Der zweite Brief an die Thessalonicher (2)
2. Thessalonicher 2

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 25.10.2014, aktualisiert: 31.01.2018

Leitverse:  2. Thessalonicher 2

2. Der Untergang der Christenheit

Die Gefahr der Verführung (2Thes 2,1-4)

Verse 1.2

2Thes 2,1.2: 1 Wir bitten euch aber, Brüder, wegen der Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unseres Versammeltwerdens zu ihm hin, 2 dass ihr euch nicht schnell in der Gesinnung erschüttern noch erschrecken lasst, weder durch Geist noch durch Wort, noch durch Brief, als durch uns, als ob der Tag des Herrn da wäre.

Im zweiten Abschnitt des Briefes behandelt der Apostel das spezielle Thema, das der Anlass für den zusätzlichen Brief an die Gläubigen in Thessalonich war. Der Feind hatte während ihrer Prüfungs- und Verfolgungszeit die Gelegenheit genutzt und sie verführt. Daher dachten sie, dass der Tag des Herrn schon da sei und dass daher die Gläubigen vor dem endgültigen Segen durch die große Drangsal gehen müssten, die der Tag des Herrn über die ganze Welt bringen wird.

Die Tatsache, dass der Tag des Herrn bevorstand, hätte diese Heiligen nicht beunruhigt. Wenn aber der Tag des Herrn schon da war, dann – anstatt zu dem Herrn in die Luft entrückt zu werden nach der Aussage im ersten Brief – wären sie zurückgelassen worden und müssten die große Drangsalszeit durchstehen. Kein Wunder, dass sie beunruhigt waren!

Anscheinend hatten falsche Lehrer diesen Irrtum verbreitet, nicht nur weil sie selbst Verführte waren, sondern weil sie absichtlich zu Verführern geworden waren. Um dieser falschen Lehre den Anschein von apostolischer Autorität zu geben, hatten sie sich sogar dazu hinreißen lassen, einen falschen Brief zu schreiben, der angeblich vom Apostel kam.

Der Apostel appelliert an die Heiligen, sich durch solche Irrlehren nicht „in der Gesinnung erschüttern noch erschrecken“ zu lassen, ob durch einen bösen Geist, durch mündliche Unterweisung oder durch einen falschen Brief, der angeblich von ihm stamme. Er stützt seinen Aufruf auf die großartige Tatsache, die er den Gläubigen gegenüber schon im ersten Brief erwähnt hatte: die „Ankunft unseres Herrn Jesus Christus und unser Versammeltwerden zu ihm hin“. Dieses große Ereignis wird dem Tag des Herrn vorausgehen.

Verse 3.4

2 Thes 2,3.4: 3 Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens, 4 der widersteht und sich erhöht über alles, was Gott heißt oder verehrungswürdig ist, so dass er sich in den Tempel Gottes setzt und sich selbst darstellt, dass er Gott sei.

Es ist von größter Wichtigkeit, zu verstehen, dass die Schrift klar unterscheidet zwischen dem Kommen des Herrn in die Luft für seine Heiligen und seiner späteren Erscheinung mit seinen Heiligen. Das Kapitel handelt von der Zeitspanne zwischen diesen beiden großen Ereignissen, mit denen so viele Prophezeiungen sich befassen, sei es im Alten Testament, sei es durch des Herrn eigene prophetische Worte oder in anderen Prophezeiungen im Neuen Testament.

Diese Zeitspanne wird in Matthäus 24,3 von unserem Herrn „Vollendung des Zeitalters“ genannt. Wir müssen bedenken, dass die „Vollendung des Zeitalters“ nicht das Ende der Zeit der Gemeinde bedeutet, die mit der Entrückung abschließt. Die vom Herrn erwähnte „Vollendung des Zeitalters“ ist das Ende des Zeitalters der Juden, nicht das Ende der Zeit der Gemeinde. Diese Zeitspanne umfasst die letzte noch nicht erfüllte Woche von Daniels siebzig Jahrwochen. Es ist, so wie es jemand formuliert hat, „das allerletzte Stück des Zeitalters der Juden“. Zu diesem Zeitalter gehört der Tag des Herrn. Viel Missverständnis hätte vermieden werden können, hätte man die wahre Bedeutung des Ausdrucks „Vollendung“ des Zeitalters verstanden. Die falsche Auslegung, dass diese Zeit sich auf das Ende der Gemeindezeit beziehe, hat viele dazu verführt, „nach Zeitangaben und Berechnungen zu jagen, was immer wieder zur Enttäuschung von Tausenden geführt hat“ (F.W. Grant).

Das Intervall zwischen Entrückung und Erscheinung hat eine ungeheuer wichtige Bedeutung in der Weltgeschichte. Das herausragende Merkmal dieser Zeit wird die Entwicklung der Bosheit des Menschen ohne die zurückhaltende Macht Gottes sein. Daher wird diese Zeit notgedrungen kurz sein, denn wenn Gott alle Hemmnisse hinweggenommen hat, wird die menschliche Bosheit mit erschreckender Schnelligkeit zunehmen. Diese Steigerung der menschlichen Gesetzlosigkeit bahnt den Weg für das Erscheinen des Herrn zum Gericht. Denn dadurch wird die Notwendigkeit eines Gerichts offenbar sowie auch die Gerechtigkeit des Herrn, wenn Er das Gericht ausübt.

Der Apostel wirft in diesem Abschnitt viel Licht auf diese ernste Zeit. Zuerst zeigt er, dass diese Phase nicht vor der Ankunft des Herrn Jesus für die Gläubigen und vor „unserem Versammeltwerden zu ihm hin“ anfangen kann. Diese beiden Ereignisse genügen, um diese Irrlehre, die sie beunruhigte, aus der Welt zu schaffen.

Aber es muss sich noch mehr ereignen, bevor der Tag des Herrn kommt. So fährt der Apostel fort: „Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen, denn dieser Tag kommt nicht, es sei denn, dass zuerst der Abfall komme und offenbart werde der Mensch der Sünde, der Sohn des Verderbens.“ Hier ist von zwei weiteren Ereignissen vor dem Tag des Herrn die Rede: Auf das „Versammeltwerden“ der Heiligen zu Christus in den Himmel folgt der Abfall der Christenheit auf der Erde. Dieser Abfall bereitet den Weg für die Erscheinung des Menschen der Sünde.

Über den Abfall werden wir schon in anderen Schriftstellen vorgewarnt, denn bei Annäherung dieses schrecklichen Tages werden Vorboten des kommenden Abfalls auftreten. Wir lesen: „Der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten einige von dem Glauben abfallen werden, indem sie achten auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen“ (1Tim 4,1-3). Einzelne Menschen können schon jetzt abfallen, doch findet „der Abfall“ erst nach der Entrückung der wahren Gläubigen statt. Danach kommt der Abfall der verdorbenen bekennenden Christenheit als Ganzes. So wird also auf das Versammeltwerden der Heiligen mit Christus im Himmel der Abfall der bekennenden Christenheit auf Erden folgen. Leider kann man nur zu gut feststellen, wie schnell sich die Christenheit dem Abfall nähert. Der Modernismus mit seinem Rationalismus, die fälschlich sogenannte Wissenschaft mit ihren gottlosen und selbstsicheren Spekulationen, der Aberglaube mit seinem kindischen Ritualismus: Alles bereitet die Menschen vor, das oberflächliche Bekenntnis von etwas, von dem sie nie die lebenspendende Wirklichkeit gekannt haben, abzuschütteln.

Der Abfall wird den Weg ebnen für das Erscheinen des Menschen der Sünde. Der Vergleich dieser Schriftstelle mit anderen führt zu dem Schluss, dass derjenige, der hier als der Mensch der Sünde bezeichnet wird, der Antichrist ist, von dem der Apostel Johannes schreibt, und auch der, der als das zweite Tier in Offenbarung 13,11-18 beschrieben ist. Einzig im Johannesbrief wird dieser gottlose Mensch Antichrist genannt. So wie der Apostel Paulus uns hinweist auf den Abfall Einzelner vor dem Abfall der Allgemeinheit, so kündigt der Apostel Johannes das Auftreten anti-christlicher Lehrer vor dem Erscheinen des Antichristen an (1Joh 2,18).

Der Antichrist darf nicht verwechselt werden mit dem gotteslästerlichen Anführer des wiederauferstandenen Römischen Reichs, der als das „erste Tier“ in Offenbarung 13,1-10 erwähnt wird. Der Antichrist verkörpert die religiöse Triebkraft und den religiösen Widerstand gegen Christus. Das wiederbelebte Haupt des Römischen Reiches wird der Anführer der bösen öffentlichen Regierung sein. Der eine wird die böse religiöse Macht ausüben, der andere die böse weltliche Macht. Beide Regierungsmächte werden von Satan gesteuert und beide werden das gleiche schreckliche Ende nehmen (Off 13,2; 2Thes 2,9; Off 19,20).

Der Apostel Johannes zeigt auf, dass der religiöse Widerstand des Antichristen jüdische wie christliche Merkmale aufweisen wird. Er wird die biblische Offenbarung des Vaters und des Sohnes leugnen und ebenso die Tatsache, dass Jesus der den Juden verheißene Messias ist.

Der Apostel Paulus beschreibt in diesem Brief weitere Einzelheiten des Charakters und der Taten dieses schrecklichen Menschen. Hier wird er als „Mensch der Sünde“ bezeichnet. Denn in ihm wird deutlich, wohin es führt, wenn ein Mensch nach seinem eigenen Willen leben kann, ohne von Gott oder Menschen gehindert zu sein. So wie Judas, wird er „Sohn des Verderbens“ genannt. So wie Judas ein Verräter war in der so begünstigten Jüngertruppe, die den Herrn begleitete, genauso wird dieser Mensch aus den Reihen der bekennenden Christen hervorkommen. Beide Menschen sind für das Verderben oder die völlige Vernichtung bestimmt (Joh 17,12).

Was die Aktivitäten dieses niederträchtigen Mannes angeht: Sie strahlen alle eher religiösen Frevel aus als böse Regierung der Welt, da er Gott verachtet und die Menschen verführt. Er „widersteht und erhöht sich über alles, was Gott heißt oder verehrungswürdig ist“. In diesem Menschen wird die ganze Feindseligkeit des menschlichen Herzens Gott gegenüber als Folge der Sünde kenntlich. Mehr noch: Dieser, der Gott zu entthronen sucht, setzt alles daran, sich selbst zu erhöhen. Daher lesen wir, dass der Mensch der Sünde nicht nur Gott widersteht, sondern sich selbst erhöht. So grenzenlos ist des Menschen Stolz, dass er versucht, den Menschen zu erhöhen „über alles, was Gott heißt oder verehrungswürdig ist“.

Außerdem fordert dieser fürchterliche Mensch den Gott Israels heraus, „so dass er sich in den Tempel Gottes setzt“ und danach strebt, allen Glauben an den einen unsichtbaren Gott auszurotten, indem er „sich selbst darstellt, dass er Gott sei“. Jemand hat es so ausgedrückt: 

Somit konzentriert sich in diesem Menschen der Sünde die ganze Macht der Sünde, die ganze Feindseligkeit des menschlichen Herzens Gott gegenüber, der ganze Stolz, der das eigene Ich erhöht, die ganze Trotzhaltung des menschlichen Herzens gegenüber jeder Offenbarung Gottes, ob in der Natur, im Judentum oder im Christentum. Dieser Mensch hat Gott von der Erde ausgeschlossen und maßt sich selbst den Platz und die Ehre an, die allein Gott gebühren.

Das Geheimnis der Gesetzlosigkeit (2Thes 2,5-12)

Verse 5-8

2Thes 2,5-8: 5 Erinnert ihr euch nicht, dass ich dies zu euch sagte, als ich noch bei euch war? 6 Und jetzt wisst ihr, was zurückhält, damit er zu seiner Zeit offenbart wird. 7 Denn schon ist das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wirksam; nur ist jetzt der da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist, 8 und dann wird der Gesetzlose offenbart werden, den der Herr Jesus verzehren wird durch den Hauch seines Mundes und vernichten wird durch die Erscheinung seiner Ankunft,

Im Verlauf seiner Ausführungen über das Kommen des Antichristen hält der Apostel ein, um wieder aufzunehmen, was sich heute abspielt, während die wahren Gläubigen noch auf Erden weilen. Erstens: Durch die Güte Gottes ist das, was das Zum-Zuge-Kommen dieses schrecklichen Mannes hindert, noch vorhanden. Zweitens: Obwohl die Güte Gottes die vollständige Entfaltung der Bosheit noch zurückhält, ist doch das Böse, das den Abfall und das Erscheinen des Menschen der Sünde herbeiführt, schon am Werk. Die Gesetzlosigkeit war allerdings schon zu Paulus’ Zeiten am Werk, denn er schreibt, dass sie „schon wirksam“ ist. Sie hat ohne Unterbrechung während der ganzen Zeit der Gemeinde im Geheimen gewirkt und wird daher als „das Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ bezeichnet. Paulus spricht von der mächtigen zügelnden Kraft als von einer Person und von jemand, der auf der Erde anwesend ist, aber bald nicht mehr da sein wird. So lesen wir: „Nur ist jetzt er da, der zurückhält, bis er aus dem Weg ist.“ Es gibt nur einen, auf den das zutreffen könnte: der Heilige Geist. Es ist nicht nur die Gegenwart der wahren Gläubigen, die die völlige Entfaltung des Bösen hindert – wie sehr der Heilige Geist auch diese Tatsache als zurückhaltende Kraft gebraucht –, sondern es ist eher die Anwesenheit einer Person der Gottheit, die die Macht Satans zurückhält.

Obwohl das Geheimnis der Gesetzlosigkeit nicht beiseitegestellt ist, so ist es jetzt doch noch im Zaum gehalten. Diese Wahrheit gibt dem Gläubigen Trost und Zuversicht. Mit dem Heiligen Geist verschwindet auch die zügelnde Kraft, und das Geheimnis der Gesetzlosigkeit wird in dem Gesetzlosen offenbar.

Der Höhepunkt der Bosheit in diesem Menschen der Sünde wird das gerechte Gericht Gottes auslösen. Der Herr Jesus, der Eine, dem der Antichrist erbitterten Widerstand leistet, wird diesen niederträchtigen Menschen durch „den Hauch seines Mundes“ verzehren. Das muss das „scharfe Schwert“ sein, das aus seinem Mund kommt, von dem wir in der Offenbarung lesen; es symbolisiert zweifellos das Wort Gottes, das das Gericht ausführt. Dieses Gerichtsschwert wird vom Herrn Jesus bei „der Erscheinung seiner Ankunft“ geschwungen. 

Wir müssen den Unterschied zwischen dem Kommen des Herrn für die Heiligen und seinem Kommen für das Gericht beachten. Wenn der Apostel von dem „Versammeltwerden [der Gläubigen] zu ihm hin“ schreibt, ist die Rede vom Kommen des Herrn oder seiner Gegenwart, aber seine Ankunft bleibt unerwähnt (2Thes 2,1). Das Gericht des Gesetzlosen wird nicht nur beim Kommen des Herrn stattfinden, sondern bei seiner Ankunft. Er kann – und wird – für seine Heiligen kommen, ohne von der Welt gesehen zu werden. Wenn Er für das Gericht kommt, wird Er vor der ganzen Welt erscheinen. Jemand hat gesagt: 

Der Unterschied zwischen 2. Thessalonicher 2 Vers 1 und Vers 8 (die einfache Ankunft Christi und die Erscheinung seiner Ankunft) ist eindeutig, aufschlussreich und nicht zu leugnen. Bei der ersten Ankunft versammelt er die Heiligen zu Ihm droben; die andere Ankunft ist für Ihn (und für alle seine versammelten Heiligen, um mit Ihm zu erscheinen), um seine Feinde zu vernichten. Zu dem Zeitpunkt wird jedes Auge Ihn sehen, weil das einen jeden auf der Erde angeht (William Kelly).

Vers 9

2Thes 2,9: … ihn, dessen Ankunft nach der Wirksamkeit des Satans ist, in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge

Zuerst belehrt uns der Apostel über die Kraft, die das gefürchtete Böse an seiner völligen Entfaltung hindert. Dann schließt er die Beschreibung des Gesetzlosen damit ab, indem er die verführerische Macht, die dieser ausüben wird, voraussagt ebenso wie die schrecklichen Auswirkungen davon auf jene, die die Wahrheit verworfen haben. Durch die furchtbare Zurschaustellung von verführerischer Energie wird die Macht Satans in vollem Maß offenbar. Das Kommen des Menschen der Sünde wird sein „nach der Wirksamkeit des Satans … in aller Macht und allen Zeichen und Wundern der Lüge“. Dieser Gesetzlose wird Christus erbitterten Widerstand leisten, aber seine Verführung erweist sich dadurch, dass er Christus imitiert. Von dem Herrn Jesus lesen wir: „… von Gott vor euch bestätigt durch mächtige Taten und Wunder und Zeichen“ (Apg 2,22). Die gleichen Worte, welche die Macht Gottes demonstrieren, der in Christus in Gnade wirkte, werden auch für die Beschreibung der Macht Satans gebraucht, die in dem Menschen der Sünde zum Ausdruck kommt. Daher wird der Antichrist durch die Macht Satans danach trachten, das Zeugnis Gottes über Christus durch Zeichen und Wunder, die denen von Christus ähneln, zu schmälern.

Diese mächtigen Taten und Wunder werden keine Tricks sein von irgendeinem von Menschen ernannten Priester und auch keine durch Menschen gewirkte Scheinheilungen. Sie werden bittere Wirklichkeit sein, obwohl sie „Wunder der Lüge“ genannt werden, weil sie die Menschen verführen. Also wird die Ankunft des Gesetzlosen von der übernatürlichen Macht Satans begleitet sein. Die Menschen vergessen, dass es geistliche Wesen gibt: „Engel … Gewaltige an Kraft“, und dass Satan, obschon ein gefallener Engel, außerordentliche Kräfte besitzt, welche die des Menschen weit übersteigen. Wenn die zurückhaltende Kraft Gottes beseitigt ist, dann werden sich die satanischen Mächte völlig entfalten. Die Werke Satans werden begleitet sein von der Manifestation der „Kraft“, welche die menschliche weit übersteigt, [und zwar] mit „Zeichen“, die Omen vermitteln, und mit „Wundern“, die Aufsehen erregen.

Verse 10-12

2Thes 2,10-12: 10 … und in allem Betrug der Ungerechtigkeit denen, die verlorengehen, darum, dass sie die Liebe zur Wahrheit nicht annahmen, damit sie errettet würden. 11 Und deshalb sendet ihnen Gott eine wirksame Kraft des Irrwahns, dass sie der Lüge glauben, 12 damit alle gerichtet werden, die der Wahrheit nicht geglaubt, sondern Wohlgefallen gefunden haben an der Ungerechtigkeit.

Der Apostel beendet diesen so ernsten Abschnitt seines Briefes mit einer Beschreibung der schrecklichen Auswirkungen der Macht Satans, die sich durch den Gesetzlosen offenbart. All diese unrechten Taten werden diejenigen, „die verlorengehen“, betrügen; also jene, die die Wahrheit gehört und sie abgelehnt haben. Sie haben „die Liebe zur Wahrheit nicht [angenommen], damit sie errettet würden“. Da sie die Wahrheit abgelehnt haben, werden sie der „wirksamen Kraft des Irrwahns“ hingegeben, und sie werden der Lüge glauben. Mehr noch: Sie haben der Wahrheit nicht geglaubt, weil sie Wohlgefallen an der Gesetzlosigkeit gefunden hatten.

Der ganze Abschnitt zeigt deutlich die Reihenfolge dieser ernsten Begebenheiten:

  1. Das Böse wirkt jetzt schon im Verborgenen; hier wird es mit „Geheimnis der Gesetzlosigkeit“ bezeichnet.
  2. Bei der Ankunft Christi für seine Heiligen werden die wahren Gläubigen mit Ihm entrückt werden, und derjenige, der zurückhält, wird nicht mehr da sein.
  3. Nach der Entrückung der Heiligen zu Christus in den Himmel wird der Abfall der bekennenden Christenheit auf der Erde kommen.
  4. Der Abfall wird den Weg für das Erscheinen des Menschen der Sünde vorbereiten.
  5. Mit dem Erscheinen des Menschen der Sünde wird sich auch die ganze Macht Satans offenbaren.
  6. Die Offenbarung der Macht Satans durch den Menschen der Sünde wird zu einer starken Irreführung derer führen, die Gefallen finden an der Gesetzlosigkeit und die die Wahrheit verworfen haben.
  7. Da das Böse im Menschen und in Satan durch offenen Widerstand gegen Gott an seinem Höhepunkt angelangt ist, wird der Herr mit dramatischem Gericht „durch die Erscheinung seiner Ankunft“ einschreiten.

Im Licht dieses Abschnitts wird deutlich, dass – weit entfernt von einem tausendjährigen Segen durch die Ausbreitung des Christentums oder die Verkündigung des Evangeliums – die Christenheit dem Gericht entgegengeht. Jemand hat bemerkt: 

Ein markanter Beweis der Macht Satans ist, dass es angesichts dieser Schriftstellen (2Thes 2,3-12; 2Tim 3,1-5.13; 4,3.4) Menschen gibt, die sich in ihrer Arroganz für klug halten und die beweisen wollen, dass sie nach und nach die ganze Welt mit dem Evangelium erreichen werden. Außerdem geben sie sich – gerade jetzt, wo das Gericht auf sie zueilt – der Erwartung hin, dass die Erde mit reichem Segen erfüllt werden wird. Damit liefern sie den allerbesten Beweis von der Macht der Verführung, von der der Apostel schreibt. Es ist nicht so, dass Gott nicht am Werk wäre, um Menschen aus der Finsternis zum Licht zu bringen. Es war das Gleiche vor der Zerstörung Jerusalems; 3000 bekehrten sich an einem Tag. Wenn sich heute an einem Tag 3000 bekehrten, wäre das ein Beweis dafür, dass sich das Tausendjährige Reich nähert? Nein, es wäre vielmehr ein Beweis, dass das Gericht naht. Diese Bekehrungen geschahen, weil das Gericht nahte. Es war das Herausretten seiner Heiligen vor dem Gericht und das Hinzufügen derer zur Gemeinde, die errettet werden sollten. Und wenn Er heute auf besondere Weise handelt, indem Er Menschen herausrettet, geschieht das nicht, weil das Evangelium die Welt erfüllt, sondern weil der bekennenden Kirche das Gericht nahe bevorsteht (J.N. Darby, Collected Writings, 11:448).

3. Das Teil und die Zukunft des Gläubigen

Nachdem der Apostel mit der Irrlehre, die die Thessalonicher durcheinandergebracht hatte, aufgeräumt und den bevorstehenden Untergang der Christenheit vorausgesagt hat, spricht er jetzt von etwas ganz anderem: von dem gegenwärtigen und zukünftigen Teil der Gläubigen. Im ersten Teil des Briefes hatte er Gott für diese Heiligen gedankt, hatte sie belehrt und für sie gebetet. Jetzt kehrt er wieder zurück zum Dank, zur Ermahnung und zum Gebet.

Das Dankgebet (2Thes 2,13.14)

Verse 13.14

2Thes 2,13.14: 13 Wir aber sind schuldig, Gott allezeit für euch zu danken, vom Herrn geliebte Brüder, dass Gott euch von Anfang erwählt hat zur Errettung in Heiligung des Geistes und im Glauben an die Wahrheit, 14 wozu er euch berufen hat durch unser Evangelium, zur Erlangung der Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus.

In den ersten Versen des Briefes dankt der Apostel Gott für die Heiligen wegen des guten Zeugnisses, das sie für Gott abgeben. Hier dankt er für alles, was Gott für sie bedeutet. Mit großer Freude nennt er die Gläubigen „vom Herrn geliebte Brüder“. Wie groß auch das Versagen und die Schwachheit unter dem Volk Gottes sein mag und was auch die Unterschiede in der geistlichen Entwicklung sein mögen, er betrachtet sie mit großer Freude als solche, die miteinander als „Brüder“ verbunden sind. Sieben Mal in diesem kurzen Brief nennt der Apostel die Heiligen „Brüder“ (2Thes 1,3; 2,1.13.15; 3,1.6.13). Mehr noch: Obwohl sie von der Welt verfolgt und bedrängt werden, sind sie „vom Herrn Geliebte“. Sollten wir nicht vorsichtiger sein im Urteilen und Sprechen übereinander und im Umgang miteinander und bedenken, dass wir „vom Herrn Geliebte“ sind? Kann der Herr teilnahmslos zuschauen, wenn seine Geliebten verfolgt und beleidigt werden, durch wen auch immer?

Dann dankt der Apostel Gott für alles, was Gott für sein Volk bedeutet, ob in der Vergangenheit, der Gegenwart oder der Zukunft. Zuerst, zurückschauend in die Ewigkeit, bemerkt er, dass Gott uns „von Anfang“ erwählt hat zur Errettung. Hätte Gott uns uns selbst überlassen, würden wir auch mit der Welt unter das Gericht kommen, von dem Paulus gesprochen hatte. Jedoch hat uns die souveräne Gnade Gottes für die Errettung erwählt. Diese Errettung ist nicht aus Werken, die wir vollbracht hätten, sondern sie ist vom Geist in uns gewirkt. Dieser sondert uns von der Welt ab und bewegt uns, der Wahrheit Glauben zu schenken. Diese Wahrheit – das wissen wir – ist das Evangelium über unsern Herrn Jesus Christus, der für uns starb, damit wir die Errettung erlangten (1Thes 5,9.10).

Auf diese Weise zieht der Apostel eine Trennungslinie zwischen Gläubigen und Ungläubigen, von deren Verderben er vorher gesprochen hat. Die Ungläubigen, unter dem Einfluss von Satan, haben die Liebe zur Wahrheit nicht angenommen und werden [daher] verdammt. Die Gläubigen, unter dem Einfluss des Heiligen Geistes, glauben der Wahrheit und werden errettet.

Zweitens: Da die Gläubigen schon in der Ewigkeit zuvor erwählt wurden, werden sie in der Jetztzeit gerufen, und der Ruf erreicht sie durch das Evangelium, das Paulus „unser Evangelium“ nennt. Oft beschränken wir die Verkündigung des Evangeliums auf die Vergebung der Sünden. Das Evangelium von Paulus verkündete nicht nur die Errettung, die unsere Bedürfnisse stillt, sondern auch die Berufung, die darin besteht, Gottes Herz zufriedenzustellen. Wenn Gott uns ruft, dann tut Er das, um seine innersten Liebesabsichten zu befriedigen.

Der Ruf Gottes ist zwiefach: Wir werden aus dieser Welt gerufen und in eine andere berufen. Der Gott der Herrlichkeit erschien Abraham mit den folgenden Worten: „Geh aus deinem Land und aus deiner Verwandtschaft und komm in das Land, das ich dir zeigen werde“ (Apg 7,3). Auch wir sind aus dieser Welt für eine himmlische Heimat berufen. Diese Welt ist für uns die der korrupten Christenheit – eine Mischung aus Judentum und Christentum –, deshalb ergeht der Ruf an uns: „Lasst uns zu ihm hinausgehen, außerhalb des Lagers.“ Nachdem wir hinausgegangen sind, merken wir, dass „wir hier keine bleibende Stadt haben, sondern die zukünftige suchen“ (Heb 13,13.14).

Da wir also schon von Ewigkeit her auserwählt sind und jetzt gerufen wurden, sind wir dazu bestimmt, die „Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus“ in den kommenden Zeitaltern zu besitzen. Wunderbare Gnade! Gott ruft uns zu keinem geringeren Ziel als zu dem Erlangen der Herrlichkeit, wie sie sich in dem Herrn Jesus Christus als Mensch gezeigt hat. Wir werden Ihm gleich sein und bei Ihm sein. Ich wiederhole: Wie anders würden wir übereinander sprechen und miteinander umgehen, wenn wir die Kinder Gottes ansehen würden als solche, die „auserwählt“, „berufen“ und auf dem Weg zur Herrlichkeit sind.

Die Ermahnung (2Thes 2,15)

Vers 15

2Thes 2,15: Also nun, Brüder, steht fest und haltet die Überlieferungen, die ihr gelehrt worden seid, sei es durch Wort oder durch unseren Brief.

Da wir also Brüder sind, vom Herrn geliebt, auserwählt und berufen, die Herrlichkeit unseres Herrn Jesus Christus zu erlangen, ermahnt uns der Apostel „festzustehen“ und „festzuhalten“. Nochmals: Beachten wir, dass diese Ermahnungen uns als „Brüdern“ gilt.

Nur wenn wir vereint als Brüder miteinander umgehen, sind wir fähig, in gemeinschaftlicher Weise „festzustehen“ und „festzuhalten“. Wenn wir [allerdings] „einander beißen und fressen“, so wie es die Versammlungen von Galatien taten, werden wir am Ende „voneinander verzehrt“ werden. Doch der Apostel sagt zu den Galatern: „Wenn wir“ – im Gegensatz zu „einander beißen“ – „durch den Geist leben, so lasst uns auch durch den Geist wandeln.“ Dann werden wir nicht „voll eitler Ruhmsucht sein, indem wir einander herausfordern, einander beneiden“, sondern wir werden wie Brüder leben, wo einer des anderen Lasten trägt (Gal 5,15.25.26; 6,1.2).

In brüderlicher Verbundenheit werden wir dazu fähig sein, „festzustehen“ angesichts der Angriffe des Feindes, sei es durch Verfolgung oder durch Drangsale. Auch können wir dann die Belehrungen des Apostels „festhalten“. Die Thessalonicher erhielten diese Belehrungen mündlich oder schriftlich; für uns sind sie in den Briefen erhalten. Der Feind setzt heute alles daran, dass die Heiligen in den Schwierigkeiten „aufgeben“ und die Wahrheiten, die sie gelehrt worden sind, „preisgeben“.

Das Gebet (2Thes 2,16.17)

Verse 16.17

2Thes 2,16.17: 16 Er selbst aber, unser Herr Jesus Christus, und Gott, unser Vater, der uns geliebt und uns ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben hat durch die Gnade, 17 tröste eure Herzen und befestige [euch] in jedem guten Werk und Wort.

Der Apostel hat uns die Errettung und die Berufung Gottes vorgestellt; er hat uns ermahnt, „festzustehen“ und „festzuhalten“. Jedoch weiß er, dass wir unmöglich aus eigener Kraft unserer Berufung gerecht werden können und gegenüber der Macht des Feindes standhaft bleiben. Deshalb nimmt er Zuflucht zum Gebet. Er wendet sich an unseren Herrn Jesus Christus selbst, an den einen, der mit dem Bösen abrechnen und allen Widerstand durch die Erscheinung seiner Ankunft zunichtemachen wird. Wie gut, dass wir durch das Gebet Zugang zu „ihm selbst“ haben! Dann wendet er sich an „Gott, unseren Vater“, der uns liebt, uns erwählt und berufen und in seiner Gnade uns ewigen Trost und gute Hoffnung gegeben hat.

Obwohl wir auf unserem Weg viele Nöte antreffen, finden wir am Ende unserer Reise „ewigen Trost“. Vielleicht müssen wir durch schwierige Zeiten gehen, aber diese sind nur ein Übergang zum Erlangen der „guten Hoffnung“. Obwohl Irrlehrer versuchen, die Heiligen zu bedrücken und abzulenken, können doch der Herr Jesus selbst und Gott, unser Vater, uns trösten. Ob der Feind auch versucht, die Heiligen von ihrem Dienst , von „jedem guten Werk und Wort“, abzuhalten – sei es durch Irrlehrer aus den eigenen Reihen oder durch Verfolgung von außen –, so kann Gott die Heiligen doch befähigen, trotz aller Attacken des Feindes „festzustehen“, „festzuhalten“ und in jedem guten Werk und Wort fortzufahren.

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Aus The Second Epistle to the Thessalonians. An Expository Outline

Übersetzung: Christel Schmidt


Hinweis der Redaktion:

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