Das Johannesevangelium (16)
Johannes 16

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 31.08.2010, aktualisiert: 27.01.2018

Leitverse: Johannes 16

Einleitung

Wenn wir über die letzten Worte des Herrn Jesus nachdenken, wie sie in Johannes 13 bis 16 niedergelegt sind, müssen wir berücksichtigen, dass der Herr die Seinen darauf vorbereiten will, während der Zeit seiner Abwesenheit dort, wo Er verworfen wurde, Zeugnis für Ihn abzulegen.

In den vorangegangenen Reden haben wir gesehen, dass folgende Dinge notwendig sind, damit dieses große Ziel erreicht wird:

  • Wir haben unsere Füße gewaschen (Joh 13).
  • Unsere Herzen sind getröstet und wir sind mit göttlichen Personen verbunden (Joh 14).
  • Unser Leben offenbart das Wesen Christi,
  • während unsere Lippen geöffnet sind, um für Christus zu zeugen (Joh 15).

Schließlich werden wir in dieser letzten Rede unterwiesen, wie wir mit Verständnis dienen können und nicht zum Straucheln gebracht werden durch die Behandlung, die wir von einer religiösen Welt erfahren mögen, die aber Christus verwirft. Die Unterweisung in die Gedanken Christi ist der große Gegenstand, der dieser letzten Rede zugrunde liegt. Im Dienst des Herrn mag es viel Eifer geben, aber nicht nach Erkenntnis, und darum gibt es wenig Erfolg und viel Enttäuschung. Wie wichtig ist es daher, die Gedanken des Herrn zu erfassen.

Die Unterweisung dieser Rede wird in der folgenden Reihenfolge vorgestellt:

  1. Wir werden vorgewarnt im Blick auf die Behandlung, die die religiöse Welt denen zuteilwerden lassen wird, die für Christus zeugen (Joh 16,1-4).
  2. Wir lernen, dass es nötig ist, dass Christus zum Vater geht und der Sachwalter zu uns kommt, damit wir Verständnis bekommen können über die Gedanken Christi (Joh 16,5-7).
  3. Wenn der Geist kommt, wird Er die Gläubigen über den wahren Charakter dieser gegenwärtigen bösen Welt unterweisen (Joh 16,8-11).
  4. Durch den Heiligen Geist werden die Gläubigen in die Erkenntnis einer anderen Welt eingeführt: der zukünftigen Welt (Joh 16,12-15).
  5. Schließlich werden die Gläubigen über den wahren Charakter des neuen Tages belehrt, dessen Anbruch bevorsteht (Joh 16,16-33).

Verfolgung durch die religiöse Welt (Joh 16,1-4)

In der vorhergehenden Rede hatte der Herr seinen Jüngern die Kennzeichen der neuen christlichen Gemeinschaft genannt, deren Vorrecht es sein würde, für den Vater Frucht zu bringen und Zeugnis für Christus abzulegen in einer Welt, in der Christus abwesend war.

Vers 1

Joh 16,1: Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr nicht Anstoß nehmt.

Jene aber, die in irgendeinem Maß den Charakter Christi tragen und in einer Welt, die Christus hasst, für Ihn zeugen, werden gewiss mit den Leiden und Verfolgungen, die uns in den Einleitungsversen dieses Kapitels vorgestellt werden, konfrontiert werden. Die aufmerksame und zärtliche Liebe des Herrn, die das Leiden der Seinen voraussieht, gibt ihnen diese liebevolle Warnung, damit sie nicht irrewerden, wenn Verfolgung einsetzt. Sie hatten natürliche Vorurteile, die aus ihren Bindungen an die alte Haushaltung stammten. Dazu besaßen sie noch keine Kenntnis von der neuen christlichen Zeitepoche, die gerade dabei war anzubrechen. Wären sie nicht gewarnt worden, hätte das ein Grund zum Straucheln werden können, sobald ihnen Verfolgung begegnete. Die weitere Geschichte der Jünger wird beweisen, wie nötig diese Warnung war.

Johannes der Täufer war einmal nahe daran, am Glauben irrezuwerden. Sein Glaube erfuhr durch die Behandlung, die er erfuhr, einen schweren Schock, denn sie war seinen Gedanken völlig fremd. Aufgrund seines treuen Zeugnisses kommt er ins Gefängnis. Weil er die Gedanken des Herrn nicht kennt, schickt er eine Botschaft an Ihn: „Bist du der Kommende?“ Und er erhält die Antwort: „Glückselig ist, wer irgend sich nicht an mir ärgern wird.“ Diese Gefahr drohte auch den Jüngern. Voll mit der falschen Hoffnung auf eine unmittelbar bevorstehende Erlösung Israels, waren sie kaum auf Verfolgung durch Israel vorbereitet. Ihre falschen Erwartungen setzten sie der Gefahr aus, dass sie an ihrem Glauben irrewurden.

Verse 2.3

Joh 16,2.3: 2 Sie werden euch aus der Synagoge ausschließen. Es kommt aber die Stunde, dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst zu erweisen. 3 Und dies werden sie tun, weil sie weder den Vater noch mich erkannt haben.

Die Warnung des Herrn bereitet sie nicht nur auf Verfolgung vor, sondern auf religiöse Verfolgung. Die Jünger Christi würden aus der Synagoge ausgeschlossen werden. Das würde den Verlust jeglicher Gemeinschaft mit sich bringen, sei es in der Familie, im sozialen oder politischen Kreis (Joh 9,22). Diese religiöse Verfolgung würde aus religiösen Motiven hervorkommen: „… dass jeder, der euch tötet, meinen wird, Gott einen Dienst darzubringen.“ Je größer daher ihre Ernsthaftigkeit, desto rücksichtsloser die Verfolgung. Doch diese Verfolgung würde aus der Unkenntnis des Vaters und des Sohnes herrühren. Und so ist es seither bei jeder Form religiöser Verfolgung gewesen. Es ist zu Recht gesagt worden: „So wie es bei den Juden war, die Christen verfolgten, so war es mit den Christen, die Christen verfolgten. Es sind Dinge verübt worden ,zur Ehre Gottes‘ und ,im Namen Christi‘, zu denen der, der vom Himmel herabschaut, nur sagen würde: ‚Sie haben weder den Vater noch mich erkannt.‘“

Vers 4

Joh 16,4: Dies aber habe ich zu euch geredet, damit, wenn die Stunde gekommen ist, ihr euch daran erinnert, dass ich es euch gesagt habe. Dies aber habe ich euch von Anfang an nicht gesagt, weil ich bei euch war.

In den kommenden Tagen würde die Verfolgung zu einer Gelegenheit werden, sich an die Worte des Herrn zu erinnern und die Herzen der Jünger zu trösten mit einem neuen Bewusstsein der Allwissenheit, die das vorausgesehen hatte, und der Liebe, die vorgewarnt hatte. Bisher war es nicht nötig gewesen, von diesen Dingen zu sprechen, denn der Herr war selbst anwesend, um sie zu schützen und zu bewahren. Diese Dinge gehörten in die Zeit seiner Abwesenheit, nicht in die Zeit seiner Anwesenheit.

Die Notwendigkeit für den Weggang des Herrn (Joh 16,5-7)

Verse 5-7

Joh 16,5-7: 5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat, und niemand von euch fragt mich: Wohin gehst du? 6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, hat Traurigkeit euer Herz erfüllt. 7 Doch ich sage euch die Wahrheit: Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen; wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.

Wenn die Jünger in die Gedanken des Herrn unterwiesen werden sollten, war es notwendig, dass Er zuvor wegging und der Sachwalter kam. Der Herr anerkannte ihre Zuneigung zu Ihm und empfand zartes Mitgefühl für sie wegen der Traurigkeit, die ihre Herzen erfüllte, wenn sie an die Trennung von Ihm dachten. Da Er jedoch wusste, welch unermesslichen Nutzen sie von dem Kommen des Geistes haben würden, kann Er sagen: „Es ist euch nützlich, dass ich weggehe, denn wenn ich nicht weggehe, wird der Sachwalter nicht zu euch kommen.“ Wir mögen nur zögernd erfassen, welch unendlicher Segen für uns und welche Verherrlichung für Christus aus der Gegenwart des Geistes strömt; es sollte aber unsere Wertschätzung für die Gabe des Geistes vergrößern, wenn wir sehen, welch einen hohen Wert der Herr der Gabe des Geistes beimaß. Die Gesellschaft des Herrn auf seinem Erdenweg muss wirklich gesegnet gewesen sein; es war gesegnet, seine Werke der Macht zu sehen und seine Worte der Liebe zu hören, seine Vortrefflichkeiten anzuschauen und seine Fürsorge zu erfahren. Dennoch würde sein Weggang ein größerer Gewinn sein: Denn durch das Kommen des Geistes können Gläubige in eine tiefere Vertrautheit mit Christus geführt werden, in eine größere Wertschätzung seiner Vortrefflichkeiten, und vor allem können sie zur Erkenntnis Christi in seiner Erhöhung als Mensch in der Herrlichkeit gelangen.

Christus in der Herrlichkeit durch den Geist zu erkennen, muss weitaus gesegneter sein, als Ihn hier auf Erden im Fleisch gekannt zu haben. Es beinhaltet eine Vereinigung mit Christus in der Auferstehung, die jedoch unmöglich war, während Er auf der Erde lebte. Vereinigung mit einem Menschen im Himmel ist weitaus gesegneter als Gemeinschaft mit einem Menschen auf der Erde. Doch die Beschäftigung mit dem unmittelbaren Kummer darüber, den Herrn zu verlieren, machte die Jünger blind für den Segen, den Gott in Verbindung mit ihrem Kummer für sie bereithielt.

Wir können daraus einen Grundsatz mit einer weiten Anwendung ableiten: Wenn wir mit den gegenwärtigen Lebensumständen beschäftigt sind, verdeckt uns das Gottes Absicht über einen zukünftigen Segen, der aus den sorgenvollen Umständen hervorgehen soll. Die Beschäftigung der Jünger mit ihrem unmittelbaren Kummer verbarg ihren Augen die große Tatsache, dass der Herr durch seinen Weggang ihnen den Weg öffnen wollte zur Entfaltung all der gewaltigen Ratschlüsse Gottes zur Verherrlichung Christi und zum Segen seines Volkes. So geht es oft uns selbst. Wenn wir ganz eingenommen sind durch irgendwelche gegenwärtigen schmerzlichen Umstände, übersehen wir den Segen und die Auferbauung der Seele, in die Gott uns gerade durch diese Lebensumstände führen möchte. Wir vergessen das Wort, das uns sagt: „In Bedrängnis hast du mir Raum gemacht“ (Ps 4,1).

Die gegenwärtige Welt wird bloßgestellt (Joh 16,8-11)

Verse 8-11

Joh 16,8-11: 8 Und wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht. 9 Von Sünde, weil sie nicht an mich glauben; 10 von Gerechtigkeit aber, weil ich zum Vater hingehe und ihr mich nicht mehr seht; 11 von Gericht aber, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

An dieser Stelle seiner Rede nimmt der Herr die Unterweisung der beiden letzten Verse von Kapitel 15 bezüglich des Kommens des Heiligen Geistes wieder auf. In den dazwischen liegenden Versen hatte der Herr über das Zeugnis der Jünger gesprochen und von der Verfolgung, die dieses Zeugnis mit sich bringen würde. Er nimmt dieses große Thema wieder auf mit den Worten „Wenn er gekommen ist …“. Diesen Ausdruck hatte Er schon vorher in Johannes 15,26 und wieder in Johannes 16,13 gebraucht. Jedes Mal bezeichnet dieser Ausdruck eine neue Stufe der Unterweisung. In Johannes 16,8 zeigt sein Kommen den wahren Charakter der Welt. In Johannes 16,13 kommt Er, um den Gläubigen in die Wahrheit einer andern Welt zu leiten.

Ehe diese andere Welt offenbart wird, wird der wahre Charakter dieser Welt aufgedeckt, und deshalb lesen wir: „Wenn er gekommen ist, wird er die Welt überführen von Sünde und von Gerechtigkeit und von Gericht.“ Die Frage, wer diese Demonstration empfängt, wird nicht gestellt, aber die Tatsache wird festgestellt, dass die Gegenwart des Heiligen Geistes den wahren Charakter der Welt ans Licht bringt. Tatsächlich gilt diese Demonstration nicht der Welt als solcher, sondern denen, in denen der Geist wohnt. Doch das, was sie erfahren haben, werden sie dazu gebrauchen, um der Welt ihren eigenen wahren Zustand zu bezeugen.

Die Gegenwart des Geistes stellt die Welt nicht auf die Probe. Die Welt ist bereits durch die Gegenwart Christi vollständig geprüft worden. Er war in solcher Weise hier, dass die Welt seine Werke der Gnade sehen und seine Worte der Liebe hören konnte; und der Herr fasst das Ergebnis dieser Prüfung in den Worten zusammen: „Sie haben gesehen und gehasst sowohl mich als auch meinen Vater“ (Joh 15,24). Wenn der Geist kommt, kann die Welt Ihn nicht empfangen, weil sie Ihn weder sieht noch Ihn kennt. Doch den Gläubigen – jenen, in denen Er wohnt – zeigt Er das Ergebnis der Prüfung, so dass die Gläubigen, die durch den Geist belehrt sind, keine falschen Vorstellungen von der Welt haben. Durch diese Belehrung kennen sie die den wahren Charakter der Welt, so wie Gott sie sieht. Ihr Charakter wird gezeigt in Bezug auf Sünde, Gerechtigkeit und Gericht. Nicht abstrakte Erklärungen bewirken diese Überzeugung in der Seele, sondern ein Hinweis auf den Herrn Jesus und die große Tatsachen seiner Geschichte.

  1. Zuerst wird ihr Zustand in Bezug auf die Sünde bewiesen. Die Gegenwart des Geistes ist an sich schon ein Beweis für den bösen Zustand der Welt, denn hätte sie Christus nicht verworfen, wäre der Heilige Geist nicht da. Seine Gegenwart ist ein Beweis dafür, dass die Welt den Sohn Gottes gehasst, hinausgestoßen und gekreuzigt hat. Juden und Heiden, die die religiöse und politische Welt repräsentieren, vereinigten sich in dem Ruf: „Hinweg mit ihm, kreuzige ihn!“ Deshalb ist es eine Welt, die nicht an Christus glaubt, und diese ernste Tatsache beweist, dass sie unter der Sünde ist. Wir könnten verstehen, dass die Welt an keinen andern sonst glaubt, aber wenn die Welt nicht an Christus glaubt – den Einen, an dem sie keine Schuld finden konnte –, ist das ein klarer Beweis, dass sie von einem bösen Prinzip beherrscht sein muss, das Gott Sünde nennt.

    Den letzten und vollkommenen Beweis, dass die Welt unter der Sünde ist, finden wir nicht in der Tatsache, dass die Menschen bestimmte Gesetze Gottes übertreten oder den Tempel entweiht und die Propheten gesteinigt haben. Dieser Beweis liegt vielmehr darin, dass die Welt Gott endgültig und in aller Form ablehnte, indem sie sich weigerte, an seinen Sohn zu glauben. Das geschah, als Gott in all seiner Gnade, Liebe, Macht und Güte zugunsten des schuldigen Menschen offenbart wurde, und zwar in dem Sohn, der Mensch geworden war und unter den Menschen wohnte. Das ist die hervorstechende Tatsache, die die Sünde der Welt beweist. Wie anständig das Äußere dieser Welt zeitweise auch aussehen mag, was für Fortschritte in Zivilisation und Erfindung die Welt auch machen mag – die Tatsache bleibt, dass die Gegenwart des Geistes beweist, dass es eine Welt ist, die nicht an Christus glaubt, und dass es darum eine Welt unter der Sünde ist.

  2. Zweitens wird der böse Zustand der Welt hinsichtlich der Gerechtigkeit bewiesen. Die Gegenwart des Geistes beweist nicht nur die Abwesenheit Christi von der Welt, sondern auch die Gegenwart Christi in der Herrlichkeit. Wenn die Abwesenheit Christi der höchste Beweis von Sünde ist, dann ist seine Gegenwart in der Herrlichkeit der größte Ausdruck von Gerechtigkeit. Die Sünde der Menschen erreichte ihren Höhepunkt, als die Welt den Sündlosen ans Kreuz brachte. Gerechtigkeit wird auf der einen Seite darin sichtbar, dass Christus, der ans Kreuz geschlagen wurde, zum Vater zurückgekehrt ist; und auf der anderen Seite wird sie darin sichtbar, dass die Welt als solche Ihn nicht mehr sehen wird. Es ist nur recht, dass Er den höchsten Platz in der Herrlichkeit haben sollte; es ist nur recht, dass die Welt, die Ihn sah und ohne Ursache hasste, Ihn nicht mehr sehen sollte. So wird bewiesen, dass die Welt in Sünde und ohne Gerechtigkeit ist.

  3. Der Geist zeigt Gericht, weil der Fürst dieser Welt gerichtet ist. Hinter der Sünde des Menschen steckt das raffinierte Wirken Satans. Der Mensch ist nur das Werkzeug des Teufels. Gott hat beschlossen, Christus an den Platz der erhabensten Macht im Universum zu setzen. Der Teufel hat sich vorgenommen, Gottes Absicht zu durchkreuzen; und vom Garten Eden bis zum Kreuz von Golgatha hat er den Menschen als sein Werkzeug benutzt, um seine Pläne auszuführen. Am Kreuz sah es aus, als habe der Teufel triumphiert, denn dort gelang es ihm, mit Hilfe der Menschen gerade den ans schmachvolle Kreuz zu nageln, den Gott für den Thron der Herrlichkeit bestimmt hatte. Aber die Gegenwart des Geistes bringt den Beweis, dass Christus den höchsten Platz in der Herrlichkeit einnimmt, trotz allem, was die Welt, die vom Fürsten dieser Welt dazu getrieben wurde, getan hat. Gott hat über die Sünde des Menschen und die Macht des Teufels triumphiert. Der Platz der Herrlichkeit, auf den Christus gesetzt wurde, ist der Beweis, dass der Teufel bei seiner größten Machtausübung besiegt worden ist. Das muss das abschließende und endgültige Gericht über den Teufel bedeuten; und wenn der Teufel gerichtet ist, wird das ganze Weltsystem, dessen Beherrscher er ist, unter das Gericht kommen. Das Gericht ist noch nicht ausgeübt worden, aber moralisch ist die Welt mit ihrem Herrscher verdammt.

So also ist der Zustand der Welt in den Augen Gottes, bewiesen durch die Gegenwart des Geistes: Es ist eine Welt unter der Sünde, ohne Gerechtigkeit, und sie ist dabei, dem Gericht entgegenzugehen.

Die kommende Welt wird offenbart (Joh 16,12-15)

Verse 12-15

Joh 16,12-15: 12 Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. 13 Wenn aber jener, der Geist der Wahrheit, gekommen ist, wird er euch in die ganze Wahrheit leiten; denn er wird nicht von sich selbst aus reden, sondern was er hören wird, wird er reden, und das Kommende wird er euch verkündigen. 14 Er wird mich verherrlichen, denn von dem Meinen wird er empfangen und euch verkündigen. 15Alles, was der Vater hat, ist mein; darum sagte ich, dass er von dem Meinen empfängt und euch verkündigen wird.

Der Herr ist dabei, die gegenwärtige Welt zu verlassen, und geht jetzt in Gedanken in einen Bereich über, von dem Er vieles zu sagen hat, obwohl dies im Augenblick noch das Verständnis der Jünger übersteigt. Wenn aber der Geist der Wahrheit gekommen ist, wird Er den Jüngern „das Kommende“ entfalten. „Er wird sie in die ganze Wahrheit leiten.“ Wenn wir in dieser Welt treue Zeugen für Christus sein sollen, genügt es nicht, den wahren Charakter dieser gegenwärtigen Welt zu erkennen. Wir benötigen auch das Licht einer anderen Welt, um unsere Schritte durch diese dunkle Welt zu leiten. Wenn der Geist allerdings die Herrlichkeiten der neuen Welt ans Licht bringt, so entfaltet Er sie doch heute noch nicht. Wenn Christus kommt, wird Er selbst diese herrlichen Dinge darstellen. Durch den Geist wandelt der Glaube im Licht der zukünftigen Herrlichkeiten. Der Morgenstern geht in unsern Herzen auf, ehe die Sonne der Gerechtigkeit über der Welt erstrahlen wird.

Außerdem deutet der Herr nicht an, dass das Kommen des Geistes der Wahrheit den Lauf dieser gegenwärtigen Welt verändern würde. Seine Gegenwart verurteilt die Welt. Seine Leitung befreit die Gläubigen von gegenwärtigen Dingen, indem Er uns das Licht der zukünftigen gibt. Leider wollen viele das Christentum gebrauchen, um diese Weit zu verbessern. Sie werden aber nur festzustellen, dass solche Anstrengungen zum Verderben des Christentums führen und das Böse dieser Welt mit einem religiösen Anstrich übertüncht wird. Der Herr deutet auch nicht an, dass das Kommen des Geistes seinem Volk weltliche Bequemlichkeit und irdischen Wohlstand sichern würde, während es durch diese Welt geht. Was die Lebensumstände und die Umgebung in dieser Welt betrifft, so mag es unter dem Volk des Herrn oft große Unterschiede geben, aber was die wahren Reichtümer der Welt der Ratschlüsse des Vaters angeht, stehen alle auf dem gleichen Boden. Das gegenwärtige Licht aus der Welt der Herrlichkeit ist das Teil aller Heiligen. Was auch immer unsere Umstände in diesem Leben sein mögen, es steht uns wenigstens offen, im Geist in die überragenden und ewigen Herrlichkeiten der kommenden Welt, in die wir bald wirklich gelangen werden, einzutreten und diese zu genießen.

Im Blick darauf, dass unsere Herzen in jene neue Welt getragen werden, lesen wir, dass der Heilige Geist uns in die ganze Wahrheit leiten wird. In der Kraft des Heiligen Geistes ist uns die volle Bandbreite der Wahrheit zugänglich: hinsichtlich des Vorsatzes Gottes, der Herrlichkeit Christi in der Versammlung, der Segnung der Versammlung mit Christus und der Segnung der Menschen im Königreich während des tausendjährigen Friedensreichs bis zu den Herrlichkeiten des neuen Himmels und der neuen Erde. In diese unermessliche Bandbreite der Wahrheit wird Er uns leiten; aber Er wird uns weder zwingen noch treiben. Die Frage an jeden Einzelnen wie einst an Rebekka lautet: „Willst du gehen?“ Der Knecht war da und bereit, sie zu Isaak zu führen, genauso wie der Geist gekommen ist, um uns zu Christus zu führen. Der Knecht konnte sagen: „Haltet mich nicht auf …, dass ich zu meinem Herrn ziehe.“ Und dürfen wir nicht sagen, dass es der Wunsch des Heiligen Geistes ist, nicht diese Welt zu verbessern oder die Heiligen hier auf der Erde anzusiedeln, sondern zu dem zurückzukehren, von dem Er ausgegangen ist, indem Er die Braut für Christus mit sich nimmt? Leider hindern wir den Heiligen Geist oft, indem wir uns auf irgendeinen selbst gewählten Pfad abwenden, und so verlieren wir die Führung des Heiligen Geistes. Irgendeine weltliche Verstrickung oder eine falsche religiöse Verbindung mögen uns aufhalten, und solange wir von dieser Verbindung nicht frei sind, wird der Geist aufhören, uns in die weitere Wahrheit zu leiten. Die Christen scheinen wenig Verständnis dafür zu haben, wie leicht der Fortschritt der Seele in die Wahrheit durch unschriftgemäße Verbindungen behindert werden kann.

Der Herr sagt nicht nur, dass der Geist leiten werde, Er sagt auch dreimal: „Er wird euch verkündigen“ (Joh 16,13-15). Wir können uns nicht selbst in die ganze Wahrheit leiten, wir können uns nicht selbst die kommenden Dinge oder das, was Christus betrifft, verkündigen. Wir sind da völlig vom Geist abhängig. Wie besonders wichtig ist es also, koste es, was es wolle, alles abzulehnen, was den Geist hindern könnte, uns in die Fülle des Segens zu leiten.

Der Herr spricht sehr ausdrücklich zu uns von dem dreifachen Charakter des Segens, in den der Heilige Geist uns leiten will:

  1. Johannes 16,13 spricht von dem„Kommenden“;
  2. zweitens lesen wir in Joahnnes 16,14 von den Herrlichkeiten Christi;
  3. schließlich zieht in Johannes 16,15 „alles, was der Vater hat“, an uns vorüber.

Das sind die Dinge, in die der Heilige Geist uns leiten will, wenn wir Ihn nicht hindern:

  1. Er will die ganze Glückseligkeit der kommenden Welt vor uns entfalten;
  2. Er will von den Herrlichkeiten Christi nehmen und sie uns verkündigen;
  3. Er will uns den ganzen Bereich der Ratschlüsse des Vaters, die Christus als ihrem Mittelpunkt haben, enthüllen.

Wenn wir doch nur völliger erkennen würden, dass es eine Welt des Glücks und der Wonne ganz außerhalb des natürlich sichtbaren Bereichs und jenseits der Reichweite des menschlichen Geistes gibt: Dinge, von denen es heißt: „Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben; uns aber hat Gott es offenbart durch seinen Geist, denn der Geist erforscht alles, auch die Tiefen Gottes“ (1Kor 2,9.10).

Der neue Tag (Joh 16,16-33)

Der Herr hat jenen Teil seiner Rede beendet, der den Jüngern die große Erleuchtung ihrer Gedanken ankündigt, die das Ergebnis des Kommens des Heiligen Geistes sein würde. Jetzt, da die Reden sich ihrem Ende nähern, spricht Er nicht länger von dem Geist, sondern von „jenem Tag“ – dem neuen Tag, der kurz vor seinem Anbruch steht – mit seiner neuen Offenbarung Christi in der Auferstehung (Joh 16,16-22); dem neuen Charakter des Umgangs, den sie mit dem Vater haben werden (Joh 16,23.24), und der neuen Form, in der der Herr sich mit ihnen austauschen würde (Joh 16,25-28).

Es ist gut, wenn wir uns daran erinnern, dass „jenen Tag“ zwei Ereignisse kennzeichnen: das Hingehen Christi zum Vater und das Kommen des Geistes, um in den Gläubigen zu wohnen. In dem Abschnitt der Rede, die der Herr gerade abgeschlossen hat, wurde „jener Tag“ in Verbindung mit dem Kommen des Trösters gesehen. In diesem letzten Teil wird „jener Tag“ in Verbindung mit dem Hingehen Christi zum Vater gesehen und mit allem, was mit seiner Anwesenheit beim Vater zusammenhängt.

Vers 16

Joh 16,16: Eine kleine Zeit, und ihr schaut mich nicht mehr, und wieder eine kleine Zeit, und ihr werdet mich sehen, [weil ich zum Vater hingehe].

An den Jüngern sind wundervolle Andeutungen kommender Herrlichkeiten, die durch die Kraft des Geistes offenbart werden sollen, vorübergezogen, aber während die letzten Augenblicke mit den Jüngern verstreichen, werden sie mit dem Herrn Jesus selbst, dem Gegenstand ihrer Zuneigungen, allein gelassen. Der Geist wird zwar diese Zuneigungen hervorrufen, aber Er ist niemals, wie der Herr Jesus, der Gegenstand dieser Zuneigungen. So kommt es, dass der Herr ihre Herzen mit Ihm selbst, mit seiner Person beschäftigt, wenn Er sagt: „Über ein Kleines, und ihr schauet mich nicht, und wiederum über ein Kleines, und ihr werdet mich sehen.“ Mit diesen Worten richtet der Herr nicht nur ihre Herzen auf seine Person, Er deutet ihnen auch die großen Ereignisse an, die kurz bevorstehen, und bereitet ihre Herzen auf die Veränderungen vor, die diese Ereignisse mit sich bringen würden.

Verse 17.18

Joh 16,17.18: 17 Einige von seinen Jüngern sprachen nun zueinander: Was ist dies, was er zu uns sagt: Eine kleine Zeit, und ihr schaut mich nicht, und wieder eine kleine Zeit, und ihr werdet mich sehen, und: Weil ich zum Vater hingehe? 18 Da sprachen sie: Was ist das für eine kleine Zeit, wovon er redet? Wir wissen nicht, was er sagt.

Die Worte des Herrn rufen bei den Jüngern besorgte Fragen hervor, die deutlich machen, dass jede Aussage für sie ein Geheimnis war. Es ist bemerkenswert, dass die Jünger im Verlauf der Reden immer schweigsamer werden. Fünf der Jünger haben bei verschiedenen Gelegenheiten gesprochen, aber seit sie den Obersaal verlassen hatten, hörte man nur die Stimme des Herrn. Als er die großen Wahrheiten vom Kommen des Geistes enthüllte, hatten sie dem, was so weit über ihrem Verständnis lag, schweigend zugehört. Jetzt, da der Herr wieder von sich selbst spricht, sind ihre Herzen aufgerüttelt, um die Bedeutung seiner Worte zu verstehen. Trotzdem unterhalten sie sich miteinander und zögern, dem Herrn gegenüber ihre Schwierigkeiten zu äußern.

Verse 19-22

Joh 16,19-22: 19 Jesus erkannte, dass sie ihn fragen wollten, und sprach zu ihnen: Darüber fragt ihr euch untereinander, dass ich sagte: Eine kleine Zeit, und ihr schaut mich nicht, und wieder eine kleine Zeit, und ihr werdet mich sehen? 20 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, dass ihr weinen und wehklagen werdet, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet traurig sein, aber eure Traurigkeit wird zur Freude werden. 21 Die Frau, wenn sie gebiert, hat Traurigkeit, weil ihre Stunde gekommen ist; wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Bedrängnis um der Freude willen, dass ein Mensch in die Welt geboren ist. 22 Auch ihr nun habt jetzt zwar Traurigkeit; aber ich werde euch wiedersehen, und euer Herz wird sich freuen, und eure Freude nimmt niemand von euch.

Der Herr sieht ihren Wunsch, nach der Bedeutung seiner Worte zu fragen, und wirft nicht nur weiteres Licht auf das, was Er gesagt hat, sondern Er erklärt ihnen auch, wie ihre Herzen durch die nahe bevorstehenden Dinge sowohl von Kummer als auch von Freude bewegt würden. Die Worte des Herrn sprechen klar von zwei kurzen Zeitabständen und deuten an, dass die Jünger Ihn bald nicht mehr sehen und dass sie Ihn kurz nachher wieder sehen würden. Können wir im Licht der Ereignisse, die folgen, nicht sagen, dass diese Worte darauf hinweisen, dass in jenem Augenblick nur noch wenige Stunden blieben, bis der Herr seine Jünger verlassen würde, um aus dem Blickfeld des Menschen zu entschwinden, indem Er in die Dunkelheit des Kreuzes und des Grabes trat? Dann, nach einer zweiten „kleinen Weile“, sollten die Jünger den Herrn wiedersehen, doch nicht wie vorher in den Tagen seines Fleisches, sondern im Zustand der Auferstehung. Wenn sie Ihn dann auch nicht mehr so sahen wie in den Tagen seiner Erniedrigung, so sollten sie Ihn doch für immer im neuen und herrlichen Zustand der Auferstehung sehen, jenseits von Tod und Grab. Es würde aber der gleiche Jesus sein, der unter ihnen gelebt, der ihre Schwachheiten mitgetragen, ihren Glauben gestützt und ihre Herzen gewonnen hatte, der dann in ihre Mitte kommen und sagen würde: „Sehet meine Hände und meine Füße, dass ich es selbst bin.“

Weiter kündigt der Herr seinen Jüngern an, wie diese alles verändernden Ereignisse sich in Kummer und Freude auf sie auswirken würden. Die kleine Weile, während der sie Ihn nicht sehen konnten, würde eine Zeit überwältigenden Kummers für die Jünger sein, eine Zeit des Weinens und Klagens um einen Toten, dessen Grab das Ende all ihrer irdischen Hoffnungen war. Die Welt hingegen würde sich freuen und meinen, den besiegt zu haben, dessen Gegenwart das Böse ihrer Taten bloßstellte. Doch sollte die Trauer der Jünger nach einer kleinen Weile zur Freude werden. 

Um den Herzen der Jünger diese kommenden Ereignisse klarzumachen, gebraucht der Herr das Bild einer Frau, die ein Kind zur Welt bringt. Die plötzliche Traurigkeit, der Wandel von Schmerz in Freude und die Geburt des Kindes sind ein passendes Bild von dem plötzlichen Schmerz, der die Jünger überfallen würde, wenn der Herr in den Tod gehen würde, sowie von dem plötzlichen Wandel von Betrübnis zu Freude, wenn sie den auferstandenen Herrn als den Erstgeborenen aus den Toten wiedersehen würden. Indem der Herr nun seine Illustration anwendet, führt Er seine Worte weiter aus. Er hatte bereits gesagt: „Ihr werdet mich sehen“; nun fügt Er hinzu: „Ich werde euch wiedersehen.“ Die Welt würde Ihn nicht mehr sehen, und auch Er wollte die Welt nicht mehr sehen. Es sind die Seinen, zu denen Er kommen wollte. Und so geschah es später, wie wir lesen: „Jesus stand in der Mitte und spricht zu ihnen: Friede euch! Und als er dies gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und seine Seite. Da freuten sich die Jünger,als sie den Herrn sahen“ (Joh 20,19.20).

Das Sehen, von dem der Herr hier spricht, kann kaum beschränkt werden auf die flüchtigen Besuche während jener vierzig Tage nach der Auferstehung. Es ist treffend gesagt worden: „Der auferstandene und lebendige Herr zeigte sich dem Sinnesauge, damit Er vor dem Auge des Glaubens verbliebe, nicht als eine Erinnerung sondern als einer, der gegenwärtig ist“, und weiter: „Es war ein Sehen, das niemals verlorengehen oder verdunkelt werden konnte, sondern im Gegenteil immer klarer wurde, je mehr es geistlich erfasst wurde.“ Während der Zeit seiner Abwesenheit, während der wir noch auf der Erde sind und Er in der Herrlichkeit ist, werden die Worte des Herrn immer wahr sein: „Ihr werdet mich sehen“, und: „Ich werde euch wiedersehen.“ Stephanus, der unverwandt in diese Herrlichkeit schaute, konnte sagen: „Siehe, ich sehe die Himmel geöffnet, und den Sohn des Menschen zur Rechten Gottes stehen.“ Darüber hinaus kann der Schreiber des Hebräerbriefes sagen: „Wir sehen aber Jesus … mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.“

Es ist dieser besondere Anblick von Christus, der die Freude des Gläubigen sicherstellt. Der lebende Herr ist die Freude seines Volkes; und weil sein Leben ewig ist, bleibt ihre Freude dauerhaft und sicher. Und so kann der Herr sagen: „Eure Freude nimmt niemand von euch.“

Verse 23.24

Joh 16,23.24: 23 Und an jenem Tag werdet ihr mich nichts fragen. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Um was irgend ihr den Vater bitten werdet in meinem Namen, das wird er euch geben. 24 Bis jetzt habt ihr um nichts gebeten in meinem Namen. Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude völlig sei.

Der Herr hat von der neuen Offenbarung seiner selbst an dem neuen Tag gesprochen, der bald anbrechen würde; nun redet Er von dem neuen Charakter des Umgangs, der zu dem neuen Tag passen würde. „An jenem Tage“, sagt der Herr, „werdet ihr mich nichts fragen.“ Diese Worte bedeuten nicht, dass wir den Herrn nie anreden sollen, sondern vielmehr dass wir direkten Zugang zum Vater haben. Martha wusste nichts von einem direkten Gebet zu dem Vater, als sie sagte: „Ich weiß, dass, was irgend du von Gott bitten magst, Gott dir geben wird“ (Joh 11,22). Wir brauchen uns nicht jetzt an den Herrn zu wenden, dass Er für uns zum Vater gehe, sondern wir haben das Vorrecht, im Namen Christi den Vater direkt zu bitten. Bis dahin hatten die Jünger nichts in seinem Namen gebeten. „An jenem Tag“ werden sie in seinem Namen bitten, und der Vater würde in seinem Namen geben, damit ihre Freude völlig sei. Wenn sie die unermesslichen Hilfsquellen, die ihnen damit eröffnet wurden, benutzten, würden sie Fülle von Freude finden.

Vers 25

Joh 16,25: Dies habe ich in Gleichnissen zu euch geredet; es kommt die Stunde, da ich nicht mehr in Gleichnissen zu euch reden, sondern euch offen von dem Vater verkündigen werde.

Außerdem würden die Mitteilungen von Seiten des Herrn einen neuen Charakter annehmen. Bisher hatten viele seiner Belehrungen die Form von Gleichnissen und Sinnbildern. An dem Tag, der nun anbrechen sollte, würde Er offen vom Vater sprechen. So war es dann nach seiner Auferstehung, als Er den Jüngern eine Botschaft sandte, die klar lautete: „Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, und zu meinem Gott und eurem Gott.“

Verse 26-28

Joh 16,26-28: 26 An jenem Tag werdet ihr bitten in meinem Namen, und ich sage euch nicht, dass ich den Vater für euch bitten werde; 27 denn der Vater selbst hat euch lieb, weil ihr mich lieb gehabt und geglaubt habt, dass ich von Gott ausgegangen bin. 28 Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.

Obwohl der Herr klar vom Vater zu uns sprechen will, wird es nicht nötig sein, dass der Herr den Vater für uns bittet, als ob der Vater unsere Bedürfnisse nicht kennen würde oder wir keinen freien Zugang zu Ihm hätten, denn „der Vater selbst hat euch lieb“, sagt der Herr. Der Vater hat das größte Interesse an den Jüngern und liebt sie, weil sie Christus lieben und geglaubt haben, dass Er von Gott ausgegangen war.

Der Herr schließt diesen Teil der Rede, indem Er die großen Wahrheiten bestätigt, auf denen der ganze Aufbau des Christentums ruht: „Ich bin von dem Vater ausgegangen und bin in die Welt gekommen; wiederum verlasse ich die Welt und gehe zum Vater.“ Doch während die bekennende Christenheit sich bemüht, das vollkommene Leben unseres Herrn herauszustellen, gibt sie leider schnell die heiligen Forderungen preis, die in dieser gewaltigen Aussage enthalten sind. Diese Geltendmachung seines göttlichen Ursprungs und seines Auftrages in der Welt sowie seiner Rückkehr zum Vater beendet die Unterweisung dieser Reden in passender Weise.

Verse 29-32

Joh 16,29-32: 29 Seine Jünger sprechen [zu ihm]: Siehe, jetzt redest du offen und sprichst kein Gleichnis; 30 jetzt wissen wir, dass du alles weißt und nicht nötig hast, dass dich jemand fragt; darum glauben wir, dass du von Gott ausgegangen bist. 31 Jesus antwortete ihnen: Glaubt ihr jetzt? 32 Siehe, die Stunde kommt und ist gekommen, dass ihr zerstreut werdet, jeder in das Seine, und mich allein lasst; und ich bin nicht allein, denn der Vater ist bei mir.

Die Schlussworte sind nicht so sehr Unterweisung als vielmehr ein letztes Wort der Warnung im Blick auf die Schwachheit der Jünger. Ihnen folgt ein Wort, das die Gefühle des Herzens des Herrn offenbart, und ein letztes Wort der Ermutigung. Die Jünger können angesichts dieser klaren Bestätigung der Wahrheit sagen: „Siehe, jetzt redest du offen und sprichst kein Gleichnis.“ Die Wahrheit, die sie nur undeutlich gesehen hatten, wird nun bestimmt und klar durch die deutlichen Worte des Herrn. Doch wie wenig verstanden sie den Weg des Todes, auf dem der Herr zum Vater zurückkehren würde. So kann der Herr sagen: „Glaubet ihr jetzt?“ Sie glaubten wirklich, aber sie kannten ihre eigene Schwachheit noch wenig, ebenso wie wir allzu oft. Der Herr musste sie warnen, dass die Stunde kommen würde, ja schon gekommen war, in der alle Jünger zerstreut werden sollten, ein jeder in das Seine, und dass der Eine, an den zu glauben sie eben bekannt hatten, allein gelassen werden würde.

Doch auch wenn eine Zeit kommt, wenn diese Gefährten seines Lebens, die Ihn geliebt haben und Ihm nachgefolgt sind, nur noch an sich selbst denken und Ihn in der Stunde seiner Prüfung verlassen werden – Er wird doch nicht allein sein, denn Er sagt: „Der Vater ist bei mir.“ Er sagt nicht: Der Vater wird bei mir sein, so wahr das ist, sondern: „Der Vater ist bei mir.“ Wie in vergangenen Tagen, in der Begebenheit, die nur ein Schatten dieser viel größeren Szene war, wo wir von Abraham und Isaak lesen, als sie sich auf ihrem Weg zum Berg Morija befanden: „Und sie gingen beide miteinander“ (1Mo 22,6), so sind jetzt, da das große Opfer bevorsteht, der Vater und der Sohn zusammen.

Vers 33

Joh 16,33: Dies habe ich zu euch geredet, damit ihr in mir Frieden habt. In der Welt habt ihr Bedrängnis; aber seid guten Mutes, ich habe die Welt überwunden.

Dennoch will der Herr, wenn Er die Jünger vor ihrer Schwachheit warnen will, sie nicht ohne ein letztes Wort der Freude und Ermutigung verlassen. Welches Versagen sie auch bei sich zu beklagen haben, welchen Prüfungen sie in der Welt auch begegnen müssen – in Christus würden sie Frieden haben. Sie mögen in sich selbst und in der Welt viel finden, was sie beunruhigt – aber in Christus würden sie eine nie versiegende Hilfsquelle besitzen, in Ihm haben sie den Einen, in dem ihre Herzen in vollkommenem Frieden ruhen können. Die Welt mag die Jünger tatsächlich überwältigen, wie sie es bald erfahren sollten, aber Christus hat die Welt überwunden. Darum dürfen die Jünger und wir guten Mutes sein, denn der Eine, der uns liebt, der für uns lebt, der für uns kommt, der Eine, der mit uns ist, ist auch der Eine, der die Welt überwunden hat. So bleibt uns am Ende der großen Reden ein Wort der Ermunterung, das uns über all unser Versagen emporhebt und ganz bei der Betrachtung des Sieges des Herrn stehen lässt.

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