Der Prediger (12)
Prediger 7,23–8,8: Meine Zwischenbilanz

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 28.12.2018, aktualisiert: 28.12.2018

 

2   Zwischenbilanz
(Prediger 7,23–8,8)

   


Prediger 7,23-29

3.1   Vorläufige Schlussfolgerung
(Prediger 7,23-29)

 

a) Der bleibende Wert aller menschlichen Mühe wurde nicht gefunden
(Prediger 7,23-25)

7,23 Das alles habe ich mit Weisheit geprüft. Ich sprach: Ich will weise werden; aber sie blieb fern von mir.

Alle diese Untersuchungen, die ich hier beschrieben habe, habe ich ausgeführt, um Weisheit zu erwerben, das heißt, um eine weise Antwort zu finden auf die Frage, was der bleibende Wert aller menschlichen Mühe ist. Ich hatte sehr danach verlangt, eine solche Antwort zu finden, doch es ist mir nicht gelungen, längst nicht.

Natürlich wirst du gemerkt haben, dass ich durch meine Untersuchungen eine ganze Menge praktischer Lebensweisheiten aufgetan habe. Doch das ist etwas ganz anderes als die tiefste Weisheit, die von allen Dingen den ewigen Sinn und Wert und Zusammenhang unterscheidet und versteht. Diese Weisheit habe ich nicht einmal mit all meiner von Gott gegebenen Weisheit finden können. Ich habe herausgefunden, wie das kommt: Eine solche Weisheit ist nur Gott selbst vorbehalten

7,24 Fern ist das, was ist, und tief, tief – wer kann es erreichen?

Dennoch: Wie unerreichbar hoch und unmessbar tief sind die Geschehnisse des Lebens für den beschränkten Verstand des kleinen, nichtigen Menschen.

7,25 Ich wandte mich, und mein Herz richtete sich darauf, Weisheit und ein richtiges Urteil zu erkennen und zu erkunden und zu suchen, und zu erkennen, dass die Gottlosigkeit Torheit ist und die Narrheit Tollheit.

Ich hatte zwar mein Sinnen darauf gesetzt und all mein Inneres darauf gerichtet, um alles verstehen zu können. Wahre Erkenntnis suchte ich, wahrhaftige Einsicht in alle Zusammenhänge, eine Antwort auf die tiefsten Warum-Fragen des Lebens. Ich habe sogar das Unrecht, die Unsinnigkeit, die Torheit und die Dummheit in meine Untersuchung einbezogen, um sozusagen durch die Umkehrung dessen die wahre Weisheit zu entdecken. Ich musste jedoch feststellen, dass die höchste Weisheit allein Gott vorbehalten ist.

   

 

b) Eine Sache wurde gefunden: die Verdorbenheit des Menschen
(Prediger 7,26-29)

7,26 Und ich fand, was bitterer ist als der Tod: Die Frau, die Netzen gleicht und deren Herz Fanggarne, deren Hände Fesseln sind. Wer Gott wohlgefällig ist, wird ihr entkommen; aber der Sünder wird durch sie gefangen werden.

Dennoch habe ich, wie gesagt, viele wichtige Dinge entdeckt, Dinge, die man die höchste erreichbare Weisheit für den Menschen nennen könnte. Die allerwichtigste Entdeckung, die der Mensch im Diesseits auftun kann, ist die Macht der Sünde und die Verdorbenheit des eigenen menschlichen Herzens! Ich habe übrigens gefunden, dass in dieser Sünde etliche Frauen eine große Rolle spielen. Die Frau ist für den Mann oftmals der wichtigste Anlass zur Sünde. Wie viel Frauen (oft an sich gar nicht so leichtfertige Frauen) gebrauchen ihre Attraktivität (oft unbewusst), um damit Eindruck auf Männer zu machen. Sie haben oftmals nicht vor Augen, dass sie damit für einen Mann ein Fallstrick sein können. Ich meine damit absolut nicht, dass Frauen an sich schlechter sind als Männer, denn es sind ja die Männer, die so töricht sind, in den Fangnetzen einer solchen Frau zu landen. Es scheint fast so zu sein, als wenn kein einziger Mann den Verlockungen so einer Frau entkommen kann; so töricht sind Männer an sich. Es ist pure Gnade Gottes, wenn Er so gut ist, einen Mann aus diesem Fallstrick zu befreien. Ohne die gnädige Bewahrung Gottes wird ein Mann eine Niederlage erleiden. So sind die Frauen also. Und so sind die Männer.

7,27.28 Siehe, dies habe ich gefunden, spricht der Prediger, indem ich eines zum anderen fügte, um ein richtiges Urteil zu finden: Was meine Seele immerfort gesucht und ich nicht gefunden habe, ist dies: Einen Mann aus Tausenden habe ich gefunden, aber eine Frau unter diesen allen habe ich nicht gefunden.

In meiner ganzen Untersuchung nach der höchsten Wahrheit – die immer noch außerhalb meines Bereichs liegt und es auf der Erde auch immer bleiben wird – hat die Tatsache der Verdorbenheit sowohl von Männern als auch von Frauen sich bei mir stark hervorgetan. Wo findet man in der verdorbenen Menschheit noch einen echten Gerechten, einen echten Weisen? Man muss sie mit der Lupe suchen.

Nach meiner Erfahrung gibt es auf Tausend höchstens einen einzigen Mann, der wirklich „Mensch“ ist, so wie es der Schöpfer gemeint hat, ein Mensch, in dem sich also das wahre Bild Gottes zeigt. Und in dieser Anzahl fand ich keine Frau, die diese Bezeichnung verdient; solche Frauen sind offensichtlich noch seltener als Männer.

7,29 Allein, siehe, dies habe ich gefunden, dass Gott den Menschen aufrichtig geschaffen hat; sie aber haben viele Ränke gesucht.

An Gott liegt das übrigens nicht; Er hat den Menschen nach seinem Bild und Gleichnis gut geschaffen. Doch dieser Mensch ist in Sünde gefallen (damals verleitete die Frau den Mann bereits!), und seit diesem ersten sündigen Moment im Garten Eden hat sich der Mensch noch weitaus mehr sündige Dinge ausgedacht.

8,1 Wer ist wie der Weise, und wer versteht die Deutung der Dinge? Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht, und der Trotz seines Angesichts wird verwandelt.

Wer versteht das alles? Wer ist wirklich weise? Wer durchschaut die Sündigkeit der Menschenwelt? Den tiefsten Sinn all dieser Dinge können wir nicht kennen; doch wer weiß dann zumindest, was sich doch erkennen lässt? Wer ist so ein wahrer Weiser, ein wahrer Frommer und ein wahrer Gerechter? Höchstens einer auf Tausend. Es gibt sie also doch! Und wenn du ihnen begegnest, erkennst du sie sofort, denn die wahre Gottesfurcht streicht ihre rauen Gesichtszüge glatt, ja, strahlt einfach aus dem Gesicht heraus.

   


Prediger 8,2-8

3.2 Die Unvermeidbarkeit des kommenden Gerichts
(Prediger 8,2-8)

8,2 Ich sage: Habe acht auf den Befehl des Königs, und zwar wegen des Eides Gottes.

Ich sagte bereits: Wahre Weise muss man mit der Lupe suchen. Die Torheit kann man auf allen Gebieten mit Schaufeln aufheben. Wie töricht handeln die Menschen zum Beispiel allein gegenüber den Obrigkeiten. Gehorche dem Befehl des Königs; hattest du das nicht mit einem Treueschwur deinem Gott versprochen?

8,3.4 Übereile dich nicht, von ihm wegzugehen, lass dich nicht ein in eine böse Sache, denn er tut alles, was ihm gefällt; weil des Königs Wort eine Macht ist, und wer will zu ihm sagen: Was tust du?

Wenn du ihm gehorchst, brauchst du niemals Furcht vor ihm zu haben. Lass dich nicht auf verkehrte Sachen ein, denn dann könntest du dir doch einmal den Zorn der Obrigkeit auf den Hals laden. Das Wort eines Königs ist nun einmal mächtig; dagegen kannst du nichts tun. Du kannst einen König nicht zur Verantwortung rufen und zu ihm sagen: „Hey, was machst du da?“

8,5 Wer das Gebot hält, wird nichts Böses erfahren, und das Herz eines Weisen kennt Zeit und richterliche Entscheidung.

Er ist mächtiger als du; füge dich also seinen Befehlen. Wenn du die Gesetze der Obrigkeit bewahrst, wirst du von ihrer Seite keine Unannehmlichkeiten erleben. Darüber hinaus verhältst du dich gleichzeitig auch Gott gegenüber korrekt. Damit komme ich wieder auf mein Thema zurück. Ob die Obrigkeiten nun gut oder schlecht regieren, hinter diesem allen steht die Regierung Gottes.

8,6 Denn für jede Sache gibt es eine Zeit und eine richterliche Entscheidung; denn das Unglück des Menschen lastet schwer auf ihm;

Der Weise weiß, dass es für alles – für die schlechten Taten der Obrigkeit, aber auch für den eigenen Ungehorsam gegenüber der Obrigkeit sowie für alle anderen bösen Taten – in Gottes Fügung einen Zeitpunkt des Gerichts gibt. Der Mensch braucht also nicht selbst zu versuchen, durch Rebellion oder sogar Revolution, die schlechte Obrigkeit zu kippen oder überhaupt die Welt zu verbessern. Es ist Gott, der zu seiner Zeit alle Taten der Menschen richten wird. Das ist wohl auch nötig, denn die Verdorbenheit des Menschen, über die ich soeben sprach, hat in der Welt mächtig überhandgenommen und alle Menschen in ihren Griff bekommen. Ja, das Gericht wird einmal unwiderruflich über diese böse Welt kommen müssen.

8,7 denn er weiß nicht, was werden wird; denn wer sollte ihm kundtun, wie es werden wird?

Allerdings weiß niemand, wann es kommt, denn wir können nun einmal nicht in die Zukunft blicken. Doch kommen wird es; selbst der Gottlose wird es nicht aufhalten können.

8,8 Kein Mensch hat Macht über den Wind, den Wind zurückzuhalten; und niemand hat Macht über den Tag des Todes; und keine Entlassung gibt es im Krieg; und die Gottlosigkeit wird den nicht retten, der sie verübt.

Der Mensch hat nicht einmal die Kraft, den Wind anzuhalten; er hat keine Macht, seinen eigenen Tod aufzuhalten; er hat auch nicht die Möglichkeit, mitten im Krieg Urlaub zu nehmen von der Armee. Die Natur, der Tod und der Krieg sind Dinge, die die vollständige Ohnmacht des Menschen illustrieren. Nun, ebenso ohnmächtig ist der Ungerechte, um dem kommenden Gericht Gottes zu entgehen.

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Übersetzung: Stephan Winterhoff

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