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Leitverse: 1. Petrus 1
Gottes Kinder können daran gehindert werden, ihre Vorrechte in Christus zu
genießen. Unserer Stellung nach sind wir mit Christus vereinigt. Nur diese
Wahrheit kann die Gnade erklären, die uns gegeben ist, und das Glück und die Herrlichkeit, die unser Teil sind. Unsere gesegnete Stellung
beschreibt Paulus in
dem Brief an die Epheser. Petrus dagegen betrachtet die Kinder
Gottes nicht als mit Christus im Himmel vereinigt. Er sieht sie durch die
Wüste ziehen, deren Umstände der Anlass sein können, ihnen den Genuss der
christlichen Stellung und die Verwirklichung ihres gesegneten und
herrlichen Platzes, der ihnen gehört, wegzunehmen.
Der Unterschied zwischen dem ersten Petrusbrief und dem Epheserbrief
berührt mich. Petrus spricht von einem „unverweslichen und
unbefleckten und unverwelklichen Erbteil, das in den Himmeln aufbewahrt ist
für euch“, während wir hier auf der Erde sind. Paulus sieht uns
im Brief an die Epheser gesetzt „in die himmlischen Örter mit
Christus“, das heißt gesetzt auf die Höhe unserer Vorrechte.
Petrus sieht uns dort nicht: Der Himmel ist zwar unsere Hoffnung, aber wir
sind noch nicht dort. Auf der anderen Seite sagt Paulus: Ich bin in den
himmlischen Örtern, denn wenn Christus unser Haupt ist, ist der Leib (die
Gemeinde) auch dort. Für ihn ist es unmöglich, von dort wegzugehen.
Nichts, sagt Paulus, wird uns scheiden von der Liebe Christi. Wenn ich
mich selbst als tot betrachte, dann bin ich durch die Pforte des Kreuzes
hineingegangen, während ich alle meine Sünden auf der anderen Seite
zurücklasse. Aber diese Befreiung von den Sünden führt die Christen
auch in die Wüste, und Petrus stellt uns den Himmel als unsere Hoffnung
vor. Der Christ ist noch nicht dort, aber er ist auf dem Weg dorthin. Darum
sagt er nicht, dass wir auferweckt sind, sondern dass die Auferstehung die
Grundlage des Heils unserer Seele ist, das Ende unseres Glaubens (1Pet
1,9). Christus, sagt er, hat den Sieg über den Tod davongetragen, fortan
seid ihr Fremdlinge und Beiwohner
auf der Erde. Petrus sieht die Christen nicht als gesetzt in die himmlischen
Örter (Eph 2,6), sondern als Pilger auf der Reise, um das gelobte Land zu
erreichen. Das ist auch sehr kostbar. Wir dürfen nichts von unserer
Stellung abtun oder sie herabsetzen, sondern wir müssen die Umstände, die
wir durchleben, als etwas betrachten, was uns näher zu Gott bringt, anstatt
sie als etwas zu sehen, was uns von Ihm scheidet. Wer die Steine der
Wüste fühlt, muss auch die Gnade der Tatsache erkennen, dass er nicht mehr
in Ägypten, sondern daraus erlöst ist. Die Schwierigkeiten, die
Erprobungen des Glaubens, sind etwas ganz anderes als die Rückkehr in die
Sklaverei der Welt, die Unzufriedenheit und Murren erzeugt. Denn wenn das
der Fall ist, kann der Christ nicht sagen, dass er es genießt, nicht mehr in Ägypten
zu sein. Er beklagt sich über die Schwierigkeiten
unterwegs, während andere geradezu gestärkt werden, wenn ihr Glaube
während ihres Wandels geprüft wird. Das ist der Unterschied zwischen dem
ersten Petrusbrief und dem Brief an die Epheser, dem wir noch den Brief an
die Kolosser hinzufügen können. Petrus sagt dann auch: Ihr kennt die
großen Grundsätze der Auferstehung. Ihr seid mit Christus gestorben, mit
Ihm auferstanden und lebendig gemacht mit Ihm. Die Folge davon ist nicht,
dass ihr auf den Himmel hofft — ihr seid schon dort —, sondern das ihr auf
etwas anderes hofft, nämlich auf das Erbe aller Dinge (Eph 1,13-19). Die
Kolosser waren im Glauben schwach geworden, weil sie nicht am Haupt
festhielten. Wenn ich nicht sagen kann, dass ich mit dem Haupt vereinigt
bin, dann kann ich auch nicht sagen, dass ich dort bin, wo das Haupt ist,
also im Himmel. Das Haupt bleibt immerzu unerschütterlich treu, doch mit
dem Leib ist es nicht so. Darum sagt Paulus zu ihnen: „Wenn ihr nun mit
dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der
Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes. Sinnt auf das, was droben ist,
nicht auf das, was auf der Erde ist; denn ihr seid gestorben, und euer Leben
ist verborgen mit dem Christus im Gott“ (Kol 3,1-3). Die Epheser
brauchten nicht auf diese Weise ermahnt zu werden. Paulus zeigt ihnen die
Vorrechte, die sie besaßen. Die Kolosser aber musste er ermahnen, weil sie
sich nicht am Haupt festhielten und der Himmel für sie nur eine Hoffnung
geblieben war. Die Epheser hofften nicht dort zu sein, sie waren dort, und
Paulus konnte zu ihnen sagen: Bleibt auf der Stufe
eurer Vorrechte. Aber es gibt noch etwas anderes als die Freude des
Glaubens: nämlich das Leben des Glaubens — auch das muss verwirklicht
werden; und Petrus stellt uns die Wahrheit vor. Selbst für Christus war es
etwas ganz anderes, auf dem Berg zu sein oder von dort hinabzusteigen, um
unten die Macht Satans zu erfahren. Christus war jederzeit und überall
vollkommen, aber für uns bedeutet das Leben durch den Glauben nicht immer,
dass wir die Freude des Glaubens erleben. In der Freude vergesse ich alles, aber
das Leben durch den Glauben besteht darin, inmitten der Schwierigkeiten des
Lebens und gegenüber dem Teufel bei den göttlichen Grundsätzen zu
bleiben. Wir singen: Jesus ist allein mein Licht und Leben. Das ist eine
herrliche Wahrheit für die Seele: Jesus allein. Aber wie viele Dinge
hindern uns daran und verhindern, dass unsere Pilgerreise kein Leben durch
Glauben ist. Wir werden in der Tat für das Erbe bewahrt durch die Kraft
Gottes, aber wir müssen selbst laufen, um es zu empfangen. Während wir
laufen, bewahrt Er uns; aber Er will, dass unsere Herzen täglich abhängig
bleiben. Unser Heil gründet sich auf der Auferstehung Christi. Der
Gegenstand meines Glaubens und meine Hoffnung liegt außerhalb dieser Welt.
Allen, die an das Werk glauben, das Gott durch Christus vollbracht hat,
stellt Petrus stellt den Herrn Jesus als Gegenstand vor. Gott hat Ihn
auferweckt. Er ist ein Heiland-Gott. Er bringt den Glauben und die Früchte
des Glaubens hervor, und wir werden bewahrt durch den Glauben. Das bedeutet
nicht nur, dass wir gerettet sind, sondern dass Er offenbart werden wird.
Wir müssen wandeln, um Ihn zu erlangen und um durch die Welt zu gehen.
Unsere Zuneigungen müssen auf Christus gerichtet sein. Wir müssen so
wandeln, dass die Anziehungskraft dieser verlorenen Welt — die uns umringt
und im Bösen liegt — ihren Wert für uns verliert. Diese Welt muss eine
Wüste für uns werden. Alles wird durch Ihn angeordnet, selbst die
Erprobung. Gott hat sie nicht wegnehmen wollen, sondern will, dass wir in
dieser Wüste die Hilfsbrunnen finden, die in Ihm sind. Wir wollen froh
sein; das Heil liegt bereit, um offenbart zu werden. Das Wort sagt es mir,
ich weiß es und ich kann warten. Wenn nichts zwischen mir und Christus
steht, dann gilt meine ganze Zuwendung Ihm. Dann teile ich mit Ihm seine
Herrlichkeit und warte darauf, mit Ihm offenbart zu werden. Seine
Erscheinung bedeutet alles für mich. Alles ist verändert, auch die Welt
selbst ist als Wüste aus meinen Augen verschwunden. Es ist keine Freude,
durch die Erprobung zu gehen, aber Gott will uns dadurch von der Welt
loslösen, damit wir unsere Freude in dem Herrn Jesus finden. Die Folge
davon ist, dass uns während unserer Wüstenreise alle Hilfsbrunnen Gottes
zu Diensten stehen. Wenn wir diese nicht hätten, würden wir niemals den
Reichtum der Gnade verstehen. Die Wüste zeigt alle unsere Bedürfnisse, aber
zur gleichen Zeit finden wir alle Hilfsbrunnen, die unseren Nöten abhelfen.
Du wirst vielleicht sagen, dass du nicht auf dem Stand
bist, um solche Erfahrungen zu genießen. Das tut wenig dazu, denn wenn der
Herr Jesus offenbart wird, wirst du entdecken, dass „die Bewährung
eures Glaubens … befunden werde zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der
Offenbarung Jesu Christi“ (1Pet 1,7). Darum steht geschrieben: „Denn ihr habt Ausharren nötig, damit ihr, nachdem ihr den Willen
Gottes getan habt, die Verheißung davontragt“ (Heb 10,36). Kannst
du sagen, dass du in den verschiedenen Umständen des Lebens die Freude des
Glaubens oder die Kraft des Glaubens gefühlt hast? Was das Letztere
betrifft, ist es auch gut, sich einmal selbst fragen, ob das, was man
durchmacht, eine Erprobung ist oder ob es das Genießen der Hilfsbrunnen
Gottes ist? Je mehr ich meine Einheit mit dem Haupt genieße, umso
entsetzter bin ich über alle nichtigen Vergnügungen, und dann begreife ich,
was das Leben des Himmels ist. Dann sind die Erprobungen nicht die Folge
meines Egoismus, sondern meines Glaubens. Erfährt du die Erprobungen des
Glaubens? Hast du lebendige Hoffnung, bei dem Herrn zu sein? Ist die
Erwartung unserer Offenbarung mit dem Herrn ebenso kraftvoll vorhanden wie
früher? Hast du die Lenden umgürtet und wartest du auf Ihn? Es ist
herrlich, im Alltagsleben zu wissen, dass ich auf dem Weg bin und in
Christus alle meine Hilfsbrunnen habe. Alles, was ich hier auf der Erde durchmache, kann
mich nur näher zu Ihm bringen. Er ist mein und ich bin sein. Ich kenne
den, der von Beginn an ist. Meine ganze Lebensgeschichte steht im Zeichen
des Ablegens: das Alte abzulegen, damit Christus alles für
mich ist. Wenn das so ist, dann wird unser Herz in der Erprobung glücklich
sein, erfüllt mit einer unaussprechlichen und verherrlichten Freude (1Pet 1,8). Unser Herz wird ruhig sein und im Frieden bewahrt bleiben. Die
Schlussfolgerung ist: Wir alle haben eine sündige Natur, aber welche Mühe
hat Gott selbst auf sich genommen, um alles aus unseren Herzen wegzunehmen,
was nicht passend ist für seine Heiligkeit.
Übersetzung: G. Naujoks
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