Das Johannesevangelium (6)
Johannes 6

Hamilton Smith

© SoundWords, online seit: 03.07.2005, aktualisiert: 26.01.2018

Leitverse: Johannes 6

Die Wege der Gnade in Befreiung

Johannes 5 stellt uns Christus als den Sohn Gottes vor, der Leben gibt, wem Er will. Kapitel 6 stellt uns Christus als den Sohn des Menschen vor, der denen Leben gibt, die Ihn annehmen, und als den Erhalter des Lebens, das Er gibt.

Im ersten Teil des Kapitels werden uns zwei Ereignisse berichtet (Joh 6,1-21), die das großartige Thema der Unterredung des Herrn im letzten Teil des Kapitels bildhaft darstellen. In der ersten Szene handelt Christus als König, der ihnen Brot aus seiner königlichen Freigebigkeit zur Erhaltung des natürlichen Lebens gibt. In der zweiten Szene wird Christus im Bild als Priester in der Höhe vorgestellt, der die Seinen unterstützt und ihr geistliches Leben erhält in ihrem Wandel durch diese Welt, in der alles gegen sie ist. In der folgenden Unterredung stellt der Herr große Wahrheiten vor, die seine Menschwerdung (Joh 6,32-51), seine Werke (Joh 6,51-56), seine Auferstehung (Joh 6,57) und seine Himmelfahrt (Joh 6,62) betreffen. Er wird somit vorgestellt, damit alle, die an Ihn glauben, leben und dieses neue Leben genährt wird, damit jedes geistliche Bedürfnis gestillt wird.

Die Speisung der Fünftausend (Joh 6,1-14)

Dieses neue Zeichen ist ein Zeugnis von dem Einschreiten Gottes für den Menschen nach Psalm 132,15: „Seine Speise will ich reichlich segnen, seine Armen mit Brot sättigen.“ Das große Thema dieses Kapitels – Christus, der die Herzen der Seinen zufriedenstellt – wird somit in diesem Zeichen fortgesetzt. In Johannes 4 erlöst Christus von der Macht der Sünde, in Johannes 5 schenkt Er Befreiung von der Knechtschaft des Gesetzes, und in Johannes 6 macht Er frei von Mangel.

Verse 1-9

Joh 6,1-9: Nach diesem ging Jesus weg auf die andere Seite des Sees von Galiläa oder von Tiberias; und es folgte ihm eine große Volksmenge, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. Jesus aber ging hinauf auf den Berg und setzte sich daselbst mit seinen Jüngern. Es war aber das Passah nahe, das Fest der Juden. Als nun Jesus die Augen aufhob und sah, dass eine große Volksmenge zu ihm kommt, spricht er zu Philippus: Woher sollen wir Brote kaufen, auf dass diese essen? Dies sagte er aber, ihn zu versuchen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Denare Brote reichen nicht für sie hin, auf dass ein jeder etwas weniges bekomme. Einer von seinen Jüngern, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, spricht zu ihm: Es ist ein kleiner Knabe hier, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat; aber was ist dies unter so viele?

Wir finden eine große Volksmenge auf dem kahlen Berg ohne Nahrung. Was die menschlichen Kräfte anging, war es unmöglich, diesem Bedürfnis zu entsprechen. Aber der Herr ist dort, und Er wird ihrem Bedürfnis entgegenkommen. Bevor Er dies jedoch tut, benutzt Er die Situation, um den Glauben seiner Jünger zu prüfen. Haben sie Glauben, von den Mitteln des Herrn Gebrauch zu machen, wenn ihrerseits alle Hoffnung dahin ist? So sagt der Herr zu Philippus: „Woher sollen wir Brote kaufen, auf dass diese essen?“ Dann erfahren wir, dass Er dies sagte, „um ihn zu versuchen, denn er selbst wusste, was er tun wollte“.

Können wir daran zweifeln, dass es auch heute ist, so wie es damals war? Im Volke Gottes können für den Menschen unüberwindbare Schwierigkeiten entstehen, um uns zu prüfen. Wir bekennen, Ihm zu folgen, indem wir bezeugen, nichts ohne Ihn tun zu können, sondern dass seine Gnade uns genügt. Dann wird unser Bekenntnis durch eine Schwierigkeit, die wir selbst nicht überwinden können, geprüft. Wir erfahren jedoch, dass „er selbst wusste, was er tun wollte“ – Worte, die uns versichern, dass es auf unserem individuellen Weg oder im Volk Gottes keine Schwierigkeit geben wird, die Er nicht lösen kann. In den letzten und schwierigen Tagen mögen Lehrer und Führer uns enttäuschen, aber da ist Einer, an den wir uns am dunkelsten Tag und in der größten Schwierigkeit wenden können, in der Gewissheit, dass Er weiß, was Er tut.

Allzu häufig liegt die Ursache unserer Probleme darin, dass wir von uns aus zögern, die demütigende Tatsache zuzugeben, dass wir nicht wissen, was zu tun ist. Wir meinen alle, es zu wissen und es würde alles richtig, wenn andere unsere Vorschläge ausführten. Und so versäumen wir es, uns an den zu wenden, der weiß, was Er tut. Wie bei den Jüngern zeigen Schwierigkeiten die Schwachheit unseres Glaubens, während gleichzeitig die Größe der Machtfülle in dem Herrn offenbar wird. Philippus denkt für die Lösung dieses Problems nur an die Macht des Geldes. Er gibt allerdings zu, dass sein Plan die Menge nur mit etwas Wenigem versorgen könne. Wie anders der Herr: Wenn Er handelt, gibt Er so viel, wie sie wollten.

Während Philippus davon spricht, welche Menge sie benötigen, beklagt Andreas, dass sie so wenig haben. Keiner der Jünger denkt an den Herrn und die überreichen Vorräte in Ihm, die für den Glauben zur Verfügung stehen.

Verse 10-14

Joh 6,10-14: Jesus aber sprach: Machet, dass die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Orte. Es lagerten sich nun die Männer, an Zahl bei fünftausend. Jesus aber nahm die Brote, und als er gedankt hatte, teilte er sie denen aus, die da lagerten; in gleicher Weise auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber gesättigt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brocken, auf dass nichts umkomme. Sie sammelten nun und füllten zwölf Handkörbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, welche denen, die gegessen hatten, übrig blieben. Als nun die Leute das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Dieser ist wahrhaftig der Prophet, der in die Welt kommen soll.

Der mangelnde Glaube der Jünger hat sich erwiesen, der Herr offenbart die Gnade seines Herzens und die Macht seiner Hände, um dem Problem zu begegnen. Wie schön für sie und für uns, dass das Versagen seines Volkes nicht die Hand des Herrn anhält, für sie zu handeln.

Die darauf folgende Szene ist sicherlich ein Vorgeschmack auf die tausendjährige Segenszeit, die die vollkommene Verwaltung des Herrn und die Macht einer Person fortsetzt, die die Rastlosigkeit der Welt zur Ruhe bringt und deren verzweifelten Hunger stillt. Auf sein Wort hin werden fünftausend Männer vollkommen zur Ruhe gesetzt. Er sagt ein Wort, und wir lesen: „Es lagerten sich nun die Männer.“ So wird es am Tag des Herrn sein, wenn Er „Bogen und Schwert und den Krieg aus dem Lande zerbrechen“ wird und sie „in Sicherheit wohnen lassen“ wird (Hos 2,18).

Darüber hinaus offenbart diese Szene nicht nur die Herrlichkeit seiner Person, sondern die Vollkommenheit, der Wege, die Er nimmt. Wir lesen: „Jesus aber nahm die Brote“ – die fünf wenigen Brote –, und nachdem Er gedankt hatte, speiste Er die Menge. Er verwendet die natürlichen Vorräte der Erde in Verbindung mit dem Gott, der sie gegeben hatte, wodurch Er zum Ausdruck bringt, dass der Himmel die wahre Quelle aller Segnungen für den Menschen ist. Wenn die Quellen der Erde, so klein sie auch sein mögen, durch die Kraft Christi in Verbindung mit den unerschöpflichen himmlischen Vorräten gebracht werden, wird sehr wenig für sehr vieles ausreichen. In den Tagen der Propheten konnte Gott eine Witwe dazu gebrauchen, mit einer Handvoll Mehl und ein wenig Öl in einem Gefäß, einen Haushalt über ein ganzes Jahr zu versorgen (1Kön 17,15.16). So kann Christus einen Knaben mit fünf Broten und zwei kleinen Fischen benutzen, um fünftausend Menschen zu speisen.

Außerdem teilt der Herr für die Bedürfnisse des Lebens so vollkommen aus, dass jeder Not begegnet wird. Eitler Luxus und extreme Armut, übermäßige Verschwendung und verzweifelte Not wird es nicht mehr geben, wenn der Herr den Ihm geziemenden Platz als der Richter der ganzen Erde einnimmt. Die Menschen versuchen, den Wohlstand der Welt gleichmäßig zu verteilen, indem sie die Reichen angreifen. Damit zeigen sie jedoch nur, dass menschliche Macht destruktiv und nicht administrativ ist. Der Mensch kann Reiche arm machen, Arme jedoch nicht reich machen. Der Mensch kann die bestehende Ordnung zerstören, kann jedoch keinen tausendjährigen Segen aufrichten.

Wenn Christus die Menschen speist, bekommt jeder so viel, wie er will, und nachdem alle satt sind, bleibt noch „viel übrig“. Jetzt ist die Nachfrage größer als das Angebot, dann (später) werden die Bedürfnisse des Menschen vollkommen durch die Gnade Gottes gestillt; sie werden nie die Gnade Gottes ausschöpfen können.

Christus auf dem Berg und die Jünger auf dem See (Joh 6,15-21)

Verse 15-21

Joh 6,15-21: Da nun Jesus erkannte, das sie kommen und ihn ergreifen wollten, auf dass sie ihn zum König machten, entwich er wieder auf den Berg, er selbst allein. Als es aber Abend geworden war, gingen seine Jünger hinab an den See; und sie stiegen in das Schiff und fuhren über den See nach Kapernaum. Und es war schon finster geworden, und Jesus war noch nicht zu ihnen gekommen; und der See erhob sich, indem ein starker Wind wehte. Als sie nun etwa fünfundzwanzig oder dreißig Stadien gerudert waren, sehen sie Jesus auf dem See wandeln und nahe an das Schiff herankommen, und sie fürchteten sich. Er aber spricht zu ihnen: Ich bin‘ ’s, fürchtet euch nicht! Sie wollten ihn nun in das Schiff nehmen, und alsbald war das Schiff an dem Lande, zu welchem sie hinfuhren.

Beeindruckt von dem Wunder der Speisung der Fünftausend, bezeugen die Volksmengen Christus als den von Moses angekündigten Propheten, der wie Mose von Gott zu dem Volk kommen würde, um ihren Hunger zu stillen und ihnen den verheißenen Segen zuteil lassen würde (4Mo 18,15-19). Sie hätten gerne jemanden, der eine solche Gewalt und Macht ausübte, zu ihrem König und somit zu ihrem Erretter von den verhassten Römern gemacht. Die Zeit der Herrschaft war für Christus jedoch noch nicht gekommen. Indem Er es ablehnt, zum König gemacht zu werden, entweicht Er „auf den Berg, er selbst allein“, um dort, im Bild, seinen gegenwärtigen Dienst als Priester auszuüben.

Die zurückgelassenen Jünger gingen auf ein Schiff, um den See zu überqueren, der von einem „starken Wind“ bewegt wurde, während es schon dunkel geworden war – ein Bild vom Volk Christi, das in einer dunklen Welt zurückgelassen den Anfechtungen des Bösen ausgesetzt ist, die, genau wie der See, nicht ruhen können. Dennoch erfahren die Jünger Hilfe von Christus, der in ihrer Not zu ihnen kommt.

Das priesterliche Werk Christi wird nun für die Kirche ausgeübt und wird in der großen Drangsalszeit für den göttlichen Überrest der Juden ausgeübt werden. Diese Szene bezieht sich wahrscheinlich insbesondere auf diese jüdischen Heiligen und vervollständigt somit die Lehre der ersten Szene, indem gezeigt wird, dass das Königreich nur durch die große Drangsalszeit erreicht werden kann.

Der jüdische Überrest wird während dieser Zeit, wenn er den schrecklichen Werken Satans ausgesetzt sein wird, die Gnade des Herrn als Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedeks erfahren. Nach einer Zeit, in der die Verfolgung ihren Höhepunkt erreicht und ihr Zustand nahezu hoffnungslos ist, wird der Herr zu ihren Gunsten erscheinen. Seine Macht wird die Macht des Feindes übertreffen, wie wir es in dem Bilde von Jesus, der auf dem See wandelte, sehen.

Angesichts dieser offensichtlichen Macht und Gewalt wollten die Jünger Ihn nun in das Schiff nehmen. So lesen wir von dem noch zukünftigen Tag in Psalm 110,3.4: „Dein Volk wird voller Willigkeit sein am Tage deiner Macht.“ Nach der Demütigung durch die Zeit der Versuchungen werden sie im Glauben den aufnehmen, den sie in ihrem Stolz zuvor abgelehnt hatten. Nachdem sie Christus in ihr Schiff aufgenommen hatten, war das Schiff „alsbald … an dem Lande, zu welchem sie hinfuhren“: So wird auch Israel unter der Regierung Christi seine Segnung erhalten.

Die Unterredung des Herrn in Kapernaum (Joh 6,22-71)

Verse 22-25

Joh 6,22-25: Des folgenden Tages, als die Volksmenge, die jenseits des Sees stand, gesehen hatte, dass daselbst kein anderes Schifflein war, als nur jenes, in welches seine Jünger gestiegen waren, und dass Jesus nicht mit seinen Jüngern in das Schiff gestiegen, sondern seine Jünger allein weggefahren waren (es kamen aber andere Schifflein aus Tiberias nahe an den Ort, wo sie das Brot gegessen, nachdem der Herr gedankt hatte), da nun die Volksmenge sah, dass Jesus nicht daselbst sei, noch seine Jünger, stiegen sie in die Schiffe und kamen nach Kapernaum und suchten Jesus. Und als sie ihn jenseits des Sees gefunden hatten, sprachen sie zu ihm: Rabbi, wann bist du hierher gekommen?

Aus den einleitenden Versen der Unterredung des Herrn erfahren wir, dass die Volksmenge, die gespeist wurde, am Tag nach der Speisung den See überquerte und Jesus suchte.

Verse 26.27

Joh 6,26.27: Jesus antwortete ihnen und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Ihr suchet mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr von den Broten gegessen habt und gesättigt worden seid. Wirket nicht für die Speise, die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben, welche der Sohn des Menschen euch geben wird; denn diesen hat der Vater, Gott, versiegelt.

Der Herr eröffnet seine Unterredung durch eine Darstellung der Motive, die die Volksmenge antrieb, Ihn zu suchen. Diese Suche entsprang nicht im Geringstem einem geistlichen Bedürfnis oder weil sie in dem Zeichen die Herrlichkeit seiner Person gesehen hatten, sondern sie suchten den Herrn, weil sie von dem Brot gegessen hatten und gesättigt worden waren. Hätte Christus die zeitlichen Bedürfnisse der Menschen gestillt, ohne ihnen Fragen bezüglich ihres moralischen Zustandes zu stellen, wären sie Ihm gerne gefolgt. Leider ist es jedoch so, dass in dem Verfall der Christenheit der Mensch von dem gleichen Motiven angetrieben wird wie in den Tagen des Verfalls des Judentums. Es ist immer noch wahr, dass Menschen Christus suchen nicht wegen der Zeichen, sondern wegen der „Brote und Fische“. Es macht den Menschen nichts aus, Predigten zu hören oder etwas von Christus zu hören, solange ihnen Christus als derjenige vorgestellt wird, der die Welt verbessern kann und die zeitlichen weltlichen Bedürfnisse stillen kann. Wird allerdings Christus dargestellt als Zeichen des Einschreitens Gottes für das ewige Heil des Menschen, dann hat die Masse kein Interesse an Christus.

Demnach bemüht sich also der Mensch, etwas Vergängliches zu bekommen, und bleibt gleichgültig gegenüber der Nahrung, die bis in das ewige Leben reicht. Der Sohn des Menschen ist gekommen, um ewiges Leben zu geben, die Seele zufriedenzustellen und von geistlichem Mangel zu befreien (Joh 6,35).

Darüber hinaus sehen wir in dieser Unterredung die Herrlichkeit des Sohnes des Menschen. Im vorherigen Kapitel wurde uns seine Herrlichkeit als der Sohn Gottes vorgestellt. Hier zeigt sich seine Herrlichkeit darin, dass Er als der Sohn des Menschen von Gott dem Vater mit dem Heiligen Geist versiegelt wird. So ist Er gegenüber der ganzen menschlichen Rasse ausgezeichnet als Gottes Eigentum und Einer, der als Mensch die vollkommene Zustimmung und das unendliche Wohlgefallen des Vaters hat.

Vers 28

Joh 6,28: Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir tun, auf dass wir die Werke Gottes wirken?

Das Wort des Herrn hatte klar gezeigt, dass diese Männer weder eine Ahnung von der Herrlichkeit seiner Person noch von den Bedürfnissen ihrer Seelen hatten. Aus ihren Worten lernen wir nun, dass sie sich ihrer äußersten Schwachheit in keiner Weise bewusst waren. So fragen sie ganz leichthin: „Was sollen wir tun, auf dass wir die Werke Gottes wirken?“ Sie gehen davon aus, dass sie wohl fähig sind, nach Gottes Gedanken zu handeln, wenn ihnen nur seine Wünsche mitgeteilt werden.

Vers 29

Joh 6,29: Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubet, den er gesandt hat.

Wie groß war ihre Finsternis! Sie kannten weder ihre eigene Hilflosigkeit noch die Gnade Gottes; sie dachten, Gott fordere etwas von dem Menschen. Sie mussten noch lernen, dass die Gnade Gottes nicht Werke fordert, sondern lediglich von den Menschen verlangt, an den zu glauben, den Er gesandt hatte. Die Werke folgen dem Glauben.

Verse 30.31

Joh 6,30.31: Da sprachen sie zu ihm: Was tust du nun für ein Zeichen, auf dass wir sehen und dir glauben? Was wirkst du? Unsere Väter aßen das Manna in der Wüste, wie geschrieben steht: „Brot aus dem Himmel gab er ihnen zu essen.“

Das Volk offenbart seinen Unglauben, indem es ein Zeichen fordert. Sie hatten sehr gut verstanden, dass ein Zeichen ein Beweis für Gottes Eingreifen in die Angelegenheiten der Menschen war. Sie hatten tatsächlich gesehen, wie der Herr fünftausend Menschen zu essen gab, und meinten dennoch, was dies denn im Vergleich zu Mose sei, der das große Volk Israel vierzig Jahre in der Wüste gespeist hatte.

Christus selbst war das Zeichen von göttlichem Einschreiten in Gnade, und die Zeichen, die Er tat, machten ohne Zweifel deutlich, dass es sich um eine göttliche Person in menschlicher Gestalt handelte. Da sie ihr Bedürfnis nicht empfanden, die Schrift nicht kannten und nur sich selbst für wichtig hielten, konnten sie das Zeichen nicht sehen. Sie hielten Ausschau nach einem Christus, der seine Gewalt und Macht über ihre Feinde nach außen hin in der Weise zeigte, dass Israel geehrt werden würde. Stattdessen kam Christus in Niedrigkeit, und sie stießen sich an seiner Niedrigkeit. Hätten sie ein Gefühl für ihr Bedürfnis gehabt, hätten sie nach Erlösung Ausschau gehalten und hätten das Zeichen gesehen. Es ist offensichtlich, dass der, der kam, um die Erlösung durch sein Opfer zu vollbringen, an der Herrlichkeit und Ehre dieser Welt kein Teil haben konnte. Simeon und Anna suchten in Israel nach Erlösung und sahen das Zeichen (Lk 2,34.38).

Verse 32.33

Joh 6,32.33: Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Nicht Mose hat euch das Brot aus dem Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahrhaftige Brot aus dem Himmel. Denn das Brot Gottes ist der, welcher aus dem Himmel herniederkommt und der Welt das Leben gibt.

Der Herr antwortet, dass nicht Mose ihnen Brot vom Himmel gegeben hatte, sondern er war, genau wie das Volk, auch nur Empfänger der Speise. Dann stellt der Herr ihnen drei große Wahrheiten vor, die Ihn als Mensch von Mose und allen anderen Menschen unterscheiden:

  1. Die Gegenwart des Sohnes des Menschen war ein Zeichen für das liebevolle Einschreiten des Vaters zugunsten des Menschen. Gott forderte nichts mehr vom Menschen (in Gerechtigkeit unter Gesetz), sondern der Vater gab dem Menschen etwas (in Liebe unter souveräner Gnade).

  2. Der Herr stellt die großartige Tatsache seiner Menschwerdung vor. Er ist nicht einfach ein Mensch, der auf der Erde groß geworden ist, wie es bei Mose und anderen der Fall war; Er ist der Eine, „der vom Himmel herniederkam“. Er ist wirklich eine göttliche Person, die dennoch als Mensch auf der Erde ist, ein Mensch nach einer völlig neuen Ordnung – ein himmlischer Mensch.

  3. Er ist das Brot Gottes, der „der Welt das Leben“ gibt. Es gibt nicht länger nur Israel Leben auf ihrer Wüstenreise: Christus, das Brot Gottes, ist für jeden, der Ihn braucht.

Vers 34

Joh 6,34: Da sprachen sie zu ihm: Herr, gib uns allezeit dieses Brot!

Im Gedanken an die Bedürfnisse des natürlichen Lebens sagt die Volksmenge: „Herr, gib uns allezeit dieses Brot!“ Ohne ein Empfinden für ihre geistlichen Bedürfnisse entging ihnen seine Herrlichkeit oder die Bedeutung seiner Worte völlig.

Vers 35

Joh 6,35: Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens: wer zu mir kommt, wird nicht hungern, und wer an mich glaubt, wird nimmermehr dürsten.

Als Antwort auf ihre Frage stellt der Herr sich als das wahre Brot vor und stellt ihnen die wunderbaren Folgen vor, die das Zu-Ihm-Kommen hat. Wenn sie nach Brot verlangen, das ihre Bedürfnisse für immer zufriedenstellt, dürfen sie zu Ihm, dem Brot des Lebens, kommen. Als das Brot des Lebens gibt er „Leben“ und „Sättigung“. Dieses Leben ist für die Welt zugänglich. Diejenigen, die für sich selbst das Geschenk des Lebens in Empfang nehmen, indem sie zu Ihm kommen, werden feststellen, dass dieses Leben die Bedürfnisse der Seele zufriedenstellt: Sie werden „nicht hungern“ und „nimmermehr dürsten“.

Vers 36

Joh 6,36: Aber ich habe euch gesagt, dass ihr mich auch gesehen habt und nicht glaubt.

Aus sich selbst lehnt der Mensch jedoch leider den Mensch gewordenen Christus ab, so wie er Ihn auch später als den Gestorbenen (Joh 6,52) und den Auferstandenen (Joh 6,66) ablehnt. So muss der Herr ihnen sagen, dass sie Ihn auch gesehen und nicht geglaubt haben.

Vers 37

Joh 6,37: Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen, und wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen;

Läge das Heil in der Verantwortung der Menschen, wäre nun alles vorbei, niemand würde gesegnet werden. Aber wie immer, wenn sich das Wesen des Menschen offenbart, kommt Gott auf die Ratschläge seines Herzens zurück. Er wird nicht alle verlorengehen lassen noch wird Er zulassen, dass der Sohn des Menschen vergeblich gekommen ist. So gibt es solche, bei denen der Vater das Ziel hatte, ihnen den Sohn zu geben, und als der Herr kann Er sagen: „Alles, was mir der Vater gibt, wird zu mir kommen.“ Angesichts dessen, dass diese vom Vater gegeben werden, wird der Sohn diese aufnehmen: „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.“ Dabei ist es vollkommen einerlei, welche Nationalität oder welchen Charakter diese Menschen haben, ob sie Juden sind oder aus den Nationen stammen, ob es sich um Frauen, die in Sünde gefallen sind, oder hartgesottene Diebe handelt, ob jemand Pharisäer oder Zöllner ist: Wenn sie nur zu Christus kommen, werden sie aufgenommen, denn ihr Kommen ist der Beweis, dass sie eine Gabe des Vaters an den Sohn sind.

Verse 38-40

Joh 6,38-40: … denn ich bin vom Himmel herniedergekommen, nicht auf dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. Dies aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat, dass ich von allem, was er mir gegeben hat, nichts verliere, sondern es auferwecke am letzten Tage. Denn dies ist der Wille meines Vaters, dass jeder, der den Sohn sieht und an ihn glaubt, ewiges Leben habe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage.

Darüber hinaus ist auch die Tatsache, dass der Herr alle aufnimmt, die der Vater gegeben hat, ein Beweis dafür, dass Er gekommen war, den Willen des Vaters zu tun. Der Herr stellt sich als vom Himmel gekommen vor, nicht um seinen Willen zu tun, sondern um als der Diener den Willen dessen zu tun, der Ihn gesandt hat. Der Wille des Vaters wird dem aufgetragen, der in der Lage ist, ihn zu erfüllen. Der Wille einer göttlichen Person kann nur vollkommen von einer göttlichen Person ausgeführt werden, deshalb finden wir in diesen Versen den Vater und den Sohn. Der Wille des Vaters sind seine Ratschlüsse der Gnade, und diese werden von dem Sohn ausgeführt.

Der Wille des Vaters wird in doppelter Hinsicht vorgestellt. Zuerst sehen wir seinen Willen in Bezug auf den Sohn. Es ist der Wille des Vaters, dass die, die dem Sohn gegeben werden, bei Ihm sicher sind, und dass diese alle am letzen Tag von dem Sohn auferweckt werden. Der Wille des Vaters, durch den Sohn ausgeführt, garantiert allen, die zu Christus kommen, vollkommene Rettung von jeder Macht des Bösen und schließlich den Zugang zum vollkommenen Segen am letzten Tag. Christus wird nichts verlieren. An diesem Tag wird alles, was vorher nur für den Glauben bekannt war, offenbar werden. Es könnte so scheinen, dass Generationen von Gottes Volk nicht mehr am Leben sind, von den Menschen vergessen werden und von Gott vergessen werden. Das Wort des Herrn versichert uns, dass dem nicht so ist. Nicht einer ist verloren oder vergessen. Sie alle werden am letzten Tag wieder erscheinen. Die Kraft der Auferstehung, die der Herr ausübt, wird der letzte Beweis dafür sein, dass Er nichts verloren hat. Der „letzte Tag“ bezieht sich auf das Ende der derzeitigen Zeit, wenn Christus kommt, um zu regieren, und die zu sich nehmen wird, die Ihm von dem Vater gegeben wurden, um mit Ihm die himmlische Freude und Erfüllung des Königreichs zu teilen. Dann werden sich die Worte des Herrn vollkommen erfüllen, dass die, die zu Ihm kommen, niemals hungern und dürsten werden.

Als Zweites wird der Wille des Vaters im Zusammenhang mit der Verantwortung des Menschen vorgestellt. Es ist der Wille des Vaters, dass der Sohn allen vorgestellt wird, dass jeder, der den Sohn sieht und an Ihn glaubt, ewiges Leben habe – ein Leben, in dessen Fülle man durch die Auferstehung am letzten Tag eintritt.

Verse 41.42

Joh 6,41.42: Da murrten die Juden über ihn, weil er sagte: Ich bin das Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; und sie sprachen: Ist dieser nicht Jesus, der Sohn Josephs, dessen Vater und Mutter wir kennen? Wie sagt denn dieser: Ich bin aus dem Himmel herniedergekommen?

Die Juden, die nach äußerer Erscheinung urteilen und gemäß der menschlichen Natur argumentieren, können nicht die Tatsache akzeptieren, dass jemand vom Himmel gekommen ist. Dieses Problem gibt es auch heute noch: Der natürliche Mensch kann das Geschlechtsregister Christi nach dem Fleisch verstehen, aber er anerkennt nicht die große Wahrheit, dass Er eine göttliche Person ist, die im Fleisch gekommen ist und somit viel mehr ist als der rechtliche Sohn Josefs oder der tatsächliche Sohn Marias.

Verse 43-45

Joh 6,43-45: Da antwortete Jesus und sprach zu ihnen: Murret nicht untereinander. Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe; und ich werde ihn auferwecken am letzten Tage. Es steht in den Propheten geschrieben:„Und sie werden alle von Gott gelehrt sein“. Jeder, der von dem Vater gehört und gelernt hat, kommt zu mir.

Die Blindheit und der Unglaube des Menschen sind nur ein Beweis dafür, dass ein Werk der Gnade notwendig ist, wenn irgendjemand zu Christus kommen soll. Es steht jedem frei, zu Ihm zu kommen; ist der Mensch jedoch auf sich gestellt, wird er nicht kommen. Da ist keiner, der verständig sei, keiner, der Gott suche. Der Herr zeigt also klar, dass der Mensch nur durch göttliche Gnade gesegnet werden kann. „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass der Vater, der mich gesandt hat, ihn ziehe.“

Der Vater zieht durch göttliche Belehrung gemäß dem Wort „Und sie werden alle von Gott gelehrt sein“. Der Vater erleuchtet die Seele, indem Er zum einen von der Notwendigkeit Christi überzeugt und andererseits die Herrlichkeit Christi offenbar macht. Die Seele ist somit getrieben durch das Bedürfnis und gezogen von der Gnade Christi.

Vers 46

Joh 6,46: Nicht dass jemand den Vater gesehen habe, außer dem, der von Gott ist, dieser hat den Vater gesehen.

Der Herr bewahrt die Wahrheit vor jedem materiellen Gedanken. Von Gott gelehrt zu werden, bedeutet nicht, dass je ein Mensch den Vater gesehen hat. Das Lehren hat einen geistlichen Charakter.

Joh 6,47-50

Joh 6,47-50: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, hat ewiges Leben. Ich bin das Brot des Lebens. Eure Väter haben das Manna in der Wüste gegessen und sind gestorben. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herniederkommt, auf dass man davon esse und nicht sterbe.

Der Herr fährt fort, die Wahrheit in Verbindung mit seiner Menschwerdung zusammenzufassen. Der vom Vater gezogen wird, glaubt an Christus als vom Himmel gekommen und hat ewiges Leben. Das Manna in der Wüste erhielt das natürliche Leben. Das Leben, das Christus gibt, kann der Tod nicht anrühren.

Joh 6,51-55

Joh 6,51-55: Ich bin das lebendige Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist; wenn jemand von diesem Brot isst, so wird er leben in Ewigkeit. Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch, welches ich geben werde für das Leben der Welt. Die Juden stritten nun untereinander und sagten: Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben? Da sprach Jesus zu ihnen: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Es sei denn, dass ihr das Fleisch des Sohnes des Menschen esset und sein Blut trinket, so habt ihr kein Leben in euch selbst. Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat ewiges Leben, und ich werde ihn auferwecken am letzten Tag; denn mein Fleisch ist wahrhaftig Speise, und mein Blut ist wahrhaftig Trank.

Ab hier beginnt der Herr von seinem Tod zu sprechen. Er sagt: „Das Brot aber, das ich geben werde, ist mein Fleisch.“ Er spricht nicht nur davon, dass sein Fleisch gegessen wird, sondern auch davon, dass sein Blut getrunken wird. Er muss sterben, um Frucht zu erhalten. Die Juden hatten bereits in Bezug auf seine Menschwerdung untereinander gemurrt, nun stritten sie über seinen Tod. Mit jeder neuen Wahrheit wird die absolute Unfähigkeit des natürlichen Verstandes, göttliche Dinge zu verstehen, deutlich. Sie sagen: „Wie kann dieser uns sein Fleisch zu essen geben?“ Sie nehmen die Worte des Herrn nicht an, da sie diese mit ihrem Verstand nicht begreifen können.

Göttliche Wahrheiten können nur durch Gnade mittels des Glaubens aufgenommen werden. Der Herr lässt deshalb ihre Frage nach dem Wie unbeantwortet und bekräftigt indes diese Wahrheit mit den folgenden Worten: „Es sei denn, dass ihr das Fleisch des Sohnes des Menschen esset und sein Blut trinket, so habt ihr kein Leben in euch selbst.“ Die Menschwerdung und der Tod Christi werden als Gegenstände und Prüfung des Glaubens vorgestellt. Wie einmal jemand gesagt hat: „Diejenigen, die die Menschwerdung im Glauben annehmen, werden in demselben Glauben seinen Tod annehmen, und nur diese haben ewiges Leben.“ Der Mensch mag vielleicht zugeben, sein vollkommenes Leben zu bewundern und nachzuahmen in menschlicher Weise, aber solche glauben nicht an seine Menschwerdung – dass Er vom Himmel auf die Erde gekommen ist –, und solche werden ebenso seinen Sühnetod ablehnen.

In dem gefallenen Menschen gibt es kein zu Gott gerichtetes Leben. Er lebt in der Sünde, ist aber tot für Gott. Seine böse Natur trennt ihn von Gott. Für den Gläubigen hat der Tod Christi der Herrschaft der Sünde ein Ende gemacht. Er sieht den Tod Christi als seinen Tod und wird somit von der Macht der Sünde befreit und lebendig für Gott.

In Johannes 6,53 und 54 finden wir zwei unterschiedliche Wahrheiten:

  1. das Essen, um das Leben zu empfangen in Vers 53 (im Gedanken an eine bereits ausgeführte Handlung, besser übersetzt mit „gegessen haben“),
  2. das Essen zur Erhaltung des Lebens in Vers 54, in dem uns das Essen als fortdauernde Handlung beschrieben wird.

Joh 6,56-58

Joh 6,56-58: Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt in mir und ich in ihm. Gleichwie der lebendige Vater mich gesandt hat und ich lebe des Vaters wegen, so auch, wer mich isst, der wird auch leben meinetwegen. Dies ist das Brot, das aus dem Himmel herniedergekommen ist. Nicht wie die Väter aßen und starben; wer dieses Brot isst, wird leben in Ewigkeit.

In den folgenden Versen stellt der Herr die Segnung dieses neuen Lebens vor:

  1. Es handelt sich um ein Leben, in dem der Gläubige mit Christus identifiziert wird. Der Herr kann zu dem sagen, der sich aus seinem Tod nährt, dass er in Ihm bleibt und Er in ihm. Der Gläubige wird vor Gott mit Christus identifiziert, und das Leben Christi stellt sich in dem Gläubigen vor den Menschen dar.

  2. Dieses Leben hat Christus zum Gegenstand. Der Herr kann sagen: „Gleichwie der lebendige Vater mich gesandt hat und ich lebe des Vaters wegen, so auch, wer mich isst, der wird auch leben meinetwegen.“ Das führt uns über den Tod hinaus und hat einen lebendigen Christus in Auferstehung als Gegenstand des Lebens eines Gläubigen. Der Herr suchte in seinem Leben auf der Erde nicht seinen Willen oder seine eigene Herrlichkeit, sondern den Willen und die Herrlichkeit des Einen, der Ihn gesandt hatte; Er tat in seinem Leben nur das, woran der Vater Gefallen hatte (Joh 5,30; 7,18; 8,29). Jeden Moment seines vollkommenen Lebens lebte Er dem Vater. So wird auch der christliche Lebenswandel in der Kraft dieses neuen Lebens zur Herrlichkeit und nach dem Willen und Wohlgefallen Christi sein.

  3. Auf diesem Leben liegt kein Schatten des Todes. Das natürliche Leben, das durch natürliche Nahrung erhalten wird, wird durch den Tod beendet. Das Leben, das durch Christus erhalten und Christus zum Gegenstand hat, kann der Tod nicht beenden.

Verse 59-62

Joh 6,59-62: Dieses sprach er in der Synagoge, lehrend zu Kapernaum. Viele nun von seinen Jüngern, die es gehört hatten, sprachen: Diese Rede ist hart; wer kann sie hören? Da aber Jesus bei sich selbst wusste, dass seine Jünger hierüber murrten, sprach er zu ihnen: Ärgert euch dieses? Wenn ihr nun den Sohn des Menschen dahin auffahren sehet, wo er zuvor war?

Die Unterredung des Herrn hatte den Unglauben der Volksmenge (Joh 6,36), den Unglauben der Juden (Joh 6,41.42.52) und schließlich den Unglauben der Jünger offenbar gemacht. Wenn sie es schon schwer finden, an die Menschwerdung und den Tod Christi zu glauben, wie viel mehr werden sie Anstoß daran nehmen, wenn der, der in den Tod geht, in Herrlichkeit emporsteigt? Der natürliche Mensch und das Fleisch in den Jüngern ist nicht in der Lage, über die Erde und irdische Segnungen hinauszugehen. Christus als vom Himmel herniedergekommen und Mensch geworden, kann der Mensch nicht annehmen; Christus, der in den Tod geht, verletzt seinen Stolz; Christus, der zum Himmel auffährt, übersteigt seinen Verstand bei weitem. Alle diese großartigen Wahrheiten gehören zusammen. Lehnt man eine davon ab, so sind auch die anderen verloren; der Glaube an eine dieser Wahrheiten ermöglicht es, auch an alle anderen zu glauben.

Vers 63

Joh 6,63: Der Geist ist es, der lebendig macht; das Fleisch nützt nichts. Die Worte, welche ich zu euch geredet habe, sind Geist und sind Leben …

Der Unglaube des Fleisches ist lediglich ein Beweis dafür, dass es nicht davon profitiert. Es mag hochkultiviert sein wie z.B. bei Nikodemus oder Saulus von Tarsus, aber selbst dann ist es absolut nicht imstande, die Dinge Gottes aufzunehmen. Es ist der Geist, der lebendig macht durch Christus und seine Worte, die den Charakter des Geistes annehmen. Diese sind geistlich, und wo der Geist wirkt, sind sie Leben.

Verse 64.65

Joh 6,64.65: … aber es sind etliche unter euch, die nicht glauben. Denn Jesus wusste von Anfang, welche es seien, die nicht glaubten, und wer es sei, der ihn überliefern würde. Und er sprach: Darum habe ich euch gesagt, dass niemand zu mir kommen kann, es sei ihm denn von dem Vater gegeben.

Es gab einige, die bekannten, seine Jünger zu sein, die aber nicht glaubten. Die Menschen können Ihm aufgrund materieller Vorteile tatsächlich in der Menge folgen, aber kein Mensch kam wirklich zu Christus, außer es war ihm vom Vater gegeben worden. Der Vater zieht (Joh 6,44); der Sohn spricht (Joh 6,63), und der Geist macht lebendig, indem Er seine Worte in Macht auf die Seele anwendet.

Verse 66-71

Joh 6,66-71: Von da an gingen viele seiner Jünger zurück und wandelten nicht mehr mit ihm. Da sprach Jesus zu den Zwölfen: Wollt ihr etwa auch weggehen? Simon Petrus antwortete ihm: Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens; und wir haben geglaubt und erkannt, das du der Heilige Gottes bist. Jesus antwortete ihnen: Habe ich nicht euch, die Zwölf, auserwählt? Und von euch ist einer ein Teufel. Er sprach aber von Judas, Simons Sohn, dem Iskariot; denn dieser sollte ihn überliefern, er, der einer von den Zwölfen war.

Nach der Bloßstellung des Fleisches in seinem Unglauben gingen viele seiner Jünger zurück und gingen von dort an nicht mehr mit Ihm. Die Volksmenge, die Juden und die Jünger hatten alle die Wahrheit der Worte des Herrn bewiesen: „Das Fleisch nützt nichts.“ Eine Gruppe bleibt übrig – die Zwölf –, und der Herr fragt sie: „Wollt ihr etwa auch weggehen?“ Wie schön Petrus’ Antwort: „Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte ewigen Lebens und wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist.“

Wenn auch die Unterredung des Herrn den Unglauben des Fleisches offenbar gemacht hat, so hat sie auch den Glauben wahrer Gläubiger bestätigt. Wenn solche Ihn verlassen, mögen sie vielleicht immer noch religiöses Bekenntnis, vorübergehenden Vorteil und Ehre in der Welt finden; das Leben – das ewige Leben – würden sie jedoch für immer hinter sich lassen und damit verbunden auch alle himmlischen und ewigen Segnungen, zu denen das ewige Leben führt.

Und dennoch: Wenn man auch einer der Zwölf wäre, befindet man sich auch hier nicht auf sicherem Boden, auf den man bauen kann, denn in diesem Kreis – dem Herrn am nächsten und deshalb auch der privilegierteste Platz – kann das Böse des Fleisches in vollem Ausmaß tätig werden. Einer von ihnen stand so unter der Macht des Teufels, dass der Herr von ihm sagen konnte, er „ist ein Teufel“. Zur gegebenen Zeit würde er durch die Überlieferung des Herrn offenbar werden.

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