Die Leiden Christi – durch Mitgefühl mit der Not der Menschen

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 05.10.2001, aktualisiert: 02.10.2016

Auch die Leiden der Menschen lasteten schwer auf seinem Herzen. Er trug ihre Krankheiten und lud auf sich ihre Schwachheiten. Kein Kummer und keine Trübsal begegnete Ihm, die Er nicht auf seinem Herzen trug. „In all ihrer Bedrängnis war Er bedrängt“ (Jes 63,9). Nicht leichten Herzens heilte Er, als Er hier war. Er trug in seinem Geist, was Er in seiner Macht wegnahm; denn alle Gebrechen des Leibes und der Seele waren eine Folge der Sünde im Menschen. Doch Er tat alles einzig und allein in Gnade und Liebe. Und dann trug Er unsere Sünden an seinem Leib auf dem Holz und wurde für uns zur Sünde gemacht, aber das geschah auf dem Kreuz, wie wir gesehen haben – im Gehorsam, nicht im Mitgefühl.

Gott hat Ihn, der keine Sünde kannte, für uns zur Sünde gemacht. Alles andere war das Mitgefühl der Liebe, aber es bedeutete für Ihn tiefsten Schmerz. Die Liebe brachte Ihn ans Kreuz, wie wir wohl wissen. Aber dort waren seine Leiden nicht mit der unmittelbaren Freude eines Dienstes der Liebe verbunden. Er hatte es dort zuletzt nicht mit Menschen zu tun, sondern Er litt im Gehorsam unter der Hand Gottes für den Menschen und an seiner statt. Darum waren seine Leiden unvermischt und ungemildert – es war nicht der Schauplatz der tätigen Güte, sondern des Verlassenseins von Gott. Doch in all seinen Wegen mit den Menschen war sein Weh die unmittelbare Folge seiner Liebe, die immer bei Ihm spürbar war – Er fühlte für andere, um der anderen willen. Dieses Fühlen bedeutete (ach, wie beständig!) Leiden in einer Welt der Sünde, aber dieses Fühlen war Liebe. Wie erfreulich für uns, das zu erkennen. Für seine Liebe mochte Er Hass ernten, aber die gegenwärtige Ausübung der Liebe ist von einem sehr schönen Charakter; keine Art der damit verbundenen Leiden können ihr den jemals nehmen.

Wir werden sehen, dass der Herr selbst und die Evangelien die Leiden Christi während seines Dienstes klar unterscheiden von den Leiden am Ende seines Weges, und diese letzteren wiederum (obwohl sie gleichzeitig stattfanden) von seinen sühnenden Leiden. Sobald der Herr von Johannes getauft war, kam der Heilige Geist auf Ihn und Er begann seinen öffentlichen Dienst. Der erste und auch einführende Schritt dazu bestand darin, dass Er vom Geist in die Wüste geführt wurde, um vom Teufel versucht zu werden. Der Herr überwand ihn, der Starke wurde gebunden und seines Hausrates beraubt. Der Herr ging umher, wohltuend und heilend alle, die vom Teufel überwältigt waren, denn Gott war mit Ihm (Apg 10,38). Mochte es dämonische Besessenheit, Krankheit oder Tod sein, jede Folge der Macht des Feindes verschwand vor seinem Wort. Er ging durch Leiden, durch Schmach seitens der Menschen, Er nahm ihre Last auf sich. Ich zweifle nicht, dass Christus nie einen Kranken heilte, ohne in seinem Geist und auf seinem Herzen die Bürde der Krankheit als eine Folge der Macht des Bösen zu tragen. Alles das war die Tätigkeit seiner Liebe. „Fürwahr, er hat unsere Leiden getragen, und unsere Schmerzen hat er auf sich geladen“ (Jes 53,4). Beachten wir, dass dies gesagt wird, als Er heilte (Mt 8,16.17). Doch dass Er unsere Beschwerden und Nöte trug und uns durch seine Macht davon befreite, war nicht dasselbe wie die Tatsache, dass Er unsere Sünden trug und vor Gott im Gericht zur Sünde gemacht wurde.

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Aus „The sufferings of Christ“, Collected Writings, Bd. 7

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