Das Johannesevangelium (16)
Johannes 16

William Kelly

© SoundWords, online seit: 29.10.2002, aktualisiert: 05.12.2017

Leitverse: Johannes 16

Der Herr fährt damit fort, zu erklären, warum Er jetzt und nicht vorher von den Dingen gesprochen hatte, die da sein Herz bewegten und die jetzt den Jüngern erklärt wurden.

Verse 1-6

Joh 16,1-6: Dieses habe ich zu euch geredet, auf dass ihr euch nicht ärgert. Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt aber die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst darzubringen. Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben. Dieses aber habe ich zu euch geredet, auf dass, wenn die Stunde gekommen ist, ihr daran gedenket, dass ich es euch gesagt habe. Dieses aber habe ich euch von Anfang nicht gesagt, weil ich bei euch war. Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Sondern weil ich dieses zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt.

Viele von den Juden sollten sich ärgern, die mit allem anderen rechneten, dass Traurigkeit, Schmach und bodenloser Hass das Teil derer sei, die dem Messias folgen. Aber der Herr zieht in Gnade die Seinen in Betracht; und während Er Versuchung gebraucht, um die Starken zu segnen, wollte Er die Schwachen schützen und stärken, indem Er sie sowohl vor der nie vergehenden Boshaftigkeit der Welt warnte als ihnen auch von dem Heiligen Geist, der kommen sollte, verkündigte, der sein Zeugnis dem ihrigen hinzufügen sollte angesichts der Verfolgung der Knechte, die in der gleichen Weise geschah wie bei ihrem Meister. Wie kostbar ist das, was Er so ausgesprochen hat!

Zwei Mittel sollten in Anwendung kommen, um die Christen und ihr Zeugnis loszuwerden: einmal gemeinsam, wenn Menschen den größten Eifer für göttliche Autorität und Heiligkeit an den Tag legen; und zum anderen Mal offen an einzelnen Personen sogar bis zum äußersten Punkt des Todes, wie man Übeltäter, die es nicht wert sind zu leben, auslöscht. „Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen; es kommt aber die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst darzubringen.“ Es ist unmöglich, sich eine noch tödlichere und doch von allen sanktionierte Boshaftigkeit vorzustellen als die, dass irgendjemand, der Spaß daran hat, es auf sich nehmen kann (wenn auch nicht ohne das Siegel des Gesetzes und der Autorität), einen Nachfolger Christi zu töten, nicht nur ohne Strafe, sondern auch mit dem Anspruch darauf, einen Gottesdienst zu tun. Saulus von Tarsus liefert hierfür ein bekanntes Beispiel, bis die souveräne Gnade ihn auserwählte, um den Namen des Herrn vor alle zu tragen und um Großes um seinetwillen zu erleiden.

Ohne Zweifel ist der Mensch im Allgemeinen so veranlagt, dass er für seine Religion kämpft, wie auch immer sie sei. Aber ein besonderer Grund gibt der Feindschaft der Welt, und insbesondere der Juden, gegenüber den Christen ihre Intensität. Jedes Maß an Wahrheit, das man besitzt, ist für das Fleisch das machtvollste Motiv, das zu verachten und abzulehnen, was nach vollerem Licht verlangt; und das Christentum kann nur bekennen, dass die Wahrheit in ihrer ganzen Fülle in Christus durch den Heiligen Geist, der vom Himmel herabgesandt ist, liegt. Wer den Sohn bekennt, hat auch den Vater; ebenso wie der ein Antichrist ist, der beide leugnet (1Joh 2,23). Und hierhin tendiert der stolze Aberglaube des Judentums immer, wenn er mit dem Zeugnis Christi konfrontiert wird. Sie stellen ihre teilweise und vorbereitende Erkenntnis jener vollständigen Offenbarung gegenüber, die es nicht geben konnte, bis Er kam, der den Vater zeigte und der die ewige Erlösung vollbrachte. Wie segensvoll ist es für die Kinder der Familie Gottes, dass, wenn das, was sie von Anfang gehört haben, in ihnen bleibt, sie auch in dem Sohn und in dem Vater bleiben werden!

Und so wie es mit dem Juden war, so ist es mit jedem kirchlichen System, das, um die größte mögliche Zahl von Mitgliedern zu haben, sich mit dem kleinsten und anspruchslosesten Bekenntnis zufriedengibt und deshalb dem Fallstrick des Teufels ausgesetzt ist, indem es sich allem entgegenstellt, was über das christliche Alphabet hinausgeht. So gründeten sich sogar die reformierten Kreise auf dem, was ihre Gründer lernten, als sie aus dem Papsttum austraten, und sie widersetzen sich, in der Meinung, es handele sich um eine Neuerung, allem jenen Wirken des Geistes, das zur Fülle Christi im geschriebenen Wort aufruft, das lange vor der Reformation und vor dem Papsttum da war. Sie verfolgten auch, wenn sie irgendein Vertrauen auf ihre eigenen Bekenntnisse hatten. Erst kürzlich sind sie so von der Gleichgültigkeit oder der Tätigkeit der Skepsis durchsetzt worden, dass sie sich allzu wenig um irgendetwas kümmern, um irgendjemand zu verfolgen. Aber wo ein wirkliches Festhalten an solch einem Maß traditioneller Wahrheit besteht, dass es den Namen der Orthodoxie für sich anmaßt, gibt es immer Eifersucht gegenüber dem Wirken des Geistes, das auf Christus beruht, der mit neuer Kraft den Herzen der Menschen noch reicher kundgetan wird und folglich Ausübung des Glaubens fordert.

So leugnet der Jude den Vater und den Sohn und den Geist, indem er sich auf die Einheit der Gottheit beruft; so widersetzen sich die Menschen heute der Wahrheit von dem einen Leib und dem einen Geist, indem sie der fleischlichen Einheit von Rom ergeben sind oder sich der aktiven Rivalität protestantischer Kirchen rühmen. Aber je mehr sie sogar die Wahrheit selbst in einem gewissen Maß als eine äußere Form festhalten, umso weniger sind sie willig, das Wirken des Geistes durch das Wort Gottes als Ganzes einzuräumen. „Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.“ Doch beide zu kennen, bedeutet ewiges Leben, das jeder Christ dem Wesen nach durch das Evangelium hat. Wenn und wo Idole herrschten, bedurfte es der Kraft der Gnade, um zu Gott, dem Lebendigen und Wahrhaftigen, zu führen; wo Gott sich selbst in dem Sohn offenbarte, konnte das Fleisch sich der alten Wahrheit, die nicht mehr bestritten wurde oder irgendein Opfer kostete, bedienen und seine Zunge ins Höllenfeuer halten, um die volle Offenbarung zu verspotten, die gegenwärtigen Glauben und Treue prüft. Und es konnte versuchen, die auszulöschen, die es bezeugten. Dieser Grundsatz erfüllt sich in den kleinsten wie auch in den größten Dingen, und zwar jetzt wie je zuvor.

Aber so wie der Herr seine Jünger auf diese Weise darauf vorbereitete, dass ihnen Härteres von dem bekennenden Gottesvolk bevorstehe als von den ganz unwissenden Menschen, so lässt Er sie auch jetzt wissen, was sie leiden müssen, damit sie sogar in jener Stunde, indem sie sich an seine Worte erinnern, Trost empfangen. Da die Versuchung, die auf sie zukam, Ihm bekannt war und ihnen bekannt gemacht wurde, so konnten sie jetzt seiner Zusicherung der Liebe und des Segens, der Befreiung und der Herrlichkeit vertrauen. Außerdem erklärt Er, warum Er diese Dinge nicht vorher gesagt hatte. Er war bei ihnen, als ihr Schild und ihr Sachwalter; und welche Notwendigkeit bestand, ein Wort davon zu sagen? Aber da Er jetzt im Begriff war, sie zu verlassen, war es gut und würde ihnen helfen, alles zum Guten zu vollbringen.

„Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? Sondern weil ich dieses zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt.“ Diese Traurigkeit war mehr etwas Natürliches als aus dem Glauben heraus Gewirktes. Kein Wunder, dass es sie überraschte zu hören, dass ihr göttlicher Meister sie mit solch einer Aussicht, die ihnen bevorstand, verlassen wollte und mit so wenig Offenbarung der Wirkungen seines Kommens in die Welt oder sogar nach Israel. Und sie hatten all ihr Hab und Gut verlassen und waren Ihm gefolgt: Was konnte das bedeuten? Er hatte ihnen schon versichert, dass Er sie nicht als Waisen zurücklassen würde, sondern dass Er zu ihnen käme. Wenn der Glaube einfacher gewesen wäre, hätten sie nicht nur auf seine liebevolle Fürsorge für sie gerechnet, sondern hätten auch gefragt, wohin Er ging, und erfahren, dass das mit seiner Herrlichkeit und ihrem Segen zusammenhing. Unwissenheit über seine Absicht erfüllt das Herz mit Traurigkeit bei seinen Worten, denn sie sind Geist und Leben, wenn wir auch auf Gott warten müssen, um sie verstandesmäßig aufzunehmen. Aber der Herr fährt fort und legt in dem folgenden alles klar dar.

Dies führt zu der hauptsächlichen und entschiedenen Wahrheit, die der Herr mitteilt: die Gegenwart und das Wirken des Heiligen Geistes, wenn Er vom Himmel herabgesandt ist. Der Sohn würde Ihn senden.

Vers 7

Joh 16,7: Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.

Der Herr hatte ihnen vorher gesagt, dass, wenn sie Ihn geliebt hätten, sie sich gefreut hätten, weil Er sagte: Ich gehe zum Vater. Was bedeutete es nicht für den gedemütigten heiligen und leidenden Sohn des Menschen, die Szene seiner unvergleichlichen Qualen zu verlassen, um in die Gegenwart seines Vaters im Himmel zurückzukehren? Jetzt zeigt Er die Verbindung seines Weggehens mit ihrem neuen und tieferen Segen. Es könnte, besonders ihnen, seltsam erscheinen, zu sagen, dass der Verlust seiner leiblichen Gegenwart ihr Gewinn sein würde. Aber so sollte es sein. Die Wahrheit ist nicht das, was scheint, sondern die Offenbarung von dem, was wirklich ist; auch findet sie sich nicht bei dem ersten Menschen, sondern bei dem zweiten Menschen; und wir können sie nicht außer durch den Geist erkennen. Jetzt sollte sie ausgebreitet werden und mehr als je zuvor Freude bringen. Denn Christus ging zum Himmel auf dem Boden der vollbrachten Erlösung, um von dort den Heiligen Geist zu den Heiligen auf Erden herabzusenden. Es war für sie damals nützlich, dass Christus wegging. Er, der allein irgendwelches geistliches Gutes bewirkt, würde anders nicht kommen. Zuerst muss Gottes Wille geschehen (Heb 10,5-10).

Und jetzt, wo der Herr nach droben zurückging, nachdem Er die ewige Erlösung vollbracht hatte, sollte der Heilige Geist nicht nur wirken, wie Er nie zuvor in den Kindern der Menschen oder den Kindern Gottes gewirkt hatte, sondern Er sollte persönlich kommen und die ganze Aufgabe und das Wirken der Jünger auf sich nehmen. Denn das ist die Bedeutung von paravklhto", was unser „Sachwalter“ nur unvollkommen wiedergibt. Er war in Person gekommen, um in Jesus zu bleiben; Er hatte den Sohn des Menschen versiegelt; Er hatte Ihn mit Kraft gesalbt. Niemand sonst konnte Ihn so haben, bis Gottes Gericht über die Sünde seinen Lauf am Kreuz genommen hatte. Nicht dass Mitleid oder treue Güte oder irgendeine andere Form oder Art göttlicher Liebe in den vergangenen Zeiten gefehlt habe; aber diese Gegenwart des Geistes konnte es bis dahin nicht geben. Bei Jesu Taufe kam der Heilige Geist auf Ihn herab und blieb auf Ihm, und zwar auf Ihm als dem vollkommenen Menschen ohne Blutvergießen, da Er keine Sünde kannte. Aber andere waren Sünder, und sie, die glaubten, hatten eine sündige Natur, trotz ihres Glaubens. Das Fleisch blieb noch, und sie kämpften gegeneinander. Hier tritt die Wirksamkeit des Werkes Christi zu Tage. Gott wurde damals und dort sogar hinsichtlich der Sünde an seinem Kreuz verherrlicht. Sein Blut reinigt von aller Sünde. Gott machte Ihn zur Sünde für uns, auf dass wir die Gerechtigkeit Gottes in Ihm werden könnten. Denn das dem Gesetz Unmögliche, weil es durch das Fleisch kraftlos war, tat Gott, indem Er, seinen eigenen Sohn in Gleichgestalt des Fleisches der Sünde und für die Sünde sendend, die Sünde im Fleische verurteilte. Nicht nur waren die bösen Früchte weg, sondern auch die böse Wurzel, die sie trug, war gerichtet, und das Urteil war vollstreckt. Deshalb sollte der Geist kommen und in uns wohnen wie niemals zuvor, nicht als ob wir besser wären als die Heiligen vergangener Zeiten, sondern aufgrund des Sterbens Christi und dessen unendlichem Wert in Gottes Augen und als Erfüllung des göttlichen Ratschlusses.

Dies ist dann der entscheidende Charakter des Christentums. Es ist nicht das Reich, wo Christus in Jahwes Macht und Herrlichkeit regiert und wo der Geist auf alles Fleisch ausgegossen ist; sondern es ist so, dass Christus fortgeht, um im Himmel zu sein, und dass der Geist als Sachwalter herabgesandt wird, um bei den Heiligen auf Erden zu bleiben.

Verse 8-11

Joh 16,8-11: Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; von Gerechtigkeit aber, weil ich zu [meinem] Vater gehe, und ihr mich nicht mehr sehet; von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

Die Welt kann den Geist der Wahrheit nicht empfangen, weil sie Ihn nicht sieht und auch Ihn nicht erkennt. Er lässt sich weder durch die Sinne noch durch Intellekt erfassen. Was auch immer die Wirkungen oder Offenbarungen seiner Kraft sind, so bleibt Er doch in sich selbst unsichtbar und außerhalb des Bereiches der Welt. Aber die Heiligen erkennen Ihn und wissen, dass ihre Leiber sein Tempel sind; genauso wie sie durch Ihn alles andere wissen, was sie wirklich wissen. Gott hat uns durch seinen Geist offenbart, was über das menschliche Fassungsvermögen als solches hinausgeht; denn der Geist erforscht alles, ja sogar seine Tiefen; und ebenso wie der Geist des Menschen die Belange eines Menschen erkennt, so erkennt keiner außer dem Geist Gottes die Belange Gottes. Und Ihn haben wir als Christen empfangen, nicht den Geist der Welt, sondern den Geist Gottes, damit wir das erkennen könnten, was uns frei von Gott gegeben ist. Und nicht nur so: sondern diese Dinge werden uns durch Ihn in Worten mitgeteilt, und sie werden durch seine Kraft in dem Gläubigen aufgenommen, ebenso sicher, wie sie von Ihm offenbart sind; alles geschieht durch den Heiligen Geist Gottes.

Hier haben wir seine gegenwärtige Beziehung, nicht zu den Heiligen, sondern zu der Welt, die außerhalb steht. Und der Herr sagt uns, dass, wenn Er kommt, Er die Welt „überführen wird“. Es ist schwer, genau die Kraft dieses Ausdruckes zu verstehen. „Tadeln“, wie die A.V. sagt, ist eine zu enge Bedeutung, wenn sie auch nicht falsch ist. „Zurechtweisen“ ist hier außer Frage. „Überführen“ lässt sich kaum auf das Erste und überhaupt nicht auf das Zweite und auf das Dritte anwenden; und es schwört eine Wirkung herauf, die in keinem Falle richtig sein mag. Auch ist man nicht mit „überführen“ zufrieden, außer in dem Sinn von „Beweis seiner Gegenwart bringen“, eher als „Beweis seines Handelns geben“. Denn durch sein Kommen und Bleiben in den Heiligen außerhalb der Welt gibt Er einen demonstrativen Beweis der Sünde, der Gerechtigkeit und des Gerichtes.

Das Gesetz handelte mit Israel wie mit solchen, die unter dem Gesetz standen. Aber jetzt ist es der Geist, der die Sünde der Welt offenbart; und dieses nicht, weil sie jenen göttlichen Maßstab menschlicher Pflicht verletzen, sondern weil sie den Sohn Gottes verwerfen: „von Sünde, weil sie nicht an mich glauben“. Er war in Gnade gekommen; dies zu verwerfen, war verhängnisvoll. Es ist nicht bloß ein Versagen der Verpflichtung, sondern Verachtung der Liebe Gottes. Das ist der wahre und gegenwärtige Maßstab der Welt für Gott, der die Schuld des ganzen Systems bezeugt und prüft, das sich Ihm widersetzt durch seine ungläubige Unwissenheit und seine Ablehnung des Sohnes Gottes trotz des vollsten Zeugnisses. Das ist die überführte Sünde.

Weiterhin spricht Er von der Überführung der Gerechtigkeit. Wo geschieht das? Bei dem Volk oder bei dem ersten Menschen? Im Gegenteil, dort ist keiner gerecht, nein, nicht einer. Und was den Gerechten betrifft, Jesus, Er wurde, wie wir gesehen haben, verschmäht und von den Menschen verworfen, und zwar von niemand so verbissen wie von den Juden, aber in Wirklichkeit und bis zum Allerletzten von der Welt. Wo ist dann der Beweis des Geistes von der Gerechtigkeit? „Weil ich zu meinem Vater gehe, und ihr mich nicht mehr sehet.“ Gerechtigkeit ist nur auf Gottes Seite. Der Mensch verdammte und tötete den Gerechten; Gott erweckte Ihn von den Toten und setzte Ihn zu seiner eigenen Rechten. Der Sohn, „der zu dem Vater geht“, ist das feste Zeugnis von der Gerechtigkeit dort, und nicht hier. Für den Menschen ist der, der in Liebe in die Welt kam, rein aus ihr fortgegangen. Sie wollten Ihn nicht haben, und „ihr werdet mich nicht mehr sehen“. Er kehrt für die Welt als Richter zurück; aber dies ist etwas ganz anderes und etwas sehr Ernstes. Aber Er ist für die Menschen entsprechend seiner Gegenwart in Gnade von seiner ersten Ankunft her verloren; alles ist mit seiner Sendung in die Welt, so wie Er gekommen ist, abgeschlossen. Und der Geist bezeugt und zeigt nur göttliche Gerechtigkeit in Ihm droben, und Er zeigt, wie der Mensch verloren ist, indem er Ihn verwarf, so dass Er nicht mehr gesehen wird, wie vorher hier unten.

Aber wiederum bezeugt der Geist „das Gericht“? Und dies, „weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist“. Hier geht es wiederum nicht um das Reich in Kraft und Herrlichkeit, wenn Jahwe die Heerschar der Höhe in der Höhe heimsuchen wird und die Könige der Erde auf der Erde, und den Drachen, der in dem See ist, vernichten wird. Der Christ weiß, was zur Befreiung des irdischen Volkes und zur Freude aller Nationen dienen wird. Aber er sieht schon im Glauben, dass Satan in Christi Tod, Auferstehung und Himmelfahrt gerichtet ist. Der Heilige Geist hat alles in der Person Christi zusammengefasst; und dies ist die großartige Überführung für die Welt. Ihr Herrscher ist schon gerichtet, indem man Ihn verwirft, Der den Vater kundgetan hat, Der Gott verherrlicht hat und von Gott verherrlicht ist. Alles ist für die Welt in Ihm beschlossen, Der in Liebe kam und in Gerechtigkeit zurückgekehrt ist. Der Fürst der Welt ist an seinem Kreuz gerichtet.

Die Menschen neigen dazu, doppelt zu irren bei ihrer Einschätzung der Beziehung des Heiligen Geistes zu uns. Sie übersehen entweder die unendliche Wirkung seiner Gegenwart und Lehre oder sie weisen Ihm zu, was die bloße Frucht natürlichen Gewissens und verbreiteter Information sein mag. Unser Herr zeigt hier in seiner eigenen vollkommenen Weise, was der Geist tun würde als der vom Himmel Herabgesandte, nicht jetzt in der äußeren Offenbarung an die Welt, sondern in dem positiven Segen und der Hilfe für die Jünger.

Verse 12-15

Joh 16,12-15: Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen empfängt und euch verkündigen wird.

Es ist wiederholt gezeigt worden, und ganz besonders auch in diesem Kapitel, dass die Gegenwart des Geistes von Christi Fortgehen in den Himmel als Folge der vollbrachten Erlösung abhing. Dies veränderte die ganze Grundlage, außer der Tatsache, dass die Heiligen für die neue Wahrheit, das Werk, den Charakter und die Hoffnung des Christentums moralisch geeignet gemacht wurden. Die Jünger kannten die Verheißung wohl, dass der Geist gegeben werden sollte, um die Herrschaft des Messias einzuleiten. Sie kannten das Gericht, unter dem das auserwählte Volk stehen sollte, „bis der Geist aus der Höhe auf uns ausgegossen wird und die Wüste zum fruchtbaren Land wird, und das fruchtbare Land für einen Wald gilt“; so groß ist äußerlich und auch nicht weniger innerlich der Wandel, wenn Gott seine Kraft für das Reich seines Sohnes einsetzt. Sie wussten, dass Er seinen Geist auf alles Fleisch ausgießen wird; nicht nur die Söhne und die Töchter, die Alten und die Jungen in Israel sollten sich eines Segens freuen, der weit über alle zeitlichen Gunstbezeugungen hinausging, sondern auch die Knechte und die Mägde, kurz: Alles Fleisch und nicht nur die Juden sollten daran teilhaben.

Aber hier handelt es sich darum, wenn der große Hohepriester vor Jahwe in das Heiligtum tritt, und nicht nur, wenn Er herauskommt zur Befreiung und zur Freude des bußfertigen Israels in den letzten Tagen. Der Geist wurde gegeben, als der Herr Jesus in den Himmel auffuhr, und Er wurde von Ihm gegeben, als Er fort war. Darauf waren sie gänzlich unvorbereitet, da es in der Tat eines der wesentlichsten Merkmale des Zeugnisses Gottes zwischen der Verwerfung und der Wiederannahme der Juden ist; und der Geist sollte, wenn Er gegeben war, das offenbaren, was der damalige Zustand der Jünger nicht ertragen konnte. Denn der Geist erforscht alles, sogar die Tiefen Gottes (und Er ist ein Geist nicht der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und eines gesunden Denkens), außer den unschätzbaren Tatsachen des Werkes Christi in seinem Tod, seiner Auferstehung und Himmelfahrt, wofür Er Zeugnis ablegt. Sicherlich hatte der Herr viele Dinge, die noch gesagt werden sollten, für den Heiligen Geist verwahrt, wenn die Jünger ihr Gewissen gereinigt haben würden und mit Freimütigkeit in das Heiligtum eingehen konnten und wenn ein im Himmel verherrlichter Mensch die passende Gelegenheit bot für die Offenbarung alles dessen, was in Gott ist, und sogar für das in Gott vor allen Welten verborgene Geheimnis, von dem nicht Johannes oder irgendein anderer der Verkündiger sein sollte, sondern der Apostel Paulus.

Aber wer auch immer der Mund sei, wenn der Geist der Wahrheit da ist, wie der Herr hier mitteilt, „er wird euch in die ganze Wahrheit leiten“ oder „in“ diesem allem wie die Sinaitische, die Cambridger (D) und die Pariser (L) Handschriften zusammen mit anderen maßgeblichen Autoritäten es haben. Hierfür werden zwei Hauptgründe gegeben, außer seiner notwendigen Kompetenz als göttliche Person. Erstens handelt Er nicht unabhängig, sondern erfüllt den Auftrag, zu dem Er ausdrücklich gesandt ist. „Er wird nicht aus sich selbst reden, sondern was irgend er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen.“ Zweitens ist sein oberstes Ziel, den Herrn Jesus zu erhöhen, und deshalb wird Er sicherlich dies im Zeugnis an die Jünger erfüllen. „Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen.“

Der Leser muss sich vor dem weit verbreiteten Irrtum hüten, zu dem die A.V. bei Vers 13 verführt, als wenn der Sinn bedeuten würde, dass der Geist nicht selbst über sich selbst sprechen wird. Denn das ist weder wahr als eine Tatsache noch ist es natürlich hier beabsichtigt. Der Geist spricht sehr ausführlich über sich in diesem Evangelium, und besonders in dem Abschnitt, den wir gerade durchnehmen. So tut Er es in Römer8, in 1. Korinther 2 und 12; in 2. Korinther 3; im Epheserbrief und in vielen anderen Teilen der Schrift. Dies macht es umso seltsamer, dass sogar die Einfachsten nicht gelernt haben, dass die Bedeutung hier ist, dass Er nicht aus sich selbst reden wird, sondern, wie der nächste Satz erklärt, dass Er das reden wird, was Er hören wird. Ebenso wie der Sohn nicht kam, um unabhängig zu handeln, wie auch immer seine Herrlichkeit sein mochte, sondern um dem Vater zu dienen, so ist auch der Geist gekommen, um dem Sohn zu dienen, und Er wird reden, was immer Er hören wird.

Aber da ist noch mehr. Nicht nur kann Er von dem Sohn im Himmel reden als von dem, der Ihn selbst herabgesandt hat, und so das höchste Zeugnis für seine durchdringende Würde und die neue Stellung, die Christus dort innehat, ablegen, sondern Er hat auch nicht aufgehört, der Geist der Weissagung zu sein. Im Gegenteil, Er wollte so reichlich wirken angesichts des totalen Verderbens der Welt und des Segens, der auf die Rückkehr des Herrn wartet. „Und das Kommende wird er euch verkündigen.“ Das prophetische Wort findet sich reichlich im Neuen Testament, nicht nur in den Evangelien, sondern auch in den Briefen, am meisten aber in dem wunderbaren Buch der Offenbarung. Und die Wirkung war ungeheuer, denn sie sonderte die Heiligen von der Welt als unter dem Gericht stehend ab, wie lange dieses auch noch auf sich warten lassen mochte. Sie kannten vorher diese Dinge, und so bewahrten sie ihre eigene Standhaftigkeit. Nichtsdestoweniger ist die Weissagung, die mit der Erde beschäftigt ist, wenn sie sich auch auf das Reich Gottes dort richtet, nur ein kleiner und sogar untergeordneter Teil des Zeugnisses des Geistes, wie erstaunlich sie auch in den Augen des Menschen sein mag und wie kostbar sie auch in sich selbst ist.

Christi eigene Herrlichkeit jetzt droben ist das direkte Ziel; und zwar in jeder Weise. „Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen.“ Und hier ist auch alles im Gegensatz zu dem messianischen Licht oder der irdischen Herrschaft, so gerecht und groß diese auch sind. „Alles was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen empfängt und euch verkündigen wird.“ Er ist herabgesandt, um nicht die Kirche zu verherrlichen, sondern Christus, und zwar dadurch, dass Er das aufnimmt und weitergibt, was von Christus ist (und alles, was der Vater hat, ist sein), und nicht dadurch dass Er die Wichtigkeit des Menschen hervorhebt oder den Willen des Menschen einschaltet. So war es nicht nur das Universum, das Gott geschaffen hatte, sondern auch die neue Schöpfung in Verbindung mit dem Vater, und zwar dies ganz besonders.

Und da ist noch eine andere Mitteilung nötig für das „Kleine“ mit seinen Ereignissen von Trübsal und Freude:

Verse 16-22

Joh 16,16-22: Über ein Kleines, und ihr schauet mich nicht, und wiederum über ein Kleines, und ihr werdet mich sehen [weil ich zum Vater hingehe]. Es sprachen nun etliche von seinen Jüngern zueinander: Was ist dies, das er zu uns sagt: Über ein Kleines, und ihr schauet mich nicht, und wiederum über ein Kleines, und ihr werdet mich sehen, und: weil ich zum Vater hingehe? Da sprachen sie: Was ist das für ein Kleines, wovon er redet? Wir wissen nicht, was er sagt. [Da] erkannte Jesus, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Forschet ihr darüber untereinander, dass ich sagte: Über ein Kleines, und ihr schauet mich nicht, und wiederum über ein Kleines, und ihr werdet mich sehen? Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. Das Weib, wenn sie gebiert, hat Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, gedenkt sie nicht mehr der Drangsal, um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt geboren ist. Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.

Das „Kleine“ war in jedem Fall für jüdische Ohren ein seltsamer Ton; so war sein Fortgehen zu dem Vater. Es geht hier nicht um ihren verlorenen Messias, den leidenden Sohn des Menschen. Dies ist natürlich wahr und wichtig an seinem entsprechenden Platz, und es wird voll und ganz in den abschließenden Szenen der synoptischen Evangelien behandelt. Aber hier sehen und hören wir den bewussten Sohn Gottes, einen Menschen, aber eine göttliche Person, die vom Vater gekommen war und jetzt wieder zum Vater zurückging. Wir haben es besonders nötig, in diesem Geist zu stehen, um „das Kleine“ zu schätzen, und besonders das Christentum, im Gegensatz, zu dem, was war und was sein wird. Die Auferstehung brachte den Jüngern die Erkenntnis dieses „Kleinen“, wenn auch nicht alles ganz erfasst wird, bis Er wiederkommt. Der Jude hielt nichts für sicherer, als dass Christus, wenn Er käme, für ewig bleiben würde. Das „Kleine“ war deshalb ein neues Rätsel, das sein Tod und seine Himmelfahrt aufklärten und von dem der Geist nachher zeigte, dass es mit allem verbunden war, was für das gegenwärtige Werk Gottes zur Ehre Christi charakteristisch ist. Wir erahnen durch den Glauben im Voraus, was kommen wird und was bei seinem Erscheinen offenbar werden wird.

Nichts kann auffallender sein, als dass der Herr es hier vermeidet, seinen Tod als solchen einzuführen; und das ist umso überraschender, weil dieser in den Kapiteln Johannes 1; 2; 3; 6; 8; 10 und 12 so herausragt. Hier liegt er ohne Zweifel allem zugrunde, und die Freude wäre ohne seine unendliche Traurigkeit am Kreuz wirklich armselig gewesen. Aber hier wird über jene ernste Stunde so hinweggegangen: „Über ein Kleines, und ihr schauet mich nicht, und wiederum über ein Kleines, und ihr werdet mich sehen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zu Freude werden.“ Dies war sicherlich der Fall, als Er nach seiner kurzen Abwesenheit wieder auferstand, ebenso wie es sich voll bewahrheiten wird, wenn Er für sie wiederkommt, um sie niemals mehr zu verlassen. Und dies illustriert Er mit dem am meisten vertrauten aller Bilder des Schmerzes, der sich in Freude verwandelt (Joh 16,21.22). Die Abwesenheit des Herrn bedeutet für die Welt, dass sie Ihn loswird; aber sogar jetzt ist seine Auferstehung eine Freude, die niemand wegnehmen kann. Was wird es erst sein, wenn Er kommt, um uns zu sich zu holen?

Der Herr fährt fort, den Segen und das Vorrecht noch voller darzulegen, die sich aus seinem Fortgehen gen Himmel ergeben sollten und die ihnen so die Liebe des Vaters zu ihnen klarmachen sollten.

Verse 23.24

Joh 16,23.24: Und an jenem Tage werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben. Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen, Bittet, und ihr werdet empfangen, auf dass eure Freude völlig sei.

Es ist wohlbekannt, dass die griechischen Worte, die wir wohl beinahe verpflichtet sind, mit  ask (= „bitten“) zu übersetzen, nicht dieselben sind. Das erste Wort (ejrwtavw) drückt deutlich eher eine vertraute Bitte aus, während das zweite (aijevw) ein demütiges Bittgesuch darstellt. Deshalb gebraucht unser Herr, während Er oft in diesem Evangelium das erste Wort gebraucht, in dem Zusammenhang, dass Er den Vater zugunsten der Jünger bittet, niemals das letztere Wort. Wie weit Er sich auch in Gnade herabneigen mag, Er ist immer der bewusste Sohn Gottes im Fleisch, aber nichtsdestoweniger eine göttliche Person, während Martha ihre falsche Einschätzung seiner Herrlichkeit dadurch zeigt, dass sie annimmt, dass Er sich passend und erfolgreich in einer demütig bittenden Art an Gott wenden könne (Joh 11,22).

Aber es scheint zu stark, zu sagen, dass jeder berufene Richter einräumt, dass das „ihr werdet bitten“ der ersten Hälfte des Verses nichts zu tun hat mit dem „ihr werdet bitten“ des zweiten Teiles oder dass sich in dem ersten Teil Christus auf den Wunsch der Jünger in Vers 19 bezieht, wo sie Ihn fragen wollten. So nehmen es Euthymius Z. an sowohl als auch die Vulgata und eine Menge Moderner, von Beza bis Trench, einschließlich vieler deutscher und britischer Theologen. Aber wenn auch das Wort ejrwtav oft im Neuen Testament auftaucht und sogar in diesem Kapitel mit dem gewöhnlichen klassischen Sinn von „Frage“ (interrogo = „ich frage“), so ist es auch ebenso oft oder noch öfter gebraucht für „bitten“ oder „ersuchen“ etc. (rogo = „ich bitte“), wie in der Septuaginta und ebenso auch in unserem englischen ask, was nicht weniger to request bedeutet als auch to question oder to inquire. Das Suchen Gottes im alttestamentlichen Gebrauch nähert sich in der Tat mehr dem Bitten für irgendetwas als einer Frage. Es scheint dann, dass die Variation des englischen Wortes nicht die wahre Lösung ist, wenn sie auch oberflächlich gesehen einleuchtend genug ist, und dass die frühen griechischen Kommentatoren der Wahrheit näherkamen, außer Origen, der ähnlich den Späteren, die sich irrten, den Abschnitt umdrehte, um die Möglichkeit, unseren Herrn zu bitten, zu leugnen, indem er so eindeutig den frühen Jüngern (Apg 1,24), Stephanus (Apg 7,59) und dem Apostel Paulus (2Kor 12,8) widersprach. In Angelegenheiten, die seinen Dienst und seine Versammlung betreffen, ist es sogar noch angebrachter entsprechend der Schrift, zu Ihm zu beten als zu dem Vater, zu dem wir uns instinktiv wenden für alles, was die Familie Gottes im Allgemeinen betrifft.

Der Herr kennzeichnet wirklich den großen Wandel, der sich abgespielt hat von der Zuflucht zu Ihm als ihrem Messias auf Erden für jede Schwierigkeit, nicht nur für Fragen allein, sondern für alles, was sie tagtäglich bedurften, zu jenem Nahen zu dem Vater, in das Er sie einführen wollte als der angenommene Mensch und verherrlichte Erlöser in der Höhe. Bis die Erlösung erkannt ist und die Seele durch Gnade in den Zustand der Gerechtigkeit versetzt ist, fürchten sich sogar Gläubige vor Gott und verbergen sich sozusagen hinter Christus. Sie treten herzu im Geist, wie die Jünger es in Wirklichkeit taten, zu Ihm, der in Liebe vom Himmel herabkam, um sie zu segnen und mit Gott zu versöhnen. Aber sie erkennen nicht wirklich, was es heißt, freimütig zum Thron der Gnade zu kommen, um Barmherzigkeit zu erlangen und Gnade zu finden. Sie lebten nicht in dem bestimmten Bewusstsein von Kindern vor ihrem Vater und freuen sich nicht der Freiheit in Christus durch den Geist der Sohnschaft.

Dieses dann, so scheint es mir, was der Herr den Jüngern zu erkennen gibt, sollte seiner Auferstehung und seinem Fortgehen „an jenem Tage“ folgen: ein Tag, der schon gekommen ist, ein Tag der Gnade, nicht der Herrlichkeit, außer so weit wir hineindringen durch die Kraft dessen, der nach droben gegangen ist und den Geist von dort herabgesandt hat, dass Er in uns sei. Er hatte ihnen schon im vollen Maß gesagt, was der Geist der Wahrheit tun würde, der sie in die ganze Wahrheit leiten sollte (Joh 16,12-15); hier rückt Er das Nahen zu dem Vater für irgendetwas im Gebet an die Stelle der persönlichen Bitten an Ihn als ihren Meister, der immer bereit war, ihnen auf Erden zu helfen. Es geht da nicht um eine Erklärung, dass man von dem Geist gelehrt ist, nichts weiter zu bitten, sondern es handelt sich darum, dass man nicht mehr einen zur Hand hat, den sie für gewöhnlich bei jeder Schwierigkeit, die sich erhob, in Anspruch genommen hatten. Der fortgehende Sohn Gottes wollte in ihr Herz die Zuversicht zu dem Vater pflanzen.

Von daher kommt der feierliche Ernst, mit dem Er ihre neue Zufluchtsquelle bekannt macht. „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, wird er euch geben.“ Der Text ist in den Manuskripten und anderen Unterlagen verschieden; aber am besten ist es, das „in meinem Namen“ nach der Zusicherung zu setzen, dass der Vater geben wird, und nicht nachdem die Heiligen den Vater gebeten haben, wie in dem gewöhnlichen Text, der jedoch von den alten Fassungen am meisten gebraucht wird. Es kann kein Zweifel bestehen, wie wir jetzt sehen werden, dass die Heiligen ermutigt und berechtigt werden, durch die Kraft der Offenbarung Christi ihre Bitten dem Vater vorzutragen; aber wenn man die ältere Lesart in Vers 23 annimmt, so haben wir die Nebenwahrheit, dass Er durch die Kraft jenes Namens gibt, was immer sie Ihn bitten werden. Wie segensvoll und erfreulich ist das für die Heiligen! Was für ein Wohlgefallen für den Vater und was für eine Ehre für den Sohn! Die Verwerfung des Messias bringt nur für Ihn größere Herrlichkeit und für die Seinen größere Segnungen.

Und diesem folgt Vers 24: „Bis jetzt habt ihr nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, auf dass eure Freude völlig sei.“ Die Wichtigkeit hiervon kann man kaum übertreiben: Ich meine nicht, dass sich das nur bezieht auf den Gebrauch des gesegneten Gebetes, wie es lange vorher den Jüngern gegeben wurde, sondern auf die größere Frage ihrer neuen herannahenden Gemeinschaft und ihres Stehens auf dem Boden der Erlösung und durch die Gabe des Geistes. Im Grunde genommen jedoch ist es klar, dass es nicht bedeutet, den Vater in Christi Namen zu bitten, wenn man jenes Gebet gebraucht. Ohne Zweifel pflegten die Jünger es täglich zu beten; doch bis jetzt haben sie nichts in seinem Namen gebeten. Es ist alleine im vollsten und wahrsten Sinn christliches Gebet, wenn man den Vater im Namen des Sohnes bittet. Deshalb gelingt es denen, die darauf bestehen, auf das Gebet der Jünger zurückzugehen, nicht, den neuen Platz zu gewinnen, den der Herr hier allen gibt, die sein sind. Es mag ehrfürchtig gemeint sein, aber ist es der Glaube, der wirklich in Gottes Herz eingeht und den Meister ehrt? Ich glaube nicht. Als ein Gebet, das gebraucht werden sollte, wo die Jünger nicht wussten, wie sie beten sollten, war es Vollkommenheit; als ein Muster bleibt es immer voll von Tiefen der Belehrung. Aber der Herr, der jetzt am Ende seiner Laufbahn hier unten steht, lässt sie wissen, dass der Grundlage und dem Ziel nach ihre früheren Bitten nicht ausreichen, und Er sagt ihnen, wie ihr richtiger Charakter in Zukunft aussehen sollte aufgrund ihres neuen Segens, der vor ihnen stand aufgrund der Erlösung und Himmelfahrt.

Es wäre für die Jünger unangebracht und anmaßend gewesen, in der Vergangenheit sich dem Vater so zu nahen, wie der Sohn es tat, der in seiner Weisheit und Güte ihnen ein Gebet schenkte, das vollkommen für ihren damaligen Zustand passend war, wo das Versöhnungswerk noch nicht vollbracht war und der Heilige Geist dementsprechend noch nicht gegeben war. Aber jetzt, wie wir schon so oft in diesem Zusammenhang gesehen haben, würde als Folge von Christi Verherrlichung von Gott auf Erden durch den Tod und durch seine Auffahrt gen Himmel der Heilige Geist kommen, um in und bei ihnen zu sein. Und dies ist das große Ergebnis göttlicherseits, wie wir es schon so viel im Hinblick auf die Heiligen gesehen haben: Sie sollten in Christi Namen bitten; und sie sind aufgerufen zu bitten und zu empfangen, damit ihre Freude völlig sei. Das Leben in Christus würde passende Wünsche hervorrufen, denen der Heilige Geist die Kraft wie auch die Einsicht verleihen würde. Und sicherlich würde der Vater mit solch einer Grundlage und solch einem Motiv vor sich, wie dem Sohn des Menschen, der sich selbst für seine Herrlichkeit um jeden Preis hingegeben hatte, nicht seinerseits in irgendeinem Punkt versagen. Ihre Freude würde wirklich völlig sein.

Verse 25-28

Joh 16,25-28: Dies habe ich in Gleichnissen zu euch geredet; es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern euch offen von dem Vater verkündigen werde. An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen, und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.

Es ist, wie ich annehme, auf die weite und verschiedene Bedeutung des hebräischen Wortes mashal zurückzuführen, wofür wir im Griechischen paroimiva sowohl als auch parabolh haben, die entsprechend nicht nur in der Septuaginta, sondern auch im Neuen Testament gebraucht werden, wobei die synoptischen Evangelien den letzteren Ausdruck gebrauchen und Johannes den ersteren, wie in Kapitel 10 und hier. Vielleicht wäre allegory (= „Gleichnis“) geeigneter oder sogar „verschleierter Ausspruch“ in unserem Kapitel, wo Gleichnis oder Vergleich kaum anzuwenden sind. Eine enge Prüfung des Gebrauchs wird beweisen, dass beide griechischen Wörter in beträchtlichem Umfang in den vier Evangelien wie auch sonst gebraucht sind.

Hier war sich der Herr dessen bewusst, dass das, was Er äußerte, wie Rätsel in den Ohren der Jünger klang. Seine deutliche Erklärung oder sein Bericht über den Vater würde alles zur entsprechenden Zeit aufklären. Was tat nicht seine Auferstehung und seine Erscheinung und sein Umgang von Anfang bis Ende während der Zwischenzeit von 40 Tagen und seine Himmelfahrt? Nehmen wir allein die Botschaft durch Maria von Magdala am ersten Tag der Woche. Sprach Er nicht klar und deutlich von dem Vater, als seinem Vater und ihrem Vater? War nicht sein Gott und ihr Gott eine tiefe intime Mitteilung des Segens? Aber leuchtete nicht vor allem, als Er durch den Heiligen Geist, der vom Himmel herabgesandt wurde, Zeugnis gab, die Wahrheit noch strahlender hervor als je zuvor? Er machte ihnen dort den Namen seines Vaters kund; Er sollte ihn kundtun, wenn Er droben wäre (Joh 17,26), und Er tat das auch von dort aus noch wirkungsvoller.

Dies alles führte (wie es beabsichtigt war) dazu, dass sie im steigenden Maße den Wert des eigenen Namens Christi empfanden. „An jenem Tage werdet ihr bitten in meinem Namen.“ In seinem Namen zu bitten, ist nicht bloß um Christi willen gleichsam ein Motiv, sondern es bedeutet bitten aufgrund des Wertes von Ihm und seiner Annahme. Sein Wert geht in seiner Fülle zu denen über, die so bitten; und wie kostbar und alles überragend ist das in den Augen des Vaters! Wie verherrlicht es sowohl den Vater als auch den Sohn! Wie demütigend und nicht weniger stärkend ist es für die Heiligen selbst! Es ist das Recht jedes Christen heute; niemand vorher hat das genossen. Niemals wurde eine Seele auf Erden gesegnet außer von Ihm und aufgrund seines vorhergesehenen Werkes; aber hier wird bekannte Nähe und Annahme auf unsere Bitten angewandt in der Kraft von dem, der voll offenbart war, als sein Werk geschehen und in unendlicher Wirksamkeit angenommen worden war.

„Und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich geliebt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin.“ Dies ist wieder einer von solchen Sätzen, über die nicht Menschen und Gelehrte allein, sondern auch Heilige stolpern, weil sogar mancher Gläubiger diese Wahrheit nicht genießt; und in das, was das Evangelium und die Briefe des Johannes behandeln, muss man wirklich eindringen, wenn man es verstehen will. Dieser Vers 26 leugnet Christi Mittlerschaft für uns nicht mehr ab, als Vers 23 dem Knecht verbietet, zu seinem Herrn wegen seines Werkes oder seines Hauses zu beten. Es ist nicht eine absolute Aussage, und es besteht auch nicht die geringste Notwendigkeit, den technischen Kniff der Praeteritio, wie sie genannt wird, anzuwenden, so dass es nicht als Verneinung, sondern als starke Bekräftigung angesehen wird. In dem Fall würde es bedeuten: „Ich brauche euch nicht zu versichern, dato ich den Vater für euch bitten werde.“ Aber es ist einfach eine Ellipse, wie die folgenden Worte erklären! Ich sage nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde, als wenn Er euch nicht lieb hätte? Denn der Vater selbst (proprio motu, lat. = „aus eigenem Antrieb“) hat euch lieb etc. Dies gilt auch für die Worte, die besondere Liebe ausdrücken, filei und pefil, die folgen. Es war Gnade, das Ziehen des Vaters, das sie dazu brachte, die Stimme des Sohnes zu hören und an Ihn zu glauben; doch spricht der Herr von der Liebe des Vaters zu ihnen und davon, dass sie Ihn geliebt haben, dem sie treu, wenn auch in Schwachheit, anhingen. Sie hatten geglaubt, dass Er von Gott ausgegangen war. Sie glaubten wirklich, dass Er der Christus Gottes war und dass Er von Gott geboren war. Es war göttliche Lehre und Gnade, so weit sie ging.

Aber dies ging weit an der vollen Wahrheit vorbei, die Er jetzt weiter offenbart: „Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ Hier mangelte es ihnen allen. Sie vergegenwärtigten sich bis jetzt nur wenig oder gar nichts von seiner vollen, göttlichen und ewigen Herrlichkeit als Sohn des Vaters. Gott der Vater wurde ohne Zweifel voll in dem Sohn geoffenbart; aber die Gegenwart und Kraft des Geistes, wie Er persönlich herabgesandt wurde, war notwendig, um ihnen Gemeinschaft mit Ihm, der so kundgetan war, zu geben. Dieses führt, wenn das Gewissen gereinigt ist, in glückliche Freiheit. Hier liegt das, was so viele Heilige noch nicht kennen. Ihr Seelenzustand entspricht ziemlich genau dem der Jünger damals; denn wenn sie auch die Herrlichkeit des Sohnes weit besser sehen sollten, so versagen sie doch dabei, in Ihm und in seinem Werk ihren Anspruch darauf zu sehen, in der Liebe des Vaters zu ruhen.

Es ist interessant, den Gegensatz zu beachten, wie diese Reihe von Reden im Gegensatz steht zu den synoptischen Evangelien. In denen ragt Christi Tod am allermeisten heraus; hier geht es darum, dass Er zu dem Vater zurückkehrt. Wie entspricht das doch der Absicht des Heiligen Geistes, wie sie sich dem Bericht des Johannes aufprägt! Es wäre schwer, einen Vers von Johannes zu finden, der noch ausgefeilter und vollständiger auch den Charakter seines Evangeliums darstellt als der Vers, den wir uns gerade vor Augen geführt haben; und auch gibt es kaum einen Vers, der jetzt wie damals von den Jüngern weniger wirklich erfasst worden ist. Seine göttliche Verbindung und sein Auftrag von dem Vater sind klar auf Erden offenbart, bevor sie sich mit Ihm droben vereinen, seine Gegenwart als Mensch in der Welt nicht weniger als sein Verlassen der Welt und sein Zum-Vater-Gehen und ebenso die Tatsache, dass Er als Sohn jetzt Mensch geworden war, mit den ungeheuren Ergebnissen von all diesem für Gott und ganz besonders für die Heiligen. Diese großen Wahrheiten übersteigen voll und ganz jede messianische Herrlichkeit, die bis dahin das Denken seiner Nachfolger ausfüllte, die durch die Tatsache selbst, dass sie dachten, dass sie alles ganz klar wüssten, bewiesen, wie wenig sie wirklich wussten.

Verse 29.30

Joh 16,29.30: Seine Jünger sprechen zu ihm: Siehe, jetzt redest du offen und sprichst kein Gleichnis; jetzt wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast, dass dich jemand frage; hierdurch glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.

Ihre eigene Sprache verriet sie. So einfach seine Worte auch waren, so hatten sie doch ihre Tiefe nicht erfasst. Sie begriffen nicht die mächtige Wandlung von all dem, was sie von dem Reich gelernt hatten, so wie es im Alten Testament offenbart war, zu dem neuen Zustand der Dinge hin, der seiner Abwesenheit bei dem Vater droben und mit der Gegenwart des Geistes hier unten folgen sollte. Es klang in ihren Ohren sehr klar; aber bis zur Himmelfahrt hatten sie wenig, wenn überhaupt irgendeine Ahnung davon. Sie hingen bis zuletzt an den Hoffnungen Israels, und diese werden sicherlich auch eines Tages erfüllt. Aber sie verstanden nicht diesen Tag, während dem, wenn die Juden als Verworfene behandelt werden, da Er von ihnen verworfen wurde, die von Gott Geborenen in der Kraft Christi und aufgrund seines Werkes in die unmittelbare Gemeinschaft mit dem Vater versetzt werden sollten. Seine Rückkehr zu dem Vater war noch ein Gleichnis, wenn auch der Herr ihren Irrtum nicht korrigiert, da es wirklich zwecklos war: Sie würden bald genug lernen, wie wenig sie wussten. Aber wenigstens hatten sie dann das innere Bewusstsein, dass sie alles wussten, und wenn Er in ihre Gedanken eindrang, hatten sie es nicht nötig, Ihn zu fragen. „Hierdurch glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist.“ Ohne Zweifel; doch wie weit liegt das, was sie so bekannten, unter der Wahrheit, die Er ausgesprochen hatte! Der Geist seines Sohnes, der in ihre Herzen ausgesandt werden sollte, würde ihnen zur rechten Zeit das Verständnis geben, den Vater zu erkennen; denn die vollbrachte und angenommene Erlösung allein konnten die notwendige Grundlage für all dies legen.

Verse 31-33

Joh 16,31-33: Jesus antwortete ihnen: Glaubet ihr jetzt? Siehe, es kommt die Stunde und ist gekommen, dass ihr zerstreut sein werdet, ein jeder in das seinige, und mich allein lassen werdet; und ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir. Dieses habe ich zu euch geredet, auf dass ihr in mir Frieden habet. In der Welt habt ihr Drangsal; aber seid gutes Mutes, ich habe die Welt überwunden.

Ihr Glaube war echt, aber sie sollten bald zeigen, als wie klein er sich in der Stunde der Versuchung, die schon gekommen war, erweisen würde. Wenn Zweifel niemals zu rechtfertigen ist, so ist es in unserer Schwachheit gut, in ständiger Abhängigkeit zu leben. Wenn wir in unseren eigenen Augen stark sind, so sind wir in Wirklichkeit schwach; wenn wir schwach sind, so sind wir stark in der Gnade unseres Herrn Jesus. Aber o, was für ein Heiland und was für Jünger! Sie waren zerstreut, ein jeder in das Seinige, und Er war allein gelassen in der Stunde seiner höchsten Not! Hätte sich irgendein Herz außer dem seinen beeilt, nach solchem Verlassen ihrerseits hinzuzufügen: „Und ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir“? Hätte irgendeiner außer Ihm hinzufügen können – besonders für solche Heiligen und unter solchen Umständen –: „Dieses habe ich zu euch geredet, auf dass ihr in mir Frieden habet“? Oder hätte irgendeiner einen solchen festen Grund dafür geben können, und zwar genau in dem Augenblick, wo ihr gegenwärtiges Teilhaben an der Drangsal in der Welt in Betracht stand? „Seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.“ So wie Christus allein so fühlen und segnen konnte, so sind diese Worte seiner würdig; und man weiß nicht, ob man ihre göttliche Autorität mehr bewundern soll oder ihre unübertreffliche Gnade und ihr Passendsein für unsere Not hier unten. So wie Er absolut das ist, was Er auch redet, so redet Er das, was Er ist, zum nie versagenden Trost des Gläubigen.

Auffallend charakteristisch für unser Evangelium ist, dass die Qualen von Gethsemane ausgelassen sind, und noch mehr, dass fehlt, dass Gott Ihn am Kreuz verlassen hat. Beides vereinbarte sich nicht mit jenem Bericht von Ihm, der die Herrlichkeit seiner Person herausstellt, dessen Aufgabe es war, den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hatte, um sein Werk zu vollbringen. Andere stellen seine vollkommene Verwerfung und Erniedrigung heraus, den Dienst, den Er leistete, und die Tiefe seines Mitempfindens als vollkommener Mensch. Johannes sieht, hört und berichtet von dem Sohn über allen äußeren Umständen, dem Zielpunkt und dem Offenbarer des Vaters, sogar da, wo jene Drangsal kam, die sie zerstreute, und wo jenes Verlassen Gottes eintrat, das außer für Ihn so unerforschlich war.

Während Er all dies vor sich hatte, sagte Er, wie Er es hier tat, dass sie in Ihm Frieden haben könnten; und so wandelte Er selbst. In der Welt sollte Drangsal ihr Teil sein, nicht wie für den Juden in vergeltender Weise zu einer besonderen und fest abgemessenen Stunde (Jer 30,7; Dan 12,1; Mt 24,21; Mk 13,19) in der Endzeit, oder aber sogar vorbereitend in der Zwischenzeit (Lk 21,22-24), sondern als gewöhnlicher Zustand für die, die nicht von der Welt waren und die deshalb ihre Beute waren. Und doch sind sie aufgerufen, Mut zu haben, da sie Ihn kennen, an den sie geglaubt haben, und seine Herrlichkeit und seine Gnade kennen, der Er die Welt überwunden hat. Was für eine Quelle und was für eine Freude, dass wir einen Feind zu überwinden haben, der schon überwunden ist! Er allein; und wir schauen auf den, der zu allem Kraft gibt. Und das ist der Sieg, der die Welt überwindet, unser Glaube. Wer ist es, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist?

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