Der Prediger (2)
Kapitel 2,1-11: Bringen Reichtum und eigene Mühen Gewinn?

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 25.02.2007, aktualisiert: 05.10.2018
 

2   Meine ersten Untersuchungen
(Prediger 2,1–8,8)

   


Prediger 2,1-11

2.1   Erste Untersuchung
(Prediger 2,1-11)

 

Negativ:
Sich abzumühen nützt nichts, denn es gibt keine bleibende Befriedigung

Positiv:
Reichtum gibt dennoch (zeitliches) Vergnügen

2,1 Ich sprach in meinem Herzen: Wohlan, ich will dich prüfen durch Freude, und genieße das Gute! Aber siehe, auch das ist Eitelkeit.

Ich sagte zu mir selbst: Nun, es muss doch in der ganzen Plackerei des Menschen auf Erden wenigstens eine Menge Freude stecken. Vielleicht bringt die Schinderei selbst keinen bleibenden Wert, dann vielleicht aber Freude, die es immerhin im irdischen Leben gibt. Ich will das einmal prüfen und auch mich selbst auf die Probe stellen; das heißt: Ich will all das Gute auf der Erde sozusagen am eigenen Leib erfahren und genießen.

2,2 Zum Lachen sprach ich, es sei unsinnig; und zur Freude, was sie denn schaffe!

Ich will Ihnen übrigens gleich das Ergebnis dieser Untersuchung mitteilen: Auch die irdischen Freuden geben keinen bleibenden Wert und keine Befriedigung. Ich habe sehr viel gelacht, doch es ist alles töricht und sinnlos. Es bringt nichts von bleibendem Inhalt oder Bedeutung.

2,3: Ich beschloss in meinem Herzen, meinen Leib durch Wein zu laben, während mein Herz mich mit Weisheit leitetet, und es mit der Torheit zu halten, bis ich sähe, was den Menschenkindern gut wäre, unter dem Himmel zu tun die Zahl ihrer Lebenstage.

Ich habe meine Untersuchung groß angelegt. Zum Beispiel hatte ich dafür gesorgt, dass es mir nicht an Wein mangelte – jedoch nicht, um betrunken zu werden, denn ich habe gut aufgepasst, dass mein Geist sauber und rein blieb, damit ich nicht mein Ziel aus den Augen verliere: Ich wollte überprüfen, was der Mensch vom Genuss des Trankes hat. Das ist ein ziemlich törichtes Unterfangen, dem ich mich aber dennoch widmen musste, denn ich hoffte, entdecken zu können, was die Menschen in der kurzen Zeit ihres Lebens auf der Erde am besten tun können – was den meisten Wert hat und was Befriedigung gibt.

2,4 Ich unternahm große Werke: Ich baute mir Häuser, ich pflanzte mir Weinberge;

Ich tat übrigens noch viel größere Dinge. Als König hatte ich genug Geld. Ich baute Häuser für mich – wie den Tempel Gottes und meinen eigenen Palast „Wald des Libanon“ –, und ich pflanzte Weingärten für mich. Womit könnte ein König mehr Ehre einlegen als mit schillernden Bauwerken, und worin findet er mehr Vergnügen als im Wein?

2,5 ich machte mir Gärten und Parkanlagen und pflanzte darin Bäume von allerlei Frucht;

Ferner legte ich Gärten und Parks an  echte Lustgärten –, in denen ich mich erholen und ausruhen konnte, und ich pflanzte darin allerlei fruchttragende Bäume.

2,6 ich machte mir Wasserteiche, um daraus den mit Bäumen sprossenden Wald zu bewässern.

Ich sorgte auch für Teiche, um damit die ausgedehnten Parks zu bewässern.

2,7 Ich kaufte Knechte und Mägde und hatte Hausgeborene; auch hatte ich einen großen Besitz an Rind- und Kleinvieh, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren.

An Personal für all diese gewaltigen Unternehmen hatte ich auch keinen Mangel: Ich kaufte Sklaven und Sklavinnen, und auch die Kinder, die sie bekamen, gingen automatisch in meinen Besitz über. Alle diese Menschen arbeiteten für mich, so dass ich selbst keinen Finger rühren musste. Ich erwarb auch einen gewaltigen Viehbestand an Rindern, Schafen und Ziegen, größer als alle meine Vorgänger in Jerusalem ihn jemals besessen hatten, so dass ich Fleisch im Überfluss essen konnte.

2,8 Ich sammelte mir auch Silber und Gold und Reichtum der Könige und Landschaften; ich verschaffte mir Sänger und Sängerinnen, und die Wonnen der Menschenkinder: Frau und Frauen.

Darüber hinaus sammelte ich Silber und Gold im Überfluss und andere Besitztümer, die von anderen Königen und aus anderen Gebieten stammten. Auch Sänger und Sängerinnen besorgte ich mir und all das, was die Menschen sonst noch vergnüglich finden, kurzum: alle möglichen Vergnügungen {ein besonderes Vergnügen: die Frau – und ich hatte nicht wenige Frauen; Anm. d. Red.}.

2,9 Und ich wurde groß und größer, mehr als alle, die vor mir in Jerusalem waren. Auch meine Weisheit blieb mir.

So wurde ich ein wahrer Großgrundbesitzer, ein Milliardär, so dass meine Besitztümer die meiner königlichen Vorgänger in Jerusalem weit übertrafen. Wenn also jemand ein Urteil über den Wert von Besitz und Genuss geben kann, dann bin ich das wohl – vor allem weil ich ja dafür sorgte, dass ich nicht benommen wurde. Innerlich behielt ich genug Abstand von allem, um meine Untersuchung zu einem guten Ende bringen zu können.

2,10 Und was irgend meine Augen begehrten, entzog ich ihnen nicht; ich versagte meinem Herzen keine Freude, denn mein Herz hatte Freude von all meiner Mühe, und das war mein Teil von all meiner Mühe.

Gleichzeitig führte ich meine Untersuchung so gründlich aus, dass ich meinen Augen alles gab, was sie sehen wollten. Meinem Herzen verweigerte ich nicht ein einziges Vergnügen. Ich habe mich sehr viel dafür abmühen müssen, aber es hat dann auch sehr viel gebracht. Ich habe wirklich sehr viel Vergnügen durch meinen Reichtum erlebt; was das betrifft, so habe ich meinen Teil gehabt.

2,11 Und ich wandte mich hin zu allen meinen Werken, die meine Hände gemacht hatten, und zu der Mühe, womit ich mich wirkend abgemüht hatte: Und siehe, das alles war Eitelkeit und ein Haschen nach Wind; und es gibt keinen Gewinn unter der Sonne.

Aber wenn ich gefragt werde, was nun der bleibende Ertrag all dieser Mühe, um mir so viel Besitz zu verschaffen, und all dieses Reichtums und des Genusses war, dann muss ich sagen: Im Tiefsten steckt keine bleibende Bedeutung darin, kein Ewigkeitswert. Bei Licht betrachtet ist alles fruchtleer und nutzlos. Wenn ich nicht weiterschaue als auf dieses vorübergehende irdische Leben, dann muss ich sagen, dass Reichtum und Genuss nicht den geringsten Gewinn bringen. Genuss ist zwar ganz schön; aber wenn dies der einzige Nutzen des irdischen Lebens ist, dann brauche ich das nicht.

Vorheriger Teil Nächster Teil


Übersetzt aus Bode des Heils in Christus

Weitere Artikel des Autors Willem Johannes Ouweneel (62)


Hinweis der Redaktion:

Die SoundWords-Redaktion ist für die Veröffentlichung des obenstehenden Artikels verantwortlich. Sie ist dadurch nicht notwendigerweise mit allen geäußerten Gedanken des Autors einverstanden (ausgenommen natürlich Artikel der Redaktion) noch möchte sie auf alle Gedanken und Praktiken verweisen, die der Autor an anderer Stelle vertritt. „Prüfet aber alles, das Gute haltet fest“ (1Thes 5,21). – Siehe auch „In eigener Sache ...