Der erste Petrusbrief (5)
Kapitel 5

John Nelson Darby

© SoundWords, online seit: 20.10.2005, aktualisiert: 06.05.2018

Leitverse: 1. Petrus 5

Vers 1

1Pet 5,1: Die Ältesten nun unter euch ermahne ich, der Mitälteste und Zeuge der Leiden des Christus und auch Teilhaber der Herrlichkeit, die offenbart werden soll:

Der Apostel kommt jetzt auf Einzelheiten zurück. Er ermahnt die Ältesten, die Herde Gottes zu hüten. Er nennt sich selbst „der Mitälteste“, denn unter den Juden scheint dieser Titel mehr charakteristisch als amtlich (wie im ersten Timotheusbrief und im Titusbrief) gewesen zu sein (vgl. 1Pet 5,5). Petrus nennt sich hier einen Zeugen der Leiden Christi und einen Teilhaber der Herrlichkeit, die offenbart werden soll. Es war die Aufgabe der Zwölf, Zeugen des Lebens Christi zu sein (Joh 15,27). Die Aufgabe des Heiligen Geistes dagegen ist, von seiner himmlischen Herrlichkeit Zeugnis zu geben. Petrus stellt sich an die beiden Endpunkte der Geschichte Christi und lässt den Zwischenraum zwischen beiden völlig leer, mit Ausnahme der Hoffnung und der Pilgerreise einem Ziel entgegen. Er hatte die Leiden Christi gesehen; er sollte auch an der Herrlichkeit Christi teilhaben, wenn Er offenbart werden würde. Der Apostel redet hier von einem Christus, der sich mit den Juden in Verbindung setzt und jetzt nur durch den Glauben gekannt wird. Während seines Lebens auf der Erde war Er in der Mitte der Juden gewesen, obwohl leidend und verworfen. Bei seiner Erscheinung in Herrlichkeit wird Er aufs neue mit der Erde und mit seinem Volk in Verbindung treten.

Paulus spricht anders, obwohl er zugleich diese Wahrheiten bestätigt. Er kannte Christus nur nach seiner Erhöhung; er war nicht ein Zeuge seiner Leiden, aber er suchte die Kraft seiner Auferstehung und die Gemeinschaft seiner Leiden zu erfahren (Phil 3,10). Das Herz des Paulus war mit einem Christus verbunden, der in den Himmeln ist, vereinigt mit Ihm droben. Natürlich wünschte er sich auch die Erscheinung des Herrn zur Wiederherstellung aller Dinge herbei, von welcher die Propheten geredet hatten. Aber er freute sich doch auch sehr in dem Bewusstsein, dass er Ihm entgegengehen und, wenn Er vom Himmel offenbart werden wird, mit Ihm wiederkommen würde.

Verse 2.3

1Pet 5,2.3: Hütet die Herde Gottes, die bei euch ist, indem ihr die Aufsicht nicht aus Zwang führt, sondern freiwillig, auch nicht um schändlichen Gewinnes willen, sondern bereitwillig, nicht als solche, die da herrschen über ihre Besitztümer, sondern indem ihr Vorbilder der Herde seid.

Die Ältesten sollten die Herde Gottes hüten

  • mit einem bereitwilligen Herzen,
  • nicht aus Zwang
  • oder um irdischen Gewinnes willen,
  • nicht als Herrschende über ein ihnen gehörendes Erbteil,
  • sondern als Vorbilder für die Herde.
  • Sie sollten der Herde eine liebende Sorgfalt zuwenden,
  • um Christi, des Erzhirten, willen,
  • indem sie das Beste der Seelen stets im Auge behielten.
  • Zudem war es die Herde Gottes, die sie zu hüten hatten.

Unmöglich kann ein Mensch von seiner Herde sprechen, wenn er verstanden hat, dass es „die Herde Gottes“ ist, und dass Gott uns erlaubt, sie zu weiden.

Es ist bemerkenswert zu sehen, wie der Apostel sich an dem Platz befindet, wohin der Herr ihn einst gebracht hatte. „Weide meine Schafe!“ war der Ausdruck der vollkommenen Gnade des Herrn gegen Petrus gewesen. Das war geschehen, als Er ihn zu dem demütigenden, aber heilsamen Bekenntnis führte, dass das Auge Gottes schon dafür nötig war, um zu sehen, dass sein schwacher Jünger Ihn liebte. In demselben Augenblick, als der Herr ihn von seinem völligen Nichts überzeugte, vertraute Er ihm das an, was das Teuerste für ihn war. Und jetzt war es die Sorge des Apostels, sein Herzenswunsch, dass die Ältesten die Herde weiden möchten.

Vers 4

1Pet 5,4: Und wenn der Erzhirte offenbar geworden ist, so werdet ihr die unverwelkliche Krone der Herrlichkeit empfangen.

Hier, wie andernorts, geht Petrus nicht über die Erscheinung des Herrn hinaus. Zu jener Zeit werden die Regierungswege Gottes, deren irdischen Mittelpunkt die Juden bildeten, völlig offenbart werden. Dann wird auch die Krone der Herrlichkeit dem gegeben werden, der treu gewesen ist und das Herz des Erzhirten zufriedengestellt hat.

Verse 5-7

1Pet 5,5-7: Ebenso ihr Jüngeren, seid den Älteren unterwürfig. Alle aber seid gegeneinander mit Demut fest umhüllt; denn „Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade“. So demütigt euch nun unter die mächtige Hand Gottes, damit er euch erhöhe zur rechten Zeit, indem ihr all eure Sorge auf ihn werft; denn er ist besorgt für euch.

Die Jüngeren sollten sich den Älteren unterwerfen, ja, alle sollten sich gegenseitig untertan und mit Demut fest umhüllt sein. „Denn Gott widersteht den Hochmütigen, den Demütigen aber gibt er Gnade.“ Das sind nach wie vor die Grundsätze der Regierung Gottes. Unter seine Hand sollten sie sich demütigen, um zu seiner Zeit erhöht zu werden. Das zu tun bedeutete, sich Gott anzubefehlen. Er wusste, was die Seinen brauchten. Er, der sie liebte, würde sie zur rechten Zeit erhöhen. Er sorgte für sie; sie sollten in Ihm ruhen und alle ihre Sorgen auf Ihn werfen.

Verse 8.9

1Pet 5,8.9: Seid nüchtern, wacht; euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht standhaft im Glauben, da ihr wisst, dass dieselben Leiden sich vollziehen an eurer Brüderschaft in der Welt.

Auf der anderen Seite bedurften sie der Nüchternheit und der Wachsamkeit, denn der Widersacher suchte sie zu verschlingen. Manchmal wird uns der Teufel vorgestellt als einer, der uns listige Schlingen legt und uns auflauert. Hier aber wird der Teufel als brüllender Löwe dargestellt, der offene Verfolgung erregt. Die Gläubigen sollten ihm widerstehen, standhaft im Glauben. Mit diesen Leiden und Anfechtungen hatten die Geschwister überall zu tun.

Verse 10-14

1Pet 5,10-14: Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, nachdem ihr eine kurze Zeit gelitten habt, er selbst wird [euch] vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen. Ihm sei [die Herrlichkeit und] die Macht von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Durch Silvanus, den treuen Bruder, wie ich dafür halte, habe ich euch mit wenigem geschrieben, euch ermahnend und bezeugend, dass dies die wahre Gnade Gottes ist, in der ihr stehen sollt. Es grüßt euch die Miterwählte in Babylon und Markus, mein Sohn. Grüßt einander mit dem Kuss der Liebe. Friede euch allen, die ihr in Christus seid!

Aber der Gott aller Gnade ist des Christen Zuversicht. Er hat uns berufen, an seiner ewigen Herrlichkeit teilzuhaben. Der Wunsch des Apostels für die Gläubigen ist, dass der Gott der Gnade, nachdem sie eine kleine Zeit gelitten hätten, sie vollkommen mache, befestige, kräftige, gründe und so ihre Herzen auf den Boden einer unerschütterlichen Gewissheit stelle.

Man sieht, dass die Christen, an welche Petrus schrieb, litten. Der Apostel erklärt deswegen diese Leiden nach den Grundsätzen der göttlichen Regierung. Dabei berücksichtigt er besonders die Beziehungen der Christen zu Gott: Sie sind sein Haus. Mochten diese Leiden nun Leiden um der Gerechtigkeit willen oder Leiden um des Namens Christi willen sein, sie währten nur eine kurze Zeit. Die Hoffnung der Christen hatte anderswo ihren Gegenstand. Ihre Geduld war Gott wohlgefällig. Es war ein Ruhm für sie, wenn sie um des Namens Christi willen litten. Überdies richtete Gott sein Haus und wachte über sein Volk.

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