Was ist wahre Gemeinschaft mit Christus? (4)
Johannes 14,27; 15,8.9; 15,11; 17,24

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 03.10.2008, aktualisiert: 10.09.2018

Leitverse: Johannes 14,27; 15,8.9; 15,11; 17,24

Darf ich dir ganz kurz mal zeigen, was da so unter anderem auf dem Tisch liegt? Ich glaube, wir haben einige Hinweise dafür in Johannes 14–17. Ich nenne nur einiges. Wenn der Herr Jesus sagt: „Teil mit mir“, dann heißt das: Mein Teil möchte ich mit dir teilen.

Und nun lasst uns mal sehen, was der Herr Jesus „mein“ nennt, wovon Er sagt: Das gehört mir. Ich werde euch vier Dinge nennen, wovon Er sagt „mein“.

1. Das Erste ist in Johannes 14,27:

Joh 14,27: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, sei auch nicht furchtsam.

Das ist das Erste, was wir dort im Obersaal lernen. Jeder Gläubige hat Frieden mit Gott, das bedeutet, er hat Teil an dem Herrn Jesus bekommen. Aber seinen Frieden zu kennen, ist etwas anderes. Das ist der persönliche Frieden des Herrn Jesus in allen Umständen dieser Welt. Er war in Gemeinschaft mit seinem Gott. Als Er hier auf der Erde war, da wusste Er, wie es ist, in Gemeinschaft mit Gott dort im Obersaal zu sein. Er ging in der Nacht auf die Berge und hatte Gemeinschaft mit seinem Gott. Da hat Er Kraft geschöpft. Und mit dieser Kraft, mit diesem Frieden in seinem Herzen ging Er zurück – Er war in Gethsemane, das war keine Freude für den Herrn. Da war der große Schrecken vor Ihm, der Schrecken Golgathas, als Gott sich von Ihm wenden musste. Aber Frieden war da, Frieden, auch in Gethsemane. Weißt du, warum ich das weiß? Wenn ein Mensch wirklich sagen kann: Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe, dann hat er Frieden im Herz. Dann kann er seinen Schrecken, seine Angst, seine Furcht Gott sagen. Aber er kann auch sagen: Gott, alles ist in deiner Hand, ich übergebe es dir und du mache mit mir, was dir wohlgefällig ist. – Nachdem Er solche schrecklichen Enttäuschungen in Israel erfahren hatte, dass Israel Ihn verworfen hatte, konnte Er sagen: Ja Vater, ich preise dich, Vater, du Herr des Himmels und der Erde, du hast alles in deinen Händen, ich preise dich. Ja Vater, denn so ist es dir wohlgefällig gewesen. – Das ist Friede. Das lernen wir im Obersaal. Wenn wir da das Abendbrot mit Ihm gegessen haben, gehen wir durch diese Welt mit Frieden im Herzen. Kümmern wir uns nicht um die weltlichen oder irdischen Dinge? Sagen wir auch in allen Umständen: Ja Vater, denn so ist es dir wohlgefällig gewesen? Dieser Friede ist die Überzeugung, dass, was auch kommt im Leben, es alles vom Vater kommt, dass Er alles weiß, dass Er uns liebt und dass es keine Umstände geben kann außerhalb seiner Regierung. Das ist sein Frieden und Er möchte uns diesen ganz praktisch schenken.

2. Das zweite Teil, das wir da im Obersaal finden und das der Herr Jesus mit uns teilen möchte, das haben wir in Johannes 15,8.9:

Joh 15,8.9: Hierin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt. Und ihr werdet meine Jünger werden. Gleichwie der Vater mich geliebt hat, habe auch ich euch geliebt. Bleibet in meiner Liebe.

Das Wort „bleiben“ in Johannes bedeutet eigentlich oft: „verweilen, unseren Aufenthalt da haben, wohnen“. Ist das nicht eine wunderbare Wohnung, zu wohnen in der Liebe des Herrn Jesus, uns dadurch ganz umgeben zu wissen von seiner Liebe? Er wusste, wie das war. Wieder haben wir beim Herrn genau das Beispiel. Er sagte: „Wenn ihr meine Gebote haltet“, Vers 10, „so werdet ihr in meiner Liebe bleiben.“ Da haben wir also den Grundsatz, den Schlüssel, wie wir in seiner Liebe bleiben können: nämlich wenn wir auch in seinem Gehorsam bleiben. Das gehört zusammen, Licht und Liebe gehören zusammen. Gott ist Licht und Gott ist Liebe. Wer bleiben möchte in der Liebe des Herrn Jesus, muss auch mit dem Licht in Übereinstimmung sein, muss seine Gebote halten.

Was sind die Gebote des Herrn Jesus? Du fragst vielleicht, wo du die in der Schrift findest. Junge Leute möchten oft eine Liste von Geboten haben, damit sie genau wissen, was sie tun dürfen und was nicht. Aber das macht der Herr nicht. Er gibt uns keine Liste. Weißt du, was die Gebote des Herrn sind? Die sind viel schwieriger als die Zehn Gebote aus dem Alten Testament. Da hatte man jedenfalls eine Liste und wer sich an diese Liste hielt, der konnte sagen: Ich bin ein aufrichtiger Mensch. Paulus konnte sagen, wenn es um die Gerechtigkeit des Gesetzes ging: Ich war tadellos. Aber das Gesetz ging auch nicht so weit. Ein tadelloser Mensch musste später sagen: Ich war der Größte der Sünder. Unsere Gebote sind viel und viel schwieriger und zugleich wird in 1. Johannes 5 gesagt, sie sind leicht, weil die Liebe Gottes in unseren Herzen wohnt, weil der Heilige Geist uns geschenkt worden ist.

Die Gebote des Herrn sind jeder Wunsch des Herzens des Herrn. Und durch die Liebe fühlen wir seine Gebote nicht als Gebote, sondern fühlen sie als Wünsche, denen wir gern entsprechen möchten. Das macht die Liebe, so war es beim Herrn. Er sagt: „Gleich wie ich die Gebote meines Vaters gehalten habe und in seiner Liebe bleibe.“ Meinst du, der Herr Jesus hätte nur das Gesetz als Jude gehalten? Das hat Er getan. Aber das war nicht alles, nein! Jeder Wunsch des Herzens des Vaters war für Ihn Befehl. Er konnte sagen: „Dein Wunsch ist mir ein Befehl, ein Gebot.“ Ist das nicht mehr als die Zehn Gebote? Der Vater gab Ihm das Gebot in Kapitel 10, sein Leben dahinzugeben, sein Leben abzulegen, buchstäblich, sein Leben in den Tod zu geben. Ist das ein Gebot aus dem Alten Testament? Wo hat Gott denn jemals jemandem geboten, sein Leben abzulegen? „Dieses Gebot habe ich vom Vater empfangen.“ Das war das Wohlgefallen des Vaters in der Ewigkeit. Und es war der Wunsch des Herrn Jesus, das Wohlgefallen Gottes zu tun. Das Gebot des Vaters hat Er getan, sein Leben abzulegen – und wieder aufzunehmen. So weit ging das bei Ihm. Es war das Geheimnis der Liebe. In seiner Liebe zu bleiben, das ist, dass alles, was sein Herz wünscht, für uns ein Gebot ist. Da fragst du nicht mehr, was erlaubt ist und was nicht. Wenn du im Obersaal gewesen bist, da fragst du nicht mehr danach, was man darf und was man nicht darf. Da fragen wir nur noch: Herr Jesus, was möchtest du von mir sehen, was möchtest du in meinem Leben entdecken, was ist dein Wohlgefallen für mein Leben? Das fragen solche, die gewohnt sind, dort im Obersaal zu sein. Da geht es nicht mehr darum, was man darf oder nicht darf, da geht es nur noch um die Wünsche des Herzens des Herrn und darum, was Er bei uns sehen möchte. Und wie würden wir uns darüber freuen, wenn Er sich einmal über uns freuen wird und zu uns sagt: „Das Tagewerk ist wohl getan, du guter und treuer Knecht!“ Wäre das nicht wunderbar? Ist das nicht mehr wert als die Schätze dieser Welt, mehr wert als alle Belohnungen dieser Welt, einmal das Lächeln des Herrn zu sehen, wenn Er das zu uns sagen kann? Das lernen wir da bei Ihm im Obersaal.

3. Das Dritte ist da schon dabei. Er sagt in Johannes 15,11:

Joh 15,11: Dies habe ich zu euch geredet, auf das meine Freude in euch sei und eure Freude völlig werde.

Hier sind sie noch verschieden, der Herr sagt „meine Freude“ und „eure Freude“. Und wenn ich mich selbst prüfe, dann muss ich sagen, dass meine Freude und die Freude des Herrn tatsächlich nicht immer dasselbe ist. Aber der Herr möchte uns üben, damit diese zwei Dinge einander immer näherkommen. Und so sagt Er es auch später in Kapitel 17: „… dass meine Freude in ihnen vollkommen sei“ [Joh 17,13]. Da gibt es keinen Unterschied mehr. Im christlichen Leben sollten wir heranwachsen, damit die Freude des Herrn und meine Freude einander schließlich vollkommen decken, dass sie identisch sind. Das muss man selbst prüfen, jeden Tag. Worin habe ich meine Freude, ist das die Freude des Herrn? Stimmen die miteinander überein? Seine Freude lernen wir im Obersaal. Je öfter wir dort gefunden werden, wird jeder Bereich unseres Lebens sich umwandeln, wird unter den Einfluss dieses Aufenthaltes im Obersaal kommen.

4. Schließlich das Vierte. Evangelium nach Johannes 17,24:

Joh 17,24: Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast auch bei mir seien, wo ich bin, auf das sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast. Denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt.

Das war sein Wunsch – nein, das war sein Wille. Der Herr Jesus hat nicht oft über seinen Willen Gott gegenüber gesprochen. Nur ein Mal. „Vater, ich will …“ Das war der Wunsch des Herzens des Herrn Jesus, uns jetzt bei sich zu haben im Obersaal und uns ewig bei sich zu haben im Hause des Vaters. „Ich will Vater …“, das kann Er sagen. Er ist der Sohn des lebendigen Gottes, Gott, der Sohn. Er kann sagen, dass Er uns so bei sich haben möchte. Und da werden wir seine Herrlichkeit sehen. Und wir können sie jetzt schon sehen. Es gibt, glaube ich, nichts im Himmel, das wir da neu sehen werden. Natürlich wird alles einen ganz neuen Eindruck auf uns machen, da wir jetzt oft durch unser Fleisch so behindert sind, wirklich zu sehen. Aber grundsätzlich ist uns alles offenbart worden, was wir da sehen werden. Es wird nicht so sein wie bei der Königin von Scheba, die sagte: „Nicht die Hälfte ist mir berichtet worden.“ Das werden wir nicht sagen, es ist uns alles offenbart worden. Warum habe ich aber diesen Vers gelesen? Alles, was wir dann in Herrlichkeit schauen dürfen, können wir jetzt schon im Obersaal genießen. Was ist seine Herrlichkeit? Das ist nicht meine Herrlichkeit. Der Herr wird auch seine Herrlichkeit mit uns teilen. In Vers 22 wird gesagt: „Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf dass sie eins seien“ [Joh 17,22]. Das ist eine Herrlichkeit, die Er mit uns teilt. Aber bei jeder Herrlichkeit, die Er mit uns teilt, wird Er immer etwas mehr haben. Was teilt Er mit uns? Nun, wir sind der Leib Christi, mit Ihm vereinigt. Das teilen wir mit Ihm. Aber was hat Er mehr? Er ist das Haupt und wir sind die Glieder. Und die Herrlichkeit des Hauptes werden wir sehen, denn Er hat gesagt: „Meine Herrlichkeit sollen sie schauen.“ Wir sind mit Ihm verbunden, indem Er uns seine Brüder nennt. Auch das ist eine Verbindung. Er schämt sich nicht, uns seine Brüder zu nennen. Das ist eine Herrlichkeit, die Er mit uns teilt. Er, der Sohn Gottes und wir die vielen Söhne, die auch in die Herrlichkeit eingeführt werden (Heb 2). Aber was hat Er mehr? Er ist der Erstgeborene unter vielen Brüdern (Röm 8). Er ist Sohn über das Haus Gottes, denn wir sind ein Haus von Priestern, wir sind zu einem Priestertum gemacht. Der Herr Jesus ist Priester und wir sind ein Haus von Priestern, mit Ihm verbunden. Auch eine Herrlichkeit, die Er mit uns teilt. Aber was ist seine Herrlichkeit? Er ist in Ewigkeit der Hohepriester, das Haupt des priesterlichen Hauses. In jeder Hinsicht hat Er mehr. Wir sehen es in Offenbarung 1, dass Er uns zu einem Königtum und zu Priestern gemacht hat. Wir werden als Könige mit dem Herrn Jesus regieren. Er wird König sein über die Erde und wir werden Könige sein mit Ihm. Das ist eine Herrlichkeit, die Er mit uns teilt.

Aber was wird Er mehr haben? Offenbarung 1 sagt es uns. Er ist der König der Könige und Er ist der Fürst der Fürsten. Das ist mehr wert und das werden wir ansehen dürfen. Wir werden seine Herrlichkeit sehen. Wir können nicht seine göttliche Herrlichkeit ergründen. Gott grundsätzlich kann niemals geschaut werden. Aber wir werden Ihn sehen, diesen Menschen, verherrlicht im Himmel. Und wir werden sehen, wie Er, weil Er Gott der Sohn ist, in jeder Hinsicht eine größere Herrlichkeit besitzt als wir. Aber ich sage dir, du brauchst nicht zu warten, bis du im Himmel bist. Jetzt ist der Obersaal geöffnet, jedenfalls für solche unter uns, die ihre Füße gewaschen haben und zu Ihm hineinkommen möchten, um da mit Ihm das Abendbrot zu essen.

Bist du dazu bereit? Ich weiß wie hoch der Preis ist, ich weiß, wie hoch der Preis ist, um hineingehen zu können. Aber ich habe nur ein wenig davon erfahren, was es wert ist, da hineinzugehen. Und ich weiß, dass es solche gibt, so viel älter als ich, die so viel mehr Erfahrungen in diesem Obersaal gemacht haben. Und die könnten es uns noch viel besser sagen, dass es die Mühe wert ist, das aufzugeben, was uns hindert, durch die Tür hineinzugehen, bei Ihm zu sein, in seinem Obersaal. Möchtest du das nicht? Dein ganzes Leben wird dadurch geändert werden, und du wirst hier schon einen Vorgeschmack haben von dem, was wir bei Ihm, nach seiner Verheißung in Ewigkeit genießen dürfen. Was würde das sein, wenn wir jetzt schon diese Verheißungen erleben dürfen. Wir wissen nicht, was die nächste Zeit uns bringt. Aber in alle Umstände darfst du den Herrn Jesus mit hineinnehmen. Er klopft an die Tür und möchte hereinkommen. Aber jeden Tag dürfen wir erfahren, was es ist, bei Ihm zu sein und seine Segnungen, seine Reichtümer mit Ihm zu genießen. Der Herr schenke uns viele solcher Erfahrungen.

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