Besonderheiten im Text der Heiligen Schrift – Eingeborener
monogenes

Christian Briem

© CSV, online seit: 07.03.2006, aktualisiert: 29.09.2016

Leitvers: Johannes 1,18

Dem Wort „Eingeborener“ kommt im Neuen Testament besondere Bedeutung zu: Es wird in Verbindung mit dem Herrn Jesus gebraucht, dem Sohn des Vaters. Im Ganzen kommt es im Neuen Testament neunmal vor, davon dreimal im Lukasevangelium, wo zweimal ein Sohn, einmal eine zwölfjährige Tochter mit diesem Attribut versehen wird (Lk 7,12; 8,42; 9,38). Fünfmal wird das Wort in Bezug auf den Herrn Jesus gebraucht (Joh 1,14.18; 3,16.18; 1Joh 4,9). Eine dieser fünf Stellen sei stellvertretend für die anderen angeführt:

Joh 1,18: Niemand hat Gott jemals gesehen; der eingeborene Sohn, der in des Vaters Schoß ist, der hat ihn kundgemacht.

Was will nun der Heilige Geist mit dem Titel „Eingeborener Sohn“ ausdrücken? Das deutsche Wort beinhaltet ein „Geborensein“. Ist das auch bei dem griechischen Wort monogenes der Fall, wie man lange Zeit geglaubt hat? Denn es ist augenscheinlich, dass wir in Bezug auf den Herrn, das ewige Wort, bei diesem Gedanken einige Mühe haben. Nun sagen uns heutige Sprachwissenschaftler von hohem Rang, dass sich das griechische Wort aus monos (= „einzig, allein“) und genos (= „Geschlecht“) herleitet und es „einzig in seiner Art, einzigartig“ bedeutet und nicht die Herkunft oder ein Geborenwerden, sondern die Natur, das Wesen einer Person angibt.

Offensichtlich war also der Jüngling von Lukas 7 der Witwe von Nain einziger Sohn, den man dort auf der Bahre hinaustrug, und hatte Jairus nur diese eine Tochter, die nun im Sterben lag. Das drückt in der Tat eine besondere Beziehung aus, was der Heilige Geist durch den Gebrauch von monogenes unterstreicht.

Wenn nun der Herr Jesus der eingeborene Sohn genannt wird, bezeichnet das Sein einzigartiges Verhältnis zu Seinem Vater. War nicht Er, der in dieser einzigartigen, ewigen Beziehung als Sohn zum Vater stand, dann auch der Einzige, der als Mensch den unsichtbaren Gott kundmachen konnte? Wir wissen, dass dies so ist. Unser Vers sagt es.

Dass monogenes diese Bedeutung, einzig in seiner Art, hat, macht auch Hebräer 11,17 deutlich, wo gesagt wird, dass Abraham Isaak, den Eingeborenen, dargebracht habe. Wir wissen, dass Abraham schon vor Isaak den Ismael gezeugt hatte und dass er später von Ketura noch sechs andere Söhne besaß. Aber Isaak war in seiner Art einzig, er allein war nämlich der Sohn der Verheißung.

Um noch einmal auf den Herrn Jesus zurückzukommen: Es ist ein alle wahren Kinder Gottes beglückender Gedanke, dass Er allein der Sohn des Vaters ist und als der Eingeborene in einer einzigartigen Beziehung zu Ihm innerhalb der Gottheit steht. Als der Erstgeborene unter vielen Brüdern hat Er andere neben Sich (Röm 8,29), und das ist unaussprechliche Gnade, die sich so weit herabneigt; aber als der Eingeborene vom Vater hat Er niemand von Seinen Geschöpfen neben Sich, wie hoch Er sie auch erheben mag. Vergessen wir es nie: Der Sohn ist einzig in Seiner Art! Gepriesen sei in Ewigkeit Sein Name.

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Aus Ermunterung und Ermahnung
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