Die Leiden Christi – um der Gerechtigkeit willen

John Nelson Darby

© EPV, online seit: 26.10.2001, aktualisiert: 02.10.2016

An erster Stelle ist es nötig, dass wir die Leiden, die der Herr von Seiten der Menschen erlitt, wohl unterscheiden von jenen Leiden, die Er unter der Hand Gottes erduldet hat. Die Ursache und das Ergebnis dieser beiden Arten von Leiden bilden einen klaren Gegensatz.

Christus litt, wie wir wissen, von den Menschen. Er wurde von ihnen verachtet und verworfen. Er war „ein Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut“ (Jes 53,3). Die Welt hasste Ihn, bevor sie Seine Jünger hasste; sie hasste Ihn, weil Er von ihr zeugte, dass ihre Werke böse waren. Er war das „wahrhaftige Licht“ (Joh 1,9), das in die Welt kam; und jeder, der das Böse tut, hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, weil seine Werke böse sind. Mit einem Wort: Christus litt um der Gerechtigkeit willen. So war es von Anfang an gewesen, wenn wir an Vorbilder des Lebensweges des Herrn Jesus denken. Kain erschlug Abel, weil seine eigenen Werke böse waren, die seines Bruders aber gerecht.

Wir können hinzufügen, dass die Liebe, die den Herrn trieb, den Menschen in dieser Welt zu dienen und gegen das Böse bei ihnen zu zeugen, nur umso mehr Leiden über Ihn brachte. Für Seine Liebe feindeten sie Ihn an (Ps 109,5). Dieser Hass gegen Ihn hielt unvermindert an bis zu Seinem Tode, als sie in der ganzen wahnsinnigen Torheit menschlichen Frohlockens ausrufen konnten: „Haha, so wollten wir’s!“ (Ps 35,25). Gerechtigkeit und Liebe und alles das, worin Er in der Tat Gottes Wesen kundtat, brachte aus dem Willen und der Gesinnung des Menschen einen erbarmungslosen Hass hervor. Wie hat der Herr leiden müssen von Seiten der Menschen um der Gerechtigkeit willen! […]

In den Psalmen 20 und 21 sehen wir den Messias prophetisch in Seinen Leiden von der Hand der Menschen. Es war der Tag der Drangsal. Sie ersannen einen Anschlag wider Ihn und konnten ihn doch nicht ausführen. Er aber erbittet Leben, und Länge der Tage immer und ewiglich wird Ihm gegeben. Majestät und Pracht werden auf Ihn gelegt. Wenn Jahwe Ihn aber in dieser Weise verherrlicht – als Antwort auf alle Verhöhnung und Gewalttat gottloser Menschen –, was wird die Folge sein? Gericht! Seine Hand findet alle Seine Feinde. Er macht sie zu einem Feuerofen (Ps 21,8.9) am Tage Seines Zornes, wie Er sagte: „Doch jene, meine Feinde, die nicht wollten, dass ich über sie herrschen sollte, bringet her und erschlaget sie vor mir“ (Lk 19,7). Derselbe Gedanke begegnet uns in Psalm 69,1-24. Sein Leiden von der Hand böser Menschen bewirkt deren Gericht. […]

Beachten wir noch, dass der Herr in den Leiden um der Gerechtigkeit willen in Seiner Person durchaus keine Sünde hatte, für die Er hätte leiden müssen. In den Augen der Menschen war Er kein stellvertretendes Opfer. Das Ergebnis dieser Leiden unter der Macht der Menschen ist Gericht, das bei Seiner Ankunft ausgeführt wird. Wir sehen es bereits in der Zerstörung Jerusalems durch göttliche Fügung. In seinem vollen Umfang wird es aber erst vollzogen, wenn der Herr zurückkehren wird. […]

Aber in den Leiden Christi um der Gerechtigkeit willen und in jenen Leiden, die Ihm durch das Werk Seiner Liebe verursacht wurden, sollten auch wir Anteil haben, wenn auch unser Glaube arm und schwach sein mag. Uns ist es geschenkt, nicht allein an Seinen Namen zu glauben, sondern auch für Ihn zu leiden. Wenn wir um der Gerechtigkeit willen leiden, so sind wir glückselig; doch ist es noch gesegneter, wenn wir um Seines Namens willen leiden, denn dann ruht „der Geist der Herrlichkeit und der Geist Gottes“ auf uns. Wenn wir Seiner Leiden teilhaftig sind, dürfen wir uns freuen, dass, wenn Seine Herrlichkeit offenbart werden wird, wir mit frohlockender Freude erfüllt sein werden. Leiden um der Gerechtigkeit willen und solche um Seinetwillen werden auch vom Herrn Selbst unterschieden (Mt 5,10.11), wie auch von Petrus (1Pet 2,20; 3,17; 4,14). Dies nur nebenbei.

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Aus „The sufferings of Christ“, Collected Writings, Bd. 7
neu zusammengestellt aus dem Büchlein Die Leiden Christi, S. 8–14

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