Was ist eigentlich Karneval? (2)
Eine Ergänzung zum Artikel über Karneval

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© SoundWords, online seit: 22.02.2001, aktualisiert: 15.06.2018

Leitvers: Psalm 1,1

Ps 1,1: Glücklich der Mann, der sich nicht aufhält im Rat der Gottlosen und nicht steht auf dem Weg der Sünder und nicht sitzt auf dem Sitz der Spötter.

Einleitung

Aufgrund einiger Lesermeinungen möchten wir unserem Artikel zu Karneval noch einige Gedanken hinzufügen.

Wir freuen uns, dass der Artikel zu Karneval bei den meisten unserer Leser wohl auf sehr positive Resonanz gestoßen ist. Damit hätten wir in dem Maße nicht gerechnet. Dennoch möchten wir noch einen wichtigen Punkt ergänzen, um Missverständnisse zu vermeiden.

Ein Wort an katholische Gläubige

Wenn auch das Karnevalsfest zum großen Teil auf Traditionen der katholischen Kirche zurückgeht, so hat das natürlich nicht zuerst etwas mit den Christen zu tun, die sich heute in dieser Kirche befinden, wenn auch jedes Mitglied dieser Kirche seine Verbindung mit dieser Kirche und ihren Traditionen sowie Lehrmeinungen durch seine Mitgliedschaft bezeugt.

Die Aussage „Und man sieht zu Karneval die Gemeindemitglieder zum Gemeindesaal pilgern, um ausgelassen zusammen zu sein“, die auf Mitglieder der katholischen Kirche bezogen ist, sollte keine pauschale Verurteilung aller dieser Gemeindemitglieder sein, sondern nur das Phänomen der Kombination von religiösem Verhalten mit weltlicher Ausgelassenheit beispielhaft demonstrieren und die Verbindung mit den historischen Wurzeln aufzeigen.

Unser Anliegen ist es, zuerst den Gläubigen eine Hilfestellung zu geben und ein Nachdenken über Karneval auszulösen.

Sicher gibt es auch Katholiken, die dieses Treiben zu Karneval nicht für gut befinden und sich deutlich davon distanzieren. Es wird wohl auch wahr sein, dass nicht jede Karnevalsfeier im gleichen sündigen Rahmen stattfindet. Dennoch sollte ein wachsender Christ dieses Fest trotzdem meiden, um sich nicht an den Sünden anderer zu beteiligen. Selbst wenn es in Offenbarung 18,4 um Babylon geht, so kann man hier doch ein geistliches Prinzip ableiten: „Ich hörte eine andere Stimme aus dem Himmel sagen: Geht aus ihr hinaus, mein Volk, damit ihr nicht ihrer Sünden teilhaftig werdet.“

Es gibt kein Zeugnis für den Herrn, wenn wir uns nicht konsequent von einer zumindest im Allgemeinen sündigen Sache distanzieren. Lot wurde von seinen Bekannten und Freunden ausgelacht, als er sie warnen wollte, dass Gottes Gericht über Sodom und Gomorra kommen würde. Und auch wir werden als Christen wohl wenig ernst genommen werden, wenn man sieht, dass wir bei dem gleichen Treiben „mitlaufen“. Auch 1. Petrus 4,3.4 kann in dieser Beziehung eine Hilfe sein; dort heißt es: „Denn die vergangene Zeit ist genug, den Willen der Nationen vollbracht zu haben, indem ihr wandeltet in Ausschweifungen, Begierden, Trunkenheit, Schwelgereien, Trinkgelagen und frevelhaften Götzendienereien; wobei es sie befremdet, dass ihr nicht mitlauft zu demselben Treiben {o. Überströmen} der Ausschweifung, und sie lästern euch.“

Machen wir es uns zu einfach?

Es mag der Vorwurf erhoben werden, dass wir es uns als Christen sehr einfach machen, wenn wir dieses Fest aus biblischer Sicht ablehnen. Auf der einen Seite ist es natürlich nie einfach, etwas konsequent abzulehnen, da dies meistens mit Spott verbunden ist. Andererseits sollte dies keinen Christen wirklich stören, so wie es Abraham auch nicht störte, dass er von seinem Neffen vielleicht anfangs nicht verstanden wurde und von den Einwohnern Sodoms wahrscheinlich als „Eigenbrödler“ bezeichnet wurde. Doch Abraham wurde „Freund Gottes“ genannt, und er war es, zu dem Gott reden konnte: „Sollte ich vor Abraham verbergen, was ich tun will?“ Gott konnte sich dem Abraham offenbaren, weil dieser sich von den Sünden Sodoms fernhielt. Sicher, Lot machte bei dem sündigen Treiben ebenfalls nicht mit, auch versuchte er sein Bestes, das System Sodoms zu ändern; schließlich saß er ja im Tor Sodoms, das bedeutet vermutlich, dass er im Rat der Stadt war. Vielleicht argumentierte Lot auch: Wir müssen nur verantwortlich mit diesen Dingen umgehen – so wie heute auch manche Leute argumentieren möchten. Aber Gott konnte nicht zu Lot reden! Auch sollten wir bedenken, dass Lot mit Sodom umgekommen wäre, wenn er Sodom nicht verlassen hätte; er durfte sich nicht einmal mehr umsehen, was seine Frau bekanntermaßen tat und zur Salzsäule erstarrte. Im Neuen Testament spricht dann der Herr Jesus die bedenklichen Worte: „Gedenket Lots Frau!“ Nach 2. Petrus 2,7 quälte Lot seine gerechte Seele, weil er den ausschweifenden Lebensstil der Sodomiter mit ansah.

Dennoch, wir wollen uns auch nicht zu schnell in diesem Punkt mit Abraham vergleichen, das können wir erst dann tun, wenn wir wirklich bereit sind, für solche Menschen zu beten, die entweder der Sünde direkt nachgehen oder die zumindest bei alldem dabei sind und, wenn auch selbst frei davon, mit ansehen, wie andere sich versündigen, indem gespottet, gelästert und getrunken wird (siehe Abrahams Gebet zu Gott in 1. Mose 18,22.23).

Sind wir bereit, für andere zu beten, auch wenn sie noch nicht dahin gekommen sind, ein sündiges System oder Fest zu verlassen? Oder quälst du selbst noch deine gerechte Seele?

Gibt es gute Karnevalsfeiern?

Ein anderer Leser stellte die Frage, ob denn wirklich jede Karnevalsfeier (bei Erwachsenen) abzulehnen sei und ob es nicht auch eine Art von Humor gibt, bei dem der Herr mitlachen würde. Auch hielt er es für denkbar, dass es auch eine nette und kreative Form der Verkleidung gibt.

Darauf eine letztgültige Antwort zu geben, scheint ein schwieriges Unterfangen, und tatsächlich glauben wir auch nicht, dass es Christen verboten ist, humorvoll zu sein. Dennoch sollten wir immer im Hinterkopf behalten, dass wir an keiner einzigen Stelle lesen, dass der Herr gelacht hätte. Damit wollen wir natürlich nicht sagen, dass Er es nicht tat und es deshalb für uns verboten wäre. Es gibt allerdings einige Stellen, die uns zeigen, dass Er geweint hat. Weinen und Lachen sind Regungen, die zum Menschsein gehören. Der Herr Jesus war vollkommener Mensch und kannte sicher auch diese ureigenste Regung im Menschen, allerdings immer ohne Sünde. Denn es gibt auch ein sündiges Lachen und ein sündiges Weinen. Aber wir können nicht sagen, wann der Herr gelacht hätte und wann nicht, obwohl wir auch immer berücksichtigen sollten, dass der Herr Jesus als vollkommener Mensch durch die innige Gemeinschaft mit seinem Gott alle Dinge immer von der Warte Gottes aus sah und sie somit von ihrem Ende her beurteilte, so dass Er wohl wenig Grund zum Lachen hatte. Versetzen wir uns einmal als solche Menschen auf die Titanic, die das Ende schon vorher gewusst hätten. Hätte einer von uns irgendwo mitlachen können? Und Spaß gab es dort bestimmt genug!

Wir lesen jedenfalls auch häufig, dass der Herr Jesus innerlich bewegt war, nämlich als Er Menschen sah, die von der Sünde völlig in Beschlag genommen wurden oder unter den Folgen der Sünde litten. Das sollte auch unsere Gesinnung sein, wenn wir das sündige Treiben zu Karneval beobachten – wir sollten empfinden, wie schrecklich die Sünde in den Augen Gottes ist, darüber trauern und für solche Menschen beten: „Diese Gesinnung sei in euch, die auch in Christus Jesus war“ (Phil 2,5). Wenn wir Matthäus 5 hätten schreiben müssen, so hätten wir wahrscheinlich geschrieben: Glücklich sind, die lachen können. – Zumindest ist das eine weitverbreitete Meinung heutzutage. Der Herr Jesus hat allerdings nahezu das Gegenteil gesagt: „Glücklich sind die Trauernden.“

Es ist, wie mit so vielem, auch eine Gewissensfrage. Der eine fühlt sich in einer bestimmten Situation bereits völlig fehl am Platz, wo ein anderer nur wenig Probleme hat. Wollen wir den anderen nun verurteilen? Nein, aber wir können einander sagen, wie wir darüber denken.

In einer sehr schwierigen Situation sprach Elisa die schönen Worte aus: „Gehe hin in Frieden“ (2Kön 5,19). Das ist ist auch eine Botschaft für solche, die es schon ernst meinen und gewissenhaft vor Gott ihren Weg gehen wollen und nicht leichtfertig sein wollen. Vielleicht ist ein guter Gradmesser sowohl für scheinbar „vernünftige“ Karnevalsfeiern als auch für das Verkleiden die Stelle in 1. Korinther 10,31: „Ob ihr nun esst oder trinkt oder irgendetwas tut, tut alles zur Ehre Gottes.“

Eins sollte für uns jedenfalls ganz klar sein: Jedes fröhliche Zusammensein mit solchen, deren Verhalten gerade während dieses Zusammenseins Gott sehr verunehrt, lässt uns an deren Sünden teilhaben (2Joh 11).

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