Das Johannesevangelium (17)
Johannes 17

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 24.06.2006, aktualisiert: 27.01.2018

Leitverse: Johannes 17

Das Gebet des Herrn

Der gnadenvolle Dienst Christi vor der Welt ist vorüber. Auch die lieblichen Unterredungen mit den Jüngern sind zu Ende. Alles auf Erden ist zu einem Abschluss gekommen, und der Herr blickt himmelwärts nach jenem Heim, in das Er bald eintreten wird. Wir haben die Worte des Herrn vernommen, als Er mit den Jüngern von dem Vater sprach; jetzt ist es unser größeres Vorrecht, auf die Worte des Sohnes zu lauschen, die Er ihretwegen mit dem Vater redet.

Dieses Gebet steht allein unter allen Gebeten hinsichtlich der Herrlichkeit dessen, der es ausspricht. Wer anders als eine göttliche Person konnte sagen: „… auf dass sie eins seien, gleich wie wir“ (Joh 17,11), und ferner: „… auf dass sie in uns eins seien“ (Joh 17,21). Solche Aussprüche konnten nie von menschlichen Lippen kommen. Stelle die Gottheit seiner Person in Frage und diese Worte werden zur Lästerung eines Betrügers. Das Gebet steht ferner allein in Bezug auf seinen einzigartigen Charakter. Man hat mit Recht gesagt, dass es kein Bekenntnis erhält, keinerlei Anspielung an Sünde, keinen Ton, der hinweist auf ein Gefühl der Schuld oder des Gebrechens …

Wir sind dagegen gefesselt durch seine ausdrucksvolle Kürze. Wir hören Ihn, der von einer Ewigkeit vor Grundlegung der Welt spricht und der an jener herrlichen Vergangenheit teilhatte; wir hören Ihn von seinem vollkommenen Pfad auf Erden reden, wir werden in die Tage der Apostel versetzt durch Ihn, dem die Zukunft ein offenes Buch ist. Wir hören Worte, die das ganze Zeitalter der Pilgerschaft der Gemeinde auf Erden umfassen, wenn wir den Wunsch des Herrn für jene vernehmen, die durch die Worte der Apostel an Ihn glauben und endlich werden wir im Geist in die noch kommende Ewigkeit eingeführt, wo wir bei Christus und Ihm gleich sein werden.

Indem wir hierin die Offenbarung seines Herzens betrachten, werden wir, während unser Weg durch diese Welt noch vor uns liegt, über alle zeitlichen Dinge emporgehoben, um die unveränderlichen Dinge der Ewigkeit vor uns zu haben. Wie nötig auch die Fußwaschung ist und wie gesegnet das Fruchttragen, wie groß auch das Vorrecht, für Christus zu zeugen und zu leiden ist, so kommen hier derartige Dinge kaum in Betracht, sondern vielmehr jene größeren, die, während wir sie in der Zeit kennenlernen und uns da schon ihrer erfreuen, doch der Ewigkeit angehören. Ewiges Leben, des Vaters Name, des Vaters Worte, des Vaters Liebe, die Freude Christi, Heiligkeit, Einheit und Herrlichkeit sind ewige Wirklichkeiten, die bleiben werden, wenn die Zeit mit der Notwendigkeit der Fußwaschung, mit ihrer Gelegenheit zum Dienen, mit ihren Versuchungen und Leiden für immer vorüber sein wird.

Ferner lernen wir durch dieses Gebet die Herzenswünsche Christi kennen, so dass der Gläubige sagen kann: „Ich weiß, was sein Herz für mich begehrt.“ Dies muss so sein, denn ein vollkommenes Gebet bringt das Verlangen des Herzens zum Ausdruck. Ach, wie oft werden unsere Gebete zu einer Form und sind dann nur der Ausdruck dessen, was wir gern vor anderen als den Wunsch unserer Herzen kundwerden lassen möchten. Doch in diesem Gebt ist nichts Förmliches, alles ist so vollkommen wie Er, der es darbringt.

Im Lauf dieses Gebets werden viele Bitten an den Vater gerichtet, doch diese scheinen alle unter folgende drei vorherrschende Wünsche zu fallen, die die Haupteinteilung dieses Gebets kennzeichnen:

  1. der Wunsch, dass der Vater in dem Sohn verherrlicht werde (Joh 17,1-5)
  2. der Wunsch, dass Christus in den Heiligen verherrlicht werde (Joh 17,6-21)
  3. der Wunsch, dass die Heiligen mit Christus verherrlicht werden (Joh 17,22-26).

Der Vater – verherrlicht im Sohn (Joh 17,1-5)

Vers 1

Joh 17,1: Dieses redete Jesus und hob seine Augen auf gen Himmel und sprach: Vater, die Stunde ist gekommen; verherrliche deinen Sohn, auf dass dein Sohn dich verherrliche.

Jeder Ausspruch und jedes Verlangen in den ersten fünf Versen hat die Verherrlichung des Vaters zum Gegenstand. Wo immer der Sohn betrachtet wird, ob auf Erden, im Himmel oder auf dem Kreuz, zwischen Erde und Himmel, sein erster und vornehmster Wunsch ist die Verherrlichung des Vaters. Eine solche Reinheit der Beweggründe geht weit über das Fassungsvermögen des gefallenen Menschen hinaus, dessen Gedanken es sind, die Macht immer zu seiner eigenen Verherrlichung zu gebrauchen. So war es bei den Brüdern des Herrn nach dem Fleisch, als diese sagten: „Wenn du diese Dinge tust, so zeige dich der Welt“ (Joh 7,4). Was ist das anderes, als zu sagen: „Gebrauche deine Macht zu deiner Verherrlichung.“ Ach! Zeigt nicht die Weltgeschichte, dass der Mensch, wo immer er durch Gott oder seine Anhänger mit Macht ausgestattet wurde, sie zu seiner eigenen Verherrlichung ausübte? Ausgerüstet mit Macht, deutet das Haupt des ersten Weltreiches seinen Fall mit den Worten an: „Ist das nicht das große Babel, welches ich zum königlichen Wohnsitz erbaut habe durch die Stärke meiner Macht und zu Ehren meiner Herrlichkeit?“ (Dan 4,30). Mit Recht mögen alle im Himmel Vereinigten sagen: „Würdig ist das Lamm, das geschlachtet worden ist, zu empfangen die Macht“, denn Er allein gebraucht diese zur Verherrlichung Gottes und zur Segnung der Menschen. Der Herr begehrt eine Herrlichkeit, die weit größer ist, als sie diese Welt geben kann, indem Er sagt: „Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.“ Und mit dieser großen Herrlichkeit wünscht Er den Vater zu verherrlichen.

Vers 2

Joh 17,2: Gleichwie du ihm Gewalt gegeben hast über alles Fleisch, auf dass er allen, die du ihm gegeben, ewiges Leben gebe.

Schon auf der Erde war Ihm Macht gegeben, die bei der Auferweckung des Lazarus zur Entfaltung kam und zur Verherrlichung Gottes ausgeübt wurde, denn der Herr sprach am Grab: „Wenn du glauben würdest, so würdest du die Herrlichkeit Gottes sehen“ (Joh 11,40). Nun verlangt der Herr nach einer Herrlichkeit, die mit dem gleichen Maß wie seine Macht gemessen werden kann. Es ist Ihm Gewalt über alles Fleisch gegeben worden, damit Er durch das Ausführen der Ratschlüsse Gottes Gott verherrlichen möchte. In dieser Welt sehen wir die schreckliche Macht des Fleisches, der durch Satan Tatkraft verliehen wird. Zu unserem Trost erfahren wir durch dieses Gebet, dass unser Herr eine Gewalt besitzt, die über jede andere erhaben ist, so dass keine Macht des Bösen, wie groß sie auch sein mag, Christus hindern kann, die Ratschlüsse Gottes in die Tat umzusetzen und ewiges Leben denen zu verleihen, die der Vater dem Sohn gegeben hat.

Vers 3

Joh 17,3: Dies aber ist das ewige Leben, dass sie dich, den allein wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesum Christum, erkennen.

Dieses Leben finden seinen höchsten Ausdruck in der Kenntnis und dem Genuss unserer Verwandtschaft mit dem Vater und dem Sohn. Es ist nicht gleich dem natürlichen Leben begrenzt auf die Kenntnis und Freude der natürlichen Dinge und der menschlichen Beziehungen. Es ist nicht beschränkt auf diese Erde oder gebunden an die Zeit, auch wird ihm kein Ziel durch den Tod gesetzt. Es ist ein Leben, das uns befähigt, göttliche Personen zu kennen und sich ihrer Gemeinschaft zu erfreuen. Es bringt uns außerhalb dieser Welt, weg von dieser Erde, jenseits der Zeit in die Region der ewigen Herrlichkeit.

Vers 4

Joh 17,4: Ich habe dich verherrlicht auf der Erde; das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.

Als jedoch der Herr den Wunsch aussprach, den Vater an dem neuen Platz im Himmel zu verherrlichen, hatte Er dies bereits auf seinem Weg auf der Erde und durch seine Leiden am Kreuz getan. Wer anders als Er konnte zum Himmel aufblicken und zu dem Vater sagen: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde.“ Ach! Der gefallene Mensch hat Gott auf Erden verunehrt. Der Mensch war im Bild und Gleichnis Gottes geschaffen, um sein wahrer Vertreter vor dem All zu sein. Wenn aber, nachdem dieser Mensch gefallen ist, die Welt ihre Gedanken über Gott nach dem Verhalten des Menschen bilden wollte, so würde sie zu dem Schluss kommen, dass Gott ein unheiliges, selbstsüchtiges, grausames und rachsüchtiges Wesen sei, ohne Weisheit, Liebe oder Mitgefühl. Dies ist in der Tat die schreckliche Schlussfolgerung, die die Heiden gezogen haben, indem sie sich einbilden, dass Gott wie einer von ihnen sei. So haben sie sich Götter gemacht, die nach ihrer Vorstellung gleich ihnen unrein, grausam und selbstsüchtig sind. „Sie haben die Herrlichkeit des unverweslichen Gottes verwandelt in das Gleichnis eines Bildes von einem verweslichen Menschen“ (Röm 1,23). Auf diese Weise hat der Mensch Gott verunehrt, anstatt Ihn durch treue Darstellung zu verherrlichen. Wenn wir uns aber von dem gefallenen Menschen zu dem Menschen Jesus Christus – dem Sohn – wenden, dann sehen wir Einen, der auf jedem Schritt seines Weges Gott verherrlichte. Als Er in diese Welt geboren war, konnten die himmlischen Heerscharen mit staunender Bewunderung über ihren Meister aussprechen: „Herrlichkeit Gott in der Höhe!“ Jetzt nach Vollendung seines Werkes kann der Herr ausrufen: „Ich habe dich verherrlicht auf der Erde!“ Er brachte völlig das Wesen Gottes zum Ausdruck und erstattete Gott alles, was diesem gebührte; Er hielt seine Herrlichkeit vor der ganzen Welt aufrecht. In Christus war Gott offenbart im Fleisch, gesehen von den Engeln sowie auch von den Menschen.

Ferner verherrlichte Christus Gott nicht nur auf seinem Weg auf der Erde, sondern überdies auch am Kreuz. Er kann sagen: „Das Werk habe ich vollbracht, welches du mir gegeben hast, dass ich es tun sollte.“ Dort hielt Er die Gerechtigkeit Gottes in Bezug auf die Sünde aufrecht und entfaltete die Liebe Gottes zu dem Sünder.

In diesem Vers redet Christus gemäß der vollkommenen Menschheit, die Er angenommen hatte. Als Mensch hat Er Gott verherrlicht und das Ihm übertragene Werk getan. Als Gläubige ist es unser Vorrecht, so zu wandeln, wie Er gewandelt ist, nämlich für die Verherrlichung Gottes hier zu sein und in den Werken zu wandeln, die Gott bereitet hat. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass das Werk am Kreuz einzig und allein sein Werk war; keiner als der Sohn konnte es unternehmen, dies auszuführen.

Vers 5

Joh 17,5: Und nun verherrliche du, Vater, mich bei dir selbst mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte, ehe die Welt war.

In diesem Vers hören wir die Bitten, an deren Erfüllung kein Mensch Anteil haben kann, denn hier bringt der Herr ein Verlangen zum Ausdruck, das nur Einen, der Gott ist, angeht. Zunächst sagt der Herr: „Und nun verherrliche du, Vater, mich.“ Wir möchten wirklich wünschen, unsere Herrlichkeitsleiber zu haben, damit Christus in uns verherrlicht wäre (2Thes 1,10) und wir sagen könnten: „Verherrliche Christus in mir“, doch wer außer einer göttlichen Person könnte verlangen: „Verherrliche mich“? Dann erhebt sich das Gebet zu einem noch höheren Platz, denn der Herr fügt hinzu: „bei dir selbst“. Nur der Sohn, der in des Vaters Schoß ist, konnte nach einer Herrlichkeit verlangen, die an der Herrlichkeit des Vaters gemessen wird. Einer, der so spricht, macht Anspruch auf Gleichheit mit dem Vater. Doch das ist nicht alles. Wenn der Herr fortfährt zu sprechen: „mit der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte“, macht Er ein Anrecht geltend auf eine Herrlichkeit, die Er in der Ewigkeit als eine göttliche Person besaß – nicht eine Herrlichkeit, die Er empfing, sondern eine solche, die Er hatte, denn Er sagt: „Der Herrlichkeit, die ich bei dir hatte“, ein Ausdruck, der nicht nur besagt, dass Er eine göttliche Person war, sondern auch eine bestimmte Person der Gottheit. Endlich redet Er davon, dass Er diese Herrlichkeit bei dem Vater hatte, „ehe die Welt war“. Es war vor der Zeit, in der Ewigkeit. Er war eine göttliche Person, eine bestimmte Person in der Gottheit. Mit Recht ist deshalb gesagt worden, dass wir Ihn hier in der vollen Würde dessen reden hören, der derselbe ist, ehe die Welt war, und in der Würde einer Herrlichkeit, die Er sein Eigen nannte in der ewigen Gemeinschaft mit Gott, dem Vater.

Christus – verherrlicht in den Heiligen (Joh 17,6-21)

Der erste und vornehmste Wunsch des Herzens Christi ist, die Herrlichkeit des Vaters sicherzustellen. Das ist der große Gegenstand des ersten Teiles dieses Gebets. Der zweite Herzenswunsch Christi ist, dass Er in seinen Heiligen verherrlicht sein möchte, damit Er sagen kann: „Ich bin in ihnen verherrlicht“ (Joh 17,10). Dieser Wunsch liegt allem Anschein nach den Bitten dieses Teils des Gebets zugrunde. Der Herr hatte auf seinem Weg auf der Erde seinen Vater verherrlicht. Nun, da Er seinen Platz im Himmel einnimmt, wünscht Er, dass seine Jünger Ihn auf ihrem Weg auf Erden verherrlichen. Um diesem Wunsch Wirksamkeit zu verleihen, setzt Er in einer sehr gesegneten Weise die Füße seiner Jünger auf den Weg, den seine Füße vor dem Vater entlanggegangen sind.

Verse 6-8

Joh 17,6-8: Ich habe deinen Namen geoffenbart den Menschen, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt. Jetzt haben sie erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist; denn die Worte, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, und sie haben sie angenommen und wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin, und haben geglaubt, dass du mich gesandt hast.

In den Eingangsversen dieses Gebetsteils bezeichnet der Herr jene, für die Er betet, und erwähnt die Eigenschaften, die sie Ihm teuer machen und die sein Gebet für sie veranlassen:

  1. Sie sind eine Genossenschaft, die durch den Vater aus der Welt herausgenommen und Christus gegeben worden ist und daher von Christus, als eine Gabe vom Vater, geliebt wird.

  2. Sie sind eine Genossenschaft, der der Herr den Namen des Vaters offenbart hat. In der Schrift bezeichnet ein Name stets das, was sein Träger ist. Als Mose zu Israel gesandt wird, spricht er zu Gott: „Sie werden zu mir sagen: Welches ist sein Name?“ Das läuft darauf hinaus: „Wenn ich ihnen deinen Namen nenne, werden sie wissen, wer du bist.“ So ist die Offenbarung des Vaternamens die Erklärung alles dessen, was der Vater ist.

  3. Der Herr hat nicht nur den Vater kundgemacht, sondern Er hat den Jüngern die „Worte“ gegeben, die der Vater Ihm gegeben hatte. Er genießt gemeinsam mit ihnen die Mitteilungen, die Er vom Vater empfangen hat, so dass sie nicht nur erfahren, wer der Vater in all seiner Liebe und Heiligkeit ist, sondern die „Worte“ lehren sie des Vaters Gesinnung. Wenn das „Wort“ offenbar macht, wer der Vater ist, so enthüllen die „Worte“ seine Gesinnung und seine Gedanken.

  4. Sie sind eine Genossenschaft, die durch Gnade auf diese Offenbarung eingegangen ist, so dass der Herr sagen kann: „Sie haben dein Wort bewahrt“, und: „Jetzt haben sie erkannt, dass alles, was du mir gegeben hast, von dir ist.“ Sie haben „die Worte angenommen“; sie haben „wahrhaftig erkannt, dass ich von dir ausgegangen bin“, und schließlich: „Sie haben geglaubt, dass du mich gesandt hast.“

Verse 9-11

Joh 17,9-11: Ich bitte für sie; nicht bitte ich für die Welt, sondern für die, welche du mir gegeben hast, denn sie sind dein, (und alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, mein,) und ich bin in ihnen verherrlicht. Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, gleichwie wir.

Nachdem der Herr jene näher bezeichnet hat, für die Er betet, deutet Er in gesegneter Weise an, warum Er dies tut. Der Grund liegt in den Worten: „Sie sind dein.“ Der Herr hat schon gesagt: „Sie waren dein und du hast sie mir gegeben“, doch noch kann Er sagen: „Sie sind dein.“ Sie hörten nicht auf, dem Vater anzugehören, nachdem der Vater sie dem Sohn gab, denn der Herr fügt hinzu: „Alles, was mein ist, ist dein, und was dein ist, mein.“ Reich an Bedeutung ist diese doppelte Feststellung. Von Luther wird berichtet, dass er gesagt hat: „Es mag einer zu Gott sagen: Alles, was mein ist, ist dein, doch kein erschaffenes Wesen könnte sagen: Und alles, was dein ist, ist mein. Dies ist ein Wort für Christus allein.“

Als nächsten wichtigen Grund, für seine Jünger zu beten, gibt der Herr an: „Ich bin in ihnen verherrlicht.“ Wir sind in dieser Welt zurückgelassen als Vertreter dessen, der in die Herrlichkeit eingegangen ist. In dem Maß nun, in dem Christus in seinem Volk gesehen wird, wird Er in ihm in der Welt verherrlicht.

Doch gibt es noch einen anderen Grund, der das Gebet des Herrn veranlasst. Christus ist nicht mehr auf Erden, um die Seinen durch seine persönliche Gegenwart zu beschützen. Er geht zu dem Vater, während die Seinen inmitten einer bösen, Christus hassenden Welt gelassen werden. Wie groß also ist die Notwendigkeit des Gebets des Herrn.

Vers 11

Joh 17,11: Und ich bin nicht mehr in der Welt, und diese sind in der Welt, und ich komme zu dir. Heiliger Vater! Bewahre sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast, auf dass sie eins seien, gleichwie wir.

Der zweite Teil des Verses 11 führt uns nun zu den bestimmten Bitten, die der Herr an den Vater richtet. Es sind vier Bitten:

  1. dass seine Jünger in Heiligkeit erhalten werden möchten,
  2. dass sie eins sein möchten,
  3. dass sie vor dem Bösen bewahrt bleiben möchten,
  4. dass sie geheiligt werden möchten.

Ohne Zweifel können wir sogleich verstehen, wie nötig diese Bitten sind, denn wenn Christus in den Seinen verherrlicht werden soll, wie notwendig ist es da, dass sie geheiligt in ihrem Wesen, eins in ihren Herzen, abgesondert von dem Bösen und geheiligt für den Gebrauch des Herrn sind.

Die erste Bitte ist, dass die Jünger in Übereinstimmung mit dem Namen „Heiliger Vater“ erhalten werden. Dies schließt unsere Aufrechterhaltung in der Heiligkeit, die seine Natur verlangt, in sich. Wenn Petrus in seinem Brief solche, die den Vater anrufen, ermahnt, „heilig zu sein in allem Wandel“, so hat er gewiss diese Sache im Sinn.

Des Herrn zweite Bitte wird mit den Worten zum Ausdruck gebracht: „auf dass sie eins seien, gleichwie wir“. Es ist wichtig, zu bedenken, dass Heiligkeit dem Einssein vorausgeht, denn es besteht die Gefahr, dieses auf Kosten der Heiligkeit zu suchen. Dies ist das erste von den drei „Einssein“, die der Herr im Lauf seines Gebets erwähnt. Es ist besonders das der Apostel. Der Herr wünscht, dass sie „eins sein“ möchten, „gleichwie wir“. Die ist eine Einheit des Ziels, der Gedanken und der Vorsätze, wie sie zwischen dem Vater und dem Sohn besteht.

Verse 12-14

Joh 17,12-14: Als ich bei ihnen war, bewahrte ich sie in deinem Namen, den du mir gegeben hast; und ich habe sie behütet, und keiner von ihnen ist verloren, als nur der Sohn des Verderbens, auf dass die Schrift erfüllt werde. Jetzt aber komme ich zu dir; und dieses rede ich in der Welt, auf dass sie meine Freude völlig in sich haben. Ich habe ihnen dein Wort gegeben, und die Welt hat sie gehasst, weil sie nicht von der Welt sind, gleichwie ich nicht von der Welt bin.

Zwischen der zweiten und der dritten Bitte wird uns erlaubt, die Gründe der Fürsprache zu hören, die der Herr dem Vater nennt. Während Er in der Welt war, bewahrte Er seine Jünger in des Vaters Namen und behütete sie vor aller Macht des Feindes. Jetzt, als der Herr im Begriff stand, zum Vater zu gehen, gestattet Er uns, seine Worte zu hören, damit wir wissen möchten, dass sein Wächteramt nicht aufhört, obwohl die Ausübungsweise sich ändert. Ehe Er zum Vater zurückkehrt, will Er uns wissen lassen, dass wir in die liebende Fürsorge des Vaters gelegt sind. Dies leitet dazu über, dass die Freude Christi in seinen Jüngern völlig wird. So wie der Herr in der wolkenlosen Freude der Liebe des Vaters wandelte, so wünscht Er, dass wir in der Freude des Bewusstseins der Fürsorge des Vaters vorangehen, der uns mit derselben ewigen, unveränderlichen Liebe liebt wie den Sohn.

Noch mehr! Der Herr hat den Jüngern des Vaters Wort gegeben. Das „Wort“ des Vaters ist die Offenbarung seiner ewigen Ratschlüsse. Indem wir nun in diese eintreten, trinken wir aus dem Strom, der in seinem Lauf immer breiter wird und der uns durch das Tausendjährige Reich in den Ozean der Ewigkeit trägt. So ließ auch der Sohn die Jünger nicht nur die Freude kennen, unter der bewahrenden Liebe des Vaters zu sein, sondern sie würden auch die Segnungen kennenlernen, die jene Liebe für sie beschlossen hat.

Ferner würden sie als Teilhaber der Freude des Sohnes vor dem Vater auch an dessen Offenbarung vor der Welt teilhaben. Die Welt hasste Christus, weil Er nicht von ihr war. Es gab nichts Gemeinsames zwischen Christus und ihr. Er war nur ein Fremdling auf Erden, der durch dieser Welt völlig fremde Beweggründe geleitet und von ihr unbekannten Gegenständen beherrscht war. Wurde nun Er missverstanden und gehasst, so ist dies auch unser Teil, wenn wir Ihm auf seinem Weg folgen. Auf solche Weise werden die Jünger in höchst gesegneter Art in die gleiche Stellung vor dem Vater gebracht, die der Sohn als Mensch auf Erden innegehabt hatte. Des Vaters Name ist ihnen enthüllt, des Vaters Wort ihnen gegeben; des Vaters Fürsorgen ihnen zugesichert; die Freude Christi die Ihrige und die Schmach Christi sowie Fremdlingschaft ihr Teil in dieser Welt.

Verse 15.16

Joh 17,15.16: Ich bitte nicht, dass du sie aus der Welt wegnehmest, sondern dass du sie bewahrest vor dem Bösen. Sie sind nicht von der Welt, gleichwie ich nicht von der Welt bin.

Jetzt setzt der Herr seine Bitten fort. Die beiden ersten Bitten waren mit den Dingen verbunden, in denen der Herr seine Jünger erhalten zu haben wünschte, Heiligkeit und Einssein; die beiden letzten mehr von solchen, vor denen Er sie bewahrt sehen möchte. So ist es das Gebet des Herrn, dass die Jünger vor dem Bösen in dieser Welt bewahrt blieben. Er bittet nicht, dass sie aus der Welt weggenommen werden – die Zeit dazu war noch nicht gekommen –, denn sie hatten noch eine Aufgabe zu erfüllen. Da jedoch diese böse Welt eine beständige Gefahr für die Seinen ist, bittet Er: „Bewahre sie vor dem Bösen.“

Vers 17

Joh 17,17: Heilige sie durch die Wahrheit: dein Wort ist Wahrheit.

Trennung vom tatsächlich Bösen genügt aber nicht. Darum bittet der Herr auch für unsere Heiligung. Das Wichtige dabei ist, nicht nur von dem Bösen getrennt zu sein, sondern vielmehr Ergebenheit und Passendsein für Gott. Die Heiligung, für die der Herr bittet, ist nicht die völlige Heiligung, die durch seinen Tod gesichert ist und die in dem Brief an die Hebräer vor uns gebracht wird, wo wir lesen: „Durch welchen Willen wir geheiligt sind, durch das ein für alle Mal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi“, sondern um die praktische Heiligung, durch die wir von allem, was unpassend für Gott ist, entkleidet werden, sei es in Gedanken, Gewohnheiten oder praktischen Wegen, damit wir „geheiligt, nützlich dem Hausherrn, zu jedem guten Werke bereitet“ sind (2Tim 2,21).

Aus den Worten des Herrn erfahren wir, dass es zwei Wege zur praktischen Heiligung gibt: erstens die Wahrheit. Der Herr redet von ihr als „dein Wort“. Das ist des Vaters Wort. Die Heilige Schrift als Ganzes ist das Wort Gottes, dagegen scheint das Wort des Vaters mehr im Blick auf das Neue Testament die Enthüllung des Namens, der Gesinnung und der Ratschlüsse des Vaters zu sein. Jede Erklärung des Namens Gottes setzt eine entsprechende Trennung von der Welt und Heiligung für Gott voraus. Als Gott sich Abraham mit den Worten vorstellte: „Ich bin Gott, der Allmächtige“, fügt Er sogleich hinzu: „Wandle vor meinem Angesicht und sei vollkommen“ (1Mo 17,1). Dem Volk Israel offenbarte sich Gott als der HERR, und Er schaute danach aus, dass dieses Volk dem entsprechen möchte. Er erwartete, dass es diesen „herrlichen und furchtbaren Namen fürchtete“ (5Mo 28,58). Wie viel mehr sollte bei uns eine Heiligung vorhanden sein, die der vollen Offenbarung Gottes als Vater geziemend ist.

Vers 18

Joh 17,18: Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt;

Die Trennung vom Bösen und die Heiligung für Gott ist im Blick auf den Dienst der Jünger, damit sie sittlich passend sind, ihre Aufgabe zu erfüllen. Dies lernen wir durch die folgenden Worte des Herrn: „Gleichwie du mich in die Welt gesandt hast, habe auch ich sie in die Welt gesandt.“ Der Herr hat seine Jünger bereits in seiner Stellung vor dem Vater betrachtet, jetzt sieht Er sie in seiner Stellung vor der Welt.

Vers 19

Joh 17,19: … und ich heilige mich selbst für sie, auf dass auch sie Geheiligte seien durch Wahrheit.

Nun wird uns ein zweiter Weg zur praktischen Heiligung gezeigt. Johannes 17,17 redet von einer Heiligung durch die Wahrheit. Hier aber spricht der Herr von einer Heiligung seiner selbst, auf dass auch wir geheiligt seien durch Wahrheit. Der Herr nimmt seinen Platz in Herrlichkeit ein und wird so der Gegenstand, der unsere Herzen aus dieser gegenwärtigen Welt hinauszieht. Wir haben nicht nur die Wahrheit, um unseren Geist zu erleuchten, unser Gewissen zu durchforschen und uns auf unserem Weg zu ermutigen, sondern wir haben in Christus in der Herrlichkeit eine lebende Person, die unsere Herzen mächtig berührt. Angezogen durch seine Vorzüglichkeiten und gehalten durch seine Liebe, finden wir uns selbst zunehmend geheiligt durch die Wahrheit, die uns in Ihm lebendig vorgestellt wird.

Verse 20.21

Joh 17,20.21: Aber nicht für diese allein bitte ich, sondern auch für die, welche durch ihr Wort an mich glauben; auf dass sie alle eins seien, gleichwie du, Vater, in mir und ich in dir, auf dass auch sie in uns eins seien, auf dass die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.

An dieser Stelle gedenkt der Herr in sehr gesegneter Weis an alle die, die durch die Worte der Apostel an Ihn glauben würden. Er blickt auf die langen Jahrhunderte hin und bringt alle die in den Gesichtskreis seiner Bitten, die die Versammlung ausmachen werden. In Verbindung mit diesem erweiterten Kreis spricht der Herr zum zweiten Mal die Bitte um Einssein aus, die jedoch etwas von der ersten verschieden ist. Dort war dieses Einssein auf die Apostel begrenzt, und die Bittet lautete: „… auf dass sie eins seien, gleichwie wir.“ Hier in Bezug auf den weiteren Kreis bittet Er: „… dass auch sie in uns eins seien.“ Dies meint sicherlich ein Einssein, das durch das gemeinsame Interesse an dem Vater und dem Sohn gebildet wird. In gesellschaftlicher Stellung, geistlicher Fähigkeit oder materiellem Besitz mögen große Unterschiede sein. Doch der Herr bittet, dass sie „in uns“ – dem Vater und dem Sohn – eins sein möchten. Dies sollte ein Zeugnis für die Welt sein, ein augenscheinlicher Beweis, dass der Vater den Sohn gesandt hat, um ein solches Ergebnis zu bewirken. Wurde dieses Gebet nicht teilweise zu Pfingsten erfüllt, wo es heißt: „Die Menge derer aber, die gläubig geworden, war ein Herz und eine Seele“?

Die Heiligen – verherrlicht mit Christus (Joh 17,22-26)

Im ersten Teil dieses Gebets hat der Herr für die Herrlichkeit des Vaters gebetet, im zweiten denkt Er an die Seinen und bittet, dass diese während der Zeit seiner Abwesenheit für seine Herrlichkeit bewahrt bleiben, damit Er in den Heiligen verherrlicht werde, und im Schlussteil beschreibt Er die kommende Herrlichkeit und bittet, dass die Seinen mit Ihm verherrlicht werden.

Vers 22

Joh 17,22: Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind;

Im Blick auf dieses erhabene Ende kann der Herr sagen: „Die Herrlichkeit, welche du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben.“ Die Herrlichkeit, die Christus als Mensch empfangen hatte, verwahrt Er für die Seinen und teilt sie mit denselben. Diese Herrlichkeit hat Er ihnen gegeben, auf dass sie eins seien. So vollkommen ist diese Einheit, dass nichts Geringeres als die Einheit zwischen dem Vater und dem Sohn als Muster dienen kann, denn der Herr sagt von ihr: „Auf dass sie eins seien, gleichwie wir eins sind.“

Vers 23

Joh 17,23: … ich in ihnen und du in mir, auf dass sie in eins vollendet seien, [und] auf dass die Welt erkenne, dass du mich gesandt und sie geliebt hast, gleichwie du mich geliebt hast.

Die nun folgenden Worte sagen uns, wie die Heiligen „in eins vollendet“ sein werden, sowie den großen Zweck für den sie einsgemacht sind. Der Herr gibt an, wie diese Einheit zuwege gebracht wird, wenn Er sagt: „ich in ihnen und du in mir“. Dies führt uns in die Herrlichkeit, wo Christus völlig von den Heiligen dargestellt werden wird in derselben Weise wie der Vater in dem Sohn. Was ist es doch, das die Einheit verstümmelt und die Heiligen auf Erden zerstreut und voneinander getrennt hat? Ist es nicht die Tatsache, dass wir in unserem Leben so vieles zulassen, was nicht von Christus ist? Doch auch wenn alle Heiligen auf der Erde zu einem gewissen Zeitpunkt Christus zum Ausdruck gebracht hätten, so würde dies schwerlich die Einheit entfaltet haben, von der der Herr in diesen Schlussversen redet. Er wünscht nichts weniger als die ganze Genossenschaft der Heiligen in einer der Fülle Christi angemessenen Herrlichkeit (s. Eph 1,22.23). Dann wird in der Tat Christus – und nichts als Er – in seinem Volk gesehen werden. Wir werden „alle hingelangen zu der Einheit des Glaubens und zur Erkenntnis des Sohnes Gottes, zu dem erwachsenen Manne, zu dem Maße des vollen Wuchses der Fülle des Christus“ (Eph 4,13). Die auf Erden so lange zerstreuten und voneinander getrennten Heiligen werden in Herrlichkeit „in eins vollendet sein“. „Sie jauchzen insgesamt, denn Auge in Auge sehen sie“ (Jes 52,8).

Der große Endzweck dieser vollkommenen Einheit ist die Offenbarung der Herrlichkeit Christi vor der Welt, als der Gesandte vom Vater, sowie der Liebe des Vaters für die Jünger. Wenn die Welt Christus in seinem Volk in Herrlichkeit entfaltet sieht, dann wird sie erkennen, dass der einst von ihr Betrachtete und Gehasste wirklich der vom Vater Gesandte war, und sie wird sich vergegenwärtigen, dass die Heiligen Christi, die sie hinausgeworfen und verfolgt hat, mit derselben Liebe vom Vater geliebt werden, mit der Christus geliebt ist.

Verse 24.25

Joh 17,24.25: Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin, auf dass sie meine Herrlichkeit schauen, die du mir gegeben hast, denn du hast mich geliebt vor Grundlegung der Welt. Gerechter Vater! – und die Welt hat dich nicht erkannt; ich aber habe dich erkannt, und diese haben erkannt, dass du mich gesandt hast.

Dies ist ferner eine Herrlichkeit, die weit über die hinausgeht, die der Welt vorgestellt werden wird, denn über die tausendjährigen Segnungen auf Erden hinaus gibt es einen inneren Kreis himmlischer Segnungen. In diesem werden die Heiligen ihren Platz haben, denn der Herr bittet: „Vater, ich will, dass die, welche du mir gegeben hast, auch bei mir seien, wo ich bin.“ Fast am Anfang dieser Unterredung hat der Herr schon den großen Wunsch seines Herzens enthüllt, die Seinen bei sich zu haben, dass, wo Er ist, auch wir seien. Jetzt bittet Er noch einmal am Schluss dieses Gebets, und wir werden an diesen Herzenswunsch durch die Worte erinnert: „Ich will, dass sie … bei mir seien, wo ich bin.“

Während es nun unser höchstes Vorrecht ist, bei Ihm zu sein, wo Er ist, wird es immer eine persönliche Herrlichkeit geben, die Christus gehört, die wir zwar sehen, an der aber niemand teilhaben kann. Christus, als der Sohn, wird für immer seinen einzigartigen Platz bei dem Vater haben. Dort ist eine Herrlichkeit, die besonders für Christus ist – die Liebe, der Er sich erfreute vor Grundlegung der Welt. Und das ist eine besondere Kenntnis, die in den Worten zum Ausdruck kommt: „Gerechter Vater, die Welt hat dich nicht erkannt, ich aber habe dich erkannt.“

Die Heiligen werden wissen, dass der, dem diese besondere Herrlichkeit gehört – diese besondere Liebe, diese besondere Erkenntnis –, der ist, der vom Vater gesandt wurde, um den Vater kundzumachen. Auf diese Weise sind sie von der Welt verschieden, die nicht wahrzunehmen vermag, dass der Sohn der Gesandte des Vaters ist.

Vers 26

Joh 17,26: Und ich habe ihnen deinen Namen kundgetan und werde ihn kundtun, auf dass die Liebe, womit du mich geliebt hast, in ihnen sei und ich in ihnen.

Den Seinen tut der Herr den Namen des Vaters kund, und diese Erklärung enthüllt des Vaters Liebe, damit das Bewusstsein dieser Liebe, die der Herr auf seinem Weg immer kannte und derer Er sich stets erfreute, auch von uns gekannt und genossen werde. Und wenn diese Liebe in ihnen ist, wird Christus, den der Vater liebt, einen Platz in ihren Zuneigungen haben. Er wird in ihnen sein. So werden wir, wenn wir diesen letzten Ausspruch vernehmen, mit dem großen Wunsch seines Herzens gelassen, damit er unsere Gedanken erfülle: Christus in seinem Volk – „Ich in ihnen“. Ganz gewiss wird dieser Herzenswunsch Christi in der kommenden Herrlichkeit erfüllt, doch dürfen wir nicht sagen, dass der große Gedanke dieser Unterredung sowie dieses Gebets der ist, dass Christus schon jetzt lebendig in seinem Volk gesehen werden sollte? Zu diesem Zweck wurden unsere Füße gewaschen, unsere Herzen getröstet, unser Leben fruchtbar gemacht und unser Geist belehrt. Zu diesem Zweck erlaubte uns der Herr, sein letztes Gebet zu hören, das mit den Worten schließt: „Ich in ihnen“.

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Hinweis der Redaktion:

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