Der Prediger (7)
Kapitel 4,13-16: Vom Aufstieg und Fall der Könige

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 23.04.2007, aktualisiert: 03.07.2019

 

2   Meine ersten Untersuchungen
(Prediger 2,1–8,8)

   


Prediger 4,13-16

2.6   Sechste Untersuchung
(Prediger 4,13-16)

 

Negativ:
Sich abzumühen nutzt nichts, denn das kann zur Beliebtheit beim Volk führen, die jedoch unbeständig und von kurzer Dauer ist

Positiv:
a) Der Vorzug eines weisen Königs für sein Volk
b) Der Vorzug der Weisheit an sich
c) Der (zeitliche) Vorzug der Beliebtheit beim Volk

4,13 Besser ein armer und weiser Jüngling als ein alter und törichter König, der nicht mehr weiß, sich warnen zu lassen.

Ich habe bisher nur über die Mühsal des gewöhnlichen Menschen gesprochen; nun wollen wir einmal sehen, ob die Anstrengungen eines weisen Königs irgendeinen bleibenden Sinn ergeben. Zu Beginn möchte ich anmerken, dass es besser ist, wenn ein Land von einem armen, aber weisen Jüngling regiert wird als von einem alten, törichten König, der von niemandem mehr einen Rat annehmen will. Der Erstere mag dann jung und arm sein, aber er ist wenigstens verständig. Der andere mag alt sein – und kann als solcher Achtung einheimsen –, aber er ist so eigenwillig und besserwisserisch, dass er das Land mit seiner Sturköpfigkeit zugrunde richtet.

4,14.15 14 Denn aus dem Haus der Gefangenen ging er hervor, um König zu sein, obwohl er arm in seinem Königreich geboren war. 15 Ich sah alle Lebenden, die unter der Sonne wandeln, mit dem Jüngling, dem zweiten, der an die Stelle jenes treten sollte:

Nehmen wir folgenden Fall an: Es war einmal ein Jüngling, der unter ärmlichen Umständen unter der Regierung eines solchen alten, törichten Königs geboren wurde. Darüber hinaus hatte er das Pech, dass er ins Gefängnis kam. Alles schien gegen ihn zu sein. Aber irgendwie kam ans Licht, dass er ein besonders verständiger Kerl war, der genau wusste, was das Land brauchte. Und sieh an: An einem Tag kam er aus dem Gefängnis, und es gelang ihm, den Platz des alten, eigenwilligen Königs einzunehmen (wie das nun genau geschah, tut hier nichts zur Sache).

4,16 Kein Ende all des Volkes, aller derer, denen er vorstand; dennoch werden sich die Späteren seiner nicht freuen. Denn auch das ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind.

Der neue, noch jugendliche König, der Nachfolger des alten Toren, wurde von seinen Untertanen mit heller Begeisterung gefeiert. Ein großartiger Umzug fand statt: der junge König an der Spitze und das ganze Volk in einem endlosen Zug hinter ihm her! Endlich schien es dem Land besser zu gehen. Der alte König war bald vergessen, und alle Hoffnungen richteten sich auf seinen jungen Nachfolger. Aber was geschah dann? Es dauerte nicht lange und die Begeisterung begann zu schwinden. Der junge König wurde älter, und eine neue Generation wuchs heran, die die Begeisterung des Anfangs nicht mitgemacht hatte und nicht mehr so für den König schwärmte. Willst du genau wissen, welches die Ursachen dafür waren? Ach, das tut nichts zur Sache. Es geht doch im Leben immer so zu. Einmal ist man unglaublich beliebt, und dann haben die Menschen einen wieder vergessen und rennen anderen Idolen hinterher. Ob das nun die eigene Schuld ist oder die Schuld der Menschen – das ist nicht so wichtig. Denn worum es geht, ist, dass die Beliebtheit der Öffentlichkeit genauso veränderlich ist wie das Wetter. Alle Leistungen des jungen Königs waren schnell vergessen. Daran sieht man nur, dass die Monarchen keinen bleibenden Gewinn aus ihren Anstrengungen ziehen können. Man kann seine Beliebtheit genauso wenig festhalten wie den Wind.

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Übersetzt aus Bode des Heils in Christus

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