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Das Johannesevangelium (14) - H. Smith
      
Der Autor
Kurzbiographie
H.Smith

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Das Johannesevangelium (14)
Johannes 14
H. Smith
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Leitverse: Johannes 14

Inhalt
Einleitung

Die Jünger in Beziehung zu Christus (V. 1-3)

Die Jünger in Beziehung zum Vater (V. 4-14)

Die Jünger in Beziehung zum Heiligen Geist (V. 15-31)

Vers 1 Vers 2 Vers 3 Verse 4-6 Vers 7
Verse 8-11 Verse 12-14 Vers 15 Vers 16 Vers 17
Vers 18 Vers 19 Vers 20 Vers 21 Vers 22
Vers 23 Vers 24 Verse 25.26 Vers 27 Vers 28
Vers 29 Verse 30.31a Vers 31b

Einleitung

Die feierlichen Szenen und die ernsten Worte des 13. Kapitels bilden eine passende Einleitung zur großen Rede im 14. Kapitel. Im 13. Kapitel haben wir die Bloßstellung der äußersten Verderbnis des Fleisches gesehen, sowohl in einem falschen als auch in einem wahren Jünger. In Judas zieht das Fleisch einen armseligen Silberbetrag dem Sohn Gottes vor. Mit verächtlicher Heuchelei gebraucht er das Zeichen der Liebe, um den Herrn zu verraten. In Petrus lernen wir, dass das Fleisch in einem Gläubigen Vertrauen in sich selbst sucht durch das Bekenntnis von Liebe und Ergebenheit an Christus. Der Mensch im Fleisch ist nichts als Ton in den Händen des Teufels, und ungerichtetes Fleisch in dem Heiligen ist ein Werkzeug für dieselbe böse Macht.

Die Enthüllung des Bösen, das niemand in dem Kreis der Zwölf vermutete, der Schatten des großen Verlustes, den sie bald erfahren würden, und die Warnung vor der kommenden Verleugnung lagen als ein schwerer Druck auf dieser kleinen Gemeinschaft. Einer von ihnen, im Begriff, den Herrn zu verraten, war in die Nacht hinausgegangen; der Herr wird einen Weg gehen, auf dem sie Ihm nicht folgen können, und Petrus wird seinen Meister verleugnen. Kummer, wenn nicht gar Verwirrung, beschwert die beunruhigten Herzen der Jünger.

Petrus, der bisher so eifrig war, ist still geworden. Während dieser letzten Unterredung werden wir seine Stimme nicht mehr hören. Für den Augenblick sind alle angesichts des bevorstehenden Weggangs des Herrn, seines Verrats durch Judas und seiner Verleugnung durch Petrus zum Schweigen gebracht. Dann hören wir die Stimme des Herrn, wie Er mit rührenden Worten das Schweigen bricht: „Euer Herz werde nicht bestürzt!“ Diese Worte der Ermutigung und des Trostes müssen wie Balsam in die kummererfüllten Herzen der kleinen Gesellschaft gedrungen sein. Doch, obwohl der Herr zu den Elf redet, lasst uns bedenken, dass die Zuhörerschaft größer ist, als es scheint. Im Vordergrund sind wohl die Elf, dahinter aber die ganze Kirche. Die Hörer sind Menschen gleich uns, doch sie sind als Stellvertreter da, dem Herrn teuer in ihrer eigenen Person, wie seine zarte Sprache zeigt, aber auch kostbar in seinen Augen als Vertreter derer, „welche durch ihr Wort an ihn glauben“.

Auf eine ganz besondere Weise atmet diese große Unterredung Ermutigung und Trost für bedrängte Herzen. Sie beginnt mit den lieblichen Worten: „Euer Herz werde nicht bestürzt“, und wenn sie sich ihrem Ende zuneigt, hören wir diese Worte noch einmal: „Euer Herz werde nicht bestürzt, seid auch nicht furchtsam.“ Doch es waren schwerlich die Bedrängnisse des täglichen Lebens, von denen Er sprach, wie sehr diese auch durch derartige Worte erleichtert werden mögen. Es war vielmehr die besondere Bedrängnis ihrer Herzen über den Verlust des Einen, dessen unendliche Liebe ihre Zuneigung gewonnen hatte. Ein wenig später sagt der Herr: „Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat … Weil ich dieses zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt.“ Es war die Traurigkeit der Herzen, die so zu Christus hingezogen waren. Zurückgelassen zu werden in einer bösen Welt, von der Christus abwesend ist, ist eine schmerzliche Prüfung für ein Herz, das Ihn liebt.

Um dieser besonderen Bedrängnis zu begegnen, will der Herr uns über die Sünde der Menschen und über das Fehlen der Gläubigen in die Gesellschaft göttlicher Personen emporheben. Er will uns durch Gnade mit sich an dem neuen Platze verbinden, an den Er gegangen ist; Er will uns in Verwandtschaft mit dem Vater im Himmel bringen und uns unter die Obhut des Heiligen Geistes auf Erden stellen. Zur Ermutigung unserer Herzen sind wir in Beziehung zu jeder göttlichen Person gebracht: zum Sohn (V. 1-3), zum Vater (V. 4-14), zum Heiligen Geist (V. 15-26).

Im Lauf dieser Unterredung gibt es Ermahnungen in Bezug auf das Fruchtbringen und das Zeugnis in der Welt, hinsichtlich der wir unterwiesen sind, nur Hass, Verfolgung und Drangsal zu erwarten. Ehe wir aber berufen werden, der Gegnerschaft der Welt draußen ins Angesicht zu schauen, werden wir innerhalb in die Gemeinschaft mit göttlichen Personen gebracht. Die heilige Gemeinschaft des inneren Heimes bereitet uns für die Prüfungen der äußeren Welt zu.

Die Jünger in Beziehung zu Christus (V. 1-3)

Joh 14,1: Euer Herz werde nicht bestürzt. Ihr glaubet an Gott, glaubet auch an mich.

Die Unterredung nimmt mit den zarten und rührenden Worten „Euer Herz werde nicht bestürzt“ ihren Anfang. Wer anders als der Herr konnte in einem so ernsten Augenblick so sprechen. Eben hatte Er die sich dreimal wiederholende Verleugnung des Petrus vorhergesagt. Dieser Warnung gingen die gnädigen Worte „Du wirst mir aber später folgen“ voraus, und die rührenden Worte „Euer Herz werde nicht bestürzt“ folgten. Mit dem Verrat des Judas und der Verleugnung des Petrus vor sich mochten die Jünger wohl bestürzt sein, doch der Her ermutigt sie, dass dies nicht so sein sollte.

In diesem ersten Teil der Unterredung geht der Herr einen dreifachen Weg, unsere Herzen von Bestürzung freizuhalten. Erstens stellt Er sich selbst als den Gegenstand des Glaubens in Herrlichkeit vor. „Ihr glaubt an Gott“ — an einen, den wir nie gesehen haben; und als der Herr jetzt aus dem Gesichtskreis der Elf in die Herrlichkeit hinübergeht, sagt Er: „Glaubt auch an mich.“ Auf diese Weise wird Christus als ein Mensch in Herrlichkeit die Zuflucht und Stütze des Herzens. Auf Erden mag uns alles verlorengehen, die Welt mag uns in Versuchung führen, das Fleisch uns betrügen, doch Christus in der Herrlichkeit bleibt die unfehlbare Quelle des Glaubens. Wie ein anderer so treffend gesagt hat: „Es gibt keine wirkliche Unterstützung außerhalb Christi.“ Treue christliche Freunde, angenehme Beziehungen, günstige Umstände, gute Gesundheit, verlockende Aussichten — alles auf Erden ist nicht von Dauer. Aber Christus in Herrlichkeit bleibt für uns der, an den sich der Glaube wenden kann, um in Ihm während der langen, dunklen Nacht seiner Abwesenheit unfehlbare Unterstützung zu finden.

Ferner öffnet der Herr zum Trost unserer Herzen das neue Heim:

Joh 14,2: Im Hause meines Vaters sind viele Wohnungen; wenn es nicht so wäre, würde ich es euch gesagt haben; denn ich gehe hin, euch eine Stätte zu bereiten.

Wir haben nicht nur Christus in Herrlichkeit als eine sichere Zuflucht, sondern wir haben auch des Vaters Haus als unser bleibendes Heim. Lasst uns bedenken, dass das Wort Wohnungen „dauernden Aufenthaltsort“ bedeutet, ein Heim, das wir nie wieder verlassen, wenn wir es einmal erreicht haben. Wir bleiben dort. Auf Erden haben wir„keine bleibende Stätte“. Hier sind wir Fremdlinge und Pilger. Unser dauernder Aufenthalt ist in des Vaters Haus. Doch noch mehr: In des Vaters Haus sind „viele Wohnungen“. Auf Erden war kein Raum für Christus und wenig für solche, die Christi sind. Aber in des Vaters Haus ist Raum für die Seinen, die Großen und die Kleinen. Wenn es nicht so wäre, würde Er es seinen Jüngern gesagt haben. Er würde sie nicht um sich gesammelt und aus der Welt herausgeführt haben, wenn Er sie nicht auf einen Ihm wohl bekannten Schauplatz des Segens in des Vaters Haus geleitet hätte. In dieses Heim kehrte der Herr zurück. Am Kreuz bereitete Er sein Volk zu für diesen Platz und durch seinen Eintritt in die Herrlichkeit den Platz für das zubereitete Volk. Auf diese Weise werden wir über die Schwachheit und das Fehlen aller Dinge emporgehoben und aus den veränderlichen Szenen der Zeitlichkeit herausgeführt, um im Geist in einen bessere Welt einzutreten, wo wir ein zubereitetes Heim in dem Haus des Vaters finden.

Joh 14,3: Und wenn ich hingehe und euch eine Stätte bereite, so komme ich wieder und werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seiet.

Drittens bringt der Herr zur Ermutigung unserer Herzen vor uns, dass Er wiederkommt, um uns in jenes Heim einzuführen. In angemessener Zeit werden andere Schriftstellen uns die Ordnung der Ereignisse in Verbindung mit seinem Kommen enthüllen, doch hier erfahren wir zu unserer Ermutigung die erhabene Freude seines Kommens. Dies wird in der Tat unsere Wüstenreise beenden, es wird all die Brüche unter dem Volk Gottes heilen, es wird die getrennten und zerstreuten Heiligen zusammenführen, es wird allen Kummer, alle Versuchungen und alle Mühen seines Volkes beenden, es wird uns aus einem Bereich der Finsternis und des Todes herausnehmen und uns in den Bereich des Lichtes und der Liebe versetzen. Es wird uns eben in die Gesellschaft Jesu bringen. Er sagt zu uns: „Ich werde euch zu mir nehmen, auf dass, wo ich bin, auch ihr seid.“ Was würde der Himmel ohne Jesus sein? Auf einem Schauplatz zu leben, wo kein Tod, kein Geschrei und kein Schmerz mehr sein wird, wo alles heilig und vollkommen ist, das wird in der Tat gesegnet sein. Doch wenn Jesus nicht dort wäre, würde das Herz noch unbefriedigt bleiben. Das überragende Glück seines Kommens ist, dass wir bei Ihm sein werden. Er ist mit uns in dieser dunklen Welt des Todes gewesen, und wir werden mit Ihm in des Lebens ewigem Heim, dem Vaterhaus, sein.

Dieser erhabene Anblick seines Kommens enthüllt uns das geheime Sehnen seines Herzens. Wir erkennen aus diesen Worten des Herrn seinen tiefen Wunsch, sein Volk bei sich zu haben, zur Freude und Befriedigung seines eigenen Herzens. Er begehrt unsere Gesellschaft. Er ist der Gegenstand unseres Glaubens im Himmel, und wir sind die Gegenstände seiner Liebe auf Erden. Wenn unser Schatz im Himmel ist, der seinige ist auf Erden. Christus selbst ist gegangen, aber sein Herz ist noch hier. Wenn nun aber sein Herz hier ist, dann ist Er selbst nicht weit. Mit welchem Trost erfüllen diese eröffnenden Verse jedes bedrängte Herz! Christus in der Herrlichkeit unsere sichere Zuflucht; ein Heim in der Herrlichkeit, das auf uns wartet; ein Mensch in der Herrlichkeit, der unser begehrt.

Wie köstlich ist ferner die Art der Belehrung des Herrn, wie ganz anders als die der Menschen. In Kürze wird Er uns Licht geben über unsere Reise durch diese Welt und uns warnen hinsichtlich der Versuchungen und Verfolgungen, aber zuerst enthüllt Er uns das herrliche Ende der Reise. Wir würden uns das für den Schluss der Unterredung aufbewahren; Er geht einen besseren und vollkommeneren Weg. Er will uns nicht mit den Gefahren einer feindlichen Welt bekannt machen, ehe Er nicht unseren Herzen ein bleibendes Heim bei sich in des Vaters Haus zugesichert hat. Er will uns im Ausblick auf das Heim, in das Er uns bringt, mit der Reise vertraut machen. Es hat einer gesagt, dass die Reise durch das Tal wesentlich anders wird, wenn wir einen Blick auf die jenseitigen Berge erlangt haben.

Zu unserem Trost wird ferner diese jede Erfahrung übersteigende Enthüllung der unsichtbaren Welt in so einfachen und vertrauten Worten gemacht. Wahrheiten, die so groß und dadurch wohl imstande sind, die Weisesten stutzig zu machen, werden in so einfachen Worten mitgeteilt, dass sie in Reichweite eines Kindes sind, das an Jesus glaubt.

Die Jünger in Beziehung zum Vater (V. 4-14)

Der Herr hat uns mit dem Ende der Reise bekannt gemacht; nun will Er uns in unsere Vorrechte einführen, die schon auf dem Weg unser Teil sind. In den Versen 4-14 werden wir in Beziehung zum Vater gebracht. Wohl haben wir das Vaterhaus noch nicht erreicht, doch unser Vorrecht ist es, den Vater des Hauses zu kennen, ehe wir in dasselbe eintreten. Der Zweck dieser gegenwärtigen Kenntnis aber ist, uns schon während der Wüstenreise Zugang zum Vater zu verschaffen. Das große Ziel dieses Teiles der Unterredung ist, dass wir den Vater „erkennen“, „sehen“ und zu Ihm „kommen“ möchten und damit gleichzeitig in all dem glücklichen Vertrauen von Kindern unsere Bitten in dem Namen Christi vor Ihm kundwerden lassen.

Joh 14,4-6: Und wo ich hingehe, wisset ihr, und den Weg wisset ihr. Thomas spricht zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wo du hingehst, und wie können wir den Weg wissen? Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater, als nur durch mich.

Der Herr führt dieses große Thema mit den Worten ein: „Wo ich hingehe, wisst ihr, und den Weg wisst ihr.“ Thomas, der ganz andere Gedanken in seinem Geist bewegt, versteht es, die Bedeutung der Worte des Herrn zu erfassen. In der Antwort auf die Erwiderung des Thomas: „Wie können wir den Weg wissen“, zeigt der Herr einfach, dass Er von der Person spricht, zu der Er geht, und nicht nur von einem Ort, wie Thomas fälschlich annimmt. Zu dieser Person — dem Vater — ist Christus der Weg; ferner ist Er derjenige, in dem die Wahrheit von dem Vater genossen werden kann. Es gibt keinen anderen Weg zu dem Vater, daher fügt der Herr hinzu: „Niemand kommt zum Vater als nur durch mich.“ Diese Worte sind von tiefernster Bedeutung an einem Tag, wo die Menschen die Ansprüche des Sohnes verwerfen, während sie von einer Vaterschaft Gottes sprechen. Das, was der Herr sagt, bezeugt denselben Gedanken, den später die inspirierten Worte des Apostels zeigen: „Jeder, der den Sohn leugnet, hat auch den Vater nicht“ (1Joh 2,23).

Joh 14,7: Wenn ihr mich erkannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennet ihr ihn und habt ihn gesehen.

Es ist jedenfalls wahr, dass, wer den Sohn kennt, auch den Vater kennt. So sagt der Herr: „Wenn ihr mich erkannt hättet, so würdet ihr auch meinen Vater erkannt haben; und von jetzt an erkennt ihr ihn und habt ihn gesehen.“

Joh 14,8-11: Philippus spricht zu ihm: Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns. Jesus spricht zu ihm: So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen, und wie sagst du: Zeige uns den Vater? — Glaubst du nicht, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch rede, rede ich nicht von mir selbst; der Vater aber, der in mir bleibt, er tut die Werke. Glaubet mir, dass ich in dem Vater bin und der Vater in mir ist; wenn aber nicht, so glaubet mir um der Werke selbst willen.

Philippus kann sich gleich dem Thomas nicht über das Stoffliche erheben. Thomas hat an einen materiellen Ort gedacht, und Philippus denkt an ein physisches Sehen. Er sagt deshalb: „Herr, zeige uns den Vater, und es genügt uns.“ In seiner Antwort zeigt der Herr, dass Er von einem Sehen im Glauben spricht. Er richtet die erforschende Frage an ihn: „So lange Zeit bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus?“ Dann stellt der Herr fest: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“ Über die äußere Gestalt hinwegzublicken und den Sohn im Glauben zu sehen, heißt wirklich, den Vater zu sehen, denn der Sohn ist die vollkommene Enthüllung des Vaters.

Die ungläubige Welt sah den Sohn nicht; alles, was sie sah, war der vermeintliche Sohn des Josef — der Zimmermann. Der Glaube aber erkannte, dass dieser demütige Mensch der eingeborene Sohne war, der gekommen ist, um den Vater kundzutun. Nur der, der sich im Schoß des Vaters aufhielt, konnte das Herz des Vaters offenbaren. Abraham sagt uns, dass Gott der Allmächtige, Mose, dass Gott der Ich bin, der Ewige, Unveränderliche ist — aber weder Abraham noch Mose waren groß genug, uns das Herz des Vaters kundzumachen. Nur eine göttliche Person ist imstande, eine göttliche Person zu enthüllen. Deshalb erklärt der Herr sogleich die vollkommene Gleichheit und Übereinstimmung des Vaters und des Sohnes, indem Er sagt: „Ich bin in dem Vater und der Vater ist in mir.“ Der Aufenthalt des Sohnes in dieser Welt ist nicht nur eine Geschichte des Vaters und des Sohnes, sondern vielmehr des Vaters in dem Sohne. Wenn wir einmal im Glauben die Herrlichkeit des Sohnes angeschaut haben, dann ist es sehr einfach, den Vater in Ihm offenbart zu sehen. Weil Er wesensgleich und übereinstimmend mit dem Vater ist, kann der Herr „seine Worte“ und „seine Werke“ als Offenbarung des Vaters bezeichnen. Die Gnade, die Liebe, die Weisheit und die Macht, die aus seinen Worten und Werken hervorstrahlen, machen uns das Herz des Vaters kund.

Joh 14,12-14: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der wird auch die Werke tun, die ich tue, und wird größere als diese tun, weil ich zum Vater gehe. Und was irgend ihr bitten werdet in meinem Namen, das werde ich tun, auf dass der Vater verherrlicht werde in dem Sohne. Wenn ihr etwas bitten werdet in meinem Namen, so werde ich es tun.

Doch wenn der Sohn den Vater auf Erden verherrlicht hat, indem Er dessen Herz durch seine Worte offenbarte, dann würde der Vater noch mehr verherrlicht werden durch „die größeren Werke“ der Jünger, die diese zur Kundmachung des Vaterherzens tun werden, nachdem der Sohn seinen Platz in der Höhe eingenommen hat. Der Vater aber wird sich verherrlichen, indem Er die Bitten erfüllt, die an Ihn im Namen Jesu gerichtet werden.

An diesem Punkt der Unterredung hört der Herr auf, von den Erfahrungen seiner Worte und Werke zu sprechen, deren sich seine Jünger während seiner Gegenwart erfreut hatten, und Er geht dazu über, von neuen und tieferen Erfahrungen seiner Macht nach seinem Weggang zum Vater zu reden. Dieser Wechsel in der Unterredung wird durch die Worte „Wahrlich, wahrlich“ angedeutet, die allgemein zur Einführung einer neuen Wahrheit benutzt werden. So enthüllt der Herr seinen erstaunten Jüngern, dass nach seinem Weggang die an Ihn Glaubenden Werke tun würden, die Er selbst getan hatte, und was noch überraschender ist: Sie würden noch größere als diese tun. Der Herr verbindet diese größere Machtentfaltung mit seinem Weggang zum Vater. Indem Er dorthin zurückkehrte, ging Er an die Quelle aller Macht und Segnung. So wurden durch seine Gegenwart beim Vater die vollen Hilfsquellen des Himmels für jeden geöffnet, der auf Erden an Christus glaubt und in seinem Namen betet.

Diese Eingangsverse führen uns in die frühe Geschichte der Kirche, wo anstatt einiger weniger unter dem Dienst Jesu gesammelter Jünger Tausende durch die Predigt der Apostel zusammengeführt waren und viele Zeichen und Wunder unter dem Volk gewirkt wurden, wo der Schatten des Petrus, wenn er auf Kranke fiel, diese heilte, wo Tote auferweckt wurden und Gott besondere Wunder durch die Hand des Paulus wirkte, so dass Kleidung, die von seinem Leib genommen war, jene gesund machte, auf die sie gelegt wurde. Diese große Macht stand dem Glauben aufgrund des Gebets in seinem Namen zu Gebot. Es ist mit Recht gesagt worden, dass Bitten, die in dem Namen eines anderen geschehen, die Wertschätzung der Ansprüche, der Verdienste und der Rechte dessen in sich schließen, in dessen Namen sie dargebracht werden. Der Herr nun gibt durch seine eigenen Worte dieses Vorrecht jenen, die durch Glauben zu Ihm in Beziehung stehen. Für die Jünger war es etwas Neues, im Namen Christi zu bitten. Wie alles andere in diesen Unterredungen, so ist auch dieses eine Folge des Weggangs des Herrn; denn Bitten in seinem Namen setzt Abwesenheit Christi voraus. Die Wendung „Bittet in meinem Namen“ kommt fünfmal in diesem Teil des Evangeliums vor.

So lernen wir in den Worten und Werken Jesu auf Erden des Vaters Herz kennen, und wir tun dies weiter durch die größeren Werke, die durch die Jünger unter der Leitung des erhöhten Herrn vollbracht werden. Wir lernen ferner des Vaters Liebe verstehen, wenn wir finden, dass der Herr für uns wirkt, damit unsere Bitten, die wir ihm Namen Christi an den Vater richten, erhört werden.

In einer weit von Gott abgewichenen Welt, wo alle das Ihrige suchen, war Er immer in Gesinnung, Vorsatz und Zuneigung eins mit dem Vater und hatte seine Wonne in dem Willen des Vaters. Obwohl eine Welt der Sünde Ihn zu einem Mann der Schmerzen machte, fand Er doch unzerstörbare Ruhe und beständige Freude in der Liebe des Vaters. In die gleichen gesegneten Beziehungen zum Vater möchte Er uns bringen, damit auch wir unser Ergötzen, unsere Ruhe und unsere Freude in des Vaters Liebe finden möchten.

Alles ist in dem Sohn enthüllt worden: die Liebe, der Vorsatz und die Gnade des Vaters. Ferner ist dies alles unser gegenwärtiges Teil, und wir werden keine andere Enthüllung des Vaters haben, wenn wir in den Himmel gehen. Alles ist auf Erden offenbar gemacht. Der einzige Unterschied wird sein, dass wir jetzt wie durch einen Spiegel sehen, undeutlich, dann aber von Angesicht zu Angesicht. Doch alles, was uns im Himmel in seiner Fülle erfreuen wird, ist hier auf Erden enthüllt worden. Wir erwarten darin, die Herrlichkeit des Vaterhauses in Besitz zu nehmen, die unseren verwunderten Augen schon offenbart ist, aber die Liebe des Vaterherzens ist zu unserer Freude schon auf Erden unser Teil, obgleich unser schwacher Glaube dieser Offenbarung wenig entsprechen mag.

Die Jünger in Beziehung zum Heiligen Geist (V. 15-31)

Nachdem der Herr die Gedanken der Jünger über die Gegenwart hinaus in die nahe Zukunft gelenkt hat, fährt Er fort, um das zweite große Ereignis zu enthüllen, das die kommenden Tage kennzeichnen sollte. Nicht nur würde der Herr zum Vater gehen, sondern der Heilige Geist sollte vom Vater kommen. So bereitet der Herr die Jünger für die bevorstehenden bedeutsamen Veränderungen vor. Der Sohn wird zum Vater zurückkehren, um seinen Platz als Mensch in der Herrlichkeit einzunehmen. Der Heilige Geist wird kommen, um als göttliche Person auf der Erde in den Gläubigen Wohnung zu machen. Diese beiden gewaltigen Ereignisse würden das Christentum einführen und die Versammlung ins Leben rufen, die Versammlung auf ihrer Reise durch diese Welt unterstützen, sie vor dem Bösen der Welt bewahren, sie als Zeugnis für Christus aufrechterhalten und sie schließlich in Herrlichkeit vor Christus darstellen.

Hier jedoch enthüllt der Herr weder die große Lehre von der Versammlung und ihrer Bildung noch von dem Zeugnis, das die Versammlung durch den Geist ablegen würde. Die Zeit für derartige Offenbarungen war noch nicht gekommen. Vielmehr sind es die tiefen geistlichen Erfahrungen, deren sich die Gläubigen durch das Kommen des Geistes erfreuen würden, die dem Herrn vor Augen stehen. Das war passend für solch einen Augenblick. Der Gedanke, den Einen, der ihnen so teuer war, zu verlieren — dessen Gegenwart sie genossen hatten —, erfüllte ihre Herzen mit Traurigkeit. Deshalb spricht der Herr vom Kommen eines anderen Trösters. Dieser Tröster würde ihnen nicht nur das Gefühl der Einsamkeit nehmen, sondern ihr Herz zu einer tieferen und innigeren Vertrautheit mit ihrem Meister führen, als sie dies in den Tagen, die Er auf der Erde unter ihnen verbrachte, gekannt hatten. Diese geheimen, durch den Geist genießbaren Erfahrungen sind es, die die Jünger darauf vorbereiten werden, in der Kraft des Geistes Zeugen für Christus zu sein.

Müssen wir nicht sagen, dass unser Zeugnis für Christus oft deshalb so schwach ist, weil wir diese persönliche Vertrautheit mit Christus, in die uns allein der Geist führen kann, so wenig genießen? Wir versuchen, den Dienst aufzunehmen, ohne in der Verborgenheit der Gemeinschaft mit dem Vater und dem Sohn durch den Geist zu leben. Es ist die Darlegung dieser geheimen Erfahrungen, die diesen Abschnitt der letzten Reden besonders kostbar macht. Es ist ein innerer Kreis, in dem der Gläubige in die Gemeinschaft mit den göttlichen Personen gebracht wird, damit er zu seiner Zeit in der Welt draußen, aus der Christus weggegangen ist, Zeugnis für Ihn ablegen kann.

Joh 14,15: Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote;

Nicht wenig verblüffend ist, wie der Herr das große Thema vom Kommen des Heiligen Geistes einführt. Er sagt: „Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote.“ Im Lauf des Johannesevangeliums haben wir wieder und wieder von der Liebe des Herrn zu seinen Jüngern gehört. Jetzt hören wir zum ersten Mal von der Liebe der Jünger zu dem Herrn. Die Gabe des Geistes wird also mit einer Gesellschaft von Menschen verbunden, die den Herrn lieben und Ihm gehorchen. Der Herr freut sich, für eine solche Gesellschaft den Vater zu bitten, Er möge ihr den Tröster geben. Zeigen diese Worte darüber hinaus nicht an, dass die Erfahrungen, die wir in der Kraft des Geistes genießen dürfen, nur von jemandem gekannt werden können, der ein Leben der Liebe und des Gehorsams zum Herrn führt?

In den vorhergehenden Versen hat der Herr über Glauben und Gebet gesprochen (V. 12-14); nun spricht Er von Liebe und Gehorsam. So folgern wir, dass der Herr andeutet, dass die tiefen geistlichen Erfahrungen, in die der Tröster einführt, jenen zugänglich sind, die gekennzeichnet sind durch

  • Glauben, der dem Herrn vertraut,
  • Abhängigkeit, die in seinem Namen betet,
  • Liebe, die sich an den Herrn klammert,
  • Gehorsam, der sich freut, seine Gebote zu halten.

Dies sind die großen moralischen Voraussetzungen, die die Seele bereit machen, von der Anwesenheit des Geistes Nutzen zu ziehen. Es genügt nicht, dass wir den Geist bei uns bleibend haben; unser Herz und Leben müssen in einem für den Geist passenden Zustand sein.

Joh 14,16: Und ich werde den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Sachwalter geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit,

Am Anfang des Evangeliums hat uns Johannes der Täufer erklärt, dass der Herr mit Heiligem Geist taufen werde. Später wird uns in Verbindung mit dem Besuch des Herrn in Jerusalem klar gesagt, dass Er im Bild des lebendigen Wassers von dem Geist sprach, den jene, die an ihn glauben, empfangen sollten. Darüber hinaus hören wir dort, dass diese große Gabe damals noch nicht gegeben wurde, weil Christus noch nicht verherrlicht worden war. Nun aber sollte der Herr in Kürze verherrlicht werden, und damit war der geeignete Moment für den Herrn selbst da, um seinen Jüngern die große Wahrheit vom Kommen dieser göttlichen Person auf die Erde zu enthüllen.

Vollkommen passend für den Augenblick spricht der Herr vom Heiligen Geist als dem Tröster. Wie groß und verschieden die Dienste des Geistes auch sind, aber getröstet zu werden, war das, was die Jünger in diesem Augenblick besonders nötig hatten. Es gibt allerdings in dem Titel „Tröster“ eine tiefere Bedeutung, die man leicht übersieht. Denn heutzutage verstehen wir darunter hauptsächlich jemand, der Mitgefühl mit unseren Traurigkeiten hat. Seine erste Bedeutung aber ist einer, der stärkt, beisteht und ermuntert. So würden die Jünger in dem Tröster Einen haben, der ihnen beistehen würde, um sie in ihrer Schwachheit zu stärken und in ihrer Traurigkeit zu trösten.

Überdies spricht der Herr von dem Tröster als von einem anderen Tröster und vergleicht damit den Kommenden mit sich selbst; denn als Er bei ihnen gewesen war, hatte Er sie nicht unterstützt, ermuntert und getröstet? Ferner vergleicht der Herr den Sachwalter nicht nur mit sich selbst, sondern zeigt auch Gegensätze auf. Der Herr war nur ein paar kurze Jahre bei ihnen gewesen, während der Sachwalter, der kommen sollte, für immer bei ihnen bleiben würde. Manche alttestamentlichen Stellen hatten von dem Heiligen Geist bezeugt, dass Er über bestimmte Menschen gekommen war und sie eine Zeitlang für irgendeinen besonderen Zweck geleitet hatte. Aber dass eine göttliche Person kommen sollte, um für immer zu bleiben, war etwas ganz Neues.

Joh 14,17: … den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht noch ihn kennt. Ihr aber kennet ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein.

Ein weiterer Gegensatz zwischen Christus und diesem Kommenden besteht darin, dass, während Christus die Wahrheit ist, vom Heiligen Geist als vom Geist der Wahrheit gesprochen wird. In Christus sehen wir die Wahrheit objektiv vorgestellt. Durch den Geist der Wahrheit wird in uns das wahre Verständnis für all das gewirkt, was in Christus dargestellt ist.

Im weiteren Gegensatz zum Herrn ist der Geist der, den die Welt weder empfangen noch kennen kann, weil „sie ihn nicht sieht“. Christus war Fleisch geworden und konnte von den Menschen gesehen werden und wurde so dargestellt, dass Er von ihnen angenommen werden konnte. Der Heilige Geist würde nicht Mensch sein und nicht so dargestellt werden, dass Er mit den Augen gesehen oder mit dem Verstand erfasst werden könnte. Für die Welt ist Er nicht eine göttliche Person, sondern bestenfalls nur ein poetischer und unklarer Einfluss. Für die Jünger wird Er nicht bloß ein Einfluss sein, sondern eine Person, die bei ihnen bleibt, im Gegensatz zu Christus, der dabei war sie zu verlassen; und Er würde in ihnen sein, im Gegensatz zu Christus, der zwar bei ihnen, aber nicht in ihnen war.

Joh 14,18: Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich komme zu euch.

In diesen Versen geht der Herr vom Reden über die Person des Heiligen Geistes dazu über, die normalen Auswirkungen seiner Gegenwart in dem Gläubigen zu entfalten. Der Weggang des Herrn, um beim Vater zu sein, und das Kommen des Geistes bedeuteten nicht, dass sie die eine göttliche Person verlieren und dafür eine andere gewinnen würden. Jemand hat richtig gesagt: „Die Verheißung lautet nicht auf einen Ersatz, der ausschließt, sondern auf ein Mittel, das seine Gegenwart sichert.“ So kann der Herr seine Jünger trösten: „Ich werde euch nicht als Waisen lassen, ich komme zu euch.“ Es ist bemerkt worden: „Als Christus hier auf Erden weilte, war der Vater nicht weit entfernt. ,Ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.‘ Und wenn der Sachwalter da ist, ist Christus nicht weit weg.“

Joh 14,19: Noch ein Kleines, und die Welt sieht mich nicht mehr; ihr aber sehet mich: Weil ich lebe, werdet auch ihr leben.

Wenn der 18. Vers uns mitteilt, dass uns das Kommen des Geistes Christus sehr nahe bringen wird, zeigen die folgenden beiden Verse, welche Reaktionen dieses Kommen Christi in dem Gläubigen hervorruft. Der Herr drückt dieses Erfassen durch den Gläubigen in drei bestimmten Aussagen aus:

  1. „Ihr sehet mich.“
  2. „Ihr werdet leben.“
  3. „Ihr werdet erkennen.“

Der Heilige Geist kommt nicht, um von sich selbst zu reden oder uns mit sich zu beschäftigen noch um einen Kult um seine Person zu entwickeln, sondern um die Seele zu Christus zu führen. In kurzem würde die Welt Christus nicht mehr sehen, aber wenn Er der Sicht der Menschen entschwunden war, würde Er in der Kraft des Geistes für den Gläubigen immer noch der Gegenstand des Glaubens sein. Für die Welt würde Christus nur zur historischen Gestalt eines Menschen werden, der ein bewundernswertes Leben gelebt hatte und den Tod eines Märtyrers gestorben war. Für den Gläubigen würde Er noch immer eine lebende Person sein, deren Gegenwart sie durch die Kraft des Heiligen Geistes bewusst erfahren und genießen konnten. Darüber hinaus würden die Gläubigen, indem sie Ihn sehen, leben. Die Weltmenschen leben, weil die Welt mit ihren Vergnügungen, ihren Machenschaften und ihren sozialen Möglichkeiten existiert. Wenn diese Dinge versagen, hört das Leben des Weltmenschen auf, einen Sinn zu haben. Der Christ lebt, weil Christus lebt; und so wie Christus, der Inhalt unseres Lebens, für immer lebt, so ist auch das Leben des Gläubigen ein ewiges Leben.

Joh 14,20: An jenem Tage werdet ihr erkennen, dass ich in meinem Vater bin, und ihr in mir und ich in euch.

Wir wissen, dass

  • Christus in dem Vater ist,
  • die Gläubigen in Christus sind und
  • Christus in den Gläubigen ist.

Ferner weiß der Gläubige durch den Geist, dass

  • Christus in der Liebe des Vaters den überragenden Platz einnimmt,
  • wir einen Platz im Herzen Christi haben und
  • Christus einen Platz in unseren Herzen hat.

Die Welt kann weder „sehen“ noch „leben“ noch „erkennen“. Sie ist blind für die Herrlichkeiten Christi; sie ist tot in Vergehungen und Sünden; sie kennt Gott nicht. Aber in der Kraft des Geistes gibt es eine Gruppe von Menschen auf Erden, die „sehen“, „leben“ und „erkennen“ kann. Sie haben Christus in der Herrlichkeit als Gegenstand für ihre Seelen; ein Leben, das seine Freude und seine Wonne an Christus findet, und die Erkenntnis des Platzes, den sie in seinem Herzen haben.

Joh 14,21: Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt; wer aber mich liebt, wird von meinem Vater geliebt werden; und ich werde ihn lieben und mich selbst ihm offenbar machen.

Die Verse 18-20 haben uns die normale Auswirkung des Kommens des Geistes gezeigt. Die nachfolgenden Verse stellen die geistlichen Voraussetzungen dar, die den einzelnen Gläubigen befähigen, in die Vorrechte, die uns in der Kraft des Geistes zugänglich sind, einzutreten und sie zu genießen. Obwohl sich leider die bekennende Christenheit in schwerwiegender Weise von diesen normalen Zuständen entfernt hat, ist es doch gesegnet, zu sehen, dass das, was von der Gesamtheit wahr sein sollte, noch immer vom Einzelnen genossen werden kann. Daher ist es wichtig festzustellen, dass die Unterweisung des Herrn an dieser Stelle höchst persönlich wird. Bisher hat der Herr die Worte „ihr“ und „euch“ gebraucht (V. 18-20); nun spricht Er von „wer“ und „jemand“ (V. 21-24).

Liebe und Gehorsam sind die großen Voraussetzungen, um in diese tieferen Erfahrungen einzugehen. Schon der Herr hat gesagt: „Wenn ihr mich liebet, so haltet meine Gebote“ (V. 15); nun sagt Er: „Wer meine Gebote hat und sie hält, der ist es, der mich liebt.“ Mit Recht ist gesagt worden, dass der erste Vers die Liebe als die Quelle des Gehorsams vorstellt, während der zweite den Gehorsam als Beweis der Liebe aufzeigt. Jede Äußerung der Gedanken des Vaters war für Christus ein Gebot, und in gleicher Weise ist jede Äußerung der Gedanken Christi ein Gebot für den, der Ihn liebt. Wer Christus liebt, wird vom Vater und von Christus geliebt werden. Ein solcher wird sich in ganz besonderer Weise der Liebe göttlicher Personen bewusst werden. Einem solchen will der Herr sich offenbaren.

Joh 14,22: Judas, nicht der Iskariot, spricht zu ihm: Herr, wie ist es, dass du dich uns offenbar machen willst, und nicht der Welt?

An dieser Stelle wirft Judas (nicht der Iskariot) die Frage ein: „Herr, wie ist es, dass du dich uns offenbar machen willst, und nicht der Welt?“ Judas, mit seinem jüdischen Denken und seinen jüdischen Hoffnungen, ist von diesen Mitteilungen völlig verwirrt. Er erkennt die kommende Veränderung nicht und hält noch immer an dem Gedanken eines sichtbaren Königreiches fest, das errichtet werden soll; und so kann er nicht verstehen, wie das möglich sein soll, wenn der Herr sich nicht der Welt offenbart. Seine Brüder nach dem Fleisch hatten einen ähnlichen Gedanken, als sie sagten: „Zeige dich der Welt“ (Joh 7,4). Und so gibt es heute immer noch viele wahre Christen, die in gleicher Unkenntnis der Berufung der Kirche und des Charakters der Zeit, in der wir leben, in vielfältiger Weise noch immer zum Herrn sagen: „Zeige dich der Welt.“ Solche würden Christus gern zum Führer menschenfreundlicher Werke und zum Mittelpunkt großer Bewegungen für die Verbesserung der Welt machen. Sie versuchen, Christus in die Welt zurückzubringen, weil sie nicht sehen, dass der Geist Gottes gekommen ist, um die Gläubigen aus der Welt heraus zu Christus in den Himmel zu führen.

Joh 14,23: Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort halten, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.

Auf den ersten Blick scheint die Antwort des Herrn kaum der von Judas gestellten Frage zu genügen. Die Zeit für die volle Enthüllung des himmlischen Charakters des Christentums war noch nicht gekommen. Dennoch berichtigt die Antwort des Herrn den verkehrten Gedanken in den Überlegungen der Jünger. Judas dachte an eine sichtbare Darstellung Christi vor der Welt, der Herr spricht von einer Offenbarung gegenüber einem Einzelnen — Judas spricht von der Welt; der Herr spricht von „jemand“. Die Welt hatte den Herrn verworfen, und der Herr hatte mit der Welt als solcher abgeschlossen. Nun würde es eine Frage von Einzelpersonen sein, die durch die anziehende Kraft von Einem, mit dem ihre Herzen in Liebe und Zuneigung verbunden sind, aus der Welt herausgezogen wurden. In seiner Antwort geht der Herr näher auf diese Wahrheit ein. Einer, der den Herrn liebt, wird, wie bereits erwähnt, nicht nur seine Gebote, sondern überhaupt die „Worte“ des Herrn halten. Das ist mehr als seine Gebote. Seine Gebote drücken seine Gedanken in Bezug auf die Einzelheiten unseres Weges aus.

Joh 14,24: Wer mich nicht liebt, hält meine Worte nicht; und das Wort, welches ihr höret, ist nicht mein, sondern des Vaters, der mich gesandt hat.

Aber sein „Wort“ ist, wie uns der Vers 24 sagt, nicht einfach sein eigenes Wort, sondern das des Vaters, der Ihn gesandt hat. Es spricht von allem, was Er vom Herzen des Vaters und von den Ratschlüssen des Vaters für den Himmel und die zukünftige Welt bekannt zu machen gekommen war. Seine „Gebote“ werfen erforderliches Licht auf unseren Weg; seine „Worte“ erhellen die herrliche Zukunft, indem sie die Ratschlüsse des Herzens des Vaters enthüllen. Seine Worte wertzuschätzen, schafft Raum für den Vater; so kann der Herr nun sagen: „Wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm machen.“

Joh 14,25.26: Dies habe ich zu euch geredet, während ich bei euch bin. Der Sachwalter aber, der Heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen, jener wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

Das Wort „Dies“ des 25. Verses führen einen neue Stufe in der Rede des Herrn ein. Er hat uns die normalen Erfahrungen vorgestellt, die die Gläubigen durch den Geist genießen (V. 18-20), dann die Erfahrung, die jedem einzelnen Gläubigen zugänglich ist (V. 21-24); nun spricht der Herr vom Kommen des Heiligen Geistes ganz besonders in Verbindung mit den Elf. Zum ersten Mal wird eindeutig gesagt, dass der Sachwalter oder Tröster „der Heilige Geist“ ist. Er wird als eine göttliche Person bezeichnet, die der Vater im Namen Christi senden würde. Dass Er im Namen Christi kommt, sagt uns, dass Er erscheint, um die Interessen Christi während seiner Abwesenheit zu vertreten. Er ist nicht hier, um die Gläubigen zu erheben, um sie auf diesem Schauplatz groß zu machen oder um ihre weltlichen Interessen zu fördern. Seine einzige Tätigkeit in einer Welt, die Christus verworfen hat, ist die, zu Christus zu ziehen, ein Volk für Christus herauszusammeln und Christus zu erhöhen. Im Laufe dieser letzten Mitteilungen werden wir feststellen, dass der Geist einen dreifachen Weg geht, um die Interessen Christi aufrechtzuhalten, indem

  1. Er unsere Zuneigungen zu Christus weckt (Kap. 14);
  2. Er unsere Lippen zum Zeugnis für Christus öffnet (Kap. 15);
  3. Er uns, angesichts der Ablehnung der Welt, durch die Entfaltung der Ratschlüsse des Vaters für die kommende Welt im Glauben unterstützt (Kap. 16).

Hier besteht das große Werk des Geistes darin, uns mit Christus selbst zu verbinden. Es gibt zwei Wege, auf denen Er unsere Zuneigung zu Christus weckt:

  1. Erstens sagt der Herr den Elf: „Jener wird euch alles lehren.“ Das „alles“ in Vers 26 steht im Gegensatz zu dem „dies“ am Anfang von Vers 25. Der Herr hatte von bestimmten Dingen gesprochen, aber es gab auch Dinge, die zur Herrlichkeit Christi gehörten, die im Augenblick das Begriffsvermögen der Elf überstiegen. Der Herr wurde in seinen Mitteilungen durch die begrenzte geistliche Aufnahmefähigkeit der Jünger eingeschränkt. Mit dem Kommen des Geistes würde es ein erweitertes geistliches Auffassungsvermögen geben, das es dem Geist ermöglichen würde, „alles“ in Verbindung mit Christus in der Herrlichkeit weiterzugeben.
  2. Zweitens kann der Herr sagen: Der Geist wird „euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“. Er will nicht nur all das Neue über Christus an seinem neuen Ort offenbaren — Dinge, die uns weit in die ewige Herrlichkeit hineinführen —, sondern Er will auch an die Worte der Gnade erinnern, die Christus während seines Weges auf Erden mitgeteilt hat. Alles, was von Christus ist, das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige, ist unendlich kostbar. Nichts, was mit Christus zu tun hat, soll verlorengehen. Wie wichtig ist es, dass jene, die durch ihre Worte und Schriften andere unterweisen sollten, von einer göttlichen Person an die Worte des Herrn erinnert wurden. Wenn sie uns diese Worte überlieferten, waren sie nicht auf ihr eigenes, unvollkommenes und fehlbares Gedächtnis angewiesen. Ihr Bericht seiner Worte würde durch die absolute Vollkommenheit dessen gekennzeichnet sein, der sie ohne jede Beimischung menschlicher Schwachheit wieder ins Gedächtnis bringt.

Joh 14,27: Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht wie die Welt gibt, gebe ich euch. Euer Herz werde nicht bestürzt, seid auch nicht furchtsam.

Mit den vorangegangenen Versen hat der Herr diesen gesegneten Dienst abgeschlossen, der die seinen in Beziehung zu den göttlichen Personen gebracht hat. Dieser Dienst des Trostes und der Ermunterung — diese Gemeinschaft mit den göttlichen Personen — bereitet die Jünger auf den Weggang des Einen vor, den sie lieben. So kann nun der Herr in diesen abschließenden Versen freier über die kommende Trennung sprechen. Wenn Er allerdings wegging, so wollte Er seinen Jüngern doch seinen Frieden lassen. Äußerlich gesehen war Er der Mann der Schmerzen und mit Leiden vertraut. Von allen Seiten begegnete Er dem Widerspruch der Sünder. Aber indem Er seinen Weg in Gemeinschaft mit dem Vater und in Unterwerfung unter dessen Willen ging, genoss Er stets den Frieden des Herzens. Dieser gleiche Friede würde auch das Teil des Gläubigen sein, wenn er diese Gemeinschaft mit göttlichen Personen genießen würde und so unter der Leitung des Geistes stehend, sich seinem eigenen Willen verweigern würde. Umgeben von einer Welt der Unrast, wird das Herz des Gläubigen durch den Frieden Christi beschützt sein. Es würde ein Friede sein, der mit Christus geteilt wird. Denn wenn Er seinen Jüngern Frieden gibt, dann gibt Er nicht, wie die Weit gibt, die sich von dem trennt, was sie gibt.

Joh 14,28: Ihr habt gehört, dass ich euch gesagt habe: Ich gehe hin, und ich komme zu euch. Wenn ihr mich liebtet, so würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe, denn mein Vater ist größer als ich.

Und weiter, wenn der Herr nun wegging, sollte es nur für einige Zeit sein, denn Er wollte wiederkommen. In der Zwischenzeit würde eine selbstlose Liebe sich freuen, dass sein Leidensweg beendet war, und dass Er zum Vater ging.

Joh 14,29: Und jetzt habe ich es euch gesagt, ehe es geschieht, auf dass, wenn es geschieht, ihr glaubet.

Er sagt ihnen seinen Weggang ganz klar voraus, damit, wenn er stattfände, ihr Glaube nicht erschüttert würde.

Joh 14,30.31a: Ich werde nicht mehr vieles mit euch reden, denn der Fürst der Welt kommt und hat nichts in mir; aber auf dass die Welt erkenne, dass ich den Vater liebe und also tue, wie mir der Vater geboten hat.

Von jetzt an würde Er nicht mehr viel mit ihnen reden, denn der Fürst dieser Welt nahte. Das bedeutete, dass es um die letzte große Auseinandersetzung ging, die die Macht Satans vernichten sollte. Der Sieg über Satan war schon sicher, denn der Teufel hatte nichts in Christus. Sein Tod würde nicht das Ergebnis der Macht Satans sein, sondern die Folge der Liebe Christi zu dem Vater. Sein vollkommener Gehorsam gegenüber dem Gebot des Vaters, ja ein Gehorsam bis zum Tod, ist der ewige Beweis seiner Liebe zum Vater.

Joh 14,31b: Stehet auf, lasset uns von hier weggehen.

Mit diesen Worten, die von seiner Liebe und seinem Gehorsam zum Vater durchdrungen sind, schließt der Herr diesen Teil seiner Reden, indem Er sagt: „Stehet auf, lasset uns von hier weggehen.“ In Liebe zum Vater geht der Herr hin, um um den Wunsch des Vaters zu tun, aber Er verbindet seine Jünger mit sich selbst. Die Zeit wird kommen, da gilt, was Er bereits gesagt hat: „Wo ich hingehe, könnt ihr mir jetzt nicht folgen.“ Aber es bleiben noch ein paar weitere Schritte, die sie mit Ihm gehen können, auch wenn es auf ihrer Seite zögernde Schritte sind. So gehen sie zusammen aus dem Obersaal in die Außenwelt.

 

Letzte Aktualisierung am 27.3.2013
 

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