Das Johannesevangelium (18)
Johannes 18

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 06.03.2007, aktualisiert: 27.01.2018

Leitverse: Johannes 18

Im Bericht über die letzten Ereignisse im Leben Christi, so wie sie uns im Evangelium nach Johannes gegeben werden, liegt der besondere Nachdruck auf der Darstellung der Herrlichkeit Christi als eine göttliche Person – das große Endziel des Evangeliums. So finden wir immer wieder Einzelheiten, in denen ein direktes Zeugnis über seine Gottheit gegeben wird, während gleichzeitig sein vollkommener Gehorsam als derjenige, der Fleisch geworden war, dargestellt wird. Es ist unser Vorrecht, dass unsere Herzen in Anbetung zu Ihm hingezogen werden als dem eingeborenen Sohn des Vaters und demjenigen, der Fleisch geworden war, voller Gnade und Wahrheit.

Vers 1

Joh 18,1: Als Jesus dies gesagt hatte, ging er mit seinen Jüngern hinaus auf die andere Seite des Baches Kidron, wo ein Garten war, in den er hineinging, er und sein Jünger.

Wie wunderbar werden diese Wahrheiten vorgestellt in der ernsten Verratsszene, die in den ersten elf Versen beschrieben wird. Im Eröffnungsvers lesen wir: „Jesus … ging mit seinen Jüngern hinaus.“ So sehen wir den guten Hirten vorausgehen und die Schafe nachfolgen.

Verse 2-9

Joh 18,2-9: Aber auch Judas, der ihn überlieferte, wusste den Ort, weil Jesus sich oft dort mit seinen Jüngern versammelte. Als nun Judas die Schar Soldaten und von den Hohenpriestern und Pharisäern Diener erhalten hatte, kommt er dahin mit Leuchten und Fackeln und Waffen. Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde, ging hinaus und sprach zu ihnen: Wen sucht ihr? Sie antworteten ihm: Jesus, den Nazaräer. Jesus spricht zu ihnen: Ich bin es. Aber auch Judas, der ihn überlieferte, stand bei ihnen. Als er nun zu ihnen sagte: Ich bin es, wichen sie zurück und fielen zu Boden. Da fragte er sie wiederum: Wen sucht ihr? Sie aber sprachen: Jesus, den Nazaräer. Jesus antwortete: Ich habe euch gesagt, dass ich es bin; wenn ihr nun mich sucht, so lasst diese gehen! – damit das Wort erfüllt würde, das er sprach: Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keinen verloren.

In den folgenden Versen sehen wir den Wolf kommen. Aber wenn Judas auch den Ort kannte, wo Jesus sich oft mit seinen Jüngern traf, so hatte er doch niemals Jesus erkannt. Er wusste nichts von der Herrlichkeit seiner Person, seiner gewaltigen Macht gegenüber allen seinen Feinden, seiner unendlichen Liebe seinen armen Schafen gegenüber noch von seinem vollkommenen Gehorsam dem Vater gegenüber. Die Bosheit des Judas ist auf der einen Seite die Gelegenheit zur Entfaltung der Vollkommenheit Jesu und auf der anderen Seite zur Offenbarung der Schwachheit und des Bösen des Fleisches selbst bei einem hingegebenen Jünger. Bei uns selbst ist es leider auch oft so, dass Widerstand, Angriff und Verrat irgendeine traurige Äußerung des Fleisches hervorrufen. Wie gut ist es dann für uns, wie auch Petrus selber in späteren Jahren uns ermuntern kann, hinzuschauen auf diese rührende Szene und Christus als ein Beispiel für uns zu nehmen, damit wir seinen Fußstapfen nachfolgen (1Pet 2, 21-23).

  1. Als Erstes sehen wir dann, wie die Herrlichkeit seiner Gottheit sowie die Vollkommenheit seiner Menschheit hervorstrahlen, denn wir lesen: „Jesus nun, der alles wusste, was über ihn kommen würde, ging hinaus.“ Ein bloßer Mensch, der auch nur die geringste Ahnung gehabt hätte von dem, was kommen würde, wäre sicherlich zurückgewichen. Nur von einer göttlichen Person konnte gesagt werden, in absolutem Sinn, dass Er alles wusste; und nur von einem vollkommenen Menschen, der alles wusste, konnte gesagt werden, dass Er „hinausging“. Er unterwirft sich dem Menschen, aber in Gehorsam dem Vater gegenüber. Er war „nicht widerspenstig, hat sich nicht zurückgewandt“ (Jes 50,5).

  2. Zweitens sehen wir seine gewaltige Macht als eine göttliche Person; denn als Er gesagt hatte: „Ich bin es“, wichen seine Feinde zurück „und fielen zu Boden“. Sie waren in der Gegenwart des großen „Ich bin“, des Schöpfers, gegen den die Welt trotz der vereinten Kräfte mit ihren Laternen, Fackeln und Waffen nichts tun kann. Als der Herr der Herrlichkeit hinausging, wichen seine Feinde zurück. So spricht der Psalmist prophetisch von Christus und sagt: „Lass sie zurückgetrieben werden und zur Schande gemacht werden, die mir Böses wünschen“ (Ps 40,14; 70,2.3).

  3. Drittens sehen wir die unendliche Liebe des guten Hirten zu den Schafen. Als der Wolf kommt, gibt Er sein Leben für die Schafe (Joh 10,11.12), anstatt wie der Mietling die Schafe zu verlassen und zu fliehen. Aber wenn Er sich selbst gibt, dann wird Er es nicht erlauben, dass die Schafe angetastet werden. So kann er sagen: „Wenn ihr nun mich sucht, so lasst diese gehen.“ Seine eigenen Worte werden so erfüllt: „Von denen, die du mir gegeben hast, habe ich keins verloren.“ Seine armen Schafe mögen versagen, so wie Petrus Ihn verleugnete und alle Ihn verließen; auf der Seite des Herrn ist alles Vollkommenheit, und deswegen wird nicht einer der Seinen verlorengehen. So ist es wunderbar wahr, dass zum Schluss doch alle seine Schafe nach Hause gebracht werden, wie groß auch immer unser Versagen gewesen ist, und obwohl verderbliche Wölfe Eingang in das Volk Gottes gefunden haben, die die Herde nicht schonen (Apg 20,29). Nicht eins wird verloren sein, und keins wird an jenem großen Tag fehlen.

Verse 10.11

Joh 18,10.11: Simon Petrus nun, der ein Schwert hatte, zog es und schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm das rechte Ohr ab. Der Name des Knechtes aber war Malchus. Da sprach Jesus zu Petrus: Stecke das Schwert in die Scheide! Den Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?

  1. Viertens sehen wir den vollkommenen Gehorsam Christi unter den Willen des Vaters im Gegensatz zu der Schwachheit des Fleisches bei einem der am meisten hingegebenen Jünger des Herrn. Als der Herr im Garten wachte, schlief Petrus; als der Herr sich im Gehorsam dem Willen des Vaters gegenüber seinen Feinden übergibt, leistet Petrus in fleischlichem Eifer Widerstand. Petrus war aufrichtig, aber selbst die Aufrichtigkeit eines Gläubigen fügt nur Schaden hinzu, den er anrichtet, wenn er im Fleisch handelt. So hat jemand gesagt: „Selbst seine geehrtesten Diener versagen und sie neigen dazu, am schlimmsten zu fallen, wenn sie sich in natürlichem Eifer und in ihrer eigenen Weisheit hervortun und zu viel Selbstvertrauen haben, um ihre Wege zu beobachten und auf sein Wort zu achten und so von Ihm zu lernen“ (W. Kelly). Das wird Petrus kaum gedacht haben, dass seine Handlung, dem Knecht des Hohenpriesters mit dem Schwert das Ohr abzuschlagen, in direktem Widerspruch zum Willen des Vaters war. Der Herr kann sagen, indem Er Petrus tadelt: „Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat, soll ich den nicht trinken?“ Natürliche Liebenswürdigkeit und Eifer würden den Kelch von seinen Lippen weggenommen und unwissentlich die Erfüllung all der tiefen ewigen Ratschlüsse des Herzens des Vaters für die Herrlichkeit Christi und den Segen des Menschen zunichtegemacht haben.

Verse 12-14

Joh 18,12-14: Die Schar nun und der Oberste und die Diener der Juden nahmen Jesus fest und banden ihn; und sie führten [ihn] zuerst zu Annas, denn er war Schwiegervater des Kajaphas, der jenes Jahr Hoherpriester war. Kajaphas aber war es, der den Juden geraten hatte, es sei nützlich, dass ein Mensch für das Volk sterbe.

Wenn es der Wille des Vaters für den Herrn gewesen wäre, sich selbst von seinen Feinden zu befreien, hätte es keinen Grund gegeben, das Schwert zu benutzen. Er hätte still weggehen können, als seine Feinde zu Boden fielen. So war es zu Beginn seines Dienstes, als böse Menschen Ihn vom Gipfel des Hügels hinabwerfen wollten und Er still durch ihre Mitte hindurch seines Weges ging. Aber nun hatte Er das Ende seines Weges erreicht, und die Stunde für das große Werk des Kreuzes war gekommen. So erlaubt Er in der Unterwerfung unter den Willen des Vaters, dass Er gebunden und weggeführt wird durch solche, die, obwohl Werkzeuge Satans, benutzt werden, um den zuvorbestimmten Ratschluss und die Vorkenntnis Gottes auszuführen. So wird auch Kajaphas, ein böser Mensch, durch den Geist Gottes gebraucht, um die große Wahrheit anzudeuten, dass „ein Mensch für das Volk sterben“ sollte.

Verse 15-18

Joh 18,15-18: Simon Petrus aber folgte Jesus und der andere Jünger. Dieser Jünger aber war dem Hohenpriester bekannt und ging mit Jesus hinein in den Hof des Hohenpriesters. Petrus aber stand an der Tür draußen. Da ging der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und sprach mit der Türhüterin und führte Petrus hinein. Da spricht die Magd, die Türhüterin, zu Petrus: Bist nicht auch du einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sagt: Ich bin es nicht. Es standen aber die Knechte und die Diener da, die ein Kohlenfeuer gemacht hatten, weil es kalt war, und wärmten sich; Petrus aber stand auch bei ihnen und wärmte sich.

Wir haben die fleischliche Tatkraft des Petrus gesehen. Nun sehen wir die Schwachheit des Fleisches. Petrus folgte Jesus in der Tat. Aber er tut das im Selbstvertrauen, nur um seine eigene Schwachheit hernach kennenzulernen. Ein anderer Jünger geht in den Palast, nicht als ein Jünger Jesu, sondern als ein Bekannter des Hohenpriesters und wird zu dem Hilfsmittel, das Petrus in eine falsche Lage bringt, mit dem Ergebnis, dass Petrus durch die einfache Frage einer Magd zusammenbricht. Petrus spürt die Gefahr, was es bedeutet zu bekennen, dass er ein Jünger dessen ist, von dem die Hohenpriester schon gesagt hatten, dass Er sterben soll, und so lügt er willentlich. Auf diese Weise bricht ein von Natur aus tapferer und mutiger Mann zusammen, als er in einer falschen Lage ist. Um dem Herrn zu folgen, benötigen wir eine übernatürliche Kraft, die uns bewahrt. Der Herr hatte gerade zum Vater gebetet, seine Jünger vor dem Bösen zu bewahren. Und so, wie es auch bei uns selbst oft ist, denkt Petrus, er könnte sich selbst bewahren. Der Herr lässt es zu, dass er fällt, damit er seine eigene Schwachheit kennenlernen kann. So leugnete er, dass er ein Jünger ist. Nachdem er das getan hat, kann er sich mit den Feinden des Herrn verbinden und sich am Feuer der Welt wärmen.

Verse 19-24

Joh 18,19-24: Der Hohepriester nun fragte Jesus über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich zu der Welt geredet, ich habe allezeit in der Synagoge und im Tempel gelehrt, wo alle Juden zusammenkommen, und im Verborgenen habe ich nichts geredet; warum fragst du mich? Frage die, die gehört haben, was ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen, was ich gesagt habe. Als er aber dies gesagt hatte, schlug einer der Diener, der dabeistand, Jesus ins Angesicht und sagte: Antwortest du so dem Hohenpriester? Jesus antwortete ihm: Wenn ich übel geredet habe, so gib Zeugnis von dem Übel; wenn aber recht, warum schlägst du mich? Annas nun sandte ihn gebunden zu Kajaphas, dem Hohenpriester.

Die Szene verändert sich: Wir kommen nun vom Versagen des Jüngers in Verbindung mit der Welt hin zur Vollkommenheit Jesu in Gegenwart des Widerstandes der Welt. Der Hohepriester fragt Ihn nach seinen Jüngern und nach seiner Lehre. Solche Fragen deuteten an, dass der Herr ein geheimer Verschwörer gegen die Autoritäten gewesen sein sollte. Der Herr weist diese Andeutung von sich, indem Er den Hohenpriester daran erinnert, dass Er offen zur Welt gesprochen und an öffentlichen Orten gelehrt hatte. Im Geheimen hatte Er nichts gesagt. Der Hohepriester brauchte nur jene zu fragen, die Ihn gehört hatten, und sie würden Zeugnis bezüglich seiner Lehre geben. Die Antwort des Herrn ist unwiderlegbar. Aber wie so oft, wenn es keine Antwort auf ein Argument gibt, dann greifen die Gegner auf Beleidigung und Beschimpfung zurück. So schlagen die Offiziere, deren Aufgabe es war, die Ordnung aufrechtzuerhalten, den Herrn. Diesen Angriffen begegnet der Herr in gerechter und furchtloser Würde.

Verse 25-27

Joh 18,25-27: Simon Petrus aber stand da und wärmte sich. Da sprachen sie zu ihm: Bist nicht auch du einer von seinen Jüngern? Er leugnete und sprach: Ich bin es nicht. Einer von den Knechten des Hohenpriesters, der ein Verwandter dessen war, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, spricht: Sah ich dich nicht in dem Garten bei ihm? Da leugnete Petrus wiederum; und sogleich krähte der Hahn.

Wiederum verändert sich die Szene und in eindrucksvollem Kontrast zum Meister sehen wir, wie der arme Diener versagt, als er geprüft wird. Der Herr ist gebunden und steht vor seinen Feinden. Petrus ist frei und steht unter den Feinden des Herrn und wärmt sich. Wieder wird die Frage an ihn gerichtet: „Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern?“ Und wieder leugnet Petrus aus Furcht vor Menschen seine Jüngerschaft. Zum dritten Mal fragt jemand, der bezeugen kann, dass er Petrus im Garten mit Christus gesehen hat, ihn bezüglich seiner Verbindung mit dem Herrn, nur um die dritte Verleugnung herauszulocken. Wie Petrus haben wir das Fleisch in uns und den Teufel gegen uns und wir müssen lernen, dass keine Liebe zu dem Herrn, wie echt sie auch sein mag, keine Kenntnis der Schrift, wie groß sie auch sein mag, keine guten Absichten, wie ehrlich auch immer, keine Erfahrungen, wie tief auch immer, keine Gabe, wie groß auch immer, kein göttliches Leben, das wir besitzen, uns davor bewahren wird, den Herrn unter dem Stress der Angst zu verleugnen oder den größten Begierden nachzugeben, wenn die Versuchung kommt, oder Zorn zu zeigen und Rache zu üben, wenn beleidigende Angriffe kommen – es sei denn, dass wir nahe bei dem Herrn bleiben und stark sind in der Gnade, die in Christus Jesus ist. Petrus musste die Wahrheit der Worte des Herrn lernen: „Außer mir könnt ihr nichts tun“ (Joh 15,5), so wie auch wir es zu lernen haben – vielleicht durch bittere Erfahrung.

Vers 28

Joh 18,28: Sie führen nun Jesus von Kajaphas in das Prätorium; es war aber frühmorgens. Und sie gingen nicht hinein in das Prätorium, um sich nicht zu verunreinigen, sondern das Passah essen zu können.

Die religiösen Führer der jüdischen Nation hatten Christus zurückgewiesen. Nun werden die politischen Führer der Nationen geprüft. Der Herr wird vor Pilatus gebracht mit dem Ergebnis, dass die Regierung, die den Nationen zum Lob des Guten gegeben war und zur Ausübung des Gerichtes über den, der Böses tut (Röm 13,4), benutzt wird, um den zu verurteilen, von dem man bekennen musste, dass keine Schuld an Ihm gefunden werden konnte.

Verse 29.30

Joh 18,29.30: Pilatus ging nun zu ihnen hinaus und sprach: Welche Anklage bringt ihr gegen diesen Menschen vor? Sie antworteten und sprachen zu ihm: Wenn dieser nicht ein Übeltäter wäre, hätten wir ihn dir nicht überliefert.

Pilatus mag ein hartherziger Weltmensch gewesen sein, aber schließlich hatte er doch ein bisschen Gefühl für Gerechtigkeit, indem er fragte, was die Anklage gegen Christus sei. Die Juden geben sich in ihrer Antwort den Anschein, solch aufrichtige Leute zu sein, dass es eine Unverschämtheit sei zu denken, dass sie den Herrn vor den Richter bringen würden, wenn Er nicht ein Übeltäter wäre.

Verse 31.32

Joh 18,31.32: Da sprach Pilatus zu ihnen: Nehmt ihr ihn und richtet ihn nach eurem Gesetz. [Da] sprachen die Juden zu ihm: Es ist uns nicht erlaubt, jemand zu töten – damit das Wort Jesus erfüllt würde, das er sprach, andeutend, welchen Todes er sterben sollte.

Pilatus versucht, die Verantwortlichkeit des Urteils über den Herrn auf die Juden zu legen. In ihrer Antwort verraten sie das, was sie sich schon vorgenommen hatten, dass nämlich, was auch immer das Urteil des Pilatus sein würde, sie schon beschlossen hatten, dass der Herr sterben musste. Aber da die Römer den Juden die Macht genommen hatten, ein Todesurteil zu vollstrecken, mussten sie die Sache in der Hand des Pilatus lassen. So werden Juden und Nationen die Instrumente, um die eigenen Worte des Herrn in Bezug auf den Tod, den Er sterben sollte (Apg 4,27.28), zu erfüllen.

Verse 33-37

Joh 18,33-37: Pilatus ging nun wieder hinein in das Prätorium und rief Jesus und sprach zu ihm: Bist du der König der Juden? Jesus antwortete: Sagst du dies von dir selbst aus oder haben dir andere von mir gesagt? Pilatus antwortete: Bin ich etwa ein Jude? Deine Nation und die Hohenpriester haben dich mir überliefert; was hast du getan? Jesus antwortete: Mein Reich ist nicht von dieser Welt; wenn mein Reich von dieser Welt wäre, hätten meine Diener gekämpft, damit ich den Juden nicht überliefert würde; jetzt aber ist mein Reich nicht von hier. Da sprach Pilatus zu ihm: Also bist du doch ein König? Jesus antwortete: Du sagst es, dass ich ein König bin. Ich bin dazu geboren und dazu in die Welt gekommen, dass ich der Wahrheit Zeugnis gebe. Jeder, der aus der Wahrheit ist, hört meine Stimme.

Nachdem er sich mit den Juden beraten hat, geht Pilatus wieder in die Gerichtshalle zurück und fragt den Herrn zwei Fragen: „Bist du der König der Juden?“, und: „Was hast du getan?“ Der Herr antwortet: „Sagst du dies aus dir selbst oder haben dir andere von mir erzählt?“ So lässt Er Pilatus wissen, dass Er gegen alle Regeln der Gerechtigkeit dem Richter gegenüber verleumdet worden war. Wenn Er sich selbst zum König gemacht hätte in Konkurrenz zu Caesar, würden seine Diener gekämpft haben. Trotzdem hatte Er ein Reich und war Er ein König, aber sein Reich ist nicht von dieser Welt. Sein Reich ist von Gott und vom Himmel, und wenn Er als König der Könige kommen wird, werden die Armeen des Himmels Ihm folgen, und aus seinem Mund wird ein scharfes Schwert hervorgehen, um die Nationen zu schlagen. Er war in der Tat als König geboren, aber Er war gekommen, um von der Wahrheit Zeugnis zu geben. Hier sehen wir die Herrlichkeit seiner Person als der eingeborene Sohn hervorstrahlen, der Fleisch geworden war und unter uns gewohnt hatte, voller Gnade und Wahrheit. Der Herr richtete einen Appell an das Gewissen des Pilatus. War er jemand, der unter die überführende Macht der Wahrheit gekommen war? Solche Leute hören die Stimme des Herrn. Pilatus zeigt leider, dass die Stimme Jesu weder sein Gewissen erreicht noch je sein Herz berührt hatte, denn er fragt Ihn frech: „Was ist Wahrheit?“ Hätte die Wahrheit ihn von seiner Sünde überführt, würde sie ihm auch die Gnade Gottes offenbart haben, und er würde, mit der Frau von Johannes 4, gesagt haben: Er „hat mir alles gesagt, was ich jemals getan habe: dieser ist doch nicht etwa der Christus“?

Verse 38-40

Joh 18,38-40: Pilatus spricht zu ihm: Was ist Wahrheit? Und als er dies gesagt hatte, ging er wieder zu den Juden hinaus und spricht zu ihnen: Ich finde keinerlei Schuld an ihm; ihr seid aber gewohnt, dass ich euch an dem Passah einen Gefangenen freilasse. Wollt ihr nun, dass ich euch den König der Juden freilasse? Da schrien wiederum [alle] und sagten: Nicht diesen, sondern den Barabbas! Barabbas aber war ein Räuber.

Wenn das Gewissen des Pilatus auch nicht erreicht wird, so sagt ihm dennoch seine natürliche Intelligenz, dass es keine Schuld in Jesus gab und dass es nur Bosheit war, die die Juden dazu gebracht hatte, Christus vor den Richterstuhl zu bringen. Deswegen sucht er einen Ausweg, um nicht eine unschuldige Personen zum Tod zu verurteilen, und kommt zurück auf eine jüdische Sitte, die allerdings nur noch mehr den intensiven Hass des menschlichen Herzens Jesus gegenüber offenbart, das einen Räuber und einen Mörder vorzieht, denn die Juden sagen: „… nicht dieser Mensch, sondern Barabbas.“

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