Das Johannesevangelium (4)
Johannes 4

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 22.04.2004, aktualisiert: 26.01.2018

Leitverse: Johannes 4

Einleitung

Während die Ereignisse im zweiten Kapitel ein Beweis für den vollständigen Ruin des Menschen sind, bereitet das dritte Kapitel darauf vor, die Souveränität Gottes in seinem Werk für den Menschen darzustellen. Nach dem völligen Versagen des Menschen hängt jeder Segen für ihn ganz von Gott ab. Johannes 3 stellt uns also die Wahrheit von Gottes Seite aus vor. Der Zugang zur Segnung kann nur über das souveräne Wirken des Geistes im Menschen erlangt werden; die Grundlage unserer Segnung ruht auf dem Werk Christi am Kreuz; die Quelle unserer Segnung entspringt der Liebe Gottes zu dem Menschen.

In Kapitel 4 wird uns die Wahrheit von unserer Seite aus gezeigt. Wir sehen, wie ein Sünder zur Segnung gelangt. Davon spricht die Geschichte der Frau am Brunnen, die aus tiefstem Elend und Verfall zu den höchsten Höhen gelangt. Dieser Frau, deren Niedergang mit der Geburt in diese Welt vorprogrammiert war und die zudem einen verderbten Wandel führte, wird die allerhöchste himmlische Segnung angeboten – das lebendige Wasser, das ins ewige Leben quillt –, so dass sie zu einer glücklichen Anbeterin werden kann.

Die Wahrheiten in diesem Kapitel stehen in starkem Gegensatz zu Johannes 2. Dort lesen wir, wie in Verbindung mit dem ehrbaren und religiösen Mensch die irdische Freude ihr Ende findet und die Anbetung im Tempel aufhört. In Verbindung mit der Geschichte dieser Frau finden wir dagegen die himmlischen Freuden, die niemals aufhören, und die Anbetung des Vaters in Geist und Wahrheit. Die irdische Freude wird von der himmlischen Freude weit übertroffen, die Anbetung im Tempel wird durch die Anbetung des Vaters ersetzt.

Dieses Kapitel zeigt uns die Herrlichkeit Gottes, die in Christus offenbart wurde. Es zeigt uns, dass die Liebe Gottes so überwältigend, die Wirkung des Werkes Christi so umfassend und das Handeln des Heiligen Geistes so souverän ist, dass, wie es in Johannes 3 steht, die größten Sünder auf Erden zu den höchsten himmlischen Segnungen geführt werden können. Das Herz des Menschen kann mit lebendigem Wasser erfüllt und das Herz des Vaters mit Anbetung in Geist und Wahrheit erfreut werden.

Die Frau am Brunnen (Joh 4,1-30)

Hier lernen wir, wie Gott unser Vertrauen gewinnen will, damit der Sünder zum Glauben an die Liebe Gottes kommt, die für den größten Sünder die größten Segnungen bereithält.

Verse 1-3

Joh 4,1-3: Als nun der Herr erkannte, dass die Pharisäer gehört hatten, dass Jesus mehr Jünger mache und taufe als Johannes (wiewohl Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger), verließ er Judäa und zog wieder nach Galiläa.

Aus den einleitenden Versen lernen wir, dass der Herr einen Platz außerhalb des Judentums einnahm; ein Hinweis darauf, dass sich die himmlischen Segnungen Gottes für den Menschen nicht auf die Juden beschränkten. Die Pharisäer, die Christus abgelehnt hatten, waren offensichtlich darüber verärgert, dass der Herr mehr Jünger zu sich zog als Johannes. In diesem Zusammenhang erfahren wir, dass „Jesus selbst nicht taufte, sondern seine Jünger“. Christus, der die Ratschlüsse Gottes vor sich hatte, um Sünder in himmlische Segnungen zu führen, konnte kein Ritual ausführen, durch das die Menschen, obwohl es diese von dem schuldigen Volk trennte, nur auf der Erde mit Ihm verbunden wurden. Für die Jünger war es zu diesem Zeitpunkt richtig, zu taufen, denn ihr Glaube kannte nur den Christus auf Erden. Christus wusste, dass sein irdisches Königreich für diese Zeit beiseitegesetzt wurde. So verlässt Er Judäa, um zu den Nationen in Galiläa zu gehen (Mt 4,15) und uns Wahrheiten zu lehren, die für die ganze Welt gelten.

Vers 4

Joh 4,4: Er musste aber durch Samaria ziehen.

Um nach Galiläa zu gelangen, „musste“ Er „durch Samaria ziehen“. Warum musste Er durch Samaria gehen? Der direkte Weg nach Galiläa führte zwar sehr wohl durch Samaria, die strengen Juden wählten jedoch andere Strecken, um die Begegnung mit einem Volk, das sie verachteten, zu vermeiden. Dieses Muss war deshalb keine geographische Frage, sondern sagen wir nicht lieber, dass es sich hier um eine Notwendigkeit im Herzen Gottes handelte? Bereits vor Grundlegung der Welt war es Gottes Absicht, eine arme Sünderin in Samaria zu segnen. Um diese Seele zu gewinnen und das Herz Gottes zu erfreuen, musste Jesus durch Samaria ziehen.

Die Samariter galten zur Zeit unseres Herrn auf der Erde zu Recht als ein unreines Volk. Über ihren Anfang wird in 2. Könige 17,24-41 berichtet. Nach der Gefangenführung der zehn Stämme besiedelte der König von Assyrien das Land mit Menschen aus Babylon und anderen heidnischen Städten. Da sie im Land des HERRN wohnten und doch nicht den Herrn fürchteten, führte der Herr sie in notvolle Umstände. Um Abhilfe zu schaffen, sandte der König von Assyrien nach einem Priester des HERRN, der sie die Wege des HERRN lehren sollte. Das Ergebnis war ein verdorbenes Volk, das den HERRN fürchtete und zugleich seinen Götzen diente. Sie hatten somit geringe Kenntnisse von dem Herrn und der Tatsache, dass der Messias kommen würde.

Verse 5-8

Joh 4,5-8: Er kommt nun in eine Stadt Samarias, genannt Sichar, nahe bei dem Felde, welches Jakob seinem Sohne Joseph gab. Es war aber daselbst eine Quelle Jakobs. Jesus nun, ermüdet von der Reise, setzte sich also an die Quelle nieder. Es war um die sechste Stunde. Da kommt ein Weib aus Samaria, Wasser zu schöpfen. Jesus spricht zu ihr: Gib mir zu trinken. (Denn seine Jünger waren weggegangen in die Stadt, um Speise zu kaufen.)

Der Herr begibt sich also in dieses unreine Land, um eine bedürftige Seele zu segnen. Als Er zum Jakobsbrunnen kommt, „ermüdet von der Reise“, setzt Er sich an den Rand des Brunnens. Er ist nicht nur erschöpft, sondern auch durstig, denn Er bittet die Frau, die in diesem Moment zu dem Brunnen kommt, Ihm Wasser zu trinken zu geben. Außerdem ist der Herr allein, denn die Jünger waren in die benachbarte Stadt gegangen, um Essen zu kaufen.

Wie schön ist diese Szene! Das ewige Wort, der Schöpfer der Welten, der ewige Sohn, der im Schoß des Vaters weilte, ist Mensch geworden, und als der Menschgewordene wohnt Er unter uns voller Gnade und Wahrheit. Er legt seinen königlichen Status und seine Majestät beiseite, um auf der Erde als Fremdling einen Weg der Erniedrigung zu gehen. Er zieht nicht in königlichem Aufzug und königlichem Gefolge durch das Land, sondern wird arm, damit wir durch seine Armut reich würden. Mit bewunderndem Staunen sehen wir Ihn am Rande des Brunnens sitzen: ein erschöpfter, durstiger und einsamer Mann. Der ewige Gott, der HERR, der Schöpfer aller Enden der Erde, der, der nicht ermüdet und nicht ermattet, wird als Fremdling im Land gefunden, müde von der Reise. Der, der jeden Wassertropfen im Universum geschaffen hat, leidet Durst in der durch seine Hände geschaffenen Welt. Der, der in himmlischer Herrlichkeit immer von Engeln umgeben war, ist auf der Erde einsam.

Warum aber wurde Er müde, durstig und einsam? Weil es keinen anderen Weg gab, sich einer armen gefallenen Sünderin zu nähern und ihr Vertrauen zu gewinnen, so dass all ihre Ängste und Schuldgefühle genommen wurden und sie glauben kann, dass Gott sie trotz all ihrer Sünden liebt. Um das Herz Gottes zu offenbaren, ist Er ermattet, durstig und einsam. Alles um Ihn herum ermüdet Ihn. Überall trifft Er auf Sünde und Sorge, Unglaube und Undankbarkeit, Hass und Opposition, niemals jedoch ermüdet Er in seinem Zeugnis von der Liebe Gottes oder in seinem Dienst an verlorenen Sündern oder in seiner liebevollen Fürsorge für seine schwachen Jünger.

Was hatte diese Frau, dass Er gerade ihr begegnen wollte? Sie gehörte nicht nur zu einem unreinen und verachteten Volk, sondern sie hatte auch den Becher der Sünde bis zur Neige geleert. Auf der Jagd nach Vergnügen und Erfüllung ihrer Begierde, hatte sie alle Hemmungen abgelegt und ihren guten Ruf, ja alles, was für eine Frau lieb und teuer ist, weggeworfen. Sie hatte die Gesetze Gottes und die der Menschen gebrochen und war bis in die tiefsten Tiefen von Sünde und Schande gesunken. Im Gegenzug dazu fand sie nur Bitterkeit und Unzufriedenheit, Ermüdung und Scham. Da sie den Kontakt zu den anderen Frauen scheut, geht sie dann zum Wasserholen, wenn sie sicher sein kann, dass dort keine anderen Frauen sind. Ihre Sünde macht sie zu einer einsamen Frau.

Gottes Wege führen diese ermüdete, durstige, einsame Sünderin in die Gegenwart des ermüdeten, durstigen, einsamen Heilandes. Sie war ermüdet, da sie der Sünde diente; Er war ermüdet durch seine Reise im Dienst der Liebe. Ihre Sünden machten sie zu einer einsamen Frau; seine Liebe machte Ihn zu einem einsamen Mann. Liebe brachte Ihn dorthin, wo Sünde sie hingebracht hatte. Genauso bringt Ihn etwas später seine Liebe an den Platz, an den die Sünde uns bringt – die unsagbare Einsamkeit des Kreuzes. Dort, wo Er von Freunden und Genossen verlassen wurde, nach Mitleid und Tröstern suchte und keine fand, verraten von einem falschen Jünger, verleugnet von einem wahren Jünger, verlassen von allen Jüngern, erhöht zwischen Himmel und Erde, verworfen von den Menschen und von Gott verlassen, musste Er die furchtbare Einsamkeit des Kreuzes durchleiden. Was führte Ihn in diese Einsamkeit? Es war Liebe – Liebe, die Wasser nicht auslöschen und Ströme nicht überfluten konnten. Die Liebe, die Ihn am Brunnen von Sichar zu einem einsamen Mann machte, führte Ihn in die noch viel größere Einsamkeit am Kreuz auf Golgatha. Wenn Menschen eine solche Liebe ablehnen, ist es kaum verwunderlich, dass sie sich schließlich in der Einsamkeit einer Ewigkeit des Verlorenseins wiederfinden werden.

Wie gut für uns, wenn wir genau wie diese Frau, am Tag der Gnade einmal allein mit Jesus sind. Wer sich fürchtet, mit Ihm allein zu sein, der sollte diese wunderbare und gesegnete Szene in sich aufnehmen und auf den Weg achten, den Er mit dieser Sünderin geht. Kein hartes oder unfreundliches Wort kommt über seine Lippen; es wird kein Wort der Feindschaft oder Ablehnung geäußert, sondern Er bittet sie einfach: „Gib mir zu trinken.“ Warum aber fragte Er nach einem Schluck Wasser? Sicher, der Brunnen war tief und Er hatte kein Schöpfgefäß, aber hätte Er nicht ein Wunder tun können, um seinen Durst zu löschen? Für andere hat Er in der Tat Wunder der Gnade vollbracht; nirgends lesen wir jedoch, dass Er ein Wunder tat, um seine eigenen Bedürfnisse zu stillen. Darauf gibt es nur eine Antwort: Der ewige Sohn, der vom Vater gesandt wurde, die Welt zu retten, erniedrigt sich selbst, indem Er eine gefallene Frau um einen Becher kühlen Wassers bittet, um so das Vertrauen ihres einsamen Herzens zu gewinnen.

Vers 9

Joh 4,9: Die samaritische Frau spricht nun zu ihm: Wie bittest du, der du ein Jude bist, von mir zu trinken, die ich eine samaritische Frau bin? (Denn die Juden verkehren nicht mit den Samaritern.)

Die Frau ist erstaunt, dass jemand, von dem sie annimmt, dass er ein Jude ist, sie als samaritische Frau um etwas bittet.

Vers 10

Joh 4,10: Jesus antwortete und sprach zu ihr: Wenn du die Gabe Gottes kenntest, und wer es ist, der zu dir spricht: Gib mir zu trinken, so würdest du ihn gebeten haben, und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.

Die Antwort des Herrn zeigt, dass die Frau weder ihre eigenen Bedürfnisse noch die Liebe Gottes noch die Herrlichkeit des Einen kannte, in dessen Gegenwart sie sich befindet. Hätte sie darum gewusst, hätte sie auch danach gefragt und Er hätte ihr gegeben. Sie muss noch lernen, dass Gott aus Liebe gibt und dass ihre Not so groß ist, dass sie nur eine Empfängerin aus Gnade sein kann.

Verse 11.12

Joh 4,11.12: Die Frau spricht zu ihm: Herr, du hast kein Schöpfgefäß, und der Brunnen ist tief; woher hast du denn das lebendige Wasser? Du bist doch nicht größer als unser Vater Jakob, der uns den Brunnen gab, und er selbst trank aus demselben und seine Söhne und sein Vieh?

Der Herr spricht von der Gabe Gottes und der Freude daran, lebendiges Wasser zu geben. Die Frau jedoch, ganz erfüllt mit ihren Belangen und materiellen Dingen, geht ihren Gedanken nach und spricht von dem Brunnen, dem natürlichen Wasser, und von Jakob, der ihnen diesen Brunnen gegeben hatte.

Verse 13.14

Joh 4,13.14: Jesus antwortete und sprach zu ihr: Jeden, der von diesem Wasser trinkt, wird wiederum dürsten; wer irgend aber von dem Wasser trinken wird, das ich ihm geben werde, den wird nicht dürsten in Ewigkeit; sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, wird in ihm eine Quelle Wassers werden, das ins ewige Leben quillt.

In seiner Antwort vergleicht der Herr das Wasser, um das sich die Gedanken der Frau drehten, mit dem lebendigen Wasser, von dem Er redete. Das Wasser aus dem Brunnen kann, wie alle irdischen Freuden (die es symbolisiert), niemals den Durst stillen. Irdische Dinge sind niemals eine Quelle dauerhafter Zufriedenheit. Geld, Vergnügen, irdische Ziele, Aufgaben und Pflichten oder Beziehungen können, wenn man ihnen nachjagt, für einen Moment Zerstreuung oder eine vorübergehende Befriedigung verschaffen, jedoch keine dauerhafte Zufriedenheit. „Jeder, der Christus nicht kennt, dessen Herz ist entweder enttäuscht oder sucht das, was es enttäuschen wird“ (J.N.D.).

Im Gegensatz dazu bietet der Herr einer armen Sünderin das lebendige Wasser an – oder das Leben in der Kraft des Geistes, das in das ewige Leben quillt. Christus kann nicht nur unsere Bedürfnisse als Sünder stillen, sondern neben all unseren Bedürfnissen gibt Er ein Leben, das nie endende Zufriedenheit mit sich bringt und die Seele außerhalb dieser Welt der Bedürfnisse in eine andere Welt führt: in eine Welt des gestillten Verlangens.

Vers 15

Joh 4,15: Die Frau spricht zu ihm: Herr, gib mir dieses Wasser, damit mich nicht dürste und ich nicht hierher komme, um zu schöpfen.

Sie jedoch denkt mit keinem Gedanken an himmlische Dinge, sondern ist nur mit ihren alltäglichen Bedürfnissen beschäftigt und misst den Worten des Herrn eine materielle Bedeutung zu. Wie alle Menschen hätte sie gerne alle ihre täglichen Bedürfnisse erfüllt, ohne sich mit der täglichen Mühe, die durch den Sündenfall in die Welt gekommen ist, abzuplagen. Der Mensch wäre allein mit irdischen Segnungen sehr glücklich, wenn nur der Fluch weggenommen werden könnte. „Der natürliche Mensch aber nimmt nicht an, was des Geistes Gottes ist, denn es ist ihm eine Torheit und er kann es nicht erkennen, weil es geistlich beurteilt wird.“

Ohne den Geist kann der menschliche Verstand göttliche Dinge nicht erfassen.

Vers 16

Joh 4,16: Jesus spricht zu ihr: Gehe hin, rufe deinen Mann und komm hierher.

Deshalb lesen wir daraufhin, dass der Herr die Worte der Frau in seiner Antwort völlig ignoriert. Es ist sinnlos, weiter von Dingen zu sprechen, die für den Verstand zu groß sind, um sie zu erfassen. Darum geht der Herr einen anderen Weg, den einzigen Weg, den es gibt, um die Dunkelheit aus unserem Verstand zu vertreiben. Er spricht zu dem Gewissen und gewinnt das Herz. Verständnis in göttlichen Dingen wird durch das Gewissen erlangt und nicht durch den Intellekt.

Wie wunderbar ist sein liebevoller Weg. Er sitzt einsam am Rand des Brunnens in Gesellschaft einer verderbten Frau, damit ihr die Augen über sich selbst aufgehen und sie Ihn kennenlernt. Er stellt ihr ihr eigenes Leben vor, um ihr Herz zu gewinnen. Dies tut Er jedoch allein. Er berührt also einen wunden Punkt in ihrem Leben. Er appelliert an ihr Gewissen, indem Er sagt: „Gehe hin, rufe deinen Mann und komm hierher.“

Wie bedeutungsschwer sind die Wörtchen „gehe“ und „komm“ in diesem kurzen Satz. Die Worte „Gehe hin, rufe deinen Mann“ sprechen von der Sünde in ihrem Leben; „komm hierher“ spricht von der Gnade seines Herzens. Das „gehe hin“ scheint zu sagen: Deine Sünden haben dich unendlich von mir entfernt – das „komme“ scheint zu sagen: Meine Liebe zieht dich zu mir hin. Oh, welch ein wunderbarer Heiland, der unsere schlechteste Seite kennt und uns dennoch bittet, zu Ihm zu kommen! In der Tat, wo finden wir einen Freund wie Jesus? Wo im gesamten Universum gibt es noch jemanden, der weiß, was wir alles getan haben, der uns dennoch liebt und uns in seiner Liebe bittet, zu Ihm zu kommen? Welch eine Offenbarung göttlicher Liebe!

Verse 17.18

Joh 4,17.18: Die Frau antwortete und sprach: Ich habe keinen Mann. Jesus spricht zu ihr: Du hast recht gesagt: Ich habe keinen Mann; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Mann; hierin {w. dies} hast du wahr geredet.

Die Frau spürt die Kraft der Worte des Herrn an ihr Gewissen, scheut das Licht und versucht, der Wahrheit zu entkommen. Sie sagt die Wahrheit, um die Wahrheit zu verbergen, denn sie sagt: „Ich habe keinen Mann.“ Die Liebe jedoch bringt die Wahrheit völliger ans Licht. Ihre Notlüge wird aufgedeckt. Es stimmt, dass sie keinen Mann hat, denn sie hatte fünf Männer gehabt und lebt zu diesem Zeitpunkt in Sünde.

Vers 19

Joh 4,19: Die Frau spricht zu ihm: Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.

Auf einmal merkt die Frau, dass sie sich in der Gegenwart des Einen befindet, der alle Geheimnisse kennt. Sie weiß, dass niemand außer Gott alle Geheimnisse ihres Herzens kennt, und so gibt sie ohne Entschuldigung oder weitere Vertuschungsversuche zu: „Herr, ich sehe, dass du ein Prophet bist.“ Sie braucht keinen, der ihr mitteilt, dass Jesus ein Prophet war. Ihr Gewissen wurde erreicht, langsam begreift sie und kann sagen: „Ich sehe.“ Sie muss viel lernen, jetzt aber kommt Licht in ihre dunkle Seele. Wie kommt es, dass manche nicht erkennen, dass die Bibel das Wort Gottes ist? Dafür gibt es einen einzigen Grund: Ihr Gewissen wurde nie erreicht. „Wenn“, so schreibt Darby, „ich ein Buch finde, dass mir alle Dinge mitteilt, die ich je getan habe, weiß ich, um welches Buch es sich handelt. Dieses bedarf keiner Überprüfung durch den Menschen. Nur das Wort Gottes, das das Gewissen trifft, redet mit Autorität.“

Vers 20

Joh 4,20: Unsere Väter haben auf diesem Berge angebetet, und ihr saget, dass in Jerusalem der Ort sei, wo man anbeten müsse.

Die Frau ist immer noch mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt; nichtsdestotrotz ist ihr Vertrauen so weit gewonnen, dass sie ihre religiösen Probleme dem Herrn anvertraut.

Verse 21-24

Joh 4,21-24: Jesus spricht zu ihr: Frau, glaube mir, es kommt die {o. eine} Stunde, da ihr weder auf diesem Berge, noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. Ihr betet an und wisset nicht, was {o. was ihr nicht kennet}; wir beten an und wissen, was, {o. was wir kennen} denn das Heil ist aus den Juden. Es kommt aber die {o. eine} Stunde und ist jetzt, da die wahrhaftigen Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten werden; denn auch der Vater sucht solche als seine Anbeter. Gott ist ein Geist, und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.

Als Er auf ihre Bemerkung antwortet, benutzt der Herr die Gelegenheit, von der Änderung in der Anbetung zu sprechen, die mit der Einführung des Christentums stattfinden würde. Der Herr gebietet ihr zu glauben, dass die Stunde bevorsteht, da es bei der Anbetung nicht länger auf den Ort der Anbetung ankommt, wie z.B. den Berg bei Samaria oder den Tempel in Jerusalem, sondern dass man eine Person anbeten wird. Außerdem wird niemand angebetet, der nicht offenbart ist, sondern ein offenbar gemachter Gott, der in Gnade als der Vater gekannt ist. Darüber hinaus wird die Anbetung nicht länger durch äußere Formen und Zeremonien dargestellt, sondern muss in Geist und Wahrheit geschehen. Dann wird Gott nicht länger Anbetung verlangen, sondern als der Vater Anbeter suchen. Letztendlich wird christliche Anbetung Gottes wahrer Natur entsprechen. „Gott ist ein Geist und die ihn anbeten, müssen in Geist und Wahrheit anbeten.“

Verse 25.26

Joh 4,25.26: Die Frau spricht zu ihm: Ich weiß, dass der Messias kommt, welcher Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin's, der mit dir redet.

Auch wenn die tiefe Bedeutung der Worte des Herrn das Verständnis der Frau völlig übersteigen, gelangt die Frau durch diese zu der Überzeugung, dass sie nicht ohne Christus auskommen kann. Das können wir mit Sicherheit ihren Worten entnehmen: „Ich weiß, dass der Messias, kommt, welcher Christus genannt wird; wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen.“ Christus hatte als der Prophet zu ihrem Gewissen gesprochen und sie direkt ihren Sünden gegenübergestellt. In Gegenwart ihrer Sünden empfand sie, dass die irdische Religion, ob an diesem oder einem anderen Ort, ohne Nutzen sein würde. Ihre Sünden werden bloßgestellt, und ihre Religion stellt sich als wertlos heraus; so lernt sie, dass niemand anderes als der kommende Christus ihre Sache in Ordnung bringen kann. Christus als der Prophet hat sie davon überzeugt, dass sie Christus als ihren Retter nötig hat. Ihre Sprache ist wirklich ein Ausdruck der Sehnsucht: „… wenn jener kommt.“

Somit ist also der Weg vorbereitet für den Einen, der ihr Gewissen erreicht hat, sich selbst ihrem Herzen zu offenbaren. „Ich bin’s der mit dir redet.“ Sie findet sich selbst als Sünder bloßgestellt in der Gegenwart des Herrn, der Gnade hat, um ihren Sünden zu begegnen, und alle Liebe, um ihr Herz zu gewinnen.

Vers 27

Joh 4,27: Und über diesem kamen seine Jünger und verwunderten sich, dass er mit einer Frau redete. Dennoch sagte niemand: Was suchst du?, oder: Was redest du mit ihr?

Die Jünger, die von der Stadt zurückkommen, „verwunderten sich, dass er mit einer Frau redete“. Sie lernten die Größe der Gnade Gottes nur allmählich schätzen und verwunderten sich, genauso wie wir heute noch diese Szene bestaunen. Ach, wie so oft geht dieses Nichterkennen der Gnade mit moralischer Distanz zum Herrn einher; deshalb scheuen sie sich, dem Herrn ihre Gedanken mitzuteilen. „Dennoch sagte niemand: Was suchst du?, oder: Was redest du mit ihr?“ Sie sahen nicht, dass Gott in der Größe seiner Gnade in der Person des Sohnes in diese Welt gekommen war, um Anbeter zu suchen. 

Wie wunderbar und gottgemäß ist der Weg, den Er nimmt, um einen Anbeter zu finden. Es ist, als ob Gott gesagt hätte: Ich möchte in dieser verdorbenen Welt ein Herz finden, das so erfüllt von meinem Anblick ist, dass es voller Staunen zur Anbetung geführt wird. Um diese Seele zu finden, wurde das ewige Wort Fleisch, und als ein Mann in Niedrigkeit geht Er an der großartigen Stadt Jerusalem, dem herrlichen Tempel, den religiösen Pharisäern, den Schriftgelehrten und den Priestern vorbei und reist in ein verdorbenes und verachtetes Land, wo Er müde und durstig an einem Brunnen neben einer armen, tief gefallenen Sünderin sitzt. Um ihr Vertrauen zu gewinnen, bittet Er um einen Schluck Wasser; dann bringt Er behutsam Licht in ihre dunkle Seele. Er deckt vor ihr die Sünde in ihrem Herzen auf, damit Er ihr die Liebe seines Herzens zeigen kann, bis sie schließlich eine Arme im Geist wird und nur noch in der Gegenwart der in Jesus offenbarten Herrlichkeit Gottes Anbetung und Bewunderung darbringen kann.

Verse 28-30

Joh 4,28-30: Die Frau nun ließ ihren Wasserkrug stehen und ging weg in die Stadt und sagt zu den Leuten: Kommet, sehet einen Menschen, der mir alles gesagt hat, was irgend ich getan habe; dieser ist doch nicht etwa der Christus? Sie gingen zu der Stadt hinaus und kamen zu ihm.

Wenn auch die Jünger nur langsam von der wunderbaren Gnade des Herrn ergriffen werden, auf die Frau hat diese eine unmittelbare und praktische Wirkung. Bis zu diesem Zeitpunkt war sie von der täglichen Mühe und Arbeit erfüllt, wovon der Wasserkrug ein Bild ist. Nun hatte sie ein neues Ziel für ihr Leben gefunden – sie war von Christus erfüllt und somit lässt sie ihren Wasserkrug dort und kehrt in die Stadt zurück, um an dem Ort ihrer sündigen Vergangenheit Zeugnis von dem abzulegen, der sie frei gemacht hat.

Wie schön ist das Zeugnis, das sie gibt. Der Herr hatte zu ihr gesagt: „Komm hierher“, nun nimmt sie die Worte des Herrn auf und kann zu den Männern der Stadt sagen: „Kommet, sehet einen Menschen.“ Sie lädt diese nicht an einen Ort oder zu einer Gruppe von Personen ein, sondern zu einer Person. Johannes verwies seine Jünger an Jesus – das Lamm Gottes; Andreas brachte Simon zu Jesus; Philipp sagte: „Wir haben den gefunden … Komm und sieh!“, und die Frau sagt: „Kommet, sehet einen Menschen.“

Wer ist nun dieser Mann? „Einer, der“, so sagt sie, „mir alles gesagt hat, was irgend ich getan habe.“ Er hat es mir gesagt, aber sonst niemandem. Dann fügt sie hinzu: „Ist dieser nicht der Christus?“ Damit lag sie in der Tat völlig richtig. Dieser musste der Christus sein, denn wer anders als Christus könnte mir alle Dinge aufzählen, die ich je getan habe und mich dennoch lieben und zu sich hinziehen?

Aus dem Herzen gesprochene Worte erreichen die Herzen und so lesen wir: „Sie gingen zu der Stadt hinaus und kamen zu ihm.“

Der Wille des Vaters im Dienst an Sündern (Joh 4,31-38)

Verse 31-34

Joh 4,31-34: In der Zwischenzeit [aber] baten ihn die Jünger und sprachen: Rabbi, iss. Er aber sprach zu ihnen: Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennet. Da sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht? Jesus spricht zu ihnen: Meine Speise ist, dass ich den Willen dessen tue, der mich gesandt hat, und sein Werk vollbringe.

Die Jünger waren eher mit materiellen Belangen erfüllt als mit geistlichen Bedürfnissen. Dennoch sehen wir in ihren Worten ihre aufrichtige Liebe zu dem Herrn, denn wir lesen, dass sie ihn „baten … und sprachen: Rabbi, iss“. In seiner Antwort weist der Herr, ohne die Bedürfnisse des Körpers zu leugnen, darauf hin, dass Er über eine Quelle der Nahrung und Freude verfügte, von der sie nur wenig oder gar nichts wussten: „Ich habe eine Speise zu essen, die ihr nicht kennt.“ Indem sie immer noch an die natürlichen Bedürfnisse denken, „sprachen die Jünger zueinander: Hat ihm wohl jemand zu essen gebracht?“.

In seiner Antwort auf ihre Fragen, zeigt uns der Herr den Segen auf dem Pfad, den Er ging. Er sagt: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat und sein Werk zu vollbringen.“ Hier war jemand, der inmitten aller irdischen Sorgen und Versuchungen des Weges durch das eine Ziel, den Willen des Vaters zu tun, genährt wurde. Angesichts der Vollkommenheit seines Weges, können wir uns selbst einmal in Bezug auf unsere Motivationen für den täglichen Weg überprüfen. Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann müssen wir zugeben, dass unsere Motive bestenfalls gemischt sind; und doch wäre unser Leben viel einfacher, wenn wir in unserem begrenzten Maßstab und mit der Erkenntnis, dass der Vater einen Willen und einen Plan für uns hat, einzig und allein den Wunsch hätten, den Willen des Vaters zu tun und das Werk zu vollbringen, das Er uns zu tun gegeben hat (2Tim 2,4; Apg 20,24; 2Tim 4,7).

Verse 35-38

Joh 4,35-38: Saget ihr nicht: Es sind noch vier Monate, und die Ernte kommt? Siehe, ich sage euch: Hebet eure Augen auf und schauet die Felder an, denn sie sind schon weiß zur Ernte. Der da erntet, empfängt Lohn {o. … sie sind weiß zur Ernte. Schon empfängt, der da erntet, Lohn} und sammelt Frucht zum ewigen Leben, auf dass beide, der da sät und der da erntet, zugleich sich freuen. Denn hierin ist der Spruch wahr: Ein anderer ist es, der da sät, und ein anderer, der da erntet. Ich habe euch gesandt, zu ernten, woran ihr nicht gearbeitet habt; andere haben gearbeitet, und ihr seid in ihre Arbeit eingetreten.

Als Belehrung für die Jünger und uns stellt der Herr uns den Segen eines Wandels nach dem Willen des Vaters im Dienst der Liebe für andere vor. In Bezug auf diese Sache ermutigt Er uns somit, in dieser Hinsicht denselben Weg zu gehen.

  1. Erstens beauftragt uns der Herr mit der geistlichen und nicht der natürlichen Ernte. Hätten die Jünger den Auftrag gehabt, die natürliche Ernte einzubringen, hätten sie vier Monate warten müssen. Geistliche Bedürfnisse gibt es dagegen zu jeder Zeit. Die geistlichen Felder „sind schon weiß zur Ernte“.

  2. Zweitens erinnert uns der Herr daran, dass der, der im Dienst der Liebe tätig ist, „Lohn empfängt“. Er muss diesen nicht unbedingt „verdienen“, wie wenn er bloß eine reine Gegenleistung für seine Mühen erhielte, sondern „empfängt“ Lohn. Das kann in der Tat mehr sein, als er verdient. Der Herr wird niemals irgendeinem Menschen etwas schuldig sein. Er behält seine Souveränität bei der Belohnung seiner Diener.

  3. Drittens: Die Frucht dieses Dienstes ist dauerhaft. Für die natürliche Arbeit erhält der Mensch nur Dinge, die aufgebraucht werden. Der Arbeiter im geistlichen Dienst „sammelt Frucht zum ewigen Leben“ (Joh 4,36).

  4. Viertens bringt der Dienst Freude mit sich, die mit anderen geteilt wird, „auf dass beide, der da sät und der da erntet, zugleich sich freuen“. Die Propheten und Männer Gottes in alter Zeit hatten Arbeit geleistet, und die Jünger ernteten nun die Frucht ihrer Mühe. Galt dies nicht auch in gewissem Sinn für den Herrn selbst? Der Vater hatte von Beginn der Welt an bis zu diesem Zeitpunkt durch Propheten und andere gewirkt (Joh 5,17), und der Herr konnte sagen, dass Er gesandt war, das Werk des Vaters zu vollbringen (Joh 4,34). In anderer Hinsicht hatte der Herr als der Sämann ein völlig neues Werk begonnen (Mt 13) mit dem Ergebnis, dass die Diener des Herrn haushaltungsmäßig eher „ernten“ als „säen“ und somit auch die Anweisung haben, eher zu ernten als zu säen. Alles in allem bleibt es wahr, dass es „ein anderer ist …, der da sät und ein anderer, der da erntet“.

Der Heiland der Welt (Joh 4,39-42)

Verse 39-42

Joh 4,39-42: Aus jener Stadt aber glaubten viele von den Samaritern an ihn um des Wortes des Weibes willen, welches bezeugte: Er hat mir alles gesagt, was irgend ich getan habe. Als nun die Samariter zu ihm kamen, baten sie ihn, bei ihnen zu bleiben; und er blieb daselbst zwei Tage. Und noch viele mehr glaubten um seines Wortes willen; und sie sagten zu der Frau: Wir glauben nicht mehr um deines Redens willen, denn wir selbst haben gehört und wissen, dass dieser wahrhaftig der Heiland der Welt ist.

In der samaritischen Stadt mit ihren verderbten Bewohnern wird der Herr als der Retter der Welt angenommen. Zu der Frau hatte der Herr gesagt, dass das Heil aus den Juden sei, und hier möchte Er zeigen, dass es für die Samariter ist. „Ohne dass Er Zeichen oder Wunder tat, wurde der Herr in dieser Stadt in Samaria gehört, gekannt und bezeugt als der wahre Retter der Welt“ (W.K.). Das Zeugnis dieser Frau von der Gnade Christi hatte ihre Herzen zu Ihm gezogen, und sie baten Ihn, bei ihnen zu bleiben. Kein Jude, der an seiner eigenen Gerechtigkeit und religiöser Wichtigkeit festhielt, hätte Christus jemals als den Retter der Welt bekannt. Wer sich jedoch selbst als Sünder in der Gegenwart dessen erkannt hat, der alle seine Sünden kennt und dennoch voller Gnade für den Sünder ist, erkennt mit einem Mal, dass die Tür des Segens jedem Sünder offensteht.

Die Geschichte des königlichen Beamten (Joh 4,43-54)

Verse 43-54

Joh 4,43-54: Nach den zwei Tagen aber zog er von dannen aus [und ging hin] nach Galiläa; denn Jesus selbst bezeugte, dass ein Prophet in dem eigenen Vaterlande {o. in der eigenen Vaterstadt; wie anderswo} keine Ehre hat. Als er nun nach Galiläa kam, nahmen die Galiläer ihn auf, da sie alles gesehen, was er in Jerusalem auf dem Feste getan hatte; denn auch sie kamen zu dem Fest. Er kam nun wiederum nach Kana in Galiläa, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Und es war ein gewisser königlicher Beamter, dessen Sohn krank war, in Kapernaum. Als dieser gehört hatte, dass Jesus aus Judäa nach Galiläa gekommen sei, ging er zu ihm hin und bat [ihn], das er herabkomme und seinen Sohn heile; denn er lag im Sterben. Jesus sprach nun zu ihm: Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder sehet, so werdet ihr nicht glauben. Der königliche Beamte spricht zu ihm: Herr, komm herab, ehe mein Kind stirbt! Jesus spricht zu ihm: Gehe hin, dein Sohn lebt. Und der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte, und ging hin. Aber schon während er hinabging, begegneten ihm seine Knechte und berichteten, dass sein Knabe lebe. Er erforschte nun von ihnen die Stunde, in welcher es besser mit ihm geworden sei; und sie sagten zu ihm: Gestern zur siebten Stunde verließ ihn das Fieber. Da erkannte der Vater, dass es in jener Stunde war, in welcher Jesus zu ihm sagte: Dein Sohn lebt. Und er glaubte, er und sein ganzes Haus. Dies tat Jesus wiederum als zweites Zeichen, als er aus Judäa nach Galiläa gekommen war.

Aus der Begebenheit mit der Frau am Brunnen haben wir gelernt, dass es selbst für den schlimmsten Sünder Gnade gibt. Aus der Unterweisung für die Jünger lernen wir, dass es überall Sünder in Not gibt. In der Stadt in Samaria lernen wir, dass Christus der Heiland der Welt ist; nun sollen wir erfahren, dass Segen nur durch Glauben erlangt werden kann.

Nach seinem zweitägigen Aufenthalt in Samaria, setzt der Herr seinen Weg nach Galiläa fort. Die Bewohner von Sichar hatten den Herrn aufgrund des Zeugnisses empfangen, sie sagten: „Wir selbst haben Ihn gehört.“ Im Gegensatz dazu empfingen Ihn die Galiläer, weil sie „alles gesehen, was er in Jerusalem … getan hatte“. Bei dem königlichen Beamten, der in seiner Not zu Ihm kam, nutzt der Herr die Gelegenheit, das jüdische Volk zurechtzuweisen, da die Juden „Zeichen und Wunder“ als Glaubensgrundlage suchten.

Der Beamte des Königs bittet den Herrn, zu ihm herabzukommen und seinen Sohn zu heilen, der im Sterben liegt. Aus den Worten des Herrn können wir vielleicht schließen, dass dieser königliche Beamte den Herrn prüfen wollte: Sähe er, wie Christus seinen Sohn durch ein Wunder heilen würde, würde er glauben. Der Herr tadelt diesen Gedanken. Glaube beruht nicht auf äußerlich sichtbaren Zeichen, sondern auf dem Wort Gottes, und so macht der Herr den Segen vom Glauben an sein Wort abhängig: „Gehe hin, dein Sohn lebt.“ Nun wird also der königliche Beamte geprüft: Wird er dem Wort Jesu glauben, ohne Zeichen und Wunder zu sehen? Aber wie schön ist die Reaktion des Mannes auf diese Erprobung: „Der Mensch glaubte dem Worte, das Jesus zu ihm sagte.“ Nachdem er geglaubt hatte, erhält er ein Zeichen als Bestätigung seines Glaubens. Zeichen können keinen Glauben geben, jedoch den bestehenden Glauben bestätigen.

Dieses war das zweite Zeichen, das Jesus tat – ein Zeichen, das zeigte, dass Jesus die Macht hatte, den Tod bei einem Sterbenden aufzuhalten. Das Volk Israel befand sich, wie der Sohn des königlichen Beamten, am Rande des Todes, und Christus war gegenwärtig, um den Tod durch seine Macht aufzuhalten und das Volk gesund zu machen. Um zu der Segnung zu gelangen, war jedoch Glaube an sein Wort nötig. Aber ach, das Volk bewies seinen mangelnden Glauben, indem es nach Zeichen Ausschau hielt.

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Übersetzung: J. Meister


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