Der Prediger (1)
Kapitel 1,1-18: Was ist der bleibende Wert aller Mühen auf Erden?

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 15.01.2007, aktualisiert: 17.12.2018


Prediger 1,1-18

1   Einleitung
(Prediger 1,1-18)

   
 

1.1   Einführung: Anfang, Autor
(Prediger 1,1)

1,1 Worte des Predigers, des Sohnes Davids, des Königs in Jerusalem.

Diese Schrift enthält die Worte des Weisheitslehrers, des Mannes, der in der Gemeinde des Volkes Gottes praktische Lebensweisheiten verkündigt. Dieser Prediger in der Volksgemeinschaft ist niemand geringerer als der König selbst, der weise Salomo, der Sohn Davids, König in Jerusalem.

   
 

1.2   Mein Thema
(Prediger 1,2-11)

 

Alle Mühe auf Erden ist ohne bleibenden Wert.

1,2 Nichtigkeit der Nichtigkeiten! – spricht der Prediger; Nichtigkeit der Nichtigkeiten, alles ist Nichtigkeit!

Ich möchte es gleich rundheraus sagen, was der Grundgedanke dieser ganzen Schrift ist: Nichts in den Beschränkungen dieses zeitlichen, irdischen Lebens hat Sinn, hat bleibenden Wert, bleibende Bedeutung. All unsere Mühe ist, wenn man es horizontal betrachtet, letztendlich vergeblich und nutzlos. Sie ist ein Hauch und vergänglich, schwächer als ein Atemzug. Wir wollen diesen Grundgedanken nun sogleich weiter untersuchen.

1,3 Welchen Gewinn hat der Mensch bei all seiner Mühe, womit er sich abmüht unter der Sonne?

Welch bleibenden Nutzen hat der Mensch letztendlich von all seiner Schinderei, mit der er sich in diesem irdischen, zeitlichen Leben abmüht? Das Leben ist doch so vergänglich?

1,4 Eine Generation geht, und eine Generation kommt; aber die Erde besteht in Ewigkeit.

Das eine Geschlecht kommt und das andere geht, jedes müht sich ab und plagt sich. Das einzige, was immer bleibt, ist die Erde, die alle Geschlechter trägt. Mit dem Wechsel der Geschlechter ist so genauso wie mit vielen anderen Dingen in der Natur. Ich will einige Beispiele nennen:

1,5 Und die Sonne geht auf, und die Sonne geht unter; und sie eilt ihrem Ort zu, wo sie aufgeht.

Die Sonne geht auf und die Sonne geht unter, und dann eilt sie zu dem Platz, wo sie von neuem aufgeht. So geht das immer weiter, vom Morgen bis zum Abend plagt sie sich, aber es ist immer dasselbe, so langweilig, so vergeblich; es ergibt sich niemals Neues.

1,6 Der Wind geht nach Süden und wendet sich nach Norden; sich wendend und wendend geht er, und zu seinen Wendungen kehrt der Wind zurück.

Auch der Wind bewegt sich in einem endlosen, langweiligen Kreislauf. Einmal weht er zum Süden, ein andermal zum Norden, immer dreht er sich plagend weiter, und schlussendlich kommt er wieder am selben Punkt an. Aber etwas Neues, etwas Greifbares, etwas Bleibendes ergibt all dies Plagen niemals.

1,7 Alle Flüsse laufen in das Meer, und das Meer wird nicht voll; an den Ort, wohin die Flüsse laufen, dorthin laufen sie immer wieder.

Mit den Bächen aber ist es genauso. Sie fließen alle zur See, aber die See wird davon niemals voll. Also plagen sich auch die Bäche allesamt umsonst. Und doch gehen sie immerzu, ununterbrochen, in endloser, langweiliger Wiederholung immer wieder zur See.

1,8 Alle Dinge mühen sich ab: Niemand vermag es auszusprechen: das Auge wird des Sehens nicht satt und das Ohr nicht voll vom Hören.

Die Augen halten danach Ausschau, finden aber keine Befriedigung. Die Ohren horchen darauf, werden aber nicht gesättigt. Augen und Ohren trinken all die endlosen Wechsel, aber etwas wirklich Neues, etwas Bleibendes, werden sie nicht gewahr. So ist es übrigens auch in der Menschenwelt.

1,9 Das, was gewesen ist, ist das, was sein wird; und das, was geschehen ist, ist das, was geschehen wird. Und es gibt gar nichts Neues unter der Sonne.

Was geschehen ist, geschieht in den Geschöpfen immer wieder aufs Neue, wird in der Tat auch wieder getan. So unterschiedlich die Zeiten in gewisser Weise auch sein mögen, im Grunde sind sie allesamt gleich. Echter Fortschritt, etwas, was die Welt bleibend und tief greifend verbessert, gibt es nicht. Etwas wirklich Neues ist auf dieser Erde, in diesem irdischen Leben nicht zu finden.

1,10 Gibt es ein Ding, von dem man sagt: Siehe, das ist neu! Längst ist es gewesen in den Zeitaltern, die vor uns gewesen sind.

Natürlich sind allerlei Dinge zu nennen, von denen die Menschen sagen: Aber das ist doch wohl etwas Neues? Sicher. Aber ist das wirklich so?

1,11 Da gibt es keine Erinnerung an die Früheren; und für die Nachfolgenden, die sein werden, für sie wird es auch keine Erinnerung bei denen geben, die später sein werden.

Blicken wir in die Geschichte, dann sehen wir in den meisten Fällen – ob es sich nun um technische Erfindungen, gesellschaftliche Grundsätze oder philosophische Lehren handelt –, dass es das schon vorher gab. Wie kommt es dann, dass Menschen so oft denken, dass sie etwas Neues gefunden haben? Weil sie die Geschichte so schlecht kennen. Sie haben einfach vergessen, dass all die sogenannten neuen Dinge und Grundsätze früher auch schon da gewesen sind. Und so wird es in jedem einzelnen Jahrhundert sein: Dann werden die Menschen längst wieder vergessen haben, was wir heute so neu und so wichtig finden. Und wir mit unseren sogenannten Leistungen, wir werden dann auch vergessen sein …

   
 

1.3   Meine Untersuchung
(Prediger 1,12-18)

 

Was ist der bleibende Wert aller Mühe auf Erden?

1,12 Ich, der Prediger, war König über Israel in Jerusalem.

Ich, der Weisheitslehrer meines Volkes, bin ein alter Mann, ich bin fast am Ende meiner Königsherrschaft über Israel in Jerusalem.

1,13 Und ich richtete mein Herz darauf, alles mit Weisheit zu erforschen und zu erkunden, was unter dem Himmel geschieht: Eine üble Beschäftigung, die Gott den Menschenkindern gegeben hat, sich damit abzuplagen.

In meinem Leben habe ich einmal den Plan gefasst, in meinem Herzen eine gründliche Untersuchung anzustellen bezüglich der praktischen Lebensweisheit, des bleibenden Wertes, der in dieser ganzen irdischen Schufterei liegt. Ich sage es im Voraus, dass das eine schwere, mühselige Aufgabe ist, die Gott mir da gegeben hat (und übrigens allen Menschen, denn eigentlich soll jeder über diese Dingen nachdenken).

1,14 Ich habe alle Taten gesehen, die unter der Sonne geschehen; und siehe, alles ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.

Ist es denn keine quälende Aufgabe, etwas zu untersuchen, dass letztendlich so wenig Fruchtbares bringt? Oder die Mühe des Menschen auf der Erde zu untersuchen, die eigentlich nichts von bleibendem Wert ergibt?

1,15 Das Krumme kann nicht gerade werden, und das Fehlende kann nicht gezählt werden.

Das ist auch kein Wunder: Die Welt ist nun einmal schief und krumm. Und wenn ein Mensch sich noch so plagt, das Krumme bekommt er dennoch nicht gerade, und was dieser Welt und den Menschen alles fehlt, das lässt sich einfach nicht aufzählen. Man kann es versuchen, so viel man will, aber man erwarte bitte keine wirklich tief gehenden, bleibenden Ergebnisse. Nun gut, ich suchte also nach dem bleibenden Sinn aller Dinge.

1,16 Ich sprach in meinem Herzen und sagte: Siehe, ich habe Weisheit vergrößert und vermehrt über alle hinaus, die vor mir über Jerusalem waren, und mein Herz hat Fülle von Weisheit und Erkenntnis gesehen;

Ich sagte zu mir selbst: Ich habe für solch eine Untersuchung die nötige Weisheit und Einsicht empfangen, denn Gott hat mir außerordentlich mehr Weisheit gegeben als irgendeinem meiner Vorgänger in Jerusalem, die dort ebenfalls König gewesen sind (vor dem weisen Melchisedek muss ich wohl sagen). Ich habe so viel Weisheit von Gott empfangen, dass ich durch seine Gnade sagen darf, dass niemand fähiger ist als ich, eine solche Untersuchung durchzuführen.

1,17 und ich habe mein Herz darauf gerichtet, Weisheit zu erkennen und Unsinn und Torheit zu erkennen: Ich habe erkannt, dass auch das ein Haschen nach Wind ist.

Und so habe ich mit meiner Untersuchung der wahren Lebensweisheit und Kenntnis begonnen, das heißt, der Frage, welch bleibenden Gewinn die Plackerei des Menschen mit sich bringt. Natürlich habe ich auch die Dummheit und die Torheit untersucht, die ja die Gegenstücke der Weisheit sind. Aber wieder sage ich im Voraus, was das Ergebnis meiner Untersuchung war: Es bringt genauso wenig ein, als wenn man versucht, den Wind mit den Fäusten zu greifen.

1,18 Denn wo viel Weisheit ist, ist viel Verdruss; und wer Erkenntnis mehrt, mehrt Kummer.

Mehr noch: Je mehr man versucht, Weisheit über solche Lebensfragen zu erwerben, desto mehr Ärgernis und Leid tut man sich selber an. Ja, je tiefer man sich in sein Thema hineinstürzt, desto deutlicher und schmerzlicher entdeckt man, dass alle Mühe des Menschen in sich selbst keine einzige wirkliche Verbesserung, kein einziges bleibendes Ergebnis mit sich bringt. Ich will nun versuchen, das in mehreren einzelnen Untersuchungen näher zu erklären.

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Übersetzt aus Bode des Heils in Christus

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