Mose – der Retter wird geboren
2. Mose 2

Edward Dennett

© SoundWords, online seit: 24.08.2001, aktualisiert: 31.07.2018

Leitverse: 2. Mose 2

Einleitung

Dieses besonders interessante Kapitel ist für uns anziehender geworden durch die uns durch den Geist gegebenen göttlichen Ansichten, die wir in Hebräer 11 als Anziehungspunkt finden. Einerseits ist es ein einfacher Bericht der menschlichen Seite, der die Ereignisse wiedergibt. Auf der anderen aber steht die göttliche Seite – oder die Wertschätzung, die sich Gott bildete aus den Taten seines Volkes. Es ist uns daher nur durch die Kombination dieser zwei Aspekte möglich, die Unterweisungen so zu genießen, wie es sein soll. Wie bei der Geburt unseres Herrn in Bethlehem so werden auch hier wohl die Eltern kaum und die Umwelt gar nicht die Bedeutung der Geburt des Sohnes von Amram und Jochebeth ermessen haben. So ist aber Gottes Art zu wirken: Lautlos legt Er die Grundlagen zur Ausführung seiner Ratschlüsse, und so bereitet Er seine Instrumente zu, bis der zuvorbestimmte Augenblick für die Tat gekommen ist, dann zeigt Er die Wirksamkeit seines Armes in der Offenbarung seiner Gegenwart und Kraft vor dem Angesicht der Welt.

Das schreckliche Gebot des Pharao

Aber wir müssen die einzelnen Ereignisse des Kapitels betrachten.

2Mo 2,1.2: 1 Und ein Mann vom Hause Levi ging hin und nahm eine Tochter Levis. 2 Und die Frau ward schwanger und gebar einen Sohn. Und sie sah, dass er schön war, und verbarg ihn drei Monate.

Wie einfach herrlich ist diese natürliche Szene! Und wie gut können unsere Herzen diese jüdische Mutter verstehen! Der König hatte befohlen, dass jeder Sohn, der geboren würde, in den Fluss geworfen werden sollte (2Mo 1,22); aber wann kann eine Mutter es über sich bringen, ihr Kind in den Tod zu geben? Alle Fasern ihres Herzens lehnten sich dagegen auf. Aber da war der unerbittliche Erlass dieses despotischen Königs, und wie konnte sie – eine arme, schwache Frau, eine schwache Frau einer verachteten Rasse – dem Willen eines absoluten Herrschers entgegenhandeln?

Wenden wir uns zu den Erklärungen des Neuen Testamentes! „Durch Glauben wurde Moses, als er geboren wurde, drei Monate von seinen Eltern verborgen, weil sie sahen, dass das Kindlein schön war; und sie fürchteten das Gebot des Königs nicht“ (Heb 11,23). Sicherlich waren sie ihrer irdischen Obrigkeit gehorsam, aber sie gehorchten auch dem Herrn aller Herren, und im Vertrauen auf Ihn wurden sie erhoben über alle Furcht vor dem Gebot des Königs, und so verbargen sie das Kind, das Kind, das Gott ihnen gegeben hatte, drei Monate lang. Sie vertrauten auf Gott und wurden nicht beschämt, denn Er lässt und verlässt die nie, die ihr Vertrauen auf Ihn setzen. Dieses ist eine gesegnete Tat des Glaubens, und zwar in zweifacher Hinsicht. Ihr Auge auf Gott gerichtet, wagten sie es, des gottlosen Königs Gebot zu übertreten, und sie waren furchtlos bezüglich der Folgen. Wie Sadrach, Mesach und Abednego in späteren Zeiten glaubten sie, dass der Gott, dem sie dienten, auch in der Lage war, sie aus des Königs Hand zu erretten (Dan 3,16.17). Die Regenten dieser Welt sind machtlos vor solchen, die verbunden sind mit Gott durch die Tätigkeit ihres Glaubens.

Das Kästlein von Pech und Erdharz

Aber dann kam die Zeit, wo dieses „schöne Kind“ nicht länger verborgen werden konnte (2Mo 3,3); das zeigt die zunehmende Wachsamkeit des Feindes gegen Gott und sein Volk. Doch dem Glauben fehlen nie die Hilfsquellen: 

2Mo 2,3.4: 3 Und als sie ihn nicht länger verbergen konnte, nahm sie für ihn ein Kästchen von Schilfrohr und verpichte es mit Erdharz und mit Pech und legte das Kind hinein und legte es in das Schilf am Ufer des Stromes. 4 Und seine Schwester stellte sich von fern, um zu erfahren, was ihm geschehen würde.

Wie bei Isaak und Samuel so mussten gleicherweise bei Moses die Eltern den Tod kennenlernen – bei letzterem im Bild –, sowohl für sich als auch für das Kind, bevor es ein Werkzeug im Dienst für Gott werden konnte. Es ist in diesem Zusammenhang besonders bemerkenswert, dass das Wort, das hier für „Kästlein“ (im Englischen ark) gebraucht ist, nirgendwo in der Schrift gefunden wird als nur für die Arche, in der Noah und sein Haus durch die große Flut gerettet wurden. Hier ist noch eine andere Ähnlichkeit. Die Arche Noahs war von innen und außen mit Pech verpicht. Jochebeth verdichtete das Kästchen mit Erdharz und Pech. Noah verwendete dieses Pech auf göttliches Geheiß, und das gleiche Wort, das hier für „Pech“ gebraucht wird, bedeutet auch „Sühnung oder Lösegeld  (2Mo 3,12; Hiob 33,24 etc.). Hieraus lässt sich folgern, dass ein Lösegeld erforderlich war zur Errettung von den Wassern des Gerichtes. Aber diese hebräische Mutter verwendete eine andere Art von Pech, und darum wurde nicht die volle Wahrheit bekannt. Doch sie bekannte dadurch die Notwendigkeit der Errettung, ihr Glaube bekannte es, und so trug das Kästlein von Schilfrohr die kostbare Frucht, die es enthielt, schwimmend in Sicherheit durch die Schwertlilien des Flusses des Todes hindurch. Da werden keine göttlichen Anweisungen gegeben gewesen sein, aber hier war der wahre Glaube tätig, und der findet immer Erwiderung im Herzen Gottes. Beachte! Die Schwester – nicht die Mutter – wachte über die Sicherheit des Kindes. Das mag aus menschlichen Gründen leicht erklärlich sein, aber gibt es dafür nicht euch eine andere Erklärung? Die Mutter glaubte, und sie konnte infolge des Glaubens in Frieden ruhen, wie auch das Kind, dessen Leben ihr teurer war als ihr eigenes, das auf dem Fluss ausgesetzt war. In gleicher Weise Maria, die Schwester des Lazarus; sie wurde nicht an dem Grabe Jesu gefunden, in das man den Herrn der Herrlichkeit gelegt hatte, weil sie bereits in das Geheimnis seines Todes eingegangen war (Joh 12,7).

Gottes Vorsehung

Wir wollen nun dazu übergehen und die Tätigkeit Gottes betrachten als Erwiderung auf den Glauben seines Volkes:

2Mo 2,5: Und die Tochter des Pharao ging hinab, um an dem Strome zu baden, und ihre Mägde gingen an der Seite des Stromes. Und sie sah das Kästlein mitten im Schilf und sandte ihre Magd hin und ließ es holen.

Es ist wirklich wunderbar und beachtungswürdig, dabei Gott hinter der ganzen Szene zu sehen und alles zu seiner Verherrlichung lenken zu sehen. Die Tochter des Pharao wurde getrieben von ihrer eigenen Neigung und ihrem eigenen Vergnügen und wusste nicht, dass sie ein Werkzeug des göttlichen Willens war. Aber alles – ihr Hinabgehen zum Fluss, um dort zu baden, die Zeit, wann sie das tat –, alles das geschah nach den Ratschlüssen Gottes im Hinblick auf das Kind, das der Erretter seines Volkes werden sollte. Und sie sah das Kästlein, ließ es holen, öffnete es und sah des Kind:

2Mo 2,6: Und sie öffnete es und sah das Kind, und siehe, der Knabe weinte. Und sie hatte Mitleid mit ihm, und sie sprach: Von den Kindern der Hebräer ist dieses.

Alles, sogar die Tränen des Kindes hatten ihren Sinn – und sie waren nicht vergeblich vergossen worden. Sie erregten das Mitleid dieser königlichen Frau, was zum Ausdruck kommt in den Worten: „Von den Kindern der Hebräer ist dieses“ (2Mo 2,6).

Mirjam ergreift die Initiative

Die Schwester, die ängstlich gewacht hatte, um zu sehen, was aus ihrem Brüderchen werden würde, ergreift in diesem kritischen Augenblick voller Weisheit das Wort und sagt:

2Mo 2,7-9: 7 Und seine Schwester sprach zu der Tochter des Pharaos: Soll ich hingehen und dir eine stillende Frau von den Hebräerinnen rufen, dass sie dir das Kind stille? 8 Und die Tochter des Pharaos sprach zu ihr: Geh hin. Da ging die Jungfrau hin und rief die Mutter des Kindes. 9 Und die Tochter des Pharaos sprach zu ihr: Nimm dieses Kind mit und stille es mir, und ich werde dir deinen Lohn geben. Und die Frau nahm das Kind und stillte es.

Das Kind Mose, das auf den Fluss ausgesetzt worden war aufgrund des Gebotes des Königs von Ägypten, wurde so seiner Mutter zurückgegeben unter dem Schutz der Tochter des Pharao. Dort blieb es, bis es groß wurde, und dann brachte es Jochebeth der Tochter des Pharao:

2Mo 2,10: Und als das Kind groß wurde, brachte sie es der Tochter des Pharaos, und es wurde ihr zum Sohn; und sie gab ihm den Namen Mose und sprach: Denn aus dem Wasser habe ich ihn gezogen.

Gerade dieser Name soll die Macht dessen zeigen, der ihn vom Tod errettet hatte, der ihn herausgeholt hatte aus den Wassern des Gerichtes und ihn gebracht hatte in seine grenzenlose Gnade und Liebe. Dieser Mann der Auserwählung Gottes, den Er herausgenommen hatte als sein auserwähltes Werkzeug zur Befreiung seines Volkes und um der Mittler seines Bundes mit ihnen zu werden, findet Schutz unter dem Dach des Pharao: „Und Moses wurde unterwiesen in aller Weisheit der Ägypter; er war aber mächtig in seinen Worten und Werken“ (Apg 7,22).

Mose kämpft aus eigener Kraft

Nun wird uns ein anderer Abschnitt seines Lebens gezeigt. Es sind 40 Jahre dahingegangen, bevor sich das ereignete, was uns im 11. und den folgenden Versen gezeigt wird:

2Mo 2,11-15: 11 Und es geschah in jenen Tagen, als Mose groß geworden war, da ging er aus zu seinen Brüdern und sah ihren Lastarbeiten zu; und er sah einen ägyptischen Mann, der einen hebräischen Mann von seinen Brüdern schlug. 12 Und er wandte sich hierhin und dorthin, und als er sah, dass kein Mensch da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand. 13 Und er ging am zweiten Tag aus, und siehe, zwei hebräische Männer zankten sich. Da sprach er zu dem Schuldigen: Warum schlägst du deinen Nächsten? 14 Und er sprach: Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns gesetzt? Willst du mich töten, wie du den Ägypter getötet hast? Da fürchtete sich Mose und sprach: Gewiss, die Sache ist bekannt geworden! 15 Und der Pharao hörte diese Sache und suchte Mose zu töten. Und Mose floh vor dem Pharao und weilte im Land Midian. Und er saß an einem Brunnen.

Agp 7,23.24: 23 Als er aber ein Alter von vierzig Jahren erreicht hatte, kam es in seinem Herzen auf, nach seinen Brüdern, den Söhnen Israels, zu sehen. 24 Und als er einen Unrecht leiden sah, verteidigte er ihn und rächte den Unterdrückten, indem er den Ägypter erschlug.

Wenn man diese Erzählung liest, so könnte man annehmen, dass die Tat Moses, wie er den Ägypter erschlägt, nichts anderes gewesen sei als der Impuls eines gerechten Herzens, das die Ungerechtigkeit, die geübt wurde, fühlte und das sich einmischte, um diese zu rächen. Aber was ist die Erklärung dieser Tat, gegeben durch den Geist Gottes?

„Durch Glauben weigerte sich Moses, als er groß geworden war, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen, und wählte lieber, mit dem Volke Gottes Ungemach zu leiden, als die zeitliche Ergötzung der Sünde zu haben, indem er die Schmach des Christus für größeren Reichtum hielt als die Schätze Ägyptens; denn er schaute auf die Belohnung“ (Heb 11,24-27).

Wir müssen uns jedoch davor hüten, anzunehmen, dass all diese rachsüchtigen Einmischungen, die wir im zeiten Buch Mose finden, durch den Geist Gottes bewirkt worden seien. Ohne Zweifel handelte Mose aus Anregung seines Fleisches hinaus, denn er hatte noch nicht seine eigene Nichtigkeit und seine eigene Ohnmacht erkannt. Er hatte noch den Wunsch, aus eigener Kraft etwas für Gott zu tun, und der Brief an die Hebräer belehrt uns über den wahren Charakter dieser Handlung aus der Sicht Gottes. Dass es sich hier um eine Verfehlung handelt, ist klar. Aber es war die Verfehlung eines Mannes des Glaubens, dessen Tat kostbar war in den Augen Gottes, da er nicht imstande war, in den Übungen des Glaubens alles das im Tod zu halten, wozu ihn der natürliche Mensch trieb, um sich selbst mit den Interessen des Volkes Gottes einszumachen.

Mose gibt seine hohe Stellung auf

Aber dieser Vorfall in seinem Leben verdient eine ganz besondere Beachtung. Erst danach geschah es durch den Glauben, dass er sich weigerte, ein Sohn der Tochter Pharaos zu heißen. Und wirklich, was konnte es auch anderes sein, was ihn dazu führen konnte, einer so glänzenden Stellung zu entsagen! Außerdem mag er eingewendet haben, dass er hineingekommen sei durch eine außergewöhnliche und einmalige Vorsehung. Könnte es nicht darum geschehen sein, dass er diese Position bekleiden sollte, um die ihm daraus erwachsenden Einflüsse zu benutzen, um seinen bedrückten Brüdern zu helfen? Warum, wenn er geglaubt hätte, all seine Einflüsse am Hof zum Wohle seines Volkes verwenden zu können, warum würde er dann, im Hinblick auf diese Vorzugsstellung fliehen und eine so günstige Vorzugsstellung aufgegeben haben? Aber Vorzugsstellungen, so hat man oft feststellen können, sind keine Führungen des Glaubens. Der Glaube befasst sich mit Dingen, die man nicht sieht, und stimmt wirklich selten mit Entschlüssen überein, die gefasst werden aufgrund von Ereignissen und Umständen. 

Nein, der Einfluss des Gottes dieser Welt (Pharao) kann nie dazu verwendet werden, solche, die dem Herrn angehören, frei zu machen. Der Glaube kann nie dabei Schutz suchen oder sich damit gleichsetzen. Der Glaube hat göttlichen Ursprung und kann daher mit Ihm in Beziehung sein und im Gegensatz stehen zu allem, was Gott entgegengerichtet ist. Es hat bereits jemand gesagt: Wie viele Gründe auch imstande gewesen sein mögen, Moses dazu zu bringen, in seiner Position auszuhalten zum Nutzen seines Volkes, sie wären alle nur gestützt gewesen auf die Macht Pharaos anstatt aufgrund der innigen Verbindung des Volkes mit Gott. Es hätte vielleicht für sie zu einer Erleichterung geführt, die ihnen die Welt gegeben haben würde, aber nie zu einer Errettung durch Gott, ausgeführt durch seine Liebe und durch seine Macht. Mose würde sich viele Leiden erspart haben, aber seinen wahren Glanz verloren haben. Pharao würde vielleicht nachgegeben haben, aber seine Autorität über das Volk Gottes würde Bestand gewonnen haben, Israel würde in Knechtschaft geblieben sein, gebunden an Pharao anstatt in die Gemeinschaft mit Gott und anstatt in die kostbaren und so herrlichen Beziehungen seines Volkes mit Ihm zu kommen. Gott wäre nicht verherrlicht worden. Alle menschlichen Überlegungen und alle Überlegungen bezüglich seines Fortkommens auf den bisher eingeschlagenen Wegen hätten Mose dazu bringen müssen, in seiner Stellung zu verbleiben, aber der Glaube brachte ihn dazu, alles das aufzugeben. Und indem er es aufgab, wählte er, mit dem Volk Gottes Ungemach zu leiden. Das Ungemachleiden mit ihnen hatte mehr Anziehendes für sein Herz als die Ergötzungen der Sünde für Glaubensaugen im Licht der Gegenwart Gottes. 

Ja, er stieg noch höher. Er hielt die Schmach des Christus für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens, denn er schaute auf die Belohnung. Ein solcher Glaube lebt in der Zukunft und im Unsichtbaren. Der Glaube ist eine Verwirklichung dessen, was man hofft, und eine Überzeugung von Dingen, die man nicht sieht. Dieses ist bestimmend und bezeichnend für das Herz und den Weg Moses.

Der Glaube war es, der ihn trieb, als er ausging zu seinen Brüdern und ihren Lastarbeiten zusah (2Mo 2,11). Und als er, erregt dadurch, dass er einen Unrecht leiden sah, ihn verteidigte und den Unterdrückten rächte, indem er den Ägypter erschlug, meinte er, seine Brüder wurden verstehen, dass Gott durch seine Hand Rettung gäbe (Apg 7,23.24). So sollte es einst sein, aber die Zeit war noch nicht gekommen. Noch konnte Gott Mose nicht dazu gebrauchen, obschon sein Glaube in Gottes Augen so wertvoll war. So hatte auch Petrus zu lernen, dass er Christus nicht folgen konnte in seiner eigenen Kraft, obschon ihn sein Herz dazu trieb (Joh 13,36). Genauso musste auch Mose lernen, dass keine Waffen gebraucht werden konnten und keine Gewalt, um die Kinder Israel zu befreien, sondern lediglich die Macht Gottes. Darum, als er am zweiten Tag ausging und sah zwei Hebräer sich streiten und er versuchte, ihren Streit zu schlichten, wird ihm die Tötung des Ägypters vorbehalten. Wir lesen es in den Versen 13 und 14: 

2Mo 2,13.14: 13 Und er ging am zweiten Tag aus, und siehe, zwei hebräische Männer zankten sich. Da sprach er zu dem Schuldigen: Warum schlägst du deinen Nächsten? 14 Und er sprach: Wer hat dich zum Obersten und Richter über uns gesetzt? Willst du mich töten, wie du den Ägypter getötet hast? Da fürchtete sich Mose und sprach: Gewiss, die Sache ist bekannt geworden!

Mose wird abgelehnt

Pharao hörte ebenfalls von dieser Sache und suchte, ihn zu töten. So wurde er abgelehnt von seinen Brüdern und verfolgt von der Welt. In dieser Sicht wird er ein Beispiel von Christus in seiner Verwerfung, denn er wurde verworfen von dem Volk, das er liebte, und wurde, als er floh, selbst von seinen Brüdern abgeschnitten: „Durch Glauben verließ er Ägypten und fürchtete die Wut des Königs nicht; denn er hielt standhaft aus, als sähe er den Unsichtbaren“ (Heb 11,27). Er befand sich jetzt auf dem Weg des Glaubens. Und dieser Weg des Glaubens führte ihn in die Wüste und unter fremde Menschen. Aber Gott ließ seinen Knecht ein Haus finden und eine Frau von den Töchtern Jethros. Zippora ist hier ein Bild von der Kirche (Gemeinde). Denn sie ist verbunden mit Mose während der Zeit seiner Verwerfung von Seiten Israels. Aber das Herz Moses ist noch bei seinem Volk. Denn er nennt den Namen seines Sohnes Gersom, „denn er sprach: Ein Fremdling bin ich geworden in fremdem Land“ (2Mo 2,22). An anderer Stelle nennt Josef seine Söhne Manasse („denn Gott hat mich vergessen lassen all meine Mühsal und das ganze Haus meines Vaters“) und Ephraim („denn Gott hat mich fruchtbar gemacht im Land meines Elends“; 1Mo 41,51.52). Dieser Vergleich ist deshalb so lehrreich, weil er uns zeigt, in welch besonderen Aspekten Josef und Mose Vorbilder von Christus sind. Wenn Josef uns Christus vorstellt als aus den Toten auferstanden und erhöht zur Rechten des Thrones über die Nationen, worin er sich offenbart und seine Brüder rettet, so gibt uns Mose mehr ein Bild von Christus als dem Erretter Israels. Und besonders durch seine Eheschließung während der Zeit seiner Verwerfung gibt er uns ein Bild von Christus und der Kirche in seiner Verwerfung. Sein Herz ist noch bei den Kindern Israel, und daher lebt er als Fremder in einem fremden Land.

2Mo 2,23-25: 23 Und es geschah während jener vielen Tage, da starb der König von Ägypten; und die Kinder Israel seufzten wegen des Dienstes und schrien; und ihr Schreien wegen des Dienstes stieg hinauf zu Gott. 24 Und Gott hörte ihr Wehklagen, und Gott gedachte seines Bundes mit Abraham, mit Isaak und mit Jakob; 25 und Gott sah die Kinder Israel, und Gott nahm Kenntnis von ihnen.

Die letzten drei Verse zeigen uns wieder die Umstände des Volkes und offenbaren uns gleichzeitig die Treue und Abhängigkeit von Gott. Davon ist auch im nächsten Kapitel noch die Rede.


Originaltitel: „The Birth of Moses“,
aus Typical Teachings of Exodus. Being a Simple Exposition, 1882


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