warum sollte man auf die Zeit warten, wo die Wüste durch seine Gegenwart und Macht erfreut wird? Dann wird ohne Zweifel das dürre Land zum Teich werden und das durstige Land zu Wasserquellen; und eine Straße wird dort sein und ein Weg, und er wird der heilige Weg genannt werden; kein Unreiner wird darüber hinziehen, sondern er wird für sie sein. Wer auf dem Wege wandelt – selbst Einfältige werden nicht irre gehen. Aber Er ist dieses und noch viel mehr jetzt für alle, die an Ihn glauben; und der Glaube hat seine Freude daran, alles anzuerkennen, was Er ist, wie Gott Freude daran hat, es kundzumachen, während der Unglaube Ihn nicht anerkennt und an Ihm vorbeigeht und Ihn ausstößt. Er ist dementsprechend der eine göttliche Weg; und so wie es keinen anderen Weg gibt, so ist Er vollkommen ausreichend für den, der keine Kraft oder Weisheit oder irgendeinen Wert hat. Aber Christus ist jetzt der Weg für die Schritte solcher, die Ihn kennen, die Weisheit Gottes in einer bösen Welt – Er selbst ist der höchste und vollkommenste Ausdruck jener Weisheit, und so ist dieser Weg für das Kind im Glauben ebenso offen wie für einen Apostel.

Weiterhin ist Er die Wahrheit, der volle Ausdruck von jedem und allem, so wie die Dinge sind. Er sagt uns in seiner eigenen Person, was Gott ist; Er zeigt uns den Vater, weil Er selbst der Sohn ist. Aber Er, nicht Adam, zeigt uns den Menschen. Adam zeigt uns ohne Zweifel den fallenden oder gefallenen Menschen; Christus allein ist der Mensch nach dem Bild Gottes, sowohl moralisch gesehen als der, der einst hier unten war, als auch dem Ratschluss nach als der, der jetzt auferstanden und im Himmel ist. Mehr noch, so wie Er uns die Heiligkeit und Gerechtigkeit zeigt, so stellt Er auch die Sünde in ihrem wahren Gepräge heraus, wie Er es selbst sagt: „Wenn ich nicht gekommen wäre und zu ihnen geredet hätte, so hätten sie keine Sünde; Jetzt aber haben sie keinen Vorwand für ihre Sünde. Wer mich hasst, hasst auch meinen Vater. Wenn ich nicht die Werke unter ihnen getan hätte, die kein anderer getan hat, so hätten sie keine Sünde; jetzt aber haben sie gesehen und gehasst sowohl mich als auch meinen Vater.“ Deshalb deckt Er, und Er allein, seinen Gegner, den Teufel, persönlich auf, den Fürsten dieser Welt, aber den ständigen Feind des Sohnes.

Sogar das Gesetz, so heilig, gerecht und richtig auch die Vorschriften sein mögen, ist nicht die Wahrheit; denn es ist vielmehr von Seiten Gottes die Forderung von dem, was der Mensch tun sollte; aber Christus sagt nicht bloß das, was er sein sollte, aber auch, was er ist. Das Gesetz verlangt seine Pflicht; Christus erklärt, dass alles vorbei ist und dass er verloren ist. Aber Christus zeigt uns auch einen Erlöser in seiner eigenen Person, und das von Gott und mit Gott. Nicht dass Er nicht der Richter ist, denn Er wird die Lebendigen und die Toten richten, ebenso sicher, wie Er erscheinen wird und sein Reich aufrichten wird; aber Er ist jetzt und bis zum Äußersten der Erlöser. Es wäre wirklich unmöglich, zu sagen, was an Gutem und Herrlichem Er nicht ist oder von welchem Bösen Er nicht befreit. Er ist die Wahrheit, die Offenbarung der wahren Beziehung aller Dinge zu Gott und folglich auch die Offenbarung des Abweichens irgendeiner Sache von Gott. Er, und Er allein, konnte auf die Herausforderung „Wer bist du?“ antworten: „Durchaus das, was ich auch zu euch rede.“ Er ist, was Er auch redet; Er ist, wie kein anderer Mensch jemals, die Wahrheit; und das, wie Er in demselben Kapitel 8 unseres Evangeliums mitteilt, weil Er nicht bloß Mensch allein ist, sondern auch Gott.

Aber Er ist noch mehr als der Weg und die Wahrheit: Er ist das Leben, und das, weil Er der Sohn ist. In Gemeinschaft mit dem Vater macht Er lebendig. Es ist nicht so im Gericht; denn der Vater richtet niemand, sondern Er hat jede Art von Gericht dem Sohn übergeben, und das, weil Er der Sohn des Menschen ist; und so wie die Menschen Ihn entehrten, weil Er in Liebe geruhte, Mensch zu werden, so wird der Vater Ihn ehren, nicht bloß als Gott, sondern als Menschen im Gericht. Die Gläubigen ehren Ihn in einer ganz anderen und weit hervorragenderen Art. Sie beugen sich Ihm jetzt; freiwillig, freudig preisen sie Ihn jetzt, während Er von der Welt verachtet wird. Sie stehen so durch Gnade in Gemeinschaft mit Gott, der Ihn zu seiner Rechten im Himmel gesetzt hat und der später jedes Geschöpf zwingen wird, sich vor Ihm zu beugen und Ihn als Herrn anzuerkennen zu seiner eigenen Ehre. Aber diejenigen, die an Ihn glauben, haben jetzt in Ihm das Leben, das dazu führt, dass sie jetzt durch die Kraft des Geistes das Gute tun; und deshalb werden sie sich der Auferstehung des Lebens bei seiner Wiederkunft erfreuen, während die, die Böses getan haben, zu einer Auferstehung des Gerichtes zur entsprechenden Zeit aufgeweckt werden müssen.

So hat der Gläubige Christus für alle möglichen Bedürfnisse und für jeden Segen, den unser Gott und Vater verleihen kann. Man kann Ihn nicht als den Weg und die Wahrheit haben, ohne Ihn auch als das Leben zu haben, denn Er ist in der Tat die Auferstehung und das Leben; und dieses Leben, das wir in Ihm, dem Sohn, haben, kräftigt und übt der Heilige Geist. Sein Wort nährt es, indem es Ihn immer wieder neu vor unserer Seele offenbart. Die Gabe Gottes ist ewiges Leben durch Jesus Christus, unseren Herrn; und so wie der Weg in Christus ein Pfad der Liebe und der Freiheit und der Heiligkeit ist, so ist das Ende auch ewiges Leben.

Auch gibt es kein anderes Mittel für den Segen: „Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich“, sagt der Herr. Da besteht die sicherste Garantie, das höchste und größte Gut, aber es ist absolut ausschließlich. Durch niemand als durch den Sohn kann man zum Vater kommen; durch Ihn kann jeder kommen, der stolzeste Jude, der schlechteste Heide. Durch Ihn haben beide Zugang durch einen Geist zum Vater, wie der Apostel ausdrücklich sagt, als er die Natur jener Versammlung zeigt, die jetzt den Platz des alten Gottesvolkes einnimmt. Aber man beachte, dass es nicht nur Gott in souveräner Gnade über die Sünde ist, der die schuldigsten und elendesten Menschen rettet, sondern der Vater als solcher; darin besteht jene Gemeinschaft der Gnade, die der Sohn ewig in seinem eigenen Recht und Anspruch kannte, und nichts weniger, sondern noch viel mehr zur Ehre seines Vaters, als Er Ihn auf Erden als der vollkommen abhängige und gehorsame Mensch verherrlichte. Wie wunderbar, dass wir zu dem Vater, zu seinem und unserem Vater, zu seinem und unserem Gott, kommen sollen! Ehre sei Ihm und seinem Werk der Erlösung, durch das allein dies für uns bereitet werden konnte, die wir glauben.

Als Nächstes lässt der Erlöser sie wissen, dass die Erkenntnis des Vaters untrennbar verbunden ist mit der des Sohnes: „Wenn ihr mich erkannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennet ihr ihn und habt ihn gesehen.“ Er ist das Bild des unsichtbaren Gottes; in dem Sohn wird der Vater erkannt; und den Jüngern wird es jetzt gegeben, dies objektiv zu lernen.

Aber sowohl der klarste und geistig aktivste der Jünger ist ebenso nicht in der Lage, in diese göttlichen Dinge einzudringen wie der am meisten zurückhaltendste und schwerfälligste.

Verse 8

Joh 14,8: Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.

Ein hervorragender Wunsch – so könnte es vielen, die seine Worte lesen, scheinen – für einen, der Jesus gesehen hatte und der gleichzeitig anderen geholfen hatte bei ihrem Wunsch, Jesus zu sehen. Aber es war trauriger Unglaube bei Philippus, besonders nach den geduldigen und gnadenreichen Worten, die gerade ausgesprochen worden waren, um sie weiterzuführen.

Verse 9-12

Joh 14,9-12: Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, und wie sagst du: Zeige uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke. Glaubet mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubet mir um der Werke selbst willen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe.

Der Herr ließ so einen breiten Strahl von Licht auf die Verwirrung der Jünger herabfallen. Der Messias selbst war nicht ein bloßer Mensch, wenn Er auch von Gott begabt und geehrt war. Er war wahrer Mensch und war der Niedrigste der Menschen; aber wer war Er, der es sich gefallen ließ, von der Jungfrau geboren zu werden? Er war der Sohn – Er war Gott nicht weniger als der Vater, und in Ihm offenbarte der Vater sich selbst als solcher. Gott formte und bildete in Gnade seine Kinder durch die Offenbarung seiner Liebe und Gedanken und Wege in Christus, dem Sohn, als Menschen auf Erden. Dieses hatten sie erkannt, und doch hatten sie es nicht erkannt. Sie waren mit Ihm vertraut und mit den Tatsachen seiner täglichen Werke und Worte und empfanden bis dahin wenig, dass es Worte und Werke für die Ewigkeit waren von dem Schöpfer, der sich in unvergleichlich tieferer Art offenbarte als in den Wundern seiner Schöpfung oder seiner Herrschaft in Israel.

Keiner hat zu irgendeiner Zeit Gott gesehen: Der eingeborene Sohn, der in dem Schoß des Vaters ist, der hat Ihn kundgemacht. Dazu kam Er herab, nicht bloß, um die Sünde durch sein Opfer zu vernichten, sondern um das ewige Leben zu offenbaren, das bei dem Vater war, und zwar tat Er dies als der Sohn, der den Vater offenbarte. Wie neu ist die Ordnung des Seins, wie seltsam ist dieser Denkbereich für die Jünger! Aber dies hatte Jesus immer hier unten getan, Er war mit den Aufgaben seines Vaters beschäftigt, lange bevor Er seinen Dienst begann. „Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist?“ Alles ging um die Herrlichkeit seiner Person; und die Einheit der Gottheit selbst, die grundlegende Wahrheit, die Israel bezeugen musste, bereitete dem nachdenkenden Geist des Menschen Schwierigkeiten, denn er war nicht in der Lage, sich über seinen Erlebnisbereich zu erheben. Nicht nur hatten Gesetz und Propheten und das Zeugnis von Johannes dem Täufer den Weg bereitet, sondern die Worte, die Jesus sagte, waren anders als die, die jemals ein Mensch gesagt hatte. Es waren nicht bloß menschliche Dinge, und auch waren sie nicht unabhängig von seinem Vater. Er war Fleisch geworden, aber Er hörte niemals auf, das Wort, der Sohn, zu sein; und die Werke, die Er tat, trugen den unmissverständlichen Stempel desselben gnädigen Einen: des Vaters. Er tat diese Werke (oder: seine Werke). Die Jünger wurden deshalb aufgerufen, zu glauben, dass Er in dem Vater war und der Vater in Ihm; ein Zustand des Seins, der nur in der göttlichen Natur möglich ist, für die die Werke selbst Zeugnis ablegten, die den Ungläubigen ohne Entschuldigung ließen.

Und dies verfolgt der Herr mit seiner Formel besonderen Ernstes weiter in Vers 12, wo Er das Zeugnis mitteilt, das zu Ehren seiner Person gegeben werden würde, wenn und weil Er zu dem Vater ging; die Kraft, die den Gläubigen erfüllen und ihn fähig machen würde, nicht nur zu tun, was sie Jesus hatten tun sehen, sondern sogar noch größere Dinge zu Ehren seines Namens. Und dies wurde buchstäblich erfüllt. Denn niemals hören wir davon, dass der Schatten des Herrn Kranke heilte oder dass Kleider von seinem Leib genommen wurden (außer in Legenden), um Krankheit zu heilen oder Teufel auszutreiben, um nicht von den Mengen zu sprechen, die weit und breit durch die Lehre der Apostel hinzugebracht wurden. Konnte es einen größeren Beweis der göttlichen Macht geben, als dass seine Knechte dasselbe wirkten wie Er und noch mehr!? Und das wiederum mehr, als Er in den Himmel auffuhr, als zu dem Zeitpunkt, wo Er sie während seiner Gegenwart auf Erden aussandte! Aber wenn auch die offenbarte Macht, wenn die Werke auch größer sein sollten, wer könnte sich selbst mit dem Herrn vergleichen in selbstaufopfernder Liebe, Abhängigkeit und Gehorsam ? Ganz gewiss keiner, der an Ihn glaubte, keiner, der durch Ihn so mächtig wirkte.

So hatte der Herr das ernste und tief innen frohmachende Versprechen garantiert, dass sein Fortgehen zu dem Vater in keiner Weise den mächtigen Strom gnädiger Macht, in dem Er hier unten gewirkt hatte, aufhalten und zum Versiegen bringen sollte. Der an Ihn glaubende Mensch sollte vollbringen, was Er tat, ja noch größere Dinge. Dies verfolgt Er jetzt weiter und erklärt es durch den Ort, der für jene Übung des Glaubens gegeben war, die sich im Gebet äußert und das fortan seinen vollsten Charakter in seinem Namen haben sollte, der den Vater bis zum letzten verherrlicht hatte.

Verse 13.14

Joh 14,13.14: Und was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, auf dass der Vater verherrlicht werde in dem Sohne.  Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.

Die Jünger sollten also auf die Macht rechnen, die nicht täuschen konnte, wenn sie seinen Namen anriefen; denn Jesus war nicht bloß ein Mensch, dessen Fortgehen beenden muss, was Er zu tun pflegte, als Er da war. In seiner Abwesenheit würde Er sich selbst als der Göttliche beweisen und der trotzdem nicht weniger an ihren Bitten interessiert war, weil Er von den Toten auferstanden war. Was immer sie bitten würden, Er wollte es tun, damit der Vater in dem Sohn verherrlicht werden könnte. Und mit der leuchtenden Zusicherung in Vers 13 – egal, was für Schwierigkeiten auftauchen würden – war Er nicht zufrieden, und Er wiederholte das in Vers 14 im Hinblick auf irgendeine besondere Bitte ihrerseits mit noch mehr Betonung seines persönlichen Eingreifens.

Aber der Herr fügt noch eine gute Portion mehr hinzu, und zwar etwas von tiefster Bedeutung:

Verse 15-19

Joh 14,15-19: Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote; und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit, den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr [aber] kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich komme zu euch. Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

Die Art, wie sie ihre Liebe und Ergebenheit ihrem Meister gegenüber zeigen könnten, würde der Gehorsam sein; denn wie groß auch seine Gnade ist, Er verbirgt ihnen nicht seine Autorität. Seinen Befehlen zu gehorchen, würde also ihre Liebe weit besser beweisen als der Eifer in den Werken oder in Trauer während seiner Abwesenheit. Denn seine Abwesenheit, so ernst sie auch eigentlich ist, wird durch Gottes Güte und Weisheit zu noch größeren Segnungen und tieferen Wegen für die Heiligen umgewandt, denn sie bietet ja die Gelegenheit dafür, die verborgenen Ratschlüsse Gottes zu seiner eigenen unendlichen Verherrlichung in Christus hervorzubringen. Ihre Aufgabe war es, seinen Geboten zu gehorchen, da sie Ihn liebten; während Er den Vater bitten würde, der ihnen einen anderen senden würde, einen Sachwalter oder Fürsprecher, wie Er selbst es gewesen war, einen, der ihre Sache auf sich nehmen würde und sie durchbringen würde, wie ein römischer Schutzherr alter Zeit es für seine Klienten tat oder ein moderner Rechtsanwalt es jetzt in seinem geringen Maß tut. „Tröster“ scheint ein zu nahes Wort und trennt den Geist ungeziemend von unserem Herrn, der kaum so in 1. Johannes 2,1 bezeichnet werden könnte, wo der Sachwalter für sein Wirken in der Höhe angewandt wird, wie hier auf das des Heiligen Geistes auf Erden.

Weiterhin sollte dieser andere Sachwalter, den der Vater in Antwort auf Christus geben würde, nicht nur für eine kurze Zeit da sein, wie der Erlöser hier unten: „Er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit.“ Dies ist eine sehr tröstende Wahrheit, aber sie ist auch für die Christenheit sehr ernst. Wer glaubt daran? Gewiss nicht die, die sich evangelischer Ansichten rühmen und doch ihren unbewussten Unglauben dadurch zeigen, dass sie regelmäßig am Anfang jedes Jahres bitten, dass Gott aufs neue seinen Heiligen Geist auf seine Kinder in ihrem elenden Zustand ausgießen solle. Bedeutet das, dass die selbstgefällige Masse in der Christenheit (die solche besondere Bitten nicht äußert, aber die annimmt, dass der Heilige Geist notwendigerweise und unfehlbar durch Päpste oder Patriarchen oder ähnliche eingesetzte geistliche Würdenträger wirkt) richtiger glaubt? Weit gefehlt. Sie blähen sich auf in Stolz, als ob Gott ihre Stellung unterstütze und sanktioniere. Und größte Verblendung hält ihre Augen, so dass sie nicht erkennen können, dass ihr Zustand ein Abweichen von Gottes Wille und Wahrheit und Gnade ist. Aber der entgegengesetzte Pol eines Irrtums kann auch ein Irrtum sein; und der Behauptung, dass der Heilige Geist Babylon in ihrer Verwirrung der Welt und der Gemeinde leite, wird nicht abgeholfen durch die praktische Verleugnung der bleibenden Gegenwart des Geistes in den periodisch wiederkehrenden Bittgebeten für ein neues Ausgießen des Geistes auf uns.

Es wäre gut, um ein einfältiges Auge und einen Geist der Demut zu bitten, damit wir aufhören könnten, Böses zu tun, und lernten, Gutes zu tun, und zwar mit einem wahrhaft bußfertigen Herzen und mit einem tiefen Empfinden für das, wovon wir abgefallen sind, und für Christi baldige Wiederkunft. Es wäre gut, uns selbst an dem Wort Christi zu richten, nicht nur in unserem individuellen Wandel, sondern auch in unseren gemeinschaftlichen Wegen und Gottesdiensten. Es wäre gut, darauf zu achten, dass wir weder den Geist betrüben noch Ihn dämpfen, dass wir ernsthaft wünschen, mit Kraft durch seinen Geist an dem inneren Menschen gestärkt zu werden, wenn wir es nicht wirklich zuerst einmal nötig haben, von Ihm erleuchtet zu werden, damit wir erkennen, welches die Hoffnung der Berufung Gottes und welches der Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen und welches die überschwängliche Größe seiner Kraft an uns, den Glaubenden, ist. Dies sind die wahren Bedürfnisse sogar dort, wo man sich schon einzeln des Friedens mit Gott erfreut; denn es gibt im Allgemeinen nichts, was dem Christen oder der Versammlung so wenig bekannt ist als das, was der Christ und die Versammlung wirklich ist; und wie kann man die Aufgaben oder Pflichten erkennen, wo man die Gemeinschaft nicht kennt oder missversteht?

Nun dreht sich all dies um die großen Wahrheiten, die in diesem Kapitel unseres Evangeliums vor uns stehen, um die Abwesenheit Christi von der Welt, um seinen Platz als der auferstandene Mensch im Himmel aufgrund der Erlösung einzunehmen und um die Gegenwart des Heiligen Geistes, der herabgesandt werden sollte, um in Ewigkeit bei den Heiligen zu sein. Der Glaube zeigt sich dann sicherlich nicht darin, dass man Ihm trotz unseres Versagens Versagen im Bleiben zurechnet und um ein neues Ausgießen bittet, als wenn Er in Abscheu entflohen wäre und wieder neu gesendet werden müsste, sondern darin, dass man sich von jedem Bösen löst, das durch das Wort verdammt wird, und dass man den Willen Gottes tut, soweit wir ihn erkennen, und auf die zugesicherte Gegenwart des Geistes entsprechend der Verheißung des Erlösers rechnet. Segen und Kraft folgen dem Gehorsam, so wie der Herr es hier darlegt. Es kann moralisch nichts Falscheres geben, als in dem zu verharren, von dem wir wissen, dass es falsch ist, dass wir auf Kraft warten und dann gehorchen wollen. Nicht so; dies auch besonders deswegen, da sogar diese hohle Entschuldigung das klare Vorrecht des Christen leugnet, dass er den Geist schon in seinem Christendasein hat. Und so ist es auch bei der Versammlung Gottes: Wenn es nicht so ist, ist es irgendeine andere Versammlung, aber nicht seine; denn nur durch die Gegenwart des Geistes ist die Versammlung wirklich richtig. Sie ist immer und in allen Dingen verpflichtet, sich von Ihm leiten zu lassen, von dem „Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht, noch ihn kennt; ihr aber kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.“

Der Herr schaute hierbei weiter auf die Gegenwart des Heiligen Geistes bei den Heiligen, und Er sicherte ihnen nicht nur zu, dass Er ewig da sein sollte, sondern Er erklärte ihnen auch, warum die Welt an Ihm kein Teil haben konnte; wohingegen die Menschen den Messias objektiv schauen und kennen könnten, wenn auch äußerlich und für das ewige Leben umsonst. Aber was könnte die Welt mit dem Geist, wie Er jetzt gegeben ist, gemeinsam haben? Er konnte nur durch seine Gegenwart bei den Heiligen außerhalb der Welt die Sünde aufdecken und Gerechtigkeit und Gericht zeigen. Aber Er ist kein Gegenstand, den man sehen oder erkennen kann, und die Welt hat keinen Glauben, sonst würde es nicht die Welt sein. Dagegen würden die Heiligen, die Christen in Zukunft, dadurch gekennzeichnet sein, dass sie Ihn kennten, unsichtbar wie Er ist, „denn er bleibt bei euch und wird in euch sein“. Nicht dass man mit Euthymius Zigabemus, dem mancher Gläubige von damals bis heute gefolgt ist, denkt, dass das die Bedeutung ist, dass Er in Jesus bleibt, der unter ihnen war; sondern dass, wenn Er gegeben wäre, Er bei ihnen bleiben sollte, anstatt einen kurzen Aufenthalt, wie bei dem Herrn, zu nehmen; ja dass Er nicht nur bleiben sollte, sondern in ihnen sein sollte, was der Messias als solcher nicht sein konnte, wenn Er auch mit ihnen zusammen war. Es sollte eine neue, besondere und innige Gegenwart Gottes in und bei den Heiligen sein im Gegensatz zu der Welt, die Christus verworfen hat. Und es gibt kein sichereres Zeichen oder eine sicherere Vorbereitung für den Endabfall in seiner letzten Form als jenes ungläubige Abweichen von Gott, das die Heiligen und die Welt zusammen verbindet – sei es in einer päpstlichen Anmaßung von der Sanktion des Geistes oder in einem protestantischen Unglauben von seiner Gegenwart. Man kann das Letztere verstehen aufgrund ihrer Erfahrung mit einem Namen, der ringsum und innen tot ist, was sie dazu verleitet, nach dem Geist zu schreien, als wenn Er weg wäre, anstatt alles aufzugeben, was Ihn betrübt und was die Offenbarung seines gnädigen Wirkens hindert.

Aber der Herr sagte: „Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich komme zu euch.“ Hier ist nicht seine zukünftige Wiederkunft gemeint, sondern die Gabe des Geistes. So würde Er sie während seiner eigenen Abwesenheit trösten. „Noch ein kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“ Nichts konnte ihren eigenen Gedanken mehr entgegenstehen und ihren Erwartungen von dem Messias Israels, den jedes Auge sehen sollte, wenn Er auch seinem eigenen Volk auf Erden besonders verbunden sein sollte. Jetzt sollten sie durch den Heiligen Geist Ihn sehen, den die Welt verworfen und verloren hatte und den sie nicht mehr, außer im Gericht, sehen sollte. Und die Heiligen sollten Ihn nicht nur schauen, sondern eben dasselbe Leben leben, sie sollten Christus haben, der in ihnen leben würde, wie der Apostel Paulus sagt oder wie der Herr hier sagt: „Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.“ Christus ist ihr Leben, und zwar in Auferstehungskraft, auf die die gewählte Zukunftsform des Verbums weisen mag.

Aber da ist mehr als Leben, so gesegnet es auch ist: Man lebt, weil Christus lebt, Er selbst ist ihr Leben, nicht als Sohn allein, sondern als der Auferstandene und gen Himmel Gefahrene. Der Geist ist Kraft, um zu sehen und zu erkennen, im Gegensatz zu Fleisch und Welt. Und hier wird dargestellt, wie Er gegeben und erkannt wird und bei und in ihnen bleibt. Seine Kraft ist etwas sehr Ernstes, wo Christus nicht das Leben ist: unsagbar segensvoll ist sie, wo wir von seinem Leben leben.

Vers 20

Joh 14,20: An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch.

Es ist hier nicht einfach die Herrlichkeit seiner Person, wie in den Versen 10 und 11. Das war wahr und war ein Gegenstand des Glaubens damals. „Glaubst du nicht“, sagte der Herr zu Philippus, „dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist?“ Seine Worte und Werke bezeugten es. „Glaubet mir“, sagte Er zu allen, „dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist.“ Sein Menschsein hinderte oder verringerte in keiner Weise seine Würde oder sein wesentliches Einssein mit dem Vater; und es war und ist für die Gläubigen von größter Bedeutung, dies unerschütterlich und anbetend festzuhalten. Der Sohn ist Gott, ebenso wie der Vater. Aber jetzt sollte es mehr geben und sollte mehr erkannt werden; das war unmöglich ohne seine persönliche Herrlichkeit, aber es war abhängig von seinem Werk und der Gabe des Geistes. Wir sind jetzt so weit, denn jener Tag ist da. Es ist nicht die zukünftige Herrlichkeit, sondern die gegenwärtige Gnade, die uns in die nächste lebendige Verbindung mit Ihm bringt, der in die himmlische Herrlichkeit zurückgekehrt ist und doch eins mit uns hier unten ist, wie wir mit Ihm dort sind durch den Heiligen Geist, der gegeben ist, damit wir dies alles erkennen könnten.

Es ist traurig, wie schwer es den Heiligen, den wirklichen Heiligen Gottes, fällt, dies zu erkennen, wodurch sie nicht nur unzählige Wege größer Bedeutung verpassen, sondern auch Ihn entehren, den man jetzt nur im Geist und in der Wahrheit richtig ehren und anbeten kann. Der Tag der Formen und Schatten ist vorbei; das wahrhaftige Licht leuchtet jetzt in Christus allein, dessen verantwortliche Lichtträger seine Heiligen sind, da sie das Wort des Lebens verkündigen. Aber da ist mehr hier, wenn auch alles mit Ihm verbunden ist. Es ist nicht, dass Christus in der Welt gegenwärtig ist und über das Land oder sogar über die ganze Erde herrscht. Er ist hier der Verachtete und Verworfene der Menschen, aber der im Himmel Verherrlichte. „An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin“ – eine Verbindung und Sphäre, die unvergleichlich herrlicher ist als der Thron seines Vaters David. Sie ist nicht nur himmlisch, sondern drückt auch die unendliche Nähe zu dem Vater aus; und das gibt dem Christentum seinen Charakter. Ihr ganzer Segen ist abhängig von dem, wer und was und wo Christus ist. Der Unglaube bei den Heiligen, die mit der Welt gemeinsam wandeln und in Traditionen erstarrt sind, behandelt alles als leblose Tatsache, und nicht als Wahrheit, die durch den Geist die Seele formt und führt; der Unglaube der Menschen lernt es schnell, sogar die Tatsachen abzuleugnen und lächerlich zu machen. Umso dringender ergeht der Ruf an alle, die durch Gnade glauben, dass sie in dem himmlischen Licht wandeln sollen; und das umso mehr, als wir nicht nur wissen, dass Er in dem Vater ist, sondern auch dass wir in Ihm und Er in uns ist, wie der Herr es in den schon zitierten Worten zum Ausdruck brachte.

Man kann sich kaum einen auffallenderen Gegensatz in der Stellung und Beziehung vorstellen als den von Christus und den Seinen, wie es hier beschrieben wird, und dem Messias und seinem Volk, wovon die damals Lebenden nicht durch die Tradition der Ältesten, sondern durch die alten Weissagungen Gottes Vorstellung gesammelt hatten. Aber Gott ist souverän, wenn Er auch immer weise und niemals willkürlich ist. Alle seine Wege sind gut und herrlich, da sie alle Christus als sein Bild und ihren Mittelpunkt haben, als das vordringliche Ziel vor Ihm im Himmel und auf Erden. Auf Erden war und wird die Herrschaft das Ziel sein; für den Himmel herrscht die Gnade, wenn sie auch zuerst für seine Ehre leiden musste, so war sie doch dem Bösen moralisch und unendlich überlegen, und sie wird später erhaben sein, wenn das Böse abgetan ist und durch göttliches Gericht verschwindet. Zwischen der Erniedrigung am Kreuz und dem Wiederkommen ist der Platz des Sohnes, der, wie es jetzt erkannt wird, in dem Vater ist, und wir sind in Ihm und Er in uns.

Kein alttestamentlicher Heiliger konnte so etwas erkennen oder aussprechen; auch hatte kein einziges Herz vor alters eine Ahnung davon. Kein Heiliger während des Tausendjährigen Reiches wird jemals solche Verbindung Christi oder der Seinen dann auf Erden kennen. Es ist ganz und notwendigerweise ein Teil dessen, was Gott jetzt in der Zwischenzeit zur Ehre des Herrn wirkt; und so wie der Glaube Ihn in solch einer Höhe göttlicher Innigkeit schaut, so erkennt er die unvergleichliche Gnade an, die uns in Christus diesen Platz gegeben hat und uns die ernste Verantwortlichkeit Christi in uns erkennen lässt. Was kann unsere Nähe mehr zeigen als solche Erkennung des neuen Lebens und der neuen Natur, und zwar in der Kraft durch den Geist? Wirklich ist „der, wer dem Herrn anhängt, ein Geist mit Ihm“; und die Gemeinschaft ist gerade umso viel wirklicher und bleibender als natürliches Einssein, als der Geist mächtiger und näher und bleibender ist als das Fleisch. Aber wenn wir so mit Ihm und in Ihm durch den Geist eins sind, so ist Er in uns durch denselben Geist. Da liegt zugleich das höchste Vorrecht und die stärkste Verpflichtung; und wir müssen uns davor hüten zu trennen, was der Herr hier zusammenfügt. Wenn wir Leben in dem Sohn haben, haben wir es nötig, unsere Seelen daran zu erinnern, dass Christus in uns lebt und dass wir Ihn und nicht uns darstellen sollen. Ohne Zweifel erfordert dies wirkliches und tiefes und ständiges Selbstgericht, und es erfordert Glauben, der immer in dem Leib das Sterben Christi vergegenwärtigt; und Gott hilft uns durch Prüfungen aller Art, auf dass auch das Leben Jesu in unserem sterblichen Leib offenbart werden könne. So allein strömt christliches Leben aus christlichem Grundsatz und Vorrecht hervor; und alles ist durch den Heiligen Geist in uns von Christus. Wie tröstend ist es, dass unsere Pflicht als Christen unseren Segen voraussetzt! Wie demütigend ist es, dass die Gabe des Geistes unser Versagen unverzeihlich macht!

Aber in der Zwischenzeit, besonders im Zusammenhang mit Christus als in uns seiend, gibt es noch nicht die Herrschaft über die Erde, wo Christus gerecht und in Macht herrscht, sondern es gibt die moralische Herrschaft unserer Seelen im Gehorsam, was zweifache Gestalt annimmt.

Vers 21

Joh 14,21: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen.

Dem oberflächlichen Geist des Menschen mag es seltsam erscheinen, dass unser Herr davon spricht, dass das Haben seiner Gebote und nicht bloß das Halten derselben ein Beweis dafür ist, dass man Ihn liebt. Aber es ist unendlich wahr. Die Bösen, die Ungehorsamen, die Sorglosen verstehen das nicht, sondern die Weisen, sogar die, deren Weisheit nicht mit der Furcht des Herrn endet, obwohl sie damit beginnt. Das einfältige Auge ist voller Licht. Der Wunsch, seinen Willen zu tun, findet und erkennt, was sein Wille ist. So hat und hält das liebende Herz seine Gebote; und Ihn zu lieben, zieht die Liebe seines Vaters nach sich, der den Sohn ehrt und der nicht auf seine Kosten erhöht werden will. Gehorsam, der aus Liebe entspringt, ist also die Bedingung für die Jünger, die die Liebe Jesu und die Offenbarung seiner selbst uns hier unten sichert.

Solch eine Offenbarung überraschte die Jünger; und einer von ihnen, Judas, der sorgfältig von dem Verräter unterschieden wird, konnte nicht anders, als um Erklärung bitten.

Verse 22-24

Joh 14,22-24: Judas, nicht der Iskariot, spricht zu ihm: Herr, wie ist es, dass du dich uns offenbar machen willst, und nicht der Welt? Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen. Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht; und das Wort, welches ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.

Wenn der Messias sich der Welt offenbart, so wie Er es tun wird, wenn das Weltreich unseres Herrn und seines Gesalbten gekommen ist, wird es einen verstellten Gehorsam geben, den viele darbringen werden, die durch die Offenbarung seiner Macht und Herrlichkeit in Schach gehalten werden. Der Gehorsam jetzt, wo Er nicht da ist, muss mehr auf die Probe gestellt werden, und er ist Ihm kostbar, denn er ist echt; und er sollte wachsen, da er aus dem Leben in dem Geist ist, da die Erkenntnis seines Willens besser bekannt wird. Vergleiche Kolosser 1,9.10. Deshalb wird hier von seinen Geboten zu seinem Wort hin vertieft. Seine Gebote waren nicht beschwerlich; sein Wort ist ein Schatz, weil Er selbst geliebt wird. So sieht es der Herr; und man genießt eine vollere und bleibendere Offenbarung des Vaters und des Sohnes.

Es wird bemerkt worden sein, dass es in Vers 23 „mein Wort“ und nicht, wie in der A.V., „meine Worte“ heißt. Wer den Herrn liebt, wird sein Wort als Ganzes halten, weil es sein Wort ist; wie Er in Vers 24 hinzufügt, dass der, der Ihn nicht liebt, auch seine Worte oder Reden nicht halten wird. Es ist nicht seine Gewohnheit oder Art, irgendeines von ihnen im Besonderen zu halten. Der Ungehorsam verrät das Fehlen von Liebe zu Jesus. Und dies ist umso ernster, als es nicht bloß der Sohn ist, um den es geht, sondern auch der Vater, der Ihn gesandt hat, dessen Wort vernachlässigt wird. Es gibt nichts, was einen Heiligen jetzt mehr kennzeichnet als der Gehorsam. So war es bei unserem Herrn selbst vollkommen. Er kam, um den Willen Gottes zu tun; Er tat ihn und litt ihn bis zum Letzten. So allein wird Gott im steigenden Maß von seinen Kindern erkannt, und zwar sehr inniglich, wie der Herr hier erklärt. Wir müssen Ihn erkennen, um seinen Willen zu tun, was nur dadurch geschehen kann, dass wir Jesus Christus erkennen, den Er gesandt hat; aber wenn wir sein Wort halten (als den Ausdruck nicht nur seiner Autorität allein, obwohl diese uns von Anfang an teuer ist, sondern auch seines Willens), wachsen wir durch die Erkenntnis Gottes, und zwar unbegrenzt, während wir hier unten sind, wenn wir auch immer im schonungslosen Gericht gegen uns selbst stehen und in zuversichtlicher Abhängigkeit von Ihm. Und wie frohmachend ist für das Herz das bleibende Gefühl für die Gegenwart des Vaters und des Sohnes bei uns, während wir so wandeln! Ach, möchten wir das besser erkennen! Eine Offenbarung ist viel, aber ein Bleiben ist mehr.

Der Wert dessen, was das Leben lenkt, dessen offenbarendes Mittel es auch war, kann nicht übertrieben werden; und dies haben wir in den Geboten und Worten unseres Herrn Jesus gesehen, durch die Er das Leben übt, das Er dem Gläubigen gegeben hat, weil Er in der Tat ihr Leben ist. Aber jetzt fügt Er neue Tröstungen und Segnungen in der Verbindung hinzu, die durch den Fürsprecher oder Sachwalter (denn so wird der Geist jetzt nicht nur charakterisiert, sondern auch genannt) entstanden ist.

Verse 25.26

Joh 14,25.26: Dies habe ich zu euch geredet, während ich bei euch bin. Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Wie segensvoll, dass derselbe Heilige Geist, der Ihn gesalbt hat und in Ihm blieb, während Er hier unten seinen Dienst tat, so die Jünger alles lehren sollte und ihnen alle die Worte Jesu wieder ins Gedächtnis zurückrufen sollte! Und so erfüllte es sich und noch mehr, wie es sich für eine göttliche Person ziemte, die geruhte, in Liebe zu dienen, gesandt durch den Vater im Namen des Sohnes. Hier bittet der Sohn nicht den Vater, und der Vater gibt Ihm seine Bitte, wie in Vers 16, sondern der Vater sendet in dem Namen des Sohnes den Einen, der alles lehren konnte und lehren würde und sie außerdem an alles erinnern würde, was Jesus ihnen gesagt hatte. So wird nicht nur dafür Raum gelassen, dass Er in ihrem Gedächtnis alle Worte Christi wieder auffrischt, sondern es ist auch Gelegenheit für seine eigene unbegrenzte Lehre. Aber da ist mehr als Lehre:

Vers 27

Joh 14,27: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.

Überall setzt der Herr seinen Tod voraus. Das war notwendig für den Frieden; sein eigener Friede geht noch viel weiter. Es war der Friede, den Er genoss, während Er hier war: ein Friede, der von Umständen unbeeinflusst blieb und zu dem die ununterbrochene Verbindung mit seinem Vater gehörte; ein Friede, der dem Herzen des Menschen unendlich weit entfernt war in solch einer Welt wie dieser, die den Vater nicht kennt, und bei all dem, was vor Ihm stand. Aber dieser Friede charakterisierte den zweiten Menschen, der ihn uns gibt. In dem Glauben an Ihn, der uns vollkommen und bis zum Ende liebt, der alles zur Ehre Gottes und für uns vollbracht hat, werden wir für diesen Frieden berechtigt; und der Heilige Geist möchte, dass wir ihn entsprechend seinem Wort genießen. Der, der ihn gibt, hat ihn nicht fortgegeben und hatte nicht weniger Frieden dadurch, dass wir ihn empfangen sollten. Wie alles andere, was Er gibt, kann man sich seiner in seiner eigenen göttlichen Fülle ungeteilt erfreuen, und zwar jeder, der daran teilhat, vergrößert ihn eher, als dass er ihn verringert. Es geht nicht bloß um seine Wirklichkeit, sondern auch um seinen Verlauf und sein Wesen: „Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.“ Warum sollte auch wirklich das Herz bei seinem Frieden verwirrt oder erschreckt werden?

Aber der Herr schaut jetzt aus nach Herzen, die durch den Glauben gereinigt sind, um sich an seiner Herrlichkeit zu erfreuen.

Verse 28.29

Joh 14,28.29: Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn [mein] Vater ist größer als ich. Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, auf dass, wenn es geschieht, ihr glaubet.

Wie groß auch immer seine wesentliche und persönliche Herrlichkeit ist, so vergisst Er doch niemals, dass Er auf Erden ein Mensch ist. Als ein solcher geht Er hinweg und kommt wieder zu den Jüngern. Als ein solcher ruft Er sie auf, sich darüber zu freuen, dass Er zum Vater geht. Es war nichts Geringes, dass ein Mensch in seiner Person so in die Herrlichkeit eingehen sollte; und es gibt in der Christenheit fast ebenso viel Unglaube, indem dass man es für eine Selbstverständlichkeit hält und seinen Wert ganz und gar verkennt, wie bei den Juden, die es als unglaubwürdig und unmöglich verwarfen. Der Jude als solcher wartete darauf, dass der Mensch, d.h. er selbst, im höchsten Grad von Gott auf Erden gesegnet werden sollte; und so wird es ohne Zweifel über alles Denken hinaus in dem zukünftigen Reich der Fall sein. Aber der Herr wollte, dass sich der Christ an dem zweiten Menschen erfreue, der sogar jetzt in das Paradies Gottes eingegangen ist als das sichere Pfand, das wir selbst Ihm dorthin folgen werden, wenn Er für uns wiederkommt. Und deshalb bittet Er noch eindringlicher um ihre Aufmerksamkeit nicht für die Tatsache allein, sondern auch für ihre Erwähnung, bevor alles geschah, damit sie, wenn es so weit wäre, glauben sollten. Er in der Herrlichkeit ist der lebendige Gegenstand des Glaubens, voller wichtiger und fruchtbarer Folgen für uns. Es ist gut, wenn man seinem Tod den tiefsten Wert beimisst. Wir können niemals seine tiefe Erniedrigung in selbstaufopfernder Liebe, um Gott zu verherrlichen und um unsere Sündenlast und unser Gericht zu tragen, ohne unausdenkbaren Verlust für unsere Seelen aus den Augen verlieren; sondern wir tun gut daran, unser Auge auf Ihn zu richten, der „aufgenommen ist in die Herrlichkeit“, und wir sollen immer auf Ihn warten und Ihn sehen als den, der im Begriff ist, wiederzukommen und uns dort bei sich im Haus des Vaters zu haben.

Verse 30.31

Joh 14,30.31: Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir; aber auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat. Stehet auf, lasset uns von hinnen gehen.

Der Herr teilt also mit, dass Er nicht mehr viel mit ihnen zu reden hat. Er hatte eine andere Aufgabe vor sich; denn der Feind war im Kommen. Er wird hier charakterisiert als der Fürst dieser Welt, die den Sohn Gottes verworfen hat und die dadurch ihre Auflehnung gegen den Vater und ihre Unterwerfung unter Satan bewiesen hat; aber komme Er, wann Er wolle, Er hatte am Ende nicht mehr in Christus als am Anfang. Damals hätte er so gerne den Heiland von dem Pfad des Gehorsams durch sein angebotenes Geschenk abgebracht; jetzt strebte er danach, Ihn bei jenem Pfad mit Furcht und Schrecken vor dem Tod, der vor Ihm stand, zu erfüllen. Es war vergeblich: „Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?“ Bei uns gibt es natürlich alles Mögliche, was einen Ansatzpunkt für Satan bieten kann; in Christus hatte er nichts. Es konnte ja auch nicht anders sein aufgrund der Herrlichkeit und unbefleckten Vollkommenheit seiner Person, der Er wahrhaftiger Gott und untadeliger Mensch war; und so musste es für uns sein, wenn wir ewiges Leben in Ihm haben sollten und Er unsere Sünden hinwegnehmen und alles dies in Gehorsam und zu Ehren Gottes seines Vaters vollbringen sollte. Deshalb fügte Er hinzu: „Auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat.“ Es war wirklich unendliche Liebe des Sohnes, es war aber auch völliger Gehorsam.

Hier beendet der Herr diesen Teil seiner Mitteilungen, und Er markiert ihn durch die abschließenden Worte: „Steht auf, lasset uns von hinnen gehen.“

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