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Inhalt
Einleitung Jede Kommunikation ist in gewisser Hinsicht subjektiv Bedingungen für einen guten Gedankenaustausch zwischen Gläubigen 1. Verständlichkeit 2.
Gutes Zuhören 3.
Eine Sache unseres Willens 4.
An moralische Werte gebunden 5.
Unter der Kontrolle der Hirten-Fürsorge für den anderen
Trotz aller unserer fast vollkommenen Kommunikationsmittel
werden die Missverständnisse, Zwistigkeiten und Meinungsverschiedenheiten
zwischen den Menschen in dieser Zeit immer größer statt kleiner! Offenbar gibt
es Hindernisse nicht-technischer Art, die einem guten Gedankenaustausch zwischen
den Menschen im Weg stehen. Diese Hindernisse müssen nicht in den
Kommunikationsmitteln gesucht werden, sondern in den Menschen, die miteinander
in Verbindung treten wollen. Kommunikationsmittel, ob es sich nun um Papier,
Telefon, Satelliten im All oder was auch immer handelt, sind in sich völlig
neutrale Dinge. Das Problem besteht aber darin, dass man von Papier, selbst
Briefpapier mit einem bunten gedruckten Briefkopf, und von allen anderen
Kommunikationsmitteln einen bösen Gebrauch machen kann. Es ist wichtig, dass wir
uns auf die Bedingungen für eine fruchtbare und segensreiche Kommunikation
besinnen. Bevor wir das tun, ist es aber notwendig, die Aufmerksamkeit auf eine
bestimmte kennzeichnende Eigenschaft von Kommunikation zu richten.
Wenn zwei Menschen miteinander sprechen, ist das auf beiden
Seiten eine subjektive Sache, d.h., es ist für beide Seiten nicht bloß eine
äußerliche, sondern vor allen Dingen eine innerliche Erfahrung. Wenn ich
jemandem zuhöre, wird das, was ich von dem Gesagten aufnehme, durch mein
Wahrnehmungsvermögen, mein Urteilsvermögen, meine Fähigkeit zu
folgen, zu verarbeiten, anzuwenden usw. mitbestimmt. Wenn zwei Menschen
dasselbe sagen hören, hören sie damit noch nicht dasselbe. Der eine wird unter
den folgenden Worten etwas völlig anderes verstehen als der andere: „Der Doktor
sagte, der Notar sei ein ganz netter Mann.“ Es hängt von meiner Meinung über den
Doktor und den Notar ab, was ich unter diesen Worten verstehe! Viele
Schwierigkeiten zwischen Gläubigen sind auf diese Eigenschaft jeder
Kommunikation, die Subjektivität, zurückzuführen. Ein Bruder oder eine Schwester
sagt etwas, zwei andere Gläubige hören daraus zwei verschiedene Dinge und ziehen
daraus total verschiedene Schlussfolgerungen, und schon ist eine
Meinungsverschiedenheit geboren. Kommt der Faktor Misstrauen noch dazu, dann
folgen rasch gegenseitige Beschuldigungen von Unwahrhaftigkeit, Lügen und was
nicht alles!
Man muss
wirklich noch nicht „in Zungen“ reden, um für andere unverständlich zu sein. Ein
lautes und gut artikuliertes Sprechen oder selbst Schreien ist bestimmt nicht
ohne weiteres eine Garantie für gutes Verstehen! Der natürliche Mensch versteht
die Dinge nicht, die vom Geist Gottes sind, auch wenn man noch so laut und
deutlich spricht. Aber auch für Mitgläubige kann man eine unverständliche
Sprache sprechen oder schreiben. Die Forderung nach Verständlichkeit hat deshalb
folgende Konsequenzen:
-
Man muss sich in die Denk- und Gefühlswelt des (oder der)
anderen hineindenken. Das erfordert Aufmerksamkeit, Mühe und Selbstzucht. Dieser
Faktor ist auch in den Worten des Paulus mit eingeschlossen: „Ich bin den Juden
geworden wie ein Jude … und den Schwachen bin ich geworden wie ein Schwacher.“
-
Man muss sich klar ausdrücken und vermeiden, verworren zu
reden. Lukas zeigt das deutlich in Lukas 1,3.
-
Menschliche Sprache ist eine Sache des Geistes und nicht
nur des Gefühls. Unsere Rede sollte deshalb von einem gesunden Verstand
beherrscht sein.
Beim
Empfangen von Mitteilungen muss man auch innerlich gut hören. Dabei sollte man
suchen, sich recht in die Gedanken und Gefühle des anderen hineinzuversetzen.
Auch das bedeutet, sich Mühe zu geben und nicht egozentrisch zu sein.
Bei gegenseitiger Kommunikation muss man sich für den anderen öffnen und
sich damit u.U. eine Blöße geben. Vor allem das Letzte bedeutet, dass man
bereit ist, sich verwundbar zu machen. Manche Kommunikation zwischen
Gläubigen misslingt, weil man nicht bereit ist, sich dem anderen zu öffnen. Man
fürchtet, das eigene Terrain, das eigene Gesicht oder die eigene Überzeugung zu
verlieren, mit der Folge, dass man sich äußerst krampfhaft und unbeugsam benimmt
und nicht wirklich sagt, was man denkt oder fühlt. Bei unterschiedlicher
Einsicht führt dies unvermeidlich zu einer bedauernswerten Verhärtung der
Standpunkte.
Sich selbst verwundbar zu machen, bedeutet unter anderem:
-
Eigene Unsicherheit nicht verschleiern durch
nachdrückliche Beteuerungen, die die eigene Möglichkeit eines Fehlers oder
Irrtums verneinen. Paulus lässt sich in 1. Korinther 1,16 in Frage stellen,
indem er schreibt: „Sonst weiß ich nicht, ob ich jemand anders getauft habe.“
Gerade dadurch wurden seine Ausführungen bekräftigt!
-
Nicht schweigen, um persönlichen Vorwürfen aus dem Weg
zu gehen. Abraham schwieg, als der Pharao ihm seine Halblüge vorwarf (1Mo
12,18-20). Erst nachdem er zum zweiten Mal denselben Fehler gemacht hat, kommt
er dazu, die volle Wahrheit zu sagen (siehe 1Mo 20,11.13).
-
Dem anderen eine wirkliche Chance
geben, damit er sich
verteidigen, deine Auffassungen widerlegen oder Kritik üben kann. Es ist eine
schlechte Gewohnheit, jemanden nach stundenlangen Gesprächen über allerlei Dinge
beim Aufbrechen, wenn keine Zeit mehr bleibt, um viel zu entgegnen, die
eigentlichen Beschwerden vorzubringen. Der Satz „Ach ja, was ich dir noch sagen
wollte …“ — obwohl man gerade deswegen das Gespräch angeknüpft hatte — zeugt
meistens von Unaufrichtigkeit! Aus demselben Grund ist auch das In-Eile-Weitergeben von ein paar kritischen Bemerkungen nach dem Ablauf einer
Zusammenkunft, wenn kaum Zeit für ein ausführliches Gespräch besteht, eine
deutliche Weigerung, sich selbst in Frage stellen zu lassen. Man missbraucht den
Faktor Zeit, um sich selbst zu decken! Matthäus 18,5 lehrt mit den Worten „Geh
hin und …“, dass man für so etwas eine besondere Zeit reservieren muss!
-
Von vornherein die eigenen schwachen Stellen erkennen und
sie auch nennen, wo es ehrlicherweise notwendig ist oder auch nur notwendig
erscheint. Petrus scheut sich nicht zu erklären, dass er das eine oder andere in
den Briefen des Paulus schwer verständlich findet, und bekennt damit bescheiden
seine eigene Schwachheit (siehe 2Pet 3,15-16). Gerade damit verweist er
anmaßende und unbescheidene Irrlehrer auf ihren Platz!
- Sich nicht über den anderen stellen mit frommen Phrasen
wie „Der Herr hat mir deutlich gemacht“ und so die eigene Meinung für den anderen
bindend machen. Wer in der betreffenden Frage eine andere Meinung hat, bekommt
damit von vornherein den Stempel aufgedrückt, dass er zu denen gehört, die sich
gegen den Willen des Herrn wenden. Paulus gibt uns in 1. Korinther 7,40 ein
prächtiges Vorbild, wie es sein soll. Man achte besonders auf die Worte „Meinung“ und
„auch“, die die anderen nicht herabsetzen, wenn sie anders denken
als er.
David gibt uns ein sehr schönes Vorbild, wie wir uns in Frage
stellen lassen sollen, wenn er in Psalm 139,23-24 sagt: „Erforsche mich, Gott,
und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Und sieh, ob ein
Weg der Mühsal bei mir ist, und leite mich auf ewigem Wege!“
Gute Kommunikation ist also auch eine Sache unseres
Willens. Wo der Wille fehlt, eigene Standpunkte loszulassen, wenn uns
gezeigt wird, dass wir falsch stehen, ist selbst eine vollkommene Kommunikation
fruchtlos! So sagt der Herr Jesus: „Wenn jemand seinen [Gottes] Willen tun will,
so wird er von der Lehre wissen, ob sie aus Gott ist oder ob ich aus mir selbst
rede“ (Joh 7,17). Zu den Bewohnern Jerusalems musste Er sagen: „Ihr habt nicht
gewollt.“
Um nicht irrezuführen, muss Kommunikation mit Aufrichtigkeit, Wahrheit und
Vertrauen verbunden sein. Das gilt sowohl für den, der spricht, als auch für
den, der hört. Für das richtige Hören von Gottes Botschaft gilt: „Den
Aufrichtigen geht Licht auf“ (Ps 112,4). Die Bibelschreiber waren sich der
moralischen Forderungen, die an eine Kommunikation gestellt werden, durchaus
bewusst. Paulus konnte sagen: „Ich sage die Wahrheit in Christus, ich lüge
nicht, wobei mein Gewissen mir Zeugnis gibt im Heiligen Geist“ (Röm 9,1).
Johannes sagt in Johannes 19,35: „Und der es gesehen hat, hat es bezeugt, und
sein Zeugnis ist wahrhaftig; und er weiß, dass er sagt, was wahr ist.“
Das bedeutet u.a., dass wir nicht berufen sind, unter allen
Umständen alle Argumente gegenüber jedem auf den Tisch zu bringen. Der große
Meister gibt uns in dieser Hinsicht ein deutliches Beispiel: „Noch vieles habe
ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“ (Joh 16,12). Viele
Unannehmlichkeiten wären unter Gläubigen nicht vorgekommen, wenn man diesem
göttlichen Vorbild mehr Aufmerksamkeit geschenkt hätte. Wie wenig werden oft der
Charakter und die Umstände berücksichtigt, die die Fähigkeit des anderen,
Schläge einzustecken, beeinträchtigen. Wie oft benehmen wir uns wie ein Elefant
im Porzellanladen! In dem Satz „Ich hab’ ihm die Wahrheit gesagt“ sollten wir
die Betonung einmal etwas mehr auf „ihm“ anstatt nur auf „Wahrheit“ legen
und dann gut bedenken, wer und was er ist. Natürlich kann da auch „ihr“
oder „ihnen“ stehen! Ist er ein Herzpatient und deshalb emotionell empfindlich
und schnell gereizt als Folge seines Leidens? Oder habe ich selbst eine ziemlich
unempfindliche Natur und eine besonders gute Fähigkeit, Schläge einzustecken,
weil ich eine harte und strenge Erziehung erfahren habe? Bin ich daher mit
meiner dicken Haut wohl der Richtige, um eine sanfte, empfindsame Natur
anzufassen? Oder umgekehrt, bin ich so leicht erregt, dass es für mich besser
wäre, zu schweigen, als dem anderen das Nötige zu sagen?
Kurzum, Brüder und Schwestern, lasst uns mehr bedenken, dass
für eine fruchtbare Kommunikation im Umgang miteinander große Sorgfalt
erforderlich ist. Vielleicht könnten wir eine großartige Erklärung über die
typologische und daraus folgende evangelistische Bedeutung des Briefes an
Philemon geben …, während wir in unserem eigenen Verhalten deutlich zeigen,
dass wir kein Jota von dem prächtigen praktischen Vorbild einer hochstehenden
und guten Kommunikation verstanden haben, das uns darin durch den Apostel Paulus
und vor allen Dingen durch den Heiligen Geist gegeben ist.
Selbst wenn jemand von Natur aus ein Hitzkopf oder ein
Fanatiker ist, kann er oder sie sich trotzdem total verändern, indem er oder sie
sich von dem großen Vorbild „nähren“, das der Herr Jesus uns in seinen
Gesprächen mit den Menschen gegeben hat. Ein hervorragendes Beispiel sehen wir
in dem Leben des Hitzkopfes und Fanatikers Paulus. Man beachte bezüglich seines
natürlichen Charakters u.a. Apostelgeschichte 9,1 und die Worte „über die
Maßen“ in Apostelgeschichte 26,11!
aus der Monatszeitschrift Hilfe und Nahrung, 1988, S. 55-62
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