Das Johannesevangelium (9)
Johannes 9

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 18.10.2008, aktualisiert: 26.01.2018

Leitverse: Johannes 9

Die Verwerfung der Werke Christi

Das achte Kapitel hat uns das Zeugnis der Worte des Herrn gezeigt. Er hatte zu der Welt von den Dingen geredet, die Er von dem Vater gehört hatte (Joh 8,25-28 ). Das neunte Kapitel zeigt das Zeugnis seiner Werke: So wie Er zuvor die Worte des Vaters gesprochen hatte, so sagt Er jetzt: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat“ (Joh 9,4). Der Herr bringt nicht nur das Licht in die Welt und macht damit das Herz Gottes bekannt, sondern Er wirkt auch in Gnade, um blinde Augen dafür zu öffnen, dass sie die Wahrheit sehen. So empfängt der blinde Mann nicht nur sein natürliches Augenlicht, sondern es wird ihm eine geistliche Vision gegeben, damit er die Herrlichkeit des Sohnes als den vom Vater Gesandten sehen kann.

Außerdem zeigt uns das Kapitel den Weg, den der Herr nahm, um seine Schafe aus dem jüdischen Schafhof zu befreien, um sie in das Heil und die Freiheit des Christentums zu bringen. Schließlich sehen wir in diesen Kapitel, dass das jüdische System beiseitegesetzt wird, weil es in geistliche Blindheit versunken war.

Das große Thema des neunten Kapitels ist also das Werk des Herrn, blinde Augen zu öffnen, damit sie die Herrlichkeit seiner Person sehen. So werden Seelen aus der Finsternis des Judentums herausgeführt und vorbereitet für die christliche Stellung, wie sie uns im folgenden Kapitel in dem einen Hirten und der einen Herde vorgestellt wird.

Im letzten Kapitel hatten die religiösen Juden die Worte Christi völlig verworfen. Sie hatten Ihn bezichtigt, einen Dämon zu haben, und hatten Steine aufgehoben, um Ihn damit zu bewerfen. Das hatte dazu geführt, dass Er ihren Tempel verließ, durch ihre Mitte hinwegging und so „entkam“ [Anm. der Red.: nach der Übersetzung Schlachter 2000]. In diesem Kapitel sehen wir, dass, wenn Er auch eine Nation im Gericht verlässt, Er doch seine eigenen Schafe in Gnade herausruft.

Vers 1

Joh 8,59b–9,1: Jesus aber verbarg sich und ging aus dem Tempel hinaus. Und als er vorüberging, sah er einen Menschen, blind von Geburt.

So geschah es, dass Jesus, als Er die Nation verlässt, einen armen Mann segnet, ihn von Blindheit zum Glauben bringt und vom Betteln zur Anbetung. Wie immer in diesem Evangelium ist die Souveränität der Gnade vorherrschend. In dem Evangelium nach Lukas kommt die Frau in dem Haus des Simon zu Christus; in diesem Evangelium begegnet der Herr der Frau bei dem Brunnen. In Lukas wird der gelähmte Mann zu Christus gebracht. In Johannes kommt der Herr zu dem hilflosen Mann an dem Teich. So ruft der blinde Mann im Lukasevangelium nach dem Herrn; hier kommt der Herr zu dem Blinden. Wir lernen von dem Evangelium nach Lukas, dass jeder bedürftige Sünder willkommen ist, zu Christus zu kommen. In Johannes lernen wir die noch größere Wahrheit, dass Gott sich in der Person seines Sohnes zu Sündern herabgeneigt hat, um uns zu sagen, dass Er uns liebt.

Verse 2.3

Joh 9,2.3: Und seine Jünger fragten ihn und sagten: Rabbi, wer hat gesündigt, dieser oder seine Eltern, dass er blind geboren wurde? Jesus antwortete: Weder dieser hat gesündigt noch seine Eltern, sondern damit die Werke Gottes an ihm offenbart würden.

Aufgrund ihrer jüdischen Vorurteile dachten die Jünger, dass die Blindheit vorbeugend über diesen Mann gekommen war im Hinblick auf eine Sünde, die Gott vorausgesehen hatte, oder als Ergebnis der Sünde seiner Eltern. In seiner Antwort zeigt der Herr, dass Gott Leid benutzen kann, um die Werke Gottes offenbar zu machen. Eine lebenslange Krankheit ist nicht notwendigerweise das Ergebnis einer besonderen Sünde, sondern es kann sein, dass sie zur Entfaltung der Gnade Gottes zugelassen wird.

Verse 4.5

Joh 9,4.5: Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann. Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Wenn der Zustand des Menschen eine Gelegenheit war, um die Werke Gottes zu offenbaren, dann war auch der Herr hier, um die Werke Gottes zu wirken. Es war der Tag seiner Gegenwart in der Welt in aktiver Gnade: Die Nacht seiner Abwesenheit sollte bald kommen, wo kein Mensch wirken kann. Solange Christus in der Welt war, war Er das Licht der Welt, und solange Er hier war, musste Er wirken, denn die Liebe konnte nicht ruhen, wo Leid da war. Das Licht kann in der Gegenwart der Sünde nicht ruhen. Wenn Christus die Welt verlässt, dann ist es völlig vorbei mit der Welt bis zu seinem Wiederkommen. Das setzt die Tatsache nicht beiseite, dass als Ergebnis seines Todes und seiner Himmelfahrt ein Zeugnis an die Welt ausgeht und die Gnade Gottes verkündigt. Dieses Zeugnis ruft allerdings ein Volk aus der Welt heraus, dass es himmlischen Segen empfangen kann, und befreit die Welt keinesfalls von ihrem Leid. Das wird ein Werk des Tausendjährigen Reiches sein, das während der Nacht der Verwerfung Christi „niemand wirken kann“.

Verse 6.7

Joh 9,6.7: Als er dies gesagt hatte, spie er auf die Erde und bereitete einen Brei aus dem Speichel und strich ihm den Brei auf die Augen; und er sprach zu ihm: Geh hin, wasche dich in dem Teich Siloam (was übersetzt wird: Gesandt). Da ging er hin und wusch sich und kam sehend wieder.

Nachdem der Herr den wahren Charakter des Augenblickes und seine eigene Stellung sowie sein eigenes Werk in der Welt klargemacht hatte, fährt Er, um die Augen des Blinden zu öffnen. Das verwirklicht Er auf eine Weise, die die Herrlichkeit seiner Person hervorstrahlen lässt. Der Speichel spricht von der Wirksamkeit dessen, was aus Ihm selbst kommt. Der Lehm spricht im Bild vom Menschsein, das Er angenommen hatte. Die Augen dieses Mannes mit Lehm und Speichel zu salben, würde selbstverständlich sein Augenlicht zerstören. So wurde die Menschheit des Herrn, die Er angenommen hatte, durch den gefallenen Menschen benutzt, um seine Gottheit als Sohn Gottes zu leugnen. Sie stießen sich an der demütigen Gnade seiner Menschheit. Diese Schwierigkeit wurde durch den Glauben überwunden, der erkannte, dass dieser demütige Mensch der Gesandte des Vaters war. In dem Augenblick, wo diese Wahrheit mit seiner Person verbunden wird, ist alles klar. Aus diesem Grund wird dem Mann gesagt: „Geh hin, wasche dich in dem Teich Siloam (das übersetzt wird: Gesandt).“ Weil er den Worten des Herrn glaubte, ging er seinen Weg, wusch sich „und kam sehend wieder“. Tatsächlich empfing der Mann sein natürliches Augenlicht, aber in einer Weise, die das Werk des Herrn offenbarte als der Sohn, der vom Vater gesandt war, um geistliches Augenlicht zu geben. Wenn wir als bedürftige Sünder durch Glauben erkennen, dass dieser gesegnete demütige Mensch eine göttliche Person ist, die vom Vater ausgesandt war, um einen schuldigen Sünder zu retten und zu segnen, dann wird alles klar. Die Augen werden geöffnet, und wir sehen die Gnade, die zu uns gekommen ist, um unserer Not zu begegnen (Gal 4,4).

Die folgenden Verse zeigen auf der einen Seite, was es bedeutet, Christus als den Gesandten Gottes zu bekennen, und auf der anderen Seite die ernsten Folgen, wenn man seine Werke verwirft. Der Mann, dessen Augen geöffnet worden waren, bekennt Christus mutig mit dem zweifachen Ergebnis, dass, je mehr er die Wahrheit bekennt, die er erkannt hat, desto mehr wächst er in der Erkenntnis Christi; und je mehr er dem Licht gerecht wird, das er bekommt, desto weniger ist er in der religiösen Welt erwünscht. Während der Mann immer weiter in das Licht kommt, sinken diejenigen, die Christus verwerfen, in immer tiefere Finsternis.

Es gibt also einen Konflikt zwischen Licht und Finsternis. Je heller das Zeugnis des Menschen in Bezug auf Christus scheint, desto größer wird der Widerstand, der ihm begegnet von denen, für die das Licht unerträglich ist. Wenn der Mann mit den geöffneten Augen von demjenigen spricht, durch den er den Segen bekommen hat, findet er selbst den Widerstand der Welt in jeder Form: sozial, religiös, und familiär.

Verse 8-12

Joh 9,8-12: Die Nachbarn nun und die, die ihn früher gesehen hatten, dass er ein Bettler war, sprachen: Ist dieser nicht der, der dasaß und bettelte? Einige sagten: Er ist es; andere sagten: Nein, sondern er ist ihm ähnlich; er sagte: Ich bin es. Sie sprachen nun zu ihm: Wie sind denn deine Augen aufgetan worden? Er antwortete: Ein Mensch, genannt Jesus, bereitete einen Brei und salbte meine Augen damit und sprach zu mir: Geh hin nach Siloam und wasche dich. Als ich nun hinging und mich wusch, wurde ich sehend. Und sie sprachen zu ihm: Wo ist er? Er sagt: Ich weiß es nicht.

Zuerst hat er mit dem sozialen Kreis zu tun: den Nachbarn. Sie sehen die Veränderung bei diesem Menschen und wollen wissen, wie es dazugekommen ist. Seine einfache und schöne Antwort ist: „Ein Mensch, genannt Jesus“, hat seine Augen aufgetan. Das Ergebnis seines Bekenntnisses ist, dass er nicht länger in dem sozialen Kreis erwünscht ist. Sie bringen ihn zu den Pharisäern als eine Person, die besser für den religiösen Kreis geeignet ist.

Verse 13-17

Joh 9,13-17: Sie führen ihn, den einst Blinden, zu den Pharisäern. Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Brei bereitete und seine Augen auftat. Nun fragten ihn wiederum auch die Pharisäer, wie er sehend geworden sei. Er aber sprach zu ihnen: Er legte mir Brei auf die Augen, und ich wusch mich, und ich sehe. Da sprachen einige von den Pharisäern: Dieser Mensch ist nicht von Gott, denn er hält den Sabbat nicht. Andere sagten: Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun? Und es war Zwiespalt unter ihnen. Sie sagen nun wieder zu dem Blinden: Was sagst du von ihm, weil er deine Augen aufgetan hat? Er aber sprach: Er ist ein Prophet.

Die religiösen Pharisäer sind unfähig, die Tatsache zu leugnen, dass die Augen des Mannes durch Jesus geöffnet worden waren. Doch erheben sie Einwände, weil das Wunder am Sabbat gewirkt worden war. Das Zeichen war ein unmissverständlicher Beweis, dass Jesus von Gott war. Die Pharisäer dagegen beurteilen Christus aufgrund ihrer religiösen Vorurteile ohne irgendein Gefühl für ihre eigenen Bedürfnisse und argumentieren, dass Er nicht von Gott sein könne, weil Er den Sabbats nicht halte. Einige wagen es in der Tat, einen milden Protest anzubringen, denn sie sagen zu Recht: „Wie kann ein sündiger Mensch solche Zeichen tun?“ Der Mann selber behauptet nun, nachdem er schon bekannt hatte, dass Christus „ein Mensch, genannt Jesus“, war, mit weiterem Licht und in größerem Mut, dass Er ein Prophet ist, einer, der von Gott kommt mit den Gedanken Gottes und mit der Kraft Gottes.

Verse 18-23

Joh 9,18-23: Die Juden nun glaubten nicht von ihm, dass er blind gewesen und sehend geworden war, bis sie die Eltern dessen riefen, der sehend geworden war. Und sie fragten sie und sprachen: Ist dieser euer Sohn, von dem ihr sagt, dass er blind geboren wurde? Wie sieht er denn jetzt? Seine Eltern antworteten nun und sprachen: Wir wissen, dass dieser unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde; wie er aber jetzt sieht, wissen wir nicht, oder wer seine Augen aufgetan hat, wissen wir nicht. Fragt ihn! Er ist mündig, er wird über sich selbst reden. Dies sagten seine Eltern, weil sie die Juden fürchteten; denn die Juden waren schon übereingekommen, dass, wenn jemand ihn als Christus bekennen würde, er aus der Synagoge ausgeschlossen werden sollte. Deswegen sagten seine Eltern: Er ist mündig, fragt ihn.

Die Juden sind nicht überzeugt, und ungläubig wenden sie sich an die Eltern und hoffen, von ihnen etwas zu lernen, was ihnen dabei helfen kann, der Wahrheit auszuweichen. Jede Gesellschaft ist entschlossen, Christus zu verwerfen. Doch keiner kann die Tatsache leugnen, dass die Augen des Mannes aufgetan worden waren. Jede Gesellschaft stellt daher die Frage: Wie hat dieser Mensch das Augenlicht bekommen? (Joh 9,10.15.19.26). Jeder versucht, das Augenlicht des Mannes irgendeiner anderen Wirksamkeit als dem Werk Christi zuzuschreiben.

Die Eltern müssen Zeugnis geben, dass der Mann ihr Sohn ist, dass er blind geboren war und nun sieht. Sie weigern sich, irgendeine Meinung abzugeben in Bezug auf die Mittel, durch die sein Augenlicht wiederhergestellt worden war. Sie lehnen jede Verantwortung für ihren Sohn ab; er sei alt genug. Sie haben nicht vor, ihr religiöses Ansehen in der Synagoge in Gefahr zu bringen, indem sie sich mit einem Mann identifizieren, der Jesus bekennt, selbst wenn dieser Mann ihr eigener Sohn ist.

Verse 24-29

Joh 9,24-29: Sie riefen nun zum zweiten Mal den Menschen, der blind war, und sprachen zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. Da antwortete er: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht; eins weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehe. Da sprachen sie [wiederum] zu ihm: Was hat er dir getan? Wie tat er deine Augen auf? Er antwortete ihnen: Ich habe es euch schon gesagt, und ihr habt nicht gehört; warum wollt ihr es nochmals hören? Wollt ihr etwa auch seine Jünger werden? Und sie schmähten ihn und sprachen: Du bist sein Jünger; wir aber sind Moses Jünger. Wir wissen, dass Gott zu Mose geredet hat; von diesem aber wissen wir nicht, woher er ist.

Da sie keine Hilfe von den Eltern bekommen, beschäftigen sich die Juden zum zweiten Mal mit dem Mann. Sie können das Wunder nicht leugnen; aber sie wollen Jesus auch nicht anerkennen. Deswegen greifen sie auf ihre religiöse Autorität zurück und fordern, dass der Mann „Gott die Ehre“ geben und Christus völlig ignorieren soll. Daher wagen sie zu sagen: „Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.“

Der Mann weigert sich, in die Diskussion in Bezug auf den Charakter des gepriesenen Herrn hineingezogen zu werden. Dennoch bestätigt er, was er weiß und was sie nicht leugnen konnten: dass er einst blind war und nun sieht. Unfähig, diese einfache Tatsache bei dem Mann zu leugnen, greifen sie nun auf Beschimpfung zurück. Sie schmähen den Mann, dass er ein Jünger Christi sei, und behaupten von sich, dass sie selbst Moses Jünger seien. Jesus verachten sie als einen, von dem sie nichts wissen.

Verse 30-34

Joh 9,30-34: Der Mensch antwortete und sprach zu ihnen: Hierbei ist es doch erstaunlich, dass ihr nicht wisst, woher er ist, und er hat doch meine Augen aufgetan. Wir wissen, dass Gott Sünder nicht hört, sondern wenn jemand gottesfürchtig ist und seinen Willen tut, den hört er. Von Ewigkeit her ist nicht gehört worden, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen aufgetan hat. Wenn dieser nicht von Gott wäre, könnte er nichts tun. Sie antworteten und sprachen zu ihm: Du bist ganz in Sünden geboren, und du lehrst uns? Und sie warfen ihn hinaus.

Der Bettler mit seinen geöffneten Augen kann weiter in die Wahrheit betreffs der Person Christi schauen als diese bekennenden Nachfolger Moses. Er drückt seine Verwunderung über ihre Unwissenheit und die Dummheit ihres Unglaubens aus. Niemals zuvor seit Anbeginn der Welt hatte es solch ein Wunder gegeben, und doch behaupteten sie, dass der, der dieses große Werk vollbracht hatte, ein Sünder war. „Gott hört Sünder nicht … Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, könnte er nichts tun.“ So wird dieser Mann durch einfachen Glauben dahin geführt, zu bekennen, dass Jesus „von Gott“ ist.

Mit jedem Bekenntnis war der Hass der offiziellen religiösen Klasse angewachsen. Jetzt war es endlich so weit, dass sie unfähig waren, dem offenen Bekenntnis des Mannes über die Fakten etwas entgegenzusetzen. Deswegen schmähen sie ihn, dass er von Geburt an in seinem Angesicht das Brandmal der Sünde tragen würde, also gerade die Sache, die der Herr als unwahr verurteilt hatte (V. 3). Die Tatsache des Wunders können die Juden nicht leugnen. Doch ihr Hass gegen Christus führt sie dazu, alle Anstrengungen zu unternehmen, um sein Werk herabzuwürdigen. Die Argumente des Mannes waren unwiderlegbar, aber durch ihren religiösen Stolz weigerten sie sich, die Wahrheit von einem einfachen und ungelernten Mann anzunehmen. Zunächst greifen sie auf Schmähung zurück dann schließlich „werfen sie ihn hinaus“.

Verse 35-38

Joh 9,35-38: Jesus hörte, dass sie ihn hinausgeworfen hatten; und als er ihn fand, sprach er zu ihm: Glaubst du an den Sohn Gottes? Er antwortete und sprach: Und wer ist es, Herr, damit ich an ihn glaube? Jesus sprach zu ihm: Du hast ihn ja gesehen, und der mit dir redet, der ist es. Er aber sprach: Ich glaube, Herr; und er warf sich vor ihm nieder.

Aufgrund des Bekenntnisses für Christus aus dem verdorbenen religiösen Judentum hinausgeworfen zu werden, bedeutete gleichzeitig, in die Gesellschaft des Sohnes Gottes hineingeworfen zu werden. Der Herr hatte ihn in seiner Blindheit gefunden, um ihm Augenlicht zu geben. Jetzt findet Er ihn in seiner Einsamkeit, um ihm die herrliche Gesellschaft des Sohnes Gottes zu geben. Der Herr erweckt das Vertrauen des Mannes, und dann offenbart Er sich selbst nicht nur als ein Prophet, sondern als der Sohn Gottes. Wenn Er nur ein Mensch oder ein Prophet wäre, dann würde Er kein Gegenstand der Anbetung sein. Als Sohn Gottes ist Er eine göttliche Person und der berechtigte Gegenstand des Glaubens und der Anbetung. So lesen wir von dem Mann mit den geöffneten Augen: „Er warf sich vor ihm nieder.“

Auf welch eine gesegnete und sanfte Art und Weise ist der Mann in das Licht gebracht worden, indem er Christus bekannte. Als Erstes erkennt er, dass Christus „ein Mensch, genannt Jesus“ ist (Joh 9,11); dann mit weiterem Licht erkennt er an, dass er „ein Prophet“ ist (Joh 9,17); danach, als die Juden Christus verurteilen, bekennt er mutig, dass Christus „von Gott“ ist (Joh 9,33); schließlich in der Gegenwart Jesu kommt er in das volle Licht und erkennt Christus als Herrn und betet ihn als den Sohn Gottes an (Joh 9,36-38). So wird der Mann von Blindheit und Betteln zum Glauben und zur Anbetung gebracht. Er wird aus der Finsternis einer verdorbenen Religion in das Licht und den Segen der Gesellschaft des Sohnes Gottes versetzt. Der Mann wird befreit von den falschen Hirten Israels, und der wahre Hirte findet sein Schaf.

Verse 39-41

Joh 9,39-41: Und Jesus sprach: Zum Gericht bin ich in diese Welt gekommen, damit die Nichtsehenden sehen und die Sehenden blind werden. Einige von den Pharisäern, die bei ihm waren, hörten dies und sprachen zu ihm: Sind denn auch wir blind?Jesus sprach zu ihnen: Wenn ihr blind wäret, so hättet ihr keine Sünde; nun aber, da ihr sagt: Wir sehen, bleibt eure Sünde.

In den Schlussversen wird der ernste Zustand derer, die das Licht abgewiesen hatten, in Gegensatz gestellt zu dem Segen des Mannes, in dessen dunkle Seele das Licht geschienen hatte. Durch die Verstockung des Menschen ist die Wirkung des Kommens Christi in die Welt Gericht auf jene zu bringen, die Ihn abweisen. Trotzdem kommt Er in Gnade, damit solche, die nicht sehen – die ihre Blindheit anerkennen –, sehen können. Aber für solche, die bekennen, Licht zu haben, und Ihn doch abweisen, würde sein Kommen sie blind machen. Zufrieden mit ihrer eigenen Religion und ohne ein Gefühl für ihre Bedürfnisse als Sünder stolpern sie und fallen über die demütige Gnade seiner Menschheit und schaffen es nicht, seine Gottheit zu sehen, dass Er der Sohn Gottes, gesandt vom Vater, war.

Die Pharisäer fragen durch die Worte des Herrn betroffen: „Sind wir auch blind?“ In seiner Antwort warnt der Herr sie, dass sie sich selbst verurteilen würden, dadurch dass sie bekennen zu sehen. Denn während sie bekennen zu sehen, weisen sie zugleich bewusst den Gesandten des Vaters zurück. Sie wollen weder seine Worte hören noch seine Werke kennenlernen. Bewusst Christus abzuweisen, während man bekennt zu sehen, ist eine Sünde, die auf ihnen bleibt und die Nation in Finsternis geworfen hat, aus der sie nicht wieder herauskommen wird, bis durch die große Drangsal ein Überrest ins Licht gebracht sein wird. So versinkt auch das verdorbene Christentum in Finsternis, denn während sie sich des Lichtes und der Reichtümer rühmen, stellen sie Christus vor ihre Tür.

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