Was ist wahre Gemeinschaft mit Christus? (2)
Jesaja 63,8.9

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 03.10.2008, aktualisiert: 29.11.2017

Leitverse: Jesaja 63,8.9

Jes 63,8.9: Und er sprach: Sie sind ja mein Volk, Kinder, die nicht trügen werden; und er ward ihnen zum Heiland. In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt, und der Engel seines Angesichts hat sie gerettet. In seiner Liebe und in seiner Erbarmung hat er sie erlöst; und er hob sie empor und trug sie alle Tage vor alters.

Lasst uns einige Beispiele anschauen, damit diese Wahrheit nicht abstrakt bleibt, sondern ganz praktisch wird, damit wir sie auf unser Leben anwenden können.

Es geht mir vor allem um den Satz: „In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt.“ Da sehen wir in so eindrücklicher Weise, wie buchstäblich der Herr Jesus mit uns in unseren Umständen Gemeinschaft haben möchte. Stellen wir uns das mal vor! Wie leicht könnten wir denken, Gott sitzt da auf seinem Thron, weit über die Erde, über das Elend, die Bedrückungen und die Drangsale der Seinen erhaben in Frieden und Ruhe. Was kann Gott sich schon vorstellen von unserer Unruhe. Ja, Gott weiß alles, das wissen wir. Aber kann Er etwas fühlen von dem, was Gläubige auf dieser Erde manchmal erleben müssen? Dieser Vers sagt uns, dass Er in all unserer Bedrängnis bedrängt ist. Das heißt, Gott vermag nicht nur Mitleid zu haben so wie wir. Wir gehen zu jemand, der trauert, und reden mit ihm und denken: Wie schrecklich, aber wir drehen uns um und kehren zurück zu unserem Leben, und es berührt uns nicht in der Tiefe, wie es den anderen berührte, der vielleicht einen schweren Verlust erlitten hat. Wir haben nicht dieses vollkommene Mitgefühl. Aber hier sehen wir jemanden, von dem es heißt: „In all ihren Bedrängnissen war er bedrängt“, genauso wie die Seinigen. Wir haben einen Gott im Himmel, der so Mitleid haben kann, der buchstäblich so mitleiden kann.

Wer ist dieser Gott? Er wird hier genannt „der Engel seines Angesichts“. Das Alte Testament kann nicht deutlicher zum Ausdruck bringen, dass dieser Gott unser Herr Jesus ist. Er ist der „Engel des Angesichts Gottes“, „der Engel des Bundes“, „der Engel des Herrn“. Aber wie kann der Herr Jesus bedrängt sein in all unserer Bedrängnis, wie ist das möglich? Wir wissen es. Das konnte der Herr Jesus, weil Er Mensch geworden ist. Meinst du, Gott könnte doch nicht so mitfühlen, was Menschen auf dieser Erde zu erleben haben? Da vergisst du, dass Gott Mensch geworden ist. Und Gott ist nicht in dieser Weise Mensch geworden, dass Er als erwachsener Mensch auf diese Erde kam und direkt zum Kreuz ging. Gott ist hier als Säugling geboren, sodass der Herr Jesus weiß, was kleine Kinder fühlen. Sogar wir Erwachsenen haben manchmal vergessen, was kleine Kinder fühlen können. Aber der Herr Jesus hat es nicht vergessen, er versteht, was die Herzen kleiner Kinder bewegen kann. Manchmal denken die Jugendlichen, die Eltern verstehen sie nicht. Aber der Herr Jesus war auch mal ein junger Mann und Er hat nicht vergessen, was es heißt, jung zu sein. Er versteht die Fragen der Jugend vollkommen. Er war in all unseren Schwachheiten, sagt Hebräer 2, Er kennt jede Not, worin Menschen sein können. Denn sein Leben auf Erden war nicht nur, um am Kreuz zu sterben. Das war natürlich das grundsätzlich Wichtigste. Aber der Herr Jesus hat hier auf der Erde gelebt, damit Er versucht würde. Und dadurch vermag Er jenen zu helfen, die versucht werden. Er war also nach Hebräer 2 in Versuchungen und nach Hebräer 4 in Schwachheiten. Er weiß, was es ist, die Umstände dieser Erde mitzumachen – nicht die Sünde!

Wenn wir sündigen, dann hat Er kein Verständnis und kein Mitleid. Es wäre schrecklich, das zu denken. Der Herr Jesus hasst die Sünde. Er möchte uns lehren, auch die Sünde zu hassen. Es ist unmöglich, dass Er Mitleid mit uns hat, wenn wir gesündigt haben. Er hat aber Mitleid mit unseren Schwachheiten, die zwar eine Folge von Sünde sind. Er war in Schwachheiten. Er wusste, was Hunger war, was Durst war, Er wusste, wie es war, ermüdet zu sein, Er wusste, was es war, liebe Freunde zu haben, die Ihn verließen. Er wusste, was es war, Geliebte zu haben, die starben. Er hat das alles erlebt, und wie tief hat es Ihn angegriffen. Er wusste in Johannes 11, was Er mit Lazarus tun würde, aber wie tief hat es Ihn in seinem Herzen geschmerzt. Er hat gefühlt, wie mächtig der Tod war, dass er imstande war, einen Freund von Ihm wegzunehmen. „In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt“: Er hat es gewusst und gespürt und erfahren, was das bedeutet. Er ist jetzt im Himmel als unser Hoherpriester, und Er weiß in unsere Umstände hineinzukommen und Er möchte es auch. Er möchte zu uns kommen und mit uns Gemeinschaft haben. Wie wenig wissen wir von den Umständen und Sorgen und Nöten unserer Mitgeschwister. Der Herr Jesus weiß es genau. Aber was möchte Er nun tun? Was wird Er zu deinen Sorgen sagen?

Die Antwort Gottes ist immer dieselbe. Die Antwort Gottes ist, dass Er normalerweise unsere Sorgen nicht wegnimmt. Er nimmt nicht etwas weg, sondern Er führt etwas ein. Normalerweise nimmt Er die Leiden nicht weg. Er wird nicht verhindern, dass wir leiden werden, dass wir Trübsal erleben werden oder dass wir Verluste zu erleiden haben. Aber Er führt etwas ein. Wenn man sieht, wie die Söhne Korahs in Psalm 43, 44, 45 gelitten und geschrien haben: Oh Gott, nimm unsere Nöte weg! – Gott hat es nicht gemacht. Aber was änderte das Herz der Kinder Korahs? Als sie im Psalm 45 über den Geliebten sangen, über den Bräutigam, über den König, über den Herrn Jesus, da wurden ihre Herzen erquickt. Ihre Nöte waren nicht weg. In Psalm 46 und weiter sehen wir, dass die Nöte noch genauso da waren. Gott hatte sie nicht weggenommen. Aber sie sahen anders aus. Wenn der Herr Jesus eingeführt wird, dann sieht alles anders aus. Er klopft an die Tür bei dir. Bis jetzt hast du die Tür vielleicht noch geschlossen gehalten. Vielleicht denkst du, der Herr Jesus kann diese Probleme nicht verstehen. Vielleicht denkst du, der Herr Jesus ist nur für die großen Nöte da, deine Nöte sind zu klein und zu unwichtig. Wie kann der große Gott sich mit solch kleinen Dingen befassen. Ich habe das oft gedacht, wenn ich zuhörte, wenn meine Kinder beteten, wenn wir manchmal lächeln über die Dinge, die sie fragen. Ich glaube nicht, dass der Herr lächelt. Er kümmert sich um diese kleinen Fragen der Seinen. Ist das nicht wunderbar?! Er möchte hineinkommen.

„In all ihrer Bedrängnis war er bedrängt.“ Was meinst du, wie Gott mitgelitten hat, als sein Volk in Ägypten in Drangsal war. So sehr hat Gott mitgelitten, dass Er herniederkam. Er ist nicht auf seinem Thron geblieben. Er sagt in 2. Mose 3: Ich bin herabgestiegen. – Und wo war Gott, als Er mit Mose sprach? In einer Feuerflamme in einem Dornbusch. Der Dornbusch als Bild für Israel – in einem Feuerofen. Israel brannte unter dem Gericht und den Versuchungen Gottes. Aber Gott selbst war in der Feuerflamme. Gott war bei ihnen, Er wohnte in dem Dornbusch (5Mo 33). Es war nicht nur ein Aufenthalt, um einmal kurz zu schauen, wie die Dinge aussahen. Gott wohnte da. Weißt du, wie lange? So lange, wie das Volk in diesem „Feuerofen“ Ägypten war. Gott war bei ihnen. Das ist unser Gott, der in all unserer Bedrängnis bedrängt ist. Wie viele Christen haben heute zu leiden, werden verfolgt, sind in großer Drangsal. Aber wie viele haben es bezeugt, dass es ihnen geht wie den drei Freunden in dem Feuerofen in Daniel 3. Da musste der König Nebukadnezar sagen: Was ist das denn, da sind ja vier Leute in dem Feuerofen und der Vierte sieht aus wie der Sohn Gottes! – so könnten wir es übersetzen. Und er hatte Recht. Es war der Sohn Gottes, es war der Engel des Angesichts des Herrn, es war der Herr Jesus. So buchstäblich nimmt der Herr Jesus das, wenn Er sagt: „In all ihren Bedrängnissen war er bedrängt.“ Er war bei ihnen im Feuerofen. Er segnete nicht nur von oben, Er gab nicht nur Kraft von oben, Er war bei ihnen da im Feuerofen. So will Er auch bei dir sein. Er klopft und möchte hereinkommen und Er sagt: Du brauchst deine Nöte nicht für dich allein zu haben. Ich möchte hereinkommen und mit dir Gemeinschaft haben!

Der Herr Jesus war im Schiff (Mk 4), Er war auch bei den Jüngern, als sie in dem Sturm waren. Er war da und seine Ruhe belebte das ganze Schiff. Sie waren beeindruckt von seiner Ruhe. Er möchte uns durch seine Ruhe etwas lehren. Er möchte hereinkommen und in aller Ruhe mit uns das Abendbrot essen. Wenn man sich an den Tisch setzt, wenn der Herr Jesus als Gast anwesend ist – eigentlich nicht nur als Gast, Er möchte bei uns wohnen, bei uns bleiben –, dann gibt es keine Unruhe mehr. Er sagt dir: Sag mir deine Nöte und ich trage sie mit dir. Wir tragen sie zusammen! Und jetzt wollen wir in Ruhe und in Frieden unser Abendbrot essen und Gemeinschaft miteinander haben. – Wie groß ist Er! Kennst du den Herrn so? Ganz praktisch? Viele Gläubige haben gerade in Schwierigkeiten erfahren, wie viel der Herr ihnen ganz praktisch bedeutet. Wenn man ganz jung ist, dann ist vieles, was wir über den Herrn Jesus wissen – auch wenn wir an Ihn glauben, Ihn angenommen haben –, oft noch sehr theoretisch. Wir müssen erst die Versuchungen und Schwachheiten kennen, um praktisch zu erfahren, was der Herr Jesus darin für uns sein will. Weißt du das, kennst du etwas davon? Wenn du zu wenig Erfahrung darin hast, dann kann es auch sein, dass der Herr Jesus zu oft geklopft hat und du Ihn draußen gelassen hast. Lass Ihn mal herein. Er weiß, was es heißt, bedrängt zu sein mit dir.

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