Der Prediger (4)
Prediger 2,24–3,15: Kann ich die Früchte meiner Arbeit genießen?

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 09.03.2007, aktualisiert: 05.10.2018

 

2   Meine ersten Untersuchungen
(Prediger 2,1–8,8)

   


Prediger 2,24–3,15

2.3   Dritte Untersuchung
(Prediger 2,24–3,15)

 

Negativ:
Sich abzumühen bringt nichts, denn die Frucht zu genießen, hat man nicht in der eigenen Hand

Positiv:
a) Genieße die alltäglichen Vergnügen, die Gott dir gibt
b) Die Erhabenheit und der ewige Sinn von Gottes Fügung
c) Der bleibende Wert der Gottesfurcht

2,24 Es gibt nicht Besseres für den Menschen, als dass man esse und trinke und seine Seele Gutes sehen lasse bei seiner Mühe. Ich habe gesehen, dass auch das von der Hand Gottes abhängt.
2,25
Denn wer kann essen und genießen mehr als ich?

Ich habe noch etwas in meinem Leben entdeckt. Viel Mühe würden wir auf uns nehmen, wenn wir dann nur mit Sicherheit wüssten, dass wir hernach wenigstens ihre süßen Früchte hier auf Erden genießen dürften. In sich selbst mag die Arbeit dann keinen bleibenden Wert haben, aber zumindest sind ihre zeitlichen Früchte dann schon wenigstens einmal etwas. Was aber habe ich herausgefunden? Dass der Mensch selbst die kleinsten Vergnügen nicht in der Hand hat. Selbst diese sind manchen „Arbeitssklaven“ auf der Erde vorenthalten. Es ist wunderbar, wenn der Mensch, der sich jeden Tag so sehr abrackert, wenigstens noch sein tägliches Vergnügen haben kann: sein Essen und Trinken und was es sonst noch für schöne Dinge gibt. Der Mensch soll dann aber nur nicht denken, dass solche Vergnügungen selbstverständlich sind! Das sind sie nicht; der Mensch kann nicht im Geringsten darüber verfügen. Wenn Gott sie uns gibt, dürfen wir dafür dankbar sein; doch es kann ebenso gut sein, dass Er sie uns nicht gibt. Selbst unser tägliches Brot, ja das kleinste Vergnügen können wir nicht genießen, wenn Gott es nicht will. Wir sind in den kleinsten Dingen von Ihm abhängig.

2,26 Denn dem Menschen, der ihm wohlgefällig ist, gibt er Weisheit und Kenntnis und Freude; dem Sünder aber gibt er die Beschäftigung, einzusammeln und aufzuhäufen, um es dem abzugeben, der Gott wohlgefällig ist. Auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.

Wenn es Ihm in seiner unergründlichen Weisheit gefällt, uns Weisheit, Kenntnis und Freude zu geben, dann tut Er das. Aber wenn es Ihm nicht recht ist, dann lässt Er jemanden Güter ansammeln und zusammenhäufen, um sie an andere weiterzugeben, ohne dass solch ein Mensch sie selbst genossen hätte. Wie viele Menschen rackern sich ab, während sie niemals die Früchte ihrer Arbeit genießen; das tun dann andere. Das ist natürlich oft ihre eigene Schuld, aber es hat auch mit dem unergründlichen Willen Gottes zu tun. Sich abzuplagen bedeutet also nicht immer, dass der Mensch die Früchte seiner Mühe auch genießen wird. Das beweist wiederum aufs Neue, wie sinnlos es letztendlich ist, sich abzuplagen. Man quält sich ab, aber in Wirklichkeit jagt man dem Wind nach.

3,1 Alles hat seine bestimmte Zeit, und jedes Vornehmen unter dem Himmel hat seine Zeit.

Man denkt: Ich habe mich abgerackert, nun werde ich wohl auch die Erfolge genießen können. Oh nein; deine Zeit ist noch nicht Gottes Zeit. Gottes Zeiten sind oft ganz anders als unsere. Oder, um es noch anders zu sagen: Der eine Augenblick ist Gottes Zeit für dies, der andere Augenblick ist Gottes Zeit für etwas ganz anderes. Für alle Dinge auf der Erde hat Er eine bestimmte Zeit, der wir ausgeliefert sind, die wir aber nicht ergründen oder beeinflussen können. Unsere Zeit liegt in Gottes Hand; nach seinem Willen kann Er jede Freude unvermittelt in Verdruss umkehren, jeden Umstand in sein Gegenteil. Wenn du etwas jetzt willst, dann kann es sein, dass es dafür noch nicht Gottes Zeit ist. Und dann kann Er dich nötigen, gerade das andere zu tun, weil genau dafür seine Zeit gekommen ist. Überprüfen wir das einmal:

3,2 Geborenwerden hat seine Zeit, und Sterben hat seine Zeit; Pflanzen hat seine Zeit, und Ausreißen des Gepflanzten hat seine Zeit;

In Gottes Hand liegt die Zeit, Leben hervorzubringen (oder liegen Zeugen und Gebären in unserer Hand?) und die Zeit, Leben zu nehmen (oder haben wir unseren Sterbetag in unserer eigenen Hand?).
Nach Gottes Fügung gibt es in der Natur eine Zeit, um zu pflanzen und es gibt ebenso eine festgesetzte Zeit für die Ernte; wir können nichts dazutun und nichts davon wegnehmen.

3,3 Töten hat seine Zeit, und Heilen hat seine Zeit; Abbrechen hat seine Zeit, und Bauen hat seine Zeit;

Nach Gottes Gesetz gibt es eine Zeit, um zu töten (ob als Soldat oder als Henker – doch in jedem Fall hat man die Zeit des Tötens nicht selbst bestimmt), und es gibt eine Zeit, um die Wunden der Menschen zu heilen, die Gott einem zu seiner Zeit auf den Weg legt.
Es gibt eine Zeit, um abzubrechen, und es gibt eine Zeit, um aufzubauen, aber Gott ist es, der solche Gelegenheiten in unserem Leben festsetzt.

3,4 Weinen hat seine Zeit, und Lachen hat seine Zeit; Klagen hat seine Zeit und Tanzen hat seine Zeit;

So ist es auch mit der Zeit des Weinens und mit der Zeit des Lachens, denn es ist Gott, der sowohl traurige als auch frohe Umstände in unserem Leben bewirkt.
Ja noch mehr: Es gibt eine Zeit, um vor Kummer zu trauern, und eine Zeit, um vor Freude zu tanzen, so wie es Gott gefällt.

3,5 Steinewerfen hat seine Zeit, und Steinesammeln hat seine Zeit; Umarmen hat seine Zeit, und vom Umarmen Fernbleiben hat seine Zeit;

Das eine Mal ist es die Zeit, um Steine hinzuwerfen (um z.B. den Acker deines Feindes zu verderben), und ein andermal ist es die Zeit, um die Steine aufzusammeln (um z.B. den eigenen Acker von Steinen zu reinigen).
Es gibt eine Zeit, um zu umarmen, und es gibt auch eine Zeit, wenn es keine Gelegenheit zum Umarmen gibt oder wenn Umarmen unpassend ist.

3,6 Suchen hat seine Zeit, und Verlieren hat seine Zeit; Aufbewahren hat seine Zeit, und Fortwerfen hat seine Zeit;

Nach Gottes Fügung gibt es eine Zeit, um zu suchen (einen Lebenspartner, Arbeit), und ein andermal ist es seine Zeit, um Dinge und Menschen wieder loszulassen, darauf zu verzichten.
Nach Gottes Fügung gibt es eine Zeit, um aufzubewahren, und eine Zeit, um wegzuwerfen.

3,7 Zerreißen hat seine Zeit, und Nähen hat seine Zeit; Schweigen hat seine Zeit, und Reden hat seine Zeit;

Nach Gottes Fügung gibt es eine Zeit, um zu zerreißen (z.B. die Kleider in Zeiten der Trauer), und eine Zeit, um etwas zusammenzunähen.
Es gibt eine Zeit, in der uns Gott zum Schweigen bringt, und es gibt eine Zeit, in der Gott uns zum Sprechen bringt.

3,8 Lieben hat seine Zeit, und Hassen hat seine Zeit; Krieg hat seine Zeit, und Frieden hat seine Zeit.

Gott gibt uns das eine Mal eine Zeit, um zu lieben, und ein anderes Mal eine Zeit, um zu hassen und damit vielleicht alles aufzugeben, was wir einmal geliebt haben.
In Gottes Regierung gibt es eine Zeit für Krieg und eine Zeit für Frieden.
Nach all diesen Beispielen ist meine Botschaft hoffentlich recht deutlich: All unsere Zeiten liegen in Gottes Hand; Er verfügt darüber nach seinem Wohlgefallen.

3,9 Was für einen Gewinn hat der Schaffende bei dem, womit er sich abmüht?

Nur muss es auch klar sein, dass derjenige, der sich abmüht, nicht die geringste Garantie für bleibenden Gewinn hat. Er kann nicht einmal mit ein wenig Vergnügen als Frucht seiner Arbeit, in seiner Freizeit, sicher rechnen.

3,10 Ich habe die Beschäftigung gesehen, die Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich damit abzuplagen.

Ich habe das ganz genau überprüft; die ganze Lebensaufgabe, die Gott dem Menschen seit dem Sündenfall auf die Schultern gelegt hat, habe ich in Augenschein genommen. Es ist eine einzige große Quälerei, nicht einmal ein kleines bisschen Genuss ist garantiert. Wenn man ihn bekommt, dann kommt das noch dazu; aber wenn du ihn nicht bekommst, dann hast du eben Pech gehabt. Wohlgemerkt: Ich sage das natürlich nicht als Kritik an Gottes Regierung, im Gegenteil.

3,11 Alles hat er schön gemacht zu seiner Zeit; auch hat er die Ewigkeit in ihr Herz gelegt, ohne dass der Mensch das Werk, das Gott gewirkt hat, von Anfang bis zu Ende zu erfassen vermag.

Ich sagte bereits, dass Gott für alles seine bestimmte Zeit hat, und wenn ich auch Gottes Regierung nicht ergründen kann, dann weiß ich dennoch durch den Glauben, dass Er alle Dinge wunderbar regiert und dass alles genau zum richtigen Zeitpunkt geschieht: sowohl Genuss als auch Enthaltung vom Genuss. Durch meinen Glauben bewundere ich Gottes Regierung, obwohl ich sie mit meinem Verstand nicht ergründen kann. Dennoch versuche ich es immer wieder; immer wieder muss ich darüber nachdenken. Ich kann einfach nicht anders, denn so hat Gott uns nun einmal gemacht: Er hat es jedem Menschen ins Herz gelegt, um über die Geschichte nachzudenken, über den Verlauf der Zeit, den Wechsel der Generationen und die unterschiedlichen Zeiten und Gelegenheiten, die Gott darin anordnet. Der Mensch kann es nicht lassen, darüber nachzudenken, auch wenn er das Handeln Gottes vom Beginn bis zum Ende unmöglich ergründen kann. Durch den Glauben weiß er, dass Gottes Werk sinnvoll und schön ist, aber begreifen kann er es nicht. Wir können Gott nicht durchrechnen, nicht ausmachen, warum nach seiner weisen Fügung einmal die Zeit für das eine und dann wieder Zeit für das andere ist. Aber das brauchen wir auch nicht. Es ist genug, dass wir alle Dinge sicher in Gottes Hand wissen.

3,12 Ich habe erkannt, dass es nichts Besseres unter ihnen gibt, als sich zu freuen und sich in seinem Leben gütlich zu tun;

Aber inzwischen stelle ich dann noch wieder einmal fest, dass der Mensch es nicht in der eigenen Hand hat, ob er das irdische Leben ein bisschen genießen darf. Wenn es ihm tatsächlich gegeben ist, sich zu freuen und sich im Leben gütlich zu tun,

3,13 und auch, dass er isst und trinkt und Gutes sieht bei all seiner Mühe, ist für jeden Menschen eine Gabe Gottes.

wenn also jemand bei all seiner Mühe essen und trinken und sonstige schöne Dinge genießen kann, dann darf er es dankbar aus Gottes Hand annehmen. Aber Einfluss auf diesen Genuss kann er nicht ausüben. Alles hängt von der göttlichen Fügung ab, und die steht für immer unerschütterlich fest. Was Gott tut, dazu kann der Mensch nichts hinzufügen oder wegnehmen. Er lenkt alle Dinge, und Er will den Menschen durch diese Verwaltung lehren, eine heilige Ehrfurcht vor Ihm zu haben, im Bewusstsein seiner eigenen Nichtigkeit. Hierin liegt der Kern der wahren Weisheit: nicht in der Suche nach dem einzigen bleibenden Sinn in all dem Irdischen an sich, sondern in der wahren Gottesfurcht, die uns über alles Irdische erhebt.

3,14 Ich habe erkannt, dass alles, was Gott tut, für ewig sein wird: Es ist ihm nichts hinzuzufügen und nichts davon wegzunehmen; und Gott hat es so gemacht, damit man sich vor ihm fürchte.
3,15 Was da ist, war längst, und was sein wird, ist längst gewesen; und Gott sucht das Vergangene wieder hervor.

Noch etwas: Gott regiert alle Dinge. In dem schon früher erwähnten endlosen Wechsel und in der Wiederholung in der Natur und im Zusammenleben offenbart sich Gottes ewige, unveränderliche Regierung. Was heute geschieht, ist schon früher viele Male geschehen; und was noch geschehen wird, ist auch früher bereits geschehen. Das, was vorbeigegangen zu sein scheint, lässt Gott immer wieder aufs Neue geschehen. Wie ich schon bemerkt habe, erscheint das alles so sinnlos; aber bedenken wir nun, dass sich in allen diesen Dingen Gottes Hand offenbart. Und Gottes Werk mag dem Verstand unergründlich sein, für den Glauben ist es durchaus wunderbar und sinnvoll. Und das ist eine positive Sache. Begreifen können wir Gottes Regierung nicht; aber wir dürfen daraus lernen, Ihn mehr zu fürchten.

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Übersetzt aus Bode des Heils in Christus

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