Die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes (3)
Johannes 17,1-5

Henri Louis Rossier

© EPV, online seit: 01.06.2005, aktualisiert: 22.09.2018

Leitverse: Johannes 17,1-5

Joh 17,1-5: Dies redete Jesus und erhob seine Augen zum Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, damit dein Sohn dich verherrliche – so wie du ihm Gewalt gegeben hast über alles Fleisch, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben gebe. Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen. Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, das du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte. Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

Lieber Bruder,

endlich kann ich, wenn auch etwas verspätet, in diesem dritten Brief auf Deine Frage antworten, was in Johannes 17 die Worte bedeuten: „Verherrliche deinen Sohn, auf dass dein Sohn dich verherrliche.“

In Johannes 11 und 12 haben wir in den Zeugnissen, die Gott Christus gegeben hat, Seine zukünftige Verherrlichung als Sohn Gottes, als König Israels und als Sohn des Menschen gesehen. Anschließend sahen wir in Johannes 13 Seine gegenwärtige Verherrlichung als Sohn des Menschen auf dem Kreuz. Hier sehen wir Ihn verherrlicht als Sohn des Vaters. Doch betrachten wir diesen Abschnitt etwas näher.

In Johannes 17 haben die Jünger das unschätzbare Vorrecht, Zeugen der Unterhaltung des Sohnes mit dem Vater ihretwegen zu sein. Diese so schwachen Jünger, die so hartherzig, so unwissend waren, vernehmen, dass sie die Gegenstände der Sorge und Liebe des Vaters und des Sohnes sind. Was der Sohn will, ist einerseits, die Seinen in die Beziehung einzuführen, in der Er Selbst zum Vater steht, und andererseits, sie gegenüber der Welt in die Stellung einzuführen, die Er verlässt, um aufzufahren, in der Er sie jedoch zurücklässt, damit sie Seine Zeugen und die Zeugen des Vaters an Seiner Stelle sind.

Jesus „hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen“. Es ist hier nicht wie in Kapitel 12: „Die Stunde ist gekommen, dass der Sohn des Menschen verherrlicht werde“ [Joh 12,23], oder wie in Kapitel 13: „… dass er aus dieser Welt zu dem Vater hingehen sollte“[Joh 3,13], sondern einfach: „Die Stunde ist gekommen.“ Das Kreuz ist eine „vollendete Tatsache“, die lediglich noch auf ihr unmittelbares Resultat wartet. „Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn.“ Hier geht es nicht wie in Kapitel 13 um die Verherrlichung des Sohnes des Menschen auf dem Kreuz, sondern um die des Sohnes, eingeführt in die Herrlichkeit des Vaters.

„Verherrliche deinen Sohn“, sagt Er. Doch warum? „Auf dass dein Sohn dich verherrliche.“ Denkt Er an Sich Selbst? Nein, Er hat nur ein Ziel: in die Herrlichkeit einzugehen, nicht für Sich Selbst, sondern damit durch Ihn Sein Vater verherrlicht werde. Und was verherrlicht den Vater? Dass Jesus, der von Ihm in der Herrlichkeit die Macht und das Recht empfängt, Seine Gewalt über alles Fleisch auszuüben, Sich dieser Macht bedient, um allen, die der Vater Ihm gegeben hat, ewiges Leben zu geben. Er geht zum Vater in die Herrlichkeit, um uns das ewige Leben geben zu können!

Das ewige Leben! Dieses Evangelium und die Briefe desselben Apostels belehren uns über diesen Gegenstand. Der Herr teilt es uns mit aufgrund des Glaubens an Ihn; es ist in uns die Frucht der Gabe des Heiligen Geistes, der von Ihm aus dem Schoß der Herrlichkeit gesandt wurde. Dieses Leben bringt uns in Verbindung mit dem Vater; durch dieses Leben können wir Ihn erkennen und Seine Gemeinschaft genießen.

Wie Jesus den Vater auf der Erde verherrlicht und Sein Werk auf dem Kreuz vollbracht hat, so verherrlicht Er nun den Vater in der Herrlichkeit. Indem Er uns das ewige Leben mitteilt, führt Er uns bei dem Vater in Seine eigene Beziehung zu Ihm ein, da wir die Natur und den Charakter besitzen, den Er Selbst besitzt. Wir können sagen: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns gesegnet hat mit jeder geistlichen Segnung in den himmlischen Örtern in Christus, wie er uns auserwählt hat in ihm vor Grundlegung der Welt, dass wir heilig und tadellos seien vor ihm in Liebe“ (Eph 1,3.4). Dadurch verherrlicht der Sohn den Vater.

Doch ein wenig weiter in diesem Kapitel gibt es noch etwas Bemerkenswertes, das für uns, die Erlösten des Herrn, von außerordentlicher Bedeutung ist. Der Sohn wird nicht nur im Himmel verherrlicht, um dort die Seinen in all die Wohltaten Seiner Stellung vor dem Vater einzuführen. Während Seiner Abwesenheit will Er auch noch auf der Erde verherrlicht werden in den Seinen, die von Ihm gesandt sind. Er sagt: „Ich bin in ihnen verherrlicht“ (Joh 17,10). Er will, dass Sein Charakter, Seine Vollkommenheit in den Seinen vor der Welt zum Ausdruck gebracht werde, damit die Welt glaube, dass es der Vater ist, der Seinen Sohn gesandt hat (Joh 17,21).

Und wenn wir mit Ihm in Herrlichkeit „in eins vollendet“ sind (Joh 17,23), dann wird die Welt, wenn sie uns sieht, erkennen müssen, dass der Vater Seinen Sohn gesandt und uns mit derselben Liebe geliebt hat, mit der Er den Herrn Jesus liebte.

Geliebter Bruder, schätzen wir es gebührend, dass wir vor der Welt Träger der Herrlichkeit des Sohnes im Himmel sind? Wenn der Herr, nachdem Er uns zu Sich emporgenommen hat, mit uns wiederkommt, dann geschieht das, damit Er an diesem Tage verherrlicht wird in Seinen Heiligen und bewundert in allen denen, die geglaubt haben. Doch Er will nicht auf diesen Augenblick warten, um in uns verherrlicht zu werden. Er will, dass bereits jetzt und hier vor der Welt Sein Name in uns verherrlicht wird, wie wir in Ihm verherrlicht sind vor dem Vater (2Thes 1,10-12). O dass wir das besser verstünden, dass es uns mehr zu Herzen ginge, diesem Seinem Ziel zu entsprechen, indem wir Ihn hier darstellen, indem wir ein Brief Christi sind, gekannt und gelesen von allen Menschen!

„Und nun“, sagt der Herr, „verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war“ (Joh 17,5). Beachten wir dieses dritte „Nun“ oder „Jetzt“. Wir haben das „Jetzt“ aus der Zeit vor dem Kreuz und das herrliche „Jetzt“ des Kreuzes gesehen. Hier finden wir das ewige „Nun“ der Herrlichkeit.

Der Herr hatte den Vater auf der Erde verherrlicht, hatte das Werk vollbracht, das Er Ihm gegeben hatte, damit Er es tun sollte. Er hatte die Liebe des Vaters völlig offenbart, indem Er als Mensch auf diese Erde kam, denn es ist das Werk der Liebe, das der Vater Ihm anvertraut hatte, von dem hier die Rede ist. Er hatte diese Liebe in der Gabe Seiner Selbst auf dem Kreuz offenbart und hell erstrahlen lassen. Das Heil war erworben, die Sünden waren gesühnt, die Macht Satans war zu unserer Befreiung gebrochen, der Vorhang zerrissen, um uns den Eintritt in das Heiligtum zu gewähren. Durch diesen zerrissenen Vorhang hindurch konnten die Erlösten mit der vollkommenen Freude der Gemeinschaft in das Vaterhaus eingehen. War es, als Lohn für ein solches Werk, nicht gerecht, dass der Vater Seinen Sohn, Jesus Christus, im Fleisch gekommen, bei Sich Selbst mit der Herrlichkeit verherrlichte, die Er bei dem Vater hatte, ehe die Welt war?

Das ist Sein persönliches Teil, das einzige, das Er nicht mit uns teilt, weil Er allein berechtigt und in der Lage ist, es zu besitzen. Aufgrund Seines Werkes ist er würdig, in Seine eigene Herrlichkeit bei dem Vater zurückzukehren, in die Herrlichkeit, die Ihm von aller Ewigkeit her als Sohn des Vaters gehörte, ohne dort jemals Seine Menschheit abzulegen.

Wir werden Seine ganze Herrlichkeit teilen, doch diese Herrlichkeit werden wir anschauen. Wir werden Seine Herrlichkeit sehen, die Herrlichkeit, die der Vater, dessen Wonne Er ist, Ihm wegen Seines Gehorsams gegeben hat (Joh 17,24). Es wird unsere Freude sein, das verherrlichte Lamm anzubeten, das ganz allein den Platz in der Mitte des Thrones innehat, und wir werden größere Freude daran haben, diese Herrlichkeit zu erheben, als unsere eigene zu genießen, wie groß und erhaben unsere herrliche Stellung auch ist, wenn wir Ihn umgeben werden, so wie Er gesagt hat: „Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben“ (Joh 17,22).

Ich verabschiede mich, lieber Bruder, in der Gewissheit, dass Du mit mir das Verlangen teilst, dass unser geliebter Herr und Heiland nach Seiner Verheißung kommen möge und dass wir Ihn endlich sehen dürfen, wie Er ist.

In Seiner Liebe verbunden,
Dein H. Rossier

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Originaltitel: „Die Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes. Drei Briefe an einen Bruder. Dritter Brief“
aus Hilfe und Nahrung, 1982, S. 330–334


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