Das „Buch der Erfahrung“: Vorträge über den Brief an die Philipper (4)
Kapitel 4

John Nelson Darby

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Leitverse: Philipper 4

Verse 2.3

Phil 4,2.3: 2 Evodia ermahne ich, und Syntyche ermahne ich, gleichgesinnt zu sein im Herrn. 3 Ja, ich bitte auch dich, mein treuer Mitknecht, steh ihnen bei, die in dem Evangelium mit mir gekämpft haben, auch mit Clemens und meinen übrigen Mitarbeitern, deren Namen im Buch des Lebens sind.

Es ist gesegnet, zu sehen, wie der Apostel von den erhabensten Gedanken der Offenbarung Gottes übergeht zu den gewöhnlichsten Dingen, die einem Heiligen auf seinem Weg begegnen. Von jenen herrlichen Wahrheiten, die ihn soeben beschäftigt haben, wendet er sich zu zwei Frauen, die nicht in gutem Einverständnis miteinander waren. So ist es noch immer. Die Gnade vergisst nichts: Sie erhebt in den dritten Himmel und steigt hinab bis zu den niedrigsten Dingen; sie beschäftigt sich sogar mit einem entlaufenen Sklaven, und zwar mit einer Zartheit, die die Bewunderung aller Jahrhunderte auf sich zieht. Welches war der Trost Christi auf dem Kreuz? Er konnte dem armen Räuber nicht sagen, dass er ins Paradies gehen werde, ohne hinzuzufügen, dass Er selbst auch hingehe: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“ (Lk 23,43). So sagte auch Paulus, wenn er der Frauen gedachte, die mit Ihm gearbeitet hatten: „deren Namen im Buch des Lebens sind“. Da, wo Gott ist, sind köstliche Zuneigungen vorhanden, und wir sind zu Trägern solcher Zuneigungen Gottes gemacht.

Wenn ich einen Besuch mache, so liegt mir nichts mehr am Herzen als der Wunsch, Christus möchte so gegenwärtig sein, dass alles, was zum Vorschein kommt, das sei, was Er selbst kundgeben würde, und nicht meine eigenen Gedanken. Wir kennen nur wenig von dem Glück, die Gedanken Christi zu haben, und seine Gedanken waren, sich bis zum Kreuz zu erniedrigen.

Vers 4

Phil 4,4: Freut euch in dem Herrn allezeit! Wiederum will ich sagen: Freut euch!

Wer war fähig, so zu reden? War es der Mann, der im dritten Himmel gewesen war? Nein, es war der Gefangene zu Rom. Das hieß, sich allezeit im Herrn freuen, wie auch der Psalmist sagt: „Den HERRN will ich preisen allezeit“ (Ps 34,2). Wenn ich den Herrn als den Gegenstand meines Herzens habe, so ist im Gefängnis mehr vom Himmel zu finden als außerhalb des Gefängnisses: Nicht die grünen Auen und die Wasser der Ruhe erquicken die Seele; die Freude meines Herzens besteht darin, dass „der Herr mein Hirte“ ist; sie besteht nicht in den grünen Auen, obwohl sie sehr schön sind. Und wenn ich mich von diesen entfernt haben sollte, so „erquickt er meine Seele“. Ist der Tod auf meinem Weg, so fürchte ich ihn nicht, denn „du bist bei mir“. Bin ich von schrecklichen Feinden umgeben, so ist mir angesichts ihrer ein Tisch bereitet. Und jetzt heißt es: „Mein Becher fließt über.“ Mein Hirte führt mich durch alle Schwierigkeiten und Prüfungen meiner Schwachheit hindurch und legt die Worte in meinen Mund: „Nur Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich werde wohnen im Haus des HERRN auf immerdar“ (Ps 23,6).

Je größer die Trübsal desjenigen ist, der auf den Herrn vertraut, in umso reichlicherem Maß macht er die Erfahrung, dass alles zum Guten mitwirkt. Paulus konnte sagen: Ich kenne als ein Freier den Herrn und ich kenne Ihn als ein Gefangener. – Er war ihm genügend, sowohl wenn er Mangel litt als auch wenn er Überfluss hatte. Deshalb sagt er: „Freut euch in dem Herrn allezeit.“ Was konnte man einem solchen Menschen zufügen? Tötete man ihn, so schickte man ihn in den Himmel; ließ man ihn frei, so war er mit aller Hingabe bemüht, Seelen zu Christus zu führen, dessen Namen man auszurotten suchte.

Es ist schwieriger, sich im Wohlergehen im Herrn zu freuen als in den Trübsalen, denn die Trübsale werfen uns auf den Herrn. Die Gefahr ist größer für uns, wenn keine Trübsale vorhanden sind. Doch die Freude im Herrn befreit uns völlig von der Macht der gegenwärtigen Dinge. Wenn Gott uns unserer Stützen beraubt, dann erst gewahren wir, wie sehr selbst die Geistlichsten unter uns sich darauf verlassen haben. Freuen wir uns aber allezeit in dem Herrn, so besitzen wir eine Kraft, die uns nie genommen werden kann.

Vers 5

Phil 4,5: Lasst eure Milde kundwerden allen Menschen; der Herr ist nahe.

„Lasst eure Milde kundwerden allen Menschen.“ Sollten die Menschen wohl denken, dass unser Wandel in den Himmeln ist, wenn wir den irdischen Dingen so eifrig nachjagen? Nein, es wird nur dann der Fall sein, wenn sie sehen, dass das Herz nicht sein eigenes Interesse sucht. „Der Herr ist nahe.“ Bald wird alles in Ordnung gebracht werden. Wie werden unsere Herzen und Sinne bewahrt werden, wenn wir inmitten der Menschen unseren Weg verfolgen in Milde, in Sanftmut und ohne auf unserem Recht zu bestehen! Die Welt wird es sehen, wenn unsere Gedanken und unser Sinn nicht auf sie gerichtet sind. Wir sollen, wie der Apostel sagt, ein Brief Christi sein, „gekannt und gelesen von allen Menschen“ (2Kor 3,2).

Verse 6.7

Phil 4,6.7: 6 Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; 7 und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.

„Seid um nichts besorgt.“ Dieses Wort ist mir zu reichem Trost gewesen, selbst inmitten großer Trübsale. „Seid um nichts besorgt.“ Du denkst vielleicht, es handele sich hier nicht um deine geringfügigen Umstände, sondern um Heilige, die in einem schlechten Zustand sind. Ganz recht, aber „seid um nichts besorgt“. Das will nicht sagen, du solltest gleichgültig sein; aber du strengst dich an, die Last selbst zu tragen, und ermattest und quälst dein Herz auf diese Weise. Wie oft lastet eine Bürde auf dem Herzen eines Menschen, und wenn seine Bemühungen, sie abzuwerfen, vergeblich sind, so fällt sie auf ihn zurück und ihr Druck bleibt. Doch es ist uns geboten: „Seid um nichts besorgt“, und es ist gesegnet für uns, solch ein Gebot zu haben. Was soll ich denn tun, wenn Sorgen auf mich eindringen wollen? Gehe zu Gott: „In allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden.“ Dann werdet ihr inmitten all eurer Sorgen danken können. Wir sehen hierin die wunderbare Gnade Gottes. Wir brauchen nicht zu warten, bis wir erkannt haben, dass unsere Wünsche wirklich nach seinem Willen sind; nein, er sagt: „Lasst eure Anliegen vor Gott kundwerden.“ Liegt eine Last auf deinem Herzen? Gehe mit ihr zu Gott. Er sagt nicht, dass Er deinen Wunsch erfüllen werde. Als Paulus den Herrn dreimal bat, dass Satans Engel von ihm abstehen möge, erhielt er zur Antwort: „Meine Gnade genügt dir“ (2Kor 12,8.9). Wohl aber wird „der Friede Gottes eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesu“; nicht ihr werdet diesen Frieden bewahren. Wird Gott je beunruhigt durch die kleinen Dinge, die uns beunruhigen? Erschüttern sie seinen Thron? Gott denkt an uns, wir wissen es, aber Er ist nicht beunruhigt, und der Friede, der im Herzen Gottes ist, wird unsere Herzen bewahren. Mit allem, was mein Herz bedrückt, gehe ich zu Gott und finde Ihn nicht im Geringsten darüber beunruhigt. Alles ist schon geordnet. Gott weiß sehr wohl, was Er tun will; ich habe meine Bürde an dem Thron niedergelegt, der nie erschüttert werden wird, und zwar voller Gewissheit, dass Gott an mir Anteil nimmt; und der Friede, in dem Er ist, bewahrt mein Herz, und ich kann Ihm schon danken, bevor die Schwierigkeit beseitigt ist. Ja, Gott sei dafür gepriesen. Er nimmt Anteil an mir. Es ist gesegnet, diesen Frieden genießen zu können und also mein Anliegen, vielleicht ein sehr törichtes, vor Gott kundwerden zu lassen und, anstatt über die Widerwärtigkeiten zu brüten, mit Gott darüber Umgang haben zu dürfen.

Es ist überaus köstlich für uns, zu sehen, dass Gott, während Er uns in den Himmel erhebt, zu uns herabkommt und sich mit allen unseren Angelegenheiten beschäftigt. Während unser Herz mit himmlischen Dingen beschäftigt ist, können wir auf Gott rechnen wegen der irdischen Dinge; Er bekümmert sich um alles, selbst um unsere kleinsten Angelegenheiten hier. Paulus sagt: „Von außen Kämpfe, von innen Befürchtungen. Der aber die Niedrigen tröstet, Gott, tröstete uns“ (2Kor 7,5.6). Es war der Mühe wert, erniedrigt zu sein, um auf solche Weise getröstet zu werden. Ist Er ein Gott aus der Ferne und nicht ein Gott aus der Nähe? Gott erlaubt uns keine Voraussicht, weil dann das Herz nicht geübt würde; aber obwohl wir Gott nicht sehen, sieht Er uns und kommt zu uns herab, um uns inmitten der Schwierigkeiten jede Art des Trostes zuteilwerden zu lassen.

Vers 8

Phil 4,8: Im Übrigen, Brüder, alles, was wahr, alles, was würdig, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was lieblich ist, alles, was wohllautet, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dies erwägt.

Die Ermahnungen des Briefes enden mit dem Vers 9 dieses Kapitels. – Wir haben bereits gesehen, in welcher Weise der Christ in voller Überlegenheit über alle Umstände wandeln soll. Dieser Charakter der Macht des Geistes Gottes zieht sich durch den ganzen Brief. Vers 8 zeigt uns die Wirkung dessen, wovon wir weiter oben gesprochen haben: „Freut euch in dem Herrn allezeit!“– „Lasst eure Milde kundwerden allen Menschen.“ – „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasst durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden; und der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus.“ Das Herz ist freigemacht; denn der Friede Gottes, der unerschütterlich ist, bewahrt das Herz und die Sinne. Für Gott gibt es nichts Neues oder Unbekanntes. Er ist in Frieden und „wirkt alles nach dem Rat seines Willens“ (Eph 1,11). Auf diese Weise ist das Herz zur Ruhe gebracht und ist frei, sich mit allem zu beschäftigen, was liebreich und gesegnet ist.

Für den Christen ist es wichtig, die Gewohnheit zu haben, in dem zu leben, was gut ist in dieser Welt, wo wir notwendigerweise mit dem Bösen zu tun haben. Wir selbst waren ehemals böse, nur Böses war im Herzen, in den Gedanken und in der Gesinnung; und auch jetzt gibt es noch Böses, nicht nur in der Welt, sondern auch in unseren Herzen, und wir haben es da zu richten, wo es sich wirksam zeigt. Aber es ist nicht gut, stets mit dem Bösen beschäftigt zu sein; es verunreinigt uns sogar, wenn wir es richten. Wir sehen in 4. Mose 19, dass derjenige, der sich mit der Asche der roten Kuh zu beschäftigen hatte, unrein war. Er verrichtete wirklich einen Dienst, indem er die Asche sammelte und sie außerhalb des Lagers an einen besonderen Ort trug, aber dennoch war er unrein bis an den Abend; und das war auch bei dem der Fall, der mit dem Wasser der Reinigung besprengte. Sogar wenn wir das Böse richten, verunreinigt das unsere Gedanken. In manchen Herzen ist die Neigung vorhanden, sich mit dem Bösen zu beschäftigen; aber es ist nicht gut, darin zu beharren. Ich spreche selbstredend nicht von einem wirklichen Leben in dem Bösen, sondern vom Richten des Bösen, sei es auch nur in den Gedanken. Es ist wichtig, dass der Ton und die Stimmung des Herzens derart sei, dass man seine Wonne in den Dingen findet, in denen Gott sie findet. Selbst in dem Gefühl, das Böse als Böses zu richten, ist das Herz nicht glücklich. Wir sind berufen, jetzt so zu leben, als wären wir mit Gott im Himmel. Hat Gott im Himmel Böses zu richten? Wir wissen, dass es nicht der Fall ist, und für unsere Seelen ist es wichtig, mit dem Herrn droben zu sein und nicht nur die Dinge zu tun, die Ihm gefallen, sondern auch in einem Zustand zu sein, an dem Er seine Wonne haben kann. Lasst uns nur auf einen Tag zurückblicken und uns fragen, ob unser Herz in den Dingen gelebt hat, die „lieblich sind und wohllauten“. Das ist es, wovon der Apostel hier spricht. Ist es die Gewohnheit unseres Herzens, bei dem zu verweilen, was gut ist? Das Böse dringt in unseren Tagen von allen Seiten auf uns ein, aber es ist nicht gut, dabei zu verweilen, sich viel damit zu beschäftigen. Es schwächt den Geist; der Gedanke daran gibt ihm keine Kraft. Da, wo ein geistlicher Zustand vorhanden ist, kann das Böse Abscheu erwecken; aber selbst wenn wir das Böse richten, wird es nie in der rechten Weise geschehen, wenn das Herz nicht bei dem verweilt, was gut ist. Wir möchten begehren, wie die Jünger damals, Feuer vom Himmel fallen zu lassen, während Christus nur nach einem anderen Dorf geht.

Christus wandelt in der vollen Kraft der Gemeinschaft in dem, was gut ist, inmitten des Bösen, obgleich Er sich mit dem Bösen zu beschäftigen hatte. Er war genötigt, zu sagen: „Wehe euch, Schriftgelehrte und Pharisäer!“ (Mt 23,13). Auch wir haben uns mit dem Bösen zu beschäftigen; doch wird es nie in der rechten Weise geschehen, wenn wir nicht in dem leben, was gut ist. Es würde nie Sanftmut vorhanden sein; ich rede von der Sanftmut der Gnade und nicht von der Sanftmut gegen das Böse, denn wir sollen es mit Entschiedenheit richten. Paulus musste sagen: „Ich wollte, dass sie sich auch abschnitten, die euch aufwiegeln“ (Gal 5,12). Hierin liegt keine Sanftmut, und dennoch ist auch dieses Wort in Liebe gesprochen. Kommen wir in den Fall, das Böse richten zu müssen, dann soll es in der Kraft des Guten geschehen, das in uns ist; dies ist der Pfad, auf dem unsere Seelen berufen sind zu wandeln: „Im Übrigen, Brüder, alles, was wahr, alles, was würdig, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was lieblich ist, alles, was wohllautet, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob gibt, dies erwägt.“ Der Herr gebe, geliebte Brüder, dass wir uns stets hieran erinnern! Gott mag das Böse zu richten haben, allein Er bleibt in dem, was gut ist.

Der Apostel fügt hinzu, und wie gesegnet ist es für einen Menschen, der fähig ist, so zu sprechen:

Vers 9

Phil 4,9: Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, dies tut, und der Gott des Friedens wird mit euch sein.

Beachten wir, dass dies der Weg ist, den Gott des Friedens „mit uns“ zu haben. Wenn wir unsere Anliegen auf Gott werfen, so sagt Paulus: „Der Friede Gottes, der allen Verstand übersteigt, wird eure Herzen und euren Sinn bewahren in Christus Jesus“ (Phil 4,7); das aber, wovon hier die Rede ist, ist weit mehr. Paulus hatte einen ganz besonderen Platz; er war mit dem Geist Gottes erfüllt, obgleich er der vornehmste Sünder war, wie er sagt. Aber er trug allezeit das Sterben Jesu an seinem Leib umher, so dass er sagen konnte: „Daher wirkt der Tod in uns, das Leben aber in euch“ (2Kor 4,7-12). Es war etwas Großes, so sprechen zu können. Er hatte einen Dorn im Fleisch nötig, damit er befähigt wurde, einen solchen Dienst auszuüben; denn von Natur war sein Fleisch durchaus nicht besser als unser Fleisch. Er sagte nicht nur: „Ich bin gestorben“, sondern er trug allenthalben den Tod im Fleisch mit sich umher, so dass es sich nicht regte. Er war, wie wir wissen, ein auserwähltes Gefäß, und er trug den Tod im Fleisch durch die Gnade und Kraft Christi mit sich umher. Aber er tat es wirklich, und darum wird die Sünde, wie wir schon im Anfang bemerkten, im Brief an die Philipper nie erwähnt, weil der Brief die eigentliche Erfahrung des christlichen Lebens zeigt; die Lehre wird kaum darin berührt. Paulus spricht durchweg im Bewusstsein seiner Erfahrung.

Wenn ich Christus nachzuwandeln trachte, muss ich mich selbst für tot halten. Ich sage nie: Ich muss sterben, weil das eine Wirksamkeit des Fleisches voraussetzen würde. Ohne Zweifel ist das Fleisch da, aber ich sage: Es ist tot. Ich verstehe jemand sehr wohl, der einen Zustand durchmacht, in dem er lernt, was das Fleisch ist; dieser Zustand kann von längerer oder kürzerer Dauer sein. Wenn aber eine Seele gänzlich gedemütigt ist und sagt: „In mir, das ist in meinem Fleisch, wohnt nichts Gutes“ (Röm 7,18), dann kann Gott sagen: Halte dich der Sünde für tot und erlaube ihr nicht, über dich zu herrschen (siehe Röm 6,11 usw.). Die Quelle, aus der alle Macht hervorströmt, ist: „Ihr seid gestorben.“ Das ist die Grundwahrheit über die Befreiung. Sie tritt ein, wenn wir durch die Macht des Geistes Gottes uns selbst für tot halten. Jedoch ist dies nur für den Glauben der Fall. Christus ist in Macht gegenwärtig; ich halte mich für tot und kann alsdann in Kraft handeln.

„Dies ist das Zeugnis: dass Gott uns ewiges Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn“ (1Joh 5,11). Ist das aber alles? Nein; denn angenommen, das Leben wäre vorhanden und die alte Natur noch lebendig, so würde einerseits nur unaufhörlicher Kampf zwischen beiden bestehen, und andererseits würde, wenn ich nicht die Macht des Geistes Gottes besäße, die erworbene Befreiung von der Sünde nicht vorhanden sein. Falls ich aber jene Macht besäße, so würde doch der Kampf bleiben. Nur wenn ich sage, dass ich wirklich tot bin, ist meine Befreiung von der Wirksamkeit des Fleisches völlig verwirklicht. In der Macht und dem Besitz dieses Lebens sagt der Apostel: „Ich bin gestorben“; und wenn er es praktisch verwirklicht, dann sagt er: „Ich trage allezeit das Sterben Jesu am Leib umher“ (2Kor 4,10). Ich habe Christus als Gerechtigkeit von Gott und als Leben in mir empfangen und behandle das alte Leben als tot. Nicht nur besitze ich das Leben, sondern ich bin auch gestorben, so dass es sich zwischen dem alten und dem neuen Leben nicht nur um die Frage handelt, wer die Oberhand haben wird. Dies ist freilich so lange der Fall, bis ich die Entdeckung gemacht habe, dass im Fleisch nichts Gutes wohnt und dass ich in Christus mitgestorben bin; alsdann erkenne ich nicht nur, dass ich Böses getan habe, sondern auch, dass der Baum selbst, der alte Mensch, schlecht ist und dass Christus, unser Leben, ebenso wohl der Sünde gestorben ist als auch für die Sünden (Röm 4,25; 6,10), und wenn ich den alten Menschen für tot halte, so finde ich die Freiheit.

Ich sage nicht, dass ich die Vergebung finde, sondern die Befreiung. „Das Gesetz des Geistes des Lebens in Christus Jesu hat mich freigemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes“ (Röm 8,2). Ohne Zweifel kann ich versagen und für einen Augenblick unter die Macht der Sünde gebracht werden; aber ich bin in keiner Weise deren Schuldner. Auf welche Art hat Gott die Sünde im Fleisch verurteilt? Im Tod. Dann bin ich frei; ich habe das Leben und behandle den alten Menschen als tot. Wir sind berufen, dieses Leben Jesu immer zu offenbaren. Indem ich im Glauben das Sterben Christi festhalte, habe ich das Kreuz für das Fleisch gefunden. Der Apostel sagt: Der Tod Christi wirkt in mir, dem alten Paulus, und so strömt nur das Leben Christi für euch hervor, und er sagt: Geht hin und tut desgleichen. „Was ihr auch gelernt und empfangen und gehört und an mir gesehen habt, dies tut, und der Gott des Friedens wird mit euch sein.“ Gott selbst wird dann bei euch gegenwärtig sein.

Wie wunderbar ist dies! Das Leben Christi ist gegeben, das Fleisch wird für tot gehalten, und wir wandeln demgemäß. Wird sich Gott auf diesem Pfad fern von uns halten7 Nein: „Der Gott des Friedens wird mit euch sein.“

Es ist bemerkenswert, wie oft Gott „der Gott des Friedens“ genannt wird, während Er niemals „Gott der Freude“ heißt. Die Freude ist veränderlich. Wir freuen uns, wenn wir eine gute Botschaft vernehmen, und doch kann Traurigkeit vorhanden sein. Es ist wirklich Freude im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, weil dies dort eine gute Botschaft ist; aber die Freude ist nicht die Natur Gottes wie der Friede. Sie ist eine Gemütsbewegung. Der Mensch ist ein armes, schwaches Geschöpf. Er hört gute Nachrichten und freut sich; er hört schlechte und ist traurig. So ist die menschliche Natur bald oben, bald unten. Gott aber ist „der Gott des Friedens“. Der Friede geht viel tiefer als die Freude. Betrachten wir die Welt und das menschliche Herz, sehen wir da jemals Frieden? Wir finden die Freude selbst in der tierischen Natur, z.B. bei einem Hund, der von seiner Kette losgelassen wird. Wir mögen in der Welt eine Art von Freude sehen, aber da ist kein Friede; das Herz des Menschen ist wie das aufgewühlte Meer; es kann nicht ruhig sein (siehe Jesaja 57,20). Man rennt unaufhörlich nach Vergnügungen und nennt dies Freude. Die Welt ist eine ruhelose Welt, und wenn sie unermüdlich nach dem hascht, was sie wünscht, so geschieht es, weil sie es nicht finden kann. Wir werden in dieser Welt nie Frieden finden, es sei denn, dass Gott ihn gibt.

Wenn wir in der Kraft des Lebens Christi wandeln, ist der Gott des Friedens mit uns. Wir haben das Bewusstsein seiner Gegenwart; das Herz ist in Ruhe. Da ist kein Trachten nach etwas, was wir noch nicht erlangt haben. Selbst unter Christen sehen wir Personen, die keinen Frieden haben, weil sie nach dem suchen, was sie nicht besitzen, und das ist kein Friede. Genießen wir aber das, was in Ihm ist, obgleich wir sicher danach trachten, Ihn besser kennenzulernen, so befindet sich das Herz in einer glückseligen Ruhe, und das ist Friede. Es ist gesegnet, solch ein Heiligtum in dieser Welt – „den Gott des Friedens“ – mit uns zu haben.

Vers 10

Phil 4,10: Ich habe mich aber im Herrn sehr gefreut, dass ihr endlich einmal wieder aufgelebt seid, meiner zu gedenken; obwohl ihr auch meiner gedachtet, aber ihr hattet keine Gelegenheit.

Wir sehen, wie Paulus über alle Umstände erhaben ist. Er hatte Mangel gelitten, obwohl er in der Gefangenschaft gewisse Freiheiten hatte, und sein Herz fühlte es. „Ich habe mich aber im Herrn sehr gefreut, dass ihr endlich einmal wieder aufgelebt seid, meiner zu gedenken.“ Er sagt „endlich“, als wenn die Philipper ihm gegenüber ein wenig nachlässig gewesen wären; aber voll schonender Zartheit gegen sie nimmt er das Gesagte sogleich wieder zurück, indem er hinzufügt: „obwohl  ihr auch meiner gedachtet, aber ihr hattet keine Gelegenheit“. Die Überlegenheit des Christen ist nie Gefühllosigkeit, sonst wäre sie keine Überlegenheit. In allen Umständen ist sein Herz frei, um der Gnade des Herrn Jesu Christi gemäß zu handeln, und Er war niemals gefühllos. Wir sträuben uns gegen die Umstände; unsere armen, selbstsüchtigen Herzen möchten den Leiden aus dem Weg gehen. Er aber blieb sich immer gleich in den Umständen, so dass man sagen kann: Christus war ohne Charakter. Er war immer derselbe. In allen Umständen hatte Er vollkommenes Mitgefühl, aber Er wurde nie durch diese Umstände beherrscht; Er war immer in der Kraft seiner eigenen Gnade mitten darin. Wir sehen Ihn nie teilnahmslos. „Als er die Volksmenge sah, wurde er innerlich bewegt über sie“ (Mt 9,36); als Er die Witwe sah, deren einzigen Sohn man tot hinaustrug, „wurde er innerlich bewegt über sie“ (Lk 7,13), und am Grab des Lazarus „seufzte er tief im Geist und erschütterte sich“ (Joh 11,33), was ein starker Ausdruck ist: Er erschütterte sich innerlich. Die Macht des Todes inmitten des Ihn umgebenden Volkes lastete auf seinem Geist. Wo Er sich auch befinden mochte: Er war nie gefühllos, sondern Er blieb immer derselbe in Gnade in Bezug auf alles, was sein Mitgefühl in Anspruch nahm. Auf dem Kreuz hatte Er das rechte Wort für den Räuber. Selbst als Er genötigt war zu sagen: „Bis wann soll ich bei euch sein und euch ertragen?“ (Lk 9,41), fügte Er sofort hinzu: „Führe deinen Sohn her.“ Sein Mitgefühl war vollkommen, im Gegensatz zu unserem Mitgefühl; seine Gnade war für jeden Ruf bereit. Wir sollten danach trachten, das zu sein, was sich in Christus offenbart, indem wir alle Umstände völlig mitfühlen, doch so, dass sie Ihm in uns begegnen und Er offenbart werde.

Wir haben gesehen, wie Paulus das verbesserte, was er gesagt hatte: „Ihr seid endlich einmal wieder aufgelebt, meiner zu gedenken“, indem er hinzufügt: „obwohl ihr auch meiner gedachtet, aber ihr hattet keine Gelegenheit“. Wir finden nicht, dass der Herr Jesus sich je zu verbessern hatte. Paulus war „ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir“: Er konnte nicht in Troas bleiben, obwohl ihm eine weitere Tür zur Predigt des Evangeliums geöffnet war; er hatte keine Ruhe in seinem Geist, weil er Titus nicht fand. Auch in Mazedonien hatte sein Fleisch keine Ruhe; und von jenem Brief, in dem er uns inspirierte Anweisungen für die Versammlung gibt, ohne die wir uns in ihr nicht zu verhalten wüssten, sagt er, er bereue nicht, ihn geschrieben zu haben, obwohl er es bereut habe; und doch war er zum Schreiben des Briefes inspiriert worden. Als er daran dachte, dass sich alle Korinther gegen ihn gewendet hatten, sank sein Mut unter die Stellung hinab, in der er sich befand.

In gewissem Sinn ist es gesegnet für uns, dass Paulus, obwohl er ein Apostel war, uns so ähnlich war; bei dem Herrn aber ist nichts Derartiges zu finden. Er war vollkommen mitfühlend; in allen Umständen gewahren wir die Vollkommenheit seines Mitgefühls, während der Apostel zeigt, dass er ein Mensch war, obwohl es interessant ist, zu sehen, wie sich sein Mitgefühl äußerte.

Ferner sehen wir, dass Paulus erhaben war über alle Umstände, in denen er sich befand:

Verse 11-14

Phil 4,11-14: Nicht, dass ich dies des Mangels wegen sage, denn ich habe gelernt, worin ich bin, mich zu begnügen. 12 Ich weiß sowohl erniedrigt zu sein, als ich weiß Überfluss zu haben; in jedem und in allem bin ich unterwiesen, sowohl satt zu sein als zu hungern, sowohl Überfluss zu haben als Mangel zu leiden. 13 Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt. 14 Doch habt ihr recht getan, dass ihr an meiner Drangsal teilgenommen habt.

Für uns, geliebte Freunde, steht Kraft zur Verfügung. Man hört es oft als eine absolute Wahrheit aussprechen, dass wir durch Christus alles vermögen; doch ich frage dich: Vermagst du alles? Du antwortest mir: Nein, ich nicht; ich sage nur: Man vermag alles. – Darin hast du ganz recht; als absolute Lehre ist es völlig wahr, aber es ist nicht das, was der Apostel meint. Für ihn war dies nicht nur eine Redeweise, sondern sein wirklicher Zustand. „Ich weiß sowohl satt zu sein als zu hungern.“ Bin ich satt, so bewahrt der Herr mich vor der Gleichgültigkeit und der Selbstzufriedenheit. Bin ich hungrig, so bewahrt Er mich vor Niedergeschlagenheit und Unzufriedenheit. Bei Paulus hieß es nicht: „Man vermag“, sondern: „Ich habe Christus in jeder Lage so ausreichend gefunden, dass ich durch keine Lage beherrscht werde.“ Er war mit Ruten geschlagen worden; von den Juden hatte er fünfmal vierzig Streiche weniger einen erhalten; er war gesteinigt worden und hatte alle möglichen Umstände durchgemacht; aber in allem hatte er Christus als genügend gefunden. Du denkst vielleicht: Paulus war ein gereifter Christ, und am Ende seines Lebens konnte er wohl so sprechen. Aber hätte er Christus nicht von Anfang bis zu Ende völlig ausreichend gefunden, dann hätte er am Ende seiner Laufbahn nicht so sprechen können. Der Glaube rechnet auf Christus vom Beginn des christlichen Lebens an. Dies ist der Grundsatz, den wir im Psalm 23 finden. Nachdem der Psalmist durch alles hindurchgegangen war, sagt er: „Nur Güte und Huld werden mir folgen alle Tage meines Lebens; und ich werde wohnen im Haus Jehovas auf immerdar“ (Ps 23,6). Im Überfluss oder im Mangel werde ich jederzeit finden, dass Er genügt. Um aber imstande zu sein, diese Erfahrung am Ende der Laufbahn zu machen, muss man sie auf dem ganzen Weg gemacht haben.

Du magst denken: Paulus war ein Apostel; er war ein außerordentlich gesegneter Mann, hoch erhaben über das Böse, das mich umgibt. Dem war aber nicht so. Als er schrieb, hatte er einen Dorn im Fleisch, und obwohl dieser ihm keine Kraft gab, so wurde er doch dadurch zum Bewusstsein seines Nichts gebracht, worin die Kraft sich erweisen konnte. Der Herr wollte den Dorn nicht wegnehmen, als Paulus Ihn darum bat; Er antwortete ihm: „Meine Gnade genügt dir.“ Der Dorn schien für Paulus ein Hindernis zu sein; doch wenn Paulus predigte, offenbarte sich die Macht Christi und nicht die des Apostels. Ich erwähne dies alles, damit man nicht denken möge, Paulus sei von den Schwierigkeiten und den Fallstricken des Fleisches frei gewesen. Gott hatte ihn in den dritten Himmel entrückt, und dieses außerordentliche Vorrecht brachte ihn in Gefahr, sich zu erheben; deshalb sandte ihm Gott einen Dorn, um ihn zu nichts zu machen, und also wurde Gottes Kraft in Schwachheit vollbracht. Die göttliche Kraft kann nicht da sein, wo die menschliche ist. Wäre es menschliche Kraft gewesen, so wären die durch Paulus bekehrten Seelen wertlos gewesen, die durch Gott bekehrten aber des ewigen Lebens würdig. Es ist eine wichtige Sache, zu nichts gemacht zu sein. Wenn wir nicht wissen, wie wir dazu gelangen sollen, so muss Gott uns zu nichts machen. Wer demütig ist, hat nicht nötig, gedemütigt zu werden.

Paulus war von Christus abhängig, vollständig abhängig von Ihm, und wir sehen die unfehlbare Treue Christi gegen ihn. Aber ich wiederhole es: Der Apostel hätte am Ende seiner Laufbahn nicht sagen können: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt“, wenn dies nicht seine Erfahrung auf dem ganzen Weg gewesen wäre. Es ist ein gesegnetes Zeugnis. Christus ist überall genug für uns, aber Er muss uns zur Aufrichtigkeit bringen. Die Seele muss in ihrem wirklichen Zustand vor Gott sein. Solange nicht mein Gewissen dahin gebracht ist, wo ich mich wirklich befinde, solange es nicht zum Bewusstsein meiner Entfremdung von Gott und meiner Untreue gegen Ihn gekommen ist, ist es nicht aufrichtig.

Aber ist das Gewissen einmal dahin gelangt, so sagt Gott: Ich habe dich jetzt an den rechten Platz gebracht, jetzt kann ich dir helfen. Hiob sagt: „Wenn das Ohr von mir hörte, so pries es mich glücklich, und wenn das Auge mich sah, so legte es Zeugnis von mir ab. Denn ich befreite den Elenden, der um Hilfe rief, und die Waise, die keinen Helfer hatte“ (Hiob 29,11.12). Ich tat dieses, ich tat jenes. Gott aber sagt: So geht es nicht; es heißt immer: ich und mich. – So übergab Gott ihn den Händen Satans, bis er den Tag seiner Geburt verfluchte und sagte: „Nun hat mein Auge dich gesehen. Darum verabscheue ich mich“ (Hiob 42,5.6). Jetzt sagt Gott: So geht es; jetzt kann ich dich segnen. – Und Er segnete ihn. Gott will nicht nur, dass wir unser Haupt über dem Wasser halten, sondern dass wir in der Kraft seiner Gnade wandeln.

Verse 15-18

Phil 4,15-18: 15 Ihr wisst aber auch, ihr Philipper, dass im Anfang des Evangeliums, als ich aus Mazedonien wegging, keine Versammlung mir in Bezug auf Geben und Empfangen mitgeteilt hat als nur ihr allein. 16 Denn auch in Thessalonich habt ihr mir einmal und zweimal für meinen Bedarf gesandt. 17 Nicht, dass ich die Gabe suche, sondern ich suche die Frucht, die überströmend sei für eure Rechnung. Ich habe aber alles empfangen und habe Überfluss; ich bin erfüllt, da ich von Epaphroditus das von euch Gesandte empfangen habe, einen duftenden Wohlgeruch, ein angenehmes Opfer, Gott wohlgefällig.

Die Liebe ist niemals vergesslich; sie verzeichnet jede Dienstleistung. Der Apostel bewahrte mit Sorgfalt die Erinnerung an alles, was man ihm erwiesen hatte. Gott hat Wohlgefallen an jedem Dienst, den man seinen Heiligen erweist; Er erfreut sich sogar an dem, was man an der Welt tut.

Vers 19

Phil 4,19: Mein Gott aber wird euch alles Nötige geben nach seinem Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus.

Beachten wir die Innigkeit, die in dem Ausdruck „mein Gott“ liegt. Er ist sehr bezeichnend; es ist, als ob Paulus sagen wollte: Ich kenne Ihn; ich kann für Ihn antworten; ich habe alle möglichen Umstände durchgemacht, und ich kann dafür bürgen, dass Er mich nie im Stich gelassen hat. Ich weiß, wie Er selbst in den kleinsten Dingen des täglichen Lebens handelt.

Es ist etwas Großes, Gott täglich und stündlich zu vertrauen, indem wir nicht denken, dass wir selbst für uns sorgen und uns vor der Macht des Bösen sichern können, sondern indem wir Gott völlig vertrauen. Und welches ist das Maß seiner Hilfe? Nichts weniger als „sein Reichtum in Herrlichkeit in Christus Jesus“. Er muss sich selbst verherrlichen, sogar durch den Fall eines Sperlings; denn bei Gott ist nichts groß und nichts klein. Er denkt an das, worin seine Liebe sich verherrlichen muss.

„Mein Gott wird euch alles Nötige geben.“ Wie konnte Paulus dies sagen? Er kannte Ihn. Nicht als ob er keinen Mangel gelitten hätte, aber er hatte die Köstlichkeit der Durchhilfe Gottes darin erfahren. Die Umstände mögen sehr dunkel scheinen; aber wir haben immer die Erfahrung gemacht, dass, wenn Er uns durch die wasserleere Wüste führte, Er dort Wasser für uns aus dem Felsen hervorsprudeln ließ. Er übt stets den Glauben, aber Er kommt ihm immer entgegen. „Ich habe euch vierzig Jahre in der Wüste geführt: Eure Kleider sind nicht an euch zerfallen, und dein Schuh ist nicht an deinem Fuß zerfallen“ (5Mo 29,4). Das ist ein gesegnetes Ergebnis.

„Mein Gott wird euch alles Nötige geben.“ Der Apostel rechnet auf die Segnung für andere. Welch ein Trost, statt im Schauen zu wandeln, diese Welt im gesegneten Bewusstsein zu durchschreiten, was Er für uns ist, und fähig zu sein, auch für andere auf Ihn zu rechnen. Wir fürchten uns oft, jemand zu überreden, den Weg Gottes zu betreten, aber wir sollten uns nicht fürchten, sondern vielmehr auf die Gnade für ihn rechnen.

Der Glaube triumphiert immer. Möge der Herr geben, dass wir allezeit auf Ihn rechnen! Dann werden wir fähig sein, zu sagen: „Alles vermag ich in dem, der mich kräftigt.“

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Originaltitel: „Das Buch der Erfahrung“
aus Botschafter des Heils in Christo, 1878, S. 92–97, 113–127.
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