Das Johannesevangelium (20)
Johannes 20

William Kelly

© SoundWords, online seit: 03.05.2001, aktualisiert: 11.01.2018

Leitverse: Johannes 20

So wie kein geschaffenes Auge erschaute, was als Tiefstes an dem Kreuz Christi vor sich ging, so stand es auch den Menschen nicht zu, zuzusehen, wie der Herr von den Toten auferstand. Das war so, wie es sein sollte. Finsternis bedeckte Ihn, als Er sich für uns zur Sühne dahingab. Der Mensch sah nicht jenes unendliche Werk in seinem Tod; doch geschah dies Werk nicht nur, um Gott dadurch zu verherrlichen, sondern unsere Sünden sollten gerechterweise hinweggetan werden. Wir haben das Tun der Welt gesehen, und besonders das des Juden, der Ihn kreuzigte; Hohe und Niedrige, Religiöse und Weltliche, alle spielten ihre Rolle. Sogar ein Apostel verleugnete Ihn, so wie ein anderer Ihn an die mörderischen Priester und Ältesten verriet. Aber Jehova legte die Sünde von uns allen auf Ihn; Jehova zerschmetterte Ihn und machte Ihn zuschanden; Jehova machte seine Seele zu einem Opfer für die Sünde; und so wie dies der göttliche Teil war, so war es für menschliche Augen unsichtbar, und Gott konnte allein, durch wen Er wollte, richtig Zeugnis abgeben von der ewigen Erlösung, die so erlangt worden war, was der göttlichen Liebe freie Bahn ließ, um sogar in einer verlorenen und gottlosen Welt zu wirken.

So war es bei der Auferstehung Christi. Er wurde durch die Ehre des Vaters von den Toten auferweckt; Gott erweckte Jesus auf, den die Juden töteten und ans Kreuz hingen; Er hatte sein Leben niedergelegt, damit Er es wiedernehmen könnte. Er errichtete in drei Tagen den Tempel seines Leibes wieder auf, den sie zerstörten. Aber wenn es keinem Menschen gegeben war, die Handlung seines Auferstehens von den Toten zu sehen, so sollte diese doch aller Welt bezeugt werden ebenso wie sein Sühnetod. Er sagte als der Auferstandene: Prediget das Evangelium der ganzen Schöpfung. Und sicherlich verstümmelt der, der seine Auferstehung beiseiterückt, die Frohe Botschaft von ihrem triumphalen Beweis und Charakter, und er stellt die Freiheit des Gläubigen bloß und seine Einführung in die neue Schöpfung, ebenso wie er die Herrlichkeit des Herrn ungeheuer ins Unscharfe rückt: Denn die Leugnung der Auferstehung lässt Gottes Zeugen als falsche Zeugen in Wirklichkeit dastehen und macht den Glauben vergeblich. Darauf beharrt der Apostel in 1. Korinther 15. Wenn der Tod den Erlöser festgehalten hätte, wäre alles verloren gewesen; und wenn es nur sein Geist gewesen wäre, der seinen Weg in die Gegenwart Gottes gefunden hätte, wäre es dann sogar nur eine halbe Erlösung gewesen? Seine Auferstehung ist in Wahrheit eine vollkommene Befreiung, deren Siegel der Heilige Geist für uns ist.

Deshalb finden wir, dass das die große Grundlage der Wahrheit im Evangelium ist. Ein Zeuge seiner Auferstehung zu sein, war das Haupterfordernis für einen Apostel (Apg 1); und dass Gott Jesus auferweckt hatte, den die Juden gekreuzigt hatten, war die Wahrheit, die Petrus am eindringlichsten verkündigte (Apg 2). So sagte er es in der Folge in der Halle Salomos (Apg 3) und vor dem jüdischen Rat einmal und noch wieder einmal (Apg 4; 5). Ebenso war es bei dem Predigen vor den Heiden (Apg 10); und Paulus bestand noch mehr darauf als Petrus (Apg 13). Dieses Zeugnis ärgerte besonders die Obersten der Sadduzäer (Apg 4); das ist das, was den unermüdlichen Zorn oder die Opposition des Unglaubens in der ganzen Welt hervorruft. Und das ist kein Wunder; denn wenn die Auferstehung die Quelle der Freude und die Grundlage der gewissen Erlösung für den Gläubigen ist, wenn sie das Geheimnis seines heiligen Wandels als der Ausdruck des Lebens, das er in dem auferstandenen Christus hat, und als die Macht einer lebendigen Hoffnung ist, ist sie auch das Maß für den wirklichen Zustand des Menschen, der tot in seinen Sunden ist; denn sie ist das gegenwärtige festgelegte und beständige Pfand, dass das Gericht über dem Erdkreis droht, denn Gott hat den Menschen, den die Welt getötet hat, als ihren ernannten Richter von den Toten auferweckt. Die Auferstehung ist deshalb für den Menschen ebenso abstoßend, wie sie dazu geeignet ist, sogar dem fleischlichen Sinn von Christen, die das Irdische suchen, zu entgehen.

Da die Auferstehung also offensichtlich eine Wahrheit von allerhöchster Bedeutung ist, hat der Geist Gottes dafür gesorgt, dass das Zeugnis dafür ebenso klar wie vollständig sein sollte. Deshalb fehlt es auch nicht bei Matthäus, der von der Tendenz seines Evangeliums her die Himmelfahrt auslässt, dass der Beweis für die Auferstehung Christi in höchst klarer Weise erbracht wird; und ebenso ist es bei Markus; Lukas zeigt uns noch mit mehr Einzelheiten als irgendein anderer den Herrn in der Auferstehung mit seiner ganzen liebevollen Anteilnahme für die Seinen. Er ist ein Mensch, ebenso wahr wie je zuvor, mit Fleisch und Bein, der in der Lage ist, mit ihnen zu essen, aber der auferstanden ist. Johannes stellt, wie gewöhnlich, den bewussten Sohn Gottes dar, das fleischgewordene Wort, aber jetzt in Auferstehung. Hier sind die Beweise dem Wesen des Evangeliums nach innerlich und persönlich, wo die anderen ebenso passend das darstellen, was äußerlich, aber nicht weniger notwendig war.

Die Auferstehung steht als ein Bollwerk gegen die philosophische Skepsis fest und unantastbar da. Denn sie widersteht unwiderleglich der Spitzfindigkeit und widerlegt diese, die Gott nicht kennt und die den Gedanken von Ursachen in ein unveränderliches Vorhergehen von ständig beobachteten Merkmalen in ihrer Folge verwandelt: eine Theorie, die ruhig angenommen wird und sorgfältig eingeflößt wird, um die Möglichkeit eines göttlichen Eingreifens, sei es in Gnade oder in Gericht, in Wundern oder in Weissagung oder in irgendeinem Verhältnis mit Gott, das über die Natur hinausgeht, beiseitezurücken. Verhältnis mit Gott, sagte ich? Warum, entsprechend diesem System, wenn man es logisch zu Ende denkt, ist Er und muss Er unbekannt sein; aber wenn Er unbekannt ist, wer kann uns dann sagen, ob Er existiert der ob nicht alles in einer bloßen Vergöttlichung der Natur endet? Nun ruht die Auferstehung Christi, wie oft gezeigt worden ist, auf weit volleren Beweisen und auf sichereren und besseren Grundlagen als irgendein Ereignis in der Geschichte; und das deshalb, weil sie zu der Zeit von Freunden und Feinden geprüft wurde, wie niemals irgendetwas sonst geprüft worden ist, und weil Gott selbst eine Fülle von Zeugnissen gab, die im Verhältnis steht zu ihrem unschätzbaren Wert, nicht nur für uns allein, sondern auch für seine eigene Herrlichkeit. Als eine Tatsache ohne Argumentation vernichtet sie also aus sich selbst heraus und sofort jede Gegnerschaft gegen die Wahrheit des Gewissens oder jede fälschlich sogenannte Erkenntnis. Denn es wäre im höchsten Grad absurd, anzunehmen, dass der Tod Jesu die Ursache seiner Auferstehung war. Was dann war ihre Ursache? Von welchem Vorausgehenden war sie die Folge? Wenn irgendetwas auf die Macht Gottes weist, so ist es die Auferstehung nicht weniger als die Schöpfung.

Die Wahrheit ist die, dass die Anstrengung, Ursache und Wirkung in ein bloßes Vorhergehen und Nachfolgen zu verwandeln, aus dem Wunsch entspringt, Gott überhaupt loszuwerden; denn Ursache verlangt wirklich nach einem Willen, nach einem Plan und nach einer Macht in Tätigkeit, wenn wir auch zwischen der causa causans (verursachende Ursache) und den causae causatae (verursachte Ursachen) unterscheiden müssen. Diese Ursachen sind durch Gottes Einfügung in der Natur, aber Er lebt, Er will, und Er handelt. Deshalb steht die Auferstehung Christi in der Mitte der Geschichte dieser Welt, um jeden Unglauben zu richten, denn sie wird heute als eine einfache Tatsache, die im vollen Maße bewiesen ist, betrachtet. Wir können ihre Folgen sehen, soweit unser Kapitel sie uns später noch zeigt. Der Herr hatte bestimmt und oft von seinem Tod und seiner Auferstehung während seines Lebens gesprochen. Er war gestorben, und Er wurde begraben; und hier erfahren wir, dass keine Macht oder Vorsichtsmaßnahme gegen sein Wort bestehen konnte. Die Gruft hatte ihre Leiche verloren; und das war alles, was das Herz der Maria erfassen konnte – den Verlust des toten Leibes des Herrn. Beklagenswerte Vergesslichkeit, aber bei einem Herzen, das an jenem einen traurigen Schatz hier unten hing, und dieser war fort!

So geschah sogar hier nach der Weisheit Gottes der Beweis stufenweise, und die Apostel wuchsen nur sehr langsam im Verständnis für die Wahrheit. Es wurde der deutlichste Beweis dafür gegeben, dass, so wie die Macht in sich selbst von Ihm allein und unmittelbar und über dem ganzen Lauf der Natur und den menschlichen Erfahrungen war, diejenigen, die später die Fähigsten, Eifrigsten und am meisten Leidenden der Zeugen dafür sein sollten, nur durch solche Stufen zu der Gewissheit geführt werden konnten, was uns zeigt, dass niemand mehr überrascht war als die Apostel. Sogar die Feinde des Herrn hatten eine unbestimmte Furcht und ein Unbehagen, was zu der Erlaubnis des Pilatus für eine Militärwache mit dem Siegel des großen Steines, um das Grab sicher zu halten, führte. Nicht ein Jünger, soweit wir wissen, wartete auf seine Auferstehung.

Nichtsdestoweniger stand Christus am dritten Tag entsprechend der Schrift wieder auf. Gerade an dieser Stelle in der Lehre des Wortes Gottes waren die Jünger schwach; nicht nur die wenig Einsicht habende Magdalene, sondern alle, wie wir sehen werden, hatten kein Gefühl dafür und waren sehr schwerfällig, an alles zu glauben, was die Propheten geredet hatten. Und alle vergaßen so schnell die klaren Worte, in denen der Herr selbst ihnen wiederholt nicht nur seinen Tod, sondern auch seine Auferstehung am dritten Tag angekündigt hatte.

Dementsprechend haben die Anfangsverse das Ziel, uns zu zeigen, wie die Wahrheit langsam in einem Herzen zu dämmern begann. Es fehlte ein heimliches Einverständnis, die Auferstehung ihres Meisters vorzugeben. Es gab nicht so etwas wie eine hoffnungsvolle Vorahnung in einem einzigen Herzen, von dem man reden könnte. Die Finsternis des Kreuzes hatte jedes Herz erstarren lassen; die Furcht vor den Menschen bedrückte die Männer noch mehr als die Frauen. Selbst wo die Tatsache klar gewesen sein sollte, missverstand die, die die Tatsache sah, ihre Bedeutung und war noch trauriger als zuvor.

Verse 1.2

Joh 20,1.2: An dem ersten Wochentage aber kommt Maria Magdalene früh, als es noch finster war, zur Gruft und sieht den Stein von der Gruft weggenommen. Sie läuft nun und kommt zu Simon Petrus und zu dem anderen Jünger, den Jesus lieb hatte, und spricht zu ihnen: Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.

Maria Magdalene scheint am ersten Tag allein zu sein; gewiss, wenn auch andere Frauen bei oder neben ihr waren, wie andere Zeugnisse es beinhalten (um nicht von der Pluralform „wir wissen“ zu reden, die bloß allgemein sein kann), so zieht doch sie allein die Aufmerksamkeit des Geistes Gottes an. Sie offenbart ein Herz, das zuerst unwiderstehlich zu einer so überwältigenden und innerlich heiligen Szene angezogen wurde durch ihre Liebe zu Ihm, dessen Leib man in das Grab gelegt hatte; dann am Ende begegnete ihr der Herr, und sie wurde von Ihm gesegnet, wo die besten Hilfsquellen unter den Heiligen versagt hatten, was wir zur gegebenen Zeit noch sehen werden.

Vor seinem Tod hatte Maria, die Schwester des Lazarus, den Herrn gesalbt, sein Haupt und seine Füße, aus der Fülle ihrer Liebe heraus, die das, was ihr am kostbarsten war, auf Ihn verschwendete, und zwar gerade zu jener Zeit, wo sie instinktiv eine drohende Gefahr fühlte. Und sie hörte als Antwort auf die herzlose Gleichgültigkeit, die sich gerade da zur tödlichsten Gottlosigkeit entwickelte, die Rechtfertigung seiner Liebe, die ihrer Handlung eine Bedeutung gab, an die sie nie gedacht hatte. Oh, wie befriedigte es ihr Herz, bis sie bei Ihm war! Es war eine tiefe und echte Liebe, die durch die Liebe Jesu, die nicht nur vollkommen, sondern auch göttlich war, beantwortet wurde.

Und auch hier war es nicht vergeblich, dass Maria Magdalene sich so früh, wo es noch finster war, zu der Gruft, zu dem leeren Grab Jesu, hingezogen fühlte. Sie war, wenn auch nicht allein, dort gewesen, nachdem der Sabbat vergangen war, als es dämmerte (nicht „Morgendämmerung“ ist gemeint, wenn auch das Wort „dämmern“ beides bedeuten kann) zum ersten Tag der Woche hin, denn das ist die wahre Bedeutung von Matthäus 28. Vergleiche damit Markus 16; ebenso Lukas 23,54 zeigt, dass sie an dem vorhergehenden Abend dagewesen waren, als der Freitag beendet war und der Sabbat anfing.

Es ist bemerkenswert, dass diese Maria läuft, um nicht nur Johannes, sondern auch Petrus die Tatsache von der Entfernung des Steines und das, was sie daraus für den Leib des Herrn folgerte, zu erzählen. Der Letztere hatte bekannterweise und auf betrübliche Art den Herrn gerade vor seinem Tod entehrt. Aber ohne Zweifel war seine Buße den Heiligen wenigstens gut bekannt. Hier wird berichtet, wie sie sich, ohne zu zögern, an diese wendet. Maria dachte in ihrem Herzen daran, wer von den Jüngern wohl am herzlichsten auf die ängstliche Frage, die ihre Seele erfüllt, antworten würde. Denn sicherlich war es nicht Mangel an Liebe, sondern an Selbstgericht, der jenen feurigen Jünger dazu verleitet hatte, seinen Meister zu verleugnen. Im Gegenteil, es war Vertrauen auf seine eigenem Liebe zu Ihm, wobei er sich selbst überhaupt nicht kannte und wobei er nicht richtig von Gott abhängig war, angesichts einer feindlichen Welt mit dem Schatten des Todes vor seinen Augen. Und der Meister zeigt im nächsten Kapitel seine eigene Gnade im reichsten Maße gegenüber seinem Knecht, obwohl Er dort auch die sündige Wurzel, die ihn zu schmachvollem Versagen verleitet hatte, bloßlegt. Maria wurde in der Tat weit mehr darin gerechtfertigt, dass sie auf die Sympathie von Petrus und Johannes rechnete in dem, was ihr Herz betrübte, als in der Unwissenheit, die zu dem Schlussstrich kam, dass Menschen den Leib des Herrn am Auferstehungstag weggenommen hätten. Sogar die wärmste Liebe kann ohne das Wort nicht einen richtigen Gedanken über Ihn fassen, der für uns starb. Ihre Begriffe waren gänzlich Christi oder Gottes Fürsorge für Ihn unwürdig. Aber Unglaube in dem Heiligen ist nicht besser als in dem Sünder; und gerade die Kraft ihrer Liebe zu dem Herrn macht noch deutlicher, wie Glaube notwendig ist, um in göttlichen Dingen das richtige Verständnis zu haben. Er jedoch „gibt mehr Gnade“.

Was die Berichte über die Auferstehung angeht, so soll keiner glauben, dass es fruchtlos wäre, sie zu vergleichen oder die perfekte Genauigkeit dieser einzelnen anzunehmen. Ob man eine Übereinstimmung versucht oder ablehnt, das Ergebnis muss sehr falsch werden, wenn man damit anfängt, Matthäus 28 als Dämmerung des Sonntagmorgens zu interpretieren anstatt der Dämmerung des Sabbatabends, der letztlich für den Juden (und Matthäus wendet sich vor allem an die Juden) der richtige Anfang des ersten Tages war und ist, wenn auch die westlichen Vorurteile zu dem heidnischen Lauf des Tages hinneigen. Dieser Irrtum muss jedes richtige Verständnis für den Prüfenden wie auch für den nach Harmonie Suchenden zunichtemachen. Lasst uns als Gläubige lesen.

Es ist gesagt worden, dass es unmöglich sei, dass solch ein erstaunliches Ereignis, das über verschiedene Teile der Gruppe der Jünger von verschiedenen Orten und in verschiedenen Formen hereinbrach, von vier unabhängigen Zeugen nicht in solch „zerstreuter und fragmentarischer Weise“ berichtet würde, in der wir es jetzt finden. Gewiss wäre das unmöglich, wenn da nicht Gott wäre, der die vollkommene Wahrheit durch alle seine auserwählten Zeugen und in jedem ihrer Berichte sicherstellte. Die Bemerkung ist deshalb reiner Unglaube, und sie ist eines einsichtigen Christen unwürdig. „Zerstreut und fragmentarisch“ ist nicht die Art des Heiligen Geistes, der nicht die vier Evangelisten gebraucht wie Menschen, die bei einem Gericht Bericht erstatten, und zwar jeder von dem, was er sah und hörte. Dies ist nicht nur bei Markus und Lukas nicht anzuwenden, sondern es stimmt auch nicht mit den Tatsachen bei Johannes und Matthäus überein, denn Er führt jeden von ihnen so, dass das ausgelassen wird, was beide sahen und hörten, und dass nur solch eine Auswahl eingesetzt wird, die zu dem Bereich und der Absicht des besonderen Evangeliums passt. War nicht Matthäus einer von den Zuschauern, die gepackt wurden von der Erscheinung des Herrn inmitten der Jünger zu Jerusalem am Abend des Tages, an dem Er von den Toten auferstand? War nicht Johannes bei den übrigen auf dem genannten Berg in Galiläa?

Es ist also nicht bloß wahr, dass im Grunde unter der verschiedenen Oberfläche der Erzählung die große zentrale Tatsache der Auferstehung selbst unverändert und unbeweglich bleibt (denn das könnte auch in rein menschlichen Tatsachenberichten der Fall sein), sondern dass jeder der vier nach der Absicht des inspirierenden Geistes ein besonderes Objekt oder Ziel vor sich hatte, das unbeirrbar im allgemeinen Plan und in den genauesten Einzelheiten verfolgt wird. Der Einwand lässt die Ehrlichkeit der christlichen Zeugen bestehen, aber er lässt Gott aus ihrem Schreiben heraus, was das Wesen des Unglaubens ist; und das ist umso schmerzlicher, als der, der die Einwände macht, wirklich ein Gläubiger ist, der aber eine ganz unangemessene und gefährliche Theorie der Inspiration vertritt. Tatsache ist, dass kein Mensch, der den Stoff hatte oder der wusste, was jeder Evangelist vor sich hatte, so jemals geschrieben haben würde, wie einer von ihnen es tat. Und nichts erklärt ihre besondere Form, als dass Gott in vollkommener Übereinstimmung mit jedem Evangelium ein Zeugnis gibt, um durch sie alle ein vollständiges Ganzes zu bilden. Was für ein Gift verbreitet ein solcher Unglaube, wo man denkt, dass die Männer Gottes nicht mehr hatten als solche Führung des Geistes, wie sie bei der normalen Predigt oder bei Ähnlichem der Fall ist! Wenn man das Inspiration nennt, so vergrößert man den Wahn nur. Sind sie Gottes Wort?

So wie es bekannt wird, war die Auferstehung das, was die Apostel vor allem anderen bezeugten; aber wie wir gesehen haben und wie wir noch deutlicher sehen könnten, heißt es, etwas Offensichtliches zu übergehen, wenn man annimmt, dass jeder getreu die besonderen Tatsachen in einer Erzählung ausarbeitete, die er selbst gesehen hatte oder die ihm von den Betreffenden berichtet worden waren. Das ist eine armselige und irreführende, aus Vernunftgründen entstandene Hypothese. Ihre Verschiedenheit entspringt nicht menschlicher Schwachheit, sondern göttlicher Weisheit.

Aber lasst uns einige Augenblicke noch an die Wirkung denken, die das leere Grab auf die ausübte, die es zuerst bemerkten. Und sicherlich kann man nicht bei Maria Magdalene von geistlicher Einsicht sprechen; aber sie klammerte sich an die Person des Herrn in tiefer Zuneigung; und Er ging nicht achtlos daran vorbei. Sie war, wie wir sehen werden, die Erste, die Freude in Ihm hatte, und Er ehrt sie. Doch was konnte Christi weniger würdig sein als ihr vorschneller Schlussstrich aus dem leeren Grab! „Sie haben den Herrn aus der Gruft weggenommen, und wir wissen nicht, wo sie ihn hingelegt haben.“ Sie kann nur an Ihn denken als unter der Macht des Todes stehend. Sie urteilt mit ihren eigenen Augen; und für sie hat bis jetzt noch der Mensch die Oberhand. Seine Zusicherung von der Auferstehung hatte keine Spur hinterlassen, sie war im Sande verlaufen. Wer kann sich des Menschen rühmen, der so überwältigt da steht vor der unerkannten und doch herrlichen Macht Gottes, die Ihn schon von den Toten auferweckt hatte? Trotzdem war ihr Herz Ihm ergeben, und sie zeigt es, und sei es jetzt nur durch ihren Besuch an solch einer Stätte, während es noch dunkel war, und durch ihre äußerste Erregung, als sie den Stein weggenommen sah und feststellte, dass der Leib aus der Gruft genommen war. Was kann sie tun, als mit der Nachricht zu gleichgesinnten Herzen laufen?

Verse 3-10

Joh 20,3-10: Da ging Petrus hinaus und der andere Jünger, und sie gingen zu der Gruft. Die beiden aber liefen zusammen, und der andere Jünger lief voraus, schneller als Petrus, und kam zuerst zu der Gruft; und sich vornüber bückend, sieht er die leinenen Tücher liegen; doch ging er nicht hinein. Da kommt Simon Petrus, ihm folgend, und ging hinein in die Gruft und sieht die leinenen Tücher liegen, und das Schweißtuch, welches auf seinem Haupte war, nicht bei den leinenen T ehern liegen, sondern besonders zusammengewickelt an einem Orte. Dann ging nun auch der andere Jünger hinein, der zuerst zu der Gruft kam, und er sah und glaubte. Denn sie kannten die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten auferstehen musste. Es gingen nun die Jünger wieder heim.

Es war nicht nur Johannes, der sich bei der Nachricht von Maria aufmachte. Liebe, die durch Worte erweckt wurde, die in ihren Ohren seltsam klangen, führte Petrus dazu, zusammen mit Johannes mit nicht geringerem Verlangen zu laufen, wenn er auch nicht ganz so schnell war. Er hatte geschlafen, als er hätte wachen und beten sollen; und als die Krise kam, hatte er seinen Meister mit viel Beteuerungen nach dessen ernster Warnung verleugnet. Aber er war kein Judas: Er war wirklich weit davon entfernt. Er liebte den Herrn, der selbst wusste, dass er Ihn liebte; und deshalb wurde sein Herz trotz seiner tiefen und schmachvollen Sünde durch die ihm so unbegreifliche Nachricht von dem Verschwinden des Leibes aus der Gruft bewegt. So liefen die beiden Jünger (die aus anderen Gründen oft zusammen gesehen werden) um die Wette, wer am schnellsten zu dem Ort kommen würde. Nicht die geringste Ahnung von dem, was die Tatsache war, hatte bis jetzt ihre Sinne durchzuckt; doch waren sie so weit, wie irgend möglich, von der Gleichgültigkeit gegenüber dem geringsten Umstand entfernt, der seinen Leib betraf. Dass Er nicht mehr da war, wo Er hingelegt worden war, besonders bei solch einem Schutz gegen greifbare Zwischenfälle, ist genug, um beide zutiefst zu erregen; und sie sind sofort an der Stelle, wobei Johannes Petrus überrundet. Und als er als Erster zu der Gruft kam, bückte er sich vornüber und sah die leinenen Tücher liegen; doch er ging nicht hinein. Petrus war zwar etwas weniger schnell beim Laufen, aber er ging weiter, als er den Ort erreichte, denn er ging in die Gruft hinein und sah die leinenen Tücher liegen und das Schweißtuch, das auf seinem Haupt war, nicht bei den leinenen Tüchern liegen, sondern besonders zusammengewickelt an einem Ort. So berichtet es auch Lukas (Lk 24,12), wenn auch nicht in allen Einzelheiten wie Johannes, der nicht nur die zweifache Nachprüfung seinerseits beschreibt, sondern auch das Merkmal hinzufügt, das Petrus aufmerksam erspähte, indem er die Besonderheit entdeckte, dass das Schweißtuch für sich allein zusammengewickelt war. Was für ein klarer überzeugender Beweis, dass der Leib nicht von Feinden oder Freunden hinweggenommen worden war! Denn warum sollten diese die leinenen Tücher zurücklassen? Wer außer einem, der vom Schlaf erwachte, konnte in dieser ruhigen und ordentlichen Art mit den Tüchern umgehen? Er musste es selbst getan haben, als Er von den Toten auferstand und das beiseitelegte, was für seinen neuen Zustand ebenso unpassend wie unnötig war. Denn hier können wir den Gegensatz zu der ganz anderen Art feststellen, in der Lazarus erschien, als er von dem Herrn auferweckt wurde, was den verschiedenen Charakter der Auferstehung anzeigt. Noch war da keine Tiefe in der Überzeugung, die Petrus sich bilden musste; denn er kehrte nach Hause zurück und berichtete die Wahrheit, aber wunderte sich, wie das geschehen war. Wundern ist in keiner Weise der Ausdruck für Einsicht, die Glauben schenkt; Wundern schließt vielmehr einen bestimmten Mangel an Einsicht ein; es scheint überraschend, dass solche Männer wie Bengel und Stier, Erasmus und Grotius in dem Gedanken folgen, dass Johannes bloß so weit kam, wie Maria in ihren Gedanken in Vers 2.

„Dann ging nun auch der andere Jünger hinein, der zuerst zu der Gruft kam, und er sah und glaubte.“ Es war Glaube, der auf augenscheinlichen Tatsachen beruhte und nicht auf dem geschriebenen Wort. Die Folgerung der Maria wurde durch die von Johannes sowohl als auch von Petrus beobachteten Anzeichen umgestürzt. Sie schlossen verstandesmäßig, aufgrund einer vernünftigen Beurteilung der beobachteten Tatsachen; aber das ist in sich selbst nur eine menschliche Ableitung, so richtig sie auch in sich selbst sein mag, anstatt die Unterwerfung des Herzens gegenüber dem Zeugnis Gottes zu sein. Es ist Johannes selbst, der uns hier wie anderswo lehrt, diese höchst wichtige Unterscheidung zu treffen. Aber beide, Petrus wie auch Johannes, scheinen, wenn sie auch überrascht waren, doch die Bedeutung dessen erfasst zu haben, was sie beobachteten. Sie gingen beide über Maria Magdalene hinaus und folgerten, dass Er auferstanden sein müsse und nicht dass entweder Joseph und Nikodemus auf der einen Seite oder die Juden oder Römer auf der anderen Seite den Leib des Herrn weggenommen hätten. Aufgrund der offensichtlichen Tatsachen erklärten sie das Verschwinden seines Leibes richtig. Aber bei beiden fehlte jener Charakter des Glaubens an seine Auferstehung, der daher kommt, dass man Gottes Wort zur Grundlage macht. Das Erstere war menschlich, das Letztere wäre göttlich, weil darin allein an Gott geglaubt wird, was Ihm seinen wahren Platz gibt und uns unsere Plätze zuweist. So wird die Seele durch die Kraft des Wortes gereinigt, was nicht weniger nötig ist als das Reinigen durch Blut; und deshalb begleitet Buße immer den Glauben. Wir könnten nicht für das Erbteil der Heiligen in dem Licht bereit gemacht werden, wenn wir nicht aus Erfahrung das Waschen mit Wasser durch das Wort und auch die Reinigung von unseren Sünden durch Christi Blut kennten.

Nun ist es nicht zu viel, wenn man sagt, so weit es um die Wahrheit der Auferstehung geht, die bald das charakteristische Zeugnis der Apostel Johannes oder Petrus werden sollte, dieselbe ihnen noch nicht von Gott gezeigt war. Sie verbanden mit der Tatsache noch nicht das Zeugnis Gottes in dem Gesetz, in den Psalmen oder in den Propheten, und ebenso nicht die klaren und erst kürzlich gesprochenen Worte unseres Herrn Jesus. Es liegt also wenig Wahrheit in dem Urteil von Lampe, dass von diesem Augenblick an in der Finsternis des Grabes die Seele des Johannes von dem rettenden Glauben an die Auferstehung Jesu wie von einem gewissen neuen Strahl der aufgegangenen „Sonne der Gerechtigkeit“ erleuchtet wurde. Nichts ist in göttlichen Dingen schon, das nicht wahr ist; und dieses ist nicht nur nicht wahr, sondern ist die Umkehrung der Wahrheit, die Johannes selbst in seinem inspirierten Kommentar über die Tatsache nicht erfasste. Sie glaubten beide an Christus, nicht nur aufgrund von Tatsachen, sondern auch aufgrund des Wortes Gottes; aber sie glaubten beide nicht an seine Auferstehung über die gesehenen Tatsachen hinaus, dass es so sein musste. „Denn sie kannten die Schrift noch nicht, dass er aus den Toten auferstehen müsste.“

Wir haben ein schönes Beispiel für protestantische (ich sage nicht: Reformations-)Theologie gehabt, die ihre lockere und menschliche Vorstellung vom Glauben zeigt. Romanistische, und vielleicht könnte man katholische hinzufügen, Ansichten sind nicht besser. Von daher kommt die tridentinische Herabsetzung des Glaubens; von daher kommt die Anstrengung, Liebe und Gehorsam und Heiligkeit für die Rechtfertigung einzuführen. Sie fühlen, dass es ein moralisches Element geben muss, und ihr Glaube, der sich in ein intellektuelles Auffassungsvermögen von Lehrsätzen verwandelt, schließt das aus, so dass sie gezwungen sind, andere Dinge dem Glauben hinzuzufügen, um sich selbst zu befriedigen. All dies hängt von dem großen, grundsätzlichen Irrtum ab, dass der gute Papst den Glauben an die Kirche zum Ruheplatz für seine Seele und ihn zum Maßstab des Glaubens macht und nicht die Schrift oder Gott, der sich in Christus durch die Schrift offenbart. Wenn sie den Irrtum konsequent bis zum Ende durchführen würden, könnte kein Romanist gerettet werden, denn er glaubt nicht an Gottes Wort aufgrund göttlicher Autorität, sondern an Schrift und Tradition aufgrund des Wortes der Kirche. Durch seinen eigenen Grundsatz schließt er den Glauben an Gott aus und könnte nicht wirklich den Glauben zum Leben überhaupt haben. Nur durch Gnade können Menschen besser sein als ihr Grundsatz, so wie viele schlechter sind, wenn der Grundsatz von Gott ist. Es ist von lebensnotwendiger Bedeutung, dass man an die Schrift als an Gottes Wort glaubt und dass man an Gott in ihr glaubt.

Tatsachen sind von hohem Interesse und von wirklicher Bedeutung; und so wie der Israelit als die Grundlage seiner Religion auf solche weisen konnte, auf die Berufung Abrahams durch Gott und die Befreiung des auserwählten Volkes aus Ägypten und seine Führung durch die Wüste nach Kanaan, so kann der Christ auf die unvergleichlich tieferen und anhaltenderen Tatsachen der Inkarnation, des Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt des Sohnes Gottes mit der daraus folgenden Gegenwart des Heiligen Geistes, der vom Himmel herabgesandt wurde, weisen. Aber dass der Glaube moralischen Wert hat, dass er an dem Gewissen wirkt, dass er reinigt und das Herz erforscht, beruht nicht auf der reinen und einfachen Annahme von Tatsachen aus Vernunftgründen, sondern geschieht nur da, wo das Herz das Zeugnis Gottes in seinem Wort begrüßt. Dies stellt die Seele vor allem anderen auf die Probe, da geistliche Einsicht in dem Wachsen zu Christus hin in einer zunehmenden Empfindung für alles und Freude an allem, was Gottes Wort geoffenbart hat, besteht, was den Heiligen praktisch zu Ihm und seinem Willen hin im Gericht über sich selbst und über die Welt absondert. Man hat den alten Menschen abgelegt und den neuen angelegt, man ist erneuert in die volle Erkenntnis entsprechend dem Bild dessen, der uns geschaffen hat.

„Zu sehen und zu glauben“ ist deshalb etwas, was an dem, was das Wirken Gottes gibt, ganz vorbeigeht; dem entspricht heute in der Christenheit traditioneller Glaube oder Fürwahrhalten. Das ist menschlich und lässt das Gewissen ungereinigt und das Herz ohne Gemeinschaft. So etwas mag sich in einem Menschen finden, der in keiner Weise von Gott geboren ist (vgl. Joh 2,23-25), aber auch in dem Gläubigen, wie hier: Wenn das der Fall ist, ist es nicht das, was der Geist versiegelt, und es befreit in keiner Weise von gegenwärtigen Dingen. Und es scheint das göttliche Ziel in dem Bericht vor uns zu sein, uns das kundzutun. Glaube, wenn er von Wert sein soll und Kraft haben soll, beruht nicht auf Anschauen oder Folgen, sondern auf der Schrift. So zeigen die Jünger hinsichtlich der Worte des Herrn, bis Er von den Toten auferstand (Joh 2,22), das unzuverlässigste Gedächtnis, ebenso wie sie kein Gefühl für die Kraft und die Anwendung des geschriebenen Wortes haben: Danach glaubten sie an beides, sie drangen in bleibenden und bereichernden Segen von oben ein. Das, wie Petrus uns in seinem ersten Brief sagt (1Pet 1,8), ist für den Glauben eines Christen charakteristisch, der Christus liebt, wiewohl er Ihn nicht gesehen hat; an diesen glaubend, obgleich er Ihn jetzt nicht sieht, frohlockt er mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude. Der Glaube, der auf Beweisen ruht, mag Kraft gegen den Deismus, den Pantheismus oder den Atheismus geben; aber er hat niemals Vergebung der Sünden geschenkt oder einen dazu geführt, „Abba, Vater“ zu rufen, und hat niemals das Herz mit seiner Gnade und Herrlichkeit erfüllt, der Er der Gegenstand der ewigen Genugtuung und der ewigen Freude Gottes ist.

Hier haben wir auch das weitere und herausgestellte Zeugnis der Machtlosigkeit solchen Glaubens; denn uns wird gesagt (Joh 20,10): „Es gingen nun die Jünger wieder heim.“ Die Tatsache war durch Gründe, die für ihren Verstand unbestreitbar waren, bekannt geworden, aber sie hatten sie noch nicht im Blickfeld Gottes als in seinem Wort geoffenbart geschaut; und deshalb kehren sie zu ihren alten unabgerissenen Verbindungen zurück. Maria fasste die Dinge nicht so ruhig auf wie die beiden Jünger, und sie konnte es auch nicht. Was war „heim“ jetzt für sie? Was war die Welt? Nichts als ein leeres Grab, wo Jesus gelegen hatte. Andere mochten wieder nach Hause zurückkehren. Für ihr Herz war es unmöglich.

Verse 11-16

Joh 20,11-16: Maria aber stand bei der Gruft, draußen, und weinte. Als sie nun weinte, bückte sie sich vornüber in die Gruft und sieht zwei Engel in weißen Kleidern sitzen, einen zu dem Haupte und einen zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Und jene sagen zu ihr: Weib, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Weil sie meinen Herrn weggenommen, und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben. Als sie dies gesagt hatte, wandte sie sich zurück und sieht Jesus stehen; und sie wusste nicht, dass es Jesus sei. Jesus spricht zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie. in der Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hingelegt hast, und ich werde ihn wegholen. Jesus spricht zu ihr: Maria! Sie wendet sich um und spricht zu ihm auf hebräisch: Rabbuni! Das heißt Lehrer.

Die Traurigkeit der Liebe zu Jesus, das, was sich über seine Abwesenheit grämt oder was empfindet, dass man Ihm in irgendeiner Weise Unrecht getan hat, ist etwas ganz anderes als die Traurigkeit der Welt, die den Tod bewirkt. Sie geht bald in Leben und Frieden durch die Gnade Jesu über. Die Traurigkeit der Maria war nicht fruchtlos, auch war sie nicht von langer Dauer. Andere Diener des Herrn und der Herr selbst, den sie nicht sah, schauten auf sie. Während sie draußen weinte, bückte sie sich vornüber in die Gruft und sah zwei Engel in weißen Kleidern. Aber Er war nicht da; sie saßen einer zu dem Haupt und einer zu den Füßen, wo der Leib Jesu gelegen hatte. Aber wir hören von keinem Erschrecken und von keinem Erstarren ihrerseits, so beschäftigt war ihr Herz mit jener einen Person, die ihr allem Anschein nach verloren war, weil sogar sein Leib fort war, so dass sie Ihn nicht beweinen konnte. Auch redet sie nicht mit ihnen, sondern sie sprechen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie waren im Verborgenen. Sie hatte bis jetzt noch nicht die Zeichen der Gruft richtig gedeutet. Ihr trauerndes Herz sollte in Kürze eine bessere und klarere Botschaft erhalten. In der Zwischenzeit erklärt sie ihnen, warum sie geweint hat: „Weil sie meinen Herrn weggenommen, und ich nicht weiß, wo sie ihn hingelegt haben.“ Sie übersieht das Seltsame an der Erscheinung der Engel innerhalb der Gruft und hält es für selbstverständlich, dass jeder wissen muss, wer Er war, dessen Leib fort ist. Aber noch nicht einmal jetzt ist der Gedanke seiner Auferstehung in ihren Sinn gekommen. Der Herr war ihr Herr; sie liebte Ihn innig, aber ihrer Auffassung nach hatten Menschen Ihn genommen und Ihn irgendwohin gelegt, wo sie es nicht wusste. Eine Seele mag den Herrn lieben, und doch kann sie in der Tat hinsichtlich seiner auferstandenen Herrlichkeit im Finsteren stecken, wie wir nicht umhin können, hier herauszulesen.

Die Gnade wollte jetzt eingreifen. „Als sie dies gesagt hatte. wandte sie sich zurück und sieht Jesus stehen; und sie wusste nicht, dass es Jesus sei.“ Wie oft geschieht dasselbe mit unseren schwerfälligen Herzen! Aber Er handelt nie ohne seinen Namen, und Er redet, damit wir Ihn erkennen. „Jesus spricht zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du?“ Das Letztere war eine Schlüsselfrage. Bis Er jedoch erkannt wird, herrscht noch Dunkelheit, wenn auch Liebe da ist. „Sie, in der Meinung, es sei der Gärtner, spricht zu ihm: Herr, wenn du ihn weggetragen, so sage mir, wo du ihn hin gelegt hast, und ich werde ihn wegholen.“ Ein einziges Wort vertreibt all die Schwierigkelten und all die Zweifel, der Ausdruck nicht unserer Liebe zu Ihm, sondern seiner Liebe zu uns. „Jesus spricht zu Ihr: Maria!“ Das Werk war geschehen, die große Entdeckung war gemacht. Er war gestorben. Er war jetzt auferstanden, und Er erschien zuerst Maria Magdalene. Sie, die mit Tränen gesät hatte, erntet jetzt mit Freuden. Der Herr schätzte es, dass sie bei der Gruft in Trauer verweilt hatte, wenn es auch nur ein leeres Grab gewesen war. Ihr Herz war jetzt mit Freude erfüllt; und, wie wir sehen werden, würde die Freude überlaufen, um andere Herzen froh zu machen, die Herzen aller, die glaubten.

Der große Hirte rief seine eigenen Schafe mit Namen. Sie war für Ihn dieselbe wie je zuvor. Er stand in der Auferstehungsmacht; aber seine Liebe war dieselbe zu ihr; gewiss war sie nicht geringer als da, wo Er sieben Teufel aus ihr ausgetrieben hatte. Ohne Zweifel war da ein Gleichklang in dem Aussprechen ihres Namens, der in ihr Herz drang und sie von ihrem Traum über seine Person zurückrief, der Er einst tot war, aber jetzt in Wahrheit lebendig ist von Ewigkeit zu Ewigkeit. Schon bald würde sie lernen, dass ebenso wie Er lebte, auch sie leben sollte, leben für Gott in Christus Jesus, ihrem Herrn. Aber im Augenblick war das Wissen, dass Er lebendig war, dass Er selbst ihren Namen mit unaussprechlicher Liebe ausgedrückt hatte, die Frucht göttlicher Gnade, die ihr Herz berührte und am besten befriedigte.

Maria hatte Christus dem Fleisch nach gekannt, und sie dachte offensichtlich, dass sie Ihn auch weiterhin so kennen würde. Aber so ist es nicht. Fortan kennen wir alle Ihn nicht nach dieser Art. Christus war tot und war auferstanden und war im Begriff, seinen Platz im Himmel entsprechend den Ratschlüssen Gottes einzunehmen. Der Christ ist berufen, Ihn als Menschen im Himmel zu kennen, der Er immer der Sohn ist, aber jetzt der im Himmel verherrlichte Mensch. Von daher ist die Kraft zu erklären von dem, was jetzt folgt. Maria muss lernen, den Herrn in einem völlig neuen Licht zu betrachten, nicht in irdischer Gegenwart hier unten, sondern sie muss Ihn zum Zielpunkt des Glaubens machen als den in Herrlichkeit Aufgenommenen. Sie wird so von all ihren früheren Verbindungen frei gemacht und ist das gegebene Beispiel für den jüdischen Überrest, der von nun an Christ wird.

Verse 17.18

Joh 20,17.18: Jesus spricht zu ihr: Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalene kommt und verkündigt den Jüngern, dass sie den Herrn gesehen, und er dies zu ihr gesagt habe.

Das ist umso auffallender, wenn wir Matthäus 28,9 mit dem Verbot des Herrn an Maria in unserem Evangelium vergleichen. Beide Zwischenfälle ereigneten sich sehr nah zur selben Zeit. Doch erlaubte der Herr den anderen Frauen, zu kommen und seine Füße zu halten und Ihm zu huldigen, während Er erst kurz vorher Maria Magdalene verboten hat, Ihn anzurühren. Wir wissen, dass Er bei beiden Gelegenheiten göttlich vollkommen war, wie Er es wirklich immer ist, dass, wenn Er auch Mensch war und der Sohn des Menschen war, es nicht seine Sache war, zu bereuen, denn Er ist die Wahrheit. Aber wir dürfen und sollten uns fragen, warum so verschiedene und so schnell aufeinander folgende Arten doch jeweils absolut an ihrem eigenen Platz richtig sind. Die Verschiedenheit der Absichten in den beiden Evangelien hilft uns dabei, die Sache zu klären.

In Matthäus nimmt der auferstandene Herr seine Beziehungen zu dem jüdischen Überrest wieder auf und hilft diesen Frauen als ein Beispiel für jenen Überrest, sich an seiner Gegenwart auf Erden zu erfreuen. Aus dem gleichen Grund gibt es nicht nur am Ende von Matthäus keine Himmelfahrtsszene, sondern auch keine Anspielung auf diese Tatsache; diese würde in der Tat die Vollkommenheit des Bildes stören, das uns den Herrn als gegenwärtig mit den Seinen bis zur Vollendung des Zeitalters zeigt. Bei Johannes wird auf der anderen Seite das jüdische Gefühl sofort korrigiert; neue Verbindungen werden verkündigt, und die Himmelfahrt zu dem Vater nimmt den Platz aller Erwartungen für die Nationen auf der Erde ein mit den Juden als dem Mittelpunkt und die Zeugen des Herrn. „Rühre mich nicht an, denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater.“ Fortan soll der Herr charakteristisch von dem Christen als im Himmel seiend erkannt werden. Der Jude hatte auf Ihn auf Erden gewartet, und das war richtig; denn später wird der Jude es erfüllt sehen, dass Er über die Erde herrscht, wenn Er in Macht und großer Herrlichkeit wiederkommt. Zwischen den zerbrochenen und wiederhergestellten Hoffnungen Israels finden wir unseren Platz als Christen. Wir sind in seinen Tod getauft, und wir feiern seinen Tod, bis Er kommt, indem wir uns an Ihn beim Brotbrechen erinnern; aber wir wissen, dass Er droben ist, dass Er nicht mehr tot ist, sondern auferstanden und verherrlicht ist.

Ja, wenn wir auch Christus nach dem Fleisch gekannt hätten, so kennen wir Ihn doch jetzt nicht mehr so (2Kor 5,16). Wir können wirklich, ohne uns zu rühmen, in nüchterner Wahrheit, aber in alles überragender Gnade sagen – und als Gläubige sind wir verpflichtet, es zu sagen –, dass wir in Ihm sind. „An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch.“ – „Jener Tag“ des Neuen Testamentes ist dieser Tag, er ist schon gekommen, der Tag der Gnade für die Welt im Evangelium; der Tag der Gnade für die Heiligen in ihrer Verbindung mit Christus. „Daher, wenn jemand in Christus ist, da ist eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden. Alles aber von dem Gott, der uns mit sich selbst versöhnt hat durch Jesus Christus.“ So ist das Christentum; und dieses, das sich noch nicht entfaltet hatte, war in dem Handeln und in den Worten unseres Herrn bei Maria Magdalene eingeschlossen. „Rühre mich nicht an“ war ein Wort von hervorragender Bedeutung, und das noch mehr, wenn es durch die Worte, die es begleiten, gedeutet wird. Es ist nicht wie in Kolosser 2,21 mh; a{yh/ (eine einzelne vorübergehende Handlung), sondern mhv mou a{ptou: Rühre mich nicht weiter an; es ist ein allgemeines und fortdauerndes Verbot, das darstellen soll, dass der Überrest aus seinen Verbindungen als Juden herausgenommen ist und in neue Verbindungen gebracht worden ist, nicht nur in die Verbindung mit Christus im Himmel, sondern durch Ihn auch mit seinem Vater und Gott. Dagegen stehen auf der anderen Seite die, die den Überrest darstellen, dem es erlaubt ist, Ihn festzuhalten als ein Zeichen für seine Wiederkunft in körperlicher Gegenwart für das Reich.

Aber da ist noch mehr. „Geh aber hin zu meinen Brüdern.“ Er schämt sich nicht, die Jünger seine Brüder zu nennen. Er hatte den Weg dafür bereitet; Er hatte bei der rebellischen Verwerfung Israels von ihrem Messias gesagt: „Wer irgend den Willen meines Vaters tun wird, der in den Himmeln ist, derselbe ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.“ Jetzt, bei der Vollendung seines Sühnewerkes, anerkennt Er bestimmt diese gesegnete Frucht des Werkes, nicht nur dass Sünden dem Glauben aufgrund seines vergossenen Blutes vergeben werden, sondern auch dass Gläubige in der innigsten Weise mit Ihm, dem auferstandenen Menschen und Sohn Gottes verbunden werden. Sie sind seine Brüder; denen verkündigt Er weiter entsprechend Psalm 22,22 den Namen nicht allein von Jehova, sondern auch von dem Vater. Denn jetzt waren sie nicht nur lebendig gemacht, sondern sie waren mit Christus lebendig gemacht. Sie standen in Ihm als dem von den Toten Auferstandenen, und alle Sünden waren ihnen vergeben. Und sie lernen, dass sie so mit Christus an seinem neuen Platz als Mensch entsprechend den göttlichen Ratschlüssen in Ewigkeit verbunden sind und dass jede Frage der Sünde triumphierend am Kreuz abgeschlossen ist, nicht für Ihn, der keine Notwendigkeit dafür hatte, sondern für den Gläubigen, der jede mögliche Not durch Schuld, eine böse Natur, einen anklagenden Feind und einen heiligen gerechten Richter hatte, und dass sie in seine eigene gesegnete und ewige Gemeinschaft mit seinem Vater und Gott eingehen.

„Und sprich zu ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott.“ Es war ein Augenblick von unvergleichlicher Tiefe: Der wiederauferstandene Sohn, der das Gericht für unsere Sünden an seinem eigenen Leib auf das Fluchholz getragen hatte und der Gott in jeder Hinsicht verherrlicht hatte, nicht nur im Gehorsam im Leben, sondern auch bis zum Tod für die Sünde, sendet am Auferstehungsmorgen durch eine Frau, von der Er früher sieben Teufel ausgetrieben hatte, seinen Jüngern (die durch Unglauben verzagten) eine Botschaft von dem neuen und unvergleichlichen Segen, den Er für sie durch seinen Tod und seine Auferstehung erworben hatte. Ohne Zweifel ist Er der auferstandene Messias aus dem Samen Davids, und die Segnungen Davids werden durch seine Auferstehung sichergestellt, wie es sich in dem mit Israel wiederaufgerichteten Reich zur entsprechenden Zelt zeigen wird. Aber das muss nach Gottes Weisheit hinten angesetzt werden, und es muss in der Zwischenzeit einer weit tieferen Absicht Platz machen, die in Erscheinung tritt: der Berufung der Kinder Gottes, der Erben Gottes und Miterben Christi, zu der Erkenntnis und Freude und dem Zeugnis von Ihm und seinem Sohn durch den Heiligen Geist, was man für gewöhnlich Christentum nennt. Das konnte nicht vorher sein, und auch nicht nur deswegen, weil Er Verbindungen nach dem Fleisch und nach der Verheißung mit Israel hatte, bis sie vollständig ihren unendlich segensvollen König verachteten und Ihn endgültig durch sündigen und nicht zu entschuldigenden Unglauben verwarfen; sondern das konnte nur auf dem Boden der Erlösung durch seinen Tod geschehen, wodurch Gott jetzt frei war, um die von seinen Kindern zu formen und in eins zu versammeln, die von ihren Sünden befreit worden waren und die zusammen mit Ihm erweckt worden waren, seien es Juden oder Heiden. Jetzt, wo Er gestorben war, konnte Er viel Frucht bringen. Und hier kündigt Er die Tatsache an, die ebenso sehr würdig ist, wie sie auch Gottes würdig ist, der Ihn in Liebe, die alles menschliche Fassungsvermögen übersteigt, gesandt hat. „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott.“

Wie armselig und blass sind die Träume der Menschen sogar in ihren höchsten Gedanken, verglichen mit der einfachen Wahrheit, wie sie der Herr ausspricht und wie Er sie den Seinen zukommen lässt! Doch nichts Geringeres konnte seine Liebe befriedigen, was die Macht dieser Liebe zeigen musste, indem Er zuerst unsere Sünden nahm, um für sie von Gott geschlagen zu werden, und indem Er als Nächstes in die Herrlichkeit auffuhr und uns so weit wie möglich seine eigene Stellung als Söhne und Heilige gab (wo alles Böse und alle Schuld für ewig vom Gott vergangen ist und wo die gereinigten Anbeter kein Bewusstsein mehr von Sünden haben). Das war nicht bloß eine Hoffnung, die sich erfüllen sollte, wenn Er wiederkommt, um uns zu sich zu holen, sondern es ist die Wahrheit einer wirklich existierenden Gemeinschaft, wie sie jetzt am Auferstehungstag verkündigt wird und zu seinen Jüngern gesandt wird, damit sie das erkennen und sich voll daran erfreuen können, dass sie an seiner Himmelfahrt für die Gegenwart des Vaters im Himmel ein Pfand haben. Das gilt für alle Heiligen, bis Er wiederkommt; ach, möchten doch alle es erkennen als ihren einzigen, wahren Platz in Ihm! Noch hat die Wahrheit durch die Gnade neue Kraft zu unserer Zeit empfangen, wenn auch durch Boten, die nicht mehr Grund haben, sich zu rühmen als Maria Magdalene, die dann mit der Botschaft zu den Jüngern kam (Joh 20,18): Ich habe den Herrn gesehen; oder, wie es meistens heißt, dass sie den Herrn gesehen und Er dies zu ihr gesagt habe. Aber wir dürfen und sollten uns unseres auferstandenen Herrn und eines solchen Platzes für den Gläubigen in Ihm rühmen. „Über einen solchen werde ich mich rühmen“, sagte einer, der größer ist als irgendeiner von uns, „über mich selbst aber werde ich mich nicht rühmen, es sei denn meiner Schwachheiten.“ Es ist gut, sich über einen Menschen in Christus zu rühmen: Nur können wir damit rechnen, dass die das tun, die nicht einmal begreifen, was das bedeutet, und die so durch einen Jargon aus jüdischen und heidnischen Begriffen verdorben sind, was sich gemeinhin systematische Theologie nennt, dass sie wirklich sehr schwerfällig dabei sind, zu lernen. Wenn wir die Wahrheit kennen, so mögen wir Gnade haben, nicht nur in ihr zu wandeln, sondern auch auf die zu achten, die sie nicht kennen, wenn vielleicht Gnade und Wahrheit am Ende ihren Weg gewinnen und die Heiligen ihren wahren Segen in Christus lernen.

Die Botschaft des Herrn war nicht vergeblich. Die Jünger schlossen sich am Auferstehungstag von der Außenwelt ab und waren versammelt; und Jesus stand in der Mitte. Das ist das wunderbare Vorausahnungen gebende Bild der Versammlung, wie man es noch voller schaut, wenn die Einzelheiten berücksichtigt werden.

Verse 19-23

Joh 20,19-23: Als es nun Abend war an jenem Tage, dem ersten der Woche, und die Türen, wo die Jünger waren, aus Furcht vor den Juden verschlossen waren, kam Jesus und stand in der Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen. Jesus sprach nun wiederum zu ihnen: Friede euch! Gleichwie der Vater mich ausgesandt hat, sende ich auch euch. Und als er dies gesagt hatte. hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den heiligen Geist! Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben, welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten.

Wie viele Dinge von geistlicher Bedeutung wurden hier auf kleinstem Raum zusammengetragen und in der einfachsten Form zum Ausdruck gebracht! Jener Tag, der zur entsprechenden Zeit seine ihm angemessene Bezeichnung als „des Herrn Tag“ (Off 1,10) annehmen sollte, was für den Christen ebenso charakteristisch ist wie der Sabbat für den Juden, wurde nicht nur durch das Sich-Versammeln der Heiligen gekennzeichnet, sondern auch durch die Gegenwart des Herrn in ihrer Mitte. So war es am Anfang der folgenden Woche (Joh 20,26); und so hebt späterhin der Geist diesen Tag als den Tag hervor, wo das Brotbrechen stattfindet (Apg 20,7) und wo die Bedürfnisse der armen Heiligen in Erinnerung vor Ihm und vor ihnen in den Vordergrund treten (1Kor 16,2). Es war wirklich göttliche Führung, wenn es auch die Form eines Befehles annahm; aber es ist um nichts weniger kostbar oder obligatorisch für alle, die seine besondere Gegenwart in der Gemeinschaft mit den Seinen und die Feier seines Todes, bis dass Er wiederkommt, schätzen. Es war nicht der Tag der Schöpfungsruhe oder der Einführung des Gesetzes, sondern der Tag der Auferstehung und der Gnade, der den Gläubigen mit seinen reichen und ewigen Ergebnissen verband; an diesem Tag kommen alle, die so gesegnet sind, zusammen, um sich gemeinsam jenes Todes des Herrn zu erfreuen, der der gerechte Grund für all diese Vorrechte und alles andere ist.

An jenem Tag gab der Herr den versammelten Jüngern ein deutliches Zeugnis für die Kraft des Lebens in Auferstehung; denn da, wo sie waren, waren die Türen verschlossen aus Furcht vor den Juden, aber Jesus kam und stand in ihrer Mitte. In dem natürlichen Leib herrscht Schwachheit, und er wird, wenn nicht ein Wunder geschieht, von einer Wand oder einer verschlossenen Tür oder einer Kette oder tausend anderen Hindernissen zurückgehalten. So ist es nicht bei dem Leib, der in Kraft auferweckt ist, wie der Herr ihnen hier stillschweigend zeigt. Es scheint, dass es hier und auch noch weiter unten gezeigt werden soll, dass der auferstandene Leib so eintritt oder eintreten kann, nicht durch ein Wunder (wie wunderlich es uns auch erscheinen mag, die wir Dinge nach der gegenwärtigen Verfassung dieses Lebens betrachten und beurteilen), sondern als etwas Normales aufgrund der Kraft der Auferstehung, wobei alles wirklich übernatürlich ist. Es besteht hier kein Grund – sondern vielmehr das Gegenteil –, dass die Türen veranlasst wurden, sich selbst zu öffnen. So war es in Apostelgeschichte 5,19, als der Engel die Apostel Petrus und Johannes aus dem Gefängnis führte; so war es wiederum, als Petrus zum zweiten Mal befreit wurde (Apg 12,10), wo das eiserne Tor sich von selbst öffnete, nicht um den Engel einzulassen, der das nicht nötig hatte, sondern um Petrus herauszulassen. Es ist keine Frage der Allmacht, sondern des auferstandenen Leibes, der keine offene Tür mehr nötig hat ebenso wenig wie ein Engel. Die Alten scheinen in dieser Hinsicht einen weit einfacheren Glauben zu haben als die ganz Modernen, die damit ihren wachsenden Materialismus heutiger Prägung verraten. Von philosophischen Schwierigkeiten zu sprechen, ist eine lächerliche Behauptung: Was kennt die Philosophie von der Auferstehung? Es ist eine Frage von Gott und seinem Sohn, nicht von bloßen Ursachen und Wirkungen und noch weniger von Erfahrungen. Der Christ glaubt an das Wort und weiß, was Gott offenbart. Lass die Philosophie bekennen – nicht sich rühmen –, dass sie nichts weiß; wenn sie stumm vor der Schöpfung steht, so ist die Auferstehung noch viel verwirrender für sie.

Jesus kam da und auf diese Weise und stand in ihrer Mitte und sagte zu den Jüngern: Friede euch! Diesen Frieden hatte Er als sein Vermächtnis vor dem Kreuz zurückgelassen; jetzt, als wieder lebendig von den Toten auferstanden verkündigt Er ihn den Seinen: Wie süß ist der Ton in einer Welt des Krieges mit Gott! Und zwar auf doppelte Weise, wo ernste Seelen ohne Erfolg danach gestrebt haben, den Frieden für sich selbst mit Gott zu erringen, wie auch immer sie getrauert, geweint und geseufzt haben, wie auch immer sie gebetet, gerungen und gekämpft haben, wie auch immer sie sich bemüht haben, das Böse auszulöschen und dem Guten anzuhangen. Denn solche wissen am besten, dass das Gewissen und das Herz keinen festen Frieden in Selbstgericht oder in der Selbstverleugnung, in der Betrachtung Gottes oder in dem eigenen Mühen finden kann; im Gegenteil, je aufrichtiger sie sind, desto weniger Frieden haben sie. Sie sind auf einem ganz falschen Weg. Friede für einen sündigen Menschen kann nur durch das Blut am Kreuze Christi geschehen, was der Glaube an sein Wort aufnimmt. Und so sagte der Herr es den Jüngern an jenem Tag, wo das mächtige Werk, auf dem der Friede sich gründet, vollendet und von Gott angenommen war, wie seine Auferstehung bestätigt. „Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger, als sie den Herrn sahen.“

Einige haben angenommen, dass das zweite „Friede euch!“ eine Art Aufwiedersehensagen oder Lebewohlsagen sei, so wie das erste eine Begrüßung war. So wie das Erstere ganz anders war, ja der tiefe Segen, der die charakterisiert, die durch Glauben gerechtfertigt sind, und der immer in der einen oder anderen Form durch das ganze Neue Testament hindurch auftaucht, so ist das Zweite in Verbindung mit der Sendung, in der der Herr jetzt die Jünger senden will. Sie empfingen erst Frieden für sich selbst; als Nächstes werden sie beauftragt, mit dem Evangelium des Friedens zu anderen zu gehen. „Gleichwie der Vater mich ausgesandt habe, sende ich auch euch.“ Dies sind Christi wahre Gesandte: Andere sind nur Diebe und Räuber, und die Schafe tun gut daran, nicht auf sie zu hören, da sie selbst dem Frieden fern sind, wie sie selbst nur bekennen können, wie können sie dann anderen von einem Frieden erzählen, der arme Sünder mit Gewissheit erfüllen kann?

Aber der Herr kommt als Nächstes zu einem anderen höchst bedeutsamen Zeichen des neuen und dauernden Vorrechtes. „Und als er dies gesagt hatte, hauchte er in sie und spricht zu ihnen: Empfanget den Heiligen Geist! Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben, welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ Es war der, der, bevor Er Menschengestalt annahm, den Odem des Lebens in die Nase von Adam geblasen hatte. Und jetzt blies Er in die Jünger den Odem eines besseren und ewigen Lebens, seines eigenen Lebens, da sie jetzt beide (d.h. Jehova Gott und der auferstandene zweite Mensch) in einer Person sind. Niemals vorher hatte Er so etwas getan. Der richtige Augenblick war gekommen, Er war für ihre Übertretungen überliefert und für ihre Rechtfertigung auferweckt worden. Das auferstandene Leben ist Befreiung von dem Gesetz der Sünde und des Todes und ist das leuchtende Zeugnis für eine vollständige Vergebung der Sünden; und das nicht als eine abstrakte Wahrheit für alle Gläubigen, sondern als etwas, was beabsichtigt war, von jedem Einzelnen erkannt und genossen zu werden. „Also ist jetzt keine Verdammnis für die, welche in Christus Jesus sind. Denn das Gesetz des Geistes, des Lebens in Christus Jesus, hat mich frei gemacht von dem Gesetz der Sünde und des Todes.“ Vorher, in Römer 7 von Vers 7 an, lesen wir, wie versucht und geprüft und böse das „Ich“ war, bis es selbst niedersank, um in Christus Gnade zu finden, nicht nur für die Vergangenheit, sondern auch für die Gegenwart und natürlich für alle Ewigkeit.

Was kann noch intensiver persönlich sein als diese Befreiung vom Elend? Und was kann noch klarer zeigen, dass es nicht nur ein neues und göttliches Leben war (sondern dieses Leben war da, nachdem das Gericht der Sünde und der Fluch des Gesetzes auf Christus gefallen war, nachdem Er alles für den Gläubigen gerecht auf sich genommen und hinweggetan hatte und Er siegreich auferstanden war – so verlieh Er ein Leben, das über Sünde, Gesetz oder Gericht erhaben ist)?

Dafür war sein In-sie-Hineinhauchen das Zeichen; und Er sagte: „Empfanget den Heiligen Geist!“ Das war noch nicht der Geist, der herabgesandt werden sollte von dem gen Himmel gefahrenen Herrn und Christus, um sie in einen Leib zu taufen und um Kraft und Zeugnis zu geben, sondern es war die Kraft seines eigenen auferstandenen Lebens. Denn der Geist hat immer in der engsten Weise mit jedem Segen zu tun; und so, wie für das Reich Gottes jeder von Wasser und Geist geboren ist und keiner sonst jenes Reich sehen oder in es hineingehen kann, so ist es hier mit dem Leben in der Auferstehung, das an Seelen wirken soll, die das Evangelium gehört haben und an es glauben.

Denn dies ist nicht alles. Den Jüngern, die so befreit waren, wird ein gesegnetes Vorrecht und eine ernste Verantwortung hinsichtlich anderer auferlegt. Die, die dieses nicht haben, werden jetzt als Sünder betrachtet, dabei verschwindet die alte Unterscheidung von Juden und Heiden jetzt in dem wahren Licht. Aber wenn es das Gericht der Welt ist, so ist es der Tag der Gnade; und die Jünger haben die Verwaltung, denn der Geist des Lebens in Christus gibt ihnen dazu die Fähigkeit. Deshalb sagt der Herr: „Welchen irgend ihr die Sünden vergebet, denen sind sie vergeben, welchen irgend ihr sie behaltet, sind sie behalten.“ So wurden bußfertige Seelen zur Vergebung der Sünden getauft, während von dem Zauberer Simon gesagt wurde, dass er in Galle der Bitterkeit und in Banden der Ungerechtigkeit sei. So wurde die böse Person von den Heiligen entfernt, und derselbe Mensch sollte nach dem Urteil über sein Böses und nach seiner eigenen tiefen Betrübnis über seine Sünde der Liebe durch die Wiederaufnahme in die Versammlung versichert werden, im Gehorsam und doch die Initiative bei der Handlung ergreifend, dass es Sache des Gewissens und nicht der bloßen Autorität oder des Einflusses sein konnte. Es war das Tun der Versammlung. „Wem ihr aber etwas vergebet, dem vergebe auch ich; denn auch ich, was ich vergeben, wenn ich etwas vergeben habe, habe ich um euretwillen vergeben in der Person Christi.“ Paulus wollte nichts Gezwungenes, sondern ungebrochene Gemeinschaft in Disziplin: nicht dass er diktieren wollte und sie blind oder in Furcht folgen sollten, wie es in der Kirchenwelt der Fall ist; sondern sie sollten der Autorität Christi folgen, und auch er sollte das in einer echten Gemeinschaft des Geistes.

Am Auferstehungstag waren die Apostel nicht alle gegenwärtig:

Verse 24.25

Joh 20,24.25: Thomas aber, einer von den Zwölfen, genannt Zwilling, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. Da sagten die anderen Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Es sei denn, dass ich in seinen Händen das Mal der Nägel sehe und meine Finger in das Mal der Nägel lege und lege meine Hand in seine Seite, so werde ich nicht glauben.

Sein Seelenzustand passte zu seiner Abwesenheit an jenem Tag. Er leistete der segensvollen Nachricht von der Auferstehung Widerstand und versammelte sich nicht mit den Jüngern, um an der Freude der Gegenwart des Meisters in ihrer Mitte teilzuhaben. Es fiel ihm schwer, zu glauben, und er verpasste den frühen Geschmack des Segens und blieb in der Finsternis seines eigenen Unglaubens, während die übrigen mit Freude erfüllt waren. Er wird deshalb ein geeignetes Beispiel für den Juden, nicht für die gottlose Masse, die einen anderen, der in seinem eigenen Namen kommt, aufnimmt, sondern für den armen betrübten Überrest, der sich an die Hoffnung auf den Messias zur späteren Zeit klammert und der in die Ruhe und Freude erst dann eingehen wird, wenn er Ihn sieht, wie Er zu seiner Befreiung erscheint.

Verse 26-29

Joh 20,26-29: Und nach acht Tagen waren seine Jünger wiederum drinnen und Thomas bei ihnen. Da kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und stand in der Mitte und sprach: Friede euch! Dann spricht er zu Thomas: Reiche deine Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig. Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! Jesus spricht zu ihm: Weil du mich gesehen hast. hast du geglaubt. Glückselig sind, die nicht gesehen und geglaubt haben!

Das ist ein gesegnetes Bild für die Frucht der Auferstehung Christi zur letzten Zeit: nicht die Versammlung, sondern die „große Gemeinde“ wird in die unendliche Gnade eingeführt, dass sie den Herrn erkennt und preist, wenn Er nicht mehr verborgen ist, sondern sichtbar herrscht. Die von vorher werden das gute Teil erwählt haben, das nicht von ihnen genommen werden soll – sie sahen nicht und glaubten doch. Israel wird sehen und glauben: Sie werden auch in der Tat gesegnet werden, aber nicht nach demselben hohen Maß des Segens. Sie werden nicht eine solche Offenbarung des Vaters haben, sie werden nicht eine solche Verbindung mit dem Sohn haben und kein bewusstes Band mit dem Himmel durch seine Himmelfahrt. Der Verworfene wird wiedergekommen sein, um in Macht und Herrlichkeit zu herrschen; und das Herz Israels, das so lange dürr und dunkel gewesen war, soll endlich erleuchtet werden mit dem Glanz ihrer erfüllten Hoffnung in der Gegenwart des Herrn, der jede Verheißung einlosen will, wenn sie sich ihrerseits nicht mehr ihrer eigenen Gerechtigkeit rühmen, sondern sich auf den Grund der Gnade stellen, die in Ewigkeit währt. Sie erkennen den Richter Israels, dem sie mit einem Rohr ins Gesicht geschlagen haben, und sie erkennen, dass sie Ihm ausgeliefert sind bis zum Anfang von Gottes großem endgültigen Ratschluss in ihrer Hinsicht, wenn Er groß sein wird bis zu den Enden der Erde und sie wie ein Tau des Segens von Jehova inmitten der Nationen sein werden und wenn alle ihre Feinde vernichtet werden. „Sie werden auf mich blicken, den sie durchbohrt haben, und werden über ihn wehklagen“, in der Bitterkeit der Selbstanklage, aber auch erfüllt von einem Geist der Gnade und der Anbetung. Denn gewiss wurde Er in dem Haus seiner Freunde verwundet, aber Er wurde verwundet (wie sie später lernen) für ihre Übertretungen, Er wurde um ihrer Missetaten willen, für die Sünden des Volkes Jehovas zerschlagen (s. Mich 5; Sach 12 und Jes 53). Deshalb hören wir hier nichts davon, dass der Herr wegen seiner Auffahrt zu seinem Vater nicht angerührt werden darf, und wir hören auch nichts von dem Zu-seinen-Brüdern-Gehen und Zu-ihnen-Sprechen: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott.“ Im Gegenteil, die Gnade will sich zu denen herablassen, die nach Zeichen verlangten, bevor sie glauben wollten; und sie werden überwältigt und beschämt dastehen bei der Fülle der sichtbaren Beweise, wenn der Messias hier unten wiederkommt.

Es gibt Frieden für sie; „denn dieser wird“ auch an jenem Tag „der Friede sein“, wie groß auch immer der Stolz und die Macht des Feindes ist. Aber es wird nicht dieselbe Sendung des Friedens in der Macht seines auferstandenen Lebens geben; alle ihr Schuld wird vergeben, alle ihre Krankheiten werden geheilt, aber sie haben nicht den Platz der Versammlung, um Sünden zu vergeben oder zu behalten im Namen des Herrn.

Deshalb lautet der charakteristische Ausruf und das Bekenntnis des Thomas: „Mein Herr und mein Gott!“ So wird Israel in dem Reich sprechen. „Und an jenem Tage wird man sprechen: Siehe da, unser Gott, auf den wir harrten, dass er uns retten würde; da ist Jehova, auf den wir harrten. lasst uns frohlocken und uns freuen in seiner Rettung!“ Es ist die Wahrheit, und es ist der wahre Segen für Israel, dies zu besitzen und segensvoll anzuerkennen, besonders für die, die Ihn so lange zu ihrer eigenen Schande und zu ihrem eigenen Verderben verachtet hatten; aber das hat nicht die Innigkeit jener Gemeinschaft, zu der der Christ jetzt berufen ist, „Unsere Gemeinschaft ist mit dem Vater und mit seinem Sohne Jesus Christus.“ – „Denn wir wandeln durch Glauben, nicht durch Schauen“; und obwohl wir Christus nicht gesehen haben, lieben wir Ihn, „an welchen glaubend, obgleich ihr ihn jetzt nicht sehet, ihr mit unaussprechlicher und verherrlichter Freude frohlocket“.

Hier unterbricht der Evangelist, wie es gelegentlich seine Art ist, für einen Augenblick den Faden der göttlichen Erzählung, um etwas über die gnädige Art des Erlösers zu sagen, Zeichen und wunderbare Dinge im Überfluss zu geben, die seinen Dienst hier unten begleiteten, ebenso wie er etwas sagen will über die Absicht des Segens, die der Heilige Geist im Auge hatte, indem aus dieser unendlichen Zahl solche ausgewählt wurden, die am meisten für das bleibende Zeugnis zur Gnade Gottes geeignet waren. Zwei Ziele werden dargelegt: erstens und in erster Linie die Herrlichkeit der Person des Herrn, dass Jesus der Christus, der Sohn Gottes ist; und zweitens dass der Gläubige in seinem Namen Leben haben kann.

Verse 30.31

Joh 20,30.31: Auch viele andere Zeichen hat nun zwar Jesus vor seinen Jüngern getan, die nicht in diesem Buche geschrieben sind. Diese aber sind geschrieben, auf dass ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und auf dass ihr glaubend Leben habet in seinem Namen.

Ohne Zweifel war dies ein passender Moment, um hier haltzumachen und so etwas zu sagen. Der Unglaube eines Gläubigen, ja eines Apostels, war der Anlass dafür, wo der Herr haltgemacht hatte, um seinem irrenden Diener durch sichtbare Zeichen und fühlbare Beweise, auf denen dieser in seiner Torheit und zu seinem nicht wiedergutzumachenden Verderben, wenn die Gnade nicht eingegriffen hätte, wie wir gesehen haben, bestanden hatte, zu begegnen und ihn anzunehmen. Es war ein unschätzbarer Vorteil, die Dinge gesehen zu haben, die die Jünger sahen. Es ist aber noch besser, ohne zu schauen zu glauben. Und die Gnade wollte für die, die der Natur nach nicht sehen konnten, versorgen, damit sie auch hören und leben konnten. Das ist der Grund für das Schreiben dieses kostbaren Buches. Es sollte ein Zeugnis für Jesus sein; es sollte von allen Menschen gekannt und gelesen werden. Nicht dass jene Schrift jemals ihr wunderbares Thema erschöpfend behandelt, was auch immer es sein mag; und hier vor allem ist das Thema in der beschriebenen Person so unendlich, wie der Segen für die, die glauben, auch ewig ist. Gott wählt in seiner Gnade einige Zeichen aus den vielen aus, in seiner überlegten Güte, die genau weiß, was wir ertragen können. Denn wenn die Schrift sein Wort ist, so ist sie den Menschen, auch uns, die wir glauben, zu dem Zweck gegeben, dass wir uns jenes Lebens in seinem Sohn erfreuen, weil es der tiefste Segen ist, den Er geben konnte, die Mitteilung von jener Natur, die, da sie von Gott kommt, immer zu Ihm hin geht, ja die die Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn, gibt.

Aber so wie der erhabene Prüfstein, der Prüfstein des Kreuzes, jetzt die Person Jesu Christi als ins Fleisch gekommen (1Joh 4,2.3) ist, so ist damit das göttlich gegebene und bewahrte Zeugnis für die Gnade Gottes und die Herrlichkeit Christi verbunden, womit die Familie Gottes, so schwach sie auch sein mag, die feindliche Macht der Welt und ihres Fürsten überwinden kann. Denn der, der in ihnen ist, ist größer als der, der in der Welt ist. Und diejenigen, die von Gott sind, sind taub für solche, die von der Welt sind und reden wie von der Welt und die von der Welt gehört werden; aber haben sie niemand, auf den sie besonders hören sollen? Gott sei Dank, sie kennen Gott, und sie hören auf die, die von Gott sind, auf seine auserwählten Zeugen, die der Heilige Geist in die ganze Wahrheit leiten sollte und es auch tat und die zur gegebenen Zeit „dieses Buch“ schrieben, wie andere außer Johannes, die nicht weniger für das Werk inspiriert waren. Auf der anderen Seite hören die, die nicht von Gott sind, nicht auf die Apostel, sie bevorzugen ihre eigenen Gedanken oder die Gedankengänge von anderen Menschen zu ihrem unheilbaren Verderben. „Hieraus erkennen wir den Geist der Wahrheit und den Geist des Irrtums.“

Nach dieser kurzen, aber wertvollen und gnädigen Unterbrechung wendet sich der Evangelist zu der „dritten“ (Joh 21,14) der großen Offenbarungen des auferstandenen Jesus, die zu beschreiben seine Aufgabe war, bevor er mit den beachtlichen und besonderen Plätzen endet, die der Herr Petrus und Johannes in ihrem Dienst hier unten geben wollte. Man könnte es für unbegreiflich halten, wenn es nicht eine positive Tatsache wäre, dass irgendwelche Leute von Einsicht sagen können, dass unsere beiden Verse, die Kapitel 20 abschließen, ein formeller Abschluss des Evangeliums seien. Grotius scheint der Erste gewesen zu sein, der einer Mutmaßung Ausdruck verlieh und sie genau definierte, die mit der klaren Verbindung der ersten beiden Tage der Woche und mit der Szene, die in Kapitel 21 folgt, unvereinbar ist: unvereinbar gerade im Verhältnis zu dem wahren Verständnis des Evangeliums als Ganzes. Das moderne Deutschland nahm diese und andere lästerliche Erkenntnisse jenes gelehrten Holländers an, nicht nur Ewald, Lücke und Tholuck, sondern sogar Meyer, Neander und Stier. Es ist schmerzlich hinzuzufügen, dass Alford, Scrivener, Westcott etc. der unverlangten Theorie nachgegeben haben, dass Johannes 20 ursprünglich das Evangelium beendet habe und dass Kapitel 21 ein späterer Anhang aus der eigenen Hand des Apostels sei, obwohl auch viele noch weiter gehen und es ihm überhaupt absprechen.

Wenn wir uns in die Einzelheiten des abschließenden Kapitels vertiefen, wird es uns möglich, noch mehr zu zeigen, wie unbegründet dieser Gedanke ist. Inzwischen genügt es, hier kurz den Irrtum herauszustellen, die beiden Verse, die wir eben gerade vor uns hatten, als das wahre Ende zu betrachten. In Wirklichkeit sind sie ein lehrreicher Kommentar nebenbei, nicht ohne einen Blick auf die Zeichen, die durch den Herrn die ganze Zeit gewirkt wurden, aber mit der besonderen Erklärung der Absicht Gottes zur Ehre Christi und zum Segen des Gläubigen, wozu er durch den Fall des Thomas veranlasst wurde – er vermeidet es jedoch feinfühlig, irgendwie direkt auf einen so von dem Herrn Geehrten anzuspielen. Es wäre wirklich ebenso wahr zu sagen, dass unser Evangelist mehr als einmal in Kapitel 1 angefangen hat, wie dass man zugibt, dass es mehr als ein Ende in den Kapiteln 20 und 21 gibt. Wenn Menschen also in der Tat von oberflächlichen Erscheinungen her urteilen, wäre es noch einleuchtender, zu folgern, dass es zwei, wenn nicht sogar drei Ergänzungen zum Römerbrief gibt. Auch fehlt es nicht an Kapazitäten, die die Worte vom Ende des Kapitels 16 an das Ende von Kapitel 14 stellen. Doch soll in Zweifel gestellt werden, ob die Hypothese dort so unnatürlich ist, wie es hier unnatürlich sein würde, die dritte Offenbarung des Herrn in der Auferstehung von den zwei, die ihr vorausgehen, zu trennen oder sogar die Letztere als eine spätere Hinzufügung anzusehen, denn sie ist für die Vollständigkeit des Bildes notwendig. Sie ist die wahre Abrundung. In keiner Weise ist sie (wie Menschen gedacht haben) eine bloße Ergänzung, denn sie bildet einen wesentlichen Teil eines organischen Ganzen; ebenso wie Johannes 2,1-22 als eine Folge von Kapitel 1 anzusehen ist und niemals mit Recht davon getrennt werden konnte, wie ein Hintergedanke erst kürzlich von derselben Seite her vorhatte.

Mr. J.B. McClellan ist in seinem „Neuen Testament“ (l. 744–747) eine rühmliche Ausnahme für die Vorstellungen seiner Zeit, die gesunde Kritik subjektiven Gedanken unterordnet. Auf der einen Seite ist die äußere Autorität voll und unanfechtbar; auf der anderen Seite ist die Besonderheit der Art des Evangelisten niemals richtig von irgendeinem in Betracht gezogen worden, der die Annahme von dem Anhang bejaht hat. Johannes wurde von dem Geist so geleitet, dass er von Zeit zu Zeit einen Ausdruck seines Herzens über das zwischenschob, was seinen göttlichen Meister im Guten oder Bösen betraf, oder über das Zeugnis, das in seinen Worten, seinen Wegen und in den Zeichen, die alles wie hier begleiteten, gegeben wurde. Alles, was darüber hinausgeht, ist eine unechte Folgerung, die Kapitel 21 aus seinem richtigen Platz herauslöst. Wie unehrenhaft ist es für die prahlerischen modernen Kritiker, dass sie zulassen, dass ihre eigenen Gedanken ihnen davonlaufen angesichts der überwältigenden Autorität und der übereinstimmenden Zeugen! Auch ist dies nicht alles. Denn der wahre innere Beweis ist entscheidend für die Fortsetzung des Textes, so wie er da steht, denn das Kapitel, das jetzt folgt, ist notwendig, um den Umfang dieses Evangeliums im Allgemeinen und besonders die Tragweite von dem, was im letzteren Teil von Kapitel 20 begann, abzurunden.

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