Das Johannesevangelium (2)
Johannes 2

William Kelly

© SoundWords, online seit: 03.05.2001, aktualisiert: 05.12.2017

Leitverse: Johannes 2

Das zweite Kapitel beginnt mit einem verblüffenden Wunder: das in Wein verwandelte Wasser. Es wird nur hier berichtet. Jesus ist Gott, der Gott der Schöpfung. Er hatte Nathanael seine Allwissenheit gezeigt, jetzt zeigt Er anderen seine Allmacht. Es war „am dritten Tag“ – möglicherweise der dritte Tag, seit Er Nathanael zuerst gesehen hatte. Aber der Abschnitt ist so bedeutsam, dass man sich nicht geneigt fühlt, den Gedanken in Zweifel zu ziehen, dass der Geist hier bildlich das Muster eines noch zukünftigen Tages gemeint haben mag, wenn die Herrlichkeit offenbar werden wird – im Gegensatz zu dem Tag des Zeugnisses von Johannes dem Täufer und dem des Herrn und seiner Jünger. Denn so wie das Licht in dem verachteten Galiläa aufleuchtete, als Er in Niedrigkeit kam, so wird es über die Armen im Geist strahlen, wenn Er in Herrlichkeit erscheint, und das Gericht wird über die Stolze und Erhabene hereinbrechen, über Jerusalem mit ihren religiösen Anmaßungen, das so groß und so hohl ist, bis die Gnade es auch vor Ihm demütigt.

Verse 1.2

Joh 2,1.2: Und am dritten Tag war seine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war daselbst. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit eingeladen.

Es ist ein Bild für die Dinge auf Erden; es wird hier kein Bild vom Himmel geoffenbart. Deshalb finden wir, wie die Mutter Jesu hier herausragend in den Vordergrund gerückt wird als eine, die dort zu Hause ist.

Vers 3

Joh 2,3: Und als es an Wein gebrach. spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein.

Der erste Adam versagt immer, und er versagt am meisten, wo am meisten erwartet wird. Aber Jesus will allen Bedürfnissen entsprechen, wenn auch seine Zeit noch nicht gekommen ist. Der Glaube blickt jedoch niemals vergebens zu Ihm auf, und

Vers 4

Joh 2,4: Jesus spricht zu ihr! Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.

Es ist eine bemerkenswerte Antwort, und die katholischen Theologen finden es sehr schwierig, sie mit ihrer Lehre und Praxis in Einklang zu bringen. Er sagt nicht: Mutter. Es geht nicht mehr um den ersten Adam: Das war nicht Respektlosigkeit, aber jener Marienkult ist unbegründet und ist Sünde. Jesus war hier, um den Willen Gottes zu tun. Er wollte zeigen, dass der Segen durch den Sohn von dem Vater herabkommt. Das Fleisch und seine Verwandtschaftsbeziehungen haben in dieser Angelegenheit nichts zu sagen. Alles kommt auf die Gnade an.

Verse 5.6

Joh 2,5.6: Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch sagen mag, tut. Es waren aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste.

Das jüdische System war ein Zeugnis der Beschmutzung; und seine Verordnungen konnten nur zur Reinigung des Fleisches dienen. Das war menschlich. Jesus war hier zu göttlichen Zwecken – damals im Zeugnis, später in Macht.

Verse 7-10

Joh 2,7-10: Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, welches Wein geworden war, (und er wusste nicht, woher es war, die Diener aber, welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es) ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren. Du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt.

So wird es Jesus im reichsten Maße an dem zukünftigen Tag tun. Er wird die traurige Geschichte der Menschen umkehren. Der Wein wird nicht versiegen, wenn Er herrscht. Es wird Freude vor Gott und den Menschen in glücklicher Gemeinschaft geben. Jesus wird für alles zur Verherrlichung Gottes des Vaters sorgen. An jenem Tag wird Er auch der Bräutigam und Veranstalter des Festes sein; und die Freude jenes Tages wird nicht nur in der Herrlichkeit seiner Person beruhen, sondern in der Tiefe jenes Werkes der Erniedrigung, das schon am Kreuz vollbracht wurde. Es wird dann keine Geheimnisse geben. Nicht nur die Diener werden dann Bescheid wissen, sondern alle vom Geringsten bis zum Größten.

Vers 11

Joh 2,11: Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit und seine Jünger glaubten an ihn.

Der Glaube wächst überaus (2Thes 1,3). Es wird auffallen, dass unser Evangelium uns sehr wichtige Einzelheiten, die die anderen unbeachtet lassen, angibt, die stattfanden, bevor sein galiläischer Dienst begann, als Johannes ins Gefängnis geworfen wurde. So haben wir das Zeugnis des Johannes, wie es zu der persönlichen Herrlichkeit des Herrn passt und sein irdisches Werk für das Universum bis zur Ewigkeit betrifft, und sein himmlisches Werk in der Taufe mit dem Heiligen Geist. Wir haben Christi Zeugnis „am nächsten Tag“, nach dem Zeugnis des Johannes, gehabt; und hier haben wir „den dritten Tag“.

Die Stunde Jesu ist noch nicht gekommen. Die Hochzeit zu Kana war nur ein Schatten und nicht das Bild selbst. Auf die wahre Hochzeit hier unten und dort oben müssen wir noch warten. Die Mutter Jesu, die Mutter des wahren Menschensohnes, wird dort sein, wenn das Fest kommt. Was gewesen ist, ist nur ein Zeugnis, ein Anfang von Zeichen, um seine Herrlichkeit zu offenbaren. Der Tag des HERRN für Israel wird kommen.

Vers 12

Joh 2,12: Nach diesem ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger; und daselbst blieben sie nicht viele Tage.

Es mag beachtet werden, dass Joseph nirgendwo ab dem Ende von Lukas 2 auftaucht, als der Herr zwölf Jahre alt war. Ohne Zweifel war er inzwischen gestorben. Maria wird hier wiederum mit Ihm gesehen. Seine absolute Absonderung für den Willen und das Werk seines Vaters beeinträchtigt in keiner Weise die irdischen Verwandtschaftsbeziehungen, die Er auf sich genommen hatte in seiner Gnade. Und so wird es bei denen sein, die Er vertritt.

Aber die Hochzeit ist nur ein Teil der Offenbarung seiner Herrlichkeit in dem zukünftigen Reich; und in der folgenden Szene gibt Er ein Zeichen und Beispiel für das Gericht, das ausgeübt werden soll. Und das ist an dem ersten Passahfest, das nach dem Passahfest seiner Kindheit erwähnt wird. Unser Evangelist erwähnt sorgfältig dieses Fest während des Lebens unseres Herrn (Joh 6,4; 11,55). Ach!, wie wenig verstanden die Juden seine Bedeutung!

Verse 13-17

Joh 2,13-17: Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Ochsen- und Schaf- und Taubenverkäufer und die Wechsler dasitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, sowohl die Schafe als auch die Ochsen, und die Münzen der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um. Und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmet dies weg von hier. Machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus. Seine Jünger aber gedachten daran, dass geschrieben steht: Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.

Nicht nur unterscheidet sich diese Tempelreinigung von der, die die synoptischen Evangelien bei seinem letzten Besuch in Jerusalem berichten, sondern es ist lehrreich, zu beachten, dass, während sie nur die letzte Tempelreinigung berichten, Johannes nur die erste erwähnt. Es ist ein auffallendes Zeugnis durch eine bedeutsame Tatsache, wie wir schon lehrmäßig in seiner Einleitung gesehen haben, dass er dort anfängt, wo sie aufhören, nicht bloß buchstäblich, sondern auch der Tiefe nach von dem, was Jesus ist, was Er sagt und was Er tut. Der Zustand des Tempels, die Selbstsucht, die dort herrschte, die Gleichgültigkeit der wahren Gottesfurcht und seiner Ehre und Heiligkeit gegenüber, während es unendlich genau bei einer rituellen Schau ihrer eigenen Erfindung zuging, waren für den ruinierten Zustand eines Volkes charakteristisch, das zu dem höchsten irdischen Vorrecht durch Gottes Gnade berufen war.

Salomo hatte am Anfang mit einer Energie gewirkt, die zu seiner Zeit den unwürdigen Hohenpriester vertrieb; als das Reich geteilt worden war, hatten Hiskia und Josia, Söhne Davids, beide versucht, die Herrlichkeit des HERRN zu retten. Nehemia hatte unter dem Schutz der Heiden nicht gefehlt, als der zurückgekehrte Überrest so schnell bewies, dass die Gefangenschaft auf der einen Seite und Gottes Gnade auf der anderen Seite sie nicht hatten zur Buße führen können. Jetzt gibt der Sohn ein Zeichen, das ebenso ernst für den hochmütigen religiösen Bezirk Jerusalem ist, wie das Wunder des in Wein verwandelten Wassers voller leuchtender Hoffnung für das verachtete Galiläa gewesen war.

Er handelt als der Herr mit göttlichen Rechten und doch als der demütige Gesandte und Diener. Trotzdem unterdrückt Er nicht das Zeugnis, das zur Herrlichkeit seiner Person dient, in dem direkten Befehl, seines Vaters Haus nicht zu einem Kaufhaus zu machen. Er war der Sohn Gottes, Er war als solcher verkündigt, und Nathanael hatte Ihn schon als diesen anerkannt, der nicht nur auf moralischen Grundlagen im Gericht handelt, die jedem gottesfürchtigen Israeliten offenstehen könnten, sondern offen als der Eine, der sich mit den Interessen seines Vaters gleichmachte; und dies war sein Haus. So redete auch der Geist der Weissagung von dem verworfenen Messias, wie sich die Jünger später erinnerten.

Verse 18-22

Joh 2,18-22: Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen zeigst du uns, dass du diese Dinge tust? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Worte, welches Jesus gesprochen hatte.

Das Zeichen, das Er geben wollte, war seine eigene Auferstehungskraft, die nicht nur andere auferweckte, sondern auch seinen eigenen Leib, den wahren Tempel, in dem allein Gott war (denn das Wort war Gott). Das, dessen sie sich rühmten, hatte nur einen Namen ohne Gott. Es sollte bald formell „ihr“ Haus (Mt 23) genannt werden und der Zerstörung anheimfallen (Mt 24). Die Auferstehung bestätigt Ihn als den Sohn Gottes in Kraft; und als Er auferstanden war, dachten seine Jünger an das, was Er gesagt hatte, wie sie auch noch mehr die stärkste Bestätigung ihres Glaubens in der Schrift und in seinem Wort fanden. Seine Auferstehung ist die fundamentale Wahrheit des Evangeliums und unseres besonderen Platzes als Christen. Kein Wunder, dass die Juden elfersüchtig darauf waren und dass Heiden darüber spotten oder ihm aus dem Wege gehen. Mögen wir immer daran denken und mögen wir Seiner gedenken, der so der Schrift ihre ganze Gnade und Kraft verleiht.

Wir kommen jetzt zu einem neuen Abschnitt des Evangeliums, der durch die einleitenden Verse über den Menschen und seinen Zustand, die Kapitel 2 abschließen, eingeführt wird. Das Kommen und die Frage von Nikodemus geben unserem Herrn Gelegenheit für sein Zeugnis über die Notwendigkeit der Wiedergeburt für das Reich Gottes, über das Kreuz, das ewige Leben, die Liebe Gottes und die Verdammung der Welt, was abschließt mit dem Zeugnis des Täufers hinsichtlich der Herrlichkeit seiner Person.

Verse 23-25

Joh 2,23-25: Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Feste, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht bedurfte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.

Es war in der Stadt der Zeremonien; es war ein Fest des HERRN, ja das grundlegendste Fest der heiligen Feste; und der Messias war da, das Ziel des Glaubens, der in Macht wirkte und seine Herrlichkeit in geeigneten Zeichen offenbarte. Und dementsprechend glaubten viele an seinen Namen. Der Mensch tat und fühlte sein Bestes unter den günstigsten Umständen. Aber Jesus vertraute sich ihnen nicht an. Gewiss geschah dies nicht aus einem Mangel an Liebe oder Mitleid heraus von seiner Seite her; denn wer auch immer liebte wie Er oder konnte lieben wie Er? Und der Grund, der ruhig angegeben wird, ist wirklich überwältigend: „weil er alle kannte und nicht bedurfte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Manschen war“. Was für ein Urteil – von wem – und auf welcher Grundlage! Wir tun gut daran, es ernsthaft zu durchdenken: Wer ist darin nicht eingeschlossen? Der eingesetzte Richter der Lebendigen und Toten spricht so. Ist es nicht ganz aus mit dem Menschen?

Eine große Tatsache, eine Wahrheit spricht dafür; das vollkommene Böse, der unheilbare Schade des Menschen als solcher. Die Wege des Herrn stimmen ganz mit den Worten des Geistes durch den Apostel Paulus überein: „Die Gesinnung des Fleisches [und das ist alles, was im Menschen ist] ist Feindschaft gegen Gott, denn sie ist dem Gesetz Gottes nicht untertan, denn sie vermag es auch nicht.“ Deshalb können diejenigen, die im Fleisch leben, Gott nicht gefallen. Sein Handeln und Leiden ist selbstsüchtig und von Gott aus gesehen nutzlos. Sein Glaube ist hierbei nicht besser; denn die Seele ist nicht Gottes Zeugnis untertan, sondern der Geist urteilt offensichtlich in Zufriedenheit mit sich selbst. Es ist ein Gedankenschluss, dass Jesus der Messias sein muss; aber es ist nicht Unterwerfung dem göttlichen Zeugnis gegenüber oder die Annahme dessen. Denn in diesem Fall sitzt der Geist auf dem Richterthron und verkündigt das Urteil für oder gegen, entsprechend wie er die Gründe dafür oder dagegen einschätzt, anstatt dass die Seele das Siegel setzt (angesichts aller Dinge, die sein mögen, ja der größten wirklichen Schwierigkeiten), dass Gott treu und wahrhaftig ist. Denn welch ein Grund besteht, die Liebe des Heiligen für den Schlechten und Rebellischen zu erwarten? Der entsprechend dem Zeugnis Gottes aufgenommene Christus, der in Gnade für die Verlorenen da ist, der für die Gottlosen und Ohnmächtigen stirbt. Er ist es, der alles erklärt und alles offenbart; Zeichen und Wunder nicht im Geringsten. Sie fesseln das Auge; sie drängen den Geist in bestimmte Bahnen; sie mögen die Gefühle berühren und gewinnen. Aber nichts außer dem Wort Gottes richtet den Menschen oder offenbart, was Er in Christus für den so gerichteten Menschen ist; und dies ist, wie wir sehen werden, allein das Werk des Geistes, denn Er allein – nicht der Mensch – hat das wahre Ziel vor sich, den Sohn der Liebe Gottes, der in Gnade einer ruinierten und schuldigen Welt gegeben wurde.

Es ist wahr, dass unser Urteil von unseren Gefühlen abhängig ist. Was wir lieben, glauben wir leicht; was uns nicht berührt, lehnen wir natürlicherweise ab. Solange Jesus als ein Verbesserer der Humanität galt, schien man Ihn sehr bereitwillig und herzlich willkommen zu heißen. Der Mensch wollte Jesus beglaubigen, wenn er dachte, dass Jesus ihn beglaubigte. Aber wie kann er das aufnehmen, was nichts aus ihm macht, was ihn moralisch verdammt, was ihm die ernste Warnung vor ewigem Gericht und dem Feuersee vor Augen hält? Nein, er hasst das Zeugnis und die Person, die der Zentralpunkt dessen ist, und die Wahrheit, die damit und mit Ihm verbunden ist. Wenn er zerbrochen vor Gott liegt und willig geworden ist, die eigenen großen und nicht zu entschuldigenden Sünden und seine Sündhaftigkeit anzuerkennen, ist es etwas ganz anderes; und er wendet sich zu Ihm, der gefürchtet und verabscheut wurde, als der einzigen Hoffnung von Gott, und Jesus ist für ihn der Befreier von dem zukünftigen Zorn. Das ist wirklich Bekehrung, und die Gnade allein bewirkt das durch ihre lebendig machende Kraft.

So ist es, wenn die christliche Lehre für die Welt passend gemacht wird, indem ihr die Kraft genommen wird und sie so umgewandelt wird, dass sie aufbauen soll, was sie in Wahrheit verurteilt. Dann ist es in der Tat nicht mehr ein Same, der Wurzel fasst und wächst und Frucht bringt, sondern bloß ein Sauerteig, der sich ausbreitet und viel an sich zieht. So ist die Christenheit, als der menschliche Wille sich bei ihr aufdrängte und die Religion zur Tradition wurde.

Aber hier ist es das heilige und schreckliche Zeugnis Jesu für den Menschen in seinem besten Zustand, wo keine Feindschaft erschienen war, sondern alles voller menschlicher Verheißung aussah. Hier sehen wir wiederum Johannes dort beginnen, wo die anderen Evangelien aufhören. Es ist nicht der verworfene Messias, sondern Jesus, der Sohn Gottes, der von Anfang an das Ende kennt, der den Menschen ganz als Eitelkeit und Sünde behandelt; und dies, weil er keinen Gedanken für Gott hat, weil er selbst nicht wirklich traurig und beschämt über seine Opposition gegen Gott ist und weil er kein richtiges Empfinden für die Sünde und folglich auch kein ernsthaftes Vorsorgen kennt. Er schloss aus der Augenscheinlichkeit der Zeichen vor ihm, dass niemand anders als der Messias sie bewirkt haben könne; aber solch eine Schlussfolgerung beeinflusste nicht seinen moralischen Zustand, weder im Hinblick auf Gott noch im Hinblick auf den Mitmenschen. Er war gerade so, wie er es bei jedem anderen Gegenstand, über den sein beschäftigter Geist nachdachte, auch gewesen war; aber seine Natur blieb ungerichtet, Gott wurde nicht besser erkannt, und der Feind hatte genau dieselbe Kraft über ihn wie vorher.

Bis jetzt war es der Mensch und nicht Gott; denn es gibt kein Werk Gottes, bis das Wort als das aufgenommen wird, was es in Wirklichkeit ist: als sein Wort, das dem Menschen, der es bewusst sucht, seine Gnade offenbart. Hier war nichts dergleichen, sondern ein einfacher Vorgang im Denken und Fühlen des Menschen ohne eine Frage nach seinen Sünden oder seinem Zustand vor Gott, ohne das geringste Gefühl, einen Heiland nötig zu haben. Jesus wusste, was das wert war, und Er vertraute sich nicht dem Menschen an, selbst wenn dieser so an Ihn glaubte. Es war menschlicher Glaube, von dem wir nicht wenige Beispiele in diesem Evangelium und anderswo haben, während wir auch genauso klar den göttlich gewirkten Glauben finden, der ewiges Leben hat. Dieser Letztere hat mit Gott zu tun, während der Erstere, da er vom Menschen ist, sich nicht über seinen Ursprung erhebt. „Hütet euch vor den Menschen“, sagte Er später zu seinen Aposteln, und Er war selbst im Begriff, am Kreuz zu beweisen, wie wahr Er selbst von Anfang an wusste, was im Menschen war.

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