Der Prediger (6)
Prediger 4,7-12: Über Einsamkeit und Freundschaft

Willem Johannes Ouweneel

© SoundWords, online seit: 05.04.2007, aktualisiert: 05.10.2018

 

2   Meine ersten Untersuchungen
(Prediger 2,1–8,8)

   


Prediger 4,7-12

2.5   Fünfte Untersuchung
(Prediger 4,7-12)

 

Negativ:
Es hilft nichts, sich abzumühen, da man dabei so oft einsam ist

Positiv:
Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung und Fürsorge von zwei (oder selbst drei) Menschen

4,7 Und ich wandte mich und sah Eitelkeit unter der Sonne:

Nun will ich noch auf einen anderen Grund hinweisen, warum all die irdische Mühe des Menschen keinen bleibenden Wert hat:

4,8 Da ist ein Einzelner und kein zweiter bei ihm, auch hat er weder Sohn noch Bruder, und all seine Mühe hat kein Ende; dennoch werden seine Augen des Reichtums nicht satt: „Für wen mühe ich mich doch, und lasse meine Seele Mangel leiden am Guten?“ Auch das ist Eitelkeit und eine üble Beschäftigung.

Das kommt nämlich daher, weil so viele Menschen allein auf der Welt sind und sich so sehr abrackern, ohne dass sie jemanden haben, der daraus Nutzen ziehen kann. Man kennt sie ja, die Menschen, die niemanden haben: die Alleinstehenden oder die Menschen, die zwar verheiratet sind, aber keine Kinder haben, oder die Menschen, die keine Familie und überhaupt keine Freunde haben. Sie bauen ein großes Unternehmen auf und niemand ist da, um es einmal zu übernehmen. Sie häufen viele Reichtümer an, und niemand ist da, mit dem sie sie teilen oder dem sie sie hinterlassen können. Sie können im Überfluss essen, aber niemand ist da, der mitessen kann. Das ist es, was ich wirklich traurig finde! Darüber hinaus sind es oft Menschen, die sich niemals irgendein Vergnügen gönnen. Sie mühen sich allezeit, sie verdienen viel mehr Geld, als sie selbst jemals ausgeben können – und für wen tun sie das eigentlich? Für wen entsagen sie sich jeden Genuss? Was für ein sinnloses Tun! Das ist wirklich eine üble Sache, dieses Sichabmühen in Einsamkeit. Denn alle Mühe hat sowieso keinen bleibenden Wert, aber der, der sich in Einsamkeit abmüht, ist noch bedauernswerter als jemand, der sich abmüht, jedoch eine Familie hat.

4,9 Zwei sind besser dran als einer, weil sie eine gute Belohnung für ihre Mühe haben;

Nein, dann ist man zu zweit besser daran. Zusammenarbeit bringt viele Vorteile, die derjenige, der sich in Einsamkeit abmüht, entbehren muss.

4,10 denn wenn sie fallen, so richtet der eine seinen Genossen auf. Wehe aber dem Einzelnen, der fällt, ohne dass ein zweiter da ist, um ihn aufzurichten!

Wenn man zum Beispiel gemeinsam unterwegs ist und einer von beiden fällt – ob das nun buchstäblich oder im übertragenen Sinn ist –, dann kann der andere ihm helfen, wieder aufzustehen. Aber wenn man ganz alleine ist, gibt es niemanden, der einem – buchstäblich oder übertragen – wieder auf die Beine hilft.

4,11 Auch wenn zwei beieinander liegen, so werden sie warm; der Einzelne aber, wie will er warm werden?

Oder denken wir daran, wie es ist, wenn man unterwegs auf offenem Feld schläft. Wenn man zu zweit ist, dann kann man sich in einer kühlen Nacht wenigstens nebeneinanderlegen, um warm zu bleiben. Aber wenn man zum Schlafen alleine liegt, muss man ganz schön frieren.

4,12 Und wenn jemand ihn, den Einzelnen, gewalttätig angreift, so werden ihm die zwei widerstehen; und eine dreifache Schnur zerreißt nicht so bald.

Oder denken wir an die Gefahren auf solch einer Reise. Wenn man alleine ist, kann man leicht von einem Raubtier überwältigt werden. Aber wenn man zu zweit ist, dann hat man eine gute Chance, es mit solch einem Raubtier aufnehmen zu können. Und wenn man zu dritt ist, ist es noch viel besser. Denken wir an eine dreifache Schnur; die geht nicht so leicht entzwei. Nein, zusammen ist man besser daran als alleine. Bleibenden Wert hat all die Mühe auf Erden allerdings nicht. Aber so wie ich schon früher gesagt habe: Genieße wenigstens die kleinen Freuden des Lebens – so sage ich jetzt: Wenn schon jede Mühe in sich sinnlos ist, dann sorge wenigstens dafür, dass du nicht alleine bist. Suche dir Freunde, Gefährten, „Mitreisende“ auf der Lebensreise. Und lass den anderen nicht allein, sondern steh dem anderen bei; dann hat er wenigstens noch etwas von seinem Leben.

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Übersetzt aus Bode des Heils in Christus

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