Die Leiden Christi – wegen der Empfindung dessen, was böse ist

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 28.09.2001, aktualisiert: 02.10.2016

Dass Christus die ganze Frage von Gut und Böse geklärt hat, ist die einzigartige und vollkommene Grundlage des Segens. Dazu war es nicht nötig, dass Er das Böse selbst in seinem Herzen hatte, um durch dieses Problem hindurchzugehen. Gott kennt das Gute und das Böse vollkommen. Hat Er deswegen Böses in seinem Herzen? Der Herr möge selbst eine solche Frage verzeihen. Aber bei Christus gab es mehr. Er musste es lernen, indem Er durch jede Versuchung des Bösen hindurchging – Er musste den bitteren Druck in seiner eigenen Seele spüren. Selbst hatte Er kein Böses. Obwohl Er der Fürst des Lebens ist, wusste Er nicht, was der Tod bedeutet? Er war selbst der Ausdruck der Liebe: Wusste Er nicht, was Hass war? Und gerade weil Er Liebe war und gerade in dem Maße, in welchem Er Liebe war, war Ihm die Schlechtigkeit des Hasses bekannt, selbst in den Details. Die Liebe, mit welcher Er die Armen der Herde besuchte, ließ Ihn besonders fühlen, was der Geist derer war, die versuchten, ihr Kommen zu hindern. Als Er die Schriftgelehrten und die Gesetzesgelehrten tadelte, hatte Er da nicht das Böse gefühlt, deren sie schuldig waren?

Die Wahrheit ist: Eine heilige Seele weiß, was Böses wirklich ist. Bei dem Herrn Jesus war es so: Er ging durch dieses alles hindurch als Prüfung. Wurde nicht seine Abscheu vor moralischem Verderben und Heuchelei gemessen an seiner Heiligkeit und Wahrheit? Wurde nicht sein vollkommenes, absolutes Vertrauen geprüft und gequält durch das Misstrauen und den Unglauben, dem Er begegnete, selbst bei seinen Jüngern? Wurde nicht gerade durch seine Freude an der Liebe des Vaters (hier kann ich nicht einmal von einem Maß sprechen, denn es kann nicht gemessen werden) sein Empfinden des Zornes Gottes bestimmt? Empfand Er nicht die Schlechtigkeit dessen, dass Satan Ihn bat, ihn anzubeten, gerade deswegen so schlimm, weil Er Gott so vollkommen hingegeben war? Wurde Er nicht geprüft und getestet durch alles – ausgenommen innewohnende Sünde –, was eine Seele überhaupt testen konnte und von Gott hätte abziehen können, wenn das denn überhaupt möglich gewesen wäre? War Ihm die Sünde nicht bekannt durch den Angriff der Versuchung und die Heiligkeit seiner eigenen Seele? Lernte Er nicht Gehorsam dadurch, dass es Ihn alles kostete, was möglich war? Er wusste, was das Böse war, nur um es total zurückzuweisen. Diese Vollkommenheit des Guten war in Ihm durch Prüfungen bewiesen worden. Diese Vollkommenheit des Guten ließ Ihn das Böse in größtem Maße fühlen, und nur diese Vollkommenheit allein konnte vollkommen fühlen, was das Böse war. Er war bereit, lieber zu sterben und sich selbst aufzugeben, als zu in der Hingabe an den Willen seines Vaters und an heiligen Gehorsam zusagen. Er war bereit, für uns zur Sünde gemacht zu werden, um sie durch das Opfer seiner selbst hinwegzutun. Er starb für die Sünde, „aber indem er gestorben ist, ist er ein für alle Mal der Sünde gestorben; indem er lebt, lebt er Gott“. Er hat nichts mehr mit der Sünde zu tun, außer den Sünder einmal zu richten. Die ganze Herrlichkeit Gottes, die durch die Sünde in dem Universum gefährdet war, wurde gesichert, herrlich dargestellt und erhöht durch die größte Prüfung, die möglich war – alles, wodurch Heiligkeit und Liebe geprüft werden konnten. So wird eine Zeit kommen, wenn im Himmel und auf der Erde Gerechtigkeit für immer aufgerichtet sein wird, die Sünde unbekannt und Gott vollkommen verherrlicht sein wird.

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Aus „The sufferings of Christ“, Collected Writings, Bd. 7

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