„Haltet fest, bis ich komme“
Offenbarung 2,25

Christopher Wolston

© Soundwords, online seit: 15.08.2016, aktualisiert: 08.07.2019

Leitvers: Offenbarung 2,25

Off 2,25: Was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.

Thyatira

Es besteht ein großer Unterschied zwischen einem Schiff, das auf ruhiger See vorwärtsdampft oder gar widrigem Wind standhält, und einem Schiff vor Anker in einem Sturm, wo alles von einem guten Ankergrund und von der Stärke des Ankertaus abhängt. Im einen Fall gibt es ein Vorwärtskommen, ein entfernter Hafen ist in Sicht; im anderen Fall steht einzig die Sicherheit in Frage und alles hängt von der „Befestigung“ ab, bis der Sturm vorüber ist. Im ersteren Fall dient alle Energie dazu, vorwärtszukommen; Verstand und Kraft vereinen sich, um weiterzukommen; im letzteren ist alles passives Ausharren und Standhaftigkeit. Die Belastung liegt ganz auf dem Ankertau, auf dem, was das Schiff trotz tosender Wellen und tobendem Wind in Position hält.

Um unseren Vergleich anzuwenden: Es ist der Unterschied zwischen den früheren und späteren Tagen der Kirchengeschichte und es ist das Prinzip des passiven Ausharrens in der Kirche, zu dem der Herr aufruft, wenn Er in Thyatira in unmittelbarem Zusammenhang mit seinem Kommen sagt: „Haltet fest, bis ich komme.“ Es heißt nicht länger: „Geht hin in die ganze Welt und predigt der ganzen Schöpfung das Evangelium“, und: „Ihr werdet meine Zeugen sein, sowohl in Jerusalem als auch in ganz Judäa und Samaria und bis an das Ende der Erde.“ Der Zeitabschnitt für die Ausbreitung seines Königreiches in der Welt in seiner derzeitigen Form war vorbei, und sogar die Zeit für die Ermahnung: „… damit du weißt, wie man sich verhalten soll im Haus Gottes, das die Versammlung des lebendigen Gottes ist, der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ (1Tim 3,15), war vorübergegangen.

Der Leuchter ist entfernt worden und die Kirchengeschichte ist in völligem Versagen abgeschlossen worden. Wiederherstellung steht außer Frage; an einen Wiederaufbau der Kirche kann nicht einmal gedacht werden. Alles ist hoffnungslose, unheilbare Zerstörung. Es gab nicht nur Scheitern in der ersten Liebe, sondern geistlichen Ehebruch, und daraus geborene Kinder kennzeichneten das, was „Christus als eine keusche Jungfrau verlobt“ worden war.

Inmitten dieser ausgebreiteten Szene der Verwüstung, wo die Macht des Bösen überragend war und „die Tiefen des Satans“, obwohl „nicht erkannt“, auf keinen Widerstand stießen, erscheint „Gottes Sohn“ und sagt zu „seinem eigenen“ schmerzlich bedrängten Überrest, der Satans erbarmungsloser Bosheit und seinem Widerstand ausgesetzt war wie ein vor Anker liegendes Schiff in stürmischer See: „Ich werfe keine andere Last auf euch; doch was ihr habt, haltet fest, bis ich komme.“ Sie hatten etwas zum Festhalten – etwas von Ihm auf dieser Erde zu bewahren für Ihn, bis Er käme. Inmitten der Brandung der stürmischen Wellen rundherum, trotz der ganzen Kälte und Unaufrichtigkeit anderer, lautete das Wort: „Haltet fest, bis ich komme.“ Was all ihre eigenen Interessen betraf, machte „ein sicherer und fester Anker der Seele, der auch in das Innere des Vorhangs hineingeht“, droben alles sicher, aber die „Haltevorrichtung“ war hier unten, für seine Interessen auf der Erde.

Als sie all ihre Kraft auf das „Festhalten“ richteten, musste sein Kommen der einzige Ausblick für ihren Glauben sein. Der Sturm und die Schwierigkeiten würden nur zunehmen, bis Er käme; aber die Bewährungsprobe und die Sorgen würden alle dann enden, und Er selbst, als der „Morgenstern“ – mit einem Anteil an dem Königreich, das zu errichten Er kommen würde ­ sollte ihre Belohnung sein.

Sardes, Philadelphia und Laodizea sind nicht aufeinanderfolgende Phasen der Gemeinde, sondern nebeneinanderlaufende Phasen, aus Thyatira ausfließend und mit Thyatira zum Ende hinunterlaufend. Ab Thyatira und weiter kennzeichnet das Kommen des Herrn – im Hinblick auf das Königreich, das auf der Erde anstelle der Gemeinde errichtet werden soll – mit diesem Prinzip des „Festhaltens“ oder „Ausharrens der Hoffnung“ die wahre christliche Stellung.

Sardes

In Sardes heißt es: „Stärke das Übrige“, und: „Halte fest“; die Erwähnung seines Kommens ist mehr eine Warnung als eine Ermutigung. Völlig weltlich, bis auf „wenige Namen“, würde Er Sardes wie die Welt richten, kommend „wie ein Dieb“ – wenn man es am wenigsten erwartet.

Philadelphia

In Philadelphia – obwohl Worte der Anerkennung den Platz von Warnung und Zurechtweisung einnehmen – lautet das Wort immer noch: „Ich komme bald; halte fest, was du hast, damit niemand deine Krone nehme!“; mit seinem Kommen, das sozusagen nähergebracht wurde, da mehr Ermutigung nötig und sogar in gewissem Sinne verdient war. Es ist, als würde Er zu den angespannten und sehnsuchtsvollen Herzen seines Volkes sagen: „Haltet nur noch etwas länger fest, ich komme in einer Minute; ich sehe, die Anstrengung ist fast mehr, als ihr ertragen könnt. Ihr habt ,mein Wort bewahrt und meinen Namen nicht verleugnet‘. Ich weiß dies alles. Ich sehe eure ,kleine Kraft‘ und dass ihr ‚das Wort meines Ausharrens‘ bewahrt und vieles erleidet, während ihr ‚festhaltet‘. Ja, der Sturm wird stärker, doch seid nicht entmutigt, ich werde euch wegnehmen, so dass ihr bei mir seid, bevor seine letzten und abschließenden Windstöße über die kommen, ‚die auf der Erde wohnen‘, und alles vor sich hinwegfegen. ‚Ich komme bald‘: Schaut hinauf, schaut hinauf; seht die Krone, die ich in meiner Hand habe; verliert sie nicht, ,haltet nur fest, bis ich komme.‘“

Laodizea

In Laodizea gibt es nichts „festzuhalten“ – nichts von Ihm, das Er gern behalten möchte. Sogar die Erkenntnis seiner selbst und dass sie arme Sünder sind, die Erlösung nötig haben und eine bessere Gerechtigkeit als ihre eigene, ist nicht in ihrem Besitz. Sie haben kein Empfinden für die Not, die Er allein stillen kann. „Elend und erbärmlich, arm, blind und entblößt“, wie sie wirklich sind, nichts für die Ewigkeit besitzend, empfinden sie es nicht. Sie haben keine seiner Interessen und daher kein Bedürfnis nach Trost und Ermutigung; nichts, auf das das Wort „Halte fest“ angewandt werden könnte. Denn Satan würde sie ungestört im Besitz dessen lassen, was sie besaßen. Sie kannten keinen Widerstand aus einer feindlichen Welt, die ihren Herrn gekreuzigt hatte, denn sie hatten keinen Glauben, der erprobt werden konnte, und, was am schlimmsten ist, kein Herz.

Auf sein Kommen wird nicht hingewiesen, außer in Andeutung; Er sagt quasi: „Ich komme, doch reich und überhäuft mit Gütern, wie du bist, weißt du nichts davon, oder wenn du es weißt, kümmerst du dich gar nicht darum. Du brauchst mich nicht, und ‚ich stehe im Begriff, dich auszuspeien aus meinem Mund‘; ich bin schon außerhalb von dir, aber in Gnade; für den Moment, stehe ich ‚an der Tür und klopfe an‘, um zu sehen, ob jemand meine Stimme hört, mich einlässt und dadurch gerettet wird, um mit mir teilzuhaben an meinem Königreich.“

Dies ist die Endphase der bekennenden Kirche – eine Szene ohne einen erlösenden Aspekt oder einen hellen Flecken außer der Gnade, die sie bis zum letzten Moment erträgt. Freudig wendet sich das Herz davon ab, auch Thyatira, um nochmals diese die Seele bewegenden und aufrechterhaltenden Worte zu hören: „Halte fest, bis ich komme.“

Trost am Ende

Wenn wir, während wir auf Gottes Sohn aus dem Himmel warten, überhaupt erkennen, was es heißt, in einer Welt zu sein, deren Gott und Fürst Satan ist; wenn wir in irgendeinem Maß wachsam sind gegenüber dem Abfall, der überall einsetzt, und demgegenüber, dass wir wirklich am Ende der Gnadenzeit leben, inmitten des Verfalls der Kirche; wenn wir durch die Gnade in einem kleinen Maße für den Namen Christi, seine Wahrheit und seine Interessen auf der Erde einstehen, trotz Widerstand und Fehlverständnis, von Kälte und Gleichgültigkeit gar nicht zu sprechen; wenn wir, in Demut der Seele und gottgemäß, den Druck des Bösen und des satanischen Wirkens empfinden, die Gottes Haus zerstören, Christus seiner Herrlichkeit und Seelen ihrer Segnung berauben möchten; und wenn wir „der Gerechtigkeit, dem Glauben, der Liebe, dem Frieden“ nachstreben „zusammen mit denen, die den Herrn aus reinem Herzen anrufen“, und wenn wir zugleich für alle „Elenden der Herde“ zu sorgen suchen – dann werden wir sicherlich das Bedürfnis nach all der Hilfe und dem Trost empfinden, den diese gesegneten Worte geben, die von dem kommen, der zur rechten Hand Gottes sitzt: „Ich komme bald!“ – „Halte fest, bis ich komme!“


Originaltitel: „Hold fast till I come“
aus Words of Faith, Jg. 1, 1882, S. 25–28


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