Das Johannesevangelium (2)
Johannes 2

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 15.11.2003, aktualisiert: 04.10.2016

Leitverse: Johannes 2

Der Ruin des Menschen und die Herrlichkeit Christi

Wenn wir das Evangelium nach Johannes lesen, dann müssen wir uns daran erinnern, dass es uns zeigt, wie die jüdische und irdische Segensordnung beiseitegesetzt wird, um das, was völlig neu, himmlisch und ewig in seinem Charakter ist, einzuführen. Bevor diese neue Ordnung des Segens – das Christentum mit der Offenbarung göttlicher Personen – eingeführt werden konnte, musste das Wort Fleisch werden. Niemand anders als eine göttliche Person ist groß genug, göttliche Personen zu offenbaren und die Ziele des Herzens Gottes zu entfalten.

Im Christentum ist alles gegründet auf die Person des Sohnes. Daher können wir verstehen, dass wir am Anfang des Evangelium zunächst die Herrlichkeit seiner Person gezeigt bekommen. Damit wird die Grundlage gelegt für dauerhaften Segen für den Menschen und für die Herrlichkeit Gottes. Bevor wir allerdings in der Lage sind, durch die Offenbarung himmlischer Dinge zu profitieren, müssen wir erst einmal von dem hoffnungslosen Zustand und dem völligen Ruin des gefallenen Menschen überzeugt werden.

Diese notwendige Enthüllung des Menschen wird in diesem zweiten Kapitel vor uns gebracht. Hier lernen wir:

  1. Der Mensch kann sein eigenes Glück in natürlichen und rechtmäßigen Dingen nicht sicherstellen – der Wein geht zur Neige (Joh 2,1-11).

  2. Der Mensch kann sich sich die Religion, die Gott ihm gegeben hat, um ihm den Segen auf der Erde zu sichern, nicht zunutze machen – der Tempel ist verdorben (Joh 2,13-17).

  3. Der Mensch kann die Güte Gottes nicht wertschätzen, wenn Er auf die Erde hinabsteigt, um voller Gnade und Wahrheit unter den Menschen zu wohnen – Christus wird verworfen (Joh 2,18-22).

  4. Der Mensch kann durch natürliche Vernunft Christus nicht wertschätzen, denn obwohl er sogar zu einer richtigen Schlussfolgerung in Bezug auf Christus kommt, bleibt er doch fern von Gott. Es gibt nichts in dem gefallenen Menschen, auf das Gott Vertrauen setzen kann (Joh 2,23-25).

Wenn uns dieses Kapitels nun etwas erzählt von dem Ruin des Menschen, dann entfaltet es auch die Herrlichkeit Christi, der wahres Glück bringt, mit allem Bösen handelt, die Macht des Todes überwindet und zu sich selbst hinzieht.

Das Hochzeitsfest (Joh 2,1-12)

Verse 1-12

Joh 2,1-12: Und am dritten Tage war eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war daselbst. Es war aber auch Jesus mit seinen Jüngern zu der Hochzeit geladen. Und als es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein. Jesus spricht zu ihr: Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: Was irgend er euch sagen mag, tut. Es waren aber daselbst sechs steinerne Wasserkrüge aufgestellt, nach der Reinigungssitte der Juden, wovon jeder zwei oder drei Maß fasste. Jesus spricht zu ihnen: Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie füllten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen: Schöpfet nun und bringet es dem Speisemeister. Und sie brachten es. Als aber der Speisemeister das Wasser gekostet hatte, welches Wein geworden war (und er wusste nicht, woher er war, die Diener aber, welche das Wasser geschöpft hatten, wussten es), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht zu ihm: Jeder Mensch setzt zuerst den guten Wein vor, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bis jetzt aufbewahrt. Diesen Anfang der Zeichen machte Jesus zu Kana in Galiläa und offenbarte seine Herrlichkeit; und seine Jünger glaubten an ihn. Nach diesem ging er hinab nach Kapernaum, er und seine Mutter und seine Brüder und seine Jünger; und daselbst blieben sie nicht viele Tage.

Sicherlich sagt uns diese Hochzeit in Kanaan auch etwas über die göttlichen Haushaltungen und dann geht es in diesem Abschnitt über die Erneuerung der Beziehungen Gottes zu Israel in der Zukunft. Aber es gibt auch eine große moralische Lektion hierin, die uns lehrt, dass alle irdischen Dinge letztendlich keine bleibende Freude bieten. Die Hochzeit ist das größte Ereignis im Leben des natürlichen Menschen, und es ist ganz in Ordnung, wenn er versucht, es zu einer Zeit von Feiern und Freude zu machen. Der Wein der menschlichen Freude geht leider irgendwann aus. Der Mensch ist unfähig, sein eigenes Glück sicherzustellen. Unter außergewöhnlich günstigen Umständen mag einem Menschen jedes Mittel zur Verfügung stehen, sein Glück zu sichern – wenn das möglich wäre durch natürliche Mittel. Jugend, Reichtümer und Gesundheit mögen zu seiner Verfügung stehen, und er mag sie zum größtmöglichen Vorteil auf eine rechtmäßige Art und Weise gebrauchen, wie z.B. bei einer Hochzeit. Nichtsdestoweniger wird das Glück nicht andauern – der Wein geht zur Neige. Selbst im schönsten Moment des Lebens wird es etwas geben, was das vollkommene Glück beeinträchtigt, und über der Freude des vorbeigehenden Tages hängt die Drohung von dem, was der Morgen bringen mag. Die Umstände mögen sich ändern, die Gesundheit kann versagen, und der Tod mag in das glücklichste Heim eindringen und die engsten Beziehungen beenden.

Wenn auch die Hochzeitsszene das Versagen des Menschen in seiner besten Situationen aufzeigt, so offenbart sie auch die Herrlichkeit Christi, die sich über jeden Menschen und über alle Schwierigkeiten erhebt und ein Glück für den Menschen sicherstellt, wie er es sich nicht selbst sichern kann. Wir werden dazu gebracht zu lernen, dass es getrennt von Christus keine bleibende Freude gibt.

Darüber hinaus ist es so, dass, wenn Christus wahres Glück sichert, Er das tut als jemand, der völlig getrennt ist von Israel und der Welt. In Vers 1 sehen wir ein gesellschaftliches Ereignis, mit der die Mutter Jesu verbunden ist. In Vers 2 sehen wir Jesus und seine Jünger einen separaten Kreis getrennt von der Welt bilden. Sie werden zu der Hochzeit eingeladen, und als Antwort beehrt der Herr dieses Fest mit seiner Gegenwart. Dadurch heiligt Er diese von Gott eingerichtete Beziehung der Ehe.

Trotzdem wird Er, wenn der Wein zur Neige geht, nicht auf den Wunsch seiner Mutter hin einschreiten. Er sagt: „Frau, was habe ich mit dir zu tun? Meine Stunde ist noch nicht gekommen.“ Durch seine Mutter war der Herr mit Israel und dem Gesetz verbunden. Indem Er sich weigerte, in Verbindung mit seiner Mutter zu handeln, zeigte Er, dass alles, was Er tat, so wie es in diesem Evangelium dargestellt wird, aus der Beziehung, die Er als Sohn mit dem Vater hatte, hervorkam und nicht aus einer natürlichen Beziehung mit seiner Mutter oder einer gesetzlichen Beziehung mit Israel. In diesem Evangelium sehen wir den Herrn immer außerhalb jeglicher irdischer Beziehungen als einen himmlischen Menschen, der himmlische Dinge hineinbringt (Joh 3,12). So offenbarte Er seine Herrlichkeit als jemand, der in Beziehung war mit dem Vater, seinen Willen ausführte und schließlich die Freude für den Menschen sicherstellte.

Der Weg, den der Herr einschlägt, um den guten Wein zu liefern, ist sicherlich bedeutsam. Er sorgte dafür, dass leere Wasserkrüge, die zur Reinigung benutzt wurden, gefüllt werden sollten; und von diesen Wasserkrügen wird der Wein genommen. Zeigt uns das nicht in einem Symbol, dass glücklich sein für den Menschen nur dann sichergestellt werden kann, wenn die Heiligkeit beachtet wird?

Die Reinigung des Tempels (Joh 2,13-17)

Verse 13-17

Joh 2,13-17: Und das Passah der Juden war nahe, und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. Und er fand im Tempel die Ochsen- und Schafe- und Taubenverkäufer, und die Wechsler dasitzen. Und er machte eine Geißel aus Stricken und trieb sie alle zum Tempel hinaus, sowohl die Schafe als auch die Ochsen; und die Münze der Wechsler schüttete er aus, und die Tische warf er um; und zu den Taubenverkäufern sprach er: Nehmet dies weg von hier, machet nicht das Haus meines Vaters zu einem Kaufhaus. Seine Jünger aber gedachten daran, dass geschrieben steht: „Der Eifer um dein Haus verzehrt mich.“

Wenn die Hochzeit zu Kana uns erzählt, dass der Mensch sein eigenes Glück durch natürliche Hilfsmittel, die Gott eingerichtet hat, nicht sichern kann, so zeigt uns die zweite Szene zu Jerusalem, dass der Mensch die Religion, die Gott gegeben hatte, sich nicht zunutze machen kann. Wenn Gott eine Religion zur Verfügung stellt, die dem natürlichen Menschen, dem Menschen im Fleisch angemessen ist, um sein Verhalten und seinen irdischen Segen sicherzustellen, dann verdirbt der Mensch das sofort. Er macht daraus ein Mittel zum Gewinn. Das „Haus des Gebets für alle Völker“ wird eine Halle für Geldwechsler, die das Vaterhaus in ein Kaufhaus verwandeln. Der Herr handelt mit diesem großen Übel und rechtfertigt seine richterliche Handlung, indem Er seine Beziehung zu Gott als seinem Vater herausstellt und deutlich macht, dass der Tempel das Haus seines Vaters ist. So zeigt Er wieder aufs Neue seine Herrlichkeit vor seinen Jüngern, indem Er als Sohn handelt im Eifer für die Herrlichkeit des Hauses seines Vaters. So hatte die Schrift schon gesagt: „Der Eifer um dein Haus hat mich verzehrt“ (Ps 69,9). Jetzt, wo der Sohn gekommen ist, hat dieser Psalm eine vollere und tiefere Bedeutung erfahren und enthüllt uns, dass der verworfene Mensch, von dem der Psalmist spricht, niemand geringeres ist als der Sohn.

„Der Tempel seines Leibes“ (Joh 2,18-22)

Verse 18-22

Joh 2,18-22: Die Juden nun antworteten und sprachen zu ihm: Was für ein Zeichen zeigst du uns, dass du diese Dinge tust? Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Brechet diesen Tempel ab, und in drei Tagen werde ich ihn aufrichten. Da sprachen die Juden: Sechsundvierzig Jahre ist an diesem Tempel gebaut worden, und du willst ihn in drei Tagen aufrichten? Er aber sprach von dem Tempel seines Leibes. Als er nun aus den Toten auferweckt war, gedachten seine Jünger daran, dass er dies gesagt hatte, und sie glaubten der Schrift und dem Worte, welches Jesus gesprochen hatte.

Die Juden trachten nach einem Zeichen, womit sie erneut Gelegenheit gaben zu zeigen, was in dem Herzen des Menschen ist. Der Herr zeigt in seiner Antwort an, dass dadurch, dass Er Mensch geworden war, sein Leib nun der wahre Tempel oder Wohnplatz Gottes ist. Der Tempel zu Jerusalem war leer und würde sehr bald „ihr Haus“ genannt werden und der Zerstörung übergeben werden (Mt 23,38; 24,2). Der Tempel zu Jerusalem konnte verdorben und zerstört werden; bei dem Tempel des Leibes des Herrn war kein Verderben möglich, obwohl die Menschen mit Gewalt versuchen konnten, seinen Leib zu zerstören. Wieder und wieder versuchten sie, den Herrn zu steinigen, und zuletzt, als die Stunde gekommen war, wurde es ihnen erlaubt, den Tempel seines Leibes abzubrechen. Die Bosheit des Menschen würde eine weitere Gelegenheit für die Offenbarung seiner Herrlichkeit als der Sohn sowie auch seiner Oberhoheit über alle anderen sein. Der Mensch mag zerstören, aber er kann nicht aus dem Tode auferwecken. Christus sagte sozusagen: „Auch wenn ihr das Schlimmste getan haben werdet, wenn ihr den Tempel meines Leibes abgebrochen haben werdet, dann werde ich ihn auferwecken.“ Seine Auferstehung wird die Erklärung in Macht dafür sein, dass Er der Sohn Gottes ist.

Der natürliche Sinn des Menschen (Joh 2,23-25)

Verse 23-25

Joh 2,23-25: Als er aber zu Jerusalem war, am Passah, auf dem Feste, glaubten viele an seinen Namen, als sie seine Zeichen sahen, die er tat. Jesus selbst aber vertraute sich ihnen nicht an, weil er alle kannte und nicht bedurfte, dass jemand Zeugnis gebe von dem Menschen; denn er selbst wusste, was in dem Menschen war.

Die Schlussverse zeigen die weitere wichtige Wahrheit, dass, obwohl der Mensch durch seinen natürlichen Verstand gewisse richtige Schlussfolgerungen ziehen kann durch Beweise, die vor ihn kommen, so werden ihn doch die Schlussfolgerungen des natürlichen Verstandes fern von Gott lassen. So lesen wir, dass viele in Jerusalem „an seinen Namen glaubten, als sie die Zeichen sahen, die er tat“. Aufgrund der sichtbaren Beweise führte ihr natürlicher Verstand sie zu der Schlussfolgerung, dass Christus alles das war, was Er zu sein behauptete. Aber damit endete auch schon die Angelegenheit. Sie hatten kein Bewusstsein davon, dass sie Christus brauchten. Es war keine Übung in ihrem Gewissen da, die sie zu Christus brachte. Es gab einen Glauben an Christus gegründet auf das Sehen, keinen Glauben an Christus, der sie zu Ihm selbst zog.

Solchen vertraute Christus sich nicht an. Das offenbart wieder die Herrlichkeit Christi. Er ist derjenige, der „alle Menschen kennt“. „Er wusste, was in den Menschen war“, und hatte nicht nötig wie andere, dass man Ihm Zeugnis gebe von den Menschen. Er ist der allwissende Gott.

Was für ein genaues Bild von dem Menschen und der Welt, wird uns in diesem Kapitel gezeigt: Natürliche Dinge können kein dauerndes Glück zu bringen. Die Dinge Gottes werden verdorben. Derjenige, der die Gnade Gottes bringt, wird abgewiesen. Der natürliche Verstand des Menschen, selbst wenn er richtig schlussfolgert, belässt ihn in Entfernung von Gott.

Doch die Enthüllung dessen, was der Mensch ist, macht den Weg frei für die Offenbarung der Herrlichkeit Christi. So macht dieses Kapitel in schöner Weise klar, dass Christus die Hilfsquelle des Gläubigen ist. Wenn wir sehen, wie alle irdischen Dinge versagen, wenn wir belastet sind mit einem Gefühl von all dem Bösen, das in die Dinge Gottes eingedrungen ist, wenn wir den Tod auf allem liegen sehen und merken, dass unsere natürliche Gedankenwelt unfähig ist, Gott zu erreichen, wenn wir so uns umgeben fühlen von dem ganzen Versagen und Ruin des Menschen, dann finden wir Christus als denjenigen, der das Herz mit Freude erfüllen kann, der mit all dem Bösen handeln kann, der die Macht des Todes brechen kann und der zu sich selbst zieht.

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