Wie muss sich die Gemeinde einem Sektierer gegenüber verhalten?
Besondere Gemeindezucht

Raymond Kenneth Campbell

© VCG, online seit: 24.12.2005, aktualisiert: 12.09.2018

Leitverse: Titus 3,10.11; Römer 16,17.18

Das Abweisen von sektiererischen Menschen

Tit 3,10.11: Einen sektiererischen Menschen weise ab nach einer ein- und zweimaligen Zurechtweisung, da du weißt, dass ein solcher verkehrt ist und sündigt, indem er durch sich selbst verurteilt ist.

Titus 3,10.11 stellt uns die Form der Zucht vor, die einem Sektierer (eigentlich „Ketzer“) gegenüber ausgeübt werden muss.

Das griechische Wort, das im Deutschen mit „sektiererisch“ (im Englischen mit „ketzerisch“) übersetzt ist, bedeutet „Wahl oder Richtung der Gedanken und Handlungen, von sich eingenommen, eigensinnig“. Jemand, der seiner eigenen Gedankenrichtung folgt und von sich selbst eingenommen ist, ist ein Sektierer. In seinem Eigenwillen betont er seine eigenen Ansichten und Lehren und bildet somit eine Sekte oder Parteiung mit denen, die seine Ansichten stützen. Dies bringt die sehr ernste Gefahr einer Spaltung in die Gemeinde. Ein sektiererischer Mensch mag in der Fundamentallehre gesund sein und dennoch durch seine selbst gewählten Meinungen und besonderen Ansichten einen gewissen Kreis von Gläubigen um sich sammeln.

In der Kirchengeschichte wird Ketzerei im Allgemeinen als etwas betrachtet, was im Gegensatz zum orthodoxen Glauben steht. Aber die wirkliche Bedeutung des Wortes Ketzerei oder Sektiererei ist „Eigenwille“. Wo immer dieser wirkt, ist die Gefahr der Bildung einer Sekte oder der Trennung in der Gemeinde gegeben.

Ein sektiererischer Mensch nun sollte ein- oder zweimal ermahnt werden. Er wird somit an den Ernst seiner Sünde erinnert und vor den ernsten, verheerenden Folgen gewarnt. Wenn die zweifache Warnung vor seinem sektiererischen und Parteiungen hervorrufenden Verhalten nicht beachtet wird, soll ein solcher abgewiesen und gemieden werden. Durch die wiederholte Ablehnung der ihm vorgestellten Ermahnungen offenbart er seinen wirklichen Zustand. Er ist verkehrt, er ist vom richtigen Wege abgekommen, und er sündigt. Zugleich wird ein geistlicher Hochmut offenbar, und somit ist er durch sich selbst verurteilt. Seine Untauglichkeit für die Gemeinschaft mit den Gläubigen ist offenbar, und er muss als ein Sektierer abgelehnt werden.

Wahrscheinlich wird so jemand das Zusammenkommen verlassen, weil er der Gemeinde seine eigenen Gedanken und Ansichten nicht aufprägen konnte. Hier ist jedoch nicht davon die Rede, dass die Gemeinde ihn als eine böse Person hinaustun soll, vielleicht deswegen nicht, weil der Titusbrief an eine einzelne Person gerichtet wurde. Wenn die Geschwister einem solchen kein Gehör schenken und er abgewiesen wird, so wird das Ergebnis zweifellos sein – falls er auf seinem bösen Wege verharrt –, dass er am Ende freiwillig das Zusammenkommen verlassen wird. Diese Form der Zucht wird entweder seinen Eigenwillen zerbrechen oder umso mehr seine böse Gesinnung dadurch offenbaren, dass er sich von dem Zusammenkommen zurückzieht. Bleibt er jedoch in der Gemeinde, so sollte er gewiss unter öffentlichen Tadel gestellt und in Bezug auf jede öffentliche Tätigkeit in der Gemeinde zum Schweigen gebracht werden. Auch Gemeinschaft darf man nicht mit ihm pflegen. Dieser Fall mag sich dann weiterhin zum Bösen entwickeln, so dass diese Person als ein Böser gemäß 1. Korinther 5,13 hinausgetan werden muss.

Sich abwenden von solchen, die Zwiespalt und Ärgernis anrichten

In enger Verbindung mit der Unterweisung bezüglich des sektiererischen Menschen steht die Ermahnung in Römer 16,17.18:

Röm 16,17.18: Ich ermahne euch aber, Brüder, dass ihr achthabet auf die, welche Zwiespalt und Ärgernis anrichten, entgegen der Lehre, die ihr gelernt habt, und wendet euch von ihnen ab. Denn solche dienen nicht unserem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauche, und durch süße Worte und schöne Reden verführen sie die Herzen der Arglosen.

So also wird ein sektiererischer Mensch handeln. Er sucht solche um sich zu sammeln, die ihn in seinen Ansichten unterstützen. Das Ergebnis ist, dass die inneren Spaltungen zu äußerer Trennung führen werden. Die Unzufriedenen gehen hinaus, damit sie ihren eigenen Weg gehen können. Solche, die sich selbst von ihren Brüdern trennen, um ihren eigenen Meinungen und Lehren zu folgen, sind Sektierer. Sie sollen als solche gekennzeichnet werden, die da Ärgernis und Zwiespalt anrichten. Wir werden aufgefordert, uns von ihnen wegzuwenden.

Wahrscheinlich gab es schon in den Tagen des Apostels Paulus Männer, die irgendwo Spaltungen hervorgerufen hatten. Sollten sie nach Rom kommen, so werden die dortigen Christen von dem Apostel ermahnt, auf solche zu achten und sich von ihnen wegzuwenden; denn solche dienen nicht dem Herrn Christus, sondern ihrem eigenen Bauch (d.h., sie suchen ihren Vorteil), und sie verführen die Herzen der Arglosen.

Der Christ ist gehalten, von der Ungerechtigkeit abzustehen. Aber wenn man Spaltung hervorruft, dadurch dass man auf seiner eigenen Meinung besteht, dann ist das entgegen der Lehre, die wir aus der Schrift gelernt haben. Dort wird uns gesagt, dass wir uns bemühen sollen, die „Einheit des Geistes im Band des Friedens zu bewahren“ (Eph 4,3). Daher ist Trennung nur dann unter bekennenden Christen mit der Schrift gerechtfertigt, wenn Gerechtigkeit, Wahrheit und Heiligkeit auf keine andere Art und Weise mehr bewahrt werden kann, als dadurch, dass man sich von solchen trennt, unter denen Ungerechtigkeit praktiziert und aufrechterhalten wird (2Kor 6,14-18; 2Tim 2,19-22).


Englischer Originaltitel: The Church of the Living God
Deutsche Übersetzung aus Die Versammlung des lebendigen Gottes, VCG, S. 242–244


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